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Dienstag, 9. April 2013

{Rezension} Das Vermächtnis der Montignacs von John Boyne

Cover & Verlag: Piper
Übersetzerin: Gabriele Weber-Jari
Broschierte Ausgabe: 512 Seiten
Genre: Historischer Roman / 20. Jahrhundert
ISBN: 978-3-492-30154-1
Erscheinungsdatum: 12. Februar 2013
Preis: 12,99 €




Der rätselhafte Montignac

Es ist die Tradition der schwerreichen Montignacs, dass immer der männliche Nachkomme das beträchtliche Familienvermögen erbt. Doch der Onkel von Owen Montignac bricht im Jahr 1936 mit dieser Tradition und vererbt alles seiner schönen Tochter Stella. Owen ist zwar nach der Testamentseröffnung verstört, versteht es aber gut dies zu kaschieren und leitet weiter als Geschäftsführer eine erfolgreiche Londoner Galerie. Doch den jungen Spross aus gutem Haus plagen immense Spielschulden, zudem empfindet er mehr für seine Cousine Stella als gesellschaftlich erlaubt wäre. Und so entwickelt Owen einen perfiden Plan für die Lösung all seiner Probleme.



Wie schon bei „Das Haus zur besonderen Verwendung“ nimmt John Boyne einen geschichtlichen Hintergrund  als Grundlage und baut hierum seine Geschichte. Dieses Mal ist es ein Ereignis aus dem Jahr 1936, welches nicht nur in England, sondern auf der ganzen Welt auf großes Interesse stieß.

Aber erst einmal lässt sich John Boyne recht viel Zeit und führt seine Leser langsam in die Geschichte ein. Man lernt Owen und Stella kennen, wie auch Richter Roderick Bentley, welcher gerade bei einem aufsehenerregenden Prozess den Vorsitz inne hat wie auch dessen Frau Jane und seinen Sohn Gareth. Die anfangs noch so unterschiedlichen Ereignisse verknüpfen sich nach und nach zu einer äußerst fesselnden Geschichte.

Geschickt verbindet John Boyne die losen Fäden, gewährt seinen Lesern immer mehr Einblick in das Privatleben seiner Protagonisten wie auch in deren Vergangenheit, doch worauf die Geschichte letztendlich hinausläuft, dies ahnt man erst nach gut der Hälfte der Geschichte. Und diesen eigentlichen Grund präsentiert John Boyne einem so gut durchdacht wie auch recherchiert, dass die Lösung absolut schlüssig wirkt, sodass man fast gewillt ist zu glauben, dass es sich damals wirklich so abgespielt haben könnte.

Zudem versteht es John Boyne durch seinen packenden, bildhaften, unterhaltsamen und der Zeit angepassten Schreibstil mühelos, eine atmosphärische Dichte aufzubauen. Man erhält Einblick in die gehobene Gesellschaft Londons, aber auch in die unteren Gesellschaftsschichten. Die selbstverständliche Arroganz und Überheblichkeit der Wohlhabenden und Reichen vermittelt John Boyne genauso überzeugend wie auch die Ängste vor Armut und Arbeitslosigkeit der Dienerschaft.

Wie erwähnt baut sich die Story langsam auf, doch bald erhält man das Gefühl, dass es sich hier nicht nur um einen historischen Familienroman, sondern durchaus um einen äußerst komplexen Kriminalroman handelt, denn je tiefer man in die Geschichte einsteigt, umso spannender und fesselnder wird diese und zudem entwickelt sich die Story äußerst vielschichtig und vor allem sehr undurchsichtig.

Im Vordergrund der Story steht Owen Montignacs. Dieser ist ein äußerst charismatischer, junger Mann, der nicht nur für einen als Leser lange Zeit sehr undurchsichtig bleibt. Denn durch  seine hervorragenden Manieren, seinem guten Aussehen und seiner galanten Art versteht es Owen perfekt, die weiteren Beteiligten in dem Roman über seinen wahren Charakter zu täuschen. Selbst für seine eigenwillige Cousine Stella, die Owen von klein auf kennt,  bleibt dessen Verhalten oftmals ein Rätsel.

Fazit:  John Boyne verknüpft gekonnt ein geschichtliches Geschehnis in England mit einer fiktiven Story zu einem äußerst fesselnden, komplexen und spannenden Roman.


Der Autor (Quelle: Verlagsseite):

John Boyne, geboren 1971 in Dublin, wo er auch heute lebt, studierte Englische Literatur und Kreatives Schreiben. Seine Bücher wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit seinem Roman »Der Junge im gestreiften Pyjama«, der in vielen Ländern auf den Bestsellerlisten stand, für das Kino verfilmt und von der Kritik als »ein kleines Wunder« (The Guardian) gefeiert wurde. Bei Piper erschienen zuletzt von John Boyne »Das Haus zur besonderen Verwendung« sowie »Das Vermächtnis der Montignacs«.

Weitere Bücher des Autors:


Kommentare:

  1. Vielen Dank für diese Rezension! Ich überlege schon die ganze Zeit, ob ich es wage, mir das Buch zu kaufen oder nicht, da ich "Das Haus zu besonderen Verwendung" gut, "Der Junge im gestreiften Pyjama" aber echt schlecht fand. Jetzt werde ich es doch versuchen :-)

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    1. Wenn dir "Das Haus zur besonderen Verwendung" gefallen hat, wird dir auch die Montignacs gefallen. Es ist wirklich klasse, allerdings braucht man anfangs ein wenig Geduld, aber dann ...

      "Der Junge mit dem gestreiften Pyjama" hat mir überhaupt nicht gefallen, aber nicht wegen Boynes Schreibstil, sondern einzig deswegen wie er das Thema KZs und Holocaust darstellt.

      Wünsche Dir viel Spaß mit dem Buch,
      LG Isabel

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  2. UNBEDINGT muss ich dieses Buch lesen....
    "Das Haus zur besonderen Verwendung" war schon ein absolutes Highlight!
    Danke für die Rezi :o)

    Liebe Grüße
    Aenna

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    1. gerne, es ist wirklich klasse und die Story so herrlich undurchsichtig.
      LG Isabel

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