Leseempfehlungen

Montag, 18. Januar 2010

{Rezension} Ewige Treue von Sandra Brown

Verlag: Blanvalet Verlag 
Übersetzer: Christoph Göhler
Genre: Amerikanischer Thriller
Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
ISBN: 3764503084
Erscheinungsdatum: 04. Januar 2010
Preis:  19,95 €


Falsches Spiel und unerfüllter Kinderwunsch

Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis steht Griff Burkett, ehemaliger erfolgreicher und beliebter Footballstar aus Dallas, ohne Geld, Wohnung und Job da. Und ihm auf den Fersen Stanley Rodarte, Detective beim Dallas PD, der ihm um jeden Preis als Mörder überführen will. Da erhält er eine Nachricht des Multimillionärs Foster Speakman mit einem Jobangebot; Griff soll die Millionärsgattin schwängern. Mehr aus Verzweiflung lässt Griff sich auf dieses Angebot ein und verliebt sich prompt in Laura Speakman, die ihm anfangs die kalte Schulter zeigt und die Treffen geschäftsmäßig kühl durchzieht. Doch dann wird ihr Mann ermordet und alle Indizien sprechen gegen Griff, sehr zur Freude von Detective Rodarte, der sich sofort an seine Fersen heftet.

Die Geschichte beginnt mit der Entlassung von Griff aus dem Gefängnis und Sandra Brown bringt einem erst einmal langsam den Charakter von Griff näher und so taucht man fast unbemerkt in die Story ein. Einfühlsam und nachvollziehbar beschreibt sie auf unterhaltsame Weise die Schwierigkeiten, welche Griff durch seinen Betrug nach der Entlassung immer noch hat. Da er ein sehr bekannter und beliebter Footballstar war, ist sein Gesicht jedermann bekannt und so trifft er auf sehr viel Unmut und auch regelrechten Hass von seinen Mitmenschen. Niemand ist bereit, ihm in der Branche einen Job zu geben und die ständigen Belästigungen und Drohungen von Detective Rodarte zermürben ihn langsam. Da kommt das Jobangebot von Foster Speakman für ihn gerade recht.

Ihren Protagonisten beschreibt Sandra Brown sehr vielschichtig. Kommt er einem anfangs noch wie ein charakterschwacher, arroganter und fast schon unsympathischer Ex-Knacki mit wenig Grips vor, so entwickelt sich sein Charakter während des Thrillers sehr zum Positiven. Erst so nach und nach zeigen sich einem die guten Charaktereigenschaften von Griff und machen ihn für einen richtig symphatisch. Die aber noch interessantere Figur ist die von Detective Rodarte. Diesen beschreibt die Autorin als einen äußerst perfiden, schmierigen und korrupten Detective, der Spaß daran findet, andere Menschen seelisch und körperlich zu quälen. Die Beschreibungen von ihm sind stellenweise so detailreich, dass man den Ekel und die Wut von Griff und auch von Laura auf den Detective förmlich spüren kann.

Die Spannung fängt etwas gemächlich an, steigert sich aber kontinuierlich, sodass sie sich zum Ende hin auf hohem Niveau befindet. Auch bedingt dadurch, dass die Story immer wieder mit neuen und unerwartenden Wendungen aufwartet und das Ende zwar logischerweise voraussehbar, aber dennoch noch mit der einen oder anderen Überraschung aufwarten kann. Der lockere, flüssige Schreibstil von Sandra Brown sorgt zusätzlich dafür, dass man sich von der ersten Seite an gut unterhalten fühlt. Natürlich darf bei der Autorin der gute Schuss Erotik und HerzSchmerz nicht fehlen, allerdings finde ich die Dosierung hier angemessen und der Krimipart kommt dabei nicht zu kurz.

