Leseempfehlungen

Donnerstag, 7. November 2013

{Rezension} Die Blüten der Freiheit von Iris Anthony


Cover & Verlag: Droemer  
Übersetzerin: Sonja Rebernik-Heidegger
Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Genre: Historischer Roman / 17. Jahrhundert
ISBN: 978-3-426-19965-7
Erscheinungsdatum: 01. November 2013
Preis: 19,99 €

 

Der Tanz der Spulen 

Im Jahre 1636 blüht der Schmuggel von flandrischer Spitze in Frankreich. Kaum jemand besitzt noch welche und so ist es nicht verwunderlich, dass die kleine Lisette aus der Gascogne nicht widerstehen kann, als sie im Gepäck eines Gastes Spitzenstulpen entdeckt und diese anfasst. Unbeabsichtigt zerstört sie dabei die Spitze. Ihr Vater, ein verarmter Adliger, muss nun dem Grafen von Montreau dessen Spitze ersetzen, ein fast schier unmögliches Unterfangen. In Flandern arbeitet Katharina in einem Kloster an ihrer letzten Spitze. Katharina ist seit 25 Jahren Klöpplerin und mittlerweile erblindet. Sollten die Nonnen dies bemerken, muss die Klöpplerin das Kloster verlassen. Währenddessen ist der Soldat Denis Boulanger an der Grenze zwischen Flandern und Frankreich eingesetzt, um hier Schmuggler aufzuspüren, für den jungen Mann ein aussichtsloses Unterfangen.




 

Frankreichs König Ludwig XIII. verbot im Jahre 1636 das Tragen von Spitze. Wer gegen das Verbot verstoß, konnte unter anderem aus dem Königreich verbannt werden. Durch diesen Erlass dauerte es nicht lange bis Spitze zu einem Statussymbol wurde und der illegale Handel zwischen Flandern und Frankreich blühte. Und auch die Schmuggelvarianten wurde immer einfallsreicher: So wurden Hunde auf grausame Weise missbraucht, aber auch die Grenzüberschreitung mithilfe eines Sarges mitsamt der Leiche war ein bewährter Weg nach Frankreich. Mithilfe von sieben ganz unterschiedlichen Personen erzählt Iris Anthony den Weg der Spitze von Flandern nach Frankreich, beginnend hierbei bei ihrer Herstellung bis zum neuen Empfänger des edlen Tuches.

 

Ihre Geschichte beginnt die Autorin bei der Klöpplerin Katharina, welche in Flandern in einem Kloster unter schier unmenschlichen Bedingungen Spitze herstellt. Katharina ist zwar erst 30 Jahre alt, läuft aber gebeugt wie eine alte Frau und ist mittlerweile erblindet. Ihre Schwester Heilwich weiß nur zu genau, was mit den Klöpplerinnen passiert, die nicht mehr fähig sind, Spitze herzustellen und versucht alles, ihre Schwester aus dem Kloster freizukaufen. Auf dem Chateau Souboscq in der Gascogne wächst Lisette als Tochter eines verarmten Adeligen auf. Schwer trägt sie an ihrer vermeintlichen Schuld, welche ihren Vater in die Hände des sadistischen Grafen von Montreau spielte, dessen Spitze sie Jahre zuvor zerstört hatte. Alexandre Lefort, welcher seit Kindertagen im Chateau lebt, versucht alles, um Lisette diese Schuld zu nehmen. Zur selben Zeit hadert der französische Soldat Denis Boulanger mit sich, da er immer noch keinen Schmuggler auf frischer Tat erwischt hat. Sein Vorgesetzter droht ihm mit Versetzung. Und dann verfolgt man noch dem erbärmlichen Leben eines Hundes im ländlichen Flandern, der Spitze über die Grenze schmuggelt.

 

Mithilfe dieser so unterschiedlichen Charakteren, die scheinbar in absolut keiner Verbindung zueinander zu stehen scheinen, erzählt Iris Anthony ihren wundervollen Roman über den illegalen Handel von Spitze im 17. Jahrhundert. Dabei stellt man sehr schnell fest, dass Iris Anthony das Thema äußerst genau recherchiert hat und die Autorin vermittelt ihren Lesern ihr fundiertes Wissen äußerst interessant. Die Geschichte entwickelt sich langsam analog zur aufwendigen Herstellung von Spitze. Anfangs ahnt man nicht, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird, doch so nach und nach erkennt man die Zusammenhänge und wie von selbst findet man sich plötzlich in einer überaus spannenden wie unterhaltsamen Geschichte wieder, welche Iris Anthony bildhaft, eindringlich, gefühlvoll, tiefsinnig und lebendig vermittelt.

 

Die unterschiedlichen Handlungsstränge erzählt die Autorin jeweils aus Sicht der jeweiligen Protagonisten und hierbei ist nicht nur die Geschichte um Katharina eindringlich beschrieben. Durch diesen Erzählstrang erhält man eine sehr gute Vorstellung über die schier unmenschlichen Bedingungen, welchen die Klöpplerinnen im Kloster ausgesetzt waren. Die jungen Frauen aus ärmlichen Verhältnissen werden wie Sklavinnen gehalten, sobald sie keinen Nutzen mehr für die Nonnen haben, werden die erblindeten Frauen einfach vor die Klostertür gesetzt. Umso eindringlicher werden diese Beschreibungen noch durch die facettenreich beschriebenen Charaktere. Emotional am ergreifendsten war jedoch der Erzählstrang des Hundes aus dem ländlichen Flandern. Überaus grausam, dabei aber leider wirklich authentisch beschreibt Iris Anthony das Leben eines Schmugglerhundes in Flandern. Wenn man seine Lebensumstände liest, verwundert es einen nicht, als man in einem Interview mit der Autorin liest, dass innerhalb von 15 Jahren rund 40.000 Hunde für den Schmuggel von Spitze ihr Leben lassen mussten.

 

Fazit: Ein faszinierender, unterhaltsamer, spannender wie eindringlicher Roman über den Schmuggel von Spitze im 17. Jahrhundert.

 


 

Die Autorin:
Iris Anthony hat auf drei Kontinenten gelebt und fünf bereist. Sie träumt davon, eines Tages auch noch die Antarktis zu besuchen. Iris Anthony lebt im Großraum von Washington, D.C. in einem Haus, das mit französischen Antiquitäten und flandrischer Spitze dekoriert ist. "Die Blüten der Freiheit" ist ihr erster Roman.

Kommentare:

  1. Hab mir fast gedacht, dass dies ein guter Roman sein wird und nun kommt das buch definitv auf meine Wunschliste!!
    LIebe Grüße
    Martina

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    1. ja, war wirklich klasse, allerdings braucht man anfangs ein wenig Geduld ... ich zumindest ;) Aber es lohnt sich wirklich.
      LG Isabel

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  2. Hi :)
    Das Buch klingt total super und auch das Cover spricht mich total an... wandert gleich mal auf meine Wunschliste!!
    LG Denise

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