Leseempfehlungen

Montag, 9. August 2010

{Leseeindruck} Gotteszahl von Anne Holt

Übersetzer: Gabriele Haefs
Genre: Skandinavischer Krimi
ISBN: 978-3-492-05395-2
Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
Erscheinungsdatum: 06. September 2010
Preis:19,95 €




Heiligabend mit tödlichem Ausgang

Mit Seite 23 steigt die Leseprobe gleich bei einer packenden Szene ein, als ein Wachmann und ein junger Mann verzweifelt versuchen, zwei Menschen aus dem eiskalten Wasser eines Fjords in Oslo zu retten. Der junge Mann kann einen retten. Die schnell herbeieilende Polizei kann bei der zweiten Person jedoch nur noch den Tod feststellen, der bereits schon mehrere Wochen zurückliegt und die Leiche entsprechend entstellt ist.

In einem weiteren Handlungsstrang ist man beim Weihnachtsessen von Yngvar Stubo und Inger Johanne Vik mit ihrer Familie dabei und verfolgt ein wenig die alltäglichen Kabbeleien, die es wohl in jeder Familie während der Feiertage gibt. Und auch der Tote, der aus dem Fjord gezogen wurde,  ist besonders bei Tochter Kristiane ein Thema, wovon verständlicherweise ein Teil der Tischgesellschaft nicht besonders begeistert ist.

Anne Holts Schreibstil ist einfühlsam und flüssig, besonders fällt dies wieder auf, als sie den Zustand von Kristiane – der Tochter von Inger Johanne – beschreibt. Ganz plötzlich wechselt sich bei ihr die Stimmung und Kristiane versinkt in ihre eigene Welt. Deutlich spürt man hier die Hilflosigkeit von Inger Johanne, dass sie so gar nichts gegen das Verhalten ihrer Tochter unternehmen kann, gleichzeitig merkt man aber auch ihre Liebe zu Kristiane.

Und auch die 62-jährige Eva Karin Lysgaard lernt man in der Leseprobe kennen, allerdings nur kurz. Denn die Bischöfin, für die der Heilige Abend ein besonderer Tag ist, wird ermordet. Sie stirbt mit einem Geheimnis, um was es sich hierbei handelt, erfährt man jedoch noch nicht. Yngvar Stubo wird noch am selben Abend über den Mord informiert und unterhält sich mit seiner Frau hierüber.

Auf den wenigen Seiten wirft die Autorin schon viele Fragen auf, die somit die Spannung recht früh auf ein hohes Niveau setzen und ihr gefühlvoller, fesselnder Schreibstil sorgt dafür, dass man nach wenigen Seiten in die Geschichte eintaucht.

Und auch ihre Beschreibungen der Mitwirkenden sind durchweg detailreich und einfühlsam, sodass sie schnell Konturen annehmen und auch Leser, welche die bisherigen Krimis rund um Yngvar Stubo und Inger Johanne Vik nicht kennen, schnell eine Vorstellung von ihnen erhalten.

Samstag, 7. August 2010

{Rezension} Das Haus zur besonderen Verwendung von John Boyne


Verlag: Arche Verlag
Übersetzer: Fritz Schneider
Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
Genre: Historischer Roman
ISBN: 3716026425
Erscheinungsdatum: 30. August 2010
Preis: 24,90 €




Die Geschichte einer großen Liebe

1981: Georgi Daniilowitsch Jatschmenew ist ein 81-jähriger Exilrusse, der zusammen mit seiner russischen Frau Soja in den 1920er Jahren nach England emigriert war. Die Revolution 1918 in Russland vertrieb sie aus ihrer Heimat und sie flohen erst einmal nach Paris bis sie dann in einem kleinen Londoner Vorort ein neues Zuhause fanden. Nun hat seine mittlerweile auch 79-jährige Frau Soja Krebs im Endstadium und während er sie im Krankenhaus besucht und sonst seine Tage meist alleine verbringt, schweifen seine Gedanken immer wieder in die Vergangenheit zurück.

Georgi wuchs in ärmlichen Verhältnissen in dem kleinen russischen Dorf Kaschin auf, durch das eines Tages der Vetter des Zaren mit seinen Soldaten reitet. Durch eine Reflexreaktion rettet Georgi an diesem Tag dem Vetter des Zaren das Leben, verliert aber gleichzeitig seinen besten Freund durch sein Verhalten. Als Dank für sein selbstloses Handeln wird Georgi zum persönlichen Leibwächter des Zarewitsch Alexei ernannt. Hierdurch ändert sich das Leben des Bauernjungen radikal. Er lebt fortan im Winterpalais von St. Petersburg, lernt die Zarenfamilie kennen und schätzen und führt ein sorgenfreies Leben. Mit dem jungen Alexei freundet er sich schnell an und er verliebt sich in Anastasia, die jüngste Tochter des Zaren. Seine Liebe bleibt nicht unerwidert.

Doch die schönen Jahre im Winterpalais von St. Petersburg sind viel zu schnell vorbei als die Stimmen der Revolution immer lauter werden und die Bolschewiki unter der Führung Lenins die Macht übernehmen. Der Zar muss abdanken und die Zarenfamilie wird nach Jekaterinenburg ins Haus zur besonderen Verwendung verschleppt. Dort werden sie wie Gefangene gehalten bis zum 17. Juli 1918, dem Tag der Ermordung der letzten Romanows.

Der in der Ich-Form geschriebene Roman beginnt zum Einen in der Gegenwart, in der Georgi seine Frau im Krankenhaus besucht, man sein Leben in London, seine Liebe zu Büchern wie auch seinen Enkel Michael kennenlernt. In einem weiteren Erzählstrang geht der Autor mit seiner Geschichte zurück in das Jahr 1916, als Georgi als Jugendlicher in dem kleinen Dorf Kaschin lebt und dort das Leben des Zarenvetters rettet. Diese beiden Erzählstränge arbeiten sich langsam aufeinander zu, sodass man nach und nach das ganze aufregende, erbarmungsreiche, traurige, aber auch glückliche und zufriedene Leben von Georgi und Soja kennenlernt. Und schon bald stellt man fest, dass John Boyne eine Legende neu aufleben lässt, er hier seine Version des Mythos erzählt und dies wirklich in einer grandiosen Art und Weise.

