Leseempfehlungen

Freitag, 24. Februar 2012

{Rezension} Die Violine des Teufels von Joseph Gelinek





Verlag: Knaur HC-Verlag
Broschierte Ausgabe: 480 Seiten
Genre: Europäischer Krimi / Spanien
Erscheinungsdatum: 04. April 2011
ISBN: 978-3-426-65246-6
Preis: 14,99 €



Der Fluch der Stradivari

Die gefeierte Geigerin Ane Larrazábal gibt in Madrid ein vielumjubeltes Konzert, bei dem sie auch ein Stück von Paganini spielt. Kurz nach der Pause wird das Konzert jedoch abgebrochen, die 26-jährige Geigerin wurde tot im Chorraum aufgefunden. Auf ihrer Brust steht mit Blut geschrieben das arabische Wort „Satan“ und ihre Stradivari, die angeblich dem Teufelsgeiger Paganini gehört haben soll, ist spurlos verschwunden. Der beim Konzert anwesende Kommissar Raúl Perdomo übernimmt den Fall. Doch erste Ermittlungsansätze verlaufen ins Leere. Da greift Perdomo auf recht unkonventionelle Methoden zurück, um den Fall zu lösen. Diese Spur führt ihn zurück zum rätselhaften Tod des Meistergeigers Paganini.

Von der ersten Seite an merkt man, dass der Autor mit dem Pseudonym Joseph Gelinek ein Musikwissenschaftler ist. Wie schon in seinem Debütroman „Die 10. Symphonie“ lässt er sein fundiertes musikalisches Wissen auch dieses Mal fast auf jeder Seite des vorliegenden Thrillers einfließen. Das mag für musikalisch Desinteressierte langatmig sein. Wer sich jedoch ein wenig für Musik, besonders noch für die Klassik und einigen dazugehörigen Anekdoten interessiert, wird begeistert sein. Ich höre zwar sehr gerne und auch viel Musik, ab und an auch Klassik, würde mich jedoch nie als Klassik-Fan bezeichnen, gelangweilt habe ich mich jedoch zu keiner Zeit. Ganz im Gegenteil, ich fand die gut vermittelten Informationen des Autors äußerst interessant.

Joseph Gelinek beginnt seinen Thriller gleich mit dem Mord an der berühmten Geigerin und stellt einem auch gleich seinen Protagonisten Raúl Perdomo wie auch dessen Privatleben vor. Anfangs sieht durch die Zeichnung auf Ane’s Brust alles nach einem fundamentalistischen Anschlag aus, doch schon schnell ist klar, dass die Ermittlungen in eine andere Richtung laufen müssen. Mehr aus Neugier nimmt Perdomo Kontakt zu einer Wahrsagerin auf, die bereits in der Vergangenheit für die Polizei tätig war. Diese führt ihn auf eine ganz andere Spur, bei der auch der Meistergeiger Paganini eine entscheidende Rolle spielt. Zumal der Stradivari der ermordeten Geigerin nachgesagt wird, dass sie einmal ihm gehört hätte.

Der spanische Autor verbindet hier geschickt historische Fakten und musikalisches Fachwissen zu einem spannenden Thriller, der praktisch von der ersten Seite an einen in seinen Bann zieht. Joseph Gelinek hat einen eher ruhigen, aber dennoch nicht minder fesselnden Schreibstil, dem es mühelos gelingt, eine kontinuierliche Spannung aufzubauen. Und obwohl ich gleich zu anfangs schon eine Vermutung in Bezug auf den Täter hatte, hat dies mich im weiteren Verlauf überhaupt nicht gestört, da der Autor kaum Hinweise auf die Identität wie auch dessen Beweggründe gibt. So rätselt man automatisch bis zum Schluss mit und die Auflösung ist meines Erachtens wirklich gelungen und absolut schlüssig.

Sein Protagonist Raúl Perdomo ist bei der Arbeit eher ein Einzelgänger und deshalb nicht sonderlich begeistert, als ihm bei diesem brisanten Fall ein Partner zur Seite gestellt wird. So gut es geht, ignoriert er diesen jedoch und geht ermittlungstechnisch lieber eigene Wege. Zumal ihn diese auch zu einer Wahrsagerin führen, der er anfangs äußerst skeptisch gegenübersteht, schon bald jedoch von ihrer Arbeit überzeugt ist. Privat ist Perdomo seit einem guten Jahr Witwer und hat einen 13-jährigen musikbegeisterten Sohn, dem es oftmals mehr als einmal peinlich ist, dass sein sehr sympathisch beschriebener Vater so absolut unmusikalisch ist. Bei allen anderen Mitwirkenden gelingt es dem Autor mühelos, diesen ein facettenreiches Profil zu geben, sodass man zwar eine gute Vorstellung von ihnen erhält, sie aber dennoch etwas undurchschaubar bleiben.

Fazit: Wer eher ruhig angelegte Thriller bzw. Krimis mag und sich dazu noch ein wenig für klassische Musik interessiert, wird bei „Die Violine des Teufels „ mit einer packenden, komplexen und informativen Story belohnt, die zudem noch mit detailreich beschriebene Charaktere aufwarten kann.
Der Autor:
"Joseph Gelinek" ist das Pseudonym eines spanischen Musikwissenschaftlers und Beethoven-Experten, der in "Die zehnte Symphonie" und "Die Violine des Teufels" spannende Unterhaltung mit fundiertem Musikwissen verbindet. 

Der "echte" Joseph Gelinek (1758-1825) stammte aus Böhmen und war zu Mozarts und Beethovens Zeit ein begehrter Klavierlehrer und Hauspianist des Wiener Adels, der sich auch an eigenen Kompositionen versuchte. 

Donnerstag, 23. Februar 2012

{SuB-Zuwachs} Neue Krimis von Gmeiner Verlag

Hallo Ihr Lieben,

gestern kam ein  Buchpaket vom Gmeiner-Verlag mit lauter tollen Krimis an und bei mir war die Freude natürlich riesengroß. Auf diesem Weg schon einmal ein ganz, ganz dickes Dankeschön an den Verlag!!!

