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Dienstag, 23. August 2011

{Rezension} XY von Sandro Veronesi

Verlag: Klett Cotta Verlag
Übersetzer: Michael von Killisch-Horn
Gebundene Ausgabe: 380 Seiten
Genre: Zeitgenössischer Roman
ISBN: 978-3-608-93960-6
Erscheinungsdatum: 24. August 2011
Preis: 22,95 €

Die wunderbare Absurdität des Hierseins

Borgo San Giuda ist ein kleiner Weiler, nicht als Dorf zu bezeichnen mit seinen gerade einmal 74 Häusern und 42 Seelen. Und so läuft das Dorfleben in den italienischen Bergen auch in geordneten Bahnen. Bis an einem verschneiten Wintertag der Pferdewagen von Beppe ohne ihn, ohne Touristen und ohne Lebensmittel ankommt. Pfarrer Don Ermete und zwei andere Dorfbewohner machen sich auf die Suche nach Beppe und den Touristen und müssen schon bald eine grausame Entdeckung machen. Die herbeigerufene Polizei steht schon bald vor einem schier unlösbaren Rätsel: Bei der Obduktion werden an den 11 Leichen elf verschiedene Todesarten festgestellt: u.a. Mord, Selbstmord, Krebs, Haibiss und Ersticken. Die Staatsanwaltschaft versucht, dieses grausame Geschehen zu vertuschen und als die Bewohner von San Giuda nach und nach ein merkwürdiges Verhalten an den Tag legen, reist die Psychologin Giovanna in das Bergdorf und versucht zusammen mit Don Ermete, hinter das Geheimnis des rätselhaften Geschehens zu kommen.

Ausdrucksstark und bildhaft beginnt Sandro Veronesi seinen Roman und erzählt so anfangs erst ein wenig über das beschauliche, in geordneten Bahnen verlaufende Leben des Dorfes. Und gerade die Schilderung dieses anfangs so beschaulichen, so vorhersehbaren Lebens sorgt dafür, dass jetzt der Gänsehauteffekt einsetzt, als er urplötzlich auf das grauenhafte Geschehen umschwenkt. Die Stimmung ist plötzlich sehr geheimnisvoll, mysteriös und durch die Abgeschiedenheit des Dorfes wirkt die Story hier irgendwie auch gruselig.

Diese Szene beschreibt der Autor aus Sicht von Don Ermete, dem Dorfpfarrer, anschließend wechselt er zum Leben der Psychiaterin Giovanna. Und auch diese Szene ist äußerst verwirrend. In der Ich-Form beschreibt Sandro Veronesi die Gefühle von Giovanna als sie feststellen muss, dass eine fünfzehn Jahre alte Narbe an ihrem Finger wieder aufgebrochen ist. Als dann Giovanna aus dem Radio über das grausame Geschehen in San Giuda erfährt, sieht sie hier sofort einen Zusammenhang.

Und so wechselt die Geschichte ständig zwischen Giovanna und Don Ermete. Und man lernt so ihre Gedanken, ihre Gefühle und somit auch nach und nach etwas über ihr Leben kennen. Hierdurch stellt man schnell fest, dass Beide traumatische Erlebnisse in ihrer Vergangenheit hatten, die sie bis heute geprägt haben oder aber auch noch nicht verwunden haben. Dies alles vermittelt der Autor tiefschürfend, geheimnisvoll und anspruchsvoll, durchaus auch interessant, jedoch sehr spannungsarm.

Tja, und bald stellt man fest, dass zwar das grausame Geschehen im Wald von San Giuda der Dreh- und Angelpunkt des Romans ist, jedoch im Verlauf der Geschichte immer mehr in den Hintergrund rückt und das es sich hierbei definitiv nicht um einen Thriller handelt. Eher ist es eine Geschichte über Glaube und Vertrauen und über Schuld und Unschuld. Somit ist das Buch mehr eine Analyse über die Seelenwelt von Giovanna und Don Ermete, ihre Bewältigung mit ihrer Vergangenheit und die ständige Infragestellung ihrer Gefühle.

