Leseempfehlungen

Mittwoch, 27. März 2013

{Rezension} Du stirbst zuerst von Dan Wells

Cover & Verlag: Piper
Übersetzer: Jürgen Langowski
Taschenbuchausgabe: 448 Seiten
ISBN: 978-3-492-26858-5
Genre: Amerikanischer Thriller
Erscheinungsdatum: 01. Oktober 2011
Preis: 12,99 €

Was ist real?

Der 20-jährige Michael Shipman wacht im Krankenhaus auf, an die letzten zwei Wochen kann er sich nicht mehr erinnern. Doch er weiß, dass er verfolgt wird, verfolgt von gesichtslosen Monstern, und dass irgendetwas nicht mit ihm stimmt. Denn Michael hat Visionen, sieht Monster und hört fremde Stimmen in seinem Kopf. Die Ärzte halten ihn für verrückt, diagnostizieren bei Michael Schizophrenie und weisen ihn in eine psychiatrische Klinik ein. Doch Michael weiß es besser, die Gesichtslosen verfolgen einen dunklen Plan und nur er allein kann sie aufhalten oder bildet er sich dies alles doch nur ein?



Dan Wells startet seinen Horrortrip mit dem Aufwachen von Michael im Krankenhaus. Da der Autor seinen Protagonisten selbst seine Geschichte erzählen lässt, kommt beim Lesen schnell ein ziemlich beklemmendes Gefühl auf. Denn man spürt regelrecht die Angst, welche Michael vor jeglichen elektronischen Geräten empfindet, fühlt seine Machtlosigkeit gegenüber den Ärzten, die seine Erklärungen für sein merkwürdiges Verhalten nicht glauben und diese als Wahnvorstellungen abtun. Ganz zu schweigen von seinen Erzählungen über „die Anderen“, diesen gesichtslosen Wesen, die Michael ständig verfolgen, die irgendetwas Schreckliches planen und Michael als Einziger diese sehen und somit auch aufhalten kann. Ja, und dann ist da noch der Wellness-Mörder, der bereits mehr als zehn Menschen auf dem Gewissen hat und allen seinen Opfern die Gesichter verstümmelt. Und da Michael sich nicht an die letzten zwei Wochen seines Lebens erinnern kann, gerät er in den Fokus des FBIs.

Doch mit der Einweisung in die Psychiatrie ist er erst einmal wenigsten vor dem FBI sicher, doch was ist mit seinen Visionen? Welche Menschen sind real, welche existieren nur in seinem Gehirn und ist vielleicht auch die Psychiatrie von den Gesichtslosen unterwandert? Diese Fragen stellt sich nicht nur Michael andauernd, auch man selbst als Leser rätselt ständig darüber, ob Michael jetzt wirklich schizophren ist oder ob seine Geschichte stimmt und seine Angstzustände daraus resultieren. Aber nicht nur diese Fragen wirft der Thriller ständig auf. Völlig im Unklaren lässt Dan Wells seine Leser lange Zeit auch in Hinblick auf die Sekte „Kinder der Erde“, die immer wieder Erwähnung finden, wie auch über die Identität des Wellness-Mörders, der ja ganz offensichtlich irgendetwas mit Michael zu tun hat, oder ist Michael gar selbst der Killer?

Dieser Thriller verwirrt unentwegt, aber genau hierdurch kann man die Verzweiflung, die Ängste und die Machtlosigkeit von Michael auch gegenüber den Ärzten sehr gut nachempfinden. Und auch wenn die Geschichte erst im letzten Drittel richtig spannend wird, versteht es der Autor dennoch mit seinem fesselnden, rasanten Schreibstil einen mühelos an seinen Thriller zu binden. Durch die Ich-Form bekommt man schnell eine Vorstellung von diesem verunsicherten, verängstigten und so sympathischen jungen Mann, der eigentlich nur irgendwo weitab auf einer Farm leben und endlich seine Ruhe haben möchte. Nach und nach erfährt man auch etwas über seine schreckliche Kindheit, doch selbst mit diesem Wissen kann man absolut nicht einschätzen, ob Michael jetzt wirklich schizophren ist. Hier versteht es Dan Wells perfekt, einen immer wieder genau dann zu verunsichern, wenn man sich gerade hierüber eine Meinung gebildet hat.

Die Story ist logisch und nachvollziehbar aufgebaut, bleibt zumeist unvorhersehbar und gerade ihr Ausgang bleibt während des Lesens völlig ungewiss, was natürlich auch die Neugier steigert. Das Ende bzw. die Erklärung für Michaels Geschichte ist zumeist schlüssig umgesetzt, aber sie kann auch nicht unbedingt als realistisch bezeichnet werden. Aber was ist überhaupt real an der Geschichte, was findet nur in Michaels Kopf statt?

Fazit: Ein verwirrender, beklemmender Thriller, der einen in die Abgründe einer psychisch gestörten Seele führt und dies überzeugend, nachvollziehbar und fesselnd umzusetzen versteht.

Der Autor (Quelle: Verlagsseite):
Dan Wells studierte Englisch an der Brigham Young University in Provo, Utah. Der überzeugte Mormone war Redakteur beim Science-Fiction-Magazin »The Leading Edge«. Mit »Ich bin kein Serienkiller« erschuf er das kontroverseste und ungewöhnlichste Thrillerdebüt der letzten Jahre. Seine Romane um den jungen Killer John Cleaver sind große Erfolge. »Partials«, der Auftakt zu seiner neuen Young-Adult-Serie, eroberte den US-Buchmarkt im Sturm.
Weitere Bücher des Autors:

Kommentare:

  1. Danke für die Rezension. Dan Wells konnte mich mit der Serienkiller-Trilogie sehr begeistern aber bei diesem hier war ich eher noch unsicher.

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    1. Hi,
      die Serienkiller-Trilogie fand ich auch klasse, genauso wie das Buch jetzt.
      LG Isabel

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