Leseempfehlungen

Freitag, 20. August 2010

{Leseeindruck} Ein Paradies für alle von Justus Pfaue

Gebundene Ausgabe: ca. 400 Seiten
Genre: Historischer Roman
ISBN: 9783547711684
Erscheinungsdatum: 08. September 2010
Preis: 19,95 €






Das größte Kaufhaus der Welt

Berlin, Anfang der 1930er Jahre. Hanna Berger und der Kaufhauskönig und Vorstandsvorsitzende der Wertheim AG, Georg Wertheim, sind seit 25 Jahren ein Paar. Georg betreibt zusammen mit seinen Brüdern das größte Kaufhaus der Welt, das Kaufhaus Wertheim. Der aus sehr ärmlichen Verhältnissen stammende Georg hat in letzter Zeit immer mehr Probleme mit seinem Augenlicht, was auch Hanna nicht entgangen ist. Doch ihre Bemühungen, ihn zu einem berühmten Augenarzt zu schicken, bleiben anfangs erfolglos, denn Georg befürchtet, am Grauen Star erkrankt zu sein und die Heilungschancen lagen zur damaligen Zeit gerade mal bei 50 %. Dank seines hervorragenden Gedächtnisses gelingt es ihm jedoch lange Zeit, seine verringerte Sehkraft vor anderen geheim zu halten, bis Hanna jedoch der Geduldsfaden reißt.

Die schöne, kluge und stets freundliche Hanna führt mit ihrem Georg ein sehr zurückgezogenes Leben und kann als „Guter Geist“ des Kaufhauses bezeichnet werden. Denn ihr gelingt es immer, Probleme mit der Belegschaft für alle Beteiligten so gut wie möglich zu lösen und auch hat sie für jeden der „Wertheimer“ immer ein freundliches Wort übrig. Allerdings ist ihre Liebe nicht öffentlich, da Georg bereits verheiratet ist, seine Frau Ursula weilt jedoch zumeist mit ihrem Geliebten auf Gut Saßleben im brandenburgischen Land, sodass er mit Hanna ein zurückgezogenes Leben in der gemeinschaftlichen Berliner Wohnung führen kann.

Liebevoll und mit einem kleinen Schuss Schlitzohrigkeit bringt Hanna ihren Georg schlussendlich doch noch dazu, einen Augenarzt aufzusuchen und auch die am nächsten Tag notwendige Operation über sich ergehen zu lassen. Die anschließende Genesungszeit verbringen die Beiden vollkommen zurückgezogen und hier spürt man deutlich, dass sie Beide ein sehr harmonisches Verhältnis zueinander haben und sich selbst genug sind. Immer wieder gelingt es Hanna problemlos, ihren doch etwas grantigen und zum Pessimismus neigenden Georg aufzuheitern. Denn neben seiner Liebe zu Hanna hat Georg nur den Erfolg seines Kaufhauses im Sinn und das schöne Osterwetter scheint ihm hier umsatztechnisch einen Strich durch die Rechnung zu machen, was seine Laune trübt.

Doch diese anfängliche Harmonie und ihr Leben im Überfluss und Luxus wird bald massiv gestört werden, denn Georg Wertheim ist Jude und die Machtergreifung von Adolf Hitler steht 1931 kurz bevor.

Justus Pfaue erzählt sehr anschaulich, unterhaltsam und ausführlich, ohne dabei zu ausschweifend zu werden. Allerdings ist schon auffallend, dass er sehr detailliert auf das anonyme, aber auch extreme Luxusleben von Hanna und Georg eingeht. Möglich, dass dies nur anfangs dazu dienen soll, einem seine Charaktere näher zu bringen, denn diese zeichnet er liebevoll und detailreich und auch das Flair von Berlin zur damaligen Zeit ist zwischen den Zeilen spürbar.

Einmal abgesehen von seinem Verhältnis zu Hanna, scheint sich Justus Pfaue sehr an die Biografie von Georg Wertheim zu halten, was einen interessanten Roman verspricht, auch in der Hoffnung, dass hier nicht die letzten Jahre seines Lebens, sondern auch die Geschichte von Hanna und Georg  selbst erzählt wird.

So verspricht die Leseprobe eine unterhaltsame und möglicherweise auch recht spannende und emotionale Geschichte.

{Award} Rezension des Monats Juli 2010

Ein ganz dickes Dankeschön an die Jury "Rezension des Monats" von lovelybooks.de. Sie hat meine Rezension Die Spur der Kinder von Hanna Winter  zur Rezension des Monats Juli 2010 gewählt.

Begründung der Jury:

Vielen Jurymitgliedern sprang diese Rezension sofort ins Auge, weil sie nicht zu viel und nicht zu wenig von der Handlung verrät und vor allem, weil sie Lust auf das Buch macht. Positiv aufgefallen sind auch die sprachliche Qualität der Rezension und der persönliche Unterton, in dem bellexr ihre eigene Meinung und Leseerfahrung schildert. Wir finden: eine würdige Gewinnerin, die sich über ein Buchpaket von LovelyBooks freuen darf. Herzliche Gratulation!

Hierüber habe ich mich riesig gefreut und bin mächtig stolz darauf!

Gleichzeitig sucht die Jury natürlich auch einen Nachfolger. Also, wenn Ihr eine tolle, einmalige, lesenswerte Rezension geschrieben habt, dann schickt den Link an rezensiondesmonats@hotmail.de. Ihr könnt bis 31. August 2010 Eure Rezension einreichen.

Mittwoch, 18. August 2010

{Rezension} Der Prinzessinnenmörder von Andreas Föhr

Broschierte Ausgabe: 377 Seiten
ISBN: 342666397X
Genre: Deutscher Krimi
Erscheinungsdatum: 09. September 2009
Preis: 12,95 €









Polizeiobermeister Kreuthner – der heimliche Star des Krimis

An einem kalten Januartag entdeckt Polizeiobermeister Kreuthner durch Zufall im Spitzingsee die Leiche eines jungen Mädchens, erstochen und bekleidet mit einem Brokatkleid. Kommissar Clemens Wallner und sein Team stehen noch ganz am Anfang der Ermittlungen als das zweite ermordete Mädchen gefunden wird. Und auch diese trägt ein Brokatkleid, sodass die Medien dem Täter schnell den Namen „Prinzessinnenmörder“ geben. Die Angst unter den Einwohnern in dem kleinen Städtchen in Oberbayern ist groß und viele stellen sich die Frage, ob hier ein Serientäter am Werk ist.

