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Donnerstag, 28. Juli 2011

{Rezension} Kainszeichen von Sabine Fink

Verlag: Gmeiner Verlag
Taschenbuchausgabe: 418 Seiten
Genre: Deutscher Krimi
ISBN: 978-3-8392-1184-7
Erscheinungsdatum: 11. Juli 2011
Preis: 11,90 €


Mord oder Unfall?

Vor dieser Frage steht Chrissy. Vor einem dreiviertel Jahr starb ihr Verlobter Mike Hartmann bei einem Autounfall auf der Rückfahrt von Tschechien nach Erlangen, wo er als Bauleiter an einem großen Bauprojekt arbeitete. Bisher hatte Chrissy die Gründe für dessen Unfall erfolgreich verdrängt, doch als sie eines Abends Mikes ehemaligen Chef Johannes Ducros trifft, brechen lang verdrängte Gefühle wieder hoch.  Kaum zu Hause angekommen, fängt sie an, Mikes Hinterlassenschaften durchzusehen und findet den Unfallbericht. In diesem steht, dass Mike Beruhigungsmittel zum Unfallzeitpunkt im Blut hatte, was überhaupt nicht zu ihm passte und auch sein seltsames Verhalten kurz vor dem Unfall wird Chrissy wieder bewusst. Sie fängt an, Fragen zu stellen, aber anscheinend an der falschen Stelle. Denn kurz darauf brennt ihre Wohnung und sie kann nur knapp den Flammen entkommen.

Schon im Prolog erfährt man, dass Mike heimlich Bodenproben von der Baustelle genommen hatte und auf der Heimfahrt nach Erlangen von der Straße gedrängt wurde, was zu seinem tödlichen Unfall führte. So beginnt der Krimi schon einmal ziemlich rasant und diesen temporeichen Schreibstil behält Sabine Fink in ihrem Krimidebüt bis zum Schluss bei. Zwar nimmt sie sich immer wieder genug Zeit, einem ihre Protagonistin Chrissy und ihr privates Umfeld näher zu bringen, doch den Fall selbst verliert sie hierbei nie aus den Augen.

Früh lernt man auch die beiden Brüder Rene und Johannes Ducros kennen, die mit ihrer Firma für das Bauprojekt in Tschechien verantwortlich waren. Da ist zum einen der aufgeschlossene Rene, mit dem Mike seinerzeit gut befreundet war und zu dem auch Chrissy heute noch ein freundschaftliches Verhältnis pflegt. Auf der anderen Seite ist da Johannes. Der autoritäre Geschäftsmann versteht es geschickt, seine Gefühle zu verbergen und obwohl die Brüder gleichberechtigte Partner der Firma sind, scheint doch er alle Fäden in der Hand zu halten. In diesen zugeknöpften, aber irgendwie doch äußerst sympathischen, hilfsbereiten Mann verliebt sich Chrissy. Und auch Johannes scheint etwas für Chrissy zu empfinden, so aufopferungsvoll wie er sich um sie kümmert, nachdem ihre Wohnung abgebrannt ist. Oder spielt er dies alles nur, um zu erfahren, was Chrissy möglicherweise über das Bauprojekt wissen könnte?

Durch diese Ungewissheit wie auch durch die unvorhersehbare Entwicklung der Story, ist die Spannung durchweg auf einem sehr hohen Niveau. Hinzu kommt auch noch der lockere, flüssige und lebendige Schreibstil von Sabine Fink, der es mir fast unmöglich gemacht hat, das Buch aus der Hand zu legen.

Ein weiteres Plus ist ihre Darstellung der Charaktere. Alle Beteiligten nehmen sehr schnell Konturen an, überraschen einen in ihrem Verhalten des Öfteren und wirken absolut menschlich, haben Fehler und dürfen diese auch zeigen. Besonders hat mir Chrissy gefallen. Sie hat einen wunderbar trockenen Humor, ist pragmatisch veranlagt, zeigt ihre Gefühle und geht keinem Streit aus dem Weg. Ein ziemlich schräger Charakter dagegen ist Thies, der holländische Freund von Mike, der Chrissy tatkräftig bei ihren Nachforschungen unterstützt. Der Geologe offenbart im Laufe des Krimis recht unvorhersehbare Seiten an sich, die nicht unbedingt immer als ganz legal zu bezeichnen sind, aber dies überrascht irgendwie nicht wirklich, da es einfach zu seinem scheinbar so unkomplizierten Charakter passt.


Fazit: Wer gerne wirklich spannende Regionalkrimis mit einer unvorhersehbaren Story liest, sehr gut herausgearbeitete Charaktere bevorzugt und gern auch eine Prise Gefühl mit dabei haben möchte, ist bei dem Krimidebüt von Sabine Fink bestens aufgehoben.


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