Ja, und hier sind meine neuen Schätzchen:


Schlossblick von Marcus Imbsweiler
Kollers fünfter Fall
Taschenbuch: 369 Seiten
ISBN: 978-3-8392-1242-4
Erschienen: Februar 2012
Preis: 11,90 €

TATORT SCHULE  Freds Imbiss „Schlossblick“ steht – anders, als der Name vermuten lässt – am südlichen Stadtrand von Heidelberg. Besucht wird er hauptsächlich von Schülern eines Privatgymnasiums und einer Hauptschule. Eines Nachts wird ein Lehrer der Hauptschule, Thorsten Schallmo, vor dem Imbiss erschossen. Privatdetektiv Max Koller beginnt zu ermitteln. Schallmo hatte nicht den besten Ruf als Lehrer, ein persönlicher Racheakt scheint denkbar. Dann aber erfährt Koller, dass das Opfer ein Verhältnis mit einer Schülerin des benachbarten Privatgymnasiums hatte – ist der Mörder also dort zu suchen?

Max Koller trifft in seinem fünften Fall Lehrer, Schüler und Ex-Schüler. Spannend und absolut authentisch!


Menschenopfer von Matthias P. Gibert
Lenz' neunter Fall
Taschenbuch: 366 Seiten
ISBN: 978-3-8392-1237-0
Erschienen: Februar 2012
Preis: 11,90 €

STRAHLKRAFT  Hideo Asami, Küchenhilfe in einem Sushi-Restaurant in Kassel, plagen Unwohlsein und Übelkeit. Als ihm die Haare büschelweise ausgehen, verschwindet er plötzlich spurlos. Wenige Tage später werden drei verkohlte Leichen in einer Laube entdeckt, Hauptkommissar Paul Lenz übernimmt die Ermittlungen. Ein weiterer Angestellter des Sushi-Restaurants leidet unter den gleichen Beschwerden wie sein Kollege, weigert sich jedoch zum Arzt zu gehen, da er sich illegal in Deutschland aufhält und nicht krankenversichert ist. Als auch er verschwindet, verschärft sich die Situation dramatisch …
Wieder schafft es Matthias P. Gibert hochaktuelle Themen in einem authentischen Kriminalroman zu verpacken: Lebensmittelskandale, wirtschaftliche Interessen und der geringe Wert eines Menschenlebens.



Steirerherz von Claudia Rossbacher
Sandra Mohrs zweiter Fall
Taschenbuch: 278 Seiten
ISBN: 978-3-8392-1243-1
Erschienen: Februar 2012
Preis: 9,90 €

VON HERZEN  Abteilungsinspektorin Sandra Mohr und Chefinspektor Sascha Bergmann vom LKA in Graz werden in die Weststeiermark gerufen, um einen grausamen Mord aufzuklären. Die bildhübsche 19 jährige Studentin Valentina Trimmel wurde gepfählt und wie eine Vogelscheuche auf dem Kürbisacker ihres Vaters aufgestellt. Die Spuren führen zunächst nach Graz, wo der Freund des Opfers und dessen Vater, ein reicher Autohändler, ins Visier der Ermittler geraten. Sandra fürchtet, dass der Mörder ein weiteres Mal zuschlagen wird …
Mit „Steirerherz“ legt Claudia Rossbacher erneut einen Alpen-Krimi der Extraklasse vor. Unbedingt lesen!



Schnapsleiche von Sabine Trinkaus
Taschenbuch: 322 Seiten
ISNB: 978-3-8392-1228-8
Erschienen: Februar 2012
Preis: 9,90 €

WO IST WALTER?  Walter Hutschendorf ist weg! Und mit dem Verschwinden des Bonner Schnapsfabrikanten ist es auch mit der Ruhe für Britta Brandner vorbei, wird sie doch mit der Suche nach ihrem Arbeitgeber beauftragt. Dass ihr die trinkfeste, rheinische Frohnatur Margot zur Seite steht, die mangelnden Sachverstand durch großen Enthusiasmus wettzumachen sucht, erleichtert die Lage nicht wirklich. Dennoch kommt das ungleiche Gespann mit seinen unkonventionellen Ermittlungsansätzen dem dunklen Familiengeheimnis der Hutschendorfs schon bald gefährlich nahe …
Zwei grundverschiedene Frauen machen sich auf die Suche nach einem verschwundenen Schnapsfabrikanten – spannend und zum Brüllen komisch.



Isarbrodeln von Michael Gerwien
Max Raintalers zweiter Fall
Taschenbuch: 319 Seiten
ISBN: 978-3-8392-1234-9
Erschienen: Februar 2012
Preis: 11,90 €

MAFIA, MORD, MüNCHEN  Der Münchner Exkommissar Max Raintaler und seine Freundin Monika feiern Geburtstag im „Da Giovanni“, ihrem gemeinsamen Lieblingsitaliener und Stammlokal. Beide sind seit Jahren eng mit Giovanni befreundet, Max spielt zudem mit ihm Fußball. Der gemütliche Abend wird gestört, als der Italiener mit zwei jungen Männern in Streit gerät, die Max jedoch kurzerhand hinauswirft. Am nächsten Tag liegt Giovanni erschlagen in seinem Restaurant. Sofort macht sich Max auf die Suche nach dem Täter …
Exkommissar Max Raintaler ermittelt in der der Münchner Gastronomieszene – spannend, humorvoll, authentisch.


Liebe Grüße
Isabel

Mittwoch, 22. Februar 2012

{Rezension} Der Visionist von M.J. Rose


Taschenbuchausgabe: 448 Seiten
Genre: Mystery Thriller
ISBN: 978-3-89941-978-8
Erscheinungsdatum: März 2012
Preis: 8,99 €



Hypnos – Der Gott des Schlafes

Falsch katalogisiert schlummerte die 2.600 Jahre alte Statue des Hypnos in den Katakomben des New Yorker Metropolitan Museum of Art. Durch Zufall wird die mannshohe Statue entdeckt und für eine Ausstellung vorbereitet. Und kaum ist die Entdeckung von Hypnos bekannt geworden, machen der Iran wie auch Griechenland Besitzansprüche geltend. Doch es gibt noch eine Privatperson, die mit der Zerstörung wertvoller Gemälde droht, wenn ihm die Statue nicht ausgehändigt wird. Hat das Interesse an der antiken Skulptur damit zu tun, dass ihr nachgesagt wird, dass sie einen Schlüssel zum Rätsel der Wiedegeburt in sich bergen soll? FBI-Agent Lucian Glass nimmt die Ermittlungen auf, obwohl ihn nach dem Vorfall in Wien starke Kopfschmerzen quälen und er fast wie unter Zwang immer wieder Frauengesichter zeichnen muss. Hilfe erhofft er sich von der Psychologin Iris Bellmer.

