Leseempfehlungen

Sonntag, 19. Dezember 2010

{Rezension} Die Strafe von Meg Gardiner

Verlag: Heyne Verlag 
Übersetzer: Friedrich Mader
Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Genre: Amerikanischer Thriller
ISBN: 3453265963
Erscheinungsdatum: 20. Juli 2009
Preis: 19,95 €



Immer nur 5 Minuten

Da sie sich gerade in der Nähe des Flughafens aufhält, wird die forensische Psychiaterin Jo Beckett von der Flughafenpolizei um Hilfe gebeten. Ein renitenter Passagier muss beruhigt werden. Dieser verhält sich äußerst merkwürdig und als er sich endlich ruhigstellen lässt, weist Jo Beckett ihn ins Krankenhaus ein. Dort wird Ian Kanan eine niederschmetternde Diagnose gestellt: Sein Gehirn ist geschädigt und kann keine neuen Informationen mehr verarbeiten. So ist Ian Kanan nur noch fähig, sich etwa 5 Minuten zu merken, danach vergisst er wieder alles und seine letzten Erinnerungen sind seine Erlebnisse in Afrika einige Tage zuvor. Jo vermutet eine Infektion, doch wodurch und mit was hat Kanan sich angesteckt? Als dieser aus dem Krankenhaus verschwindet, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn Kanan scheint in dunkle Machenschaften verwickelt zu sein und ein ganz bestimmtes Ziel zu haben.

Meg Gardiner steigt gleich voll in die Geschichte ein und so ist von Anfang an schon eine hohe Spannung vorhanden. Schnell merkt man, dass Kanans Familie bedroht wird, er dies weiß und mit allen Mitteln versucht, diese zu retten. Mithilfe von Post-its und Handyfotos versucht Kanan seine Orientierungslosigkeit auszutricksen. Doch dies gestaltet sich stellenweise als sehr schwierig. Von wem seine Familie bedroht wird, was diese Leute von ihm wollen, bleibt sehr lange im Dunkeln. Erst so nach und nach gestaltet sich zumindest das Motiv heraus, doch die Täter bleiben dem Leser bis fast zum Schluss ein Rätsel.

Die Erzählstränge wechseln ständig zwischen Jo, Kanan und dessen Sohn Seth. So erfährt man wieder einiges über Jo’s Privatleben, ihre langsam wachsende Beziehung zu Gabe, ihren nervigen, aber drolligen Nachbarn Ferd und ihrer Suche nach Kanan und den Gründen für seine Gehirnschädigung. Auf der anderen Seite lernt man Ian Kanan immer besser kennen. Und hierdurch auch ein wenig über seine Krankheit und sein Kampf gegen die Orientierungslosigkeit, die ihn alle paar Minuten überfällt. Allerdings wird dies weder übertrieben dargestellt, noch zu ausführlich erläutert und dadurch bleibt auch die Spannung ständig auf hohem Niveau. Denn man rätselt ständig, durch was Ian Kanan kontaminiert wurde, welche Ziele er hat und was die Entführer unbedingt von ihm erhalten wollen. Zusätzlich bekommt man in einem weiteren Handlungsstrang Seth, Kanans Sohn, vorgestellt. Dieser ist genauso ahnungslos, weiß nicht, warum er entführt wurde, ist sich aber absolut sicher, dass sein Vater ihn retten wird.

Da die Erzählstränge natürlich genau immer an den spannendsten Stellen wechseln, ist die Story fesselnd und mit einem hohen Tempo umgesetzt. Der Thriller entwickelt sich schlüssig und recht komplex. Allerdings fand ich das Ende dann doch etwas zu lang gezogen, auch wenn dies durchweg sehr temporeich angelegt ist.

Während ihre Protagonistin im 1. Teil noch etwas unterkühlt und ihr Charakter eher zurückhaltend dargestellt war, überzeugt die Figur Jo Beckett im vorliegenden Buch absolut. Meg Gardiner beschreibt sie sehr sympathisch, emotional und detailreich. Und auch die weiteren Charaktere sind facettenreich angelegt, wobei die Figur von Ian Kanan äußerst undurchsichtig daherkommt, was für den Thriller natürlich absolut förderlich ist. 