Donnerstag, 14. Januar 2010

{Rezension} Gefürchtet von Meg Gardiner

Verlag: Heyne Verlag
Übersetzung: Tamara Rapp, Imke Walsh-Araya
Taschenbuchausgabe: 464 Seiten
ISBN: 345343322X
Genre: Amerikanischer Thriller
Erscheinungsdatum: 05. Oktober 2009
Preis: 8,95 €

Evan Delaney in tödlicher Gefahr

Mitten in der Nacht wird Evan Delaney zu einer Studentenparty gerufen. Angeblich würde ihr Freund Jesse sich dort im Bad eingeschlossen haben. Als Evan dort ankommt, muss sie jedoch feststellen, dass es sich hierbei um Jesses jüngeren Bruder PJ handelt, der völlig verstört ist. Angeblich hätte er gesehen, wie eine junge Frau über die Balkonbrüstung in die Brandung gestürzt wäre. Doch die herbeigerufene Polizei kann bei ihrer Suche niemanden finden. Am nächsten Tag stellt Evan fest, dass auf ihren Kreditkarten wie auch auf ihrem Konto horrende Abbuchungen erfolgt sind, die sie nie getätigt hat und zusätzlich erhält sie Besuch von zwei üblen Geldeintreibern, die Geld von ihr fordern. Schnell wird Evan klar, dass sie hier einem Identitätsdiebstahl aufgesessen ist und jemand unter ihrem Namen und auf ihre Kosten sich ein schönes Leben macht. Dann taucht die Leiche der jungen Frau auf, die als Evan Delaney identifiziert wird und schnell geraten Evan wie auch PJ in das Visier der Polizeiermittlungen. Zusätzlich muss Evan sich mit den Banken auseinandersetzen und sich die Geldeintreiber vom Hals halten. Bald stellt sie fest, dass PJ wie auch die junge tote Frau hiermit etwas zu tun zu haben scheinen und dann scheint auch noch jemand es auf ihr Leben abgesehen zu haben.

Äußerst rasant und spannend von der ersten Seite an beginnt Meg Gardiner ihren vorliegenden Thriller. Dem Leser bleibt kaum Zeit zum Durchatmen, geschweige denn, das Buch aus der Hand zu legen. Kaum meint man, schlimmer kann es doch nicht kommen, setzt die Autorin noch einen oben auf. Schon sehr früh sind die Gedanken des Täters in kurzen Kapiteln aufgeführt, sodass man zwar weiß, dass hier jemand einen starken Hass für Evan empfindet, seine Identität jedoch bis gut zur Mitte des Buches im Dunkeln bleibt. Die Story entwickelt sich von einem simplen Identitätsdiebstahl schnell zu einem ausgemachten Thriller und einige überraschende Wendungen sorgen dafür, dass nie auch nur ein Hauch von Langeweile aufkommt.

Interessant ist es auch, dass man in diesem Teil der Serie etwas mehr von Jesses Familie kennen lernt. Außerdem geht die Autorin auf die Schuldgefühle von Jesse ein, die er immer noch für den Tod seines besten Freundes und dessen Bruder empfindet. Hierdurch sind auch Probleme zwischen Evan und Jesse vorprogrammiert, auf die Meg Gardiner gewohnt einfühlsam eingeht.

Auch ihre Charaktere sind gewohnt facettenreich beschrieben, allen voran natürlich wieder Evan und Jesse. Aber auch die anderen Figuren sind wieder detailreich dargestellt und überraschen stellenweise in ihrem Verhalten, sodass einige Charaktere etwas undurchschaubar bleiben.

Einziges Manko, das man an dem Thriller finden könnte, ist das Motiv des Täters. Die meisten Handlungsstränge sind nachvollziehbar und meist auch logisch aufgebaut. Jedoch ist mir bis zum Schluss das Motiv für das Verhalten des Täters in Bezug auf Evan etwas unklar geblieben. Meiner Meinung nach wird nirgends darauf eingegangen, warum er einen solchen Hass für Evan empfindet.

Aber davon abgesehen ist Meg Gardiner mit ihrem dritten Thriller der Reihe (auch wenn er als letztes erschien) meiner Meinung nach das beste Buch der Serie gelungen.

