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Freitag, 3. Januar 2014

{Rezension} Malavita – Eine Mafia-Komödie von Tonino Benacquista


Cover & Verlag: carl's books
Übersetzer: Herbert Fell
Broschierte Ausgabe: 304 Seiten
Genre: Roman
ISBN: 978-3-570-58528-3
Erscheinungsdatum: 14. Oktober 2013
Preis: 14,99 €

 

Eine schrecklich nette Familie 

Das ruhige Örtchen Cholong-sur-Avre in der Normandie erhält Zuwachs. Spätabends zieht die vierköpfige Familie Blake in ihr kleines Häuschen ein. Mutter Maggie engagiert sich sofort bei der örtlichen Gemeindearbeit, die Teenagerkinder Belle und Warren besuchen die nahegelegene Schule und Vater Fred Blake verbringt seine Zeit mit dem Schreiben eines Buches. Eine nur einfach nette Familie? Weit gefehlt. Die Blakes sind im Zeugenschutzprogramm der USA. Fred Blake alias Giovanni Manzoni war in Newark ein großer Mafiaboss, der gegen andere Mafiosi ausgesagt hatte. Klar, dass diese auf Rache aus sind. Doch die regelmäßigen Umzüge verwischen immer wieder die Spuren der Familie, bis eines Tages der Zufall den Mafiosi in den USA zur Hilfe kommt.





 

Tonino Benacquista lässt es langsam angehen in seiner Mafia-Komödie. So nach und nach stellt er einem seine vierköpfige Familie vor, wobei die Hauptfigur Fred Blake anfangs eher ein wenig unscheinbar bleibt. Doch dies ändert sich bald. Denn Blake ist keiner, der lange ohne Aufmerksamkeit auskommt, was fatal für Menschen im Zeugenschutzprogramm ist. Per Zufall entdeckt der ehemalige Mafia-Boss im neuen Haus eine alte Schreibmaschine und beginnt fortan seine Memoiren zu schreiben. Hierdurch erfährt der Leser auch so nach und nach die Gründe dafür, warum die Blakes sich nun im Zeugenschutzprogramm befinden. Den Nachbarn erzählt Blake allerdings, dass er ein Buch über die Landung der Alliierten schreibt. Ein Schriftsteller in der Nachbarschaft! Die Einwohner von Cholong-sur-Avre sind begeistert. Als dann auch noch ständig bräunliches Wasser aus den Leitungen des Hauses läuft, nimmt das Schicksal endgültig seinen Lauf.

 

Rabenschwarzer Humor zeichnet diese Komödie aus. Da ist es auch ganz normal, dass Mutter Maggie, als sie mitbekommt, wie der Besitzer des kleinen Supermarktes über die Esskultur der Amerikaner herzieht, seinen Laden kurzerhand in Flammen aufgehen lässt. Einer italienischen Mama zu unterstellen, sie könne nicht kochen, nur weil sie nach Erdnussbutter gefragt hat! Das geht gar nicht! Auch die Kinder Belle und Warren finden sich schnell in ihrer neuen Umgebung zurecht und gerade Warren träumt schon davon, der nächste Mafia-Boss zu werden. Dafür geht der 14-jährige sehr geschickt vor. Aber auch der wunderschönen 17-jährigen Belle kann in der Schule niemand etwas vormachen. Selbstbewusst marschiert die junge Dame durchs Leben.

 

Auch wenn die Blakes sich bemühen, jeder Aufmerksamkeit aus dem Weg zu gehen, liegt es einfach in ihrem Naturell, genau diese zu erregen. Und so ist das Ende ihres Aufenthaltes in Cholong-sur-Avre einfach nur eine Frage der Zeit. Locker, leicht und herrlich verschmitzt erzählt der Autor das Leben der Familie Blake in der Normandie. Und mit jeder Seite, die man umschlägt wird die Geschichte spannender und unterhaltsamer bis sie dann auf die unvermeidliche Katastrophe zusteuert.