Neben den eigentlichen Ermittlungen erzählt Andreas Föhr in einem weiteren Erzählstrang die Geschichte eines Vaters, dessen Tochter im Teenageralter während einer Skitour verunglückt. Sehr eindringlich schildert er die vergeblichen Versuche des Vaters, seine Tochter zu retten. Schnell ist klar, dass diese Geschichte maßgeblich etwas mit dem Fall zu tun hat und der Autor präsentiert auch recht schnell die Identität des Täters. Allerdings bleiben seine Beweggründe für die Morde lange Zeit im Dunkeln.

Da der Autor seinen Krimi sehr schnell mit dem ersten Mord beginnt, ist die Spannung praktisch von der ersten Seite an vorhanden und hält sich durchweg mühelos bis zum wirklich fulminanten Ende. Und auch, wenn man bereits recht früh den Täter kennenlernt, überzeugen das anschließende Katz-und-Maus-Spiel wie auch die Ungewissheit in Bezug auf sein Motiv. Zudem ist der Schreibstil von Andreas Föhr sehr flüssig und fesselnd und häufig mit bayrischem Dialekt eingefärbt.

Die Figuren sind herrlich aus dem Leben gegriffen, stellenweise etwas überzeichnet und passen einfach perfekt in die Geschichte. Clemens Wallner ist ein sympathischer Single, der bei seinem kauzig-charmanten Großvater wohnt, viel Wert auf Teamarbeit legt, selten den Chef herauskehrt und in Sachen neue Beziehung knüpfen eher als zurückhaltend zu bezeichnen ist. Ganz im Gegenteil zu seinem fast 80-jährigen Großvater, der trotz seines Alters jeder Frau schöne Augen macht und es sich auch nicht nehmen lässt, seinem Enkel gutgemeinte Ratschläge in Sachen Damenwelt zu erteilen. Die Kabbeleien der Beiden sind herrlich erfrischend beschrieben und sorgen oftmals für ein Schmunzeln.

Ähnlich geht es einem auch bei Polizeiobermeister Kreuthner. Dieser betrachtet den Fall als „seinen Fall“, schließlich hat er die erste Leiche gefunden hat und sonnt sich entsprechend in der Anerkennung und dem Interesse seiner Kollegen. Eigentlich spielt der Polizeiobermeister nur eine Nebenrolle in dem Krimi, doch seine kurzen Auftritte sind durchweg witzig und spitzbübisch beschrieben.  Besonders amüsant zu lesen sind seine „fachmännischen“ Erklärungen zur Ermittlungsarbeit gegenüber seinem Auszubildenden und dies natürlich auch wieder im besten Bayrisch geschrieben.

Fazit: Alles in allem überzeugt Andreas Föhr mit seinem Debütroman durchweg mit einer schlüssigen Geschichte, gewürzt mit einem ordentlichen Schuss Lokalkolorit und mit Charakteren, die durchweg überzeugen.

Dienstag, 17. August 2010

{Leseeindruck} Engel aus Eis von Camilla Läckberg


Übersetzer: Katrin Frey
Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
Genre: Skandinavische Krimi
ISBN: 9783471350157
Erscheinungsdatum: 10. September 2010
Preis: 19,95 €


Ericas Reise in die Vergangenheit

Der Krimi beginnt mit dem Tod eines Mannes und dies auf sehr drastische Weise. Sehr anschaulich und beschreibt Camilla Läckberg, wie sich die Fliegen an der Leiche des Mannes, besonders an seiner Kopfwunde, gütlich tun. Doch dies ist nur ein kurzes Intermezzo und die Autorin wechselt über zu ihrer Protagonistin.

Am Tag des ersten Geburtstags ihrer Tochter Maja hat sich Erica endlich zu der Entscheidung durchgerungen, die Bücher ihrer Mutter vom Dachboden zu holen und sich mit ihrer Vergangenheit zu befassen. Sehr zwiespältige Gefühle beschäftigen sie wie auch viele Fragen, die immer wieder aufkommen. Sie hat Angst vor dem, was sie in den Tagebüchern von Elsy erfahren könnte und dauch Skrupel, denn hat sie überhaupt das Recht, die intimsten Gedanken ihrer Mutter zu lesen? Diese innere Zerrissenheit beschreibt die Autorin nachfühlbar und vor allem sehr einfühlsam. Mit Schuld an ihrer Unentschlossenheit ist auch der Gegenstand, den Erika bei einer ersten Sicht der Kiste, in dem sich die Bücher befinden, gefunden hatte. Es handelte sich um einen Naziorden, eingewickelt in ein blutbeflecktes Hemd. Mit diesem Wissen kann der Leser noch besser nachvollziehen, warum Erika sich davor scheut, die blauen Notizbücher zu lesen. Als die ersten Gäste kommen, nimmt Erica kurz entschlossen die Notizbücher wie auch das blutbefleckte Hemdchen vom Dachboden mit hinunter.

Anschließend ist man bei der Geburtstagsfeier der kleinen Maja dabei und so bekommt man schon einmal einen ersten – recht ausführlichen – Eindruck von Erika und ihrem Mann Patrick wie auch von ihren Freunden, die einen Sohn im Alter von Maja haben und Ericas Schwiegermutter. Und auch für Erica beginnt mit Majas erstem Geburtstag ein neuer Lebensabschnitt, denn ab sofort wird sich Patrick um Maja tagsüber kümmern, sodass Erica in Ruhe an ihrem Buch arbeiten kann. Doch dies gestaltet sich bei weiten nicht so ruhig und einfach wie Erica es sich erhofft hatte.

Kurz lernt man auch in einem weiteren Erzählstrang den Dienststellenleiter der Polizei, Bertil Mellberg wie auch Annika und die neue Kollegin kennen. Die neue Kollegin hat einen herrenlosen Hund gefunden und mit der hartnäckigen Hilfe von Annika gelingt es ihr, das Herz von Bertil zu erweichen und ihn zu überreden, den Hund für kurze Zeit bei sich aufzunehmen. Nach außen hin mehr wiederwillig erklärt sich Bertil schlussendlich dazu bereit, man merkt aber, dass er hier gar nicht so böse darüber ist.

