Leseempfehlungen

Dienstag, 13. Dezember 2011

{Rezension} Judaswiege von Ben Berkeley




Verlag: Piper Verlag
Taschenbuchausgabe: 464 Seiten

Genre: Amerikanischer Thriller
ISBN: 9783492272919

Erscheinungsdatum: Dezember 2011
Preis: 9,99 €

Die Triple-Identity

Im Jahr 2004 verschwindet die junge Jessica von Bingen spurlos auf Hawaii. Nur ihr Auto wird gefunden, die Ermittlungen verlaufen im Sande. Rund 7 Jahre später erscheinen kurze Bildsequenzen im Netz, auf denen auch Jessica in reell wirkenden Folterszenen zu sehen ist. Dies ruft das FBI auf den Plan. Der Profiler Sam Burke übernimmt den Fall und zieht seine ehemalige Kollegin Klara „Sissi“ Swell als Beraterin hinzu. Während Sam und Klara mit ihren Ermittlungen beginnen, wird bereits eine erste Frauenleiche gefunden, die ganz eindeutige Folterspuren aufweist. Die junge Frau wurde mit einer sogenannten Judaswiege gepfählt. Und der Serienmörder, der seine Opfer mithilfe einer Autobombe zu abgelegenen Plätzen lockt, um ihnen so habhaft zu werden, hat bereits sein nächstes Opfer ins Visier genommen.

Sam Burke und Klara Swell erhalten unerwartete Unterstützung von dem versierten Rechtsanwalt Thibault Stein, der im Auftrag von Jessicas Ehemann ebenfalls in dem Fall aktiv ist. Und obwohl die Ermittlungen von allen Seiten auf Hochtouren laufen, lässt sich einfach keine Gemeinsamkeit zwischen den Opfern herstellen, der Täter scheint planlos über das ganze Land hinweg zu morden und anschließend Bildsequenzen seiner Folterungen ins Netz zu stellen.

Die Story an sich ist jetzt nicht unbedingt neu, irgendwie hat man alles schon einmal gelesen, aber die Umsetzung ist Ben Berkeley dennoch gut gelungen. Hinzu kommt, dass er sein Fachwissen als Experte für Medien- und Täterpsychologie mit einfließen lässt und dadurch gerade die reine Ermittlungsarbeit durchaus realistisch und überzeugend wirkt.

Ohne großes Vorgeplänkel steigt Ben Berkeley bei seinem Erstlingswerk in die Story ein und so ist man zu Beginn gleich bei der Entführung von Jessica dabei und bekommt schon eine kleine Ahnung davon, wie der Täter agiert. Den temporeichen Erzählstil hält der Autor bei und so entwickelt sich der Thriller bis zum Schluss äußerst spannend und fesselnd.

Die Story erzählt Ben Berkeley aus verschiedenen Perspektiven und lässt hierbei auch den Serienmörder nicht außen vor, ohne hierbei jedoch in irgendeiner Form auf dessen Identität einzugehen. Sein Motiv kristallisiert sich im Verlauf des Thrillers zwar heraus, nach welcher Methodik er jedoch seine Opfer auswählt, dies verrät einem der Autor erst auf der letzten Seite. Und diese Idee fand ich wirklich gelungen. Zudem hat mir gefallen, dass Ben Berkeley nicht zu blutrünstig schreibt. Zwar erklärt er schon, wie die jungen Frauen ermordet wurden, geht hierbei aber nicht sehr auf Details ein. Eher legt er bei dem aktuellen Entführungsfall mehr den Fokus auf die Angst und Verzweiflung des Opfers, was einem beim Lesen stellenweise schon nahe geht.

Vordergründig ist man aber natürlich bei den Ermittlungen und somit beim Team von  Profiler Sam Burke dabei. Hierbei stellt man auch ziemlich schnell fest, dass das Verhältnis zwischen Klara und Sam durch ein Ereignis aus der Vergangenheit vorbelastet ist, die Beiden aber doch soweit Profis sind, um dies nicht in ihre Arbeit mit einfließen zu lassen. Zusätzlich wird man auch ständig über die Aktivitäten des Anwalts Stein und seiner Assistentin Pia Lindt auf dem Laufenden gehalten. Zudem gewährt der Autor einem als Leser auch ein wenig Einblick in das Privatleben der einzelnen Mitwirkenden, ohne dies jedoch zu sehr in den Fokus zu rücken. Zudem sind die Wechsel der Erzählstränge recht häufig und zumeist sehr gut gelegt, wodurch die Spannung konstant auf hohem Niveau gehalten wird.

Seine Charaktere sind ziemlich unterschiedliche Typen. Das ist einmal die sympathische, resolute und sture Klara Swell, die für Ermittlungen auch gerne einmal ziemlich unkonventionelle Wege einschlägt. Ihr Pendant ist der Psychiater und FBI-Profiler Sam Burke. Dieser stringent arbeitende, immer korrekt angezogene und eher konservativ eingestellte Ermittler ist zwar nicht immer mit Klaras Aktivitäten einverstanden, deckt sie aber gewissenhaft gegenüber ihren Vorgesetzten. Tja, und dann gibt es noch den älteren Herrn, Rechtsanwalt Thibault Stein. Dieser ist wahrhaft ein Gentleman alter Schule, gewitzt, integer und wirklich mit allen Wassern gewaschen. Und auch er schreckt nicht vor unlauteren Mitteln zurück, wenn diese dem Fall nutzen können.

Fazit: Ein sehr spannender Thriller, der weitgehendst auf blutrünstige Szenen verzichtet, mit einer recht komplexen und schlüssigen Story aufwarten kann und ein Ermittlerteam präsentiert, das überaus sympathisch dargestellt wird. 

Der Autor:
Ben Berkeley, Jahrang 1975, wurde als Sohn deutscher Einwanderer in Palo Alto geboren und wuchs in der Bay Area auf. Nach einem Psychologiestudium wurde er Berater des FBI und ist einer der führenden Experten für Medien- und Täterpsychologie. Ben lebt in Santa Barbara, Kalifornien und Tel Aviv, Israel. "Judaswiege" ist sein erstes Buch. 



Kommentare:

  1. Klasse, klingt doch spannend!
    Ein weiteres Buch für meine WL! Danke für diese ausführliche Rezi!

    Liebe Grüße
    Anka

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  2. Hi Anka,
    ja, ist wirklich spannend, vor allem für ein Erstlingswerk. Kann es Thrillerfans nur empfehlen.
    LG Isabel

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  3. Hört sich wirklich super spannend an. Bin leider aber immer noch mit meinem SUB-Abbau beschäftigt
    Lg

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  4. Oh, das kann ich gut verstehen, gegen den kämpfe ich auch an :)
    LG Isabel

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  5. Huhu!
    du hast bei meinem Adventskalender gewonnen. Kannst du mir bitte deine Adresse an kueppersonja@web.de schicken?
    lg sonja

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