Freitag, 17. Dezember 2010

{Leseeindruck} Das Regenmädchen von Gabi Kreslehner

Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Genre: Deutscher Krimi
ISBN: 9783550088605
Erscheinungsdatum: 20. Dezember 2010
Preis: 18,00 €





Eine Reise ohne Ankommen

Gleich zu anfangs beschreibt die Autorin den Tod eines jungen Mädchens und somit auch den Unfall auf der A9 Richtung Berlin und dies in einer äußerst einfühlsamen und beklemmenden Weise. Ihr gelingt es hervorragend, die Gefühle des Unfallbeteiligten rüber zu bringen, sodass man sofort mit ihm fühlt und seine Ungläubigkeit ob dem plötzlichen Auftauchen des Mädchens vor Augen hat.

Anschließend stellt Gabi Kreslehner ihren Lesern erst einmal ein wenig ihre Protagonistin Franza vor. Diese hatte auf dem Weg zur Arbeit einen Zwischenstopp bei ihrem Freund Port eingelegt, da erhält sich den Anruf von ihrem Kollegen Felix, der sie  über den Unfall auf der A9 informiert. Sie wundert sich noch darüber, dass die Kripo zu einem Verkehrsunfall gerufen wird und vermutet, dass sich dahinter mehr verbirgt.

Zwischendurch ist immer mal wieder die Sequenz eines jungen Mannes namens Ben eingeblendet, der unbedingt der unbeschwerten Marie imponieren will und dies am besten mit dem Autos seines Vaters. Marie ist auch beeindruckt und will ihn zum Abhauen überreden. Doch Ben zögert noch, allerdings möchte er ihr gegenüber auch nicht als Feigling dastehen. Und Ben scheint der Sohn von Franza zu sein.

Der Schreibstil der Autorin ist äußerst flüssig, leicht nachdenklich, etwas melancholisch und herzerfrischend. Und so ist auch ihre Protagonistin angelegt. Franza scheint verheiratet zu sein, hat einen erwachsenen Sohn und einen Liebhaber. Sie ist sehr einfühlsam, ihr Beruf belastet sie zwar, hat sie aber noch nicht abgestumpft, was man besonders merkt, als sie die Leiche des jungen Mädchens zum ersten Mal sieht. Mit ihrem Partner Felix verbindet sie ein kollegiales, freundschaftliches Verhältnis.

Die Story entwickelt sich äußerst mysteriös, wirft viele Fragen auf und ist jetzt bereits schon sehr fesselnd und spannend umgesetzt. Und vor allem, sie weckt von Anfang die Neugier des Lesers.

Donnerstag, 16. Dezember 2010

{Rezension} Entsetzen von Karin Slaughter

Übersetzer: Klaus Berr
Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
Genre: Amerikanischer Thriller
ISBN: 3764503440
Erscheinungsdatum: 21. August 2010
Preis: 19,99 €


Ein vermeintlicher Einbruch mit Folgen

Als Abigail Campano mittags vom Tennis nach Hause kommt, findet sie die Eingangstür unverschlossen, Blutspuren auf dem Boden und einen jungen Mann, der sich über die Leiche eines Mädchens beugt. Abby geht natürlich davon aus, dass es sich bei dem toten Mädchen um ihre 17-jährige Tochter Emma handelt und der junge Mann ihr Mörder ist. Abby stürzt sich auf den vermeintlichen Mörder und tötet ihn. Doch bei der Leiche handelt es sich nicht um Emma, sondern um deren Freundin Kayla und der junge Mann war auch nicht der Mörder. Special Agent Will Trent vom GBI übernimmt zusammen mit seiner neuen Partnerin Faith Mitchell den Fall. Die Beiden arbeiten unter Hochdruck, denn alles deutet darauf hin, dass der wahre Mörder Emma in seiner Gewalt hat und die Chancen, dass Emma die Entführung überlebt, scheinen immer geringer zu werden.