Zum Schluss führt einen die Leseprobe wieder an den Anfang der Geschichte zurück, als die Jugendlichen Adam und Mattias beim Einbruch in ein Haus die Leiche des Mannes vom Anfang des Krimis finden. Die anfangs großspurige Art der Beiden über den Erfolg des Einbruchs ist schnell vergangen, als sie die Leiche entdecken. Einer der beiden meldet den Leichenfund der Polizei, dieser Anruf landet bei Bertil Mellberg, während er gerade überlegt, welchen Namen er seinem Hund geben soll.

Und dann wechselt die Zeit, denn Erica hat sich endlich dazu durchgerungen, mit der Lektüre ihrer Mutter zu beginnen und schon befindet man sich im Jahr 1943 … tja und dann ist leider die Leseprobe vorüber.

Camilla Läckbergs flüssiger und fesselnder Schreibstil überzeugt auch dieses Mal gleich von der ersten Seite an und durch die geschickt wechselnden Erzählstränge baut sich zum einen schon eine gewisse Spannung auf, zum anderen nimmt sie diese auch immer mal wieder etwas heraus, um schon ein wenig ihre Figuren vorzustellen. So wird die Neugier beim Lesen fast augenblicklich geschürt und man erhält auch schnell schon einen Bezug zu den Mitwirkenden. Diese Beschreibungen versprechen facettenreiche und interessante Charaktere.

Besonders gut gefallen hat mir der Wechsel in die Vergangenheit, die einem im Lauf des Krimis wahrscheinlich häppchenweise serviert wird und man so eine Verbindung zwischen Elsy und dem Toten herstellen wird. Dies verspricht eine spannende und interessante Geschichte.

Montag, 16. August 2010

{Rezension} Tödliche Kampagne von Rosa Ribas

Übersetzer: Kirsten Brandt
Taschenbuchausgabe: 462 Seiten
ISBN: 3518461842Genre: Deutscher Krimi
Erscheinungsdatum: 16. August 2010
Preis: 9,95 €



Mord in der Welt der Kreativen

Nach ihrem Debütkrimi „Kalter Main“ lässt Rosa Ribas wieder ihre Protagonistin Cornelia Weber-Tejedor in Frankfurt ermitteln. Es ist nicht unbedingt notwendig, diesen bereits gelesen zu haben, um die Handlung im vorliegenden Krimi zu verstehen, allerdings ist der Debütroman zum einen äußerst lesenswert und zum anderen werden einem einige Zusammenhänge hierdurch verständlicher. Nun zum Buch:

Da die Ermittlungen um das Verschwinden einer moldawischen Prostituierten ins Stocken geraten sind, ist die Frankfurter Kommissarin Cornelia Weber-Tejedor nicht abgeneigt, als ihr Chef ihr den Überwachungsauftrag der Werbeagentur Baumgard & Holder überträgt. Die Agentur erhält seit einiger Zeit Drohbriefe und die Autos einiger Angestellten wurden beschädigt. Vieles deutet darauf hin, dass der Täter sich im Milieu der Agentur sehr gut auszukennen scheint. Jedoch sind Cornelias Ermittlungen noch ohne Erfolg als einer der Angestellten ermordet wird. Hat Cornelia irgendetwas übersehen? Schnell wird ein Team zusammengestellt und Cornelia muss die Ermittlungsleitung mit ihrem Kollegen Sven Juncker teilen, den sie so gar nicht leiden kann und so sind die Schwierigkeiten bei der Auflösung des Falls bereits vorprogrammiert.

Hinzu kommt, dass Cornelia auch noch Probleme in ihrem Privatleben hat. Ihr Mann Jan ist nach monatelanger Motorradtour quer durch Australien wieder zurück in Frankfurt und Cornelia hat ihm sein egoistisches Verhalten bisher nicht verziehen und so belasten ihre privaten Probleme teilweise auch noch die Ermittlungen. Und auch die Ergebnislosigkeit im Fall der moldawischen Prostituierten frustriert Cornelia zusehends. Hinzu kommt noch, dass sie sich Vorwürfe macht, dass sie den Mord an dem Agenturangestellten nicht vorhersehen und somit verhindern konnte.

Das hört sich jetzt alles erst einmal ziemlich pessimistisch an, doch der lockere, flüssige Schreibstil von Rosa Ribas sorgt dafür, dass kaum eine negative Stimmung aufkommt. Mit viel Lokalkolorit erzählt die Autorin gekonnt ihren Krimi aus Sicht ihrer Protagonistin. Der Krimi ist durchweg spannend geschrieben und die Auflösung des Falls kam – zumindest für mich  - überraschend, wenn auch nicht bis zum letzten Detail schlüssig.  

Einfühlsam und authentisch beschreibt sie die Querelen innerhalb des Teams, die Machtkämpfchen zwischen Cornelia und Sven Juncker, der anfangs keine Chance auslässt, um die Ermittlungen an sich zu reißen. Allerdings lässt sich Cornelia dies nicht gefallen und so lernt man eine Frau kennen, die es versteht, sich in der Männerwelt durchzusetzen. Sie ist nicht auf den Mund gefallen, verbrennt sich diesen auch recht häufig und traut sich auch mal, Gefühle zu zeigen. Einzig bei ihrer Beziehung ist sie feige und geht der Konfrontation mit ihrem Mann Jan aus dem Weg und schiebt lieber die viele Arbeit vor oder geht mit ihrer Freundin aus, als einen Abend mit Jan bei einem klärenden Gespräch zu verbringen. Aber gerade dies macht sie menschlich und äußerst sympathisch.

Zusätzlich regen die Kabbeleien zwischen Cornelia und ihrem Kollegen Reiner Terzletzki immer mal wieder zum Schmunzeln an und auch der Neuzugang des Teams, Leopold Müller, behauptet sich immer mehr und wird so langsam als gleichwertiges Mitglied von Cornelia akzeptiert.

Fazit: Ein kurzweiliger, spannend und locker erzählter Krimi, der mit einem ordentlichen Schuss Frankfurter Lokalkolorit daherkommt.

