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Montag, 19. Juli 2010

{Rezension} Das schottische Vermächtnis von Susanna Kearsley

Verlag: Piper Verlag 
Übersetzer: Sonja Hauser
Taschenbuchausgabe: 448 Seiten
ISBN: 3492257399 
Genre: Mystery Roman
Erscheinungsdatum: 19. Dezember 2009 
Preis: 8,95



Das genetische Erbe

Für ihren neuen Roman mietet die Autorin Carrie McClelland sich in Slains ein kleines Cottage mit Blick auf Slains Castle. Schon bald merkt sie, dass ihr Roman, der Anfang des 18. Jahrhunderts in Schottland spielt, ein Eigenleben entwickelt. Wie unter Zwang schreibt sie Kapitel um Kapitel, um dann bei späteren Recherchen feststellen zu müssen, dass ihre scheinbare Fantasie der Realität entspricht und sich alles genau zu zugetragen hat, wie sie es in ihrem Roman erzählt. Und auch bei Graham, einem Historiker aus Aberdeen, der am Wochenende immer seinen Vater in Slains besucht, wird Carrie das Gefühl nicht los, ihn bereits viel länger zu kennen.

Susanna Kearsley verbindet geschickt und sehr unterhaltsam in ihrem Roman Gegenwart und Vergangenheit. Neben den Erlebnissen von Carrie in Slains, ihren Recherchen zu ihrem Roman und ihre Freundschaft zu Graham und den restlichen Dorfbewohnern erzählt die Autorin in einem weiteren Handlungsstrang die Erlebnisse von Sophia um das Jahr 1708, der Protagonistin aus Carries Roman.

Die Übergänge zwischen den beiden Handlungssträngen sind fließend und enden meist an der spannendsten Stelle, sodass der Unterhaltungswert durchweg sehr hoch ist und man gebannt weiterliest. Wobei hier aber die Erzählungen von Sophia überwiegen, der interessanteste und spannendste Teil ist und die Geschichte von Carrie mehr nur die Rahmenhandlung bildet.

Die Informationen, welche man rund um den Jakobiten-Aufstand im Jahr 1708 und dem missglückten Thronanspruch von Jakob VIII. von Schottland erhält, sind durchweg sehr informativ und kurzweilig in die Geschichte mit integriert.

Ihre beiden Protagonistinnen Carrie und Sophia nehmen schon nach wenigen Seiten Konturen an und überzeugen absolut. So steht auf der einen Seite die junge Waise Sophia, die bei entfernten Verwandten aus Slains liebevoll aufgenommen wird und hier auch ihre große Liebe findet. Susanna Kearsley gelingt es sehr gut, das gesellschaftliche Leben dieser Zeit zu vermitteln und die Geschichte von Sophia und ihrer großen Liebe John Morray gefühlvoll, aber nicht kitschig zu beschreiben.

Die Schriftstellerin Carrie ist eine selbstbewusste junge Frau, die natürlich anfangs über ihre Eingebungen zu ihrem Roman etwas irritiert ist, dies aber dann als gegeben hinnimmt und durchaus auch wissenschaftlich an das Phänomen herantritt. Ihr zur Seite stellt die Autorin ihr Graham, einen Historiker, der über genug Selbstbewusstsein verfügt, um die Avancen seines Bruders Stuart Carrie gegenüber mit stoischer Ruhe und stellenweise belustigend hinnehmen zu können.

Alles in allem ein sehr unterhaltsamer, kurzweiliger Roman mit sympathischen Charakteren und einer interessanten Geschichte als Grundlage.