In seinem zweiten Fall muss Will Trent, der notorische Einzelgänger, dieses Mal mit einer Partnerin arbeiten, was ihm anfangs äußerst schwer fällt. Zumal Will mit Schuld daran trägt, dass Faith Mutter Evelyn Mitchell vorzeitig den Polizeidienst quittieren und in Vorruhestand gehen musste. So ist die Zusammenarbeit zwischen den Beiden erst einmal mit Problemen behaftet. Allerdings zum größten Teil nur von Seiten von Faith. Doch schon nach kurzer Zeit ist sie von Will’s Kompetenz, Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit überzeugt und akzeptiert sein Verhalten ihrer Mutter gegenüber. Diese Wandlung kann man gut nachvollziehen, denn die Autorin wechselt mit ihren Erzählsträngen ständig zwischen Will und Faith.

Karin Slaughter startet ihren Thriller mit einem gelungen Auftakt, der äußerst spannend umgesetzt ist. Dann beginnen die Ermittlungen, vielen Spuren wird nachgegangen, die im Sande verlaufen,  neue Erkenntnisse treten auf, doch ein Verdächtiger ist lange Zeit nicht in Sicht und die Presse sitzt den Ermittlern im Nacken. Während dieser Phase wird die Spannung etwas aus dem Thriller herausgenommen, ist jedoch auch hier immer noch sehr fesselnd geschrieben.

So ist die Story auch komplex aufgebaut und überrascht immer wieder mit Wendungen, mit denen man nicht unbedingt gerechnet hätte und auch ein üblicher Verdächtiger wird präsentiert, bei dem man sich nicht sicher sein kann, ob er nun etwas mit dem Fall zu tun hat. Allerdings war mir bei der Auflösung „Kommissar Zufall“ dann doch etwas zu offensichtlich und der Schluss kam dann auch etwas zu plötzlich.

Gewohnt facettenreich sind die Charaktere von Karin Slaughter wieder beschrieben, einige bleiben undurchsichtig, andere sind klar gezeichnet. Allerdings fand ich die Probleme von Will etwas überladen, und auch wenn seine Figur sehr sympathisch dargestellt wird, wirkt sie doch unglaubwürdig und konstruiert. Es ist für mich nur schwer nachvollziehbar, wie man mit einer massiven Leseschwäche den Beruf eines hochrangigen Polizisten nachgehen kann, zumal Will durch diese Störung auch einige schwerwiegende Fehler unterlaufen. Karin Slaughter versucht zwar, dies mit einigen Anmerkungen zu erklären, diese haben mich aber nicht wirklich überzeugen können.

Alles in allem ein spannend umgesetzter Thriller, dem es gelingt, auch ohne reißerische Szenen zu überzeugen. Allerdings wäre ein weniger problembehafteter Protagonist glaubwürdiger gewesen. 

{SuB-Zuwachs} Spannende Buchpost

Hallo Ihr Lieben,

na, das war heute eine wirklich freudige Überraschung als ich unseren Briefkasten öffnete. Völlig unerwartet lag da eine Büchersendung vom Gmeiner Verlag. Natürlich habe ich erst einmal alles Liegen und Stehen lassen und das Päckchen geöffnet. Und darin war: Ein Krimi, der sich vom Inhalt richtig klasse anhört und ganz nach meinem Geschmack ist.


 
Steirerblut von Claudia Rossbacher
273 Seiten, 9,90 €
ISBN: 978-3-8392-1136-6
Erscheinungstermin: 07. Februar 2011 


Und darum geht es in dem Krimi:

AUF HEIMATBESUCH  Als Abteilungsinspektorin Sandra Mohr vom LKA in Graz ausgerechnet in die steirische Krakau gerufen wird, um in einem rätselhaften Mordfall zu ermitteln, ist sie alles andere als begeistert. Schließlich hat sie ihrer Heimat nicht ohne Grund vor Jahren den Rücken gekehrt. Die Suche nach dem Mörder der Journalistin Eva Kovacs, deren nackte, grausam zugerichtete Leiche im Wald aufgefunden wurde, gerät für sie zur Konfrontation mit einer verschworenen Dorfgemeinschaft, aber auch mit der eigenen Vergangenheit …