M.J. Rose lässt sich anfangs etwas Zeit und gibt ihren Lesern erst einmal einen Crashkurs in Sachen Kunst mit seinen schönen, aber auch unschönen Seiten, zu denen auch der illegale Handel mit gestohlener Kunst gehört, um das es hier in der Hauptsache auch geht. Aber auch das Paranormale kommt hierbei nicht zu kurz, wobei sie dies recht neutral angeht, da ihr Protagonist dem Thema äußert kritisch gegenüber steht und sie einem so unbeeinflusst selbst seine Meinung hierzu bilden lässt.

Doch wenn man den etwas holprigen, langatmigen Start hinter sich gebracht hat, die ganzen Zusammenhänge langsam anfängt zu verstehen und sich mit allen Mitwirkenden vertraut gemacht hat, dann entwickelt sich die Story packend, fesselnd, äußerst mysteriös und komplex. Dafür sorgen nicht nur die ziemlich verzwickte Geschichte und der flüssige, temporeiche, einnehmende Schreibstil der Autorin. Man merkt auch recht schnell, dass M.J. Rose sich sehr für Kunst interessiert, hier fundierte Recherche betrieben hat und sich auch bestens im Metropolitan Museum auskennt. Diese vielen Informationen lässt die Autorin zumeist wie nebenbei mit einfließen und verknüpft hier geschickt geschichtliche Fakten mit Fiktion, wobei sie sich auch einige schriftstellerischen Freiheiten herausnimmt, damit die Geschichte rund wirkt.

Da auch die Phoenix Foundation und somit ihr Vorsitzender Malachai Samuel auch im 3. Band der Wiedergeburts-Reihe mitspielt, ist natürlich das Paranormale wieder vertreten. Da Lucian Glass unter extremen Kopfschmerzen sowie einem regelrechten Malzwang leidet, sowie nach wie vor Malachai Samuel für einige ungelöste Verbrechen verantwortlich macht, nimmt er Kontakt zur einer für die Foundation arbeitende Psychologin auf, die bei ihm mithilfe Hypnose Rückführungen durchführt. Und so muss Lucian bald feststellen, dass Spuren zu dem aktuellen Fall bis weit in die Vergangenheit zurückreichen. Und auch im 3. Band der Reihe gelingt es der Autorin wieder, ihren Protagonisten Lucian wie auch die weiteren Mitwirkenden facettenreich und teilweise auch etwas undurchsichtig zu beschreiben.

Fazit: Wenn man über den etwas zähen Einstieg hinwegsieht und sich ein wenig für Kunstgeschichte interessiert, wird man mit einem temporeichen, spannenden Mystery-Thriller belohnt.

Die Autorin:
M.J. Rose begann ihre Karriere im Werbebereich, bevor sie zu einer erfolgreichen Schriftstellerin wurde. Ihre Kurzgeschichten und Gedichte sind in zahlreichen Anthologien und Zeitschriften erschienen, und bereits ihr erstes Buch fesselte die Leser in aller Welt. Inzwischen finden sich ihre spannenden Romane, die auf raffinierte Weise Psychologie und Erotik verbinden, regelmäßig in den amerikanischen Bestsellerlisten. M.J. Rose lebt mit Doug Scofield, einem Komponisten, in Connecticut.

Montag, 20. Februar 2012

{Rezension} Tote Augen von Karin Slaughter





Verlag: Blanvalet-Verlag 
Übersetzer: Klaus Berr
Genre: Amerikanischer Thriller
Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
Erscheinungsdatum: 05. November 2011
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-7645-0343-7


Sara Linton trifft auf Will Trent & Faith Mitchell

Auf einer einsamen Landstraße. Ein älteres Ehepaar ist auf dem Rückweg von ihrem Sohn und dessen Familie, als ihnen ganz plötzlich etwas vors Auto läuft. Geschockt, doch unverletzt steigt das Paar aus und muss feststellen, dass sie eine nackte junge Frau angefahren haben. Die Unbekannte wird mit schwersten Verletzungen, die jedoch nicht nur vom Unfall herrühren, ins nächste Krankenhaus eingeliefert. Dr. Sara Linton ist entsetzt vom Zustand der Unbekannten und auch Will Trent und Faith Mitchell vom GBI, die durch Zufall anwesend sind, können die Folterungen an der jungen Frau kaum glauben. Als sich Will Trent zum Unfallort begibt, entdeckt er schnell, dass die Verletzte in einer Höhle gefangen gehalten wurde und sie war nicht die Einzige, die aus dieser unterirdischen Folterkammer fliehen konnte. Doch die zweite Frau kann nur noch tot geborgen werden. Und es dauert nicht lange, bis wieder zwei Frauen vermisst werden.

3 ½ Jahre ist es nur nun her, seit Sara Linton den grauenhaften Mord an ihrem Ehemann Jeffrey mit ansehen musste. Es vergeht kein Tag, an dem sie nicht an ihn denken muss und ihn schmerzlich vermisst. Selbst der Umzug vom Grant County nach Atlanta hat hierbei nicht viel geholfen. Erst durch den aktuellen Fall beginnt Sara ein wenig Interesse an ihrer Umgebung zu zeigen und endlich wieder am Leben teilzunehmen. Aber auch Faith Mitchell hat einige Probleme. Muss sie doch von Sara erfahren, dass sie Diabetikerin ist und dazu noch schwanger. Tja, und Will Trent hat nach wie vor Probleme mit seiner Leseschwäche wie auch mit seiner Ehefrau Angie.

Der Thriller gestaltet sich anfangs richtig spannend und unterhaltsam, doch mit der Zeit wird er recht zähflüssig.  Zuerst fand ich es ja noch interessant zu lesen, wie Faith mit ihrer Schwangerschaft und ihrer Diabetes zurechtzukommen versucht, wie Will nach wie vor seine Probleme beim Lesen zumeist geschickt zu verbergen versteht, und dass Sara über den Tod von Jeffrey noch lange nicht hinweg ist. Aber irgendwann war es einfach genug. Wer die Reihe kennt, weiß von der Leseschwäche wie auch von dem Links/Rechts-Problem von Will Trent. Und so charmant dies zuerst noch ist, umso nerviger und unglaubwürdiger wird es im Verlauf des Thrillers. Denn je länger dieser andauert, umso öfter fragt man sich, wie der Special Agent beruflich überhaupt so weit kommen konnte, ohne dass irgendjemanden dies jemals aufgefallen ist. Einfach auch deswegen, da ihm während der Ermittlungen durch diese Behinderung Fehler unterlaufen. Auch muss nicht bald auf jeder 3. Seite erwähnt werden, dass Will’s Handy defekt ist, bald auseinanderfällt und er sich aufgrund seiner Leseprobleme nicht traut, ein neues Handy zu kaufen.

