Leseempfehlungen

Dienstag, 12. Oktober 2010

{Rezension} Tod im Pfarrhaus von Helene Tursten

Verlag: btb Verlag
Übersetzer: Holger Wolandt
Genre: Skandinavische Krimis
ISBN: 3442732336 
Taschenbuchausgabe: 352 Seiten
Erscheinungsdatum: 01. Oktober 2004
Preis: 9,00 €

„… Gegen Glasteufel kann man nicht so leicht angehen …“

In einem einsam gelegenen Sommerhaus entdecken Irene Huss und ihr Chef die Leiche eines jungen Lehrers. Als sie die Eltern von Jacob, ein Pfarrerehepaar im benachbarten Ort, über dessen Tod informieren möchten, finden sie im Pfarrhaus deren Leichen vor. Sowohl auf Jabobs als auch auf dem PC-Monitor seines Vaters finden die Ermittler ein auf den Kopf gestelltes Pentagramm mit Blut geschrieben. Sind hier Satanisten am Werk oder sind Jakob und sein Vater, die sich seit einiger Zeit intensiv mit dem Thema beschäftigt haben, einer Gruppe von Satanisten zu nahe gekommen?

Dieses Mal müssen sich Kriminalinspektorin Irene Huss und ihre Kollegen mit scheinbar willkürlichen Morden ohne erkennbares Motiv befassen. Je tiefer sie jedoch in das Leben der Pfarrersfamilie dringen, umso mehr Merkwürdigkeiten tun sich auf. Diese verleiten sogar die sonst so realistische Inspektorin zu äußerst unkonventionellen Mitteln zu greifen und ihre Ermittlungen führen sie dieses Mal auch in die britische Hauptstadt wie auch auf einen Abstecher nach Schottland.

Geschickt vermischt die Autorin wieder die aktuellen Ermittlungen mit dem Privatleben von Irene und ihrer Familie. Die Ermittlungen gestalten sich anfangs als äußerst schwierig, da absolut kein Ermittlungsansatz zu finden ist, der in Richtung des Mörders weist, noch seine Beweggründe für die Morde erklärt. Neben der frustrierenden Ermittlungsarbeit muss sich die Inspektorin privat eher mit kleineren Problemen beschäftigen. So hat der Familienhund Sammie Nachbars Katze den Garaus gemacht und eine ihrer Töchter beschließt plötzlich - für Irene unverständlicherweise - an einem Schönheitswettbewerb teilzunehmen. Diese Alltäglichkeiten lockern den Krimi etwas auf, wofür man wirklich nicht undankbar ist.

Die Story ist wieder einmal sehr spannend umgesetzt und flüssig, fesselnd von der Autorin geschrieben. Da man während des Lesens keinen Einblick in das Leben des Mörders erhält, ist man ständig auf dem Ermittlungsstand des Teams, was natürlich für das Spannungspotential äußerst förderlich ist. So hält sich diese Spannung auch mühelos bis zum Ende und wird nur durch die gelegentlichen Einschübe in das Privatleben von Irene etwas gedrosselt. Erst ganz zum Schluss offenbart sich dem Leser dieses Mal der Mörder wie auch sein Motiv.

Eine Schlüsselrolle hat Rebecka inne, die Tochter der Pfarrersfamilie, die in London erfolgreich in der IT-Branche arbeitet. Allerdings leidet sie unter schweren Depressionen und steht lange Zeit nicht für ein Gespräch zur Verfügung. Doch Irene ahnt schnell, dass Rebecka ein Geheimnis wahrt, welches maßgeblich bei der Auflösung helfen würde.

Irene Huss’ Charakter ist wieder äußerst sympathisch und vor allem sehr nachvollziehbar und authentisch beschrieben. Sie darf Schwächen und Fehler haben, an sich zweifeln, zornig sein, sich freuen, Angst haben – also ein ganz normale Frau -, die sich auch einmal auf etwas ausgefallene Ermittlungsmethoden einlässt. Auch die anderen Charaktere sind facettenreich beschrieben und überzeugen von Anfang an.

Fazit: Wieder einmal ein gelungener Krimi mit einer komplexen Geschichte und einer sehr sympathischen Protagonistin.

Montag, 11. Oktober 2010

{Rezension} Die Todesbotschaft von Sabine Kornbichler

Gebundene Ausgabe: 430 Seiten
ISBN: 3426652269 
Genre: Deutscher Thriller
Erscheinungsdatum: 04. Oktober 2010
Preis: 16,99 €





Von der Vergangenheit eingeholt

Die junge Malerin Finja erhält einen verzweifelten Anruf von ihrer Schwester Amelie. Deren Schwiegermutter und Schwager sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Finja reist sofort in ihren Heimatort am Tegernsee, um ihrer Schwester und deren Mann beizustehen, aber auch, weil sie die beiden Verstorbenen sehr gut kannte. Ihr Vater hatte zusammen mit drei weiteren Freunden vor Jahrzehnten eine Detektei gegründet und so sind die vier Familien auch privat eng verbunden. Noch hat niemand den Tod von Cornelia und ihrem Sohn Hubert verwunden, da gibt es einen weiteren Todesfall im Kreis der vier Familien. Langsam mag Finja nicht mehr an Unfälle glauben, vor allem, als sie durch Zufall eine Todesanzeige findet, in der der Tod eines weiteren Familienmitglieds angekündigt wird. Zusammen mit ihrem Schwager Adrian beginnt Finja Nachforschungen anzustellen und stößt hierbei auf ein Geheimnis, dass in der Vergangenheit seinen Ursprung hat.

Sabine Kornbichler erzählt ihren Psychothriller aus zwei Perspektiven. Zum einen lässt sie ihre Protagonistin Finja selbst ihre Erlebnisse erzählen, zum anderen verfolgt man das Schicksal der jungen Gesa. Anfangs verwirrt dieser Perspektivwechsel etwas, da man die Zusammenhänge nicht herstellen kann, dies löst sich jedoch recht schnell und vor allem sehr schlüssig auf. Und gerade dieser Handlungsstrang birgt noch so die eine oder andere Überraschung.

Anfangs stellt einem die Autorin erst einmal ein wenig ihre Protagonistin vor, bevor sie mit der eigentlichen Geschichte beginnt. Dies ist äußerst unterhaltsam umgesetzt und gibt einen schon mal einen guten Einruck von der sympathischen, lebenslustigen Finja und ihrem Umfeld. Allerdings zieht die Story dann recht schnell an und hält sich bis zum Schluss absolut mühelos auf sehr hohem Niveau. Geschickt entwickelt sich die Geschichte und anfangs ahnt man in keiner Weise, in welche Richtung sich diese wendet. Somit geht es dem Leser wie Finja, die ebenfalls absolut ratlos in Bezug auf die mysteriösen Unfälle ist und sich hierauf absolut keinen Reim machen kann.

Die Story ist gewohnt komplex angelegt und birgt so einige Überraschungen für den Leser. Jedoch nicht unbedingt überraschend ist die Auflösung, da hierzu bereits recht früh einige Hinweise gelegt werden und man durch das Auschlussverfahren zum Ende hin den Täter erahnen kann. Dies nimmt dem Buch jedoch keineswegs die Spannung, da sein Motiv bis zum Schluss im Dunkeln bleibt und die Story an sich wie auch der überaus fesselnde Schreibstil der Autorin dafür sorgen, dass nie auch nur der Hauch von Langatmigkeit aufkommt.