Die erfolgreiche Wiener Krimiautorin Claudia Rossbacher gibt im Februar 2011 ihren Einstand im Gmeiner-Verlag. Mit dem fulminanten Krimi "Steirerblut" präsentiert sie einen jungen, rasanten Roman um einen mysteriösen Mord in einem kleinen Drof mitten in den Alpen. Ein echtes Highlight deutschsprachiger Krimiunterhaltung. 

Die Autorin:

Claudia Rossbacher, geboren in Wien, zog es nach ihrem Studium der Tourismuswirtschaft in die Modemetropolen Europas und Japans, wo sie als Model im Scheinwerferlicht stand. Danach war sie Texterin, später Kreativdirektorin in internationalen Werbeagenturen. Seit 2006 arbeitet sie als freie Autorin und Texterin in Wien. In dieser Zeit entstanden zwei Kriminalromane sowie zahlreiche Kurzkrimis. Mit ihrem neuen Roman „Steirerblut“ startet die Autorin eine Krimiserie, die in ihr bevorzugtes Bundesland führt. Dass Rossbacher seit über 15 Jahren mit einem Steirer verheiratet ist und gern Zeit in der Steiermark verbringt, macht sie zum gleichermaßen bekennenden wie glaubwürdigen Steiermark-Fan.

Liebe Grüße
Isabel  

Dienstag, 14. Dezember 2010

{Rezension} Dunkelstein von Robert Schindel

Verlag: Haymon Verlag
Gebundene Ausgabe: 124 Seiten
Genre: Zeitgenössischer Roman
ISBN: 3852186455
Erscheinungsdatum: 09. September 2010
Preis: 17,90 €





Zwischen den Stühlen

Kurz vor dem 2. Weltkrieg: In Wien ist Rabbi Saul Dunkelstein Leiter der Auswanderungsabteilung. Hier versucht er mit allen Mitteln, so viel Juden wie nur möglich zur Emigration zu bewegen und somit ihr Leben zu retten. Allerdings sehen zahlreiche Juden zu diesem Zeitpunkt die herannahende Gefahr durch den Nationalsozialismus noch nicht und Dunkelstein gerät somit oft in die Kritik. Ihm wird sogar eine Zusammenarbeit mit den Nazis unterstellt. Diese dagegen sind mit der Arbeit von Dunkelstein zufrieden, gestaltet sich die Deportation der Juden aus Wien doch genau nach ihren Vorstellungen.

Der Regisseur und Lyriker Robert Schindel hat seine Realfarce als Theaterstück aufgebaut, dass sich wie ein Drehbuch liest. So wechselt die Geschichte ständig zwischen den Schauspielern, die ihre Meinung zu dem Stück äußern, teilweise sogar noch eigene Erinnerungen an die Nazizeit mit einbringen können und dem eigentlichen Theaterstück rund um Saul Dunkelstein, der immer mehr in den Fokus des Geschehens rückt.

Anfangs hatte ich einige Probleme, mich durch die Art der Darstellung in die Geschichte einzufinden und auch die entsprechenden Personen zuzuordnen.  Doch je länger man liest umso mehr fesseln die Geschehnisse und die Art des Schreibens von Robert Schindel einen und bald schon ist man so in das Drama eingebunden, dass einen der ungewohnte Drehbuchstil wie selbstverständlich erscheint.

Der Autor erzählt die Geschichte von Saul Dunkelstein recht neutral, ja fast schon sachlich und zurückhaltend. Hierdurch ist es dem Leser selbst überlassen, sich eine Meinung zu dem Verhalten des Rabbis zu bilden, was ich als sehr angenehm empfand. So erhält man viel besser die Chance, sich selbst mit dem brisanten Thema auseinanderzusetzen. Und dies macht man zwangsläufig auch, denn die Geschichte beschäftigt einen auch nach Beendigung des Buches.