John Boyne ist ein wahrer Meister des Erzählens. Ihm gelingt es absolut mühelos, schon nach wenigen Seiten eine so dichte Atmosphäre aufzubauen, dass man regelrecht in die Geschichte von Georgi und Soja eintaucht. Seine Sprache ist lebendig, farbenfroh und so bildgewaltig, dass man regelrecht vor Augen hat, wie erstaunt und ehrfürchtig Georgi ist, als er das erste Mal das Winterpalais erblickt oder auch wie er kurz darauf dem Zar vorgestellt wird. Und obwohl John Boynes Schreibstil eher als ausschweifend zu bezeichnen ist, gelingt es ihm doch mühelos, die Spannung und auch den Unterhaltungswert immer sehr hoch zu halten, ohne auch nur einmal langatmig zu werden. Dies ist auch bedingt durch die sehr geschickt gelegten Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit sowie durch seinen sehr warmherzigen, gefühlvollen und flüssigen Schreibstil.

Man spürt regelrecht in jeder Zeile die Liebe von Georgi und Soja zu Russland wie auch zueinander und so nehmen diese beiden Figuren sehr schnell Konturen an und wachsen einem regelrecht ans Herz. Die Charaktere der restlichen Zarenfamilie sind ebenfalls sehr detailreich beschrieben, wobei die Darstellung der Zarin Alexandra hier nicht unbedingt sympathisch wirkt, dies jedoch zum Teil mit ihrer Erziehung begründet wird. Ich denke, hier hat sich der Autor seiner schriftstellerischen Freiheit bedient, da es so besser in die Geschichte passt. Die Figur von Vater Gregori oder besser bekannt als Rasputin ist genau so düster, unheimlich und hinterhältig beschrieben wie man es in anderen Erzählungen oft schon nachlesen konnte.

Auf die Hintergründe der Revolution wie auch auf die Ermordung der Zarenfamilie geht der Autor zwar ein, diese stehen aber nicht im Fokus, was ich auch nicht unbedingt vermisst habe, da dies zwar entscheidende Einschnitte in das Leben von Georgi und Soja waren, ihre Liebe zueinander und ihr Leben miteinander aber im Vordergrund der Geschichte stehen.

Fazit: So ist John Boyne ein üppiger, spannender und sehr unterhaltsamer Roman gelungen, der der Legende um die letzte Zarentochter eine neue Sichtweise gibt.
 

Mittwoch, 4. August 2010

{Leseeindruck} Herbstvergessene von Anja Jonuleit

Verlag: dtv- Verlag
Taschenbuchausgabe: 432 Seiten
Genre: Roman
ISBN: 978-3-423-24788-7
Preis: 13,90 €
Erscheinungsdatum: 01. September 2010









Ein Wiedersehen, das keines mehr wird

Im kurzen Prolog verfolgt man die mit Wehmut beladenen Gedanken einer alten Frau an ihr früheres Leben. Es liegt die Vermutung nah, dass es sich hierbei um Lilli, die Mutter von Maja handelt. In der anschließenden Geschichte sinniert Maja über das Rauchen, das Erbe ihrer Mutter. Wie schön dieser erste Zug an der Zigarette ist, vergleichbar mit dem ersten Schluck Kaffee. Und so schweifen ihre Gedanken automatisch zu ihrer Mutter, die sie jahrelang nicht mehr gesehen hat. Sie gibt sich die Schuld an dem Zerwürfnis, da sie nicht deren Erwartungen erfüllt hat. Ihr Verhältnis bezieht sich nur noch auf zwei jährliche Postkarten und dies über 10 Jahre lang als sie plötzlich einen Anruf von ihrer Mutter erhält. Lilli muss Maja etwas erzählen, etwas wichtiges, was nur persönlich geht. Mehr wiederwillig gibt Maja ihr die Zusage nach Wien zu kommen. Allerdings erst in einer Woche.

Der in der Ich-Form erzählten Geschichte hängt an Hauch von Herbstmelancholie an. Die Autorin beschreibt sehr ausführlich die Gefühle von Maja, ihre Unsicherheit, Nervosität und auch Angst vor dem Treffen mit ihrer Mutter, welches sie sich in den unterschiedlichsten Variationen ausmalt. Allerdings kommen diese der Wirklichkeit nicht im Weitesten nahe, denn ihre Mutter ist einen Tag vor ihrer Ankunft gestorben.

Dies muss Maja von der resoluten älteren Nachbarin Frau Buchholtz erfahren, als sie bereits zum zweiten Mal an diesem Tag vergeblich versucht, ihre Mutter zu treffen. Lilli hat sich von ihrem Balkon gestürzt, doch Maja mag nicht an Selbstmord glauben, auch nicht, als sie von Frau Buchholtz erfährt, dass ihre Mutter Krebs hatte. Ihre Selbstvorwürfe, Trauer und auch ihre Verwirrung schildert Anja Jonuleit sehr detailreich und nachvollziehbar.

Auch ihre konfusen Gefühle als sie sich bereits Gedanken über die Beerdigung wie auch die Grabpflege macht, sind absolut verständlich beschrieben und besonders die Szene, als Maja ihre Mutter in der Gerichtsmedizin identifizieren muss, geht einem beim Lesen schon sehr nahe.

Frau Buchholtz spürt die Verzweiflung und Trauer von Maja und nimmt sie ein paar Tage bei sich auf. Als Maja den Schlüssel zur Wohnung ihrer Mutter erhält,  ringt sie sich durch und geht in die Wohnung. Dort findet sich beim Türöffnen einen großen Briefumschlag: adressiert an sie von einer ihr fremdem Frau.

Dann wechselt die Geschichte und man ist im Jahr 1943 bei der Erzählung einer jungen Frau, deren Leben sich ändert, als sie Paul kennenlernt.

Damit ist die Leseprobe beendet und wirft natürlich mehr Fragen als Antworten auf und macht vor allem neugierig auf das Weitergehen der Geschichte, die auch zur Geschichte von Maja werden wird.