Sehr gut vermittelt die Autorin einem auch die Gefühlswelt von Finja und dies in einem so gut dosierten Maß, dass man sich gut in Finja hineinfühlen kann, dies aber nie irgendwie als überladen oder störend empfunden wird. Zum einen ist Finja natürlich total erschüttert über den Verlust ihr liebgewordener Menschen und reagiert hier stellenweise ziemlich konfus, aber absolut nachvollziehbar. Zum anderen wird sie getrieben von dem Verlangen, unbedingt die Hintergründe der mysteriösen Todesfälle aufzulösen und lässt sich auch nicht stoppen, als selbst ihr Leben bedroht wird. Geschickt verbindet Sabine Kornbichler so das Privatleben von Finja mit den Ereignissen, die in ihrem unmittelbaren Umfeld geschehen.

Die einzigen Charaktere, die für einen greifbar werden, sind Finja und Adrian. Alle anderen Figuren in dem Thriller sind durchweg sehr undurchsichtig angelegt, sodass sie für einen unvorhersehbar bleiben, was natürlich der Spannung zugute kommt, da man ständig über deren wahren Beweggründe grübelt.  Besonders Finjas Vater beschreibt die Autorin sehr facettenreich und stellt ihn als einen zwar liebenden Vater, aber auch als einen eiskalten Geschäftsmann dar, dessen Verhalten Finja wie auch der Leser bald nicht mehr nachvollziehen kann.

Fazit: Alles in allem ein sehr komplexer, spannender Psychothriller, der einige Überraschungen bietet und deren Charaktere detailreich beschrieben sind.

Freitag, 8. Oktober 2010

{Rezension} Die Tätowierung von Helene Tursten

Verlag: btb Verlag
Übersetzer: Holger Wolandt
Genre: Skandinavische Krimis / Schweden
ISBN: 344273147X 
Taschenbuchausgabe: 448 Seiten
Erscheinungsdatum: 14. September 2007
Preis: 10,00 €


Immer einen Schritt voraus?

Bei Göteborg wird ein Torso angeschwemmt. Außer einer markanten Tätowierung am Oberarm haben Inspektorin Irene Huss und ihre Kollegen absolut keine Anhaltspunkte zur Identität der Leiche, bis Irene einen Tipp erhält. Doch während sie in Dänemark und Schweden ermittelt, geht das Morden weiter, welches meist im Umfeld von Irene geschieht. Der Täter scheint den Ermittlungen immer einen Schritt voraus zu sein. Irene und ihre Kollegen arbeiten unter Hochdruck, um weitere Morde zu verhindern.

Helene Tursten greift im vorliegenden Krimi ein Thema auf, dass weder etwas für schwache Nerven noch für schwache Mägen ist. Ihre Protagonistin ist dieses Mal einem Mörder mit sadonekrophiliescher Veranlagung auf der Spur, der bevorzugt in der Schwulenszene mordet. Stellenweise sind die Erwähnungen über die Verstümmlungen der einzelnen Toten schon sehr heftig und hätten für meinen Geschmack etwas dezenter ausfallen können.

Wie bei dem ermittelndem Team hat man auch als Leser bis zum Schluss keine Ahnung, um wen es sich bei dem Mörder handelt. Die Auflösung ist überraschend und nachvollziehbar umgesetzt, wenn man bedenkt, wie oft Kommissar Zufall schon einen Fall gelöst hat, kam aber für meinen Geschmack dann doch etwas plötzlich.

Die Spannung ist praktisch von der ersten Seite an auf einem hohen Niveau und hält sich auch mühelos bis zum Schluss. Grund hierfür ist auch, dass man bald das Gefühl hat, dass der Mörder sich ständig in Irenes Nähe zu befinden scheint, kaum Fehler begeht und für einen absolut konturenlos bleibt. So erhält man bis zum Schluss überhaupt keine Vorstellung darüber, um wen es sich bei dem Mörder handeln könnte und verdächtigt bald schon alle männlichen Mitwirkenden.

Gelegentlich nimmt die Autorin die Spannung etwas aus ihrem Krimi - wobei ich hier eigentlich schon fast von einem Thriller sprechen würde -, wenn sie ihren Lesern einen Einblick in das Privatleben von Irene Huss gewährt. Diese Mischung zwischen Ermittlungsarbeit und Privatleben ist sehr gut dosiert, zumal Irene ein sehr harmonisches Familienleben führt und dies einen guten Kontrast zu der grausamen Welt des Mörders herstellt.

Ihre Charaktere beschreibt die Autorin sehr realistisch und nachvollziehbar und somit nehmen sie auch sehr schnell Konturen an. Im Vordergrund steht natürlich Inspektorin Irene Huss, eine sympathische, energische Frau mittleren Alters, die gerne einmal eigene - auch unkonventionelle - Wege beschreitet, mal ein Auge zudrücken kann und Gefühle zeigt, wo sie angebracht sind. Auch ihre Kollegen sind ebenso facettenreich und stellenweise auch etwas undurchschaubar beschrieben, was sie für den Leser interessant macht.

Fazit: Ein extrem spannender Krimi, der jedoch absolut nichts für schwache Nerven bzw. schwache Mägen ist, da viele Mordszenen doch sehr detailliert beschrieben werden.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

{Rezension} Die Unschuld des Wassers von Ruth Rendell

Übersetzer: Eva L. Wahser
Genre: Englischer Krimi
ISBN: 3764502681 
Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Erscheinungsdatum: 28. Juni 2010
Preis: 19,95 €

Ein dunkles Geheimnis

Ismay teilt sich zusammen mit ihrer Schwester Heather und ihrer Mutter Beatrix und deren Schwester Pamela ein Haus in einem Londoner Vorort. Vor neun Jahren starb ihr Stiefvater Guy auf mysteriöse Weise in der Badewanne. Seit damals glauben Ismay wie auch ihre Mutter Beatrix, dass Heather ihren Stiefvater getötet hat. Beatrix hat hierüber mit der Zeit ihren Verstand verloren und wird nun von Pamela liebevoll betreut. Immer wieder quälen Ismay die Erinnerungen an damals, doch ansonsten ist sie glücklich mit ihrem Freund Andrew und geht zufrieden ihrem Job nach. Bis ihre jüngere Schwester Heather den Krankenpfleger Edmund kennenlernt. Andrew kann „die weibliche Krankenschwester“ nicht ausstehen und weigert sich, unter einem Dach mit ihm zu leben. Zusätzlich zu diesem Problem quälen Ismay Gewissenbisse. Muss sie Edmund von ihrem Verdacht erzählen? Könnte Heather wieder töten? Ismay entschließt sich, ihre Vermutung auf eine Kassette aufzunehmen, doch dies hat schon bald fatale Auswirkungen für sie.

Ruth Rendell greift in ihrem Psychokrimi die Themen Pädophilie wie auch Hörigkeit zu einem anderen Menschen auf. Gleichzeitig geht sie auch auf ganz profane Themen wie Liebesglück und Liebesleid ein, ohne hier jedoch auch nur ansatzweise in die Kitschkategorie abzurutschen. Ganz im Gegenteil: Sehr einfühlsam und nachvollziehbar beschreibt sie die Gefühle ihrer Protagonisten. Und auch eine Figur mit einer leicht kriminellen Ader darf nicht fehlen, was den Gesamteindruck des Buches hervorragend abrundet.