Mittwoch, 30. Juni 2010

{Rezension} Mariana von Susanna Kearsley


VerlagPiper Verlag
Übersetzer: Karin Diemerling
Taschenbuchausgabe: 349 Seiten
ISBN-10: 3492248098
Genre:  Mystery Roman
Erscheinungsjahr: 1999
Preis: 9,95 €

 

Das Geheimnis der „Grünen Frau“

Weil ihr Vater sich bei einer Heimfahrt mit dem Auto verfahren hatte, sieht die fünfjährige Julia durch Zufall in dem kleinen Städtchen Exbury ein altes Bauernhaus. Sofort beschließt sie, dass dies ihr Haus ist. Rund 15 Jahre später verfährt sich dieses Mal Julia selbst und trifft wieder auf dieses alte Bauernhaus, doch es müssen erst nochmal acht Jahre vergehen, bis sie das Haus wiederfindet, das sie so magisch anzieht. Und nun kauft sie es endlich und zieht glücklich von London nach Exbury. Schnell freundet sie sich mit der Dorfgemeinschaft an. Allerdings geschehen auch einige Merkwürdigkeiten. Sieht sie doch immer wieder einen Mann auf einem grauen Pferd, den sonst niemand sieht und plötzlich erlebt sie so etwas wie Tagträume, die sie in das 17. Jahrhundert katapultieren und sie die junge Mariana sein lässt. Ein Geheimnis umgibt Mariana, hinter das Julia unbedingt kommen möchte und schon bald „reist“ sie bewusst immer wieder ins Jahr 1665, um zu erfahren, welche Verbindung zwischen ihr und Mariana besteht.

Susanna Kearsley gelingt es mühelos ihrer Geschichte eine herzlich, warme Atmosphäre zu geben. Dies ist auch bedingt durch ihren fesselnden und sehr flüssigen Schreibstil, der einen das Buch kaum aus der Hand legen lässt.  Sie lässt ihre Protagonistin selbst ihre Geschichte wie auch die Erlebnisse von Mariana erzählen und so erhält man schon schnell einen sehr guten Einblick in den Charakter von Julia. Und so vermittelt die Autorin dem Leser auch sehr gut die verständlichen Zweifel, die Unsicherheit und auch die Neugier von Julia, die sie durch die Zeitreisen empfindet. Stellenweise ist das Gleiten zwischen Vergangenheit und Gegenwart so fließend, dass man selbst erst nach 2-3 Sätzen merkt, dass sich die Zeit geändert hat, was gut das Gefühl vermittelt, welches Julia empfindet. Denn auch für sie kommen diese Wechsel fast ohne Vorankündigung und erst mit der Zeit lernt sie, diese teilweise zu steuern.

Die Geschichte ist eine absolut gelungene Mischung zwischen Mystik  und Realität und der Autorin gelingt es problemlos, einem die Story glaubhaft zu vermitteln. Zudem überrascht der Roman immer wieder mit interessanten Wendungen, ist durchweg sehr unterhaltsam mit einen guten Schuss trockenem Humor erzählt, besonders zum Ende hin auch wirklich spannend und lässt einen während des Lesens schmunzeln, lachen, nachdenklich und traurig sein. Eine absolut perfekte Mischung.

Julia Beckett ist eine junge, gesellige, offenherzige Illustratorin, die auch mal wunderbar über sich selbst lachen kann und vor allem sehr neugierig ist. Anfangs noch glaubt sie verständlicherweise, dass sie verrückt werden muss, wie sonst lassen sich solche Zeitreisen bzw. Tagträume erklären. Doch ihr ziemlich unorthodoxer Bruder, der sinnigerweise den Namen Thomas Beckett trägt und als anglikanischer Pfarrer in der Nachbargemeinde Hampshire lebt, glaubt ihren Erlebnissen und unterstützt sie dabei, hinter das Geheimnis von Mariana zu kommen.

Und auch die weiteren Charaktere angefangen von Vivian, die im dorfeigenen Pub arbeitet und sich als wunderbare Freundin entwickelt, wie auch der schottische Landwirt und leidenschaftliche Gärtner Ian Sumner und der gar nicht eingebildete und herrlich unkomplizierte Gutsherr Geoffrey de Morney sind sehr sympathische, facettenreiche Charaktere und so bildhaft beschrieben, dass man sie binnen kürzester Zeit vor Augen hat.

Fazit: Ein hervorragend gelungener Roman, der absolut nicht kitschig und in keiner Weise klischeehaft ist und von der ersten bis zur letzten Seite wunderbar unterhält.