Leseempfehlungen

Montag, 22. November 2010

{Rezension} Blume des Satans von Erica Spindler

Übersetzer: Rainer Nolden
Taschenbuchausgabe: 480 Seiten
Genre: Amerikanischer Thriller
ISBN: 978-3-89941-808-8
Erscheinungsdatum: Dezember 2010 
Preis: 7,95 €



Hierbei handelt es sich um eine Neuauflage. 
Der Thriller ist bereits 2003 - ebenfalls im mira Taschenbuchverlag - erschienen.


Satanskult auf Key West?

Seit 4 Monaten ist die Pastorin Rachel Howard von der Paradise Christian Church spurlos verschwunden. Da ihre Schwester, die Sozialarbeiterin Liz Ames, sich hiermit nicht abfinden kann, siedelt sie nach Key West über, um sich auf die Suche nach ihrer Schwester zu machen. Kaum angekommen, findet sie im nahegelegenen Park die Leiche eines jungen Mädchens, offensichtlich ein Ritualmord. Schnell stellt sie eine Verbindung zwischen dem Mord und dem Verschwinden ihrer Schwester her, doch die Polizei schenkt ihren Vermutungen keinen Glauben. Einzig der Ex-Cop Rick Wells unterstützt sie bei ihrer verzweifelten Suche und schon bald muss Liz feststellen, dass sie in das Visier des Mörders geraten ist.

Im vorliegenden Buch nimmt sich Erica Spindler des Themas Satanskult an und verpackt dies gekonnt in einen spannenden Thriller, in dem geschickt die schwüle Novemberhitze und die träge, lockere Atmosphäre von Key West mit eingebunden ist. Schon der Prolog beginnt fesselnd, beschreibt er doch das Verschwinden der Pastorin. Rachel Howard, die durch ihr Priesteramt auch eng mit Jugendlichen zusammenarbeitet, scheint vor irgendwelchen Personen große Angst zu haben und sich verfolgt zu fühlen. Scheinbar ist sie einer Gruppe von Jugendlichen auf die Schliche gekommen, die ihre eigene Weltordnung haben, wer nicht mehr der „Familie“ angehören möchte, wird gnadenlos bedroht.

Schon kurz nach ihrer Ankunft hört auch Liz von dieser Gemeinschaft, die sich „Gehörnte Blume“ nennt und sie vermutet hier den Grund für das Verschwinden von Rachel. Die Indizien, welche sie im Lauf der Zeit sammelt, sind stellenweise so unglaublich, dass der zuständige Detective Val Lopez ihren „Hirngespinsten“ keinen Glauben schenkt. Und selbst Rick Wells, Barbesitzer, Ex-Cop und der beste Freund von Val Lopez bekommt immer mehr Zweifel, ob die Äußerungen der psychisch angeschlagenen Liz nicht ihrer Fantasie entsprungen sind.

Geschickt baut Erica Spindler ihren Thriller auf. So ist fast bis zum Schluss absolut nicht ersichtlich, wer sich hinter den Morden verbirgt. Diese weisen Ähnlichkeiten mit der Vorgehensweise eines Serientäters auf, doch dieser sitzt in der Todeszelle und wartet auf seine Hinrichtung. Gibt es hier einen Nachahmungstäter, hatte der Serienmörder gar einen Komplizen, oder aber ist dies alles purer Zufall und jemand ganz Anderes steckt hinter den Morden? Durch geschickt gelegte Wendungen gehen die Vermutungen beim Lesen in Bezug auf den oder die Täter ständig wieder in eine andere Richtung, was natürlich die Spannung erhöht. So hält sich diese auch konstant über den gesamten Thriller hinweg immer auf hohem Niveau. Und das im wahrsten Sinne des Wortes stürmische Ende, welches sich während eines Tropensturms abspielt, ist extrem fesselnd und atmosphärisch dicht umgesetzt.

Ihre Protagonistin Liz Ames ist eine Frau voller Probleme, was auch bei der Glaubwürdigkeit der Polizei ihr gegenüber immer wieder zum Hindernis wird. Und obwohl sie häufig von Angstattacken heimgesucht und ihr Geisteszustand ständig von Anderen in Frage gestellt wird, geht sie unbeirrt ihren Weg auf der Suche nach ihrer Schwester, wobei sie mittlerweile davon ausgeht, dass Rachel auch ein Opfer der Gruppierung geworden ist. Rick Wells findet auf Key West langsam wieder ins Leben zurück. Der charismatische Barkeeper hat den Polizeidienst vor einigen Jahren an den Nagel gehängt, als er kurz hintereinander seine Frau und seinen Sohn Sam verloren hat. Obwohl der Tod von Jill bereits 3 Jahre zurückliegt, trauert er immer noch um sie und findet erst durch Liz langsam wieder Interesse an einer Beziehung. So entwickelt sich zwischen den Beiden eine zarte Liebesbeziehung, die ja in keinen Erica-Spindler-Thriller fehlen darf, allerdings findet dies nur am Rande statt, der Fokus liegt eindeutig bei der Aufklärung um das Verschwinden von Rachel.

Auch die anderen Charaktere zeichnet die Autorin gewohnt facettenreich. Und immer wieder muss man überrascht feststellen, dass man die eine oder andere Figur doch falsch eingeschätzt hat und hier alles nicht so ist wie es den ersten Anschein hat.

Fazit: Wieder einmal ein bis zum Schluss spannender Thriller, der es versteht, mit einer komplexen Story immer wieder zu überraschen.

Freitag, 19. November 2010

{Rezension} Wintergeister von Kate Mosse

Übersetzer: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Genre: Historischer Roman
ISBN: 3426198908
Erscheinungsdatum: 02. November 2010
Preis: 18,00 €


„… Die anderen sind in die Dunkelheit entschwunden …“

Auf der Suche nach dem Antiquar Saurat reist der junge Frederick Watson im Jahr 1933 nach Toulouse. Frederick besitzt einen Brief, der in Okzitanisch verfasst ist und Saurat beherrscht diese alte Sprache noch. Doch bevor dieser mit der Übersetzung beginnt, erzählt Frederick ihm, wie er zu diesem alten Brief kam.

Fünf Jahre zuvor reiste Frederick durch Frankreich. Bei einem Schneesturm in den Pyrenäen verunglückt er mit seinem Austin und macht sich zu Fuß auf die Suche nach einem Unterschlupf. Hierbei trifft er auf das kleine Dorf Nulle. Sofort spürt er eine Traurigkeit, die über dem Dorf zu liegen scheint. Doch dieser Eindruck vergeht schnell wieder durch die herzliche Aufnahme in der Pension von Madame Galy. Diese lädt ihn zum abendlichen Fest ein, an dem das ganze Dorf teilnimmt. Als er dort ankommt, wundert er sich zwar über die mittelalterliche Atmosphäre, ist aber sofort von seiner Tischnachbarin Fabrissa fasziniert, sodass er dies nur nebenbei wahrnimmt. Plötzlich brechen Soldaten durch die Tür und Frederick gelingt zusammen mit Fabrissa die Flucht. In der Sicherheit der Wälder erzählt ihm Fabrissa anschließend eine traurige Geschichte: Die Geschichte ihres Lebens. Frederick ist verzaubert, doch als er am nächsten Morgen aufwacht, ist Fabrissa verschwunden und keiner im Dorf kann sich an sie erinnern.