Die Spannung des Krimis baut sich mehr unterschwellig auf, ist während des kompletten Buches spür- aber selten richtig greifbar und das macht gerade die Faszination an dieser Geschichte aus. Man vermutet, dass in der Familie ein Verbrechen geschehen ist, kann sich dessen bis zum Schluss jedoch nie sicher sein, spürt ständig, dass demnächst noch irgendetwas passieren wird, kann sich aber nie genau vorstellen, was. Bis der nächste Mord dann passiert. Bis dahin ist man gelegentlich am Überlegen, in welche Richtung sich nun dieser Psychokrimi entwickeln wird, da der Schwerpunkt zwischen Heather und Ismay wechselt. So spielt die Autorin geschickt mit der Fantasie ihrer Leserschar und fesselt sie somit gnadenlos an das Buch.

Ihr Schreibstil ist eher leise und ruhig und gleichzeitig sehr emotional und auch anspruchsvoll. Geschickt verknüpft sie die Schicksale der einzelnen Mitwirkenden zu einer runden, nachvollziehbaren und  spannenden Geschichte, die einem mehr als einmal etwas nachdenklich stimmt und für die man sich wirklich etwas Zeit nehmen sollte.

Ihre Protagonisten sind äußerst detailreich und vor allem sehr unvorhersehbar beschrieben und entwickeln sich im Lauf des Krimis noch. So wird jeder, der schon einmal Liebeskummer hat, das anfängliche Verhalten von Ismay absolut nachempfinden können, wenn auch ihr späteres Verhalten nur noch als Hörigkeit zu bezeichnen ist. Auch der Charakter von Pamela, der netten, aufopferungsvollen Tante, die Mitte 50 ihr Liebesglück per Internet sucht, ist absolut glaubwürdig umgesetzt. Der schrägste Charakter des Krimis ist Marion. Mit ihrem Hang zum Kriminellen versucht sie, ältere Herrschaften um ihr Erspartes zu bringen. Ihr obliegt hier eine Schlüsselrolle und sie ist gewissermaßen der „rote Faden“ zwischen den einzelnen Hauptakteuren.

Tja, und dann ist da natürlich noch Heather: Hat sie wirklich ihren Stiefvater damals in der Badewanne umgebracht und wenn ja, aus dem Grund, den Ismay vermutet? Oder lag hier ein ganz anderer Grund vor? Heather ist eine absolut ehrliche Haut, lügt niemanden an, doch genau das ist der Grund, warum Ismay sich nicht traut, sie auf den Vorfall anzusprechen. Sie weiß, dass sie nur die Wahrheit erfahren wird. Hinzu kommt, dass die eher introvertierte Heather nun endlich ihr Glück mit Edmund gefunden zu haben scheint und dies möchte Ismay nun auch nicht zerstören.

Fazit: Ein Psychokrimi vom Allerfeinsten, der geschickt mit den Erwartungen seiner Leser spielt und bis zum Schluss absolut fesselnd und überraschend bleibt.

{Rezension} Sturz der Titanen von Ken Follett

Übersetzer: Tina Dreher, Rainer Schumacher, Dietmar Schmidt
ISBN: 3785724063
Genre: Historischer Roman
Gebundene Ausgabe: 1022 Seiten
Erscheinungsdatum: 28. September 2010
Preis: 28,00 €



Mit Liebe zum Detail

Im ersten Teil seiner Trilogie behandelt Ken Follett die Anfänge des 20. Jahrhunderts von Juni 1911 bis Januar 1924. Anhand von verschiedenen Einzel- wie auch Familienschicksalen, die aus der Arbeiterschicht wie auch aus dem Hochadel stammen,  berichtet er über ihre Erlebnisse vor, während und nach dem 1. Weltkrieg und gibt somit einen sehr ausführlichen Einblick in die damalige Politik und somit zu den Ereignissen, die zum 1. Weltkrieg geführt haben.

Seine Protagonisten stammen aus den Ländern England, Deutschland, Russland und Amerika und hierdurch lernt man sehr gut die Sicht der einzelnen Länder und deren Mitwirken am Weltgeschehen kennen. Da ist zum einen der englische Earl Fitzherbert, genannt Fitz und seine russische Ehefrau, die Fürstin Bea. An deren Beispiel zeigt Ken Follett sehr gut, wie der damalige Hochadel mit dem niederen Volk umgegangen ist, sie sich für die Herrscher der Welt und des Empire gehalten haben, die Rechte des Volkes sie herzlich wenig interessiert haben und sie vor allem und auf keinen Fall etwas von einem Frauenwahlrecht hören wollten. Doch gerade Fitz muss sich hiermit des Öfteren auseinandersetzen, denn seine renitente und politikinteressierte Schwester Maud ist eine aktive Verfechterin des Frauenwahlrechts. Dann steht auf der anderen Seite die junge Haushälterin Ethel und ihr jüngerer Bruder Billy. Ethel arbeitet als Hausmädchen bei Fitz auf dessen Landsitz in Wales, ihr Bruder wie auch fast alle Männer des Dorfes arbeiten in den nahegelegenen Kohleminen. Die Bedingungen unter Tage sind eine Katastrophe und absolut menschenunwürdig. Der Einfluss der Gewerkschaft steht noch ganz am Anfang und so sind die Menschen dort der Willkür der „Hohen Herrn“ ausgesetzt.

Für Russland treten die Brüder Lew und Grigori an, der eine ein Lebemann, der andere gewissenhaft. Auch ihr Leben wird stark durch das unmenschliche Leben in Russland vor und vor allem während des Krieges beeinflusst und so führt der Weg des einen Bruders in die Revolution, während der andere sein Glück in Amerika versucht. Hier ist dann auch der Bezug zu einem weiteren Protagonisten hergestellt: Gus Dewar. Der junge Mann, dessen reiche Familie zum alten Adel bzw. zum alten Geld in Amerika zählt, arbeitet im Umfeld von Präsident Wilson und ist somit direkt am Zeitgeschehen dabei. Und dann gibt es natürlich auch noch den deutschen Mitwirkenden, vertreten durch den jungen Diplomaten Walter von Ulrich, der auch in den höchsten Rängen der Macht seinem Amt nachgeht.

Die Wege all dieser Personen kreuzen sich während der 1022 Seiten immer wieder, stellenweise wundert man sich zwar schon das eine oder andere Mal über diesen Zufall, doch Ken Follett gelingt es gut, dies meist logisch umzusetzen. Anfangs gelingt es ihm auch wieder sehr gut, eine dichte Atmosphäre aufzubauen und seinen Protagonisten schnell Konturen zu geben. Doch je mehr Seiten man liest, umso mehr verlieren sich seine Hauptdarsteller in dem Roman und manchmal hat man das Gefühl, dass sie nur Statisten für die eigentliche Geschichte sind: dem 1. Weltkrieg. So bleiben seine Charaktere dieses Mal etwas blass und was mich am meisten gestört hat: sehr vorhersehbar.

