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Mittwoch, 29. Mai 2013

{Rezension} Winter der Welt - Die Jahrhundert-Saga von Ken Follett

Cover & Verlag: Luebbe
Übersetzer: Dietmar Schmidt / Rainer Schumacher
Gebundene Ausgabe: 1.022 Seiten
Genre: Historischer Roman / 2. Band
ISBN: 978-3-7857-2465-1
Erscheinungsdatum: 18. September 2012
Preis: 29,99 €




Die dunkle Zeit

Anfang der Dreißiger Jahre leidet die Welt unter der Weltwirtschaftskrise, die Arbeitslosenzahlen in Deutschland wachsen immer mehr an, Lebensmittel sind kaum noch bezahlbar. Dies nutzt Adolf Hitler und seine NSDAP gnadenlos für sich aus und seine Partei kommt an die Macht. Auch in Russland sieht es nicht viel besser aus, der Traum der Revolution scheint zerplatzt, die Menschen leiden unter der Willkür und der Gewalt der Bolschewiken. Und dann marschiert Hitler in Polen ein, der 2. Weltkrieg beginnt.



Ken Follett beginnt den zweiten Teil seiner Jahrhundert-Saga im Jahr 1933. Die Sozialdemokraten und andere Parteien in Deutschland werden entmachtet, die NSDAP kann nun schalten und walten. Die Veränderungen beginnen schleichend, doch viele Deutsche sind begeistert von Hitler, versprechen sich eine blühende Wirtschaft und weniger Arbeitslose. Vor den immer öfter auftretenden Gewaltübergriffen der SS werden die Augen geschlossen und auch, dass jegliche Kritik am Regime tödlich enden kann. Auch der Rest der Welt ist zwiegespalten, schaut zumeist skeptisch in Richtung Nazi-Deutschland.

Wie schon im 1. Teil wechselt Ken Follett regelmäßig die Handlungsstränge und so erfährt  man erst einmal wie es seinen Protagonisten in Russland, Deutschland, England und den USA in der Zwischenzeit ergangen ist. Hierdurch hat man sehr schnell die vielen Charaktere wie auch ihr bisheriges Leben wieder vor Augen. Aber immer mehr rückt die nächste Generation in den Vordergrund.

Und diese sind ebenfalls wieder mehr oder weniger eng mit den politischen Geschehnissen verbunden, manche sitzen direkt in den Schaltzentralen der Macht. Und so erhält man nicht nur einen guten Überblick darüber, wie die verschiedenen Nationen zu Nazi-Deutschland stehen, sondern erhält hierdurch auch noch äußerst interessante wie packende Geschichtsstunden. Man ist als Leser bei den Untergrundkämpfern dabei, die unter größter Gefahr britische und amerikanische Soldaten über Frankreich ins neutrale Spanien schleußen, wie auch bei geheimen Besprechungen von Präsident Roosevelt und auch stellenweise von Diktator Josef Stalin. Aber auch den Angriff auf Pearl Harbour, die Invasion in der Normandie, dem D-Day oder den Wettlauf um den Bau der Atombombe zwischen Russland und den USA erlebt man hautnah und Ken Follett beschreibt dies äußerst fesselnd.

Bildhaft, spannend und atmosphärisch dicht erzählt Ken Follett seine fiktive Geschichte, die eng mit den historischen Fakten des 2. Weltkriegs verknüpft ist und seine Protagonisten agieren zumeist überzeugend. Stellenweise habe ich mich aber schon ab und an über die vielen Zufälle gewundert, wenn die Wege seiner verschiedenen Charaktere sich kreuzen. Auch hätte ich mir gewünscht, dass der Autor ein wenig mehr auf den Holocaust eingeht. Zwar spielt auch eine jüdische Familie in Deutschland eine Rolle, aber sie finden zumeist nur am Rande Erwähnung. Anders sieht es da allerdings bei der behinderten Bevölkerung im Dritten Reich aus. Hier beschreibt Ken Follett sehr eindringlich und ergreifend wie menschenverachtend die Nazis hier vorgegangen sind.

Fazit:  Ein hervorragend recherchierter wie auch fesselnder  und spannender 2. Band, der einem die Schrecken des 2. Weltkriegs bewegend, mitreißend und äußerst informativ vermittelt.
 

