Leseempfehlungen

Donnerstag, 13. Oktober 2011

{Rezension} Jemand anders von Franz Kabelka


Verlag: Haymon Verlag
Gebundene Ausgabe: 232 Seiten

Genre: Österreichischer Krimi
ISBN: 978-3852186948

Erscheinungsdatum: 08. September 2011
Preis: 19,90 €




Ein etwas anderer Krimi

Innerhalb von 2 Wochen verunglücken im Fitnessstudio „New Life“ in einem kleinen Ort in Österreich Otto Bell und Johannes Reichert. Edgar, Besitzer des Fitnessstudios und Ex-Pater hat kurz vor diesen Unfällen selbst einen Unfall, bei dem er ein Hirn-Schädel-Trauma erleidet. Dies hat zur Folge, dass Edgar sich an die letzten 3 Wochen seines Lebens nicht mehr erinnern kann. Trotz der Gedächtnislücken bereiten ihm die Todesfälle von Reichert und Bell Kopfzerbrechen und irgendwie wird er das Gefühl nicht los, dass diese etwas mit seiner Vergangenheit zu tun haben. Früher war Edgar Franziskanerpater im Konvikt Rosenkranz und so reist er dorthin zurück.

Edgar ist ein 62-jähriger Ex-Pater, der mit seiner sieben Jahre jüngeren Lebensgefährtin Regina das Fitnessstudio betreibt. Das Management des Studios überlässt er zum größten Teil Regina und beugt sich zumeist ihren Vorschlägen, um das Studio mit den neuesten Gerätschaften auszustatten. Er selbst bezeichnet sich als Spätzünder in den meisten Lebenslagen, leidet zwar unter dem Gedächtnisverlust, ist aber Realist genug, um sich keine großen Hoffnungen darauf zu machen, dass die Erinnerungslücken sich wieder schließen. Ansonsten ist Edgar eher ein ruhiger, in seinem Handeln bedächtiger Vertreter, der für Veränderungen etwas länger benötigt und nach einem Vorfall aus der Vergangenheit mit der Kirche abgeschlossen hat.

Franz Kabelka wechselt kapitelweise zwischen Vergangenheit und Gegenwart und so erschließen sich einem nach und nach die Zusammenhänge des Krimis. Hierbei wechselt er in den Erzählsträngen zwischen Edgar, die in der Ich-Form erzählt werden, rätselhaften Tonbandaufnahmen und Szenen, bei denen man ein wenig Einblick in das Leben des pensionierten Lehrers Otto Bell erhält.

Auffällig ist, dass der Autor ständig winzige Hinweise mit einfließen lässt. Durch konzentriertes Lesen fallen diese zumeist auf und so langsam setzen sich für einen dann auch die scheinbar unzusammenhängenden Puzzleteilchen zu einer schlüssigen Geschichte zusammen. Und dennoch bleibt die komplex aufgebaute, sozialkritische Story bis kurz vor Schluss nicht vorhersehbar und überrascht in der Auflösung.

Der Schreibstil ist seinem Protagonisten angepasst und hierdurch eher nachdenklich und tiefgründig. Spannung erzeugt der Autor durch den ungewöhnlichen Aufbau seines Krimis, denn anfangs geben einige Kapitel einem doch ziemlich Rätsel auf, wodurch die Neugier geweckt wird auf den Ausgang der Geschichte. Überraschend ist auch, dass in dem gesamten Krimi weder Kommissare noch Privatdetektive auftauchen und somit auch keine Ermittlungsarbeit oder gar Verbrecherjagd stattfindet. Dies ist einmal etwas anderes und wenn man bereit ist, sich hierauf einzulassen, wird man mit einem intelligent aufgebauten und ruhig angelegten Krimi belohnt.

Fazit: Ein Krimi, der durch seine etwas andere Erzählweise, einer komplexen und sozialkritischen Story und den klar herausgearbeiteten Charakteren überzeugt.

Mittwoch, 12. Oktober 2011

{Rezension} Ein Herzschlag bis zum Tod von Sara J. Henry

Verlag: dtv Verlag 
Übersetzer: Susanne Goga-Klinkenberg
Taschenbuchausgabe: 336 Seiten
Genre: Amerikanischer Thriller
ISBN: 978-3423248884
Erscheinungsdatum: 01. Oktober 2011
Preis: 14,90 €


Das Geheimnis um Paul

Beim Überqueren des Lake Champlain sieht die Sportreporterin Troy durch Zufall, wie etwas von der Fähre ins Wasser fällt. Fest davon überzeugt, dass es sich um ein Kind handelt, denkt Troy nicht lange nach und springt hinterher. Troy gelingt es unter größter Anstrengung den kleinen, französisch sprechenden Jungen zu retten. Kaum hat Troy den Kleinen gerettet, ist ihr auch schon klar, dass er nicht durch Zufall ins Wasser gefallen sein kann. Denn am Anleger sind weder die verzweifelten Eltern, noch Polizei oder Rettungskräfte zu finden und das Schlimmste ist, dem kleinen Paul sind die Ärmel seines viel zu großen Sweatshirts um den Körper gebunden worden, wie bei einer Zwangsjacke.