Samstag, 14. August 2010

{Rezension} Apocalypsia von Andreas Izquierdo


Gebundene Ausgabe: 624 Seiten
Genre: Mystery Thriller
ISBN: 3867891087
Erscheinungsdatum: 13. August 2010
Preis: 24,95 €



„… Es heißt, sobald ein Kind zur Welt kommt,
legt ihm ein Engel einen Finger auf den Mund:
so vergisst es augenblicklich alle göttlichen Geheimnisse.
Nur die kleine Furche zwischen Nase und Mund
bleibt als Spur zurück …“



Der Messias, der die Engel zum Sieg führen soll

Das Heer der Engel ist gespalten, denn Gott liegt im Sterben und somit auch die gesamte Schöpfung. Die Unsterblichkeit eine Lüge? Luzifer gelingt durch die Schwäche des Vaters die Flucht aus dem Gehinnom und schart fortan immer mehr Engel um sich, die dem charismatischen Engel des Lichts in Scharen folgen, denn er verspricht ihnen die Freiheit. Die Hoffnung der Seraphim und Cherubim ruht einzig auf dem kleinen Engel Nathaneal, denn ihnen wurde prophezeit, dass dieser Engel die Schöpfung retten wird. Doch Nathaneal ist verkrüppelt und auch sonst so ganz anders als alle anderen Engel. Sollte es ihm wirklich gelingen,  die alte Ordnung wieder herzustellen oder wird Luzifer siegen?

Die Uneinigkeit der Engel bleibt auch auf der Erde nicht verborgen, doch die ersten Anzeichen werden von den Menschen nicht bemerkt, außer von Esther und Judith. Die Ärztin Esther lernt im Krankenhaus Judith kennen. Die junge Frau hatte auf wundersame Weise einen Selbstmordversuch überlebt und weiß von der Apokalypse, von der sie auch Esther bald überzeugen kann. Beiden Frauen ist bewusst, dass das Eine nicht ohne das Andere sein kann, es ohne Gut kein Böses gibt und es ohne Sterben kein Leben geben wird.

Andreas Izquierdo gelingt es bereits nach wenigen Seiten, einen in seinen Roman eintauchen zu lassen ohne Chance, vor Ende des Buches hier wieder heraus zu finden. Seine Sprache ist bildhaft, farbenprächtig und kann mit guten Gewissen als poetisch bezeichnet werden. Er erschafft eine Welt, die einen mitreißt, berührt und nachdenklich stimmt. Auch in Bezug auf den unverantwortlichen Umgang mit unserem schönen Planeten, allerdings praktiziert der Autor dies nie mit erhobenem Zeigefinger. Und er zeigt auch, dass die Welt der Engel bei weitem nicht so sanftmütig ist, wie man zu glauben meint, sondern stellenweise schon ziemlich brutal und erschreckend ist und Fehler hart bestraft werden.

Die Wechsel zwischen der Gegenwelt, der Welt der Engel, und der realen Welt, die auf die Apokalypse zuzusteuern scheint, sind meist fließend und so angelegt, dass die Spannung ständig auf einem extrem hohen Niveau ist, obwohl der Autor – gerade bei der Beschreibung der Gegenwelt – oft ausführlich und anschaulich erzählt, dies wird aber zu keiner Zeit langatmig. Jedoch sind seine Beschreibungen der Engel wie auch der Gegenwelt so angelegt, dass man selbst seiner Fantasie noch freien Lauf lassen kann.

Sein Fantasy-Thriller überzeugt durch eine wirklich interessante und ungewöhnliche Geschichte, der eine fundierte Recherche zugrunde liegt, allerdings muss man in keinem Fall bibelkundig sein, um die Geschichte verstehen zu können oder um einen Bezug zu ihr zu erhalten. Vor allem zeichnet er die Figuren in seinem Roman nicht schwarzweiß, sondern die Engel wie Michael, Gabriel, Rafael oder auch Camael haben Fehler, zweifeln an ihrem Glauben und somit auch an Gott, sind hochmütig, rachsüchtig, aber auch liebevoll, sanft und uneigennützig. Der Charakter des charismatischen Luzifer ist meiner Meinung nach besonders gelungen, denn dieser darf Gefühle haben, Mitleid empfinden, aber auch Trauer und Freude und trotzdem ist seine böse, dunkle Seite immer spürbar und man kann sich nie ganz sicher sein, ob sein Verhalten Kalkül oder doch dieses Mal ehrlich gemeint ist.

Die Wandlung von Nathaneal von einen kleinen, unbedeutenden Engel zum Seraph ist absolut überzeugend dargestellt und durch die immer nachvollziehende Darstellung seines Charakters sorgt der Autor dafür, dass dieser anfangs so verunsicherte, verängstigte kleine Engel einem augenblicklich ans Herz wächst. Seine Zweifel an sich selbst, seine Scham ob seines verkrüppelten Arms den anderen Engeln gegenüber und seine bedingungslose Liebe zu seinem Lehrmeister Iax überzeugen und sind in jeder Zeile spürbar. Und auch die anderen Charaktere sind sehr detailreich beschrieben, manches Verhalten der Figuren ist vorhersehbar, andere dagegen überraschen einen im Lauf der Geschichte und selbst Charaktere, die nur eine kleine Nebenrolle inne haben, sind trotzdem noch facettenreich und liebevoll gezeichnet.

Fazit: Wer bis dato noch keine Engelfan war, wird spätestens mit diesem spannenden, anrührenden Fantasy-Thriller zu einem, denn dem Charme dieses Buches wird sich keiner entziehen können.

Mittwoch, 11. August 2010

{Rezension} Impact von Bernd Steinhardt

Verlag: List Verlag 
Gebundene Ausgabe: 528 Seiten 
Genre: Thriller Allgemein / Öko-/Wissenschaftsthriller 
ISBN: 9783471350355 
Erscheinungsdatum: 11. August 2010
Preis: 19,95 €




Unerklärliche Phänomene am Himmel

Ein Blizzard fegt über den Queen Charlotte Sound in Neuseeland.  Es herrschen -23° und das im herbstlichen April. Der Biophysiker und Wettermoderator Jon Forster ist mit seinem Onkel Hank nachts mit dessen Wassertaxi unterwegs zur Hütte von Dr. Nathan Cole. Laut eines anonymen Anrufs würde der exzentrische Wissenschaftler in Lebensgefahr schweben. Doch die Fahrt ist umsonst, Cole ist tot. Die TV-Moderatorin Kate Ryan und Kollegin von Jon vermutet hinter den Wetterphänomen mehr als nur den Klimawechsel und kommt mit ihren Nachforschungen schon bald dem mysteriösen Duncan Doyle und seinen Leuten in die Quere. Doyle ist Vorsitzender des Konzerns Spheric Systems, der ein Großteil der globalen Kommunikationstechnologien beherrscht. Offensichtlich haben sie etwas zu verbergen und noch schlimmer, sie scheinen hinter diesen Wetterphänomen zu stehen. Und auch Jon scheint mehr über Dr. Cole, den ehemaligen Leiter eines Forschungsinstituts, zu wissen, als er anfangs zugibt. Cole hatte sich mit der Erforschung des menschlichen Bewusstseins beschäftigt und es scheint, dass seine Forschungen Erfolg hatten, die auch mit den Wetterveränderungen in Verbindung zu stehen scheinen. Während Kate wie auch Jon versuchen, den Hintergründen auf die Spur zu kommen, verschlechtert sich das Wetter zusehends.