Der Autor (Quelle: Verlagsseite):
Der Autor von mehr als einem Dutzend Bestsellern, wird oft als der "geborene" Erzähler gefeiert. Betrachtet man jedoch seine Jugend, so ist es zutreffender zu sagen, er wurde zum Erzähler "erzogen".
Ken wurde am 5. Juni 1949 in Cardiff, Wales, als erstes von drei Kindern des Ehepaares Martin und Veenie Follett geboren. Im Großbritannien der Nachkriegsjahre waren nicht nur Spielsachen Mangelware, sondern die zutiefst religiösen Folletts erlaubten ihren Kindern weder Fernsehen, noch Kinobesuche und verboten ihnen sogar, Radio zu hören. So blieben dem jungen Ken zur Unterhaltung nur die unzähligen Geschichten, die ihm seine Mutter erzählte — und die Geschichten und Abenteuer, die er sich in seiner eigenen Vorstellungswelt schuf. Schon früh lernte er lesen; Bücher bereiteten ihm viel Freude und die öffentliche Bibliothek wurde zu seinem Lieblingsort.
"Ich hatte nicht viele eigene Bücher und ich war immer dankbar für die Existenz der öffentlichen Bücherei. Ohne frei zugängliche Bücher wäre ich nie zum eifrigen Leser geworden, und wenn man kein Leser ist, ist man auch kein Schriftsteller."
Als er zehn Jahre alt war, zog die Familie nach London, wo er später seine Schullaufbahn beendete. Anschließend studierte er Philosophie am University College; eine scheinbar ungewöhnliche Wahl für den Sohn eines Steuerinspektors, aber eine nahe liegende für Ken, wenn man seine religiöse Erziehung und die daraus resultierenden vielen Fragen berücksichtigt. Er ist der Überzeugung, dass diese Wahl die Weichen für seine Zukunft als Schriftsteller gestellt hat.
"Es besteht eine reale Verbindung zwischen der Philosophie und der Belletristik. In der Philosophie beschäftigt man sich mit Fragen, wie zum Beispiel: ‚Wir sitzen an diesem Tisch, aber ist der Tisch auch wirklich?’ Eine blöde Frage, aber beim Studium der Philosophie muss man solche Dinge ernst nehmen und eine über das Gewöhnliche hinausgehende Vorstellungsgabe besitzen. Und dies braucht man auch beim Schreiben von Romanen."
In einem Hörsaal danach zu fragen, was wirklich ist, war eine Sache für Ken — etwas anderes, Ehemann und Vater zu werden. Als seine Freundin Mary schwanger wurde, heiratete das junge Paar am Ende von Kens erstem Semesters an der Universität. Im Juli 1968 kam ihr Sohn Emanuele zur Welt.
"Das ist nicht das, was man plant, wenn man 18 Jahre alt ist, aber sobald es einmal geschehen war, wurde die Sache recht spannend. Ich fühlte mich doppelt bereichert: Ich verbrachte eine herrliche Zeit an der Universität und zugleich war es auch äußerst aufregend, ein Baby zu haben und sich darum zu kümmern. Wir liebten ihn und er war auch reizend. Er ist es noch immer."
Es war auch an der Universität, in der hitzigen Atmosphäre der späten Sechzigerjahre, während der Vietnam-Krieg noch geführt wurde, als Ken begann, seine Leidenschaft für Politik zu entdecken.
"Es wurde die ganze Zeit über Politik diskutiert. Es hatte den Anschein, als ob Studentenproteste zu einem weltweiten Phänomen geworden seien. Obwohl wir jung und voller jugendlicher Arroganz waren, so glaube ich trotzdem, dass wir im Großen und Ganzen richtig lagen, wenn man die Kernfragen, für die wir kämpften, betrachtet."
Im September 1970, gleich nach der Universität, besuchte er einen dreimonatigen Journalistenkurs, der ihn auf die Laufbahn des Schriftstellers brachte. Sein erster Job war der des Reporter für die Zeitung South Wales Echo in Cardiff. Nach der Geburt seiner Tochter Marie-Claire 1973 arbeitete er dann als Kolumnist für die Evening News in London.
Als er es nicht zum "forschen Enthüllungs-Journalisten" brachte, wie er gerne einer gewesen wäre, begann Ken, an den Abenden und Wochenenden Romane zu schreiben. 1974 verließ er die Zeitungswelt und nahm bei einem kleinen Londoner Verlag, Everest Books, eine Stellung an.
Seine Feierabend-Schriftstellerei führte zwar zur Veröffentlichung einiger Bücher, aber keines verkaufte sich gut. Schon in dieser Zeit wurde er vom amerikanischen Literaturagenten Al Zuckerman ermutigt und beraten. Dann kam die Zeit, als sie beide wussten, dass Ken einen potentiellen Chartbreaker verfasst hatte, und Zuckerman sagte: "Dieser Roman wird große Wellen schlagen - und du wirst Steuerprobleme bekommen."