Und so rückt der durchaus spannend angelegte Plot immer öfter in den Hintergrund und ein kontinuierlicher Spannungsaufbau ist kaum vorhanden, da den Problemen der Protagonisten viel zu viel Platz eingeräumt wird. Es kommt sogar vor, dass Will und Faith so mit ihren privaten Problemen beschäftigt sind, dass sie entscheidende und eigentlich selbstverständliche, routinierte Ermittlungsarbeit einfach vergessen, wie z. Bsp. sich von der zuständigen Polizeistelle den Tatortbericht des Polizisten geben zu lassen, der als erstes am Unfallort war.

Die Story an sich ist jetzt nicht unbedingt neu, aber durchaus interessant und man muss Karin Slaughter zugutehalten, dass sie im letzten Drittel wieder die Kurve bekommt und den Thriller richtig fesselnd gestaltet. Dadurch wird man für den zähen Mittelteil zwar teilweise entschädigt, allerdings hat man aus Ermangelung vieler Alternativen auch schnell den Täter ausgemacht. Auf ihn geht die Autorin so gut wie gar nicht ein, sein Motiv war mir jetzt nicht unbedingt verständlich und ist mir mittlerweile auch einfach zu abgedroschen. 

Fazit: Bei dem Thriller überwiegen die privaten Probleme der Ermittler, der Fall rückt teilweise fast komplett in den Hintergrund und so ist ein kontinuierlicher Spannungsaufbau kaum möglich. Für Fans der beiden Reihen ist das Buch aber in jedem Fall lesenswert, auch wenn Karin Slaughter bei weitem bessere Bücher geschrieben hat.
Die Autorin:
Karin Slaughter, Jahrgang 1971, stammt aus Atlanta, Georgia. 2003 erschien ihr Debütroman Belladonna, der sie sofort an die Spitze der internationalen Bestsellerlisten und auf den Thriller-Olymp katapultierte. Ihre »Grant County«-Romane um Rechtsmedizinerin Sara Linton und Polizeichef Jeffrey Tolliver sind inzwischen in 30 Sprachen übersetzt und weltweit mehr als 20 Millionen mal gelesen worden. 
 

Sonntag, 19. Februar 2012

{SuB-Zuwachs} Ganz viele neue Bücher

Hallo Ihr Lieben,

irgendwie habe ich es letzte Woche ganz vergessen, meine Neuzugänge zu posten. Deswegen kommt heute die geballte Ladung in Kurzform:


Glühende Hitze, eine gottverlassene italienische Einöde und kein Tropfen Benzin im Tank — so hat sich Sarah ihre Flitterwochen nicht vorgestellt. »Ich bin gleich wieder da« ist das Letzte, was sie von ihrem Mann Mark hört, als er sich auf den Weg zur nächsten Tankstelle macht. Danach verschwindet er spurlos. Von der Polizei erfährt Sarah, dass er kurz zuvor sein gesamtes Konto leergeräumt hat. Alles sieht nach einer geplanten Flucht aus, doch Sarah kann nicht glauben, dass sie sich so in Mark getäuscht hat. Sie macht sich auf die Suche nach ihm — und kommt einem eiskalten Verbrechen auf die Spur …


DC Lacey Flint ist eine junge Londoner Ermittlerin mit undurchsichtiger Vergangenheit und einem morbiden Interesse an Serienkillern. Mit einem echten Mord hatte sie bisher allerdings nie zu tun – bis jetzt, da eine aus zahlreichen Stichwunden blutende Frau an der Tür von Laceys Wagen lehnt und in ihren Armen stirbt. Lacey wird zunächst nur als Zeugin vernommen, doch bald wird klar, dass sie in dem Fall eine ganz besondere Rolle spielt: Ein blutiger Bekennerbrief ist unmissverständlich an sie adressiert. Unversehens findet sich Lacey im Mittelpunkt einer Mordserie, die in einem besonderen Zusammenhang mit ihr selbst stehen muss. Doch wie findet man einen Killer, der sich einen nie gefassten Serienmörder zum Vorbild genommen hat?

Seit FBI-Agent Lucian Glass von der Psychologin Iris Bellmer hypnotisiert wurde, quälen ihn mysteriöse Erinnerungen. Visionen früherer Leben? Während er noch versucht, die Dämonen der Vergangenheit zu besiegen, gerät er unversehens ins Zentrum einer der größten Kunstskandale der Geschichte: Ein Verrückter droht, wertvollste Gemälde aus dem Besitz des New Yorker Metropolitan Museum of Art zu zerstören, wenn ihm nicht die antike Skulptur des Gottes Hypnos ausgehändigt wird. Ist sie der Schlüssel zum Rätsel der Wiedergeburt - und soll sie jetzt einem skrupellosen Mörder übereignet werden? Für Lucian und sein Ermittlerteam beginnt ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit. Können sie den Erpresser stoppen, ehe eine tödliche Katastrophe geschieht?



Dann hatte ich wieder Glück bei Blog Dein Buch und ich habe vom Sauerländer-Verlag folgendes Buch bekommen:


Magisch, düster, fesselnd: der Auftakt zu einer atemberaubenden Fantasy-Saga. In der Nacht vor ihrem 17. Geburtstag gerät Svenyas Welt aus den Fugen. Sie wird von einem Wolf durch Dresden gejagt und schließlich von drei unheimlichen, seltsam anmutenden Gestalten in den Untergrund entführt. Was Svenya dort entdeckt, sprengt jede Vorstellungskraft: Mitten in Dresden, unter dem Fundament des Residenzschlosses, liegt die letzte Bastion der Lichtelben und das Tor zur Menschenwelt – Burg Elbenthal.






Von meiner Arbeitskollegin bekam ich den neuen Thriller von Karen Slaughter ausgeliehen. Die Rezi dazu folgt morgen:

Als Krankenhausärztin in Atlanta, Georgia, versucht Dr. Sara Linton, ihr Leben neu zu ordnen. Doch als es zu einer Reihe grausamer Folterungen und Morde kommt, kann die ehemalige Rechtsmedizinerin aus Grant County nicht tatenlos zusehen. Sie schaltet sich in die Ermittlungen von Will Trent und Faith Mitchell vom Georgia Bureau of Investigation ein, auch wenn die Ereignisse schmerzhafte Erinnerungen in ihr wecken, die sie eigentlich hinter sich lassen wollte ...