Wie bereits in ihrem Roman „Das verlorene Labyrinth“ hat Kate Mosse auch in ihrem vorliegenden Buch wieder das Leben der Katharer thematisiert und verpackt deren Schicksal in eine wunderschöne Liebesgeschichte, die sie von ihrem Protagonisten selbst erzählen lässt.

Frederick ist ein 25-jähriger Engländer, der den Tod seinen älteren Bruders Georges nicht verwinden kann. Georges ist 1916 im 1. Weltkrieg gefallen, seine Leiche war auf dem Schlachtfeld nicht mehr auffindbar und hieran geht Frederick fast zugrunde. War doch George der einzige Bezugspunkt in seiner Familie, von dem er Liebe und Fürsorge erfahren konnte. Und nun hat er noch nicht einmal eine Möglichkeit, an seinem Grab zu trauern. Nach einem Sanatoriums-Aufenthalt begibt er sich 1928 auf eine Reise quer durch Frankreich, um sich über sein weiteres Leben Gedanken zu machen und um mit dem Tod von George endlich abschließen zu können. Auch wenn es für ihn die letzte Konsequenz, den Selbstmord, bedeuten würde.

Die Sprache von Kate Mosse verzaubert einen schon nach wenigen Seiten, so bildgewaltig, farbenfroh und poetisch ist sie, ohne jemals auch nur eine Spur kitschig zu werden. In diesem wunderbaren kleinen Buch erzählt die Autorin auf ruhige, leise Weise eine Geschichte über die Liebe, die keine Zeitgrenzen gibt, die einen berührt, traurig stimmt und die bei einem nach Beendigung lange Zeit noch nachhallt. Ebenso gelingt es ihr fast mühelos, einem das kleine Dörfchen Nulle mitten in den Pyrenäer Bergen vor Augen treten zu lassen, dem ein verwunschener Hauch anhaftet, bedingt ist dies nicht nur durch die winterliche Landschaft. Das ganze Dorf wirkt irgendwie vergessen, in der Zeit stehen geblieben, fast trist und doch sind seine Einwohner voller Herzenswärme.

Hier findet Frederick langsam wieder zu sich selbst zurück, lernt mit seinem Verlust zu leben und langsam wieder neuen Lebensmut zu schöpfen. Viel dazu bei trägt Madame Galy, denn bis dahin hatte Frederick nie so etwas wie mütterliche Fürsorge spüren dürfen. So ist auch dieses Gefühl der Geborgenheit für ihn etwas Neues und hilft ihm, aus seiner selbst auferlegten Isolation etwas herauszutreten. Aber die größte Veränderung löst Fabrissa in ihm aus. Durch sie erfährt er, wie selbstlos Liebe sein kann, durch sie schöpft er wieder neuen Mut, sie führt ihn quasi wieder zurück ins Leben. Dies führt dazu, dass Frederick sich auf die Suche nach ihr macht, um das Rätsel um Fabrissas Verschwindens zu lösen.

Einen einzigen „Fehler“ hat dieses wunderschöne Buch: Es ist eindeutig zu kurz. Kate Mosse hat mit „Wintergeister“ eine  absolut faszinierende und anrührende Geschichte geschaffen.

Donnerstag, 18. November 2010

{Rezension} Voyeur von Simon Beckett

Verlag: rororo-Verlag 
Übersetzer: Andree Hesse 
Taschenbuchausgabe: 384 Seiten
Genre: Englischer Krimi
ISBN: 3499249170
Erscheinungsdatum: 01. April 2010
Preis: 9,95 €


Die krankhafte Sicht der Dinge

Der Londoner Galerist Donald Ramsey hat eher wenig für Sex übrig, mehr kann er schon mit Erotik anfangen, dies allerdings aber auch nur in der Form von Gemälden und Kunstwerken. Bei seiner privaten kleinen, aber feinen Kunstsammlung kann er Stunden verbringen und sich an erotischer Malerei ergötzen. Frauen im wirklichen Leben interessieren ihn überhaupt nicht. Bis er seiner Assistentin Anna mehr durch Zufall heimlich beim Umziehen zusieht. Ab diesem Zeitpunkt ist Donald fixiert auf Anna und gerät schier in Panik als er erfährt, dass Anna mit ihrem Freund Marty in die USA übersiedeln will. Dies muss um jeden Preis verhindert werden. So engagiert er seinen gewissenlosen Bekannten Zeppo. Das Model soll Anna verführen, um so die Trennung von Marty herbeizuführen. Doch plötzlich scheinen die Ereignisse ein Eigenleben zu entwickeln.

Im Vorwort zu seinem Debütroman schreibt Simon Beckett, dass er hofft, trotz des üblen Charakters seines Protagonisten Donald diesen doch ein wenig liebenswürdig hat darstellen können. Dies ist ihm gelungen. Man kann zwar die Besessenheit von Donald in keiner Weise nachvollziehen, bei der er im wahrsten Sinne des Wortes sogar über Leichen geht, aber irgendwie ist er einem doch sympathisch.

Die Story entwickelt sind recht rasant und hält dieses Tempo auch fast bis zum Ende, hier allerdings knickt die Spannung ein und stellenweise schleppt sich die Story dann bis zum wenig überraschenden Ende nur dahin. Jedoch macht der damals schon flüssige Schreibstil von Simon Beckett dieses zum Teil wieder wett und ist zumindest bis zum Schluss immer noch recht unterhaltsam, zumal die Story absolut rund und schlüssig umgesetzt ist.

Was ihm wirklich gelungen ist, sind die Charaktere. Donald Ramsey zeichnet er als einen sehr introvertierten Mann mittleren Alters, dessen einziges Interesse in der erotischen Kunst liegt, dies ist der absolute Mittelpunkt seines Lebens. Bis, ja bis er Anna einmal beim Umziehen beobachtet. Ab da wendet sich seine Fixierung seiner Assistentin zu und er hat für nichts anderes mehr Interesse. Er neidet Marty seine Freundin und ist voller Missgunst und Eifersucht. Es zählt nur noch seine Besessenheit zu Anna und wie er zum Ziel seiner Wünsche gelangen kann, sonst nichts.

Um dieses Ziel zu erreichen, engagiert er den skrupellosen Lebemann Zeppo. Dieser ist ein gut aussehender, sehr von sich eingenommenes Model, der Frauen nur als Belustigung für sich selbst sieht, sehr phlegmatisch  und zu echten Gefühlen nicht fähig ist. Zwar stößt seine schnoddrige, rüde Sprache gelegentlich beim Lesen etwas auf, doch stellt es so auch  sehr gut den Kontrast zwischen dem kultivierten Donald und ihm dar.

Fazit: Alles in allem ist der Roman etwas besser als „Flammenbrut“ oder „Obsession“. Für echte David Hunter Fans jedoch nicht zu empfehlen.