Dienstag, 3. August 2010

{Rezension} Tage der Unschuld von Richard North Patterson

Übersetzer: Kristian Lutze 
Genre: Amerikanischer Krimi / Justiz-Krimi 
ISBN: 3442446937
Taschenbuchausgabe: 575 Seiten
Erscheinungsdatum: 2000
Preis: ---



Die Vergangenheit holt ihn ein

Der Staranwalt Tony Lord kehrt nach fast 30 Jahren in seine alte Heimatstadt Lake City/Ohio zurück mit der er schlechte Erfahrungen verbindet. Im Sommer 1967 wurde seine Freundin Alison ermordet und Tony fand ihre Leiche. Nicht nur Alisons Eltern, sondern fast die ganze Stadt waren der Überzeugung, dass der kurz vorher noch gefeierte Footballstar das junge Mädchen ermordet hat.  Nun erhält er den verzweifelten Anruf von Sue, dass ihr Mann Sam, der ehemals beste Freund von Tony, dem Mord an der 16-jährigen Schülerin Marcie beschuldigt wird. Mit gemischten Gefühlen reist Tony nach Lake City, um die Verteidigung von Sam zu übernehmen. Alle Indizien sprechen gegen ihn und auch Tony ist nicht restlos von Sams Unschuld überzeugt. Hinzu kommt, dass der Fall alte Erinnerungen an Alison bei Tony aufwirft.

Richard North Patterson erzählt seinen Justiz-Krimi in drei Teilen. Zuerst erfährt der Leser die Geschichte von Tony und Alison, wie sie sich kennengelernt haben, ihre Gefühle zueinander und seine Beziehung zu seinem bestem Freund Sam und seiner Freundin Sue. Sam und Tony sind seit 3 Jahren die besten Freunde, unternehmen alles miteinander und konkurrieren freundschaftlich bei den unterschiedlichsten Sportarten. Sie sind die Helden der Schule und führen ein Teenagerleben, wie man es sich Ende der 1960er Jahre vorstellt. Bis dieses Leben für Tony zusammenbricht und er des Mordes beschuldigt wird. Allerdings wird gegen ihn nie das Verfahren eröffnet. Der Autor geht hier sehr auf die Verzweiflung, Trauer und Hilflosigkeit von Tony ein, nachdem die Leiche von Allison entdeckt wird und fast alle ihn für den Mörder halten. Besonders enttäuscht ist Tony von dem Verhalten Sams, der ihm zu verstehen gibt, dass er nicht von seiner Unschuld überzeugt ist. In dieser schweren Zeit stehen ihm nur Sue und der jüdische Anwalt Saul rückhaltlos zur Seite.

Im zweiten Teil geht es hauptsächlich um die Heimkehr von Tony, seinen zwiespältigen Gefühlen, wieder in seiner Heimatstadt zu sein, wodurch er natürlich wieder an Alison erinnert wird und an seine Gespräche mit Sue und Sam, wie auch seinen eigenen Ermittlungen, um Licht in den Fall um Sam zu bringen. Hier wird er auch wieder tatkräftig von dem mittlerweile alkoholkranken, alternden Saul unterstützt.

Das letzte 1/3 des Krimis ist ein klassischer Justizkrimi, der fast ausschließlich im Gerichtssaal spielt und das Verfahren gegen Sam schildert. Wie auch die endgültige Auflösung der beiden Fälle von Marcie und Allison.

Der Autor hat seinen Krimi sehr emotional angelegt. So geht er durchweg ausführlich auf die Gefühle seines Protagonisten ein, sodass man sehr schnell eine Vorstellung dieses feinfühligen, ehrlichen Anwalts erhält, der mit seinem schlechten Gewissen zu kämpfen hat wie auch mit seinen Alpträumen um Alisons Tod, der ihn nach wie vor noch verfolgt. Auch die Charaktere von Sue, Sam und Saul sind sehr facettenreich beschrieben, allerdings bleibt die Figur von Sam ein wenig undurchschaubar, sodass man sich – genauso wie Tony – bis zum Schluss nicht sicher sein kann, ob er nun der Mörder von Marcie ist.

Durch diese Ungewissheit ist die Spannung durchweg auf recht hohem Niveau, allerdings fand ich das letzte Drittel stellenweise etwas ermüdend, da wirklich schon sehr ausführlich auf die Verhandlung eingegangen wird. Allerdings entschädigt das extrem spannende Ende für die stellenweise Langatmigkeit bei der Schilderung des Gerichtsverfahrens.

Alles in allem ein spannender Justizkrimi, der emotional angelegt ist und mit einer komplexen Story überzeugen kann.

{Award} One Little Sparkling Blog


Ein herzliches Dankeschön an Becky für die Nominierung zum "One Little Sparkling Blog-Award". Bisher hatte ich hiervon noch nichts gehört und da mein Blog erst seit kurzer Zeit existiert, freue ich mich natürlich um so mehr darüber.

Hier nun die Frage: 

"Was magst Du am Liebsten an Deinem Blog?"

Da ich ihn ja erstellt habe, gefällt mir logischerweise so ziemlich alles auf meinem Blog. Es hat zwar einige Zeit gedauert mit ausprobieren, verwerfen und doch wieder reinsetzen und manchmal hat nicht alles so geklappt wie ich mir das vorgestellt habe. Aber nun finde ich ihn recht übersichtlich, informativ und man kann einige Zeit hier mit rumstöbern und lesen verbringen. Dazu wünsche ich jedem, der mal auf diese Seite findet, auch viel Spaß dabei.

Und hier nun meine Vorschläge:

Bücherseele 
Ada Mitsou 
Buchkolumne 
Bücherplausch 
Kossis Welt 
Literaturkosmos 
Literatur Binea & Mr. Rail 

Freitag, 30. Juli 2010

{Rezension} Die Minuten vor dem Tod von Jack Ross

Übersetzer: Karin Meddeki
Taschenbuchausgabe: 352 Seiten
Genre: Amerikanischer Thriller / Justizthriller
ISBN: 3404163001
Erscheinungsdatum: 14. Juli 2010
Preis: 7,95 €



Die Gerechtigkeit wird siegen

Der 80-jährige Craig Williams sitzt wegen Mordes in der Todeszelle. In 5 Wochen wird der Staat Florida seinem Leben ein Ende setzen, denn Williams hatte kaltblütig den Sohn von Senator O’Neill ermordet. Allerdings hatte der schottische Ex-Detective auch allen Grund dazu, da Joe O’Neill seine Enkelin Jenny Forbes auf brutalste Weise vergewaltigt hatte, der anschließende Prozess eine Farce war und der Senatorensohn daraufhin freigesprochen wurde. Die junge farbige Journalistin Deborah Jones vom Miami Herald wird auf den Fall aufmerksam und ihr gelingt es, ein Interview mit Craig Williams zu führen. Deborah wie auch ihr Chef Sam gelangen nach diesem Interview zu der Überzeugung, dass der Vergewaltigungsprozess manipuliert wurde und Deborah kommt einem Geheimnis auf die Spur, welches das Ansehen des Senators massiv Schaden könnte.