Der Wissenschafts- und Ökothriller behandelt den Klimawandel auf recht spektakuläre Weise. Es geht hierbei um Experimente an den elektromagnetischen Eigenschaften der Atmosphäre, welche auch die Gehirnströme der Menschen beeinflussen können – im positiven wie auch negativen Sinne. Hinzu kommt noch ein kleiner Schuss Esoterik und Schamanismus der Maori. Dies vermengt Bernd Steinhardt zu einem sehr rasanten, aber stellenweise auch recht schwer verständlichen Thriller, wenn man sich nicht gerade richtig gut in Physik und Astronomie auskennt.

Die Handlungsstränge wechseln zwischen Jon, dem mehr der esoterische Teil anhängt, geht dann über zu Kate Ryan, der in bester 007-Manier erzählt wird und auch den neuseeländischen Geheimdienst nicht außen vor lässt und wieder hin zu Albin Olsen, der hinter den Wetterphänomen einen Angriff von Außerirdischen vermutet und sich auch lange Zeit von seiner Meinung nicht abbringen lässt.

Seine Beschreibungen des Wetterphänomens sind sehr anschaulich und nachvollziehbar beschrieben. Mit der Zeit gleicht Neuseeland immer mehr Alaska im Winter, ist mit meterhohem Eis und Schnee überzogen, ständig fegen Stürme über das Land und die Stromversorgung bricht immer mehr zusammen. Zudem kommt noch hinzu, dass durch die Veränderungen des Klimas dies auch Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung hat und immer mehr Menschen Krankenhäuser aufsuchen, alle mit dem gleichen Symptom: Rasende Kopfschmerzen.

Man hat es hier auch nicht unbedingt mit einfachen Charakteren zu tun. Jon ist ein wortkarger junger Mann, der nach dem frühen Tod seiner Eltern bei seinem Onkel Hank in Neuseeland aufgewachsen ist, nach seinem Studium in Alaska forschte und nach einem beinah tödlichen Unfall wieder nach Neuseeland zurückkehrte. Dieser Unfall belastet ihn bis heute noch maßgebend. Ein weiterer Mitwirkender ist der Freak und Alienfan Albin Olsen, der bisher vorwiegend in den Bergen rund um Wellington in seinem Camper lebte und diesen als seinen Raumgleiter bezeichnete. Dank seines Jobs hat er genügend Zeit, sich mit rätselhaften Signalen zu beschäftigen, die er in der Erdatmosphäre empfängt. Und diese rätselhaften Signale sind schuld daran, dass er in den Fokus von Doyle und Spheric Systems gerät. 

Allerdings überwiegt hier eindeutig die Story, sodass die Charaktere meist blass bleiben und mehr nur wie Statisten in dem Thriller wirken. Wie schon erwähnt, ist die Story wirklich rasant und spannend erzählt, allerdings gab es für mich persönlich einen Punkt Abzug, da mir der Thriller einfach zu wissenschaftlich war. Mit vielen Begriffen oder auch Beschreibungen konnte ich nicht wirklich etwas anfangen, muss aber auch gestehen, dass ich bei den Themen Physik wie auch Astronomie wirklich ein Laie bin. 


Fazit: Rasant erzählter Wissenschaftsthriller mit etwas konturenlosen Charakteren, bei dem die Handlung im Vordergrund steht und eindeutig etwas für Physik- und Astronomie-Interessierte ist.



Dienstag, 10. August 2010

{Leseeindruck} Flieh von Jamie Freveletti

Übersetzer: Sybille Uplegger
Taschenbuchausgabe: 368 Seiten
Genre: Thriller Allgemein
ISBN: 3548281206
Erscheinungsdatum: 01. Oktober 2010
Preis: 8,95 €



Piraterie auf hoher See

Emma, eine junge Marathonläuferin, entkommt nur knapp einem Bombenanschlag während des Comrades Ultramarathons in Südafrika. Schwer verletzt landet sie am Rand der Strecke, als sie sieht, wie ein Mann auf sie zukommt. Doch anstelle ihr zu helfen, injiziert er ihr eine Flüssigkeit.

Szenenwechsel zu dem skrupellosen Mungabe aus Somalia. Dieser trifft sich mit einem „Geschäftspartner“, genannt der Geier, in einem Einkaufszentrum in Dubai. Ob hier der Name Mungabe in Anlehnung an den Diktatur Mugabe aus Zimbabwe gewählt wurde und es sich bei ihm um eine ähnlich machthungrige, menschenverachtete Person handelt, scheint so, ist aber durch die kurze Leseprobe noch nicht ersichtlich. In jedem Fall schreckt Mungabe nicht vor dem Gedanken zurück, sein Gegenüber zu töten, sobald er ihm nicht mehr zu Nutzen ist und wirkt während des Lesens sehr abgebrüht und skrupellos. Mungabe befehligt eine große Schar von Piraten, die im Golf von Aden Trawler und Schiffe in ihre Gewalt bringen und Geiseln nehmen. Bisher war dieses Geschäft für ihn sehr lukrativ, doch seit kurzem operiert eine amerikanische Sicherheitsfirma namens Darkview in diesem Gebiet, sehr zum Ärger von Mungabe. Nun erteilt der Geier ihm einen neuen Auftrag. Seine Handlanger sollen das luxuriöseste Kreuzfahrtschiff der Welt in seine Gewalt bringen, das sich gerade auf der Jungfernfahrt auf die Seychellen befindet.

Wieder ein neuer Erzählstrang, indem die Autorin Special Agent Cameron Sumner vorstellt, der sich auf dem Kreuzfahrtschiff „ Kaiser Franz“ befindet,  wehmütig an die Marathonläuferin  und Biochemikerin Emma Caldridge denkt, die er sehr gut zu kennen scheint. Sumner arbeitet für eine Organisation, die gegen illegale Drogenkartelle ermittelt und befindet sich im Auftrag seiner Firma an Bord des Kreuzfahrtschiffs. Als er sich gerade gegen die  Annäherungsversuche einer gelangweilten Ehefrau wehrt, wird das Schiff von Piraten angegriffen.