Tja, und dann stand mal wieder die Club-Bestellung an und meine Wunschliste habe ich auch mal wieder ein wenig "abgearbeitet" und dabei sind noch folgende Bücher rausgekommen:

Seit ein gefährlicher Psychopath Skye Kellerman nachts in ihrem eigenen Bett überfiel, ist ihr Leben nicht mehr dasselbe. Der Mann bedrohte sie mit einem Messer und brachte sie fast um. In letzter Sekunde konnte Skye ihn mit einer Schere außer Gefecht setzen und die Polizei rufen. Doch das Grauen von damals holt sie jäh wieder ein, als sie von Detective David Willis erfährt, dass der Täter vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wird. Denn Skye weiß: Er will blutige Rache - und endlich vollenden, was er einst begann ...


Der Southern Strangler zieht seine blutige Spur durch den Südosten der USA. An jedem Leichenfundort lässt er ein grauenhaftes Souvenir zurück: die abgetrennte Hand des vorherigen Opfers.
Was für Lieutenant Taylor Jackson zu einer Mördersuche wird, die sie in die tiefsten menschlichen Abgründe führt, bedeutet für die Fernsehreporterin Whitney Connolly das Ticket in die große, weite Welt. Denn sie hat Informationen, die den Fall lösen könnten - der Mörder schickt ihr Gedichte per E-Mail! Diese Nachrichten bringen die Polizei auf die Spur des Killers, und bald schon können sie ihn verhaften. Da geht auf Whitneys Computer ein weiteres Gedicht ein.


Niemand spielt Paganini so virtuos wie die berühmte Geigerin Ane Larrazábal. Doch dies war ihr letztes Konzert – nach der Aufführung des Capriccio Nr. 24, des schwierigsten Geigenstückes aller Zeiten, findet man sie stranguliert in den Räumen des Konzertgebäudes. Auf ihrer Brust prangt in blutiger Schrift das arabische Wort für »Satan«; und ihre einzigartige Stradivari mit dem geschnitzten Teufelskopf ist unauffindbar. 



Jake Epping lebt ein normales Leben, bis sein Freund Al ihm ein großes Geheimnis enthüllt: Er kennt ein Portal, das ins Jahr 1958 führt. Und Al gewinnt ihn für eine wahnsinnige Mission. Jake soll in die Vergangenheit zurückkehren und das Attentat auf John F. Kennedy vereiteln, um den Gang der Geschichte positiv zu korrigieren. Und so beginnt für Jake ein neues Leben in einer für ihn neuen Welt. Es ist die Welt von Elvis und JFK, von großen amerikanischen Autos und beschwingten Highschool-Tanzveranstaltungen. Es ist die Welt des gequälten Einzelgängers Lee Harvey Oswald, aber auch die der Bibliothekarin Sadie Dunhill, die Jakes große Liebe seines Lebens wird – eines Lebens, das gegen alle normalen Regeln der Zeit verstößt. Und je näher Jake seinem Ziel kommt, den Mord an Kennedy rückgängig zu machen, desto bizarrer wehrt sich die Vergangenheit dagegen – mit aller gnadenlosen Gewalt, die sich auch gegen Jakes neue Liebe richtet ...


Ein schauriges Ende eines schwülheißen Sommertages: Die junge Polizistin Renée wird an ihrer Wohnungstür überfallen und brutal niedergestochen. Sie überlebt mit knapper Not. Ein paar Tage später findet man eine Studentin in einem Keller, ermordet. Die Frauen scheinen wenig gemeinsam zu haben - bis auf ihre roten Haare. Inspector Paul Vegter stürzt sich in diesen Fall, denn er hegt für Renée mehr als nur kollegiale Gefühle. Bald ahnt er, dass der Mörder erneut zuschlagen wird. Auch Galeristin Vivienne ist rothaarig. Als sie ihren Mann immer wieder beim Lügen ertappt, wird sie von quälendem Misstrauen erfasst: Ist er der Killer? Ist sie sein nächstes Opfer?





So, das wars. Ich wünsche Euch noch ein schönen Restsonntag und morgen einen guten Start in die Woche,
liebe Grüße
Isabel


Freitag, 17. Februar 2012

{Rezension} Dunkle Gebete von Sharon Bolton





Verlag: Manhattan-Verlag 
Broschierte Ausgabe: 510 Seiten
ISBN: 978-3-442-54679-4 
Genre: Englischer Thriller
Übersetzer: Marie-Luise Bezzenberger
Erscheinungsdatum: 23. Januar 2012
Preis: 14,99 € 



Nicht vergessen

Als DC Lacey Flint von einer Zeugenbefragung an ihr Auto zurückkehrt, sieht sie eine Frau daran lehnen, die durch mehrere Stichwunden tödlich verletzt ist. Lacey verständigt sofort ihre Kollegen, die Ermittlungsleitung übernimmt DI Dana Tulloch. Zunächst wird Lacey als Zeugin vernommen, doch kurze Zeit später ereignet sich ein weiterer grausamer Mord und der Täter zieht Lacey durch einen Bekennerbrief mit in die Mordermittlungen hinein. Bald schon werden Zusammenhänge beim Tathergang und vor allem am Zeitablauf zu den Jack-the-Ripper-Morden festgestellt. Sollte dies wirklich der Fall sein, so drängt die Zeit, denn der Zeitpunkt für den nächsten Mord steht unmittelbar bevor. 

Sharon Bolton steigt in ihrem Thriller sofort mit dem Mord an Opfer Nr. 1 ein und schon findet man sich mitten in der Mordermittlung wieder, lernt hierdurch schnell alle Mitwirkenden kennen und stellt fest, dass auch eine alte Bekannte aus „Todesopfer“ wieder mitspielt. Dana Tulloch ist mittlerweile Detective Inspector und  mit der Leitung der Ermittlungen betraut. Tatkräftig unterstützt wird sie hierbei von ihrem guten Freund und Kollegen DI Mark Joesbury.
 
Da fast sofort klar ist, dass der Mörder nach Vorgaben von Jack the Ripper mordet, ist natürlich das Interesse an den damaligen Morden im Ermittlungsteam sehr hoch. Lacey hat sich bereits in ihrer Jugend mit dem Serienmörder beschäftigt und ist deswegen geradezu prädestiniert das Team über die damaligen Fälle zu informieren. Hierdurch erfährt man als Leser selbst einiges über die Morde wie auch über die vielen Theorien, die in Bezug auf die Identität von Jack the Ripper bestehen. Die Story entwickelt sich von Anfang an sehr spannend und im weiteren Verlauf sehr komplex, sodass bis zur letzten Seite Nervenkitzel garantiert ist. Hierzu trägt natürlich auch wieder der flüssige, so einnehmende, bildhafte und fesselnde Schreibstil von Sharon Bolton bei, dem es wieder einmal problemlos gelingt, eine atmosphärische und erzählerische Dichte aufzubauen, sodass man den Thriller kaum aus der Hand legen mag.

