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Mittwoch, 3. September 2014

{Rezension} Die Säulen des Zorns von Bernhard Wucherer

Cover & Verlag: Gmeiner
Taschenbuchausgabe: 1.113 Seiten
Genre: Historischer Kriminalroman / 17. Jhr.
ISBN: 978-3-8392-1579-1
Erscheinungsdatum: 04. August 2014
Preis: 14,99 €



Der Gliedermörder

Staufen, nahe Immenstadt in den Jahren 1649/50. Der Dreißigjährige Krieg ist zu Ende und auch die Pest hat die Region wieder verlassen. Die Staufner sind auf rund 300 Bewohner zusammengeschrumpft. Um ihnen wieder etwas Mut für die Zukunft zu geben, erinnert sich der Reichsgraf Hugo von Königsegg an sein vor Jahren gegebenes Versprechen und stiftet den ledigen Burschen eine wertvolle Fahne mitsamt Umzug und Festmahl. Doch kaum ist die Stiftung bekannt, breitet sich Neid und Missgunst unter den jungen Männern aus. Die erste Leiche eines möglichen Fähnrichs lässt nicht lange auf sich warten. Der vermeintliche Mörder scheint in dem Schwarzfischer Jockel Mühlegg schnell gefunden. Doch trotz peinlicher Befragung beteuert Jockel im Immenstadt seine Unschuld.

 

Im Jahr 1649 liegen die Äcker brach und das Land ist verödet. Entsprechender Pessimismus herrscht unter dem Volk, zumal der Winter vor der Tür steht und die Menschen nicht wissen, wie sie diesen mit den wenigen Lebensmitteln und dem Mangel an Brennholz überleben sollen. Auch bei der Familie des Kastellans Lodewig Dreyling von Wagrain wird der Gürtel in dieser Zeit enger geschnallt.

Auch im dritten Band rund um die Familie Dreyling von Wagrain versteht es Bernhard Wucherer wieder perfekt, historische Fakten und Persönlichkeiten mit einer fiktiven Geschichte zu verknüpfen und beweist hierdurch wieder einmal, wie akribisch er seine Historischen Kriminalromane recherchiert.

Die Geschichte um den Gliedermörder gestaltet sich äußerst interessant und fesselnd. Allerdings verliert sich Bernhard Wucherer öfter einmal zu sehr im Detail und wiederholt sich auch stellenweise, sodass bei dem rund 1.100 Seiten fassenden Schmöker ab und an Durchhaltevermögen angesagt ist.

Auf der anderen Seite schafft aber gerade diese detailreich erzählte Geschichte eine atmosphärische Dichte und einen wunderbaren Einblick in das 17. Jahrhundert, spiegelt glaubwürdig und bildhaft das Leben der einfachen Bevölkerung im Allgäu nach dem Dreißigjährigen Krieg und der Pest wieder, den Aberglauben, der immer noch vorherrscht und erzählt ausführlich die Vorgänge bei der peinlichen Befragung.

Die Charaktere sind wieder einmal detailreich und lebendig beschrieben, bleiben stellenweise recht undurchsichtig, was gerade bei der Suche nach dem Mörder von Vorteil ist und einige Personen überraschen oftmals in ihren Handlungen. Obwohl viele bekannte Figuren aus den beiden vorherigen Bänden mitwirken, werden auch diese, gerade was ihre Vergangenheit angeht, ausführlich beschrieben, sodass ein Lesen der ersten beiden Bände nicht notwendig ist. Allerdings verpasst man dadurch aber auch zwei hervorragende historische Romane.


Fazit: Zwischenzeitlich verliert sich der Autor etwas zu sehr im Detail, dennoch überzeugt der Roman mit einer vielschichtigen Story und überzeugend beschriebenen Charakteren. 


Der Autor:

Bernhard Wucherer wurde im Allgäu geboren wo der Grafikdesigner zunächst als Schriftsetzer, Lithograf und Drucker tätig war, bevor er über zwei Jahrzehnte hinweg eine eigene Druckerei mit angeschlossener Beschriftungsabteilung, sowie eine Werbe-, Marketing- und Eventagentur betrieb, wo er u. a. für den Tourismus zahlreiche Werbetexte und -slogans verfasste. Während er danach seinen Lebenstraum erfüllte und über viele Jahre hinweg auf Burgen und Schlössern des In- und Auslandes lebte und arbeitete, schrieb er historische Aufsätze, die zum Teil sogar Veröffentlichung in wissenschaftlichen Werken fanden. In diesem inspirierenden Umfeld begann der Burgmanager, Ritterturnierveranstalter und Museumskurator, historische Romane zu schreiben.


Kommentare:

  1. Also ich steh ja auf so dicke Wälzer bei denen man länger als ne halbe Stunde beschäftigt ist :)
    Aber 1100 Seiten... puh... das ist schon ein Brummer :)

    Aber das Buch hört sich wirklich gut an

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    1. frage mich mal, je dicker desto besser :) Aber die rund 1100 Seiten waren wirklich eine Herausforderung, hat sich aber gelohnt.
      LG Isabel

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