Allein durch die Dramatik der Geschichte ist natürlich von Anfang an eine hohe Spannung vorhanden, die sich zumeist auch komplett über den gesamten Roman hält und somit ist Ken Follett mit seinem ersten Teil der Trilogie ein opulenter, dicht erzählter Roman gelungen. Doch leider schwenkt der Schwerpunkt des Buches zum Ende hin immer mehr auf die politischen Aktivitäten, die Ränke- und Machtspiele des Krieges um und hierdurch tritt das private Leben seiner Protagonisten immer mehr in den Hintergrund, zumal sie alle maßgeblich am Ausgang des Krieges beteiligt sind, was dem Ganzen eine etwas einseitige Sicht gibt. Anfangs gelingt ihm dies noch hervorragend, während er dem Leser seine Protagonisten und deren Leben vorstellt, doch zum Ende hin überwiegt das Kriegsgeschehen an der Front und die Macht- und Ränkespiele der Politiker. Hier hat mir einfach ein wenig das Leben der „normalen“ Menschen gefehlt, wie sie den Krieg erleben, welche Einschränkungen ihnen der Krieg auferlegt, wie sie jeden Tag ums Überleben kämpfen.

Er geht zwar durch die Revolution in Russland hierauf ein und beschreibt sehr genau, warum es zur Revolution kam und somit die unmenschlichen Bedingungen unter denen das russische Volk während der Zarenzeit leben musste, aber dies nur, um den Sturz des Zaren und somit den Beweggrund der Bolschewisten zu erklären.

Sein Roman ist hervorragend recherchiert. Sehr anschaulich und vor allem sehr verständlich erzählt er die Gründe, wie es zum 1. Weltkrieg kam, wie die USA lange versucht, sich aus dem Krieg herauszuhalten, wie den Deutschen die Rolle der Kriegstreiber zugeschrieben wurde und warum Frankreich und England sich am Krieg beteiligen mussten. Gleichzeitig beleuchtet er auch die politischen Probleme der einzelnen Länder, so z. Bsp. den Kampf der englischen Frauen für das Frauenwahlrecht oder die Anfänge der Gewerkschaften für mehr Rechte für die Arbeiter. Allerdings wirkt dies stellenweise wie eine Geschichtsstunde und somit teilweise auch etwas langatmig.

Fazit: Wer sich sehr für die politischen Hintergründe des 1. Weltkrieges interessiert, wird von diesem Roman begeistert sein. Meiner Meinung nach fehlt ihm allerdings der Faszination von „Die Säulen der Erde“.

Dienstag, 28. September 2010

{Rezension} Der Junge im gestreiften Pyjama von John Boyne

Verlag: Fischer Verlag 
Übersetzer: Brigitte Jakobeit 
Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
Genre: Historischer Roman
ISBN: 3596852285
Erscheinungsdatum: 27. Juli 2007
Preis: 19,95 €

Eindeutig kein Kinder- und Jugendbuch!

Bei diesem Buch von John Boyne bin ich hin- und hergerissen. Zum einen hat mich der Sprachstil des Autors wieder sofort überzeugt. Scheinbar mühelos gelingt es ihm bereits von der ersten Seite an, eine Atmosphäre aufzubauen, die einfach nur als hervorragend zu bezeichnen ist. Sofort erhält man ein Gefühl für die Geschichte, taucht regelrecht in diese ein und sein bildhafter Schreibstil sorgt dafür, dass man augenblicklich jede Szene vor Augen hat.

Ich bin ziemlich unbefangen und auch unwissend in Bezug auf den Inhalt an den Roman herangegangen, wobei ich schon wusste, dass er von zwei kleinen Jungen erzählt, die sich im Umfeld eines KZ kennenlernen, und dass es sich hierbei um ein Kinder-und Jugendbuch handelt. Das Buch wurde mir empfohlen als ein anrührender, wunderbar geschriebener Roman und auch die Bewertungen zu diesem Buch haben mich überzeugt, es mir zu kaufen, ohne hierbei auch nur eine Rezension dazu gelesen zu haben. Was ein Fehler war, zumindest für mich. Ich habe bisher immer noch keine Rezension dazu gelesen, um einfach unbeeinflusst meine schreiben zu können, werde es aber danach nachholen.

Wie gesagt, anfangs war ich von dem Erzählstil, den ich bereits von seinem Roman „Das Haus zur besonderen Verwendung“ kannte, wieder total gefesselt. Doch je länger ich las umso wütender bin ich geworden. Zum einen ist mir schon recht bald die Naivität von Bruno unangenehm aufgestoßen. Wie kann ein Neunjähriger, der im direkten Umfeld des NS-Regimes aufwächst, so unwissend sein. Wenn sein Vater ein ranghoher Kommandant war, der selbst mit Adolf Hitler und Eva Braun im Kreis seiner Familie zu Abend isst, wie kann dieser seinem Sohn dann nicht eine „angemessene“ Erziehung zukommen lassen, sprich: Bruno müsste zumindest in der Hitlerjugend gewesen sein, zumal sein Vater ja voll hinter dem kranken Gedankengut der Nazis stand. Da muss es doch sein oberstes Ziel gewesen sein, seinem einzigen Sohn dies auch so schnell wie möglich zukommen zu lassen.

Dann kommt hinzu, dass Bruno nicht fähig ist, dass Wort Führer richtig auszusprechen und auch Auschwitz ist wirklich nicht so schwer zu sprechen, als dass er es nicht nach den mehrmaligen Verbesserungen, die im Roman erwähnt wurden, richtig hätte wiedergeben können. Zumal er mit anderen Wörtern absolut keine Probleme hat. Mir ist auch nicht klar, was der Autor hiermit bezwecken wollte, außer dass es mit der Zeit nervt und einem an Brunos Intellekt zweifeln lässt oder wollte er damit die kindliche Naivität hervorheben, wie diese mit einem Thema umgehen. Dann hätte er aber das Alter seines Protagonisten um einiges jünger wählen müssen, so wirkt es einfach nur unglaubwürdig.

Dann Brunos Gedanken: Sie drehen sich ausschließlich um das Haus in Berlin, um seine drei besten Freunde und das er keine Spielkameraden in Auschwitz hat und unbedingt wieder nach Hause will. Lange Zeit interessiert ihn nichts anderes. Natürlich ist dies nachvollziehbar, zumal Bruno von dem lebendigen Berlin in eine solche Einöde katapultiert wird. Aber welcher aufgeweckter Junge, und als dieser wird Bruno einem vermittelt, hätte sich nicht spätestens nach einer Woche auf Entdeckungstour an dem neuen Ort begeben, da er ja unbedingt Forscher werden möchte. Auch ansonsten hatte ich das Gefühl, dass Bruno nur mit riesengroßen Scheuklappen durchs Leben läuft und das Gemüt eines Fünfjährigen, aber keinesfalls die Intelligenz eines neunjährigen Jungen besitzt.

Er lebt in unmittelbarer Nähe des Konzentrationslagers Auschwitz und bekommt über die Vorgänge, die sich dort abspielen, ebenfalls nichts mit? So wie es in dem Buch beschrieben ist, trennte nur ein Zaun die Gefangenen von den Nazis. Im Haus sind ständig Nazi-Schergen ein und aus gegangen, wie kann man da nur so desinteressiert sein? Wenn der Autor damit vermitteln will, dass auch viele Erwachsene im 2. Weltkrieg ihre Augen vor dem Offensichtlichen verschlossen haben, lass ich dies so aber auch nicht stehen, da Bruno genug Menschen um sich herum hatte, die er gezielt fragen konnte, ohne Angst um sein Leben haben zu müssen.