Schon nach wenigen Seiten ist man mitten im Thriller drin und ahnt auch schnell, dass die junge Journalistin Deborah ein ganz besonderes Interesse an dem Fall hat, der in ihrer Vergangenheit begründet liegt, was man auch recht bald erfährt. Nach und nach deckt sie immer mehr Ungereimtheiten an der gesamten Geschichte auf und kommt so dem Senator immer mehr in die Quere, der mitten im Wahlkampf steckt und deswegen um so mehr um seinen „guten Ruf“ besorgt ist. So schreckt O’Neill auch nicht davor zurück, die Angelegenheit seinem väterlichen Freund John Richmond zu übertragen, den das FBI schon seit längerer Zeit im Auge hat. Dem Unternehmer werden Verbindungen zur Mafia nachgesagt, die bisher allerdings nicht bewiesen werden konnten.

Die Untersuchungen des FBI zu seiner Person hindern John Richmond jedoch nicht daran, Deborah und ihre Familie massiv zu bedrohen, als diese von ihren Recherchen nicht ablässt. Schon bald muss Deborah um ihr Leben fürchten wie auch um das ihrer Familie und steht vor der schweren Entscheidung, die Recherchen einem anderen Kollegen zu überlassen, um so ihr Leben zu schützen.

Jack Ross gelingt es fast augenblicklich eine hohe Spannung aufzubauen, welche sich über den kompletten Thriller hält und sogar zum Ende hin noch einmal ordentlich anzieht. Seine Story ist zwar in gewisser Weise voraussehbar, allerdings sind viele überraschende Wendungen eingebaut und der Thriller ist gut durchdacht angelegt, sodass man darüber gerne hinwegsieht.

Seine Protagonistin wie auch die restlichen Charaktere zeichnet er sehr menschlich und nachvollziehbar. So ist Deborah keine Überfrau, die problemlos mit allen Widrigkeiten zu Recht kommt. Eher das Gegenteil: Deborah hat Angst, hat mit Panikattacken zu kämpfen und ist in dem immer noch zum Rassismus neigenden Südflorida einigen fiesen Diskriminierungen ausgesetzt. Doch sie ist auch mutig und verdammt dickköpfig und versucht – trotz der massiven Einschüchterungsversuche – alles, um Craig Williams aus der Todeszelle zu holen. Hier erhält sie hilfreiche Unterstützung von ihrem Chefredakteur Sam, der an sie glaubt und ihre Story auch gegenüber der Geschäftsleitung des Miami Heralds hartnäckig vertritt und ihr so den Rücken für ihre Recherchen freihält.

Alles in allem ein von der ersten bis zur letzten Seite hochspannender Thriller, mit glaubwürdigen Charakteren und einer komplexen Story.

Mittwoch, 28. Juli 2010

{Rezension} Der Eid der Kreuzritterin von Ricarda Jordan

Übersetzer: --- 
Taschenbuchausgabe: 544 Seiten
Genre: Historischer Roman
ISBN: 3404164806 
Erscheinungsdatum: 26. Juni 2010
Preis: 8,99 €



Das Meer wird sich teilen

Im Frühsommer des Jahres 1212 haben mehrere junge Hirten „Besuch“ von einem Engel, der sie zu einem friedlichen Kreuzzug nach Jerusalem aufruft. Zwei junge Hirten folgen diesem Ruf, bei dem einen handelt es sich um den Franzosen Stephan, der andere ist der neunjährige Nikolaus aus dem Kölner Umland. Ihm gelingt es, einen Kinderkreuzzug mit mehreren tausend Kreuzrittern zu mobilisieren, die seinen Visionen Glauben schenken und mit ihm gen Jerusalem ziehen.

Diesem Kinderkreuzzug gehört auch der junge Ritter Armand de Landes aus Akkon an, der dem Templerorden nahesteht und in deren Auftrag er den Kreuzzug begleiten soll. Denn die Templer vermuten hinter den Visionen von Nikolaus politische Machenschaften, die von Papst Innozenz III. ausgehen sollen.  Desweiteren begleiten auch die junge Adlige Gisela mit ihrer Magd Dimma und dem Knecht Ruppert den Kreuzzug. Gisela flieht vor der Zwangsheirat mit Odwin von Guntheim, einem alten, zur Gewalt neigenden Adligen. Und auch die junge Novizin Konstanze nutzt die Chance, welche ihr der Kreuzzug bietet, um aus den Zwängen des Klosterlebens zu entfliehen und vielleicht so ihren in jungen Jahren geweihsagten König zu finden, der sie zur Frau nehmen wird.

Sehr anschaulich, bildhaft und farbenprächtig beschreibt die Autorin den mühsamen, beschwerlichen Weg des Kinderkreuzzugs mit all seinen Gefahren, dem Hunger und den Krankheiten, die sich die Kinder und Heranwachsenden auf ihrer Reise Richtung Jerusalem ausgesetzt sehen. Ihr Weg führt sie anfangs durchs Rheinland und weiter über Basel bis hinauf zum Brenner-Pass nach Genua.

 Auf ihrer langen Reise sind sie auf die Mildtätigkeit der Bürger in den Dörfern und Städten angewiesen, die sie mit Lebensmitteln versorgen. Doch der Sommer 1212 ist von der Dürre überschattet und so sind die mildtätigen Gaben der Einwohner nicht immer ausreichend und viele Kreuzzügler sterben an Hunger und Krankheiten. Auch eilt ihnen nicht immer der beste Ruf voraus, da sich unter den Kindern auch viele Tagediebe befinden, die vor Raub nicht zurückschrecken und so bleiben ihnen auch viele Stadttore verschlossen.

Nach einer mehr als mühseligen Überwindung des Brenners, der viele Todesopfer fordert, kommen sie extrem dezimiert in Genua an. Dort soll sich das Meer teilen, so die Weissagung von Nikolaus, damit der Kinderkreuzzug trockenen Fußes nach Jerusalem einziehen kann.

Hauptakteure des Romans sind die lebenslustige, pferdevernarrte und mutige Gisela, sowie die realistisch denkende, heilkundige Konstanze und der junge Ritter Armand, der sich fast augenblicklich in Gisela verliebt und sie sich in ihn. Allerdings hat er hier einen gefährlichen Rivalen: Ruppert der Knecht. Dieser glaubt fest an die Prophezeiungen von Nikolaus und ist somit überzeugt, in Jerusalem ein Lehen zu erhalten und die Ritterwürde zu erlangen. So buhlt er um die Zuneigung von Gisela und versucht mit allen Mitteln, seinen Rivalen Armand zu beseitigen. Zu einem späteren Zeitpunkt tritt auch noch der Prinzensohn Malik al-Kamil auf die Romanbühne, der sich als der geweihsagte König für Konstanze erweist.