 

Seine Charaktere beschreibt Tonino Benacquista interessant und facettenreich. Maggie ist eine typische italienische Mama, die gerne ihre Familie mit neuen italienischen Gerichten überrascht, sich an Wohltätigkeitsveranstaltungen beteiligt und sich schnell in die Gemeinschaft des Ortes einlebt. Da das Buch bereits verfilmt wurde, hatte ich zwar Michelle Pfeiffer immer vor Augen, aber so recht übereinstimmen wollte sie mit der Beschreibung der Maggie im Buch dann doch nicht. Ganz anders sah es da wieder bei Fred Blake aus. Dieser ist eher ein wenig wortkarg, verkriecht sich am liebsten im Bademantel den ganzen Tag mit grimmiger Miene hinter seiner Schreibmaschine und taut nur auf, wenn er sich der Aufmerksamkeit seiner Umgebung sicher ist. Dann kann Blake die tollsten, aberwitzigsten Geschichten erzählen. Sehr zum Leidwesen der FBI-Beamten, die ständig in seiner Nähe sind. Und wehe, ein Nachbar reizt ihn einmal, da kommt der Mafia-Boss an die Oberfläche. Eine Paraderolle für Robert de Niro.

 

Fazit: Ein Zeugenschutzprogramm der etwas anderen Art, eine Mafia-Komödie versehen mit rabenschwarzen Humor und locker-leicht erzählt.

 

Der Autor:
Tonino Benacquista, geboren 1961 als Sohn italienischer Einwanderer, lebt in Paris. Nach einem begonnenen Filmstudium organisierte er sich mit Jobs als Schlafwagenschaffner und Pizzabäcker Geld und Stoff für seine originellen Kriminalromane, die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden. "Malavita" wurde von Luc Besson mit Robert DeNiro, Michelle Pfeiffer und Tommy Lee Jones verfilmt.

Kommentare:

  1. Hallo :) Ich habe gerade deinen Blog entdeckt und er gefällt mir wirklich gut. Da kann ich ja gar nicht anders, als Leserin zu werden. Vielleicht hast du ja Lust auch mal bei mir vorbeizuschauen, ich würde mich freuen :) Bei mir läuft gerade außerdem noch ein Gewinnspiel bei dem man unter anderem ein Wunschbuch im Wert von 15 Euro gewinnen kann.

    Liebe Grüße und noch ein schönes neues Jahr,
    Livi ♥
    liviliest.blogspot.de

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  2. Ich bin durch livi auf deinen tollen Blog gekommen und ich werde gleich mal Leser ♥ echt tolle rezi :) vielleicht hast du ja mal Lust bei mir vorbeizuschauen :)
    Liebe Grüße
    Nasti ♥
    Http://bowsandfairytales.blogspot.de

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  3. Ich bin über Blog-Zug auf deinen Blog aufmerksam geworden und möchte dich gerne auf meine Liebesroman-Challenge hinweisen, vielleicht ist da je etwas für dich dabei.
    Hier ist der LInk: http://samtpfotenmitkrallen.blogspot.ch/2014/01/ankundigung-liebesroman-challenge.html natürlich würde ich mich sehr über deine Teilnahme freuen.
    Dein Blog gefällt mir übrigens wirklich sehr gut, du hast eine neue Leserin :-)

    Alles Liebe und gute im neuen Jahr
    Livia

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  4. Auch ich habe "Malavita" gerade gelesen ….. und fand es super unterhaltsam. Vielleicht magst du mal meine Rezension nachlesen ?
    http://lesen-und-mehr.blogspot.de/2014/01/rezension-malavita-von-tonino.html
    LG
    Olivia
    P.S. Ich musste seither übrigens ganz oft "Pasta mit roter Sauce" kochen….!!!

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    1. *lach* die Pasta mit roter Sauce gab es vor dem Buch schon ständig bei uns. Mein Mann ist ein Pasta-Fan, ich aber auch. Ich schau' gleich mal bei Dir vorbei.
      LG Isabel

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    2. Bei uns auch. Aber "nach" dem Buch noch viiiiel bewusster! Freue mich sehr, wenn Du Dich bei mir blicken lässt….
      LG
      Olivia

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