Nie werden von Bruno Ereignisse genauer hinterfragt und gerade in dem Alter sind doch Kinder besonders neugierig und wissbegierig. Ihn interessiert kaum das kränkliche Aussehen von Schmuel, sondern er registriert nur, dass der jüdische Junge etwas grau im Gesicht ist und dünn aussieht. Zumindest scheint er mit der Zeit schon verstanden zu haben, dass Schmuel Hunger leiden muss, aber selbst hier denkt Bruno erst einmal nur an sich und futtert das für Schmuel gedachte Essen meist zur Hälfte auf dem Weg zum Zaun selbst. Das zeigt doch deutlich, dass ihm absolut nicht bewusst ist, wie schlimm es Schmuel hinter dem Zaun gehen muss und wer schon mal Bilder von KZ-Häftlingen gesehen hat, für den ist dies schwer vorstellbar. Da muss doch auch ein Neunjähriger ins Grübeln kommen.  Dann der Zaun! Für mich ist es nicht vorstellbar, dass die Umzäunung eines KZ’s so nachlässig war und so unzureichend gesichert. Und wie war es Schmuel möglich, sich jeden Tag unbemerkt an die Grenze des Lagers zu begeben, ohne dass auch nur ein Soldat dies jemals bemerkt hat.

Hier wird einfach ein total falsches Bild eines Konzentrationslagers und dem Leben darin vermittelt und das ist gefährlich.  Besonders erschreckend fand ich die Szene, als Schmuel von der Verhaftung seiner Familie, dem Leben im Getto und der anschließenden Verschleppung nach Auschwitz erzählt. Hier stellt Bruno immer wieder Vergleiche mit seinem Leben an, schließlich sei er ja auch nicht freiwillig von Berlin weggezogen. Das ist purer Hohn und verharmlost ungemein das Schicksal von Schmuel und seiner Familie.

Selbst als Märchen kann ich die Geschichte nicht ansehen, dafür ist das Thema einfach zu brisant. Als Autor hat man gegenüber seiner Leser auch eine gewisse Verantwortung, vor allem wenn die Zielgruppe Kinder oder Jugendliche sind.  Und hier wird meiner Meinung nach sehr schlecht recherchiert auf ein Thema eingegangen, dass einfach sehr gut recherchiert vermittelt werden muss. Hinzu kommt, dass Berlin Anfang der 40er Jahre noch als Paradies dargestellt wird, in dem die Gemüse- und Obststände überquellen und Menschen bei schäumenden Getränken lachend auf der Straße sitzen und das 1943! Dass nachts Verdunklung angesagt war, wird hier nur am Rande erwähnt.

Ok, das Buch ist ein Roman und somit hat der Autor ein Recht, Fiktion und Wahrheit zu vermischen und sich auch schriftstellerische Freiheiten zu erlauben. Allerdings sollte man sich auch bei einem Roman an offensichtliche Tatsachen halten.

Etwas entschädigt hat mich das Buch dann mit seinem Ende, das mich wirklich überrascht und auch berührt hat und der jungen Leserschar vielleicht doch einen winzigen Blick auf das wahre Leben im 2. Weltkrieg und dem Holocaust werfen lässt.

Fazit: Ein anrührendes, wunderbar geschriebenes Buch, keine Frage. Aber als Kinder- und Jugendbuch absolut nicht empfehlenswert, da für das ernste Thema viel zu schlecht recherchiert wurde und so ein völlig falscher Eindruck des Holocaust vermittelt wird.

{Leseeindruck} American Devil von Oliver Stark

Verlag: Piper Verlag
Übersetzer: Gabriele Weber-Jaric, Bettina Zeller
Genre: Amerikanischer Thriller
ISBN: 9783492259231 
Taschenbuchausgabe: 448 Seiten
Erscheinungsdatum: 25. Oktober 2010
Preis: 9,95 €


Rosenblüten am Tatort

Schon allein der Prolog bereitet Gänsehaut beim Lesen und zeigt auf, dass man es hier wieder einmal mit einem äußerst perfiden Mörder zu tun bekommt. Es ist der Valentinstag des Jahres 1982 als ein Junge in West Virginia in das Elternhaus eines jungen Mädchens eindringt, um ihr seine Liebe zu gestehen. Mit dabei hat er einen Strauß Rosen. Als er schließlich unbemerkt von den Eltern im Zimmer der jungen Chloe Mestella ankommt, beobachtet er sie erst einmal verzückt bevor er sich ihr nähert. Ohne die Chance seine Gefühle zu kontrollieren, legt er sich auf sie, wovon Chloe erwacht und verzweifelt versucht, freizukommen. Als der Junge ihr seine Liebe gesteht und sie fragt, ob Chloe seine Freundin werden möchte, verneint diese voller Angst. Aus lauter Verzweiflung, Wut und Zorn ob dieser Absage erwürgt er sie. Bei diesem kurzen Handlungsstrang ist schon deutlich zu spüren, dass der Junge in seiner eigenen, kranken Welt lebt und eindeutig gestört sein muss.

Dann macht die Leseprobe einen Sprung zu Kapitel 15 bzw. Seite 79 und man begleitet die Detectives Eddie Kasper und Tom Harper, die dem Blue Team des NYPD angehören, zu einer Konferenz mit ihren Kollegen. Ihr Chef hat diese einberufen, da eine große New Yorker Zeitung am nächsten Tag über einen Serienkiller berichten wird, gegen den Eddie und Tom bereits längere Zeit ermitteln. Immer wieder werden in einem reichen New Yorker Vorort junge, blonde Frauen auf bestialische Weise ermordet vorgefunden, doch dem Täter kommt die Polizei einfach nicht auf die Spur. Nun soll genau hierzu ein Zeitungsbericht von Erin Nash veröffentlicht werden, der Insiderinformationen enthält, die auf keinem Fall an die Öffentlichkeit dringen dürfen. Sogar einen Namen hat die Öffentlichkeit dem Serienmörder schon gegeben: American Devil.

Nachdem wieder einige Seiten übersprungen wurden, beschreibt Oliver Stark nun die Vorgehensweise des Mörders. Hierbei handelt es sich um einen charmant wirkenden und wahrscheinlich auch gutaussehenden Mann, der diese Attribute für sich nutzt, um so Bekanntschaften mit seinen zukünftigen Opfern zu knüpfen. Und das Perfide daran, er gibt ihnen sogar noch eine Chance, sie nicht zu töten und spielt hier ganz geschickt mit deren Angst.

Jedem Kapitel ist Ort und Datum vorangestellt, wodurch davon auszugehen ist, dass sich der Thriller binnen weniger Tage oder Wochen abspielen wird. Man ahnt bereits, dass der Junge im Prolog nun gut 25 Jahre später das Morden wohl fortsetzen wird. Möglicherweise wurde er für seinen Mord an Chloe verhaftet und durfte die vergangen Jahre im Gefängnis oder aber in der Psychiatrie verbringen. Und nun kehrt er als gereifter Mann in den Vierzigern zurück, um seine krankhaften Neigungen fortzuführen und zu perfektionieren. Und der Drang zum Töten scheint in ihm immer stärker zu werden, denn die Abstände zwischen den Morden werden immer kürzer. Allein hierdurch ist davon auszugehen, dass sich der Thriller äußerst rasant und hochspannend entwickeln wird.