Leider sind alle diese Figuren sehr eindimensional und leicht voraussehbar angelegt, was dem Roman etwas den Überraschungseffekt nimmt. Allerdings entschädigt die sehr interessant und unterhaltsam angelegte Geschichte dafür und der flüssige Schreibstil von Ricarda Jordan (Sarah Lark) sorgt über die 544 Seiten hinweg dafür, dass keine Langeweile aufkommt.

Fazit: Wenn man über die eindimensional gezeichneten Figuren hinwegsieht, ist der historische Roman mit seiner sehr interessanten Geschichte unterhaltsam und farbenprächtig erzählt.

{Rezension} Geist der Venus von Wolfgang A. Gogolin


Verlag: Mohland Verlag 
Taschenbuchausgabe: 93 Seiten
ISBN: 3866751176
Genre: Kurzgeschichten
Erscheinungsdatum: 01. März 201
 Preis: 8,40 €


Ein Potpourri der Gefühle …

… serviert Wolfgang A. Gogolin seinen Lesern mit diesem kleinen Büchlein voller Kurzgeschichten. Auf rund 90 Seiten gelingt es dem Autor mit 14 Geschichten einem zum Schmunzeln zu bringen und nachdenklich zu stimmen.

Seine Geschichten sind witzig, traurig, sinnlich, überraschend und fast alle haben einen Bezug zum Essen und Trinken. So gibt es u.a. den whiskytrinkenden Pfarrer, die Weinliebhaberin, einen totkranken Doktor, der seinen letzten Abend auf Erden korntrinkend verbringt und den Erpel, der auf der Suche nach Essbarem einem jungen Mädchen bei seinem Liebeskummer hilft.

Wortgewandt und flüssig erzählt Wolfgang A. Gogolin seine kleinen Geschichten, die alle mehr oder weniger aus dem Leben gegriffen sind und sehr warmherzig wiedergegeben werden.

Fazit: So hält man hier ein kleines, feines Buch in der Hand, welches durchweg sehr gut unterhält und dessen Geschichten sehr kurzweilig erzählt werden.

Dienstag, 27. Juli 2010

{Leseeindruck} Die Stille nach dem Schrei von Isolde Sammer



Verlag: rororo Verlag
Taschenbuchausgabe: 448 Seiten
ISBN: 978-3-499-23570-6
Genre: Deutscher Psychothriller
Erscheinungsdatum: 01. September 2010
Preis: 9,95 €



Tinas letzte Worte an Kommissar Schneider

Der junge Martin soll angeblich seinen Stiefbruder Jonas ermordet haben. Er behauptet, es war Notwehr und das Gericht glaubt ihm. Nur seine Stiefmutter, die Architektin Irene Werneck, kann dies nicht glauben, denn nach Martins Aussage müsste ihr ermordeter Sohn Jonas somit ein Sadist gewesen sein und ihr verstorbener Ehemann, Martins Vater, ein Kinderschänder. Für Irene entwickelt sich die Prozesszeit zu einem Spießrutenlauf, ihre Nachbarn meiden sie und selbst gute Freunde ziehen sich immer mehr von ihr zurück. Dann ist der Tag gekommen und Martin kehrt als freier Mann nach Hause zurück.

Martin hat eine treue Freundin: Tina Mahlbach. Die junge Frau kennt Martin bereits aus der Schule und hat sich als 13-jährige in ihn verliebt, als dieser ihr auf dem Schulhof zur Seite stand. Nun verfolgt sie natürlich neugierig und aufgeregt den Prozess und freut sich über die Freilassung von Martin, den sie auch gleich am nächsten Tag zu Hause aufsucht.

Dies ist in etwas das Grundgerüst der Leseprobe. Doch steckt hinter dieser Geschichte viel mehr. Isolde Sammer erzählt ihren Thriller aus verschiedenen Blickwinkeln. Und so merkt man schnell, dass die Geschichte um Martin in der Vergangenheit spielt und die junge Tina diese Geschichte einem Kommissar namens Schneider brieflich erzählt, um ihren kleinen Bruder zu retten. Denn Martin hat ganz offensichtlich pädophile Neigungen und auch der Gedanke an Mord ist ihm nicht fremd.

Der Handlungsstrang von Tina ist sehr emotional angelegt und man merkt beim Lesen ihre Resignation. Man weiß, dass sie diese Geschichte nicht überleben wird, aber man spürt auch ihren Kampfgeist, in jedem Fall das Leben ihres kleinen Bruders Benny zu retten.

In weiteren Handlungssträngen erhält man einen Einblick in die Gedankenwelt von Martin, der es geschickt versteht, seinen Charme an den richtigen Stellen einzusetzen. Man ahnt, dass hier der Schein trügt und Martin bei weiten gefährlicher ist, als er sich nach außen hin gibt. Wie gefährlich er ist, lässt die Leseprobe jedoch noch offen.

Seine Stiefmutter Irene ist mit den Nerven am Ende. Sie mag nicht glauben, dass ihr Ehemann wirklich ein pädophiler Sadist war, so wie Martin ihn in dem Prozess hinstellte, genauso wenig ist es für sie vorstellbar, dass ihr Sohn Jonas wirklich das getan haben soll, was Martin ihm vorwirft und dem das Gericht anscheinend Glauben schenkte.

Irenes Verzweiflung, die Demütigungen der Nachbarn und Freunde, die sie als „Rabenmutter“ sehen und den Schilderungen von Martin mehr Glauben schenken wie auch ihre Angst gegenüber Martin vermittelt die Autorin hervorragend. Und auch die anfängliche Schwärmerei, der sonst so verantwortungsbewussten Tina, wird absolut glaubhaft dargestellt. Durch die ständigen Wechsel der Erzählstränge ist die Spannung stets auf einem sehr hohen Niveau, wobei sehr schnell klar ist, dass Dreh- und Angelpunkt des Thrillers eindeutig die Figur von Martin ist.

Die Leseprobe verspricht einen sehr spannenden Psychothriller mit einer komplexen Handlung und sehr gut und feinfühlig beschriebenen Charakteren.

