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Mittwoch, 15. Januar 2014

{Rezension} Einfach Freunde - Die wahre Geschichte des Pflegers Dris aus "Ziemlich beste Freunde" von Abdel Sellou



Cover & Verlag: Ullstein   
Übersetzerin: Patricia Klobusiczky
Taschenbuchausgabe: 284 Seiten
Genre: Biografie
ISBN: 9783548285184
Erscheinungsdatum: 12. März 2012
Preis: 9,99 €

Der Schutzteufel

Durch den Kinofilm „Ziemlich beste Freunde“ wurde Abdel Sellou bekannt. Nun erzählt der ehemalige Pfleger und Freund von Philippe Pozzo di Borgo seine Zeit bei dem Aristokraten, aber auch, wie sein Leben bis dahin verlaufen ist. Und man erfährt, neben der Zeit mit Philippe Pozzo die Borgo auch, was Abdel heute macht und warum er nicht mehr der Pfleger seines Freundes ist.



Von Algier nach Frankreich. Mit vier Jahren kommt Abdel zusammen mit seinem ein Jahr älteren Bruder nach Paris. Hier werden sie von Verwandten ihrer Familie aufgenommen, die sie fortan auch Vater und Mutter nennen. Abdel ist ein neugieriger, unbeschwerter Lausbub, den nichts zu Hause hält. Sein Viertel ist sein Kinderzimmer, Grenzen werden ihm von seinen neuen Eltern keine gesetzt, wenn Abdel etwas möchte, dann nimmt er es sich einfach. Auch in Kaufhäusern, denn schließlich liegen ja die Tüten und Süßigkeiten genau in seiner Höhe aus, also muss man doch zugreifen. Seine Diebstahlkarriere beginnt Abdel mit sechs Jahren.

Bald schon ist er Anführer seines Viertels, ihn scheint nichts zu schrecken, schnodderig und ohne jegliche Angst klaut er fortan alles, was er gebrauchen oder versetzten kann. Die Flucht vor der Polizei ist für ihn nur Sport, schließlich können sie Abdel nichts anhaben. In die Schule geht Abdel nur sporadisch, benimmt sich rüpelhaft und respektlos. Und selbst als er volljährig ist und für 10 Monate ins Gefängnis muss, macht Abdel sich noch einen Spaß daraus und sieht es als angenehmen Aufenthalt an.

Doch nach der Entlassung muss er eine Arbeit nachweisen, um staatliche Unterstützung zu erhalten. Nach einigen Fehlversuchen landet er schließlich bei Philippe Pozzo di Borgo. Keine Ahnung was von ihm erwartet wird und warum er eigentlich bleibt, übernimmt Abdel fortan in seiner ungestümen direkten Art die Pflege des Tetraplegikers. Di Borgo ist von der erfrischend unverblümten, direkten Art von Abdel begeistert und so ganz langsam entwickelt sich zwischen den beiden so unterschiedlichen Menschen so etwas wie Freundschaft. 10 Jahre soll Abdel der Pfleger von Philippe Pozzo di Borgo bleiben und in dieser Zeit wird aus dem Rüpel ein etwas anderer Mensch. Hat Abdel sich früher nie über die Gefühle anderer Menschen Gedanken gemacht, ist ihm dies heute wichtig und selbst Literatur und klassische Musik finden Interesse bei dem Hitzkopf, der herrlich arrogant, aber doch so bescheiden ist.

Schnodderig, frech, äußerst witzig und warmherzig erzählt Abdel Sellou seine Geschichte. Seine ungestüme und vor allem sehr direkte Art beeindrucken. So kennt Abdel absolut keine Berührungsängste, schließlich sind wir ja alle keine Tiere, wie Abdel Sellou so schön schreibt. Bald schon kümmert er sich komplett allein um die Pflege des Gelähmten, der Transporter wird kurzerhand gegen einen Jaguar ausgetauscht. Allerdings überlebt das teure Auto die rasante Fahrweise von Abdel nicht lange und auch das nächste Auto – ein Rolls Royce – nimmt schnell Schaden. Klar, dass Abdel an beiden Crashs absolut unschuldig ist. Di Borgo erträgt die alles mit bewundernswerten Gleichmut.

Fazit: Ein wunderschönes, freches und äußerst humorvolles Buch über eine ungewöhnliche Freundschaft.

Der Autor:
Abdel Yasmin Sellou wurde 1971 in Algier/ Algerien geboren. Er kam im Alter von vier Jahren nach Paris, wo er schon bald auf die schiefe Bahn geriet. Mit Anfang zwanzig stellte ihn Philippe Pozzo di Borgo als Pfleger ein – der Beginn einer großen Freundschaft, die beide Männer bis heute verbindet. Heute ist Sellou verheiratet und Vater dreier Kinder, er lebt in Algerien und Paris.

Kommentare:

  1. Schön, auch einmal die andere Seite kennen zulernen. Vielen Dank für diese gelungene Rezi.
    LG Petra

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    1. Danke Petra, ja das war wirklich interessant.
      LG Isabel

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  2. Irgendwie habe ich den Film bis heute noch nicht gesehen…Und wenn ich diese Rezension lese, dann halte ich mich doch vielleicht eher ans Buch, klingt ja sehr schön!
    LG
    Olivia

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    1. Ich kenn den Film auch (noch) nicht, Olivia. Aber das Buch kann ich Dir nur wärmstens empfehlen.
      LG Isabel

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