Während Dana und der Rest des Teams fast selbstverständlich Lacey mit in die Ermittlungen einbeziehen und ihr ganz offensichtlich vertrauen, steht der raubeinige Mark der jungen Polizistin während des gesamten Falls eher misstrauisch gegenüber. Und so hat der abgebrühte Polizist, der allerdings auch sehr verständnisvoll und mitfühlend sein kann, hier den Part des Lesers inne. Denn man wird im Verlauf der Story einfach das Gefühl nicht los, dass mit Lacey irgendetwas nicht stimmt und sie Wesentliches verschweigt.

Sharon Bolton hat bei ihrem Thriller die Ich-Form gewählt und lässt Lacey den Fall selbst erzählen. Hierdurch lernt man die junge Frau eigentlich recht schnell kennen und stellt fest, dass sie souverän und engagiert ihrem Beruf nachgeht und findet sie auch augenblicklich sympathisch. Man bemerkt aber auch sehr schnell, dass Lacey ein überaus vielschichtiger, undurchschaubarer Charakter ist. Einerseits liebt sie Gesellschaft, stürzt sich regelmäßig ins Nachtleben, geht auf der anderen Seite aber jedem privaten Treffen unter Kollegen aus dem Weg. Obwohl sie so lebenslustig wirkt, hat sie kaum Freunde, lässt niemanden näher an sich heran. Privat stylt sie sich auf, betont ihre Figur und ihr gutes Aussehen, im Dienst wirkt sie eher wie eine graue Maus und ihre Dienstkleidung ist mindestens einer Nummer zu groß gewählt. Ein sehr zwiespältiger, aber auch liebenswerter Charakter und durch diese Gegensätzlichkeiten hat man bis zum Schluss kaum eine Chance, Lacey einzuschätzen.

Mit dieser Ungewissheit spielt die Autorin geschickt. Immer wieder lässt sie kleine Hinweise einfließen, die dem Verlauf des Thrillers eine neue Wendung geben, die einem merkwürdig vorkommen oder die Lacey in Verbindung mit den Morden bringen. Ein zweiter, immer sehr kurz gehaltener Erzählstrang, sorgt zusätzlich für Verwirrung und erst ganz zum Schluss für Aufklärung. Das Ende hat mich wirklich positiv überrascht, da es gut durchdacht ist, nicht unbedingt dem Klischee entspricht, alle Fragen klärt und schlüssig umgesetzt ist.

Fazit: Ein sehr komplex angelegter Thriller, der durch seine sympathische und wunderbar undurchschaubare Protagonistin und dem fesselnden Schreibstil der Autorin absolut überzeugt.

Die Autorin:
Sharon Bolton wurde im englischen Lancashire geboren, hat eine Schauspielausbildung absolviert und Theaterwissenschaft studiert. „Todesopfer“, ihr erster Roman, wurde von Lesern und Presse begeistert gefeiert und machte die Autorin über Nacht zum neuen Star unter den britischen Spannungsautorinnen. Es folgten die Thriller „Schlangenhaus“, "Bluternte" und "Dunkle Gebete", mit denen Sharon Bolton ihr brillantes Können immer wieder unter Beweis stellte. "Schlangenhaus" wurde als bester Thriller des Jahres mit dem Mary Higgins Clark Award ausgezeichnet. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Oxford.

Mehr zur Autorin und ihren Büchern findet Ihr unter www.sjbolton.com

Donnerstag, 16. Februar 2012

{Rezension} Nichts bleibt je vergessen von Claudia Vilshöfer





Verlag: Diana-Verlag 
Taschenbuchausgabe:  352 Seiten
Genre: Deutscher Psychothriller
ISBN: 978-3-453-35570-5
Erscheinungsdatum: 12. Februar 2012
Preis: 8,99 €


Spuren der Vergangenheit

Irgendwo in einer einsamen Gegend im Piemont bleibt der Wagen von Sarah und Mark liegen. Der Tank ist leer und Mark macht sich auf den Weg ins nächste Dorf. Als er auch Stunden später nicht wieder auftaucht, läuft Sarah ebenfalls los in das kleine Dorf mitten im Bormida-Tal. Doch niemand hier hat Mark gesehen. Am nächsten Tag schaltet Sarah die Polizei ein, doch eine wenig später großangelegte Suchaktion bringt keine neuen Erkenntnisse. Mark bleibt spurlos verschwunden. Währenddessen erfährt Sarah, dass Mark kurz vor ihrem Urlaub alle Konten leergeräumt hat, die Polizei glaubt, dass Mark untergetaucht ist. Doch Sarah mag dies nicht wahrhaben. Ein Jahr später kehrt sie zurück nach Italien und beginnt weiter nach Mark zu suchen. Dabei erfährt sie auch, dass in den letzten Jahren einige Männer in dieser Gegend spurlos verschwunden sind. Gibt es hier möglicherweise eine Verbindung zu Marks rätselhaftem Verschwinden?

Claudia Vilshöfer beginnt ihren Psychothriller mit der Autopanne der Flitterwöchner. Mitten in der Pampas bei brütender August-Hitze bleibt ihr Wagen liegen. Hier wirkt alles noch ganz harmlos und normal, doch dies ändert sich recht schnell, als Sarah selbst das nächste Dorf erreicht und feststellen muss, dass ihr Mann hier nie aufgetaucht ist. Anfangs sieht noch alles danach aus, dass Mark tatsächlich seine Ehefrau hat sitzen lassen und die Autopanne zur Flucht genutzt hat. Warum hätte er sonst die Konten auflösen sollen und auch Nachforschungen in Marks Vergangenheit deuten darauf hin. Genauso gut könnte er aber auch irgendwo auf dem Weg zum Dorf verunglückt sein oder er ist in die Fänge eines Mörders geraten. Irgendwie scheint alles möglich.
 
