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Dienstag, 26. März 2013

{Rezension} Himmelskinder von Marion Feldhausen

Cover & Verlag: Blanvalet
Taschenbuchausgabe: 320 Seiten
Genre: Deutscher Krimi
ISBN: 978-3-442-37836-4
Erscheinungsdatum: 16. Januar 2012
Preis: 8,99 €

Solider, spannender Krimi


Ein kleiner Junge findet ein lebloses, unbekleidetes Mädchen im Gebüsch, die Ärzte können die Kleine, die schwer misshandelt wurde, nicht mehr retten. In einem Hotelzimmer wird ein Mann tot aufgefunden, alles deutet auf Selbstmord hin. Doch Kommissar Eric Alvermann und sein Team haben Zweifel und ermitteln. Je tiefer sie in das Umfeld des Toten dringen, umso mehr Indizien deuten auf eine Menschenschlepperbande hin. Vieles erinnert an einen alten Fall aus dem Jahr 1999, bei dem es um Kinderprostitution ging und in den viele hochrangige Herren aus Politik und Justiz verwickelt waren. Doch als Alvermann und Masur sich die Akte noch einmal vornehmen wollen, ist sie spurlos verschwunden.



Ein Kinderbordell irgendwo auf dem Land, ein kleines Mädchen soll sich für einen Freier herrichten. Sie hat Angst und Schmerzen und nur einen Wunsch: Das dieses Martyrium endlich endet und sie wieder nach Hause kann. Marion Feldhausen startet ihren Psychothriller, den ich eher als Krimi bezeichnen würde, sehr eindringlich und zeigt in ihm auf, wie skrupellos und menschenverachtend Schlepperbanden mit kleinen Mädchen umgehen. Sie sind für sie nur Nummern, eine Ware, die bestmöglich verkauft werden soll.

Die Autorin geht das Thema Kinderprostitution sachlich, dennoch sehr einfühlsam und gut recherchiert an. Sie zeigt deutlich auf, unter welchen falschen Voraussetzungen junge Mädchen - meist erst um die 12 Jahre - aus Osteuropa nach Deutschland gelockt werden, um dort dann meistbietend an zahlende Kunden regelrecht verschachert zu werden.



Mithilfe unterschiedlicher Handlungsstränge erzählt Marion Feldhausen den Fall um die Himmelskinder. Zumeist verfolgt man die Ermittlungen der Karlsbader Polizei, hier allen voran Eric Alvermann. Aber die Autorin gewährt einem auch Einblicke in das Leben der kleinen Mädchen wie auch den Mitgliedern der Schlepperbande. Und selbst hier bleibt die Autorin nicht einseitig, sondern lässt sogar einen dieser gewissenlosen Menschen wenigstens ein wenig menschliche Regungen zeigen.

Die Story entwickelt sich durchaus temporeich und spannend. Zwar hat man durch die wechselnden Handlungsstränge ein wenig mehr Hintergrundwissen als die Ermittler, dies nimmt jedoch keineswegs die Spannung aus der Geschichte, zudem noch einige interessante Wendungen mit eingebaut sind. Entsprechend des Themas ist die ganze Stimmung des Buches etwas bedrückend, Auflockerungen gewährt die Autorin einem dennoch immer mal wieder. Der Umgang unter den Kollegen rund um Alvermann ist recht entspannt und locker und so sorgen die Zusammenkünfte der Ermittler gelegentlich etwas dafür, dass die Stimmung des Krimis nicht zu beklemmend wirkt.

Während sich die Story interessant und fesselnd gestaltet, blieben für mich aber die Akteure ein wenig auf der Strecke. Der akkordeonspielende Kommissar Alvermann bleibt lange Zeit doch ein wenig blass und selbst als er im Verlauf dann etwas greifbarer wird, hat die Autorin einige Geheimnisse um sein Leben eingebaut, welche sich jedoch leider nicht bis zum Ende des Krimis auflösen. Etwas enttäuschend und man fragt sich, warum die Autorin dies mit eingefügt hat, interessanter wirkt der Einzelgänger Alvermann hierdurch nicht unbedingt.

Ein interessanter Charakter ist jedoch sein Freund und Kollege Masur. Ein Alkoholiker, der vom Team gedeckt wird, von Alvermann mehr als einmal ins Gebet genommen wird, aber der auch am Charismatischsten von allen ist. Ein Zyniker wie er im Buche steht, dem der Fall besonders nahe geht und er somit wirklich alles versucht, um ihn zu lösen. Auch die weiteren Akteure bleiben anfangs ziemlich konturenlos, was bei mir zu Verwechslungen führte, dies ließ jedoch mit der Zeit nach.

Fazit: Ein sehr gut recherchierter, spannender Krimi, der ein brisantes Thema einfühlsam behandelt. Einzig die Charaktere benötigen eine gewisse Zeit bis sie Konturen annehmen.

Die Autorin:
Marion Feldhausen arbeitete nach ihrem Studium der Sozialarbeit mit Obdachlosen, Straffälligen und zuletzt als Psychotherapeutin in einer Suchtklinik. Mit ihren Patienten und Künstlern brachte sie ein viel beachtetes Opernprojekt auf die Bühne. Heute ist sie als Dozentin zum Thema Sucht an einer Universität tätig und widmet sich vor allem dem Schreiben. Sie lebt mit ihrem Lebensgefährten auf dem Land bei Köln, ihre drei Kinder haben bereits das Haus verlassen und studieren.

Weitere Bücher der Autorin:



Kommentare:

  1. Hallo Isabel,

    hört sich interessant an, aber das Thema Kinderprostitution ist nichts für mich (ich mag nicht so gern Bücher, wo Kinder misshandelt werden).

    LG
    Sabine

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  2. Hey Isabel,

    klingt wirklich gut. Bei deutschen Büchern bin ich irgendwie immer etwas zurückhaltender... Aber dieses Buch könnte mir gefallen. Landet erst mal auf dem Wunschzettel :)

    LG,
    Enni

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  3. Hallo Isabel,
    ich bin gerade über die Blanvalet-Challenge zu dir geraten. ich war nämlich gespannt wie du Himmelskinder bewertet hast, da ich es genau wie du im Zuge der Challenge gelesen habe.
    Bei mir ist es nicht ganz so gut weg gekommen wie bei dir. Aber ich werde die Fortsetzung wohl trotzdem lesen. Die Autorin hat mich nämlich angeschrieben und mir etwas Mut gemacht ;)
    Ich schaue dann mal bei deiner anderen Rezi mal rein ;)

    Liebe Grüße
    Julia

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