Montag, 26. Juli 2010

{Rezension} Vergebung von Stieg Larsson

 

Verlag: Heyne Verlag 
Übersetzer: Wibke Kuhn

Gebundene Ausgabe: 848 Seiten 
ISBN: 3453013808 
Genre: Skandinavischer Krimi / Schwede
Erscheinungsdatum: März 2008
Preis: 22,95 €


Grandioser Abschluss einer hervorragenden Trilogie

Lisbeth Salander hat den Anschlag auf ihr Leben mit schwersten Verletzungen überlebt und auch ihr Vater wird überleben. Beide liegen nur zwei Zimmer voneinander getrennt auf der Intensivstation. Während Lisbeth langsam wieder gesund wird, kämpft Mikael Blomquist mit allen in seiner Macht stehenden Möglichkeiten darum, die Unschuld von Lisbeth zu beweisen. Doch er hat starke Gegner: Die Sektion. Eine Geheimgruppe innerhalb der SiPo, die mit allen Mitteln die Wahrheit um Zalatschenko, Lisbeths Vater, zu verheimlichen versucht. So schrecken sie auch vor Mord nicht zurück, um ihre illegalen Machenschaften zu verbergen. Erika Berger hat mittlerweile nun auch ihren neuen Job bei einer großen schwedischen Zeitung angetreten. Bei ihren geplanten Umstrukturierungen innerhalb der Redaktion stößt sie immer wieder an ihre Grenzen und zu allem Überfluss sieht sie sich plötzlich auch noch einem perversen Stalker ausgeliefert, der auch vor einem Einbruch in ihr Haus nicht zurückschreckt.

Mit dem Abschluss seiner Trilogie hat Stieg Larsson wahrlich ein Meisterwerk abgeliefert. Die Handlung ist wieder äußerst komplex angelegt und umfasst mehrere Erzählstränge, wobei der Fokus natürlich bei Mikael Blomquist und dessen Recherchen liegen, um die wahren Hintergründe der Zalatschenko-Gruppe aufzudecken und so die Unschuld von Lisbeth beweisen zu können. Und so findet er nach und nach immer mehr Informationen und Details über deren Hintermänner, die weit bis in die 1970er Jahre zurückreichen. Gleichzeitig muss er feststellen, dass die Sektion ihn überwacht und seine Wohnung wie auch sein Handy verwanzt haben.  Doch mit Hilfe von Milton Security gelingt es ihm, diese gekonnt auszutricksen.

Stieg Larsson legte auch dieses Mal wieder sehr viel Wert auf Details. So werden auch noch die kleinsten Nebendarsteller genauestens beschrieben und erhalten einen ausführlichen Background. Mag sein, dass dies für einige Leser langwierig erscheint, in meinen Augen macht dies aber die gesamte Trilogie aus. So erhält man von wirklich jedem Mitwirkenden ein sehr gutes Bild und die Geschichte wirkt hierdurch absolut rund und lässt zum Schluss keine Fragen mehr offen.

Obwohl der Autor sich oft in Details verliert, nimmt dies der Story jedoch absolut nicht die Spannung. Ganz im Gegenteil. Von der ersten bis zur letzten der rund 840 Seiten ist diese durchweg auf extrem hohem Niveau und die Wechsel zwischen den unterschiedlichen Handlungssträngen sind sehr gut gewählt.

So geht Stieg Larsson u.a. auch ausführlich auf Erikas neuen Job und ihre Probleme in der dortigen Redaktion ein, verknüpft hier noch geschickt eine Story, mit der sich gerade ein Mitarbeiter von Millennium beschäftigt, die von „Toilettenschüsseln“ handelt und lässt auch der Story rund um Erika und dem Stalker viel Platz. Auch erfährt man wieder ein wenig mehr über das Gefühlsleben von Lisbeth, ihren Schwierigkeiten mit Ärzten und der Polizei und obwohl ihr Charakter wieder sehr introvertiert dargestellt wird, wächst Lisbeth einem sofort wieder ans Herz.

Fazit: Ein mehr als gelungener Abschluss einer hervorragenden Trilogie, mit einer sehr komplexen Handlung, die von der ersten Seite an extrem spannend umgesetzt ist.

Mittwoch, 21. Juli 2010

{Rezension} Makellose Morde to go von Susanne Henke


Verlag: Books on Demand
Genre: Kurzgeschichte / Krimi
Taschenbuchausgabe: 128 Seiten
ISBN: 978-3839192528
Erscheinungsdatum: 18. Dezember 2009
Preis:  9,90 €



Frech, makaber und äußerst unterhaltsam

In diesem kleinen, feinen Büchlein erzählt Susanne Henke auf insgesamt 123 Seiten 24 Kurzgeschichten mit einer Länge zwischen 2 bis 8 Seiten.

Diese Kurzgeschichten sind durchweg sehr unterhaltsam und humoristisch, trotzen stellenweise vor Galgenhumor und sind oft herrlich makaber und mit einem guten Schuss schwarzem Humor versehen.

Ihr Schreibstil ist bei jedem Kurzkrimi leicht und flüssig und der Autorin gelingt es mühelos, auch noch bei der kürzesten Geschichte eine Atmosphäre aufzubauen, die einen sofort in die Story eintauchen und meist mit einem Schmunzeln die Geschichte zu Ende lesen lässt.

Ihre Figuren sind durchweg aus dem Leben gegriffen und auch die Handlungen umfassen viele Situationen aus dem täglichen Leben, angefangen vom nervigen Nachbar, dem frustrierten Journalisten, der betrogenen Hausfrau bis hin zum gehörnten Ehemann ist wirklich eine große Bandbreite an Charakteren vertreten und die Morde oder auch unbeabsichtigten Selbstmorde sind stellenweise sehr spitzfindig beschrieben.

Fazit: Ein kleines Büchlein voller witzig makabrer und menschlicher Geschichten, das – allein schon durch seine Größe – ideal für unterwegs und zum Zwischendurch lesen ist.

