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Montag, 3. September 2012

{Rezension} Aber Mutter weinet sehr von Wolfgang Brenner

Verlag: Knaus-Verlag
Broschierte Ausgabe: 288 Seiten
Genre: Deutscher Psychothriller
ISBN: 978-3-8135-0503-0
Erscheinungsdatum: 03. September 2012
Preis: 16,99 €


Der Freund

Das Schlimmste, was einer Mutter passieren kann, geschieht eines Tages  Marie Lieser. Ihr 11-jähriger Sohn Johann kommt vom Spielen nicht mehr nach Hause. Die sofort benachrichtigte Polizei ermittelt auf Hochtouren, doch Marie hat den Eindruck, dass diese mehr die Ergreifung des Entführers interessiert, als ihren Sohn noch lebend zu finden. Dann tritt der Entführer mit Marie in Kontakt, was diese jedoch der Polizei verheimlicht, in der Hoffnung, so das Leben von Johann zu retten. Doch lebt ihr Sohn überhaupt noch?


Wolfgang Brenner steigt sofort mit dem Verschwinden von Johann in seinen Psychothriller ein, der für mich eher ein Krimi war. Die Story bezieht sich hauptsächlich auf die Mutter und so bekommt man schnell einen Einblick in ihre Gefühlswelt und kann natürlich auch verstehen, wie sie selbst versucht, eine Spur ihres Sohnes zu finden. Als dann der Entführer jedoch mit ihr in Kontakt tritt und sich ihr gegenüber als der Freund bezeichnet, konnte ich stellenweise die Handlungsweise von Marie nicht mehr immer nachvollziehen.

Die Erzählweise des Autors wirkt durch die kurzen Sätze stellenweise etwas abgehackt, ist aber zumeist flüssig und schildert einem gut das Gefühlschaos, welchem Marie ausgesetzt ist. Auch der Beziehung zu ihrem Ehemann Robert gibt der Autor genug Raum, sodass man deren Streitereien, die Gefühlskälte und die Heimlichkeiten von Marie ihrem Mann gegenüber durchaus nachvollziehen kann.


Für einen Psychothriller weist die Geschichte für mich jedoch zu wenig nervenaufreibende Spannung auf. Zwar entwickelt sich die Story anfangs durchaus unvorhersehbar und fesselnd, und dass der Entführer gezielt Kontakt mit der Mutter aufnimmt ist mal etwas anderes, aber richtig hochspannend wird der Thriller nur ganz selten.

Auch konnte ich keinen rechten Bezug gerade zu Marie bekommen, obwohl ihr Charakter sauber herausgearbeitet ist. Marie ist eine Übermutter und will am liebsten noch über jeden Schritt von Johann informiert sein, wogegen dieser natürlich rebelliert. Als Johann verschwindet, kämpft sie wie eine Löwin um sein Leben, unternimmt alles, dass dieses nicht gefährdet wird und oftmals funktioniert sie einfach nur noch, was natürlich absolut nachvollziehbar ist.  

In ihrer festen Überzeugung, dass die Polizei nicht das Leben von Johann in den Vordergrund stellt, kann sie natürlich das Verhalten ihres Mannes Robert nicht verstehen, der seine ganzen Hoffnungen in die Polizei setzt. Anfangs versucht Robert sogar, Marie komplett aus der Suche herauszuhalten. Marie zieht sich immer mehr von ihm zurück, bald leben die Eheleute nur noch nebeneinander her. Trotz der detaillierten Beschreibungen über die Beziehung von Marie und Robert, bleibt Robert dabei ziemlich blass und auch die beiden ermittelnden Beamten nehmen kaum Konturen an.

Fazit:  Ein zwar schon oft gelesene, aber mal etwas anders erzählte Geschichte.  Allerdings fehlt für einen Psychothriller hier eindeutig die Hochspannung.

Der Autor:
Wolfgang Brenner, geboren 1954, ist Schriftsteller und Journalist. 2007 erhielt er den Berliner Krimipreis „Krimifuchs“ und 2009 den Internationalen Featurepreis der Stiftung Radio Basel. Seine Romane wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Brenner lebt in Berlin und im Hunsrück. 

Kommentare:

  1. Schade, der Titel klang soo gut. Hatte sofort das Kinderlied im Kopf.

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    1. ja, ich auch, zumal ich den Autor schon kenne und von seinen beiden Krimis total begeistert war. Aber das Buch konnte mich leider nicht richtig überzeugen.
      LG Isabel

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  2. Danke für die Rezi. Schade, dass dich das Buch nicht so ganz überzeugen konnte. Da kann man wohl getrost auf dieses Buch verzichten und dafür zu einem richtig spannenden Thriller greifen.

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