Dienstag, 12. Januar 2010

{Rezension} Trigger von Wulf Dorn

Verlag: Heyne Verlag
Taschenbuchausgabe: 432 Seiten
ISBN: 3453434021
Genre: Deutscher Thriller
Erscheinungsdatum: 05. Oktober 2009
Preis: 9,95 €


Ein Psychothriller vom Feinsten

Dr. Ellen Roth ist Psychiaterin in der Waldklinik. Als ihr Freund Chris, ebenfalls Psychiater dort, in Urlaub fährt, bittet er Ellen, sich um eine seiner Patientinnen zu kümmern. Diese spricht immer wieder vom "Schwarzen Mann", vor dem sie scheinbar panische Angst hat. Als Ellen ihren Kollegen Marc um kollegiale Unterstützung bittet, ist die Frau plötzlich spurlos verschwunden und niemand von den Ärzten und des Pflegepersonals scheint sie zu kennen, obwohl sie sich schon mehrere Tage in der Klinik befunden haben muss. Da erhält Ellen einen Anruf von einem Unbekannten, der behauptet, der Schwarze Mann zu sein und die Patientin entführt zu haben. Er setzt Ellen eine Frist, um seine Identität herauszufinden. Sollte sie diese nicht einhalten, werden die Patientin wie auch Ellen sterben.

Ganz langsam und unterschwellig baut Wulf Dorn die Spannung in dem vorliegenden Psychothriller auf und ehe man es sich versieht, steckt man mitten in der Story, ohne Chance, das Buch vor dem Ende aus der Hand zu legen. Geschickt legt der Autor immer wieder neue Hinweise in Bezug auf die Identität des "Schwarzen Mannes" aus, sodass man sich bis zum Schluss hierüber nie sicher sein kann und auch sein Motiv bzw. Beweggründe bleiben im Dunkeln verborgen. So bleibt die Spannung während des gesamten Buches auf einem sehr hohen Niveau und legt sogar zum Ende hin noch mal rasant an Fahrt zu.

Auch die zwangsläufig gelegentlich anfallenden Fachbegriffe in Bezug auf psychiatrische Behandlungen und Diagnosen sind geschickt, informativ und niemals langatmig in die Story mit eingebaut. Zwischendurch beschreibt der Autor zwei, drei Traumszenen von Ellen, die mir anfangs etwas überzogen und unpassend vorkamen. Je länger man jedoch liest, umso mehr stellt man fest, dass diese Traumfrequenzen absolut in die Geschichte passen. So ist die komplette Story von Anfang an schlüssig, jedoch selten vorhersehbar und das Ende zwar absolut überraschend, jedoch auch logisch umgesetzt.

Durch seinen bildhaften, flüssigen Schreibstil gelingt es Wulf Dorn sehr gut, dem Leser ein Bild von seiner Protagonistin Ellen zu zeichnen und so erhält man schnell eine Vorstellung von bzw. einen Bezug zu dieser jungen, sympathischen und äußerst engagierten Psychiaterin. Nachvollziehbar und einfühlsam beschreibt er ihre Gefühle und Zweifel wie auch ihre eigene Unsicherheit gegenüber ihren Kollegen/Bekannten. Durch die Psychospielchen des Schwarzen Mannes weiß sie oft nicht mehr, wem sie noch vertrauen kann. So bleiben zwangsläufig die weiteren Charaktere des Psychothrillers stellenweise undurchsichtig, wobei die Figur von Marc Behrendt sehr symphatisch beschrieben ist und man genau wie Ellen am zweifeln ist, ob hier der Schein trügt.

Fazit: Wer die Thriller von Sebastian Fitzek mag, liegt bei Wulf Dorns Thrillerdebüt genau richtig

{Rezension} Sein Blut soll fließen von Ian Rankin


Verlag: Goldmann Verlag 
Übersetzer: Giovanni Bandini, Ditte Bandini
Taschenbuchausgabe: 544 Seiten
ISBN: 3442463742
Genre: Englischer Krimi
Erscheinungsdatum: 10. August 2009
Preis: 8,95 €


Wissenschaft zum Wohle der Menschheit?