Ohne groß nachzudenken, nimmt Troy den Jungen mit zu sich nach Hause nach Lake Placid. Bedingt mag diese etwas unlogische Handlungsweise wohl durch ein Erlebnis aus ihrer Vergangenheit sein. Da die Autorin die Ich-Form gewählt hat, lernt man hierdurch schnell die ziemlich unkonventionell lebende Sportlerin kennen, die eine ausgeprägte soziale Ader hat und kann ihr Verhalten somit besser nachvollziehen.

Sara J. Henry gelingt es wirklich mühelos durch ihre ruhige, fesselnde, sehr eindringliche und einfühls
ame Schreibweise eine atmosphärische Dichte aufzubauen.  Die Story ist in drei Teile aufgeteilt, entwickelt sich nicht vorhersehbar und überrascht somit auch durch interessante Wendungen. Die Spannung ist gleich zu Anfang auf einem hohen Niveau, die sich jedoch im Mittelteil ziemlich verliert, da Sara J. Henry hier der Story viel Platz für einen privaten Teil gibt. Jedoch ist dies auch für die Geschichte wichtig und dank dem flüssigen Schreibstil der Autorin jederzeit unterhaltsam. Allerdings zieht die Spannung im letzten Drittel wieder an und präsentiert schlussendlich eine Auflösung, die ich so nicht erwartet hatte.

Die Charaktere nehmen sehr schnell Konturen an und dadurch hat man nach kurzer Zeit auch eine gute Vorstellung von der freiberuflich arbeitenden Reporterin. Troy genießt ihr unabhängiges Leben in vollen Zügen. So vermietet sie die Zimmer ihres Hauses regelmäßig an Studenten, führt eine eher lockere Beziehung zu ihrem Freund Tom, ist ziemlich anspruchslos und eine begeisterte Radfahrerin. Durch die Rettung des kleinen Paul ändert sich ihr Leben jedoch grundlegend. Weitere Figuren möchte ich hier nicht beschreiben, da man dadurch zu viel von der Story verrät, aber auch diese sind bis in die kleinste Nebenrolle facettenreich und überzeugend beschrieben.

Fazit:  Ein eher ruhig angelegter, durchaus aber spannender Thriller, der durch seine wunderbar beschriebenen Charaktere und der einfühlsamen Schreibweise von Sara J. Henry überzeugt.

{Rezension} Die Seelen der Nacht von Deborah Harkness


Verlag: Blanvalet Verlag 
Übersetzer: Christoph Göhler
Gebundene Ausgabe: 800 Seiten
Genre: Fantasy-Roman
ISBN: 978-3764503918
Erscheinungsdatum: 26. September 2011
Preis: 19,99 €


Ashmole 782

Für ihre Recherchen leiht sich die junge Historikerin Diana Bishop in der Bodleian Bibliothek in Oxford ein altes Manuskript aus. Sofort merkt die Hexe, dass auf dem Buch ein mächtiger Zauber liegt. Zwar gehört Diana der alten Hexendynastie des Bishops an, verweigert jedoch schon seit Kindertagen Magie und Zauberei und so gibt Diana auch ohne große Recherche das alte Manuskript wieder zurück. Doch mit der Öffnung des Buches hat sie Hexen, Dämonen und Zauberer auf sich aufmerksam gemacht, denn „Ashmole 782“ birgt Geheimnisse, hinter denen alle magischen Wesen seit Jahrhunderten hinterherjagen. Kurz darauf lernt Diana Professor Matthew Clairmont kennen. Sofort erkennt sie in dem Naturwissenschaftler einen Vampir und doch fühlt  sich Diana auf unerklärlicher Weise zu ihm hingezogen. Allerdings scheint auch Matthew sehr an dem Manuskript interessiert zu sein.

Eines vorneweg: Bei dem vorliegenden Fantasy-Roman scheint es sich offensichtlich um den ersten Teil einer Reihe zu handeln, zumindest lässt dies das Ende vermuten und auch der Verlag weist daraufhin, dass weitere Bücher der Autorin in Vorbereitung seien.

Der Story merkt man praktisch von der ersten Zeile an, dass die Autorin Professorin für europäische Geschichte ist. Immer wieder flechtet Deborah Harkness historische Ereignisse, Informationen zur Alchemie, Hexenverfolgung, literarische Auszüge verschiedener Schriftsteller aus der Vergangenheit, aber auch wissenschaftliche Informationen zum Beispiel zu DNA-Analysen mit ein. Dies ist alles schlüssig und gut dosiert in die Geschichte eingewoben und durchweg informativ und kurzweilig. Zusammen mit der komplexen, intelligenten Story, den Schilderungen von Oxford und der Auvergne wie auch den hervorragend beschriebenen Charaktere sorgt dies für eine atmosphärische Dichte und man fühlt sich die kompletten 800 Seiten wunderbar unterhalten.

Deborah Harkness lässt ihre Protagonistin Deborah selbst ihre Geschichte erzählen, nur ganz selten schiebt sie einen kurzen Handlungsstrang von Matthew mit ein, indem man seine Sicht der Dinge erfährt. Das Leben von Dämonen, Vampiren und Hexen beschreibt die Autorin durchaus realistisch, absolut überzeugend und lässt so diese magischen Wesen wie selbstverständlich unter uns Menschen leben. Ihr Schreibstil ist einfühlsam, bildhaft, geheimnisvoll, fast durchweg spannend, stellenweise herrlich humorvoll und jederzeit fesselnd.