So unsicher wie Sarah während der ganzen Zeit ist, genauso fühlt man sich also auch als Leser, denn Claudia Vilshöfer baut schon nach kurzer Zeit neue Handlungsstränge in die Story ein, die anfangs ziemlich verwirrend sind, dann aber immer schlüssiger werden. Und nach und nach tauchen immer neue Aspekte auf, die die Geschichte zwar in einem neuen Licht erscheinen lässt, doch die Unsicherheit, was denn nun wirklich passiert ist, bleibt fast bis zum Schluss erhalten. Die Spannung baut sich zwar langsam, dafür aber kontinuierlich auf, ist anfangs mehr hintergründig vorhanden, doch je weiter der Psychothriller voran schreitet, umso mehr tritt diese auch in den Vordergrund.

Der Schreibstil der Autorin ist eher ruhig angelegt, sehr einnehmend und atmosphärisch dicht. Mühelos gelingt es ihr, einem die einsame und raue Gegend des Piemonts wie auch dessen Einwohner vor Augen zu führen. Und so kann man auch die Hilfslosigkeit von Sarah nur zu gut nachvollziehen, als sie vollkommen auf sich gestellt nach ihrem Mann sucht. Perfekt vermittelt die Autorin einem auch das Gefühlschaos, in welchem sich Sarah seit dem Verschwinden von Mark befindet. Ihr Verstand sagt ihr, dass Mark sich wohl abgesetzt hat, doch ihr Bauchgefühl sagt etwas ganz anderes und so verliert sie eigentlich nie den Glauben an Mark, auch wenn ihr gelegentlich Zweifel kommen. Und so kann man ihre Wut, ihre Verzweiflung, ihre Angst und ihre Unsicherheit sehr gut nachempfinden.

Fazit: Ein sehr spannend angelegter Psychothriller, der durch eine komplex angelegte Story, einer fesselnden Erzählweise und einer sehr gut beschriebenen Protagonistin überzeugen kann.

Die Autorin:
Claudia Vilshöfer, 1968 in Brasilien geboren, begeisterte sich schon während der Schulzeit fürs Schreiben. Doch erst Jahre später begann sie, inspiriert durch ihre Tätigkeit in der Touristikbranche und diverse Auslandsreisen, mit der Arbeit an ihrem ersten Psychothriller, „Schrei in der Dunkelheit“. Heute lebt Claudia Vilshöfer mit ihrer Familie in der Nähe von Köln. "Nichts bleibt je vergessen" ist ihr zweiter Roman.

Mittwoch, 15. Februar 2012

{Rezension} Elbenthal-Saga: Die Hüterin Midgards von Ivo Pala


 

Verlag: Sauerländer-Verlag 
Gebundene Ausgabe:  384 Seiten
ISBN: 9783411809226
Genre: Fantasy ab 14 Jahre
Preis: 19,99 €
Erscheinungsdatum: März 2012



Der Ring der Nibelungen

Für die Obdachlose Svenja gibt es in der Nacht zu ihrem 17. Geburtstag nichts Schöneres als in einer kleinen Pension zu übernachten. Sie freut sich schon auf eine ausgiebige Dusche und ein warmes, bequemes Bett. Doch daraus wird nichts, denn plötzlich wird Svenja von einem Wolf durch Dresden gejagt und nach einer wilden Flucht in den Untergrund entführt. Unter dem Fundament des Residenzschlosses liegt die letzte Bastion der Lichtelben sowie das Tor zur Menschenwelt Burg Elbenthal. Der Schwarze Prinz Laurin und seine Dunkelelben bedrohen die Lichtelben und Svenja muss ihrer Bestimmung folgen: Sie ist die Hüterin Midgards.

Kaum hat man die erste Seite gelesen, befindet man sich auch schon mitten in einer temporeich und rasant erzählten Geschichte. Ivo Pala lässt seine Geschichte im heutigen Dresden spielen, verlegt seine Story aber schon bald in den Untergrund. Denn dort lebt seit gut 2000 Jahren das Volk der Lichtelben, die das Tor zur Menschenwelt bewachen. Doch sie haben einen starken Gegner, den dunklen Prinzen, der unbedingt dieses Tor öffnen will und so die Macht über uns Menschen zu erhalten. Und hier kommt Svenja ins Spiel. Sie ist die Hüterin Midgards, dies ist ihre Bestimmung, allerdings weiß sie das bis dato noch nicht. Entsprechend überrascht und erschrocken ist Svenja natürlich als sie plötzlich von Werwölfen und Elben verfolgt wird und schon bald feststellen muss, dass sie ebenfalls über starke Kräfte verfügt. Um jedoch Hüterin Midgards zu werden, muss sie zuerst eine anstrengende Ausbildung absolvieren.

Ivo Pala entführt seine Leser in eine fantastische Welt unterhalb Dresdens und obwohl er das Tempo der Story durchgehend auf sehr hohem Niveau hält, lässt er sich durchaus genügend Zeit, einem diese Welt voller Elben und Werwölfe anschaulich zu beschreiben. Überzeugend beschreibt er ebenso seine Charaktere, allen voran seine Protagonistin Svenja. Natürlich ist Svenja erst einmal geschockt, als sie den Lichtelben gegenübersteht, glaubt anfangs sogar, es mit Verrückten zu tun zu haben. Erst langsam beginnt sie Vertrauen zu General Hagen und seinem Vater Alberich zu schließen. Bald stellt sie überrascht fest, dass es sich bei General Hagen um Hagen von Tronje und bei seinem Vater um König Alberich handelt, bekannt aus der Nibelungensage wie auch aus der germanischen Mythologie.

Svenja ist bedingt durch ihr bereits doch schon recht abenteuerliches, ereignisreiches Leben sehr reif für ihr Alter. Die 17-jährige zweifelt ständig an sich selbst, glaubt nicht recht an ihre elbischen Fähigkeiten, hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und kann Lügen nicht akzeptieren. Also ein äußerst sympathisches Mädchen und vor allem wirkt Svenja in ihrem Verhalten durchweg sehr glaubwürdig. Hagen hat hier eher den rätselhaften Part inne. Man weiß anfangs nicht so recht, welche Absichten dieser Svenja gegenüber hat, er wirkt rätselhaft und düster, doch merkt man bald, dass dies nur die äußere Fassade ist. Ebenso facettenreich sind auch die weiteren Mitwirkenden beschrieben, wobei einige von ihnen einen beim Lesen auch durchaus überraschen können.

Fazit: Ein gelungener, spannender und äußerst rasant erzählter Auftakt der Elbenthal-Saga mit einer sehr sympathischen Protagonistin.

Ein herzliches Dankeschön für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars geht
an Blog Dein Buch und den Sauerländer-Verlag.