Stellenweise haben die jüdischen Begrifflichkeiten etwas den Lesefluss gestört, da ich doch des Öfteren nachschlagen musste, um mir diese erklären zu lassen, welche übrigens im Anhang aufgeführt sind. Und auch die vielen Mitwirkenden sind auf der ersten Seite aufgelistet, was einem anfangs gut hilft, den Überblick zu behalten. Im Nachwort geht der in Wien lebende Schriftsteller und Historiker Doron Rabinovici ausführlich auf die Entstehung der Realfarce ein, die auf eine wahre Begebenheit beruht. Hierdurch erhält man zusätzliche Hintergrundinformationen, die einige Szenen in der Geschichte für den Leser verständlicher machen.

Fazit: Eine interessante und nahe gehende Umsetzung des Themas der Deportation jüdischer Mitbürger aus Wien während der Nazizeit und in jedem Fall sehr empfehlenswert.

Montag, 13. Dezember 2010

{Rezension} Der Geruch von Blut von Tom Piccirilli

Verlag: Heyne Verlag
Übersetzer: Nicolai von Schweder-Schreiner
Taschenbuchausgabe: 304 Seiten
Genre: Amerikanischer Thriller
ISBN: 978-3-453-67596-4
Erscheinungsdatum: 13. Dezemer 2010
Preis:8,99 €



Ein guter Polizist

Der blinde Finn arbeitet als Lehrer an einem Internat. Früher war Finn Polizist, ein missglückter Selbstmordversuch ist schuld an seiner Behinderung. An einem kalten Wintertag findet er auf dem nahegelegenen Friedhof die verletzte Harley. Um sie zu verarzten, bringt Finn die junge Harley zurück zum Internat, doch kurz danach verschwindet sie. Vorher warnt Harley ihn noch und gibt ihm die Schuld an den kommenden Ereignissen. Doch woran soll Finn schuld sein, hat er doch keine Ahnung, wovon Harley spricht. Noch am selben Tag schlägt das Wetter um und ein schwerer Schneesturm treibt unaufhaltsam auf den kleinen Ort zu. Mit dem Schnee kommt auch ein wahrer Alptraum auf das Internat zu und Finn muss um sein Leben und das der Schüler und Lehrer fürchten.

Mithilfe von Finns Erinnerungen erzählt Tom Piccirilli zwischendurch immer wieder dessen Leben vor seinem Selbstmordversuch und so erfährt man nach und nach die Gründe hierfür. Und auch, wenn genau diese Erinnerungen immer an den interessantesten Stellen in Erscheinung treten, kommt anfangs wenig Spannung auf. Bis etwa zur Mitte des Thrillers lernt man stattdessen erst einmal sehr ausführlich den Protagonisten kennen und seinen Umgang mit der Blindheit. Dies beschreibt der Autor sehr einfühlsam und - soweit dies möglich ist - nachvollziehbar. Gleichzeitig stellt Tom Piccirilli seinen Lesern auch die weiteren Beteiligten und die Bewohner des Internats vor und auch diese Charaktere sind klar gezeichnet und nehmen schnell Konturen an.

So entwickelt sich der Thriller anfangs erst einmal zu einer Studie über einen blinden Mann, der versucht, nach seinen schrecklichen Erlebnissen in der Vergangenheit, mit seinem jetzigen Leben fertig zu werden. Dies ist Tom Piccirilli gut gelungen, allerdings fehlt hier eindeutig der Thrilleranteil und dies könnte manchen Leser enttäuschen und auch als langatmig empfinden lassen.