Deborah Harkness gelingt es, die Beziehung zwischen Diana und Matthew nicht zu schnulzig darzustellen. Diana hat anfangs riesige Probleme mit dem extremen Beschützerinstinkt von Matthew, doch je mehr sie über ihn und über Vampire erfährt, umso mehr akzeptiert sie diese auch. Was Diana jedoch nicht davon abhält, sich des Öfteren gegen Matthew aufzulehnen, denn die Hexe ist eine ziemlich sture, moderne und  selbstbewusste Frau, womit der geheimnisvolle, leicht in Zorn geratene und so charismatische Vampir so seine Probleme hat. Die Freundschaft der Beiden steckt somit voller Emotionen und so gibt es auch immer mal wieder heftige Diskussionen und Reibereien zwischen Diana und Matthew, welche die Autorin oftmals herrlich humorvoll beschreibt.


Fazit: Ein fast durchweg sehr spannender und durchaus auch realistisch angelegter Fantasyroman, der durch hervorragend herausgearbeitete Charaktere bis in die kleinste Nebenrolle und einer intelligenten, komplexen Story absolut überzeugt.

Samstag, 8. Oktober 2011

{SuB-Zuwachs} Krimipost

Hallo Ihr Lieben,

auch diese Woche sind mal wieder zwei spannende Bücher eingezogen, über die ich mich riesig gefreut habe ... und mein SuB erst ... grins.

Halt, stehenbleiben, Polizei von Richard Thiess
Verlag: dtv Verlag
Taschenbuchausgabe: 224 Seiten
ISBN: 978-3-423-34676-4
Erscheinungsdatum: Oktober 2011
Preis: 9,90 €

Kommissar Thiess ermittelt wieder
Nach seinem Bestseller ›Mordkommission‹ gibt Richard Thiess hier einen spannenden Einblick in die Arbeit der Kriminalpolizei und ihre Ermittlungsmethoden. Neben skurrilen, tragischen, absurden Fällen stehen anrührende und auch komische Episoden. Thiess spezialisiert sich zunächst auf Jugend- und Bandenkriminalität, er bringt u. a. die Münchner Marienplatzrapper zur Strecke, die größte Jugendbande, die bis dato in Deutschland ihr Unwesen trieb und sich sogar »Sklaven« hielt. Wir begegnen raffinierten Serien- wie Einzeltätern, aber auch grenzenlos naiven Zeitgenossen, die einen Diebstahl geradezu provozieren, und unerschrockenen »Miss Marples«. Es geht um Betrug und Erpressung, Dreistigkeit, Arglist, Gier - und um Besessenheit. Doch das Leben ist schillernd und hält immer wieder Überraschungen bereit, und so flicht Richard Thiess mit hintergründigem Humor auch so manch kuriose Episode ein.

Der Autor:
Richard Thiess, geboren 1952, arbeitete als Kaufhausdetektiv, bevor er sich bei der Polizei bewarb und ein Studium für den gehobenen Kriminaldienst absolvierte. Als Spezialist für Jugend- und Bandenkriminalität reiste er im Auftrag des bayerischen Innenministeriums nach Moskau und Lettland. Vor seinem Wechsel in die Mordkommission 2001 war er zuletzt für Eigentumsdelikte zuständig. Als Erster Kriminalhauptkommissar leitet er die Mordkommission V im Münchner Präsidium und ist stellvertretender Leiter des Mordkommissariats. Daneben gibt er Fernlehrgänge zur Detektivausbildung.




Maria, Mord und Mandelplätzchen
24 Weihnachtskrimis von Sylt bis zur Zugspitze
Verlag: Knaur TB Verlag
Taschenbuchausgabe: 336 Seiten
ISBN: 978-3-426-51013-1
Erscheinungsdatum: 04.10.2011
Preis: 9,99 €


Erst 1, dann 2, dann 3, dann 4, dann steht der Mörder vor der Tür! Und das nicht nur in der Nachbarschaft: Gemeuchelt, vergiftet und die Waffe gezückt wird innerhalbs Deutschlands - und das zur Weihnachtszeit! Besinnlichkeit war gestern, denn jetzt lehren uns die besten Regiokrimi-Autoren (Kobr/Klüpfel, Andreas Föhr, Friedrich Ani, Nicola Förg, Petra Busch, Ingrid Noll u.v.a.) das Fürchten. Sehen Sie sich also vor, wenn es an Heiligabend bei Ihnen an der Haustür klingelt. ...

Ich wünsche Euch ein schönes, lesereiches Wochenende
Isabel

Freitag, 7. Oktober 2011

{Rezension} Herrscherin des Lichts von Jennifer Armintrout


Übersetzer: Michaela Grünberg
Taschenbuchausgabe: 352 Seiten
Genre: Fantasy
ISBN: 978-3899419450
Erscheinungsdatum: Oktober 2011
Preis: 8,99 €


Eine uralte Prophezeiung


Elfen, Dämonen, Drachen und Vampire wurden vor langer Zeit von den Menschen tief unter die Städte verbannt. Hier herrschen nun die Elfen in der Lightworld, alle anderen Kreaturen leben in der Darkworld. Als die Halbelfe Ayla in der Darkworld einen Auftrag erfüllt, wird sie vom Todesengel Malachi angegriffen. Malachi ist auf der Jagd nach Seelen und sieht in Ayla leichte Beute. Doch der Angriff geht anders aus als erwartet, denn durch das Menschenblut, welches in Ayla fliest, verwandelt sich Malachi in einen Sterblichen. Nun zum Ausgestoßenen verdammt, sinnt er auf Rache. Doch bei ihrer nächsten Begegnung ist es Ayla, die ihm das Leben rettet und eine alte Prophezeiung scheint sich zu erfüllen.