Mittwoch, 17. November 2010

{Rezension} Morbus Dei: Die Ankunft von Matthias Bauer und Bastian Zach

Verlag: Haymon Verlag
Taschenbuchausgabe: 296 Seiten
Genre: Historischer Roman
ISBN: 3852188466
Erscheinungsdatum: 16. Juli 2010
Preis: 9,95 €



„… Sie leben im Verborgenen …“

Kurz vor Weihnachten 1703: Ein Schneesturm tobt in den Bergen von Tyrol, als der schwer verwundete Deserteur Johann List mit letzter Kraft in einem Tal ein kleines Dorf entdeckt. Mehr tot als lebendig schleppt er sich dorthin und wird von Elisabeth und ihrem Großvater aufgenommen und gesund gepflegt. Wieder genesen, zahlt er bei Elisabeths Vater seine Schuld mit Arbeitskraft ab. Schon bald stellt er fest, dass in dem Bergdorf irgendetwas nicht stimmt. Die Dorfbewohner verhalten sich seltsam, blicken immer wieder angsterfüllt Richtung Waldrand und sprechen hinter vorgehaltener Hand ständig von „den Anderen“. Johanns Neugier ist geweckt, doch gegen die Verschlossenheit der Dorfbewohner kommt er anfangs nicht an, bis er eines Tages den Pfarrer des Dorfes folgt und eine mysteriöse Entdeckung macht.

Der Debütroman des Autorenduos Bauer/Zach ist schwer in ein Genre einzuordnen. Zum einen ist er natürlich ein historischer Roman, zum anderen beinhaltet er aber auch eindeutig gruselige, mystische  Aspekte und der Thrillerfaktor ist auch nicht zu unterschätzen. Gleich schon zu Anfang gelingt es ihnen hervorragend, eine dichte Atmosphäre aufzubauen. Dies geschieht u.a. durch die Erwähnung ortstypischer Begrifflichkeiten, ihre Sprache nicht zu modern klingen zu lassen und durch Einbindung geschichtlicher Geschehnisse. Hinzu kommt natürlich noch, dass die Menschen zur damaligen Zeit sehr gläubig waren und dies lässt das Autorenduo ebenfalls sehr gut in die Story mit einfließen, umso authentischer wirkt sie hierdurch.

Anfangs beschreiben Bauer/Zach einem erst einmal ein wenig das Dorfleben und dessen Bewohner. So lernt man den Großbauern Jakob Karrer kennen, dem Vater von Elisabeth. Ihm muss Johann seine Schuld abbezahlen und er leidet nicht als Einziger unter diesem herrischen, tyrannischen und hartherzigen Mann. Selbst der Bürgermeister ordnet sich seiner Meinung unter. Man ist aber auch bei einem Fest dabei, wie auch bei den ganz normalen alltäglichen Beschäftigungen der Menschen zur damaligen Zeit. Gleichzeitig spürt man zu jeder Zeit, dass eine nicht zu greifende Furcht auf dem Dorf liegt, welche die Dorfbewohner regelrecht lähmt.  

Nach und nach erfährt Johann und somit auch der Leser immer mehr über „die Anderen“ und dies hat schon wirklich einen sehr guten Gruselfaktor. Hier gelingt es dem Autorenduo sogar noch, die bis dahin  schon düstere, beängstigende Stimmung  weiter auszubauen, während sie auf die Urängste der Bergbewohner eingehen. Denn so ganz unschuldig sind die Dorfbewohner an der Situation nicht, deren Ursprung weit in der Vergangenheit des Dorfes zu finden ist.

Anfangs ist die Spannung eher latent vorhanden, man spürt die Ängste der Dorfbewohner, kann sie aber nicht so recht zuordnen, weiß nichts über die Bedrohung, deren sie sich ausgesetzt fühlen. Erst so nach und nach wird die Spannung regelrecht greifbar und steigert sich bis zum Ende dann wirklich massiv. Der Schluss der Geschichte ist nur bedingt  vorhersehbar und logisch umgesetzt und ganz zum Ende eröffnet sie noch einen Faktor, der die Story perfekt abrundet.

Die Charaktere sind sauber herausgearbeitet, allerdings kann man schon recht früh die Dorfbewohner in Gut und Böse einordnen. So gibt es den Despoten Karrer, dessen Verhalten zu jeder Zeit vorhersehbar ist, die liebenswürdige, schöne Elisabeth, die kesse Sophie und den treuen Albin. Einzig der Charakter des Pfarrers ist undurchsichtig, seine Absichten nicht vorhersehbar und sein Verhalten wirft viele Fragen auf, die aber zum Schluss dann logisch gelöst werden. Und auch Johann ist klar gezeichnet. Der Soldat, der die Gräueltaten des Krieges nicht mehr ertragen kann und desertiert ist, verliebt sich fast augenblicklich in Elisabeth. Da er aber den Zorn vor Karrer gegenüber Elisabeth fürchtet, hält er seine Gefühle anfangs zurück.

Fazit: Ein Historienroman der etwas anderen Art: spannend, mystisch,  fesselnd und absolut passend für die dunkle Jahreszeit.

{SuB-Zuwachs} Spannender und mystischer Buchzuwachs

Heute hat es mal wieder richtig Spaß gemacht, in den Briefkasten zu schauen. Lagen doch gleich zwei neue Rezensionsexemplare darin.

Zum einen hat mir der Mira Taschenbuch Verlag 

 
"Blume des Satans" von Erica Spindler 

geschickt. Da ich bereits einige Bücher der Autorin gelesen habe, bin ich natürlich schon mächtig gespannt auf den Thriller.

Hier die Inhaltsangabe:

"Paradise Christian Church" - so heißt die Kirche, in der die Pfarrerin Rachel Howard sich besonders engagiert um Jugendliche kümmert. Aber dann verschwindet sie spurlos.

Zusammen mit dem Ex-Cop Rick Wells, der auf Key West eine Bar betreibt, versucht Liz etwas über den Verbleib ihrer Schwester herauszufinden. Vergeblich. Stattdessen entdecken sie Entsetzliches: Der düstere Satanskult "Gehörnte Blume" begeht offensichtlich Ritualmorde an Jugendlichen ...



Und dann kam vom Droemer Knaur Verlag 

 
"Wintergeister" von Kate Mosse. 

Hierauf freue ich mich ganz besonders und werde es auch gleich als nächstes lesen, denn von Kate Mosse habe ich bereits "Das verlorene Labyrinth" und "Die Achte Karte" gelesen und fand Beide richtig klasse.

Und darum gehts in Wintergeister:

1933 reist der junge Frederick Watson ins französische Toulouse. Dort sucht er einen Antiquar auf, der die alte Sprache des Südens beherrscht: Okzitanisch. Denn in Fredericks Besitz befindet sich ein alter, geradezu antiker Brief, der in Okzitanisch verfasst ist. Seit fünf Jahren trägt Frederick diesen Brief mit sich herum, seit er in einem kleinen Dorf die geheimnisvolle Fabrissa kennengelernt hatte. Vom ersten Augenblick an schien zwischen ihnen etwas Besonderes zu sein - doch dann war sie plötzlich verschwunden. Niemand konnte sich an Fabrissa erinnern, und bei der Suche nach ihr war Frederick nur auf diesen uralten Brief gestoßen, der eindeutig für ihn bestimmt war ...


Ein ganz dickes Dankeschön an die beiden Verlage für die Bereitstellung der Leseexemplare. Meine Rezensionen folgen natürlich dann wieder gleich nach Beendigung des jeweiligen Buches.