Doch wie aus dem Nichts nimmt die Story plötzlich massiv Fahrt auf und der flüssige und dann auch sehr fesselnde Schreibstil des Autors sorgt dafür, dass man das Buch kaum noch aus der Hand legen mag. Schuld daran ist auch, dass Tom Piccirilli seinen Thriller ab diesem Zeitpunkt atmosphärisch dicht umgesetzt hat und geschickt die Blindheit und somit die Orientierungslosigkeit von Finn einsetzt, um hierdurch eine düstere, beklemmende Stimmung aufzubauen. So spürt man deutlich die Hilflosigkeit von Finn, die durch den anrückenden Schneesturm immer schlimmer wird, da ihm bald jeder Orientierungspunkt auf dem Internatsgelände fehlt und die Kommunikationsmöglichkeiten durch die Abgelegenheit des Internats sowieso nur bedingt vorhanden sind.

Lange rätselt man über die mysteriösen Äußerungen von Harley und hat anfangs – genau wie Finn – absolut keine Ahnung, in welche Verstrickungen dieser verwickelt sein soll. Doch so nach und nach kristallisieren sich diese heraus und Finn muss bald feststellen, dass ihn die Vergangenheit sogar an diesem abgelegenen Ort wieder einzuholen scheint.

Fazit: Das Buch überzeugt mit einer komplexen, rätselhaften Story. Allerdings lässt sich der Autor viel Zeit, bis sich die Geschichte auch zu dem versprochenen Thriller entwickelt.

Samstag, 11. Dezember 2010

{Rezension} Die Frau vom Leuchtturm von Sally O'Rourke

Übersetzer: Barbara Röhl
Taschenbuchausgabe: 352 Seiten
Genre: Mystischer Roman
ISBN: 978-3-442-37327-7
Erscheinungsdatum: 08. März 2010
Preis: 7,95 €




Liebe macht blind

Susan Marks ist verzweifelt. Ihr Freund Bobby, ein Berufspilot, ist verschollen. Sein Flugzeug ist irgendwo im Indischen Ozean abgestürzt. Um auf andere Gedanken zu kommen und ihre grenzenlose Trauer verarbeiten zu können, kehrt sie in die Familienvilla auf Rhode Island zurück. Eines Nachts entdeckt sie in ihrem Turmzimmer die Gestalt einer jungen Frau, die aus dem Fenster blickt, ihren Blick traurig auf den gegenüberliegenden Leuchtturm gerichtet. Die Neugier in Susan erwacht und sie möchte unbedingt erfahren, um wen es sich bei dem Geist handelt. Zusammen mit Dan, den sie  von früher kennt, beginnt sie ihre Familiengeschichte aufzuarbeiten. Und dabei entdeckt sie ein dunkles Geheimnis, welches die junge Aimee auch nach Jahrzehnten nicht ruhen lässt und als Geist immer wieder in das Turmzimmer zurückkehren lässt.

Man könnte meinen, dass die traurige Grundlage des Romans diesen in eine melancholische, vielleicht sogar kitschige Richtung abdriften lässt. Doch Sally O’Rourke gelingt es hervorragend, zum einen dem Leser die Gefühle von Susan näher zu bringen, ohne auch nur einmal zu sehr auf die Tränendrüse zu drücken und zum anderen schnell eine mysteriöse, spannende Stimmung aufzubauen.

Die Autorin lässt ihre Protagonistin Susan selbst die Geschichte erzählen. Auf diese Weise lernt man natürlich Susan sehr schnell kennen und schließt sie fast augenblicklich ins Herz, kann sich gut in ihr Gefühlschaos hinein fühlen und lernt hierdurch auch sehr gut die weiteren Charaktere des Buches kennen.  Hierbei  handelt es sich erst einmal um ihren langjährigen, exzentrischen Firmenpartner und platonischen Freund Damon, der absolut kein Blatt vor den Mund nimmt und einem durch seine herrlich direkte Art sofort sympathisch wird. Aber auch, weil man sofort merkt, dass ihm Susan sehr viel bedeutet und er sie unbedingt wieder glücklich sehen möchte. Tja, und dann darf natürlich bei so einem Roman die Liebe nicht fehlen. Und diesen Platz nimmt Dann Freedman ein. Der erfolgreiche Künstler war bereits früher schon in Susan verliebt und steht ihr in sehr selbstloser Art zur Seite und unterstützt Susan, wo er nur kann. Keine Frage, Dan wächst einem sofort ans Herz. Und dann ist da noch Bobby: Susan ist blind vor Liebe zu Bobby, doch irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass mit Bobby irgendetwas nicht so ganz stimmen kann. Ansonsten gibt es noch einige Dorfbewohner von Freedman‘s Cove, die aber eher nur eine Statistenrolle inne haben.