Jennifer Armintrout hat mit dem 1. Band ihrer Trilogie einen action- und temporeichen Fantasyroman abgeliefert. Sie beginnt sofort mit der ersten Begegnung von Ayla und Malachi, bei der dieser versucht, die junge Halbelfe zu töten und selbst als gefallener Engel endet. Stellenweise überschlagen sich danach regelrecht die Ereignisse und die Story entwickelt sich durchaus unvorhersehbar und gut durchdacht. Allerdings hat mich das Tempo nach einiger Zeit doch ein wenig gestört.

Die Story hat in jedem Fall viel Potential und auch die Charaktere sind durchaus interessant beschrieben. Jedoch fehlte mir ein wenig Tiefgang. Ich hätte mir gerne 50 – 100 Seiten mehr gewünscht, damit die Charaktere etwas detaillierter hätten beschrieben werden können und man so eine bessere Vorstellung von ihnen erhält. Die Anlagen hierzu haben sie definitiv. Und auch der Story hätte es durchaus gut getan, etwas langsamer in der Abfolge der Ereignisse erzählt zu werden, spannungsreich und unterhaltsam wäre sie dennoch immer noch gewesen.

Gerade die Beziehung zwischen Ayla und Malachi ging viel zu schnell voran. Eben haben Beide sich noch als Feinde gesehen, im nächsten Moment liegen sie sich küssend in den Armen. Klar, als Todesengel kannte Malachi keine Emotionen, ist mit den Eigenarten der Menschen nicht vertraut, muss vieles lernen und ist somit auch von seinen Gefühlen gegenüber Ayla überwältigt. Und auch Ayla als Halbelfe hatte bisher ihre Menschlichkeit verdrängt und ist eher gefühlsarm ihren Aufgaben gefolgt. So sind ihre Empfindungen gegenüber Malachi für sie völlig neu. Dennoch und eigentlich gerade deswegen, hätte ich mir hier etwas mehr Zeit zum Kennen lernen gewünscht. Dies lässt aber wiederum der Verlauf der Story nicht zu, denn Ayla wird schon bald in eine mächtige Intrige verwickelt, der eine uralte Prophezeiung zugrunde liegt.

Der Schreibstil von Jennifer Armintrout ist fesselnd, flüssig und durchaus auch bildhaft. Schnell erhält man eine Vorstellung vom gefahrvollen, unstrukturierten Leben in der Darkworld und dem königlich geführten Leben in der Lightworld. Wobei jeder der beiden Welten durchaus auch seine Vor- und Nachteile aufweist, welche die Autorin überzeugend beschreibt.

Ayla selbst kennt als Halbelfe beide Welten, lebt sie doch erst seit 5 Jahren in der Lightworld und gehört dort der Gilde der Assassine an. Ihr Mentor ist der königliche Bruder, der ein ganz bestimmtes Interesse an Ayla hat. Sein Charakter ist für mich auch der facettenreichste in der Story, wobei Ayla in ihrer geradlienigen, offenen Art in ihren Handlungen zumeist vorhersehbar ist. Was jedoch keinesfalls negativ zu verstehen ist. Sie selbst leidet unter dem Makel eine Halbelfe zu sein, empfindet sich als unansehnlich und hat dementsprechend auch nicht unbedingt das Selbstbewusstsein, welches sie nach außen hin zur Schau trägt. Malachi dagegen konnte ich nicht so richtig einordnen. Anfangs völlig emotionslos, überfluten ihn schon bald regelrecht die menschlichen Gefühle und er benötigt etwas, um diese entsprechend einordnen zu können. Sein Charakter ist definitiv noch ausbaufähig und hier hoffe ich mal auf den 2. Band, den ich in jedem Fall auch lesen werde.

Fazit: Wer einen temporeichen, spannenden Fantasyroman ohne viel Tiefgang sucht, um sich einfach nur gut unterhalten zu lassen, liegt hier genau richtig.

Donnerstag, 6. Oktober 2011

{Rezension} Feuer von Karen Rose


Verlag: Knaur TB Verlag
Übersetzer: ---

Taschenbuchausgabe: 624 Seiten
Genre: Amerikanischer Thriller
ISBN: 978-3426503010

Erscheinungsdatum: 04. Oktober 2011
Preis: 9,99 €




Buh-Bye

Vier College-Studenten zünden einen Appartmentneubau an, ohne zu ahnen, dass sich dort eine junge Ausreißerin aufhält. Das Mädchen erstickt qualvoll, während die Vier ihr dabei zusehen müssen. Doch sie sind dabei beobachtet und gefilmt worden und schon wenige Stunden später erhält Eric, der Anführer der Studenten, eine SMS mit dem Auftrag, ein weitere Gebäude anzuzünden, ansonsten geht das Video an die Polizei. Währenddessen löscht die Feuerwehr den Brand und entdeckt dabei die Leiche des Mädchens. Detective Kane und seine Kollegin Olivia Sutherland übernehmen den Fall. Doch kaum sind die Ermittlungen angelaufen, gibt es einen neuen Brand mit einem weiteren Mordopfer. Und der Erpresser ist noch lange nicht fertig mit den vier Studenten, doch diesen Druck scheint einer davon nicht auszuhalten. Währenddessen entwickelt sich zwischen Olivia und dem Feuerwehrmann David Hunter eine Beziehung, die jedoch durch Hunters Vergangenheit zum Scheitern verurteilt zu sein scheint.
 
