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Freitag, 6. Juni 2014

{Rezension} Die Sünde der Engel von Charlotte Link



Cover & Verlag: Blanvalet
Taschenbuchausgabe: 336 Seiten
Genre: Roman 
ISBN: 978-3-442-37291-1
Erscheinungsdatum: 11. Mai 2009
Preis: 8,95 €

Vogel-Strauß-Politik

Die Engländerin Janet Beerbaum lebt mit Ehemann Philipp und Sohn Mario in Hamburg. Ihr zweiter Sohn Maximilian lebt seit sechs Jahren in einer psychiatrischen Klinik und soll nun entlassen werden. Da Philipp sich weigert, den 24-jährigen Zwillingsbruder von Mario wieder bei sich aufzunehmen, fliegt Janet nach England, um von hier weiter nach Edinburgh zu reisen. Dort gibt es eine Einrichtung, welche straffällig gewordenen jungen Erwachsenen einen Therapieplatz bietet. Doch Janet ist mit dieser Entscheidung nie einverstanden gewesen, bleibt in England und trifft sich dort wieder mit ihrer Jugendliebe Andrew. Währenddessen entschließt sich Mario, zusammen mit seiner Freundin Tina in das Ferienhaus der Familie in der Provence zu reisen. Eine verhängnisvolle Reise, die sich für die Familie Beerbaum als Alptraum entwickeln soll.



Vor Problemen ist Janet schon immer davongelaufen, in der Hoffnung, dass diese sich irgendwann von selbst lösen. So verfährt sie nun auch mit ihrer Großbritannien-Reise. Janet liebt ihre Zwillinge abgöttisch und Maximilian in die Einsamkeit Schottlands zu verbannen, ist für sie undenkbar. Die Ehe mit Philipp ist auch nicht unbedingt als glücklich zu bezeichnen, was liegt also näher, als wieder Kontakt mit Exfreund Andrew in London aufzunehmen. Kurzerhand zieht sie bei ihm ein und verdrängt erfolgreich die Probleme in ihrer Familie. Doch auch Philipp geht Schwierigkeiten am liebsten aus dem Weg. Nach den Geschehnissen von vor sechs Jahren, die Maximilians Einweisung in eine psychiatrische Klinik zur Folge hatten, wurde kurzerhand der Wohnsitz von München nach Hamburg verlegt und Mario ist fortan ein Einzelkind.

Die Geschichte beginnt recht interessant und neugierig machend. Einige Zeit weiß man nicht, welche Geschehnisse für die derzeitige Situation von Maximilian verantwortlich sind, doch man kann sich dies recht bald denken. Und auch Mario verhält sich nicht gerade normal. In ihrer Naivität übersieht Tina dies, doch ihrer Freundin Dana ist Mario nicht geheuer und auch Tinas Vater mag den Jura-Studenten nicht. Doch da Tina volljährig ist, muss er es notgedrungen hinnehmen, dass Tina mit Mario in das Ferienhaus nahe Grasse/Provence reist. Obwohl Tina schon mehrere Monate mit Mario zusammen ist, fällt ihr erst auf der Fahrt nach Frankreich auf, dass das Verhalten ihres Freundes manchmal recht seltsam ist.

Zwar ist die Story durchweg recht spannend angelegt und keine Frage, Charlotte Link kann Geschichten fantastisch erzählen, doch entwickelt sich diese mit der Zeit recht konfus und unglaubwürdig und konnte mich bis zum Schluss nicht restlos überzeugen. Grund hierfür war das unverständliche Verhalten von Janet und Philipp, die in dem Roman Vogel-Strauß-Politik betreiben und absolut unfähig sind, sich Problemen zu stellen und lange Zeit verantwortungslos handeln. Auch die Naivität von Tina war für mich nicht restlos überzeugend, auch wenn Charlotte Link oftmals darauf hinweist, dass Tina sehr behütet aufwuchs. Außerdem bleiben einige Handlungsstränge unvollendet, insbesondere der von Dana, Tinas bester Freundin. Aber auch das Verhalten von Andrew in der Schlussszene war für mich nicht recht nachvollziehbar, auch wenn die Autorin seine Beweggründe darlegt. Aber als Inspector bei Scotland Yard hätte er hier umsichtiger handeln müssen. Ob er irgendwelche Konsequenzen aus seinem Verhalten befürchten muss, bleibt ebenfalls offen.

Die Hintergründe zu den Zwillingen, um die sich die ganze Geschichte dreht, bleiben nicht lange verborgen, da Charlotte Link früh und mehrmals darauf hinweist, wie eng und intensiv die Beziehung zwischen Mario und Maximilian ist. So kann das spätere Verhalten von Janet  ihren Ehemann, aber nicht den Leser verwirren. Demzufolge ist auch der Showdown in der Provence durchaus vorhersehbar, zumal die Protagonisten in ihren Handlungen jederzeit berechenbar bleiben.


Fazit: Unterhaltsam erzählte, jedoch nicht durchweg nachvollziehbare Story mit unsympathischen Protagonisten, die in ihren Handlungen sehr vorhersehbar agieren.


Die Autorin:

Charlotte Link, geboren in Frankfurt/Main, ist die erfolgreichste deutsche Autorin der Gegenwart. Ihre psychologischen Spannungsromane sind internationale Bestseller, auch Im Tal des Fuchses eroberte wieder auf Anhieb die SPIEGEL-Bestsellerliste. Allein in Deutschland wurden bislang über 24 Millionen Bücher von Charlotte Link verkauft; ihre Romane sind in zahlreiche Sprachen übersetzt. Die Verfilmungen, zuletzt Das andere Kind, werden im Fernsehen mit enorm hohen Einschaltquoten ausgestrahlt. Charlotte Link lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Frankfurt/Main.


Kommentare:

  1. Das war eins der wenigen Bücher von Charlotte Link, das mir nicht gefallen hat. Hast Du `Im Tal des Fuchses` gelesen ? Das war genial...L.G. Annette

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    1. ja, sie hat wirklich bessere. "Im Tal des Fuchses" kenn ich auch schon, fand es ebenfalls spitze.
      LG Isabel

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