Der Roman ist sehr flüssig, leicht zu lesen und überrascht immer wieder durch Wendungen in der Geschichte, mit denen man nicht unbedingt rechnet. So entwickelt er sich zum Schluss sogar noch zu einem richtigen Thriller, der ein hohes Tempo an den Tag legt und hervorragend die stürmischen Herbsttage auf Rhode Island einfängt.

Fazit: Ein durchweg sehr unterhaltsam, mystisch angehaucht erzählter Roman mit einer nicht unbedingt vorhersehbaren Story, der zum Schluss sogar noch richtig spannend wird.

Freitag, 10. Dezember 2010

{Leseeindruck} Blutstein von Johan Theorin

Verlag: Piper Verlag
Übersetzer: Kerstin Schöps
Gebundene Ausgabe: 396 Seiten
ISBN: 9783492054188
Genre: Skandinavische Krimis
Erscheinungsdatum: 05. Januar 2011
Preis: 19,95 €



Die Geheimnisse von Öland

Walpurgisnacht: Per Mörner wird mit Benzin übergossen. Er verspricht seinem Peiniger, nichts zu verraten. Doch dieser zieht etwas aus seiner Tasche, Per wartet auf das Feuer.

März, im Norden von Öland: Vor dem Altersheim von Märnas hängen die Fahnen auf Halbmast. Ein Bestattungsunternehmen holt Thorsten, den Totengräber, ab, der in der Nacht gestorben ist. Während die Bewohner darauf warten, Torsten die letzte Ehre zu erweisen, denkt Gerlof an sein Leben, an das von Torsten und das frühere Leben auf Öland zurück. Der fast 85-jährige Gerlof spürt, dass auch sein Tod bald bevor steht und teilt der Heimleiterin mit, dass er zurück in sein Haus in Stenvik kehren wird. Nach gut einem Monat ist es ihm gelungen, die Heimleitung von seinem Wunsch zu überzeugen. Seine Tochter Julia holt ihn ab und bringt ihn nach Hause, allerdings nimmt sie die Vorhersage seines bevorstehenden Todes nicht ernst.

Wieder Szenenwechsel: Per besucht seine Tochter Nilla im Krankenhaus. Als er diese gut versorgt weiß, macht Per sich mit Nillas Zwillingsbruder Jesper auf den Weg ins Sommerhaus, das ganz in der Nähe von Gerlofs Haus liegt. Als er kurz auf einem Tankstellenparkplatz hält, um Jesper Süßigkeiten zu kaufen, beobachtet Per, wie ein Audi-Fahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug verliert und geradewegs auf sein geparktes Auto zurast, indem Jesper sitzt.

In gewohnt ruhiger Art beginnt der Krimi von Johan Theorin, indem er seinen Lesern erst einmal die Mitwirkenden und deren Leben vorstellt. Gleichzeitig gelingt es ihm aber schon mit dem 1. Kapitel einen gewissen Grad von rätselhafter Spannung aufzubauen und einen neugierig auf den Fortgang der Geschichte zu machen.

Die Charaktere sind gefühlvoll und detailreich gezeichnet, sodass sie schnell Konturen annehmen und man somit schon nach wenigen Seiten eine Vorstellung von ihnen erhält. Die ganze Stimmung des Krimis wirkt ein wenig melancholisch, geheimnisvoll, ruhig und absolut fesselnd.