Bevor man den vorliegenden Thriller liest, wäre es ratsam, zuerst „Todesstoß“ zu lesen. „Feuer“ spielt 7 Monate nach den Vorfällen von „Todesstoß“, bezieht sich mehrfach und auch detailliert darauf und auch viele Beteiligte sind wieder vertreten, wenn auch zumeist in Nebenrollen. Die Hauptprotagonisten sind dieses Mal der beste Freund von Evie und deren Freundin Olivia. David Hunter ist zwischenzeitlich nach Minneapolis gezogen, hat das Haus von Evie übernommen und arbeitet bei der hiesigen Feuerwehr. Olivia war mit dem damaligen Serienmörderfall befasst und hat dies alles noch nicht richtig verarbeitet.

Zwar beginnt der Thriller sofort mit dem ersten Brandanschlag der Studenten, geht sofort über in die Ermittlungsarbeit von Olivia und ihrem Kollegen Kane und auch den Erpresser lernt man früh kennen, doch eine richtige Spannung kommt anfangs kaum auf. Selbst wenn man „Todesstoß“ gelesen hat, dauert es doch ein wenig, bis man die vielen Mitwirkenden wieder entsprechend zuordnen kann und auch die Liebesgeschichte zwischen Olivia und David nervt anfangs ziemlich durch ihr ständiges Hin und Her und dem teilweise doch recht albernen, unreifen Verhalten der Beiden.

Aber durchhalten lohn sicht in jedem Fall, denn die Story entwickelt sich mit der Zeit wirklich zu einem äußerst spannenden, rasanten Thriller, der immer wieder mit unvorhersehbaren Wendungen überrascht. Zwar kennt man von Anfang an das Motiv des Erpressers, doch seine Identität bleibt einem sehr lange verborgen. Zudem geschehen Morde, die eindeutig nicht dem Erpresser zuzuordnen sind. Somit muss es noch einem weiteren Mörder geben. Tja, und der flüssige Schreibstil von Karen Rose sorgt mal wieder dafür, dass man sich nach dem etwas zähen Einstieg anschließend bestens unterhalten fühlt und natürlich darf auch die gewohnte Portion Erotik nicht fehlen.

Die Charaktere sind gewohnt sauber herausgearbeitet und detailliert beschrieben und einige entwickeln sich auch wieder in eine Richtung, die vorher nicht absehbar war. Stellenweise ging mir aber David in seiner absolut selbstlosen, hilfsbereiten Art etwas auf die Nerven. Zwar beschreibt die Autorin genau, warum David so handelt, dennoch war mir das ein wenig zu viel des Guten. Olivia ist ihm zudem mit ihrem Bedürfnis zu helfen und andere selbstlos zu unterstützen, zu ähnlich angelegt. Und dieses anfangs ständige Gefühlschaos zwischen den Beiden empfand ich als störend und hatte für mich etwas von heimlich schmachtender Teenagerliebe. Zum Glück legt sich dies aber mit der Zeit. Ganz anders dagegen ist der Erpresser beschrieben. Dieser Soziopath mordet eiskalt und gibt nach außen hin perfekt den unscheinbaren, netten Menschen. Diese Darstellung seines Charakters ist Karen Rose wirklich gut gelungen.

Fazit: Wer über die ersten 150 Seiten bei dem um rund 600 Seiten umfassenden Thriller hinwegsieht, wird mit einer temporeichen, spannenden und nicht vorhersehbaren Story belohnt


Dienstag, 4. Oktober 2011

{SuB-Zuwachs} Thriller- und Fantasy-Buchpost

Hallo Ihr Lieben,

letzte Woche sind wieder drei neue Bücher bei mir eingezogen, die ich Euch natürlich nicht vorenthalten möchte:


Die Seelen der Nacht von Deborah Harkness
Verlag: Blanvalet Verlag
Gebundene Ausgabe: 800 Seiten
ISBN: 978-3-7645-0391-8, Preis: 19,99 €
Erscheinungsdatum: 26. September 2011

Eine Liebe, stärker als das Leben selbst ...
Diana Bishop ist Historikerin mit Leib und Seele. Dass in ihr zudem das Blut eines uralten Hexengeschlechts fließt, versucht sie im Alltag mit aller Kraft zu ignorieren. Doch als Diana in der altehrwürdigen Bodleian-Bibliothek in Oxford ein magisches Manuskript in die Hände fällt, kann sie ihre Herkunft nicht länger verleugnen: Hexen, Dämonen und Vampire heften sich an ihre Fersen, um ihr das geheime Wissen zu entlocken – wenn nötig mit Gewalt. Hilfe erfährt Diana ausgerechnet von Matthew Clairmont, Naturwissenschaftler, 1500 Jahre alter Vampir – und der Mann, der Diana bald schon mehr bedeuten wird als ihr eigenes Leben Ein mitreißender, wundervoll erzählter Roman über Magie, Abenteuer und Romantik.



Der frühe Tod von Zoe Beck
Verlag: Bastei Lübbe Verlag
Taschbuchausgabe: 304 Seiten
ISBN: 978-3404163090, Preis: 8,99 €
Erscheinungsdatum: 22. Juli 2011

Sie wollte ein neues Leben. Jetzt flieht sie vor dem Tod.