Liebe Grüße
Isabel

Dienstag, 16. November 2010

{Rezension} Totengrund von Tess Gerritsen

Verlag: Limes Verlag
Übersetzer: Andreas Jäger
Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Genre: Amerikanischer Thriller
ISBN: 3809025763
Erscheinungsdatum: 06. November 2010
Preis: 19,99 €


Ein Dorf und seine dunklen Geheimnisse

Dr. Maura Isle reist zur einer Tagung ins tief verschneite Wyoming. Dort trifft sie auf ihren ehemaligen Studienkollegen Doug, der sie zu einem Skiabenteuer in Wyomings Berge überredet. Zusammen mit Dougs Tochter Grace und den Freunden Arlo und Elaine machen sie sich alle nach der Tagung auf den Weg. Doch die Fünf geraten in einen Schneesturm, verunglücken mit dem Auto und müssen sich nun zu Fuß einen Unterschlupf suchen, um den Schneesturm zu überleben. Hierbei landen sie in einem Tal, in dem mehrere Holzhäuser stehen, alle verlassen. Während sich Doug am nächsten Tag auf den Weg macht, um Hilfe zu holen, müssen Maura, Grace und Elaine feststellen, dass sie in dem Tal nicht allein sind.

Tess Gerritsen geht mit ihrem 8. Fall von Rizzoli/Isle dieses Mal einen neuen Weg und lässt ihre Protagonisten nicht in Boston, sondern in den Bergen von Wyoming ermitteln. Und dieser Ausflug ist ihr mehr als gelungen.

Eigentlich muss man die Geschichte zweigeteilt sehen. Anfangs entwickelt sich die Story zu einem regelrechten Horrorthriller. Die Autorin baut eine beklemmend, düstere, fast schon gruselige Spannung auf, die absolut überzeugt und atmosphärisch sehr dicht umgesetzt ist. Dieser Teil behandelt den Unfall der fünf Abenteurer, ihren Weg durch die Wildnis von Wyoming und ihre Entdeckung dieses merkwürdigen Dorfes, das absolut menschenleer ist. Und hier setzt der Horror ein. Ständig hat man das Gefühl, dass gleich jemand aus den Wäldern vorpirscht und sich auf die fünf Bekannten stürzt und Tess Gerritsen unterstützt geschickt dieses Gefühl. Merkwürdige Spuren werden im Dorf gefunden, blutige Schleifspuren in einem Haus, erfrorene Haustiere und alle Häuser sehen so aus, als wenn ihre Besitzer völlig überraschend und überstürzt die Siedlung verlassen haben. Ständig stellt man sich die Frage, was mit den Siedlern geschehen ist.

Man weiß bereits durch den Prolog, dass die Geschichte das Thema „Sekten“ behandelt und man weiß auch, dass die Siedler einer Sekte angehört haben, doch was ist mit ihnen passiert? Dies löst sich schlüssig  im zweiten Teil des Thrillers. Denn genau das wird er ab da. Ein Thriller, der ein extremes Tempo an den Tag legt und eine hohe Spannung erzeugt. Ab diesem Zeitpunkt liegt der Fokus auch nicht mehr allein bei Maura, sondern bezieht auch Jane mehr mit ein. Denn Jane reist zusammen mit ihrem Mann Gabriel und dem Priester Daniel nach Wyoming, um sich auf die Suche nach Maura zu begeben. Sie stoßen auf viele Ungereimtheiten und müssen sich mit viel Engstirnigkeit und Vorurteilen auseinandersetzen. Doch ungeachtet dessen, geben Jane und Gabriel die Suche nach Maura nicht auf.

Ein wenig erfährt man auch wieder über das Privatleben von Jane wie auch von Maura. Letztgenannte leidet in der Beziehung mit Daniel, der sich immer noch nicht zwischen ihr und seinem Priesteramt entscheiden kann. Dies zermürbt die Beiden immer mehr und dies ist auch mit der Grund, warum Maura, entgegen ihrer Art, auch spontan dem Vorschlag von Doug zustimmt. Jane dagegen ist glücklich mit Gabriel und muss sich nur mit ihrer renitenten, kleinen Tochter Regina auseinandersetzen. Alle anderen Figuren hat Tess Gerritsen ebenfalls wieder detailreich herausgearbeitet und ihr gelingt es hervorragend, einigen von ihnen einen äußerst undurchsichtigen Charakter zu verleihen, was die beklemmende, rätselhafte Stimmung der Story noch unterstützt.

Fazit: Alles in allem ein extrem spannender Thriller, der wunderbar in die winterliche Stimmung passt und einen von der ersten Seite fesselt.

Montag, 15. November 2010

{Rezension} 3096 Tage von Natascha Kampusch

Verlag: List Verlag
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Genre: Biografie 
ISBN: 3471350403
Erscheinungsdatum: 08. September 2010
Preis: 19,95 €



Ich bin frei!

Dies ist der letzte Satz der Biografie von Natascha Kampusch. Und ich hatte den Eindruck, dass sie dies nun wirklich so empfindet. Frei von ihrem Peiniger und auch frei von dem ganzen Medienrummel. Frei von dem Interesse der Menschen an ihr, aber auch von dem Neid und stellenweise sogar Hass, der ihr nach ihrer Freilassung entgegenschlug. Auch wenn sie offensichtlich einen Ghostwriter hatte, der ihr bei dem Buch geholfen bzw. dies geschrieben hat, wirken ihre Aussagen sehr authentisch.

Wie wahrscheinlich fast jeder habe auch ich damals die Befreiung von Natascha Kampusch verfolgt. Auch für mich war das Martyrium, welchem die junge Frau ausgesetzt war, unvorstellbar und ich habe sie damals auch bewundert für ihren Mut, bereits nach so kurzer Zeit sich den Medien zu stellen und ihre Erlebnisse zu erzählen. Was ich dann nicht mehr so nachvollziehen konnte, war der Hype, den ihre Selbstbefreiung ausgelöst hat. Ihre Erlebnisse wurden von der Presse und den Medien dermaßen extrem hochgeschaukelt und immer mehr angebliche Details ans Licht gezerrt, dass ich mich nur noch kopfschüttelnd dem Ganzen abgewandt habe und mir gedacht und gewünscht habe, lasst diese mutige, junge Frau doch bitte endlich mal in Ruhe und sich wieder in ihrem Leben zurecht finden.

Denn dass sie mutig und stark ist, hat sie in den 3096 Tagen ihrer Gefangenschaft bewiesen. Ausgerechnet am ersten Tag, den sie alleine zur Schule gehen darf, wird sie von ihrem Peiniger entführt. Anfangs geht er noch teilweise auf ihre Wünsche ein, stellt ihr Bücher und Videos zur Verfügung, renoviert ihr Verlies. Doch er weiß auch ganz genau, wie wichtig Natascha diese Bücher und Filme sind und so entzieht er ihr auch oft genug – aus purer Willkür heraus – diese Dinge. Später, als Natascha bereits eine Jugendliche ist, wird Priklopil ihr gegenüber gewalttätig und dies extrem massiv. Stellenweise sind in der Biografie Tagebucheindrücke wiedergegeben, die nüchtern diese Misshandlungen aufzählen. Gerade diese Nüchternheit zeigt einen die ganze Grausamkeit.  Neben den Misshandlungen lässt der Täter seine Gefangene hungern. Auch wieder scheinbar willkürlich entzieht er ihr immer wieder das Essen bis Natascha kurz vor dem Hungertod steht.

Wahrscheinlich haben sich auch viele Menschen gefragt, warum Natascha nicht geflohen ist, schließlich hatte sie ja zum Schluss genug Möglichkeiten. Der Täter ist mir ihr sogar in den Baumarkt gefahren und zum Skifahren. Um dies richtig verstehen zu können, muss man die ganze Geschichte ihrer Gefangenschaft lesen, wie es Priklopil nach und nach gelungen ist, für Natascha zur Bezugsperson zu werden, ihr Angst vor der Welt draußen zu machen und auch eine Schlüsselszene während des Skifahrens war für Natascha ganz entscheidend, nicht an den Erfolg ihrer Flucht zu glauben. Das sie es dann doch gewagt hat: Bewundernswert!

