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Mittwoch, 14. September 2011

{Rezension} Isenhart von Holger Karsten Schmidt

Verlag: Kiepenheuer & Witsch Verlag
Gebundene Ausgabe: 807 Seiten
Genre: Historische Kriminalroman
ISBN: 10-3462043323
Erscheinungsdatum: 15. September 2011
Preis: 19,99 €


"... Der unstillbare Trieb nach Erkenntnis ..."


Im Jahr 1171 wird in einer kleinen Kate nahe der Burg derer von Laurin der Junge Isenhart tot geboren und wieder zum Leben erweckt und dies sogar zweimal. Da sein Vater unbekannt ist und seine Mutter bei seiner Geburt starb, wächst Isenhart als Sohn des Dorfschmieds auf. Schon früh wird ihm ein seltenes Privileg dieser Zeit zuteil: Zusammen mit dem Fürstensohn Konrad von Laurin erhält Isenhart Unterricht von Vater Hieronymus. So lernt der wissbegierige Junge lesen und schreiben und dank seinem Mentor Walther von Ascisberg auch eine Einführung in die höhere Mathematik. Als Jugendlicher verliebt er sich in die Tochter des Hauses, Anna von Laurin. Wegen seines Standes verheimlichen sie ihre Liebe zueinander, allerdings währt diese nicht lange. Eines Abends findet Isenhart seine Jugendliebe ermordet im Schnee liegen, ihr Herz wurde herausgeschnitten. Schnell ist der Schuldige ausgemacht und gerichtet. Doch war er es wirklich? Isenhart hat daran so seine Zweifel.

Jahre später gehören Konrad und Isenhart der Stadtwache von Spira an und werden zu einem Stall gerufen. Dort finden sie die Leiche eines jungen Mädchens. Das Brisante daran, ihr wurde ebenfalls das Herz entfernt. Sollte Isenhart mit seiner Ahnung Recht gehabt haben, ist hier ein Serienmörder am Werk, der es auf die Herzen von Jungfrauen abgesehen hat? Zusammen mit Konrad verfolgt Isenhart die vorhandenen Spuren, welche sie bis nach Toledo führen. Dort geht für Isenhart ein Traum in Erfüllung. Noch immer voll unstillbarem Hunger nach Wissen trifft er in der Puente von Toledo auf den „Basar des Wissens“, bei dem Männer jeden Glaubens frei und ohne Angst ihre Erkenntnisse und ihr Wissen untereinander austauschen können. Und Isenhart findet hier auch Hinweise zu seiner geheimnisvollen Herkunft. 

Die Idee, den Fall eines Serienmörders in das Mittelalter zu verlegen und dies durch einen Profiler seiner Zeit ermitteln zu lassen, finde ich richtig originell und Holger Karsten Schmidt ist die Umsetzung perfekt gelungen. Der Roman wirkt hervorragend recherchiert und  der Autor vermittelt einem durch die stellenweise Verwendung alter Bezeichnungen und Begrifflichkeiten wunderbar das Leben der damaligen Zeit, hierdurch wirkt der Roman sehr authentisch. Hinzu kommt, dass er auch den Ursprung für viele Redewendungen wie „alles in Butter“ oder „die Leviten lesen“  erklärt. Zwar verliert sich Holger Karsten Schmidt des Öfteren in ziemlich ausführlichen Dialogen, die etwas den Spannungsfluss bremsen, doch dies gehört einfach zu den Eigenheiten von Isenhart und ist nie langatmig, sondern unterhaltsam und vor allem sehr informativ. 

Die Geschichte des Buches umspannt rund 30 Jahre im Leben von Isenhart und so verfolgt man von Anfang an gebannt das abenteuerliche und aufregende Leben dieses nach Wissen hungernden Jungen/Mannes. Ständig hinterfragt er alles und gibt sich mit einfach Antworten nicht zufrieden. Hierbei stößt er ständig an Grenzen und trifft auch auf den Unmut seiner Umgebung. Denn in seiner Zeit war dies nicht üblich, die Bibel und vor allem die Kirche gaben die Antworten vor, selbständiges, freies Denken war unerwünscht, ja sogar gefährlich und als ketzerisch verschrien. So muss Isenhart auch seinen Traum vom Fliegen in aller Heimlichkeit nachgehen, doch dies schreckt ihn nicht ab, hier ständig weiter zu forschen, nur um sich einmal wie ein Vogel in den Himmel zu erheben. 