Lauf weg!, ist ihr erster Gedanke. Caitlin will nicht glauben, was sie vor sich sieht. Zu ihren Füßen liegt ihr Exmann. Tot. An seinem Kopf eine klaffende Wunde, die keinen Zweifel zulässt: Er ist ermordet worden. Den Schock noch in allen Gliedern, ruft sie die Polizei. Auch wenn sie weiß, dass die ihr unbequeme Fragen stellen wird. Denn Caitlin ist nicht die, für die sie in dem idyllischen schottischen Dorf alle halten. Und für den Mord an ihrem Exmann hat sie das stärkste aller Motive: Rache. Doch schon bald wird Caitlin klar: Die Polizei ist nicht ihr größtes Problem. Es gibt da noch jemanden, der über jeden ihrer Schritte genau informiert ist. Und der würde sie lieber tot als lebendig sehen…




Feuer von Karen Rose
Verlag: Knaur TB Verlag
Taschenbuchausgabe: 624 Seiten
ISBN: 978-3-426-50301-0 , Preis: 9,99 €
Erscheinungsdatum: 04. Oktober 2011

Aus Leichtsinn verursachen vier College-Studenten einen Großbrand in einem Apartmentkomplex, bei dem ein junges Mädchen qualvoll verbrennt. Was sie nicht wissen: Sie werden beobachtet. Wenig später erhalten sie ein Video und die unmissverständliche Anweisung, ein Warenhaus in Brand zu stecken. Sie haben keine Wahl und setzen ein Flammeninferno in Gang, das Feuerwehrmann Hunter und seine smarte Kollegin, Detective Olivia Sutherland, tagelang in Atem hält. Dann stirbt der erste der Freunde – bei einem Autounfall, angeblich. Als wenig später der nächste ums Leben kommt, entsteht Panik. Was für ein grausames Spiel spielt dieser Erpresser? Er muss zum Schweigen gebracht werden – für immer…


Liebe Grüße
Isabel

Montag, 3. Oktober 2011

{Rezension} Der wahrhaftige Volkskontrolleur von Andrej Kurkow


Verlag: Haymon Verlag 
Übersetzer: Kerstin Monschein
Gebundene Ausgabe: 430 Seiten
Genre: Zeitgenössischer Roman / Russland
ISBN: 978-3852186795
Erscheinungsdatum: 08. August 2011
Preis: 22,90 €


Sternschnuppen fallen vom Himmel

Andrej Kurkow erzählt die Geschichte des Kolchosbauern Pawel Dobrynin, der von den Bewohnern seines Dorfs zum Volkskontrolleur ernannt wird und fortan durch das riesige Land reist und hierdurch die unterschiedlichsten Menschen kennenlernt. Und man lernt einen Schuldirektor kennen, welcher der Mutter einer seiner Schüler das Träumen wieder beibringen möchte. Dann gibt es einen Engel, der auf die Erde reist und sich unter den Menschen umschaut, verwundert darüber, dass bisher kein Sowjetbürger ins Paradies gekommen ist. Und der Künstler Marc, der mit seinem Gedichte vortragenden Papagei Kusma durch das Land reist.

Diese unterschiedlichen Erzählstränge verknüpfen sich wider Erwarten nicht im Verlauf des Romans, sondern stehen für sich allein, wobei das Hauptaugenmerk jedoch beim Volkskontrolleur Pawel liegt. Sein Leben ist mit Beginn der Ernennung bestens durch den Kreml durchorganisiert, er braucht sich um nichts Gedanken zu machen und kann sich voll und ganz auf seine Arbeit konzentrieren. Hierbei reist er in den russischen Norden und lernt dort die unterschiedlichsten Menschen und deren Sitten kennen. Und er kommt sogar einem Mord auf die Spur.

Andrej Kurkow erzählt die verschiedenen Geschichten, die sehr gut das Leben der Sowjetbürger nach der Oktoberrevolution bis kurz vor den 2. Weltkrieg beschreiben, auf ruhige, unterhaltsame und stellenweise poetische Weise, denen ein feinsinniger Humor nicht fehlt und stellenweise etwas naiv wirken. Auch die für Russland so typische Melancholie darf nicht fehlen und mit seinen Figuren gibt er einem so einen guten Einblick in die russische Mentalität und zeigt so die damalige Überzeugung der Bürger auf, dass man allein nichts ist, das Volk aber alles.

Seine Charaktere beschreibt der Autor feinfühlig, detailliert, stellenweise ziemlich skurril und originell. Pawel Dobrynin ist ein gutmütiger, verantwortungsbewusster, eher zurückhaltender und bescheidener Charakter, der nichts hinterfragt. Auch nicht, als ihm in Moskau eine dienstliche Ehefrau vorgesetzt wird, obwohl er in seinem Dorf Frau und Kinder zurückgelassen hat. Schließlich sind dies die Vorschriften, diese werden nicht hinterfragt, sondern einfach akzeptiert. Und auch der Schuldirektor Banow ist eher ein zurückhaltender, leiser Mensch mit einem schlichten Gemüt, der ebenfalls alle an ihn gestellten Anforderungen von höherer Stelle ohne zu hinterfragen, augenblicklich umsetzt.