Was mir an dem Buch ausgesprochen gut gefallen hat, ist, dass Natascha Kampusch zu keiner Zeit auf die Tränendrüse drückt. Sie will mit diesem Buch kein Mitleid, sie will einfach nur ihre Geschichte erzählen, wie sie wirklich war und nicht so, wie stellenweise die Medien sie geschaffen haben und sie zeigt auch die Fehler der Polizei bei den Ermittlungen auf. Wenn man bedenkt, dass die Polizei nach etwa 6 Wochen einen mehr als eindeutigen Hinweis auf Priklopil erhalten hatte und diesem nicht nachgegangen ist. Wäre dem nicht so gewesen, hätte Natascha Kampusch möglicherweise ihr grausames Schicksal erspart bleiben können.

Sonntag, 14. November 2010

{Rezension} Der Professor von John Katzenbach

Übersetzer: Anke und Eberhard Kreutzer
Gebundene Ausgabe: 555 Seiten
Genre: Amerikanischer Psychothriller
ISBN: 342619824X
Erscheinungsdatum: 28. Oktober 2010
Preis: 19,99 €



Adrian und seine Toten

Professor Adrian Thomas traut dem nicht, was er gesehen hat. Vor seinen Augen wird in einer kleinen Universitätsstadt in Neuengland ein junges Mädchen in einen weißen Lieferwagen gezerrt. Doch hat er dies wirklich gesehen oder entspringt dies seiner Fantasie? Denn Adrian leidet unter einer schnell fortschreitenden Form von Demenz, die oft auch Fantasievorstellungen auslöst. Als er jedoch an der vermeintlichen Entführungsstelle ein rosa Basecap mit dem Namen Jennifer findet, ist er von der Entführung überzeugt. Augenblicklich erscheinen ihm in seiner Fantasiewelt seine verstorbenen Toten: seine Frau Cassie, sein Bruder Brian und sein Sohn Tommy. Alle Drei unterstützen ihn abwechselnd bei der Suche, die sich für ihn immer schwieriger gestaltet, da seine Krankheit unweigerlich immer mehr von ihm Besitz ergreift und die mit dem Fall betraute Polizistin Terri diesem etwas verwunderlich auftretenden Mann nicht so recht glauben mag.

Zwar überzeugen Terri die Äußerungen des alten Professors schon nach einiger Zeit, denn alle Spuren auf der Suche nach Jennifer verlaufen im Sande und was anfangs wie ein weiterer Ausreißversuch der Jugendlichen aussah, entpuppt sich nach und nach doch zu dem Entführungsfall, den Adrian ihr beschrieben hat. Doch ihr fällt es schwer, das seltsame Verhalten des Professors einzuschätzen und sein psychologisches Wissen richtig für den Fall einzusetzen. So macht sich Adrian allein auf die Suche nach Jennifer, deren Spur er in den Tiefen des Internets vermutet.

Und er liegt mit seiner Vermutung richtig, denn Jennifer ist dem Pärchen Linda und Michael in die Hände gefallen, die auf ihrer Internetseite whatcomesnext.com die perfiden Wünsche ihrer Kunden befriedigen. Immer wieder denken sie sich neue seelische und auch körperliche Grausamkeiten für Jennifer aus, um ihre Kundschaft bei Laune zu halten und natürlich auch, um sie zum Zahlen zu animieren.

Von Anfang an wechselt John Katzenbach ständig die Erzählstränge und so lernt man nach und nach seine einzelnen Hauptakteure kennen. Im Vordergrund stehen zum einen der pensionierte Professor Adrian Thomas und die Jugendliche Jennifer. Adrian muss sich nach einem Arztbesuch seinen schlimmsten Befürchtungen stellen, dass er an Demenz leidet. Für ihn ist die Vorstellung, schon in kurzer Zeit nur noch dahin zu vegetieren, unvorstellbar und so hat er nur noch ein Ziel: seinem Leben ein Ende zu setzen mit seinem Freund Mr. Ruger. Dann kommt ihm jedoch die Entführung von Jennifer dazwischen. In seiner Fantasiewelt unterstützen ihn Tommy, Cassie und Brian, nicht in die Welt des Vergessens abzutauchen und durch die "Besuche" der Toten erfährt man nach und nach auch ein wenig mehr über das Leben von Adrian kennen. Diese Dialoge mit den Toten sind stellenweise sehr anrührend und gefühlvoll beschrieben und absolut glaubwürdig wiedergegeben. Zwar hat dieses Abdriften in die Geisterwelt zum Teil auch stellenweise nichts mit der Story an sich zu tun, passen meiner Meinung nach aber hervorragend in die Geschichte und zu Adrian und sind nie langatmig.

Zum anderen ist man immer eng an dem Geschehen rund um Jennifer in ihrem Verlies dabei. John Katzenbach beschreibt die 16-jährige als eine durch und durch mutige, intelligente Jugendliche, der es gelingt, eine gewisse Distanz zwischen ihrem eigentlichen Ich und den Geschehnissen um sich herum zu schaffen. Einzig durch diese Trennung zwischen Nr. 4, wie die Entführer sie bezeichnen und ihrem eigenen Ich gelingt es ihr, das Martyrium durchzuhalten. Allerdings ist man sich während dieser Szenen nie sicher, wie lange Jennifer dies noch gelingt. Der Autor beschreibt diesen Erzählstrang sehr ergreifend, einfühlsam, beklemmend und absolut nachvollziehbar.

Und auch wenn man von Anfang an die Entführer kennt und über das Schicksal von Jennifer ständig informiert ist, gelingt es John Katzenbach eine Spannung aufzubauen, die sich über den gesamten Psychothriller problemlos hält. Möglich ist dies einmal durch die ständig wechselnden Handlungsstränge, so ist man immer über die Ermittlungen der Polizistin Terri informiert, erhält einen kleinen Einblick in die kranke Welt der Kunden von whatcomesnext.com wie auch in die Gedankenwelt des überaus cleveren, gefühlskalten und intelligenten Entführerpaares.

Zum Anderen treibt einen die Neugier um Adrian und Jennifer an. Wird Adrian bis zum Schluss durchhalten und Jennifer finden oder besiegt ihn die Krankheit doch vorher noch? Wie kommt er der Entführten auf die Spur und wird Jennifer durchhalten oder wird sie der Folter unterliegen oder aber wird das Entführerpaar und deren Kundschaft ihrer vorher überdrüssig und sie wird ermordet? Geschickt spielt John Katzenbach hier ständig mit der Fantasie seiner Lesern, überrascht immer wieder durch unvorhersehbare Wendungen und wenn man sich auch denken kann, wie der Thriller ausgehen könnte, ist man sich dessen nie ganz sicher.

Somit ist dem Autor wirklich ein Psychothriller der Spitzenklasse gelungen, was dadurch noch verstärkt wird, dass alle Charaktere hervorragend herausgearbeitet sind und die Story bis auf ein paar kleine logische Ungereimtheiten, absolut schlüssig umgesetzt ist.

