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Freitag, 22. Februar 2013

{Rezension} Das Stockholm-Oktavo von Karen Engelmann

Cover & Verlag: Hoffmann & Campe
Übersetzerin: Gaby Wurster
Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
Genre: Historischer Roman / Schweden
ISBN: 978-3-455-40389-3
Erscheinungsdatum: 19. Februar 2013
Preis: 22,99 €




Das Geheimnis der Fächer

Im Jahr 1789 ist Europa im Umbruch begriffen. Die Revolution in Frankreich hat das Land fest im Griff und auch in Schweden regen sich erste Gegner von König Gustav III., die mit seinen Modernisierungsmaßnahmen nicht einverstanden sind. Sie befürchten das Ende der Monarchie. In Stockholm treffen sich im Haus von Madame Sparv die Royalisten, um Karten zu spielen und sich die Zukunft voraussagen zu lassen. Auch der junge Sekretär des Zoll- und Steueramtes Emil Larsson findet Einlass in das auserwählte Etablissement und wird schon bald ein enger Vertrauter von Madame Sparv. Ihm legt sie eines Tages sein Oktavo: Acht Karten, die für 8 auserwählte Personen in seinem Umfeld stehen und sein zukünftiges Schicksal entscheiden werden. Nun liegt es an ihm, diese Personen zu finden, damit sein Schicksal erfüllt wird.



Seine Wege kreuzen sich schon bald mit der Baroness Uzanne, welche die Sprache der Fächer perfektioniert hat und diese mehr als geschickt einzusetzen versteht, um entsprechend Einfluss auf die politischen Geschehnisse des Landes zu nehmen. Aber auch der Fächerhersteller Christian Norden und seine Frau Margot, wie auch der Kalligraph Fredrick Lind und die Apothekerin Johanna gehören bald zu seinem Bekanntenkreis. Doch welche Rolle haben diese Personen in seinem Oktavo inne, welche Rolle spielen sie bei den Geschehnissen rund um das Schicksal des Königreichs? Immer tiefer rutscht Emil Larsson in einen Strudel von Macht und Intrigen, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint.

Karen Engelmann führt ihre Leser sehr langsam in die Geschichte ein. So wie das Oktavo – eine Art Tarot – Zeit benötigt, gelegt zu werden, so lässt die Autorin sich auch Zeit, ihre unterschiedlichen Akteure in die Geschichte einzuführen. Was ich jedoch selten als störend empfand, da man hierdurch die einzelnen Mitwirkenden sehr gut kennenlernt, wobei man sich bei einigen aber auch bis zum Schluss nicht ganz sicher sein kann, auf welcher Seite sie nun stehen: Unterstützen sie den Monarchen, sind sie auf Seiten der Revolutionäre oder gehen sie ihren ganz eigenen Interessen nach? Der Roman strotzt geradezu vor Intrigen, Ränkespielchen, Machtgerangel und der Liebe.
                    
Ihr Protagonist Emil Larsson erzählt die Geschichte des Stockholm-Oktavos zumeist aus seiner Sicht, da der junge Sekretär jedoch nicht bei allen Ereignissen mit eingebunden ist, stellt die Autorin jedem Kapitel die Quellen der Informanten voran, sodass man vor Beginn jeden Kapitels bereits sieht, mit welchen Teil der Geschichte die Ereignisse in Stockholm weitererzählt werden. Der Sprachstil von Karen Engelmann ist farbenprächtig und bildhaft, wodurch man schnell eine Vorstellung von Stockholm selbst, dem Leben der Adligen wie auch der bürgerlichen Bevölkerung erhält. Ausschweifend beschreibt sie die Kunst der Fächer, welchen Einfluss diese zur damaligen Zeit in der gehobenen Gesellschaft hatten, die Damen und jungen Mädchen damit mit ihren Reizen spielten, Signale aussandten oder ihren Missmut kundtaten.