Auch wenn der Autor  das Leben der einfachen Menschen der damaligen Sowjetunion beschreibt, ist das Buch nicht unbedingt leicht zu lesen, sondern erfordert schon die volle Aufmerksamkeit. Doch man wird belohnt mit schönen Geschichten, die manchmal etwas kurios sind, mal zum Träumen einladen, mal märchenhafte Züge annehmen und einem sehr gut die russische Mentalität vermitteln.


Freitag, 30. September 2011

{Statistik} Lesestatistik September 2011

Hallo Ihr Lieben,

hier mal wieder zum Ende des Monats meine Lesestatistik für September 2011. Dieses Mal sind es wieder weniger Bücher als sonst, aber ich hoffe jetzt einfach mal auf den Oktober, dass ich dann wieder mehr Zeit zum Lesen finde. Mein SuB würde sich darüber freuen, denn diesen Monat ist er noch gewachsen und an abbauen war nicht zu denken.

9 Rezensionsexemplare von Verlagen erhalten:
  • Der Skorpion von Lisa Jackson
  • Die Tore der Geister von Mara Volkers
  • Mutterliebst von Antoinette van Heugten
  • Dead Beautiful - Deine Seele in mir von Yvonne Woon
  • Ein Herzschlag bis zum Tod von Sara J. Henry
  • Jemand anders von Franz Kabelka
  • Wohin du auch fliehst von Elisabeth Haynes
  • Herrscherin des Lichts von Jennifer Armintrout
  • Feuer von Karen Rose
2 Rezensionsexemplare von vorablesen.de erhalten:
  • Der letzte Schattenschnitzer von Christian von Aster
  • Die Gebeine von Avalon von Phil Rickman
1 Buch von blogg dein buch.de erhalten:
  • Abgründe von Arnaldur Indridason
1 Buch gekauft:
  • Der dunkle Thron von Rebecca Gablé
3 Bücher geschenkt bekommen:
  • Die fremde Frau von Lesley Turney
  • 999 - Der letzte Wächter von Carlo Adolfo Martigli
  • Der frühe Tod von Zoe Beck
2 Bücher ausgeliehen:
  • Das Geständnis von John Grisham
  • Das Spiel des Engels von Carlos Ruiz Zafón
Aktueller SuB:
  • 150 Bücher


Und diesen Monat waren meine Highlights:

  • Der Skorpion von Lisa Jackson
  • Jägermond von Andrea Schacht





Ich wünsche Euch ein tolles und vor allem sonniges Wochenende!
Liebe Grüße
Isabel

Mittwoch, 28. September 2011

{Rezension} Dead Beautiful - Deine Seele in mir von Yvonne Woon


Verlag: dtv Verlag 
Übersetzer: Nina Frey
Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Genre: Fantasyroman
ISBN: 978-3423760386
Erscheinungsdatum: 01. Oktober 2011
Preis: 16,95 €


Die Toten leben in uns

Renée findet eines Abends durch Zufall ihre Eltern tot im Wald, lauter Geldstücke um die beiden Leichen verteilt, als Todesursache wird Herzanfall diagnostiziert.  Am Tag der Beerdigung trifft sie ihren Großvater, der fortan ihr gesetzlicher Vormund ist. Dieser schickt sie schon wenige Tage später auf das Gottfried-Institut nach Maine, worüber Renée entsetzt ist. Doch ihr Großvater hat hierfür überzeugende Argumente. Im Gottfried-Institut lernt sie schon bald den rätselhaften Dante Berlin kennen. Renée fühlt sich sofort zu dem 17-jährigen hingezogen, was offensichtlich auf Gegenseitigkeit beruht. Doch nicht nur sein seltsames Verhalten verunsichert Renée immer mehr, auch die sonderbaren Unterrichtsfächer irritieren sie und als sie auch noch von einem mysteriösen Todesfall im Institut erfährt, ist Renées Neugier geweckt.

Yvonne Woon hat bei der Erzählweise die Ich-Form gewählt und hierdurch erhält man sehr schnell einen Bezug zu Renée und erfährt natürlich so vieles über sie. Dadurch kann man auch wunderbar ihren Zorn auf ihren so konservativen, strengen Großvater nachvollziehen, der sie anfangs ständig gängelt und ihr Leben komplett umkrempelt.

Und auch Renées widersprüchliche Gefühle gegenüber Dante sind so für einen sehr gut nachvollziehbar. Was mir besonders gut gefallen hat, ist, dass Yvonne Woon ihre Protagonistin als einen schon recht erwachsen agierenden Teenager darstellt. Renée ist zwar sehr impulsiv, nimmt nie ein Blatt vor den Mund und sagt, was sie denkt, was ihr natürlich in dem streng geführten Institut öfter Probleme bereitet. Jedoch wirkt sie in ihrem Verhalten, gerade bei ihrer Beziehung zu Dante nie kindisch, liebeskrank verklärt oder unrealistisch. Zudem setzt sie sich für ihre Mitschüler ein, zeigt Mitgefühl und hat eine ordentliche Portion Neugier, was sie schon bald in ziemlich knifflige und gefährliche Situationen führt.

Die Story entwickelt sich von Anfang an sehr mysteriös, rätselhaft und gut durchdacht. Grund hierfür sind die seltsamen Todesumstände von Renées Eltern, wie auch die sonderbaren Unterrichtsfächer und das Gottfried Institut an sich. Hinzu kommt das rätselhafte Verhalten von Dante. Denn dass mit dem zurückhaltenden, dadurch oft arrogant wirkenden Jungen etwas nicht stimmt, ist schnell klar, doch worum es sich schlussendlich handelt, erfährt man erst im letzten Drittel des Buches. Zusätzlich kommt noch der fesselnde, bildhafte und flüssige Schreibstil von Yvonne Woon hinzu, die ihre Geschichte im Herbst und Winter in Maine spielen lässt, was zumeist eine geheimnisvolle Atmosphäre erzeugt.