Fazit: Ein Psychothriller der Spitzenklasse, der ohne aufwendige und reißerische Szenen daherkommt und eine eher unterschwellige, dafür aber extreme Spannung aufbaut und diese bis zum Schluss hält.

Mittwoch, 10. November 2010

{Rezension} Nadelstiche von Baden/Kenny

Übersetzer: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
Taschenbuchausgabe: 368 Seiten
Genre: Amerikanischer Thriller
ISBN: 389667286X 
Erscheinungsdatum: 12. April 2010
Preis: 14,95 €

Mysteriöse Vorfälle in New York

In New York werden scheinbar wahllos Menschen vor ihrer Haustür überfallen, betäubt und etwas Blut entnommen. Der Pathologe Jake Rosen beschäftigt sich schon seit einiger Zeit mit diesen mysteriösen Fällen als der erste Mord geschieht. Handelt es sich hierbei nun um einen unbeabsichtigten Fehler des Vampirs, so wird der Täter schnell von der Presse betitelt, oder war dies ein beabsichtigter Mord? Zur gleichen Zeit ist Manny Manfreda in ihrem Element. Ist doch ein Jugendlicher unter Terrorverdacht verhaftet worden. Manny ist der festen Überzeugung, dass Travis nur zur falschen Zeit am falschen Ort war. Während Jakes Bruder Sam die Anwältin bei ihren Nachforschungen unterstützt, verschwindet Travis spurlos.

Locker, flockig und immer mit einer Spur Humor erzählt das Autorenpaar Michael Baden und Linda Kenney ihren neuesten Thriller. Was  anfangs wie zwei getrennt zu sehende Fälle aussieht, entwickelt sich mit der Zeit zu einem äußerst komplexen Fall, dessen Motiv in der Vergangenheit zu finden ist. Die Auflösung wie auch der Weg dahin ist durchweg schlüssig und sehr spannend umgesetzt bis zum überraschenden und absolut fesselnden Ende. So versteht es das Autorenpaar wieder wunderbar, ihre Leser zum einen mit einer spannenden Story zu fesseln und gleichzeitig mit ihrer humoristischen Ader zu unterhalten.

Man merkt während des Lesens, dass Baden / Kenney sehr genau wissen, worüber sie schreiben, da sie selbst Pathologe bzw. Anwältin sind. Allerdings neigen sie zu keiner Zeit dazu, hier zu viel ihres Fachwissens an ihre Leser weiterzugeben, sondern die Dosierung ist genau richtig und jederzeit verständlich. Und wenn Jake dann doch mal ein wenig mit der Fachsimpelei anfängt, versteht es Manny auf ihre direkte Art, ihn zu stoppen und Klartext reden zu lassen.

Wie bereits im ersten Teil „Skalpell No. 5“ sind auch dieses Mal Jakes Bruder Sam wie auch Mannys Assistent und Drag Queen Kenneth vertreten. Und natürlich darf ihr kleiner Pudel wieder nicht fehlen, der dieses Mal eine entscheidende Rolle in der Geschichte spielen darf.

Die Beziehung von Manny und Jake knüpft an den Vorgänger-Thriller an und so ist es nicht verkehrt, erst diesen zu lesen, allerdings ist das für die Geschichte an sich nicht unbedingt notwendig. So ist Manny nach wie vor äußerst engagiert, wenn es um ihre Klienten geht, hat immer noch einen absoluten Modefimmel, den sie gerne mit ihrem Assistenten Kenneth auslebt und ist sich ansonsten immer noch nicht so ganz sicher, wie sie jetzt ihr Verhältnis zu dem älteren Jake angehen soll. Jake liebt Manny wie auch seinen Job und obwohl äußerst gewissenhaft, geht er bei dem Vampir-Fall auch mal etwas unkonventionelle Wege, um der Lösung des Falls näher zu kommen. Sein Modebewusstsein ist immer noch in den 80er Jahren stehen geblieben, was Manny des Öfteren schier verzweifeln lässt. Und auch mit der Ordnung hat Jake es nicht unbedingt so und sein Haus gleicht stellenweise einer Messi-Bleibe, was von seinem Bruder Sam, der kurzfristig bei ihm eingezogen ist, nur zu gerne unterstützt wird.

Der Charakter des Jugendlichen Travis ist ebenfalls  gut herausgearbeitet und so undurchsichtig angelegt, dass man sich bis zum Schluss nicht sicher sein kann, ob Manny hier etwas zu idealistisch an die Sache herangeht oder ob er doch mit den Beschuldigungen der Polizei in Verbindung zu bringen ist. Und auch die weiteren Figuren wirken durchweg überzeugend, sind nicht in eine bestimmte Schublade zu stecken und somit ist die Identität des Täters sehr lange unklar.

Fazit: Eine gelungene Mischung aus spannendem und unterhaltsamem Thriller mit einer komplexen Story und zwei äußerst sympathischen Protagonisten.

Dienstag, 9. November 2010

{Rezension} Das Wesen von Arno Strobel

Taschenbuchausgabe: 368 Seiten
Genre: Deutscher Thriller
ISBN: 3596186323
Erscheinungsdatum: 11. November 2010
Preis: 8,95 €



„… Sie müssen das Wesen erkennen …“

1994 wird die kleine Juliane Kröger ermordet.  Für den jungen Kommissar Alex Seifert ist dies sein erster Mordfall und so nimmt er sich auch den Tipp von seinem erfahrenen Partner Bernd Menkhoff zu Herzen, solche Morde nicht zu nah an sich heranzulassen. Schnell ist bei dem Fall ein Verdächtiger ausgemacht: Der Psychiater Dr. Joachim Lichner. Und bald schon ist die Indizienlast so groß, dass er kurz darauf wegen Mordes an Juliane für 13 Jahre hinter Gitter wandert. Im Jahr 2009 arbeiten Alex und Bernd immer noch zusammen bei der Aachener Polizei als Bernd Menkhoff über eine Kindesentführung informiert wird.  Als sie zur angegebenen Adresse fahren, trauen Alex und Bernd ihren Augen nicht. Vor der Tür steht Joachim Lichner, mittlerweile seit 2 Jahren auf Bewährung entlassen. Alles spricht dafür, dass Lichner seine kleine Tochter hat verschwinden lassen, doch auch dieses Mal beteuert er  vehement seine Unschuld.

Arno Strobel legt bei seinem Psychothriller ein hohes Tempo an, welches sich mühelos über das ganze Buch hinweg hält. Ständig wechselt er kapitelweise zwischen den Storys. So erzählt er zum einen den Mordfall von 1994 nach, gleichzeitig aber auch die Ermittlungen im aktuellen Fall der Kindesentführung. So wird der Leser nach und nach über den damaligen Mord und der anschließenden Verhaftung und vor allem auch über die  Gründe, die zur Verhaftung von Dr. Lichner geführt haben, informiert. Hierdurch versteht man langsam auch den Hass und die Besessenheit von Bernd Menkhoff, den dieser gegenüber Dr. Lichner hegt und warum er ihn unbedingt wieder hinter Gitter sehen möchte. Ab etwa der Mitte des Thrillers ist man auf demselben Wissenstand in Bezug auf den Mordfall, sodass die Geschichte dann nur noch ausschließlich in der Gegenwart spielt.