Das Buch kann hier bestellt werden:  Sauerländer-Verlag

Der Autor: 
Ivo Pala lebt in Berlin. Er arbeitet als Drehbuchautor für Film und Fernsehen und hat bereits mehrere Romane veröffentlicht. "Die Hüterin Midgards" ist sein erster Roman bei Sauerländer und der Auftakt der großen Elbenthal-Saga. 

Dienstag, 14. Februar 2012

{Rezension} Der Anschlag von Stephen King




Verlag: Heyne Verlag 
Übersetzer: Wulf Bergner
Genre: Historischer Roman / Fantasy
ISBN: 978-3-453-26754-1
Gebundene Ausgabe: 1.056 Seiten
Erscheinungsdatum: 23. Januar 2012
Preis: 26,99 €





Das Land des Einst

Stell dir vor, du könntest den Lauf der Geschichte ändern und so das Attentat auf John F. Kennedy am 22. November 1963 verhindern. Diese Möglichkeit erhält Lehrer Jake Epping von seinem Freund Al Templeton. Dieser hat in seinem Diner ein Portal, welches einen in das Jahr 1958 zurückreisen lässt. Jake lässt sich nach einer Probereise in die Vergangenheit auf dieses Wagnis ein und reist danach zurück in das Jahr 1958. 5 Jahre hat er Zeit, das Attentat auf den amerikanischen Präsidenten zu verhindern. In dieser Zeit beginnt Jake ein völlig neues Leben, zieht in eine Kleinstadt vor Dallas, verliebt sich, arbeitet als Lehrer und führt ein völlig harmloses, unauffälliges Leben. Doch immer wieder fährt er nach Dallas und Fort Worth, um den vermeintlichen Todesschützen Lee Harvey Oswald auszuspionieren. Das verhängnisvolle Datum rückt immer näher, doch so einfach lässt sich die Vergangenheit nicht ändern, sie wehrt sich.

Als Jugendliche habe ich „ES“, „Friedhof der Kuscheltiere“ oder auch „Brennen muss Salem“ regelrecht verschlungen. Doch irgendwann war mein Bedarf an Horror gedeckt und somit auch die Bücher von Stephen King komplett aus den Augen verloren. Bis zu seinem neuesten Werk. Das Thema um das Attentat auf JFK in Verbindung mit einer Zeitreise hat mich gereizt und meine Neugier war geweckt, wie  Stephen King den Plot umsetzt. Und ich kann nur sagen, dies ist ihm perfekt gelungen.
Allerdings sollte man jetzt keinen Horrorroman oder sehr spannenden Thriller erwarten. Irgendwie deckt Stephen King mit „Der Anschlag“ mehrere Genre ab, so ist sein Buch ein Gesellschafts-, Liebes- und Historienroman, hat ein paar fantastische Züge und wird zum Schluss auch ein richtig spannender, rasanter Thriller. Wer sich auf diesen Genremix einlässt, wird mit einem fantastisch geschriebenen wie auch recherchierten Roman belohnt.

Problemlos gelingt es dem Autor, einem das Amerika Anfang der 1960er Jahre vor Augen zu führen. So ist zum Beispiel das erste, was Jake feststellt, dass die Vergangenheit stinkt. Fabriken können ihre Schadstoffe unbedenklich in die Atmosphäre pusten, hinter dieselbetriebenen Omnibussen fährt man am besten nicht und scheinbar gibt es keinen Menschen, der nicht raucht. So sind verqualmte Kneipen und Busse Standard. In der Vergangenheit sind die Menschen freundlicher und hilfsbereiter, dafür auch bigotter und sehr auf ihren Ruf bedacht. Und kaum noch vorstellbar: Man gelangt ohne nervige Sicherheitskontrollen in ein Flugzeug. Natürlich gibt es noch viel mehr Unterschiede, welche einem im Verlauf des Romans bewusst werden und hierdurch lässt der Autor die „gute alte Zeit“ problemlos aufleben. Jake alias George passt sich schnell den ungewohnten Gegebenheiten an und integriert sich bald problemlos in der Kleinstadt Jodi nahe Dallas ein. Allerdings muss er auch extrem vorsichtig sein, um nicht durch unüberlegte Äußerungen das Misstrauen der Einwohner zu wecken.

Der Schreibstil von Stephen King ist sehr unterhaltsam, stellenweise detailverliebt, wirkt reif und man stellt fest, dass er fundierte Recherche betrieben hat, besonders natürlich was das Attentat auf JFK und den vermeintlichen Attentäter betrifft. Der Autor vertritt in seinem Roman die Meinung, dass Lee Harvey Oswald der Schütze ist und akribisch geht er somit auf die letzten 2 Jahre von Oswald ein. Manchmal wirkt dies zwar schon einmal etwas zu detailliert, jedoch bekommt Stephen King immer wieder die Kurve, bevor es langatmig zu werden droht. Und obwohl er gerade im Mittelteil des Buches stark auf die Beziehung von George und Sadie wie auch auf deren Leben in der Kleinstadt Jodie eingeht, verliert er nie den eigentlichen Grund der Zeitreise aus den Augen und man fragt sich wirklich bis zum Schluss, ob dem Lehrer aus der Zukunft das unmöglich scheinende wirklich gelingen könnte.

Hinzu kommt, dass seine Charaktere wunderbar authentisch beschrieben sind. Er lässt seinen Protagonisten Jake/George selbst die Geschichte erzählen und so kann man sich schon bald sehr gut in ihn hineinversetzen. Der Lehrer für englische Literatur ist geschieden, kinderlos, aufgeschlossen und hilfsbereit und vor allem, er hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitsinn. Als er Sadie Dunhill kennenlernt, offenbart er einem auch ein wenig seine romantische Seite und so lernt man auch einen jungen Lehrer kennen, der für seine große Liebe jedes Risiko eingeht.

Fazit: Ein reifer, unterhaltsamer, stellenweise spannender und hervorragend recherchierter Roman, bei dem Stephen King beweist, dass er ein wunderbarer Erzähler ist und seine Leser so auf eine Reise in das Land von Einst mitnimmt, wo alles scheinbar noch in Ordnung war.

Der Autor:
Stephen King, 1947 in Portland, Maine, geboren, ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Schriftsteller. Schon als Student veröffentlichte er Kurzgeschichten, sein erster Romanerfolg, "Carrie", erlaubte ihm, sich nur noch dem Schreiben zu widmen. Seitdem hat er weltweit 400 Millionen Bücher in mehr als 40 Sprachen verkauft. Im November 2003 erhielt er den Sonderpreis der National Book Foundation für sein Lebenswerk.