Jamie Freveletti gelingt es schon gleich bei der Anfangsszene um Emma eine gewisse Spannung aufzubauen, die sich mühelos über die wechselnden Erzählstränge hält. Diese sind immer gerade so lang, dass die Neugier geschürt wird und genug Fragen aufwirft, sodass man gespannt immer weiter liest, bedingt ist dies auch durch den sehr rasanten und fesselnden Schreibstil der Autorin.

Zudem kommt hinzu, dass die Autorin mit dem Kapern von Luxusschiffen und Trawlern vor der Küste Somalias ein sehr aktuelles Thema aufgreift, das sich sogar noch bis in das Gebiet um die Seychellen ausdehnt.  Auch gelingt es ihr bereits in der kurzen Leseprobe ihren Protagonisten schon ein gewisses Profil zu geben und man so bereits eine gute Vorstellung von ihnen erhält.

Alles in allem verspricht die Leseprobe eine rasant und spannend erzählte Geschichte, bedingt auch durch den flüssigen und fesselnden Schreibstil der Autorin.

Montag, 9. August 2010

{Leseeindruck} Gotteszahl von Anne Holt

Übersetzer: Gabriele Haefs
Genre: Skandinavischer Krimi
ISBN: 978-3-492-05395-2
Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
Erscheinungsdatum: 06. September 2010
Preis:19,95 €




Heiligabend mit tödlichem Ausgang

Mit Seite 23 steigt die Leseprobe gleich bei einer packenden Szene ein, als ein Wachmann und ein junger Mann verzweifelt versuchen, zwei Menschen aus dem eiskalten Wasser eines Fjords in Oslo zu retten. Der junge Mann kann einen retten. Die schnell herbeieilende Polizei kann bei der zweiten Person jedoch nur noch den Tod feststellen, der bereits schon mehrere Wochen zurückliegt und die Leiche entsprechend entstellt ist.

In einem weiteren Handlungsstrang ist man beim Weihnachtsessen von Yngvar Stubo und Inger Johanne Vik mit ihrer Familie dabei und verfolgt ein wenig die alltäglichen Kabbeleien, die es wohl in jeder Familie während der Feiertage gibt. Und auch der Tote, der aus dem Fjord gezogen wurde,  ist besonders bei Tochter Kristiane ein Thema, wovon verständlicherweise ein Teil der Tischgesellschaft nicht besonders begeistert ist.

Anne Holts Schreibstil ist einfühlsam und flüssig, besonders fällt dies wieder auf, als sie den Zustand von Kristiane – der Tochter von Inger Johanne – beschreibt. Ganz plötzlich wechselt sich bei ihr die Stimmung und Kristiane versinkt in ihre eigene Welt. Deutlich spürt man hier die Hilflosigkeit von Inger Johanne, dass sie so gar nichts gegen das Verhalten ihrer Tochter unternehmen kann, gleichzeitig merkt man aber auch ihre Liebe zu Kristiane.

Und auch die 62-jährige Eva Karin Lysgaard lernt man in der Leseprobe kennen, allerdings nur kurz. Denn die Bischöfin, für die der Heilige Abend ein besonderer Tag ist, wird ermordet. Sie stirbt mit einem Geheimnis, um was es sich hierbei handelt, erfährt man jedoch noch nicht. Yngvar Stubo wird noch am selben Abend über den Mord informiert und unterhält sich mit seiner Frau hierüber.

Auf den wenigen Seiten wirft die Autorin schon viele Fragen auf, die somit die Spannung recht früh auf ein hohes Niveau setzen und ihr gefühlvoller, fesselnder Schreibstil sorgt dafür, dass man nach wenigen Seiten in die Geschichte eintaucht.

Und auch ihre Beschreibungen der Mitwirkenden sind durchweg detailreich und einfühlsam, sodass sie schnell Konturen annehmen und auch Leser, welche die bisherigen Krimis rund um Yngvar Stubo und Inger Johanne Vik nicht kennen, schnell eine Vorstellung von ihnen erhalten.

Samstag, 7. August 2010

{Rezension} Das Haus zur besonderen Verwendung von John Boyne


Verlag: Arche Verlag
Übersetzer: Fritz Schneider
Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
Genre: Historischer Roman
ISBN: 3716026425
Erscheinungsdatum: 30. August 2010
Preis: 24,90 €




Die Geschichte einer großen Liebe

1981: Georgi Daniilowitsch Jatschmenew ist ein 81-jähriger Exilrusse, der zusammen mit seiner russischen Frau Soja in den 1920er Jahren nach England emigriert war. Die Revolution 1918 in Russland vertrieb sie aus ihrer Heimat und sie flohen erst einmal nach Paris bis sie dann in einem kleinen Londoner Vorort ein neues Zuhause fanden. Nun hat seine mittlerweile auch 79-jährige Frau Soja Krebs im Endstadium und während er sie im Krankenhaus besucht und sonst seine Tage meist alleine verbringt, schweifen seine Gedanken immer wieder in die Vergangenheit zurück.

Georgi wuchs in ärmlichen Verhältnissen in dem kleinen russischen Dorf Kaschin auf, durch das eines Tages der Vetter des Zaren mit seinen Soldaten reitet. Durch eine Reflexreaktion rettet Georgi an diesem Tag dem Vetter des Zaren das Leben, verliert aber gleichzeitig seinen besten Freund durch sein Verhalten. Als Dank für sein selbstloses Handeln wird Georgi zum persönlichen Leibwächter des Zarewitsch Alexei ernannt. Hierdurch ändert sich das Leben des Bauernjungen radikal. Er lebt fortan im Winterpalais von St. Petersburg, lernt die Zarenfamilie kennen und schätzen und führt ein sorgenfreies Leben. Mit dem jungen Alexei freundet er sich schnell an und er verliebt sich in Anastasia, die jüngste Tochter des Zaren. Seine Liebe bleibt nicht unerwidert.

Doch die schönen Jahre im Winterpalais von St. Petersburg sind viel zu schnell vorbei als die Stimmen der Revolution immer lauter werden und die Bolschewiki unter der Führung Lenins die Macht übernehmen. Der Zar muss abdanken und die Zarenfamilie wird nach Jekaterinenburg ins Haus zur besonderen Verwendung verschleppt. Dort werden sie wie Gefangene gehalten bis zum 17. Juli 1918, dem Tag der Ermordung der letzten Romanows.