Geschickt gelingt es dem Autor, die Spannung wie auch die Neugier des Lesers auf einem extrem hohen Niveau zu halten. So lässt er seine Protagonisten beispielsweise mehrmals neue Ermittlungsansätze finden, erzählt diese aber dem Leser  erst einige Seiten später. Zusätzlich hat man ständig das Gefühl, dass das Offensichtliche eigentlich gar nicht so sein kann und hinter dem Verhalten der einzelnen Akteure etwas ganz anderes steckt. Hierdurch ist man ständig am Grübeln in Bezug auf das Verhalten von Menkhoff wie auch von Dr. Lichner und auch die Lebensgefährtin des Psychiaters ist ein sehr undurchschaubarer Charakter, der mehr Fragen als Antworten aufwirft. So sind die Figuren von Arno Strobel wieder hervorragend vielschichtig und vor allem sehr undurchsichtig gezeichnet.

Die Geschichte wird aus Sicht von Alex Seifert erzählt und dadurch ist man sehr nah bei den Ermittlungen mit dabei und kann auch dessen Zweifel und Bedenken gegenüber dem Verhalten von Menkhoff  gut nachvollziehen. Alex‘ Partner kann nur als besessen bezeichnet werden und dieses Gebaren beschreibt der Autor absolut nachvollziehbar und verständlich. Somit obliegt es Alex, in diesem Fall einen kühlen Kopf zu behalten und sich emotional nicht zu stark bei den Ermittlungen mit einbinden zu lassen. Denn alles deutet daraufhin, dass zumindest Menkhoff scheinbar seine Objektivität verloren hat.

Fazit: Ein komplexer und absolut undurchsichtiger Psychothriller, dessen Spannung sich mühelos bis zum fulminanten Ende hält.

Montag, 8. November 2010

{Rezension} Schwestern der Angst von Lydia Mischkulnig

Verlag: Haymon Verlag
Gebundene Ausgabe: 248 Seiten
Genre: Roman
ISBN: 3852186420
Erscheinungsdatum: 29. Juli 2010
Preis: 17,90 €


„… Die Farbe der Liebe ist rot …“



Die Halbschwestern Renate und Marie sind als Kinder unzertrennlich. Durch den frühen Tod der Mutter übernimmt Renate bei Marie die Mutterrolle, doch je älter Marie wird, umso mehr rebelliert sie gegen das einnehmende Wesen von Renate. Diese kommt mit diesem Kontrollverlust immer weniger zurecht. Als Marie sich auch noch in Paul verliebt und diesen heiraten möchte, eskaliert die Situation, denn auch Renate ist in Paul verliebt.

Lydia Mischkulnig zeichnet hier ein Bild einer durch und durch gestörten Seele. Bedingt durch die Misshandlungen in ihrer Kindheit von seiten ihres Großvaters und den frühen Verlust der Mutter, ist die Vorstellung von Liebe und Vertrauen bei Renate verzerrt. Je älter Marie wird und sich immer mehr von Renate loslöst, umso mehr versinkt diese in der Stalker-Rolle. Renate ist nur noch auf Marie fixiert, alles andere – besonders ihr eigenes Leben und ihre Gesundheit – sind absolute Nebensache. So vergisst sie oft zu Essen und Trinken, magert immer mehr ab bis zum Zusammenbruch. Wahrheit und Fiktion vermischen bei Renate immer mehr, sie steigert sich regelrecht in eine für sie akzeptable Scheinwelt hinein. Als sie dann auch noch erfährt, dass ihre Schwester Paul heiraten wird, eskaliert die Situation.

Mithilfe der Erinnerungen von Renate erzählt einem die Autorin nach und nach die Geschichte der beiden Schwestern. So erlebt man die ersten Kindheitsjahre von Renate, die so traumatisch für sie waren, dass sie ihr weiteres Leben bestimmen werden. Man erfährt von ihrer bedingungslosen Liebe zu Marie und auch ihren Schmerz, als Marie sich immer mehr zu einem egozentrischen, eifersüchtigen jungen Mädchen entwickelt. Und auch von ihren Gefühlen gegenüber Paul wird man ausführlich und eindringlich ins Bild gesetzt. Und da all dies in der Ich-Form geschrieben ist, wirkt die Geschichte umso ergreifender.

In einer sehr bildgewaltigen Sprache, die aus einem schier unerschöpflichen Wortschatz zu schöpfen scheint, vermittelt die Autorin einem gekonnt die Geschichte der beiden Schwestern.  So gelingt es ihr hervorragend, einem das gestörte Verhalten von Renate näher zu bringen. Zwar ist dieses Gefühlsleben für einen als Leser absolut nicht nachvollziehbar, dennoch gelingt es der Autorin, das man ein gewisses Maß von Mitgefühl für die Protagonistin entwickelt und von ihrer Geschichte gefesselt ist.

Anfangs ist die Story mehr noch ein sehr emotional und bewegend geschriebener Roman, der sich im Laufe immer mehr zu einem Psychothriller ausweitet, bis es schlussendlich zum unvermeidbaren Finale kommt.

Mit diesem kleinen Buch hält man einen anspruchsvollen und erschütternden Roman in Händen, der einen auch nach Beendigung der Geschichte beschäftigen wird.

Samstag, 6. November 2010

{Award} Mein zweiter Blog-Award !!!

Da schaue ich diese Woche nichtsahnend in meinem Postfach nach und was finde ich: Eine Mail von Sabine mit der Info, dass sie mir den "One lovely Blog Award" verliehen hat. Meine Begeisterung und auch Freude war natürlich entsprechend groß, da es ja eine tolle Bestätigung ist, mit meinem Blog auf dem richtigen Weg zu sein.
Also noch einmal ein ganz dickes DANKESCHÖN an Sabine mit ihrem Blog buechersuechtig 
Der Award bzw. die Verleihung beinhaltet allerdings auch ein paar Regeln, die ich natürlich gerne erfülle:
  1. Aktzeptiere den Award, indem Du den Namen/Blog auf Deinem Blog postest, von dem Du ihn bekommen hast.
  2. Verschenke den Award an 15 andere Blogs, die Du kürzlich entdeckt hast und hinterlasse dort einen Kommentar.
So, dann kommen wir mal zur Verleihung:
  
Isabel

Donnerstag, 4. November 2010

{Rezension} Der Schatten des Chamäleons von Minette Walters

Verlag: Goldmann Verlag 
Übersetzer: Mechthild Sandberg-Ciletti
Taschenbuchausgabe: 448 Seiten
Genre: Englischer Psychothriller
ISBN: 3442467969+
Erscheinungsdatum: 10. Mai 2010
Preis: 9,95 €


Eine Welt aus den Fugen

Für den 26-jährigen Charles Acland bricht nach dem Aufwachen im Krankenhaus in Birmingham eine Welt zusammen. Der Soldat ist der einzige Überlebende eines Bombenanschlags im Irak. Seine eine Gesichtshälfte ist zerstört, sein linkes Auge hat er verloren und eine Fortsetzung seiner Soldatenlaufbahn im aktiven Dienst nicht möglich. Hinzu kommt, dass er mehr durch Zufall in den Fokus der Ermittlungen um einen Serientäter gerät. Denn Charles kann zu allen Opfern eine Verbindung nachgewiesen werden und so ist er für Inspector Jones bald schon der Hauptverdächtige.  