Isenhart interessiert sich besonders für die Naturwissenschaften und ihn beschäftigen für uns heutzutage so selbstverständliche Dinge wie z. Bsp. warum die Bäume im Herbst ihre Blätter verlieren. Damals stellten solche Fragen die göttliche Schöpfung in Frage und galt somit als ketzerisch. Aber selbst auf die Gefahr hin, mal wieder Schläge von Vater Hieronymus zu erhalten, fragt er unbeirrt weiter. Dieser neugierige, für seine Zeit hochintelligente, schmächtige Junge und später als Mann war mir mit seiner offenen, direkten, ehrlichen Art sofort sympathisch. Sein Pedant findet er in Konrad von Laurin, der erst zuschlägt und dann Fragen stellt, immer etwas ungestüm ist, leicht zornig wird und gutmütig und treu ohne groß Fragen zu stellen hinter Isenharts Entscheidungen steht. 

Der Sprachstil des Autors ist durchweg flüssig, fesselnd, prall und sehr bildhaft. Immer wieder überrascht er mit unerw
artenden Wendungen im Fall des Serienmörders, lange bleibt einem die Identität des Mörders verborgen. Auch sein Motiv, was er denn nun mit den Herzen vorhat, offenbart sich einem erst im zweiten Drittel des Buches. So ist auch die Spannung durchweg vorhanden, bedingt auch dadurch, dass man sehr lange um die mysteriöse Herkunft von Isenhart rätselt. Die Auflösung des Falls wie auch die Herkunft Isenharts ist schlüssig umgesetzt und lässt zum Schluss keine Fragen mehr offen. 


Fazit: Ein intelligenter, sehr gut recherchierter Kriminalroman aus dem Mittelalter, der durch seine interessante, atmosphärisch dicht umgesetzte Geschichte und den wunderbar beschriebenen Charakteren überzeugt.

Dienstag, 21. Juni 2011

{SuB-Zuwachs} Historischer Buchzuwachs

Hallo Ihr Lieben,

heute hat mal wieder der Postbote geklingelt und im Gepäck hatte er ein neues Rezensionsexemplar für mich ... jubel ... freu ... Dieses Mal ist es ein historischer Krimi, der im 12. Jahrhundert spielt. Allerdings müst Ihr Euch mit meiner Rezension noch ein wenig gedulden, da es eine Sperrfrist bis 15.09.2011 hat. Ich lese es allerdings in jedem Fall in den nächsten zwei Wochen ... bin nämlich schon ziemlich neugierig auf das Buch.

Und hierum handelt es sich:

Holger Karsten Schmidt
Isenhart

Roman

ISBN: 978-3-462-04332-7
Erscheinungsdatum: 15. September 2011
816 Seiten, gebunden

Noch nicht erschienen
Euro (D) 19,99 | sFr 28,90 | Euro (A) 20,60


Im Namen des Herzens

Ein Serienmörder im hohen Mittelalter. Der junge Schmied Isenhart versucht ihm als früher »Profiler« auf die Spur zu kommen – und zugleich dem Geheimnis seiner eigenen Existenz. Ein umwerfend spannender Roman aus einer Zeit, in der der freie Geist mit Denkverboten rang – und die uns gar nicht so fern erscheint.

Anno Domini 1171. Isenhart stirbt bei der Geburt. Und wird wieder zum Leben erweckt. Der wissbegierige Junge, der irgendwie »anders« ist, wächst als Sohn eines Schmieds auf der Burg Laurin bei Spira auf. Zusammen mit Konrad, dem Stammhalter des Hauses Laurin, erhält er Zugang zu einem ungeheuren Privileg: Bildung. Isenharts Welt bricht entzwei, als seine heimliche Liebschaft, die Fürstentochter Anna von Laurin, barbarisch ermordet – und ihr das Herz geraubt – wird. Der Mörder ist schnell gefasst und gerichtet. Doch dann ereignet sich ein weiterer Mord nach identischem Muster. Isenhart und Konrad machen sich auf, den Serienmörder mit den forensischen Mitteln ihrer Zeit zur Strecke zu bringen. Die Jagd führt sie bis ins ferne Iberien, in den »Basar des Wissens« von Toledo, wo freie Geister aus Morgen- und Abendland sich austauschen. Dann findet Isenhart in einem dunklen Gewölbe nie gesehene anatomische Zeichnungen des menschlichen Herzens …


Der Autor:

Holger Karsten Schmidt, geboren 1965 in Hamburg, studierte Germanistik und Politikwissenschaft in Mannheim. 1992–1997 folgte ein Drehbuchstudium an der Filmakademie Baden-Württemberg. Seit vielen Jahren zählt er zu den erfolgreichsten Drehbuchautoren Deutschlands. 2010 waren drei Filme für den Adolf-Grimme-Preis nominiert, zu denen Schmidt das Drehbuch schrieb. Für »Mörder auf Amrum« erhielt er die Auszeichnung.



Liebe Grüße
Isabel