Der in der Ich-Form geschriebene Roman beginnt zum Einen in der Gegenwart, in der Georgi seine Frau im Krankenhaus besucht, man sein Leben in London, seine Liebe zu Büchern wie auch seinen Enkel Michael kennenlernt. In einem weiteren Erzählstrang geht der Autor mit seiner Geschichte zurück in das Jahr 1916, als Georgi als Jugendlicher in dem kleinen Dorf Kaschin lebt und dort das Leben des Zarenvetters rettet. Diese beiden Erzählstränge arbeiten sich langsam aufeinander zu, sodass man nach und nach das ganze aufregende, erbarmungsreiche, traurige, aber auch glückliche und zufriedene Leben von Georgi und Soja kennenlernt. Und schon bald stellt man fest, dass John Boyne eine Legende neu aufleben lässt, er hier seine Version des Mythos erzählt und dies wirklich in einer grandiosen Art und Weise.

John Boyne ist ein wahrer Meister des Erzählens. Ihm gelingt es absolut mühelos, schon nach wenigen Seiten eine so dichte Atmosphäre aufzubauen, dass man regelrecht in die Geschichte von Georgi und Soja eintaucht. Seine Sprache ist lebendig, farbenfroh und so bildgewaltig, dass man regelrecht vor Augen hat, wie erstaunt und ehrfürchtig Georgi ist, als er das erste Mal das Winterpalais erblickt oder auch wie er kurz darauf dem Zar vorgestellt wird. Und obwohl John Boynes Schreibstil eher als ausschweifend zu bezeichnen ist, gelingt es ihm doch mühelos, die Spannung und auch den Unterhaltungswert immer sehr hoch zu halten, ohne auch nur einmal langatmig zu werden. Dies ist auch bedingt durch die sehr geschickt gelegten Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit sowie durch seinen sehr warmherzigen, gefühlvollen und flüssigen Schreibstil.

Man spürt regelrecht in jeder Zeile die Liebe von Georgi und Soja zu Russland wie auch zueinander und so nehmen diese beiden Figuren sehr schnell Konturen an und wachsen einem regelrecht ans Herz. Die Charaktere der restlichen Zarenfamilie sind ebenfalls sehr detailreich beschrieben, wobei die Darstellung der Zarin Alexandra hier nicht unbedingt sympathisch wirkt, dies jedoch zum Teil mit ihrer Erziehung begründet wird. Ich denke, hier hat sich der Autor seiner schriftstellerischen Freiheit bedient, da es so besser in die Geschichte passt. Die Figur von Vater Gregori oder besser bekannt als Rasputin ist genau so düster, unheimlich und hinterhältig beschrieben wie man es in anderen Erzählungen oft schon nachlesen konnte.

Auf die Hintergründe der Revolution wie auch auf die Ermordung der Zarenfamilie geht der Autor zwar ein, diese stehen aber nicht im Fokus, was ich auch nicht unbedingt vermisst habe, da dies zwar entscheidende Einschnitte in das Leben von Georgi und Soja waren, ihre Liebe zueinander und ihr Leben miteinander aber im Vordergrund der Geschichte stehen.

Fazit: So ist John Boyne ein üppiger, spannender und sehr unterhaltsamer Roman gelungen, der der Legende um die letzte Zarentochter eine neue Sichtweise gibt.
 

Mittwoch, 4. August 2010

{Leseeindruck} Herbstvergessene von Anja Jonuleit

Verlag: dtv- Verlag
Taschenbuchausgabe: 432 Seiten
Genre: Roman
ISBN: 978-3-423-24788-7
Preis: 13,90 €
Erscheinungsdatum: 01. September 2010









Ein Wiedersehen, das keines mehr wird

Im kurzen Prolog verfolgt man die mit Wehmut beladenen Gedanken einer alten Frau an ihr früheres Leben. Es liegt die Vermutung nah, dass es sich hierbei um Lilli, die Mutter von Maja handelt. In der anschließenden Geschichte sinniert Maja über das Rauchen, das Erbe ihrer Mutter. Wie schön dieser erste Zug an der Zigarette ist, vergleichbar mit dem ersten Schluck Kaffee. Und so schweifen ihre Gedanken automatisch zu ihrer Mutter, die sie jahrelang nicht mehr gesehen hat. Sie gibt sich die Schuld an dem Zerwürfnis, da sie nicht deren Erwartungen erfüllt hat. Ihr Verhältnis bezieht sich nur noch auf zwei jährliche Postkarten und dies über 10 Jahre lang als sie plötzlich einen Anruf von ihrer Mutter erhält. Lilli muss Maja etwas erzählen, etwas wichtiges, was nur persönlich geht. Mehr wiederwillig gibt Maja ihr die Zusage nach Wien zu kommen. Allerdings erst in einer Woche.

Der in der Ich-Form erzählten Geschichte hängt an Hauch von Herbstmelancholie an. Die Autorin beschreibt sehr ausführlich die Gefühle von Maja, ihre Unsicherheit, Nervosität und auch Angst vor dem Treffen mit ihrer Mutter, welches sie sich in den unterschiedlichsten Variationen ausmalt. Allerdings kommen diese der Wirklichkeit nicht im Weitesten nahe, denn ihre Mutter ist einen Tag vor ihrer Ankunft gestorben.

Dies muss Maja von der resoluten älteren Nachbarin Frau Buchholtz erfahren, als sie bereits zum zweiten Mal an diesem Tag vergeblich versucht, ihre Mutter zu treffen. Lilli hat sich von ihrem Balkon gestürzt, doch Maja mag nicht an Selbstmord glauben, auch nicht, als sie von Frau Buchholtz erfährt, dass ihre Mutter Krebs hatte. Ihre Selbstvorwürfe, Trauer und auch ihre Verwirrung schildert Anja Jonuleit sehr detailreich und nachvollziehbar.

Auch ihre konfusen Gefühle als sie sich bereits Gedanken über die Beerdigung wie auch die Grabpflege macht, sind absolut verständlich beschrieben und besonders die Szene, als Maja ihre Mutter in der Gerichtsmedizin identifizieren muss, geht einem beim Lesen schon sehr nahe.