Gordon Reeve lebt mit Frau und Sohn zurückgezogen in den schottischen Highlands. Als ehemaliges Mitglied einer SAS-Spezialeinheit fungiert er nun als Survival-Trainer und genießt das ruhige Leben mit seiner kleinen Familie. Eines Tages erhält er einen Anruf der Polizei von San Diego, die ihn darüber informiert, dass sein Bruder James Selbstmord begangen hätte. Fassungslos reist Reeve in die Staaten, um die Überführung des Leichnams zu regeln. Dort kommen ihm schnell Zweifel an der Selbstmordtheorie der Polizei und als er einen Bekannten von James trifft, ist schnell klar, dass sein als Journalist arbeitender Bruder hinter einer brandheißen Story her war, deren Veröffentlichung der mächtige Wirtschaftsboss Kosigin um jeden Preis zu verhindern versucht. Bei seinen Nachforschungen stößt Reeve mitten in ein Wespennest, die auch einen alten Feind auf den Plan rufen.

Ehe man es sich versieht, steckt man mitten in der Geschichte und der flüssige Schreibstil von Ian Rankin alias Jack Harvey macht es einem leicht, das Buch mehr oder weniger in einem Rutsch durchzulesen. Die Spannung baut sich quasi von der ersten Seite an auf und hält mühelos bis zum Ende an, wobei das Ende doch dann ziemlich rasch kommt und man sich hier gerne noch die eine oder andere Seite mehr gewünscht hätte. Bei der Story überwiegt eindeutig der Actionanteil, der stellenweise doch recht brutal beschrieben ist und meiner Meinung nach kommt hier der journalistische bzw. ermittelnde Part etwas zu kurz, trotzdem wird man von Anfang an hervorragend unterhalten.

Etwas verwundert war ich über das Thema des Buches, das hier grob zusammengefasst, etwas mit BSE und Pestiziden in Nahrungsmitteln zu tun hat. Als ich allerdings nachgelesen habe, dass das Buch im Original bereits 1995 erschienen ist, bei uns jedoch erst im August 2009 veröffentlicht wurde, war die Thematik des Thrillers verständlich.

Ian Rankin gelingt es wieder einmal hervorragend, einem schnell seinen Protagonisten näher zu bringen. Mühelos hat man sich bereits nach wenigen Seiten ein Bild von Gordon Reeve gemacht, den der Autor als einen einzelgängerischen, intelligenten und sturen Familienvater mit Gewissen beschreibt, der ungewollt sein ganzes Können als Ex-Mitglied einer SAS-Spezialeinheit abrufen muss, um gegen seine Gegner zu bestehen. Auch die anderen Charaktere können nicht ohne weiteres in die Schubladen Gut und Böse gepackt werden, sondern sind zwar je nach Figur sympathisch bzw. unsymphatisch angelegt, haben aber so viele Facetten in ihren Charakteren und stellenweise recht skurril dargestellt, dass sie einem immer wieder überraschen können.


Fazit: Freunde des grantigen Detective John Rebus kommen mit diesem Thriller nicht unbedingt auf ihre Kosten, wer jedoch die Bücher von Tom Cain oder Robert Ludlums Bourne-Serie mag, liegt hier genau richtig.


Samstag, 2. Januar 2010

{Rezension} Das Paradies von Barbara Wood

Verlag: Fischer Verlage 
Übersetzer: Manfred Ohl, Hans Sartorius
Taschenbuchausgabe: 637 Seiten
ISBN: 3596165725
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 14. Oktober 2004
Preis: 9,95 €


Das scheinbare Paradies

Barbara Wood erzählt im vorliegenden Roman die Geschichte der reichen, angesehenen Familie Raschid in Ägypten, bei der die Frauen der Familie eine vorrangige Rolle spielen. Angefangen zur Zeit des letzten Königs von Ägypten in den 1930er Jahren bis zur Regentschaft des heutigen Präsidenten Mubarak erzählt sie die Geschichte dreier Frauen, deren Leben unterschiedlicher nicht sein könnte.