Der vorliegende Psychothriller von Minette Walters kann absolut nicht als dieser bezeichnet werden. Vielmehr handelt es sich hier um die Geschichte eines zerstörten Lebens. Charles Acland ist ein extrem introvertierter junger Mann, der auf körperliche Berührungen jedwelcher Art mit einem extrem aggressiven Verhalten reagiert. Ganz besonders extrem ist dies Frauen gegenüber zu beobachten. Durch diese Aggressivität macht er sich natürlich bei Inspector Jones zum Verdächtigen, zumal die Mordopfer alle brutal erschlagen wurden. Hinzu kommt, dass Charles auch sehr aggressiv auf seine Ex-Verlobte Jen reagiert, die während seines Krankenhausaufenthaltes wieder den Kontakt zu ihm gesucht hatte und Charles diesen Besuch recht brutal beendete.

Somit baut sich anfangs absolut keine Spannung auf, sondern man lernt erst einmal sehr ausführlich den Protagonisten kennen. Dies ist zwar durchaus interessant, stellenweise unterhaltsam, dann wieder sehr nachdenklich  und teilweise auch sehr mysteriös beschrieben, hat jedoch nichts mit einem Thriller zu tun. Dieser zeigt sich erst ab dem Mittelteil, aber selbst hier zieht die Spannung jetzt nicht sehr an und die Geschichte plätschert eigentlich mehr oder weniger dahin, wobei einzig die Neugier einem an das Buch bindet. Denn die Story ist schon sehr komplex angelegt und man möchte in jedem Fall wissen, um wen es sich bei dem Serienmörder handelt. Zumal bis zum Schluss nicht klar ersichtlich ist, um wen es sich hierbei handelt, auch wenn der Kreis der mutmaßlichen Täter recht klein gehalten ist.

Ihre Charaktere, allen voran Charles, sind von der Autorin sehr facettenreich beschrieben. So bleibt gerade das Verhalten von Charles lange Zeit für den Leser unerklärlich und man kann auch in Bezug auf seine Unschuld nie ganz sicher sein, auch wenn die Tatzeitpunkte eigentlich dafür sprechen, dass er es nicht gewesen sein kann. Besonders gut finde ich die Figur von Jackson gelungen, eine engagierte Ärztin, die nach außen hin die coole, harte Lesbe spielt und in Wirklichkeit doch ein weiches, sehr mitfühlendes, fürsorgliches Herz hat.

Fazit: Ein unterhaltsamer, stellenweise sehr zum Nachdenken anregender Roman, der aber beim besten Willen nicht als Psychothriller bezeichnet werden kann.

Dienstag, 2. November 2010

{Rezension} Weißer Schrecken von Thomas Finn

Verlag: Piper Verlag
Taschenbuchausgabe: 496 Seiten
Genre: Mysterie-Thriller
ISBN: 3492267599
Erscheinungsdatum: 11. Oktober 2010
Preis: 9,95 €


Perchten, Krampusse und die Kinderbischöfe

Auf dem Perchtalsee beim Schlittschuhlaufen macht die 15-jährige Elke eine grausame Entdeckung. Unter dem Eis liegt eine Mädchenleiche, die ihr wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Hatten ihre Zwillingsschwester Miriam und sie noch eine Schwester? Ihre Eltern wie auch die Dorfbewohner hüllen sich in Schweigen. Und noch mehr merkwürdige Dinge passieren im Vorfeld des 06. Dezembers. Bücher liegen plötzlich auf den Boden, Fußspuren verlieren sich im Nirgendwo und Drohungen erscheinen an Fenstern.Hinzu kommt, dass sich Pfarrer Strobel gegenüber der Clique, der Miriam und Elke angehören sehr merkwürdig verhält und unbedingt in der Nikolausnacht mit den Zwillingen und ihren Freunden Andreas, Robert und Niklas eine Nachtwanderung unternehmen will. Bald schon müssen die fünf Freunde feststellen, dass ein dunkles Geheimnis das Dorf Perchtal umgibt und ein merkwürdiger Schneesturm, der das Dorf von der Außenwelt abschneidet, scheint ihre Vermutung noch zu bestätigen.

Die sonderbaren Vorkommnisse lassen den Fünf keine Ruhe und so beginnen sie auf eigene Faust, Nachforschungen anzustellen. Schnell kommen sie dahinter, dass die unerklärlichen Vorkommnisse etwas mit der Legende um die Krampusse und Perchten, in Verbindung mit St. Nikolaus von Myra stehen. Doch inwiefern stehen die Einwohner von Perchtal mit diesen Mythen in Verbindung, die heute doch zum Brauchtum gehören und warum benehmen sich gerade ihre Eltern so merkwürdig?

Geschickt verbindet Thomas Finn alte Legenden, deren Ursprung bei den Kelten zu finden ist, mit unserem heutigen Brauchtum. Nach und nach erfährt man so den Ursprung um den Nikolaustag und seinem Namensgeber St. Nikolaus von Myra und dem Brauch der Kinderbischöfe sowie dem Krampus- und Perchtenlauf, die gerade in der Alpenregion noch sehr verbreitet sind. Man merkt hier deutlich, dass sich der Autor ein fundiertes Wissen angeeignet hat und dies unterhaltsam an seine Leser weitergibt.

Spannung ist praktisch von der ersten Seite an vorhanden und steigert sich zunehmend im Lauf des Mysterie-Thrillers bis zum Ende hin noch sehr. Atmosphärisch dicht und absolut fesselnd ist der Schreibstil des Autors zu beschreiben und dadurch gelingt es ihm auch fast augenblicklich, eine äußerst beklemmende Stimmung aufzubauen. So bekommt man eine sehr gute Vorstellung von dem kleinen, verschneiten, eigentlich so idyllischen Dorf Perchtal, welches sich für die fünf Freunde bald schon zur tödlichen Falle entwickelt. Die Story ist bis zum Schluss logisch umgesetzt, nicht vorhersehbar und hält sogar noch eine Überraschung parat.

Die Geschichte spielt vorwiegend im Jahr 1994, allerdings gibt es immer mal wieder kurze Einschübe in die Gegenwart, sodass man schon sehr bald weiß, wer definitiv von den Fünf den Alptraum überlebt. Allerdings nimmt dies dem Thriller in keiner Weise die Spannung, eher im Gegenteil, man ist neugierig, wie diese in der Gegenwart mit der ganzen Geschichte umgehen.

Alle fünf Freunde kommen aus zerrüttenden Familien. Die Zwillinge Miriam und Elke haben unter ihren bigotten Eltern zu leiden, Roberts Vater ist seit Jahren verschwunden und seine Mutter versucht mithilfe von Alkohol ihr Leben zu regeln. Niklas wird von seiner Mutter mit Süßigkeiten gemästet und Andreas‘ Mutter beging Selbstmord. Sein Vater erfüllt ihm zwar jeden Wunsch, ist aber ansonsten nicht zu sehen. Anfangs stellt Thomas Finn einem seine 5 Protagonisten kapitelweise vor und so erhält man schon mal einen sehr guten Einblick in deren Leben und Charakter. Dies ist durchweg gut gelungen, allerdings wirken die Fünf aber auch etwas zu eindimensional gezeichnet und hierdurch leicht durschaubar. Auch bei den Dorfbewohnern ist ziemlich schnell ersichtlich, wer die gute und wer die böse Rolle intus hat. Jedoch stört dies nicht unbedingt, da ansonsten die Handlung absolut überzeugt.

Fazit: Ein absolut fesselnder und spannender Mysterie-Thriller, der dafür sorgt, dass man den Nikolaustag in Zukunft mit etwas anderen Augen betrachtet.