Fazit: Schon nach wenigen Seiten gelingt es Johan Theorin, einen in die Geschichte eintauchen zu lassen und die Neugier auf den Fortgang des Krimis zu wecken. Genau so muss es sein.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

{Rezension} Im Zeichen der Angst von Mika Bechtheim

Taschenbuchausgabe: 480 Seiten
ISBN: 3442472687
Genre: Deutscher Thriller
Erscheinungsdatum: 15. November 2010
Preis: 8,99 €

Schatten der Vergangenheit
  
Seit 20 Jahren hat Clara nichts mehr von ihrer Mutter gehört, da erhält sie Besuch von der Polizei. Ihre Mutter ist ermordet worden und Clara gerät schnell in den Kreis der Verdächtigen. Denn sie saß bereits einmal wegen Totschlags im Gefängnis. 13 Jahre zuvor soll sie den Entführer ihrer kleinen Tochter Johanna ermordet haben, die bei der Entführung starb. Nun hat Clara wieder eine kleine Tochter und schon nach kurzer Zeit sieht alles danach aus, dass die Schatten der Vergangenheit Clara und ihre Tochter Josey wieder einholen.

Aus Sicht ihrer Protagonistin Clara erzählt Mika Bechtheim die vorliegende Geschichte, welche von Anfang an ein sehr hohes Tempo vorlegt und absolut fesselnd, spannend und auch beklemmend umgesetzt wurde. So hält sich Mika Bechtheim auch nicht viel mit Vorgeplänkel und der Vorstellung aller Beteiligten auf, sondern steigt sofort in die Story ein. Clara, selbst Reporterin, beginnt schnell, eigene Ermittlungen über das mysteriöse Leben ihrer Mutter anzustellen und vertraut dabei weder der Polizei noch ihren Freunden, was sie aus Sicht der Polizei zur Verdächtigen macht. Und plötzlich, wie aus dem Nichts, sieht sie das Leben von Josey bedroht. Ein wahrer Alptraum beginnt für Clara.

Dieses Gefühlschaos, welches Clara während des gesamten Thrillers durchlebt, ist absolut authentisch und nachfühlbar umgesetzt. Die Story entwickelt sich immer mehr zu einer atemlosen Jagd und je mehr Details Clara erfährt, umso verwirrender wird für sie die ganze Situation und somit auch für den Leser. Man weiß absolut nicht, was sich hinter den Ereignissen verbirgt, ist genauso ratlos wie Clara und die ständigen Wendungen in der Story sorgen hier wirklich nicht für Klarheit. Aber genau diese Ungewissheit sorgt durchgängig für eine extreme Spannung. Ganz zum Schluss verbinden sich dann die vielen losen Fäden zur einer absolut schlüssigen Lösung.

Mika Bechtheim beschreibt ihre Charaktere detailreich und sehr lebendig, sodass sie fast augenblicklich Konturen annehmen, wobei es ihr aber auch hervorragend gelingt, durch kleine Bemerkungen oder Hinweise immer wieder einen zu verunsichern. So weiß man eigentlich, außer bei Clara, nie ganz genau, ob und was sie zu verbergen haben, inwieweit sie in den Fall involviert sind oder ob Clara ihnen vertrauen kann.

Clara selbst ist eine 45-jährige Reporterin und Bestsellerautorin, die nach der Trennung von ihrem Mann Kai ihre kleine Tochter alleine erzieht. Dies ist mit den üblichen Problemen behaftet, aber ihr gelingt der Spagat ziemlich gut. Fremde Hilfe mag sie eher weniger annehmen, ist sehr selbstständig, kann als ziemlich stur bezeichnet werden und sie ist eine Frau, die man sofort sehr sympathisch findet.

Ganz am Anfang und noch einmal zum Schluss verweist die Autorin darauf, dass Clara, die neben der Arbeit als Reporterin auch sehr erfolgreich Krimis schreibt, ihre Bücher unter dem Pseudonym Mika Bechtheim veröffentlicht. Auch sind in der Vita der Autorin wie auch bei der Protagonistin einige Übereinstimmungen festzustellen. Inwieweit das Buch somit authentische Züge hat, muss jeder Leser selbst entscheiden.

Fazit: Ein extrem spannender Thriller mit einer nicht minder fesselnden und komplexen Story, der einem schier den Atem beim Lesen raubt.