Frau Buchholtz spürt die Verzweiflung und Trauer von Maja und nimmt sie ein paar Tage bei sich auf. Als Maja den Schlüssel zur Wohnung ihrer Mutter erhält,  ringt sie sich durch und geht in die Wohnung. Dort findet sich beim Türöffnen einen großen Briefumschlag: adressiert an sie von einer ihr fremdem Frau.

Dann wechselt die Geschichte und man ist im Jahr 1943 bei der Erzählung einer jungen Frau, deren Leben sich ändert, als sie Paul kennenlernt.

Damit ist die Leseprobe beendet und wirft natürlich mehr Fragen als Antworten auf und macht vor allem neugierig auf das Weitergehen der Geschichte, die auch zur Geschichte von Maja werden wird.

Dienstag, 3. August 2010

{Rezension} Tage der Unschuld von Richard North Patterson

Übersetzer: Kristian Lutze 
Genre: Amerikanischer Krimi / Justiz-Krimi 
ISBN: 3442446937
Taschenbuchausgabe: 575 Seiten
Erscheinungsdatum: 2000
Preis: ---



Die Vergangenheit holt ihn ein

Der Staranwalt Tony Lord kehrt nach fast 30 Jahren in seine alte Heimatstadt Lake City/Ohio zurück mit der er schlechte Erfahrungen verbindet. Im Sommer 1967 wurde seine Freundin Alison ermordet und Tony fand ihre Leiche. Nicht nur Alisons Eltern, sondern fast die ganze Stadt waren der Überzeugung, dass der kurz vorher noch gefeierte Footballstar das junge Mädchen ermordet hat.  Nun erhält er den verzweifelten Anruf von Sue, dass ihr Mann Sam, der ehemals beste Freund von Tony, dem Mord an der 16-jährigen Schülerin Marcie beschuldigt wird. Mit gemischten Gefühlen reist Tony nach Lake City, um die Verteidigung von Sam zu übernehmen. Alle Indizien sprechen gegen ihn und auch Tony ist nicht restlos von Sams Unschuld überzeugt. Hinzu kommt, dass der Fall alte Erinnerungen an Alison bei Tony aufwirft.

Richard North Patterson erzählt seinen Justiz-Krimi in drei Teilen. Zuerst erfährt der Leser die Geschichte von Tony und Alison, wie sie sich kennengelernt haben, ihre Gefühle zueinander und seine Beziehung zu seinem bestem Freund Sam und seiner Freundin Sue. Sam und Tony sind seit 3 Jahren die besten Freunde, unternehmen alles miteinander und konkurrieren freundschaftlich bei den unterschiedlichsten Sportarten. Sie sind die Helden der Schule und führen ein Teenagerleben, wie man es sich Ende der 1960er Jahre vorstellt. Bis dieses Leben für Tony zusammenbricht und er des Mordes beschuldigt wird. Allerdings wird gegen ihn nie das Verfahren eröffnet. Der Autor geht hier sehr auf die Verzweiflung, Trauer und Hilflosigkeit von Tony ein, nachdem die Leiche von Allison entdeckt wird und fast alle ihn für den Mörder halten. Besonders enttäuscht ist Tony von dem Verhalten Sams, der ihm zu verstehen gibt, dass er nicht von seiner Unschuld überzeugt ist. In dieser schweren Zeit stehen ihm nur Sue und der jüdische Anwalt Saul rückhaltlos zur Seite.

Im zweiten Teil geht es hauptsächlich um die Heimkehr von Tony, seinen zwiespältigen Gefühlen, wieder in seiner Heimatstadt zu sein, wodurch er natürlich wieder an Alison erinnert wird und an seine Gespräche mit Sue und Sam, wie auch seinen eigenen Ermittlungen, um Licht in den Fall um Sam zu bringen. Hier wird er auch wieder tatkräftig von dem mittlerweile alkoholkranken, alternden Saul unterstützt.

Das letzte 1/3 des Krimis ist ein klassischer Justizkrimi, der fast ausschließlich im Gerichtssaal spielt und das Verfahren gegen Sam schildert. Wie auch die endgültige Auflösung der beiden Fälle von Marcie und Allison.

Der Autor hat seinen Krimi sehr emotional angelegt. So geht er durchweg ausführlich auf die Gefühle seines Protagonisten ein, sodass man sehr schnell eine Vorstellung dieses feinfühligen, ehrlichen Anwalts erhält, der mit seinem schlechten Gewissen zu kämpfen hat wie auch mit seinen Alpträumen um Alisons Tod, der ihn nach wie vor noch verfolgt. Auch die Charaktere von Sue, Sam und Saul sind sehr facettenreich beschrieben, allerdings bleibt die Figur von Sam ein wenig undurchschaubar, sodass man sich – genauso wie Tony – bis zum Schluss nicht sicher sein kann, ob er nun der Mörder von Marcie ist.

Durch diese Ungewissheit ist die Spannung durchweg auf recht hohem Niveau, allerdings fand ich das letzte Drittel stellenweise etwas ermüdend, da wirklich schon sehr ausführlich auf die Verhandlung eingegangen wird. Allerdings entschädigt das extrem spannende Ende für die stellenweise Langatmigkeit bei der Schilderung des Gerichtsverfahrens.

Alles in allem ein spannender Justizkrimi, der emotional angelegt ist und mit einer komplexen Story überzeugen kann.

{Award} One Little Sparkling Blog


Ein herzliches Dankeschön an Becky für die Nominierung zum "One Little Sparkling Blog-Award". Bisher hatte ich hiervon noch nichts gehört und da mein Blog erst seit kurzer Zeit existiert, freue ich mich natürlich um so mehr darüber.

Hier nun die Frage: 

"Was magst Du am Liebsten an Deinem Blog?"

Da ich ihn ja erstellt habe, gefällt mir logischerweise so ziemlich alles auf meinem Blog. Es hat zwar einige Zeit gedauert mit ausprobieren, verwerfen und doch wieder reinsetzen und manchmal hat nicht alles so geklappt wie ich mir das vorgestellt habe. Aber nun finde ich ihn recht übersichtlich, informativ und man kann einige Zeit hier mit rumstöbern und lesen verbringen. Dazu wünsche ich jedem, der mal auf diese Seite findet, auch viel Spaß dabei.

Und hier nun meine Vorschläge:

Bücherseele 
Ada Mitsou 
Buchkolumne 
Bücherplausch 
Kossis Welt 
Literaturkosmos 
Literatur Binea & Mr. Rail