Es war der Roman Die Nadel (Eye of the Needle), der 1978 veröffentlicht wurde und Ken zum Bestseller-Autor machte. Dieses Buch gewann den Edgar Preis und verkaufte sich mehr als 10 Millionen Mal. Der Erfolg dieses Buches ermöglichte es Ken, seinen bisherigen Beruf aufzugeben, sich eine Villa im Süden Frankreichs zu mieten und sich völlig seinem nächsten Roman Dreifach (Triple) zu widmen.
"Ich machte mir große Sorgen, dass ich es vielleicht nicht nochmals schaffen würde. Das passiert vielen Schriftstellern. Sie schreiben ein hervorragendes Buch und das nächste ist nicht mehr ganz so gut und verkauft sich auch nicht mehr so oft. Auch das dritte Buch ist dann nicht sonderlich gut, sodass sie niemals mehr ein viertes schreiben. Ich war mir voll bewusst, dass mir das auch passieren könnte. Deswegen arbeitete ich sehr hart an dem Roman Triple, um ihn ebenso spannend wie Eye of the Needle zu machen."
Die Folletts gingen drei Jahre später nach England zurück, denn Ken vermisste die Filme und das Theater sowie die Anregungen, die London zu bieten hatte. Auch wollte er wieder von seinem Wahlrecht Gebrauch machen können. Sie ließen sich in Surrey nieder, wo Ken sich bei der Beschaffung von Geldern und der Wahlkampagne der Labour Party engagierte. Und da geschah es auch, dass er Barbara Broer, die Sekretärin des lokalen Parteibüros, traf, sich in sie verliebte und sie 1985 nach seiner Scheidung heiratete.
Das Ehepaar lebt jetzt in Hertfordshire in einem alten Pfarrhaus, das auch Kens Kinder aus erster Ehe sowie Barbaras Sohn und ihren beiden Töchter sowie deren Partnern und Kindern ein Zuhause bietet.
Barbara ist Parlamentsabgeordnete von Stevenage — ihren Sitz hat sie 1997 erstmals errungen und wurde 2001 und 2005 wiedergewählt. Heute amtiert sie als Gleichstellungsministerin in der Regierung Gordon Browns. Ken unterstützt sie beim Wahlkampf und anderen Aktivitäten der Partei. Obwohl Ken sich politisch engagiert, lässt er sich durch die Politik niemals vom Schreiben abhalten. Er beginnt nach dem Frühstück zu schreiben und arbeitet bis etwa sechzehn Uhr: "Ich bin ein Morgenmensch. Sobald ich aufgestanden bin, möchte ich an den Schreibtisch. Am Abend entspanne ich mich gern, möchte essen und trinken und Dinge tun, die mich nur wenig belasten."
In den letzten 25 Jahren hat Ken 19 Romane verfasst: die ersten fünf Bestseller waren Spionageromane: Die Nadel (1978), Dreifach (1979), Der Schlüssel zu Rebekka (The Key to Rebecca — 1980), Der Mann aus St. Petersburg (The Man from St. Petersburg — 1982) und Die Löwen (Lie Down with Lions 1986). Auf den Schwingen des Adlers (On Wings of Eagles 1983) ist die wahre Geschichte von zwei Angestellten der Firma Ross Perots, die während der Revolution in 1979 aus dem Iran gerettet wurden.
Und dann überraschte er seine Leser, indem er sein Metier radikal änderte, mit dem Buch Die Säulen der Erde (The Pillars of the Earth 1989). Es ist ein Roman über den Bau einer fiktiven Kathedrale im Mittelalter. Dieses Buch erhielt begeisterte Kritiken und hielt sich 18 Wochen lang auf der Bestsellerliste der New York Times. Es stand auch an der Spitze der Bestsellerlisten von Kanada, Großbritannien und Italien. In Deutschland führte es sechs Jahre lang die deutschen Bestsellerlisten an.
Die folgenden drei Romane, Nacht über den Wassern (Night Over Water 1991), Die Pfeiler der Macht (A Dangerous Fortune 1993), und Die Brücken der Freiheit (A Place Called Freedom 1995) waren mehr Unterhaltungsromane als Thriller. Mit dem Roman Der dritte Zwilling (The Third Twin 1996) kehrte er jedoch wieder zum Thriller-Genre zurück. 1997 stand dieser Roman in der jährlichen Übersicht der internationalen Belletristik-Bestseller in Publishing Trends gleich hinter John Grisham’s Roman The Partner an zweiter Stelle.
Sein nächstes Werk, Die Kinder von Eden (The Hammer of Eden 1998) war wieder ein fiktiver Unterhaltungsroman, gefolgt von Das zweite Gedächtnis (Code to Zero 2000, Dt.), einem Thriller, der zur Zeit des kalten Krieges spielt.