Oliver Stark erzählt sehr rasant, direkt und packend. Der Prolog weckt sofort die Neugier wie auch das rätselhafte Auftreten des Mörders und animiert regelrecht zum Weiterlesen. Auch seine Detectives Tom und Eddie nehmen bereits schnell Konturen an und wirken sehr sympathisch. Und so ein kleiner Hinweis am Rande lässt erahnen, dass der Charakter von Tom nicht gerade einfach gestrickt ist, sondern hier auch noch eine Überraschung für den Leser parat hält.


Montag, 27. September 2010

{Rezension} Das bernsteinfarbene Foto von Penelope J. Stoke

Verlag: Weltbild Verlag 
Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
ISBN: 9783828994188
Genre: Frauenroman
Erscheinungsdatum: 2009
Preis: 9,95 €


Nichts ist so wie es scheint

An ihrem 25. Geburtstag erhält Diedre McAllister von ihrer todkranken Mutter ein besonderes Geburtstagsgeschenk: Ein Kästchen, in dem sich ein altes Foto sowie zwei Briefe ihrer angeblich toten Schwester Sissy befinden. Das kleine Mädchen auf dem Foto ist eindeutig ihre große Schwester  zusammen mit ihrem Vater und die Briefe beweisen, dass Sissy nicht gestorben ist, als Diedre noch sehr klein war. Ihre Mutter stirbt, ohne dass Diedre sie diesbezüglich fragen kann. Und auch von ihrem Vater erhält sie nur ausweichende Antworten. Der letzte Aufenthaltsort von Sissy ist laut den Briefen Seattle und so begibt sich Diedre zusammen mit ihrer Freundin Carlene auf den Weg zurück in ihre eigene Vergangenheit.

Anfangs stellt die Autorin ihren Lesern Kapitelweise die Mitwirkenden des Romans vor und so erhält man recht schnell einen guten Überblick und erfährt hierdurch auch schnell, in welcher Beziehung diese zu Diedre stehen. Später überwiegt der Erzählstrang von Diedre, bei dem nach und nach auch das eigentliche Thema des Romans ans Licht kommt, mit dem die Autorin sehr emotional umgeht.

Durch die lange Unwissenheit, was es mit dem Schicksal von Sissy auf sich hat und welchen Grund es gab, dass sie von zu Hause in jungen Jahren fortgeschickt wurde, fördert die Spannung und die Auflösung präsentiert einem die Autorin auch erst fast zum Schluss, sodass der Roman durchweg spannend und unterhaltsam angelegt ist.

Allerdings hat mich etwas der Sprachstil von Penelope J. Stokes gestört. Dem Thema bedingt ist er natürlich sehr emotional angelegt, was auch vollkommen in Ordnung geht. Jedoch ist ihre Erzählweise stellenweise schon recht schnulzig und auch sehr religiös gehalten, was mir doch des Öfteren unangenehm aufgestoßen ist. Und ab und an wird der Schreibstil auch ziemlich seicht, wenn dann des Öfteren von „Herzeleid“ und ähnlichem liest. Auch fand ich es nicht unbedingt passend und keinesfalls überzeugend, dass eine erwachsene Frau ihre Eltern immer noch als „Mommy“ und „Daddy“ bezeichnet, nach allem, was sie durch diese durchleiden musste.

Der Handlungsablauf der Geschichte ist bereits früh erkennbar und überrascht nicht sonderlich. Allerdings gelingt es der Autorin doch, die eine oder andere unvorhersehende Wendung einzubauen und hält hierdurch den Spannungs- wie auch den Unterhaltungswert recht hoch.

Ihre Figuren sind ziemlich schwarz-weiß gezeichnet und überraschen nicht wirklich, wirken jedoch zumeist glaubwürdig, auch wenn sich wirklich vielen Klischees bedient wird. Jedoch habe ich mich mit der Figur des sechsjährigen Sam ein wenig schwer getan. Der kleine Knirps legt eine Weisheit an den Tag, die selbst lebenserfahrene Menschen im hohen Alter nicht erreichen und ist für mich absolut überzogen dargestellt.

Fazit: Alles in allem ein kurzweiliger Roman, der sich schnell und flüssig lesen lässt, aber auch keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.

{Rezension} Mädchenfänger von Jilliane Hoffman

Übersetzer: Sophie Zeitz
Genre: Amerikanischer Thriller
Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
ISBN: 3805208928
Erscheinungsdatum: 16. Juli 2010
Preis: 19,95 €



Nur die Jungfrauen dürfen leben

Zum wiederholten Male lauscht ein Mann den aufwühlenden Worten eines Predigers, während er an seinem Computer per Webcam das Zimmer eines jungen Mädchens beobachtet. Er tippt einen Satz ein und schon sieht er, wie das Mädchen freudig an den PC stürzt. Ein Haus im Süden Floridas. Hier wohnt die 13-jährige Lainey Emerson. Schon seit Minuten sitzt sie aufgeregt vor ihrem PC und wartet auf eine Nachricht von Zach, dem süßen 17-jährigen Jungen, den sie in einem Chatroom kennen gelernt hat. Als sich Zach endlich meldet und sie um ein persönliches Treffen bittet, sagt Lainey begeistert zu. Niemanden erzählt sie etwas von dieser Verabredung und als sie freitags zum vereinbarten Treffpunkt kommt, steigt sie nervös und überglücklich in Zachs Auto, ohne ihn sich genauer anzusehen. Als sie ihren Fehler bemerkt, scheint es zu spät zu sein.

Jilliane Hoffman greift in ihrem neuesten Thriller ein aktuelles Thema auf und vermittelt glaubwürdig, wie leicht es ist, junge Mädchen mit einer falschen Identität zu beeinflussen, mit Schmeicheleien zu täuschen und so ihre Gutgläubigkeit für seine Zwecke auszunutzen. Diese Leichtsinnigkeit macht sich ein Serienmörder zu nutze, der schon bald von der Öffentlichkeit den Namen „Picasso“ erhält. Geschickt wählt er seine Opfer aus zerrüttenden Familien aus, sodass deren Verschwinden meist erst einmal als Ausreißen gesehen wird und es somit seine Zeit dauert, bis mit den Ermittlungen begonnen wird.

Die Autorin lässt bereits gleich zu Anfang auch den Mädchenfänger zu Wort kommen. So erhält man einen kleinen Einblick in seine kranke, gestörte Seele, allerdings ohne den kleinsten Hinweis auf seine Identität zu erhalten. Man ist hierdurch zwar teilweise über seine Aktivitäten im Bilde, hat jedoch keine Ahnung, um wen es sich handelt, noch welch krankhafter Beweggrund hinter seinem Handeln steht.

Somit ist Spannung in dem Thriller einfach vorprogrammiert und sie hält sich auch mühelos über das gesamte Buch hinweg. Dazu trägt natürlich auch der packende, rasante und flüssige Schreibstil von Jilliane Hoffmann bei und ihr gelingt es zudem sehr gut, passend zu dem Thema eine fast schon beklemmende Stimmung aufzubauen und einem beim Lesen auch etwas nachdenklich zu stimmen. Zusätzlich sind einige überraschende Wendungen wie auch falsche Spuren in die Story eingebaut, die der Spannung auch nicht abträglich sind.

