Leseempfehlungen

Mittwoch, 26. Juni 2013

{Rezension} Die da kommen von Liz Jensen

Cover & Verlag: dtv
Übersetzer: Susanne Goga-Klingenberg
Broschierte Ausgabe: 320 Seiten
Genre: Englischer Thriller / Endzeitthriller
ISBN: 978-3-423-24960-7
Erscheinungsdatum: 01. Juni 2013
Preis: 14,90 €




Der weiße Tod

Der Anthropologe Hesketh Lock arbeitet als Ermittler für eine multinationale Anwaltskanzlei und ist rund um die Welt im Einsatz. In letzter Zeit häufen sich Fälle von Industriespionage, die Verräter begehen anschließend Selbstmord. Währenddessen geschehen immer wieder rätselhafte Mordfälle: Kleine Kinder töten ihre nahen Verwandten, danach zeigen die Kinder ein merkwürdiges Verhalten. Anfangs halten Experten dies noch für Einzelfälle, doch hierbei täuschen sie sich.  Hesketh Lock stellt bald Verbindungen zwischen dem rätselhaften Verhalten der Kinder und den Sabotageakten fest.



Eine erschreckende Welt zeigt Liz Jensen ihren Lesern in diesem Endzeitthriller. Doch bis es dazu kommt, entwickelt sich die Story relativ ruhig. Die Geschehnisse erlebt man aus Sicht des Anthropologen und am Asperger-Syndrom leidender Hesketh Lock. Entsprechend seinen Charaktereigenschaften ist die Geschichte eher nüchtern, zurückhaltend beschrieben, Fantasie ist für Hesketh etwas, was er nicht kennt. Für ihn zählen nur Fakten und Beweise, welche wissenschaftlich belegt sein müssen. Doch die weiteren Geschehnisse können nicht in schwarz/weiß gesehen werden, dies muss Hesketh schmerzlich feststellen, um alles verstehen zu können.

Zwar beginnt Liz Jensen mit dem Mord des kleinen Mädchens an ihrer Großmutter, doch spielen die Kinder im ersten Teil des Thrillers eine nur untergeordnete Rolle und werden von Hesketh mehr unbewusst wahrgenommen. Anfangs ist er zu sehr mit den Fällen von Industriespionage beschäftigt und den rätselhaften Selbstmorden der Schuldigen. Doch nach und nach kristallisieren sich für ihn Verbindungen zwischen den mordenden Kindern und den Spionagefällen heraus. Doch hilft ihm dieses Wissen dabei, um das Unvermeidliche aufzuhalten?

Liz Jensen erzählt in einer äußerst fesselnden wie auch beklemmenden Art und Weise diesen Endzeitthriller, die Story ist von Anfang an sehr komplex, fundiert recherchiert und überrascht immer wieder durch neue Sichtweisen. Man ahnt zunächst in keiner Weise, in welche Richtung der Thriller gehen wird, von Endzeitthriller ist anfangs nichts feststellbar. Erst mit der Zeit wird die Story immer mysteriöser, rätselhafter und beängstigender. Und dann kommt auch die Spannung hinzu, obwohl die Geschichte bis dahin keineswegs langatmig ist, ganz im Gegenteil.

Ihr Protagonist Hesketh Lock wirkt durch sein Asperger-Syndrom anfangs etwas unterkühlt und sachlich, ja fast gefühlskalt, Doch der Anthropologe ist keineswegs ein Roboter aus Fleisch, wie ihn seine Ex-Freundin bezeichnete. Man stellt schnell fest, dass Hesketh durchaus zu Gefühlen fähig ist, auch wenn er diese kaum zeigt. Unterstützung  bei seinen Ermittlungen erhält Hesketh von seinem Mentor Professor Whybray und dessen Assistentin Naomi, die ebenfalls detailreich gezeichnet sind. Und auch das Verhalten der Kinder, hier besonders von Heskeths Stiefsohn Freddy K., sind dermaßen unheimlich und beklemmend beschrieben, dass es einem regelrecht eiskalt den Rücken herunterläuft.

Fazit: Ein absolut gelungener Endzeitthriller, mit einer hervorragend durchdachten, unvorhersehbaren Story und wunderbar facettenreich gezeichneten Charakteren.


Die Autorin:
Liz Jensen studierte Englisch am Somerville College in Oxford, arbeitete als Journalistin in Hongkong und Taiwan, danach als Produzentin für die BBC sowie als Journalistin und Bildhauerin in Frankreich. Heute lebt sie in London und Kopenhagen. Sie war mehrmals für den Orange Prize und den Guardian First Book Award nominiert.

Kommentare:

  1. Hallo Isabel,

    ich habe gerade die Rezi aufgeklappt und war total überrascht, dass das Buch so gut bei dir abgeschnitten hat. Zwar habe ich es noch nicht gelesen, aber ich habe "Endzeit" von Liz Jensen gelesen - war für mich ein ziemlicher Flop war.

    Hast du dieses Buch auch gelesen? Wenn ja, hat es dir gefallen? Eine Rezi dazu habe ich auf deinem Blog nicht gefunden. Würde mich interessieren, ob wir einfach einen anderen Geschmack haben, oder dieses Buch wirklich besser ist :)

    Viele Grüße,
    Enni

    PS. Meine Rezi zu "Endzeit" findest du hier:

    http://das-lyrische-wir.blogspot.de/2012/10/endzeit-von-liz-jensen.html

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    1. Hi Enni,

      nein,"Endzeit" habe ich nicht gelesen, kenne auch sonst keine Bücher von der Autorin.

      Bin eigentlich nur wegen der Kurzbeschreibung und dem Cover auf das Buch aufmerksam geworden. Nachdem ich meine Rezi geschrieben hatte, habe ich auch mal andere Rezis zu "Die da kommen" gelesen und festgestellt, dass hier die Meinungen weit auseinandergehen.

      Kann ich auch gut verstehen, da L. Jensens Protagonist schon kein Einfacher ist und man ihn und somit auch den Schreibstil mögen muss, da in der Ich-Form geschrieben. Auch dauert es ein wenig, bis die Autorin der Story Spannung verleiht, was manche auch ermüdend finden können.

      Ich fand das Buch einfach nur klasse und der Schreibstil hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Aber Geschmäcker sind ja zum Glück verschieden.

      LG Isabel

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    2. PS: Habe mir eben deine Rezi zu "Endzeit" gelesen und eine Kommentar dagelassen.
      LG Isabel

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    3. Vielen Dank für deine schnelle Rückmeldung - dann weiß ich ja jetzt Bescheid :p Die Autorin ist wohl wirklich nichts für mich!
      Ich es immer wieder verblüffend, wie unterschiedlich doch die Geschmäcker sind. Mit einer Freundin von mir ist es besonders schlimm... Aber bei Liz Jensen waren wir uns einig... :)

      Liebe Grüße und schlaf schön!

      Enni

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