Entsprechend der geschichtlichen Zeit ist auch der Schreibstil der Autorin und wirkt durchweg etwas gediegen und altmodisch und ist somit genau dem ausgehenden 18. Jahrhundert angepasst. Dabei bleibt Karen Engelmann aber zumeist äußerst unterhaltsam in ihren Erzählungen. Eine gewisse Spannung kommt jedoch erst nach gut der Hälfte des Buches auf, nachdem man einen sehr ausführlichen Einblick in das Leben von Emil Larsson und seinen acht Personen des Oktavo erhalten hat, wodurch die Geschichte manchmal etwas ins Stocken gerät. Doch zum Ende hin spitzen sich die Ereignisse zu, die von Anfang an sehr komplex angelegte Geschichte nimmt merklich an Tempo zu und wird zum Schluss hin durchweg sehr fesselnd erzählt.

Die Charaktere sind bis in die kleinste Nebenrolle ausgereift und facettenreich angelegt und entwickeln sich durch die Geschehnisse im Roman entsprechend weiter. Im Fokus steht natürlich der Erzähler Emil Larsson, ein junger Sekretär, der von seinem Vorgesetzten genötigt wird, endlich zu heiraten, ansonsten würde seine Stelle anderweitig vergeben werden. Der eher leichtfertige, lebensfrohe Larsson genießt allerdings sein Singledasein mit nächtlichen Umtrünken und Kartenspielen bis in die frühen Morgenstunden sehr und seine Ambitionen, eine geeignete Ehefrau für sich zu finden, sind somit eher gering. In seinem Oktavo sieht Larsson dann jedoch die Möglichkeit, dem Wunsch seines Vorgesetzen nachkommen zu können und schon bald wähnt er in Carlotta seine zukünftige Ehefrau. Doch scheinbar hat sein Oktavo in dieser Hinsicht etwas anderes für ihn vorgesehen.  

Eine weitere Hauptakteurin ist die Französin Madame Sparv. Die geheimnisvolle ältere Dame betreibt einen angesehen Salon in Stockholm, in dem die höhere Gesellschaft gerne zum Kartenspielen kommt und sich von der Wahrsagerin die Zukunft voraussagen lässt. König Gustav III. gehört zu ihren engsten Freunden. Die zweite mächtige Frau des Romans ist die Baroness Uzanne. Die Gesellschaftsdame betritt nach der Trauerzeit um ihren Mann Henrik wieder die politische Bühne und ist eine Anhängerin von Herzog Karl, der mit den Reformen seines Monarchen nicht einverstanden ist. Die Uzanne, wie sie ehrfürchtig genannt wird, ist eine Meisterin der Fächerkunst und der Intrigen und wird bald eine maßgebliche Rolle in Larssons Oktavo spielen.

Fazit: Ein farbenprächtiger Roman, der einem sehr gut das gesellschaftliche Leben Stockholms Ende des 18. Jahrhunderts vor Augen führt und zudem mit einer äußerst vielschichtigen Geschichte aufwarten kann, auch wenn diese zwischendurch einige kleine Längen hat und erst nach gut der Hälfte etwas Spannung aufkommen lässt.

Die Autorin (Quelle: Verlagsseite):

Karen Engelmann stammt aus dem Mittleren Westen Amerikas und studierte Grafikdesign. Nach ihrem Studium ging sie für acht Jahre nach Malmö, Schweden, und arbeitete dort als Illustratorin, Grafikerin und Bühnengestalterin. Seit ihrer Jugend pflegte sie eine besondere Leidenschaft für die Literatur, von der sie später eingeholt wurde. Sie absolvierte ein Creative Writing Program am Goddard College und schrieb mit Das Stockholm Oktavo ihren ersten Roman. Sie lebt mit ihrer Familie nördlich von New York City.

 

Kommentare:

  1. Ich will es immer mehr, klingt wirklich sehr gut.

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    1. jepp, nicht nur das Cover ist toll, auch das Buch
      LG Isabel

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