Ihr Protagonist ist der Ermittler Bobby Dees. Sein Spitzname ist Shepard (Shep), da er über Jahre hinweg erfolgreich viele vermisste Mädchen wieder auffinden und nach Hause zurückbringen konnte. Nur seine einzige Tochter nicht. Die 16-jährige Katy ist vor einem Jahr spurlos verschwunden und niemand weiß, ob sie ausgerissen ist oder einem Verbrechen zum Opfer fiel. Alle Versuche von Bobby sind bisher gescheitert, seine Tochter wieder zu finden. An dieser Ungewissheit droht seine Ehe zu zerbrechen. Sehr gut vermittelt Jilliane Hoffman hier die Hilflosigkeit von Bobby und LuAnn wie auch ihre Selbstvorwürfe und auch die Zermürbung, die ihre Situation auf Dauer mit sich bringt.

Und auch die Gefühle von Lainey beschreibt die Autorin eindringlich und überzeugend. Der 13-jährigen kann es mit dem Erwachsenenwerden nicht schnell genug gehen. Zusätzlich hat sie Probleme mit ihrer Familie. Ihr jüngerer Bruder ist der Kronprinz, wird von Mutter und Stiefvater verwöhnt und zu allem Überfluss klappt es in der Schule nicht, da sie dieses Schuljahr auf eine neue Schule wechseln musste, während alle ihre Freundinnen auf der alten  geblieben sind. So fühlt sie sich einsam, missverstanden und verloren und ist somit ein perfektes Opfer für den Mädchenfänger.

Fazit: Ein rasant erzählter Thriller, der von der ersten Seite an spannend ist und ein Thema beleuchtet, das aktueller nicht sein könnte.

{Rezension} Das Mysterium von Titus Müller

Verlag: Aufbau Verlag 
Taschenbuchausgabe: 469 Seiten 
ISBN: 3746625262 
Genre: Historischer Roman
Erscheinungsdatum: 23. Juli 2009
Preis: 9,95 €

Nemos Geheimnis

München im Jahr 1356: Mathildas Vater ist der erfolgreicher Kaufmann Neuhauser und so ist es ihr schier unverständlich, warum er verhaftet und in den Kerker geworfen wird. Mathilda glaubt an seine Unschuld und besucht ihn in seiner Zelle. Doch die Geschichte, welche ihr Vater ihr über sein Leben erzählt, erschüttert sie zutiefst. München, 1336: Der junge Nemo ist ein Meister der Täuschung, musste er sich als Waisenkind doch schon früh in seinem Leben behaupten. Doch Nemo hütet auch ein Geheimnis, von dem er bisher nichts wusste, bis der charismatische Sektenführer Amiel von Ax in München auftaucht. Dieser scheint etwas über Nemos Eltern zu wissen und so schließt Nemo sich dem Perfectus „der Reinen“ an, um mehr über seine Herkunft zu erfahren. Doch auch Amiel von Ax hofft, Nemo für seine Zwecke ausnutzen zu können, scheinen dessen Eltern ihm doch als Kleinkind ein wohlbehütetes Geheimnis anvertraut zu haben, was für die Katharer von entscheidender Bedeutung ist. Hauptsächlich ist Amiel von Ax aber in München, um die Menschen dort von dem Glauben „der Reinen“ zu überzeugen. Hier trifft er auf einen ebenbürtigen Gegner: William von Ockham, Franziskanermönch und Vertrauter von König Ludwig IV. Zusammen mit dem Stadtinquisitor Vinzenz versucht William von Ockham alles, um bei Amiel von Ax einen Grund für eine Verhaftung zu finden, doch der Perfectus ist ihnen immer einen Schritt voraus. Zwischen diese Fronten gerät der junge Nemo, was sein Leben nachhaltig beeinflussen wird.

Auffallend ist von Anfang an die fundierte Recherche zu diesem Buch, somit vermittelt Tituts Müller dem Leser ein hervorragendes Bild des mittelalterlichen Münchens. Zur damaligen Zeit hatten die Kirche und der Glaube zum täglichen Leben dazugehört und somit nimmt das Thema der Glaubensfrage eine zentrale Rolle in dem Roman ein. So ist auch ein Hauptakteur des Romans der Gelehrte und Franziskanermönch William von Ockham, der als Vorbild für William von Baskerville aus Umberto Ecos „Der Name der Rose“ diente. Dieser realen Figur setzt der Autor die erfundene Gestalt des Sektenführers Amiel von Ax gegenüber. Der „geistige Machtkampf“ der Beiden ist glaubhaft dargestellt und überzeugend vermittelt Titus Müller die charismatische Präsenz von Amiel von Ax, wie es ihm so scheinbar mühelos gelingt, das Volk mit seinen Lehren auf seine Seite zu ziehen.

Das Thema an sich verspricht eine interessante, spannende und auch mystische Geschichte aus dem Mittelalter. Dies ist sie stellenweise auch, allerdings oft auch sehr langatmig gehalten, besonders wenn es um kirchliche Auseinandersetzungen geht. Zwar vermittelt der Autor sehr gut seine Begeisterung für diese Epoche wie auch zu diesem Thema, allerdings ist die Liebe zum Detail manchmal recht ermüdend. So bleibt das eigentlich aufregende Leben von Nemo wie auch der Hintergrund der Geschichte stellenweise auf der Strecke und dadurch büßt die Geschichte an Spannung ein. Zudem kam meines Erachtens das Ende dann etwas zu schnell und war auch nicht unbedingt durchgängig nachvollziehbar umgesetzt und ließ somit einige Fragen offen. Allerdings ist es Titus Müller hervorragend gelungen, hier Fiktion und Wahrheit geschickt zu verknüpfen und was nun Wahrheit und was Fiktion ist, lüftet der Autor im Anhang des Buches.

Sehr charismatisch stellt Titus Müller die Figur des Katharers Amiel von Ax dar. Von ihm geht eine fast schon unheimliche Macht aus, die sich beim Lesen sehr gut überträgt. Und auch William von Ockham wird glaubwürdig und detailreich dargestellt. Wer mir allerdings etwas blass vorkam, war der Protagonist Nemo. Obwohl er wirklich sehr sympathisch beschrieben ist und man auch immer wieder Einblick in seine Gefühlswelt erhält, erhielt ich während des gesamten Romans keinen richtigen Bezug zu ihm. Das mag aber auch an mir gelegen haben.

Fazit: Wer sich explizit für Kirche und Glaubensfragen im Mittelalter interessiert und eine sehr komplex recherchierte, geschichtliche Darstellung wünscht, ist hier genau richtig. 

Freitag, 24. September 2010

{Rezension} Der Todesflüsterer von Donato Carrisi

Verlag: Piper Verlag
Übersetzer: Christiane von Bechtholsheim, Claudia Schmitt
Taschenbuchausgabe: 496 Seiten
Genre: Thriller International
ISBN: 3492257704
Erscheinungsdatum: Februar 2010
Preis: 9,95 €




„… Das Dunkle ruft uns, sein Sog lockt uns …“

Auf einem Waldstück wird durch Zufall ein grausiger Fund gemacht. Sechs linke Arme sind hier vergraben, die schnell fünf vermissten kleinen Mädchen zugeordnet werden können. Doch wem gehört der sechste Arm? Schon bald taucht die erste Leiche auf und ein erster Verdächtiger ist gefunden. Doch Profiler Goran Gavila und sein Team müssen feststellen, dass so einfach der Fall nicht zu lösen ist und der Serienmörder ganz bewusst Hinweise für sie auslegt. Doch werden diese Hinweise auf seine Spur führen?