Allerdings sind für mich schlussendlich nicht alle Fragen befriedigend beantwortet worden. Das Ende ist zwar abschließend, lässt aber auch die Möglichkeit offen, dass es eine Fortsetzung geben könnte und möglicherweise werden dann alle offenen Fragen noch beantwortet.


Fazit: Ein Fantasyroman, der sich mit einer komplexen und spannenden Story und gut herausgearbeiteten Charakteren von der Masse abhebt.

Sonntag, 25. September 2011

{Rezension} Die Gebeine von Avalon von Phil Rickmann


Übersetzer: Alexandra Hinrichsen
Gebundene Ausgabe: 640 Seiten
Genre: Historischer Roman/Krimi
ISBN: 978-3-86252-001-5
Erscheinungsdatum: 01. Oktober 2011
Preis: 15,95 €


Ein Akt der Böswilligkeit

Dr. John Dee, königlicher Astrologe, wird von Elisabeth I. im Jahr 1560 zusammen mit Robert Dudley nach Glastonbury geschickt, um die Gebeine des legendären König Artus zu finden. Doch kaum sind die Beiden mit einem kleinen Gefolge dort angekommen, geschieht ein grausamer Mord, der rituale Züge hat. Die junge Nell, Tochter des hiesigen Arztes, wird bald als Mörderin und Hexe beschuldigt. Doch Dr. Dee wie auch Robert Dudley sind von ihrer Unschuld überzeugt. Doch der Hexenwahn in der von vielen Geheimnissen umgegebene Stadt Glastonbury ist voll entbrannt und Dr. Dee versucht verzweifelt, hinter den eigentlichen Grund des Mordes zu kommen.

Dr. John Dee, Astronom und Wissenschaftler, erzählt selbst rückblickend die Geschichte voller Magie, Geheimnissen, Aberglauben, Intrigen, Politik und Mord. Alles dreht sich um das sagenhafte Avalon, dem heutigen Glastonbury und um  die Legende von Artus, der angeblich in Avalon seine letzte Ruhestätte gefunden haben soll. Unter König Henry VIII. wurde die berühmte Abtei in Glastonbury zerstört, im Jahr 1560 stehen dort nur noch Ruinen, doch scheint es sich immer noch um einen mystischen Ort mit vielen Geheimnissen zu handeln, von denen die Einwohner viel mehr zu wissen scheinen, als sie gegenüber Dr. Dee und Dudley preisgeben wollen.

Und so ist die Atmosphäre des Buches durchweg sehr rätselhaft angelegt, immer wieder durchsetzt von Dr. Dees wissenschaftlichen und philosophischen Gedanken, mit deren Hilfe er versucht, den wahren Grund des Mordes herauszufinden. Phil Rickmann erzählt die Geschichte durchweg flüssig und stellenweise auch sehr spannend, allerdings sind auch die wissenschaftlichen Betrachtungen von Dr. Dee oft sehr ausgeprägt, was zwar zumeist unterhaltsam und vor allem interessant ist, jedoch aber auch die Spannung immer wieder herausnimmt.

Sehr gut zeigt der Autor den damaligen Umbruch auf. Unter König Henry VIII. wurden die Katholiken verfolgt und ermordet, Abteien und Kirchen zerstört, Frauen als Hexen verbrannt. Unter der Regierung seiner Tochter braucht keiner mehr Angst wegen seines Glaubens zu haben und Hexenprozesse finden auch lange nicht mehr statt. Allerdings sind diese Veränderungen noch nicht in allen Köpfen angekommen und so ist es nicht verwunderlich, dass  gerade in Glastonbury wieder eine junge Heilerin als Hexe verurteilt wird.

Phil Rickmann hält sich sehr an die historischen Begebenheiten, wobei er sich aber auch immer mal wieder kleine autorische Freiheiten herausnimmt, um die Geschichte erzählen zu können. Und so spielen auch viele historische Figuren wie Nostradamus, Robert Dudley, Königin Elisabeth I. und weniger bekannte Persönlichkeiten mit. Diese Charaktere beschreibt er anhand der Überlieferungen und so lernt man auch einen eher introvertierten jungen John Dee kennen, ein Bücherwurm und Forscher, der sich stundenlang mit seinen Schriften beschäftigen kann, im Umgang mit anderen Menschen jedoch eher zurückhaltend ist. Das genaue Gegenteil ist der junge Robert Dudley, ein guter Freund von Dr. Dee, dem bekannterweise ein Verhältnis mit Elisabeth I. nachgesagt wurde. Der Autor geht auch immer wieder auf die Beziehung zwischen den Beiden ein und erklärt, wie es zu dem engen Verhältnis der Königin zu Robert Dudley kam. Und so fließen auch viele weitere historische Begebenheiten mit in die Geschichte ein.

Fazit: Ein hervorragend recherchierter Roman um die frühen Jahre des Dr. John Dee, verpackt in eine mystische, rätselhafte Geschichte, die wissenschaftlich und philosophisch durchsetzt ist.