{Rezension} Der Augenschneider von Valentina Berger

Taschenbuchausgabe: 272 Seiten
ISBN: 3492258123
Genre: Psychothriller / Österreich
Erscheinungsdatum: 12. Juli 2010
Preis: 8,95 €


Er braucht nur deine Augen

Gerichtsmediziner Heinz Martin traut seinen Augen nicht. Ist doch die vor ihm auf dem Seziertisch liegende junge Frau auf genauso grausame Weise ermordet worden, wie bereits drei Wochen vorher die junge Vivian. Auch diesem Opfer wurden die Augen herausgeschnitten und ihr Körper misshandelt. Heinz Martin vermutet hier einen Serientäter, doch der neue und für den Fall zuständige Kommissar Moser will von einem Serientäter nichts wissen. Kurze Zeit später erhält Heinz den verzweifelten Anruf seiner Halbschwester Emilia, einem jungen Model. Die ermordete Vivian war eine Kollegin und Freundin von ihr und nun ist eine weitere Kollegin von ihr spurlos verschwunden. Handelt es sich bei der unbekannten Toten um Luisa? Emilia vermutet dies und bittet Heinz um Hilfe, denn nun glaubt sie, dass sie das nächste Opfer des Mörders sein soll und Emilia wird Recht behalten. Für Heinz und seinem Freund Kommissar Helmut Wagner, den Heinz um Mithilfe bittet, beginnt ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit.

Ohne große Vorgeschichte beginnt Valentina Berger ihren Psychothriller und gewährt ihrer Leserschar schon im Prolog einen Einblick in die Vorgehensweise wie auch in das Seelenleben des Mörders. Geschickt wechselt sie immer wieder die Perspektiven und so ist man immer in die aktuellen wie auch die geplanten Handlungen des Mörders eingebunden und erfährt so nach und nach immer mehr über ihn und seine krankhaften Veranlagungen. Seine Identität wie auch sein Motiv sind zwar relativ schnell ersichtlich, trotzdem nimmt dieses Wissen in keiner Weise die Spannung aus dem Thriller, sondern hier beginnt ein geschicktes Katz-und-Maus-Spiel mit den Ermittlern, Spurensuchern und dem Gerichtsmediziner Heinz Martin.

Dieser ist durch die Entführung seiner Halbschwester das reinste Nervenbündel und von dem anfangs ordnungsliebenden, stringent arbeitenden Realisten ist schon bald nicht mehr viel zu spüren. Er setzt alles daran, den Mörder zu finden, bevor dieser seine grausamen Misshandlungen an Emilia ausführen kann.

Ihm zur Seite steht sein bester Freund Helmut Wagner. Der Kommissar ist der Liebe wegen nach Innsbruck gezogen und kommt nun zurück nach Wien, um seinem Freund zu unterstützen. Mit stellenweise recht unkonventionellen Mitteln kommen die beiden Freunde dem Mörder nach und nach immer näher, hier werden sie auch tatkräftig von der Spurenermittlerin Laura Campelli unterstützt. Die resolute junge Frau entdeckt einige tatrelevante Spuren, welche Heinz Martin und Helmut Wagner schlussendlich auf die Spur des Mörders führen.

Der Plot ist von Anfang bis Ende absolut schlüssig und äußerst spannend und rasant angelegt. Immer wieder baut Valentina Berger Szenen aus dem Privatleben ihrer Protagonisten mit ein und die Übergänge zu den laufenden Ermittlungen sind so fließend und geschickt in den Thriller eingebaut, dass die ganze Geschichte absolut rund und durchweg überzeugend wirkt.

Durch die immer wiederkehrende Einbeziehung des Privatlebens der Mitwirkenden gelingt es der Autorin somit auch mühelos, jedem schon nach kurzer Zeit Konturen zu geben, zumal keiner von ihnen perfekt ist und sie alle durchweg authentisch gezeichnet sind. So haben Kommissar Moser, wie auch Helmut Wagner oder  Laura Campelli ihre Probleme, die sich manchmal auch auf ihre Arbeit auswirken, sich aber auch nie in den Vordergrund drängen und so die Ermittlungen und die Suche nach Emilia immer im Fokus stehen.

Fazit: Ein von der ersten Seite an absolut spannender und fesselnder Psychothriller, mit einer gut durchdachten und komplexen Story, die mit einem schlüssigen Ende überzeugen kann.

{Leseeindruck} Das Haus zur besonderen Verwendung von John Boyne


Übersetzer: Fritz Schneider
Genre: Historischer Roman
ISBN: 978-3-7160-2642-7
Erscheinungsdatum: 30. August 2010
Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
Preis: 24,90 €



Die letzten Tage vor der Revolution

Die Leseprobe beginnt mit Seite 87, als Georgi das erste Mal das Winterpalais der Zarenfamilie in St. Petersburg betritt und von dessen Prunk schier sprachlos ist. Während er in einem luxuriösen Raum wartet, schweifen seine Gedanken noch einmal zurück zu dem Tag, der ihn letztendlich hierher geführt hat: In sein kleines Dorf Kaschin, als er den Vetter des Zaren rettete und gleichzeitig seinen besten Freund verlor.

Dem in der Ich-Form geschriebene Roman fehlt zum Glück jegliche russische Melancholie, sondern John Boyne beschreibt sehr lebendig und farbenfroh die Erlebnisse des Jungen. Dieser ist ein stolzer und tapferer 16-jähriger, der nur staunend und ehrfürchtig den Glanz der Hauptstadt in sich aufnimmt, aber auch nicht bereit ist, sich unterzuordnen und hocherhobenen Hauptes den Adligen gegenübertritt.

Durch seine Neugier getrieben und aus Langeweile macht sich Georgi auf Entdeckungstour durch das Winterpalais und trifft dort auf Rasputin und die Kaiserin. Voller Schrecken ob der Szene, die sich ihm dort bietet, flieht er zurück, gerade noch rechtzeitig, bevor sein Verschwinden entdeckt wird. Und dann kommt der große Augenblick: Er wird dem Zaren vorgestellt.

John Boyne gelingt es – trotz oder gerade deswegen – durch seinen ausschweifenden Schreibstil, einen fast augenblicklich an die Geschichte zu binden und eine sehr dichte Atmosphäre aufzubauen. So entsteht schon kurz nach Beginn des Lesens ein Bild im Kopf vom glanzvollen St. Peterburg und dem prunkvollen Winterpalais. Und auch die Figur des Georgi nimmt fast augenblicklich Gestalt an und das Ende der Leseprobe lässt einen ziemlich enttäuscht zurück, da man neugierig auf die weiteren Erlebnisse von Georgi ist. Zumal die Geschichte in einer Zeit angesiedelt ist, die sich im Umbruch befindet und deren Geschehnisse rund um die Zarenfamilie schon die Fantasie vieler Menschen beflügelt hat.

Somit verspricht der Roman eine üppige, spannende, unterhaltsame und vor allem sehr interessante Geschichte.

