Leseempfehlungen

Samstag, 11. August 2012

{Rezension} Die Frau in Rot von Margot S. Baumann


Verlag: Knaur TB
Genre: Geisterroman / Schweiz
Taschenbuchausgabe: 480 Seiten
ISBN: 978-3-426-50950-0
Erscheinungsdatum: 03. August 2012
Preis: 9,99 €


Die Würfel sind gefallen

Das gefragte Model Anouk ist nach einem Autounfall, bei dem ihre beste Freundin ums Leben kam und sie selbst schwer verletzt wurde, seelisch am Boden. Um Abstand und auf andere Gedanken zu kommen, reist sie zu ihrer Großtante Valerie in das beschauliche Aargauer Örtchen Seengen. Bald jedoch merkt Anouk, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Ein kleines Kind im Nachthemd kreuzt ihren Weg, sie hört seltsame Stimmen und immer wieder sieht sie eine Frau in einem roten Kleid, wie es im 18. Jahrhundert getragen wurde. Schnell ist Anouk klar, dass die junge Frau ihr etwas Wichtiges mitteilen möchte.

Für ihren Geisterroman verbindet Margot S. Baumann das Leben historischer Personen aus dem 18. Jahrhundert mit fiktiven Figuren in der Gegenwart. So spielt ihre Geschichte parallel auf zwei Zeitebenen, die sich ständig abwechseln. Zum einen begleitet man Anouk und den Dorfarzt Max bei der Suche nach dem Geheimnis der Frau in Rot, zum anderen kehrt man immer wieder in das Jahr 1746 zurück und lernt so nach und nach das Leben der jungen Bernhardine von Halwyl kennen.

Die Wechsel der verschiedenen Zeitebenen sind Margot S. Baumann hervorragend gelungen und diese sorgen für eine ständige Neugier beim Lesen. Die Geschichte der jungen Bernhardine ist die Grundlage für die Gruselgeschichte, doch die Autorin verrät in diesem Erzählstrang nie zu viel, ständig rätselt man, was Bernhardine auf Schloss Halwyl, welches in unmittelbarer Nähe zu Seengen liegt, so schreckliches passiert ist, dass sie im Jahr 2010 immer noch als Geist umherwandelt und warum sie sich ausgerechnet Anouk ausgesucht hat, ihr zu helfen.

Die Geschichte baut sich langsam, aber sehr kontinuierlich und logisch auf und je länger sie dauert, je mehr man vom Leben von Bernhardine erfährt, umso spannender wird diese. Hinzu kommt, dass Anouk und Max einigen unerklärlichen und durchaus auch lebensgefährlichen Phänomenen ausgesetzt sind, für die man anfangs keine Erklärung findet, wie z. Bsp. ein Krähenangriff aus heiterem Himmel. Im Verlauf wird die Geschichte immer fesselnder, einige Gruseleffekte sind ebenfalls vorhanden und zum Ende hin nimmt die Story zusätzlich starke Krimizüge an, welche die Spannung extrem steigern.

Hinzu kommt der flüssige, einnehmende, unterhaltsame und farbenprächtige Schreibstil der Autorin, der einen schon bald problemlos an ihren Debütroman bindet. Gerade ihre bildhaften Beschreibungen über das Leben im 18. Jahrhundert sind absolut überzeugend und lassen das Wasserschloss Halwyl und das Leben in diesem dunklen, modrigen Gemäuer vor dem inneren Auge entstehen. Gerade diesem Erzählstrang hängt eine fast durchgehende düstere, bedrückende, morbide und gruselige Stimmung an, was noch durch den der damaligen Zeit angepassten Schreibstil unterstützt wird. Für Lyrik-Fans bindet Margot S. Baumann zudem immer mal wieder kleine Gedichtstrophen mit ein, die eine Schlüsselstellung in dem Roman inne haben.

Gelungen sind aber auch die Charaktere, allen voran Anouk Morlot. Das Model ist anfangs total frustriert, depressiv und fast schon alkoholabhängig. Sie kommt einfach nicht über den Tod ihrer Freundin hinweg, gibt sich die Schuld an dem Unfall und fühlt sich nun als Aufpasserin für ihre leicht demente Großtante. Doch die Ruhe in Seengen tut ihr gut, bald kommt ihr wahrer Charakter zum Vorschein und man lernt eine temperamentvolle, dickköpfige, sympathische junge Frau kennen, die völlig ohne Starallüren ist und sehr realistisch in die Zukunft schaut.

Ihre Tati Valerie ist ein Original: eine feine alte Dame, leicht schrullig, sehr direkt, offen und herzlich und Tati Valerie hat die Eigenart mit Ameisen zu sprechen. Viele halten sie deswegen für verrückt, was sie jedoch in keiner Weise stört. Der Dritte im Bund ist der Dorfarzt Max, dem Anouk am ersten Tag in Seengen buchstäblich in die Arme fällt. Was ihn nicht daran hindert, das Model bald tatkräftig bei der Suche nach der Wahrheit um die Frau in Rot zu unterstützen.

In der Vergangenheit steht Bernhardine von Halwyl natürlich im Fokus. Als Adlige ist die 16-jährige Bernhardine das lebhafte, bunte Leben in Bern gewohnt, die erzwungene Heirat mit dem viel älteren Johannes von Halwyl führt sie in die Provinz, entsprechend zickig und hochnäsig ist ihr Verhalten anfangs. Doch auch ihr Charakter entwickelt sich im Verlauf der Geschichte und wird einem durchaus sympathisch.

Fazit: Eine gefühlvolle, farbenprächtige, rätselhafte und durchaus auch sehr spannende Geschichte über eine junge Frau aus dem 18. Jahrhundert, die im Jahr 2010 als Geist versucht, endlich Gerechtigkeit zu finden. 

Die Autorin:
Margot S. Baumann wurde 1964 - unweit des Handlungsschauplatzes dieses Buches - im Kanton Aargau, Schweiz geboren. Nach zahlreichen Veröffentlichungen im Bereich Lyrik wechselte sie 2008 zum Romanschreiben. Sie reist gerne, mag raue Küsten und träumt von einem Cottage am Meer. Sie ist Mitglied des Berner Schriftstellervereins und lebt heute mit ihrer Tochter zusammen im Kanton Bern.

Kommentare:

  1. schöne Rezi, das Buch ist auf meiner Wunschliste gelandet :) und das Cover sieht wunderschön aus *_*

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    1. ja, das ist wirklich sehr schön.
      LG Isabel

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  2. Oh super, ich freu mich auch schon sehr auf dieses Buch! Toll, dass es bei dir so gut abgeschnitten hat, jetzt bin ich umso gespannter!

    LG
    Kathi

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    1. Ja, war wirklich klasse, wünsche dir viel Spaß beim Lesen.
      LG Isabel

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  3. Klingt nach einem sehr schönen, etwas anderem Buch! Tolle Rezi, die Lust aufs Lesen macht!

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    1. Richtig, war wirklich mal etwas anderes und echt schön!
      LG Isabel

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  4. Liebe Isabel

    Ich danke Dir ganz herzlich für diese wundervolle Rezension. Es freut mich natürlich sehr, dass Dir meine Geschichte gefallen hat.

    Beste Grüsse

    Margot

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    1. Liebe Margot,

      sehr gern geschehen und einen lieben Dank an Dich für die schönen Lesestunden mit Deiner Geschichte.

      Herzliche Grüße
      Isabel

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