Für die beiden anschließenden Romane wählte Ken den zweiten Weltkrieg als Hintergrund: Die Leopardin (Jackdaws 2001), die Geschichte einer Gruppe von Frauen, die am Fallschirm über dem besetzten Frankreich abspringen, um eine strategisch wichtige Telefonzentrale zu zerstören (der Roman gewann im Jahre 2003 den begehrten Corine Preis) und Mitternachtsfalken (Hornet Flight 2002), in dem es um ein junges dänisches Paar geht, das tollkühn versucht, mit einem restaurierten Doppeldecker, einer Hornet Moth aus dem besetzten Dänemark nach England zu flüchten. Mit im Gepäck haben sie wichtige Informationen über ein neues deutsches Radarsystem.
Eisfieber (Whiteout 2005) ist ein Thriller, der in der Gegenwart spielt und vom Diebstahl eines tödlichen Virus aus einem Forschungslabor handelt. Schauplatz ist das schottische Hochland während einer stürmischen, verschneiten Weihnacht voller Eifersucht, Misstrauen, sexueller Anziehung, Rivalitäten, arglistigen Verrätern und unvermuteten Helden.
Sein neuester Roman, Die Tore der Welt (World Without End 2007), ist die lang erwartete Fortsetzung zum immens beliebten Die Säulen der Erde. Im neuen Buch kehrt er zweihundert Jahre später nach Kingsbridge zurück und berichtet von den Nachkommen der Figuren in Die Säulen der Erde. Breit angelegt und von gewaltigem Umfang, konzentriert es sich auf eine Handvoll Menschen, deren Leben vom Schwarzen Tod verheert wird, der Pestepidemie, die in der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts über Europa hinweg zog.
Eye of the Needle (Die Nadel) wurde mit Donald Sutherland in der Hauptrolle verfilmt. Vier weitere Follett-Romane dienten als Vorlage für Mini-Serien für das Fernsehen: The Key to Rebecca (Der Schlüssel zu Rebekka), Lie Down with the Lions (Die Löwen), On Wings of Eagles (Auf den Schwingen des Adlers) und The Third Twin (Der dritte Zwilling). Die TV-Rechte des letzteren wurden für die Rekordsumme von $ 1.400.000 an die CBS verkauft.
Die großen Freuden in Kens Leben, abgesehen von den ihm nahestehenden Menschen, sind gutes Essen und Wein, Dramen aus der Zeit Shakespeares und, sogar noch wichtiger, Musik.
In seinem Leben hat Musik immer eine bedeutende Rolle gespielt beide Eltern spielen Klavier. In der Band mit Namen "Damn right I’ve got the Blues" spielt Ken Bassgitarre und hat mit ihr ein Album namens "Don’t Quit Your Day Job" ("Gib deinen eigentlichen Beruf nicht auf") aufgenommen ein realistischer Titel für einen Mann, der keine übertriebenen Ansprüche in Bezug auf sein musikalisches Talent erhebt.
"Ich konnte nie gut Gitarre spielen. Ich glaube, es ist ziemlich wichtig, dass man etwas hat, das man schlecht kann, insbesondere wenn man eine äußerst ehrgeizige Person ist. In einer Band zu spielen ist sehr emotional, die Schriftstellerei reine Gehirnarbeit. Meine Romane sind wie so viele andere Romane atmosphärisch sehr dicht, sodass ich ständig über die Struktur der Erzählung nachdenke. Das Spielen in einer Band ist dagegen sehr gefühlsorientiert. Es gibt da eine direkte Verbindung von den Ohren zu den Fingerspitzen, die nicht durch die rationale Gehirnregion geht."
Obwohl Ken ein rühriges Leben führt, in dessen Mittelpunkt Arbeit, Familie und Politik stehen, findet er Zeit, sich in seiner Gemeinde zu engagieren. Er ist Präsident der Dyslexia Action, einer Organisation zur Legasthenikerhilfe, gehört dem Vorstand des National Literacy Trust an, einer Organisation zur Bekämpfung des Analphabetismus, ist Fellow der Royal Society of Arts, Mitglied im Aufsichtsgremium der Grundschule von Roebuck, Schirmherr von Stevenage Home-Start (einer Organisation zur Unterstützung junger Familien in der Krise) und Vorsitzender der Wohlfahrtsstiftung von Stevenage. Er besitzt die Ehrendoktorwürde in Literatur der Universität von Glamorgan in seiner walisischen Heimat.

Kommentare:

  1. Bin auch schon auf Band 2 gespannt, der erste Teil hat mir sehr gut gefallen!
    Hab es schon als ebook bei mir. :)

    LG Denise

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    1. Dann wünsche ich Dir viel Spaß beim Anhören! Der 2. Band hat mir noch besser gefallen als der erste.
      LG Isabel

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  2. Oh ja, die Jahrhundert-Saga, die muss ich auf alle Fälle auch noch lesen. Nach deiner Rezi sind die Bücher nun weit nach vorne gerückt.
    L.G.
    Sabine

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