Mit jedem weiteren Leichenfund decken die Ermittler auch ein weiteres Verbrechen auf, doch auf die eigentliche Spur des Mörders führen diese sie nicht. Ganz im Gegenteil, ganz bewusst spielt der Mörder hier ein perfides Spiel, in das auch immer mehr die Ermittler selbst mit einbezogen werden. Zusätzlich lastet der Druck nach der Suche des sechsten Opfers auf dem Ermittlerteam, denn je länger sie brauchen, das kleine Mädchen zu finden, umso geringer sind dessen Überlebenschancen.

Die Story ist sehr komplex angelegt und schon bald fällt auf, dass Donato Carrisi komplett auf Ortsangaben verzichtet. So ist für den Leser absolut nicht ersichtlich, in welcher Stadt oder gar in welchem Land sein Psychothriller angesiedelt ist. Und auch die Namen der Beteiligten lassen hier absolut keine Rückschlüsse zu.

Und was auch auffällt, ist sein Sprachstil. So verzichtet der Autor komplett auf reißerische Szenen, beschreibt keine einzige Gräueltat ausführlich und lässt somit sehr viel Raum für die Fantasie des Lesers. So sind alle Szenen nur angedeutet in ihrer Grausamkeit und das Kopfkino kann sich hier voll entfalten. Hinzu kommt, dass die ganze Atmosphäre des Thrillers eine gewisse Beklemmtheit, Traurigkeit und Düsternis ausstrahlt.

Zusätzlich kann sein Schreibstil eher als ruhig und sensibel bezeichnet werden, was dazu führt, dass man sich beim Lesen sehr gut in die Story einfühlen kann. Zudem geht er ausführlich auf die Gefühle seiner Protagonisten ein und gestattet ihnen ein Privatleben, was allerdings im Laufe des Thrillers noch einen wichtigen Aspekt darstellen wird.

Durch die Komplexität der Geschichte und den geschickt gelegten Wendungen gelingt es dem Autor mühelos, bereits von der ersten Seite an eine Spannung aufzubauen, die stellenweise sehr unterschwellig und subtil ist, nur um dann wieder zwischendurch richtig anzuziehen. So ist der Thriller bis zum Schluss äußerst fesselnd erzählt. Allerdings kamen mir zum Ende doch die einen oder anderen Ereignisse etwas konstruiert vor, was den Lesespaß jetzt aber nicht wirklich stört.

Seine Figuren zeichnet Donato Carrisi sehr detailreich und hier zeigt er auch auf, dass der erste Eindruck durchaus täuschen kann und alles nicht unbedingt so sein muss, wie es auf den ersten oder sogar auch auf den zweiten Blick zu sein scheint. Und auch der Grund der Titelwahl für den Thrillers wird am Ende gelüftet und zeigt hier ein Thema auf, dass einfach nur beängstigend ist und ein ungutes Gefühl beim Beenden des Buches zurücklässt.

Fazit: Mit „Der Todesflüsterer“ hält man einen sehr komplex und äußerst spannend angelegten Psychothriller in der Hand, über dessen stellenweise etwas konstruierte Handlung man gerne hinwegsieht.

{Rezension} Die Kampagne von David Baldacci

Übersetzer: Rainer Schumacher
Taschenbuchausgabe: 480 Seiten
Genre: Amerikanischer Thriller
ISBN: 3404163680
Erscheinungsdatum: 16. Februar 2010
Preis: 9,99 €




Zurück zur alten Weltordnung

Ein Video im Internet erschüttert die Welt. Weitere negative Informationen gegen Russland folgen im Netz, sodass bald nur noch von der „Roten Gefahr“ gesprochen wird und die Staaten mit einem panikartigem Aufrüstungen beginnen. Eine international operierende Geheimdienstorganisation setzt ihren besten Mann Shaw auf die Sache an, um hinter die Wahrheit und die Drahtzieher dieser Gräueltaten zu kommen. Zusammen mit der Reporterin Katie James, die durch Zufall in die Sache mit hineingeraten ist, versucht Shaw alles, um einen dritten Weltkrieg zu verhindern. Doch er hat einen der mächtigsten Männer der Welt gegen sich.

David Baldacci behandelt in seinem neuesten Actionthriller das Thema „Perzeptionsmanagement“ (PM), dessen Arbeit einzig und allein darin besteht, gezielt falsche Wahrheiten in den Medien zu schalten, um bestimmte politische oder auch wirtschaftliche Ziele zu ermöglichen. Solch eine Beraterfirma gehört Richard Pender, der im Auftrag des Milliardärs und Rüstungsunternehmers Nicolas Creel die falsche Videos ins Internet setzen lässt, mit dem Ziel, die Zeiten des Kalten Krieges wieder aufleben zu lassen.

In seinem Nachwort weist David Baldacci darauf hin, dass der Begriff Perzeptionsmanagement mittlerweile Eingang in den allgemeinen Sprachschatz gefunden hat und das US-Verteidigungsministerium diesen Begriff sogar in seinen Handbüchern definiert, mittlerweile würden sogar diesen Dienst eine ganze Reihe von PR-Firmen anbieten. Allerdings gäbe es noch (!) keine ausgewiesenen Spezialisten, die sich perfekt auf diesen Job verstehen würden.

Bereits von der ersten Seite an katapultiert David Baldacci seine Leser hinein in den Actionthriller und lässt einem kaum die Möglichkeit, zum Luft holen. Sein Schreibstil ist sehr direkt und schnörkellos und trifft somit genau den richtigen Ton für solch einen Thriller. Durch die ständigen Perspektivwechsel und den überraschenden Wendungen gelingt es ihm zudem mühelos, die Spannung von der ersten Seite an auf hohem Niveau zu halten. Zwar weiß der Leser bereits sehr schnell, wer und welche Gründe hinter den Falschmeldungen stehen, doch die actionreiche Handlung wie auch das brisante Thema sorgen für gute Unterhaltung in bester James-Bond-Manier.

Sein Protagonist ist der typische, unbesiegbare Einzelkämpfer. Und doch gestattet der Autor dem Spion Shaw ein Privatleben, was dem Leser die Möglichkeit gibt, sich mit diesem introvertierten, sensiblen Mann anzufreunden. Ursprünglich hatte Shaw geplant, nach fast 6 Jahren beim Geheimdienst in den Ruhestand zu treten und seine schöne wie auch kluge Freundin Anna zu heiraten. Doch sein Chef Frank Wells hält hiervon absolut nichts, schließlich ist Shaw sein bester Mann und so gelingt es Frank auf erpresserische Art Shaw davon zu überzeugen, den Job zu übernehmen.

Zur Seite stellt ihm der Autor die Reporterin und zweifache Pulitzer-Preisträgerin Katie James, die nach einem traumatischen Erlebnis zu Alkoholikerin geworden ist und deren besten Zeiten bereits weit hinter ihr liegen. Doch bei diesem Fall wird ihr Reporterinstinkt wieder geweckt und so steht sie Shaw schon bald mutig zur Seite, um die Drahtzieher dieser Kampagne aufzuspüren. Und beide riskieren hierbei mehr als einmal ihr Leben.

Fazit: Alles in allem ist David Baldacci ein actiongeladener Thriller gelungen, der einen von der ersten Seite an fesselt und mit einem sehr interessanten Thema aufwarten kann.