Keine Frage, der Sprachstil von Sandro Veronesi überzeugt von Anfang an, er sehr ausdrucksstark und durchaus anspruchsvoll. Doch die ständigen Analysen der Seelenwelt der Protagonisten ist teilweise extrem ausschweifend beschrieben und obwohl einen schon schnell klar ist, dass die Auflösung dieses seltsamen Geschehens im Wald von San Giuda keine logische Lösung haben kann und man somit lange rätselt, wie diese der Autor seinen Lesern präsentieren wird, verliert man doch recht bald die Lust am Lesen. Denn die Spannung verliert sich nach dem fulminanten Start extrem schnell und gerade die ständigen Telefonate zwischen Giovanna und ihrer Mutter haben mich irgendwann ziemlich angenervt. Ein wenig Spannung kam eigentlich für mich erst wieder zum Schluss auf, als Giovanna und Don Ermete gemeinsam in der Kirche versuchen, hinter das Geheimnis zu kommen. Aber da ist der Roman auch schon fast wieder fertig.

Fazit: Wer sich für Psychologie und Religiosität auf anspruchsvoller Ebene interessiert, liegt mit dem Roman sicherlich richtig. Wer jedoch einen Psychothriller erwartet, wird sehr enttäuscht sein.

Freitag, 27. Mai 2011

{Leseeindruck} XY von Sandro Veronesi


Verlag: Klett Cotta Verlag
Übersetzer: Michael von Killisch-Horn

Gebundene Ausgabe: 380 Seiten
Genre: Italienischer Krimi
ISBN: 978-3-608-93960-6

Erscheinungsdatum: 24. August 2011
Preis: 22,95 €


Das Schicksal ist nicht unsichtbar

Borgo San Giuda ist ein kleiner Weiler, nicht als Dorf zu bezeichnen mit seinen gerade einmal 74 Häusern und 42 Seelen. Und so steigt der Autor erst einmal damit ein, dass er seinen Lesern ein wenig über diesen abgelegenen Ort und dessen Einwohner erzählt wie auch ein wenig über den Ich-Erzähler von diesem Teil der Geschichte.

Das Leben im Dorf läuft in geordneten Bahnen bis eines Tages der Pferdewagen von Beppe ohne ihn, ohne Touristen und ohne Lebensmittel ankommt. Und gerade die Schilderung dieses anfangs so beschaulichen, so vorhersehbaren Lebens sorgt dafür, dass jetzt der Gänsehauteffekt einsetzt. Die Stimmung ist plötzlich sehr geheimnisvoll, mysteriös und die Abgeschiedenheit des Dorfes wirkt irgendwie auch gruselig.

Und dann gibt es einen Szenenwechsel, der erst einmal äußerst verwirrend ist. Die Ich-Erzählerin erwacht in ihrem Bett, um sie herum alles voll Blut. Wieso glaubt sie, ermordet worden zu sein, warum diese irrwitzigen Gedanken? Sandor Veronesi schildert so eindringlich die für einen so unverständlichen  Gedanken der Ärztin Giovanna, dass man ihre panische Angst und Verwirrung regelrecht mitfühlen kann. Und schon wieder ergeben sich für den Leser mehr Fragen als Antworten. Warum ist eine Narbe an einem Finger von ihr wieder aufgegangen, die bereits 15 Jahre alt ist und warum reagiert sie dabei so konfus?

Die Story wechselt in kurzen Kapiteln ständig zwischen diesen beiden so unterschiedlichen, scheinbar nicht miteinander in Verbindung stehenden Erzählsträngen. Der Autor geht dabei sehr ausführlich vor und reizt geradezu die Neugier des Lesers hierdurch bis aufs äußerste. Hierbei erfährt man immer nur bruchstückhaft etwas über die beiden Ich-Erzähler, kann sich absolut keinen Reim auf die Zusammenhänge machen und genau an einer sehr spannenden Stelle endet die Leseprobe.

Man bekommt bei der Leseprobe noch nicht so viel von der Handlung mit, hat noch keine Ahnung auf was die Story hinauslaufen wird, aber sie macht in jedem Fall extrem neugierig auf den weiteren Verlauf, zumal alles sehr mysteriös und rätselhaft wirkt.