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Samstag, 26. Juli 2014

{Rezension} Der Geiger von Mechthild Borrmann

Cover & Verlag: Knaur TB
Taschenbuchausgabe: 304 Seiten
Genre: Familienroman
ISBN: 978-3-426-51038-4
Erscheinungsdatum: 02. Dezember 2013
Preis: 9,99 €



Der Fluch der Geige

Nach einem Konzert im Mai 1948 wird der Geiger Ilja Wassiljewitsch Grenko verhaftet und ins Arbeitslager geschickt. Seine vielen Auslandsreisen wurden ihm zum Verhängnis, Landesflucht wird ihm unterstellt. Seine wertvolle Stradivari verschwindet spurlos. Der Öffentlichkeit wie seiner Ehefrau Galina wird glaubhaft vermittelt, dass Grenko sich ins Ausland abgesetzt hätte. Familien von Landesverrätern droht das Arbeitslager und so werden Galina und ihre beiden Söhne schon wenige Tage später in die Verbannung geschickt. Jahrzehnte später erhält Sascha Grenko in Köln einen Anruf von seiner Schwester, welche er seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hat. Sie bittet ihn um Hilfe in einer Familienangelegenheit und Sascha reist sofort nach München. Ein folgenschwerer Entschluss. …



Mechthild Borrmann beginnt ihren ergreifenden Roman mit dem Abend der Verhaftung von Ilja Grenko. Dieser lebt ausschließlich für seine Musik und hütet seine Stradivari, welche sich seit mehreren Generationen im Familienbesitzt befindet, wie einen Augapfel. Der naive Ilja glaubt bei der Verhaftung an einen Irrtum, hat er sich doch nichts zu Schulden kommen lassen. Im vermeintlichen Irrglauben, mit einem Geständnis wenigsten seine Familie retten zu können, unterschreibt er dennoch bald ein gefälschtes Geständnis. Ein fataler Irrtum, von dem er jedoch nicht mehr erfahren soll.

Nach der Verhaftung wechselt die Autorin regelmäßig die Handlungsstränge und Zeitebenen. Im Verlauf ihres Romans erfährt man mehr über das grausame Schicksal, welches Ilja Grenko wiederfahren soll. Aber auch seiner Ehefrau Galina ergeht es nicht viel besser und auch sie muss lange Jahre mit einem Irrglauben leben.

In der Gegenwart reist der Informatiker Sascha Grenko von Köln nach München, um sich dort mit seiner Schwester zu treffen. Durch sie erhält Sascha Hinweise, die ihn auf die Spur zu einem wohlgehüteten  Familiengeheimnisses führt. Allerdings sind an diesem Geheimnis noch ganz andere Parteien interessiert, die vor nichts zurückschrecken.

Berührend, beklemmend und jederzeit äußerst packend erzählt Mechthild Borrmann die Geschichte der Familie Grenko. Gerade die Szenen, welche irgendwo in den Weiten der Sowjetunion spielen, sind äußert erschütternd. Ilja merkt immer mehr wie er selbst verroht, wie er seine Menschenwürde verliert, nur um sein eigenes Überleben irgendwie zu sichern. So erschreckend dies für den sensiblen Musiker ist, so beklemmend ist dies für den Leser zu verfolgen. Aber auch Galina ergeht es nicht viel besser in der Verbannung. Ständig herrscht die Angst vor Hunger und Erfrierungen vor, die stolze junge Frau muss betteln, um ihre Kinder durch die harten Winter zu bekommen. Etwas weniger Raum nehmen dabei zwar die Geschehnisse in der Gegenwart ein, diese sind aber nicht minder spannend und fesselnd erzählt.


Fazit: Ein beeindruckender, ergreifender und hochspannend erzählter Roman über das Schicksal einer Familie auf der Suche nach ihrem lang verschollenen Familienbesitz.



Die Autorin:
Mechtild Borrmann, Jahrgang 1960, verbrachte ihre Kindheit und Jugend am Niederrhein. Bevor sie sich dem Schreiben von Kriminalromanen widmete, war sie u.a. als Tanz- und Theaterpädagogin und Gastronomin tätig. Mit „Wer das Schweigen bricht“ schrieb sie einen Bestseller, der mit dem Deutschen Krimi Preis 2012 ausgezeichnet wurde. Mechtild Borrmann lebt als freie Schriftstellerin in Bielefeld.

Kommentare:

  1. Hach, da freu ich mich umso mehr auf mein Buch....das noch immer im SuB regal steht....
    LIebe Grüße
    Martina

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    1. Das musst Du unbedingt ganz nach vorne in Deinem Regal räumen, es war wirklich klasse.
      LG Isabel

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