Leseempfehlungen

Dienstag, 3. Dezember 2013

{Rezension} Die Liebesnachricht von Maria Ernestam


Cover & Verlag: btb
Übersetzerin: Gabriele Haefs
Taschenbuchausgabe: 416 Seiten
Genre: Familienroman
ISBN: 978-3-442-74657-6
Erscheinungsdatum: 11. November 2013
Preis: 9,99 €

 

Drei Schwestern und ein geheimnisvoller Fremder

 

In einer kleinen schwedischen Stadt lebt Mariana mit ihren zwei jüngeren Schwestern. Als die Geschwister noch klein waren, wurde deren Vater tot auf dem eigenen Karussell gefunden, doch die Schwestern sprechen bis heute nicht darüber. Dies ändert sich jedoch, als der Schriftsteller Amnon Goldstein in das kleine Städtchen zieht, um ein Buch zu schreiben. Angeregt durch die Fragen von Amnon beschäftigt sich Mariana immer mehr mit dem rätselhaften Tod ihres Vaters und freundet sich dabei mit dem Schriftsteller an. Doch mit seinen Recherchen für sein Buch macht sich Amnon nicht bei allen in der Kleinstadt beliebt. 


 

 

Es ist ein geruhsames, beschauliches Leben, welches Mariana mit ihren beiden Schwestern führt. Mariana selbst, aus deren Perspektive man die Geschichte verfolgt, hat den Spielzeugladen ihrer Eltern geerbt. Sie veranstaltet regelmäßig Lesestunden für die Kinder der Grundschule und reist gern durch die Welt, um seltenes Spielzeug aufzustöbern. Auf einer dieser Reisen hat sie auch Ivo kennengelernt, der in München lebt. Von ihrem Mann Victor getrennt, der zusammen mit Tochter Teresa in den USA lebt, pflegt Mariana nun ihre Beziehung mit Ivo per Telefon und Mails.

 

Schwester Elena ist mehr der mütterliche Typ und als Konditorin liebt sie es, ihre Schwestern wie auch den Rest der Dorfgemeinschaft mit süßen Leckereien zu verwöhnen. Ihre Bäckerei ist die Schaltzentrale des Ortes, hier laufen alle Neuigkeiten zusammen. Und so bleibt es Elena auch nicht lange verborgen, dass ein Fremder in den Ort gezogen ist. Amnon Goldstein hat sich eine Auszeit genommen und möchte über die schwedische Kleinstadt und deren Bewohner ein Buch schreiben. Doch seit der Schriftsteller angekommen ist und Fragen stellt, ereignen sich merkwürdige Dinge: Marianas Fenster im Geschäft wird eingeschlagen, jemand schickt ihr Schweineaugen und der Reitgutbesitzer Jan findet ein Tierherz in seinem Briefkasten. Natürlich liegt es nahe, dass der Verdacht auf den Neuankömmling fällt. Hiervon lässt sich aber Karolina, die jüngste Schwester, nicht irritieren. Die unbeschwerte junge Frau, die beruflich Särge bemalt, ist ganz hingerissen von Amnon.

 

So gemächlich und gleichförmig das Leben von Mariana und ihren Schwestern abläuft, so ruhig und einfühlsam erzählt Maria Ernestam ihren Roman. Stellenweise ist dies recht interessant und rätselhaft, vor allem, als die ganzen Merkwürdigkeiten sich häufen und sich einige der Einwohner gegen Amnon verschwören. Hier treten alte Konflikte zutage und lang Unterdrücktes dringt an die Oberfläche. Dies gestaltet sich zwischenzeitlich recht emotional und wird von Maria Ernestam durchaus fesselnd erzählt, oftmals verliert sich die Autorin aber auch zu sehr in Nebensächlichkeiten. So plätschern die Erlebnisse von Mariana und ihren Schwestern stellenweise eher bedachtsam dahin, was einem schon etwas Geduld abverlangt.

 

Gleich zu Beginn fordert Maria Ernestam zudem die volle Aufmerksamkeit ihrer Leser, da die Autorin alle Mitwirkenden des Romans schnell hintereinander die Lesebühne betreten lässt. Man benötigt zwar etwas Zeit, um die vielen Personen wie auch deren familiären Hintergrund zuzuordnen, dies legt sich jedoch recht schnell. Maria Ernestam versteht es wieder einmal sehr gut, ihre Charaktere facettenreich wie authentisch zu beschreiben. Gerade die Schwestern agieren sehr sympathisch, sind jede auf ihre Art sehr eigenwillige, selbständige Persönlichkeiten und pflegen ein sehr inniges, liebevolles Verhältnis zueinander.

 

Fazit: Eine interessante, stellenweise aber auch leider etwas langatmig erzählte Familiengeschichte, in der durch einen Fremden lang Unterdrücktes an die Oberfläche drängt.

 


 

Die Autorin:
Maria Ernestam, geboren 1959, begann ihre Laufbahn als Journalistin. Sie hat lange Jahre als Auslandskorrespondentin für verschiedene schwedische Zeitungen in Deutschland gearbeitet, daneben eine Ausbildung als Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin absolviert. Mittlerweile sind sieben hoch gelobte Romane von ihr erschienen. Für "Die Röte der Jungfrau" erhielt sie den Französischen Buchhändlerpreis. "Der geheime Brief" und "Das verborgene Haus" waren in Skandinavien Bestseller und standen auch in Deutschland wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste. Maria Ernestam lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Stockholm.

Kommentare:

  1. Hallo
    Ich lese das Buch auch gerade,muss aber ehrlich sagen das ich es doch schon sehr langatmig finde und mich im moment echt manchmal zusammen reißen muss das ich es bis zum ende auch zuende lese.

    Liebe Grüsse Manuela

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    1. Hi Manuela,
      sehr langatmig fand ich es jetzt nicht durchweg, es hat schon seine unterhaltsamen und auch rätselhaften Momente. Aber die Autorin hält sich auch oft mit ziemlichen Belanglosigkeiten auf. Bei anderen Bücher hat sie schon bewiesen, dass sie es besser kann. Wenn die Charakterzeichnungen nicht so gut gewesen wären, hätte das Buch von mir dieses Mal auch nur 2 anstelle 3 Inselbücher bekommen.
      LG Isabel

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