Dienstag, 20. Juli 2010

{Rezension} Die Seiltänzerin von Gabriele Breuer


Taschenbuchausgabe: 330 Seiten
ISBN: 9783548281162
Genre: Historischer Roman
Erscheinungsdatum: 16. Juli 2010
Preis: 8,95


Herrin der Lüfte

Im Frühjahr 1436. Am Rheinufer, kurz vor Bacharach, hat eine Schaustellertruppe halt gemacht. Ihr gehört auch die 18-jährige Waise Alessandra an, die ihrer Leidenschaft des Seiltanzes nachgeht. Ihr Leben könnte glücklich sein, müsste sie nicht Sami heiraten. Verzweifelt schüttet sie ihrer mütterlichen Freundin Sanchari ihr Herz aus. Um sie abzulenken, nimmt die Heilkundlerin sie mit in den Wald. Beim Pflanzen sammeln finden sie den verletzten Simon von Ravenstein, der auf dem Weg zur Burg Stahleck von Wegelagerern überfallen wurde. Fürsorglich pflegt Alessandra ihn im Wald gesund und verliebt sich in ihn. Alessandra wünscht sich bald nichts mehr als ihr Schaustellerleben zu beenden und auf der Burg zu leben. Dieser Wunsch erfüllt sich schon bald durch einen Zufall für sie. Doch obwohl sie nun in der Nähe von Simon lebt und ihn regelmäßig sehen kann, ist das Glück ihr nicht hold. Denn sie hat Neider auf der Burg, die die momentane Hysterie um die Hexenverfolgung geschickt für sich auszunutzen verstehen.

Schon auf wenigen Seiten gelingt es Gabriele Breuer mühelos, ihrer Leserschar ein Bild der Pfalz zur damaligen Zeit zu zeichnen. Sehr unterhaltsam beschrieben gewährt sie einem Einblick in das Burgleben des 15. Jahrhunderts, man erfährt ein wenig über das Leben der Gaukler und auch die Kräuterkunde kommt nicht zu kurz. Auf das Thema Inquisition geht die Autorin genauer ein und schildert sehr anschaulich, wie leicht Frauen damals in Verruf geraten und als Hexe angeklagt und verbrannt werden konnten. Selbst die politischen Verwicklungen des 15. Jahrhunderts in der Pfalz bleiben nicht unerwähnt und so ist der Roman vom Hintergrundwissen zur damaligen Zeit her gesehen absolut rund.

Auch wenn die Geschichte von Alessandra schon nach kurzer Zeit vorhersehbar ist, beschreibt die Autorin den Weg dorthin recht unterhaltsam und farbenfroh. So gibt es natürlich den gutaussehenden, edelmutigen Ritter, der sich augenblicklich in die Protagonistin verliebt. Und auch die bösen Gegenspielerinnen, die Alessandra unbedingt aus dem Weg räumen wollen, um zum Einen ein Geheimnis um Alessandras Herkunft zu verdecken wie auch sie als mögliche Nebenbuhlerin zu vertreiben, dürfen natürlich nicht fehlen. Allerdings war das Ende dann doch etwas zu plötzlich und wirkt in meinen Augen doch ein wenig konstruiert.

Was mir allerdings nicht so gut gefallen hat, ist die Entwicklung des Charakters von Alessandra. Anfangs hat man das Gefühl, hier über eine dickköpfige junge Frau zu lesen, die selbstsicher ihren Weg geht. Doch der anfangs frische und lebhafte Schreibstil wird zur Mitte hin doch stellenweise schon ziemlich gefühlsduselig, ja fast schon kitschig. Besonders bei den Szenen, wenn Alessandra und Simon aufeinandertreffen. Da ist von Alessandras anfänglichem Dickkopf und Selbstbewusstsein nichts mehr zu spüren und sie wirkt stellenweise nur noch verhuscht und vor lauter Verliebt sein fehlen ihr oft die Worte. Hier hätte ich mir doch etwas mehr Temperament in den Dialogen gewünscht.

Fazit: Alles in allem ist „Die Seiltänzerin“ ein leicht zu lesender Historienroman, deren Geschichte zwar voraussehbar ist, aber die meiste Zeit doch gut unterhält.

{Leseeindruck} Die Zahlen der Toten von Linda Castillo

Übersetzer: Helga Augustin
Taschenbuchaugabe: 432 Seiten
ISBN: 978-3-596-18440-8
Erscheinungsdatum: 12. August 2010
Preis: 8,95 €





Kehrt ein Serienmörder zurück?

Diese Frage muss sich Chief Kate Burkholder stellen, als sie eines Nachts aus ihren Alpträumen geweckt wird. Officer T.J. Walsh findet beim nächtlichen Einfangen von Kühen im winterlichen Painters Mill / Ohio auf einer Wiese die Leiche einer Frau: Nackt und schwer misshandelt. Als Kate zusammen mit einem Team am Tatort eintrifft, traut sie ihren Augen nicht. Auf dem Unterbauch der Unbekannten ist die Zahl 23 eingeritzt. Wiederholt sich das Grauen wieder? Denn vor 16 Jahren gab es bereits mehrere Morde in der Gegend und jedes Mal waren den jungen Frauen Zahlen in den Bauch geritzt worden, der Mörder wurde nie gefunden.

Schon der Prolog lässt erahnen, dass der 2. Fall von Kate Burkholder sich zu einem äußerst spannenden Thriller entwickelt. Sehr plastisch und beklemmend beschreibt Linda Castillo die Angst, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit des Opfers und zugleich die Kaltblütigkeit mit der der Mörder zu Werke geht.

Die Autorin lässt ihre Protagonistin selbst die Geschichte des Thrillers erzählen und bereits auf den wenigen Seiten der Leseprobe gelingt es ihr mühelos, von Kate Burkholder das Bild einer sympathischen, engagierten Frau zu zeichnen, von der man fast augenblicklich eine Vorstellung erhält.

Ihr Schreibstil ist sehr flüssig und atmosphärisch dicht und Linda Castillo gelingt es mühelos, einem die Gefühlswelt der einzelnen Personen zu vermitteln. Gleichzeitig baut sie bereits auf den wenigen Seiten eine Spannung auf, die man nur als äußerst beklemmend und fesselnd beschreiben kann.

Fazit: Auch wenn die Idee nicht unbedingt neu ist, so verspricht die Leseprobe doch einen extrem spannend und atmosphärisch dicht umgesetzten Thriller mit einer sympathischen Protagonistin.