Khadija, die noch die Zeiten des Harems kennengelernt hatte und stur an der Vergangenheit festhält; Jasmina, ihre Enkelin, deren größter Traum es ist, eines Tages eine berühmte Tänzerin zu werden und Amira, der Halbschwester von Jasmina, die durch unverschuldete Ereignisse einen Teil ihres Lebens getrennt von ihrer Familie verbringen muss.

Sehr anschaulich wird der Leser in das Leben muslimischer Frauen eingeführt, das für unser westliches Denken unvorstellbar ist. Schon von den ersten Seiten ist man gefangen von der exotischen Welt Kairos mit ihren krassen Gegensätzen zwischen maßlosem Reichtum und bitterer Armut. Man verfolgt den Sturz von König Farouk I. 1952 durch Gamal Nasser und die anschließenden politischen Probleme unter denen auch die Reichen des Landes zu leiden hatten bis hin zum heutigen Präsidenten Mubarak. Diese geschichtlichen Hintergründe hat Barbara Wood hervorragend und gut recherchiert in ihre Geschichte mit eingewoben wie auch die langsame und mühsame Emanzipation der Frau. Oft ist es für einen absolut unverständlich, wie hier mit Frauen umgegangen wurde. Eine Frau zählt in Ägypten nichts, wichtig ist nur der Mann und vor allem, die Ehre der Familie. Diese steht über alles. Wie die Frauen der Familie, die von ihrem Charakter unterschiedlicher nicht sein können, mit diesem Leben zurechtkommen, wird hier sehr anschaulich umgesetzt.

Ihre Charaktere, allen voran die charismatische Khadija, wurden von der Autorin facettenreich herausgearbeitet, sodass man fast sofort einen Bezug zu ihnen erhält. Die Geschichte überzeugt von Anfang an und die Neugier des Lesers wird durch die vielen unterschiedlichen Ereignisse ständig auf hohem Niveau gehalten. Allerdings ebbt die Story zum Schluss etwas ab und hätte hier meiner Meinung nach schneller zum Ende kommen können.


Alles in allem ist Barbara Wood wieder einmal ein bildhafter, farbenprächtiger Roman gelungen, der einen von der ersten Seite an in seinen Bann zieht.

{Rezension} Das Buch der Lügen von Brad Meltzer

Verlag: rororo Verlag
Übersetzer: Susanne Goga-Klingenberg, Ulrike Thiesmeyer
Taschenbuchausgabe: 448 Seiten
ISBN: 3499252694
Genre: Amerikanischer Thriller
Erscheinungsdatum: 01. Oktober 2009
Preis: 9,95 €


Welche Verbindung besteht zwischen Superman und Kain?

Diese Frage muss sich Cal Harper stellen. Eines Nachts findet er in einem verlassenen Park in Fort Lauderdale/Florida seinen angeschossenen Vater, den er seit 20 Jahren nicht mehr gesehen hat. Nachdem Lloyd Harper aus dem Krankenhaus entlassen wird, hat er nur den Wunsch, dass sich die Wege zwischen ihm und seinem Sohn so schnell wie möglich wieder trennen. Doch dagegen hat Cal etwas und so heftet er sich an die Fersen seines Vaters und wird in eine Geschichte hineingezogen, die er sich nicht zu träumen gewagt hätte. Schnell wird ihm klar, dass sein Vater ein Geheimnis verbirgt, an dem noch andere interessiert sind. Dieses Geheimnis hat etwas mit der Geschichte von Kain aus dem Alten Testament zu tun und mit Mitchell Siegel, dem Vater des Erfinders von Superman. Nur welche Verbindung gibt es zwischen Superman und Kain und wer ist der Killer, der scheinbar jeden ihrer Schritte kennt und wer verbirgt sich hinter dem Propheten?

Sofort katapultiert Brad Meltzer seine Leser mitten in das Geschehen und legt bei seiner Geschichte eine rasante Geschwindigkeit an den Tag. Und so rasant die Geschichte beginnt, so viele Fragen wirft sie auf, sodass man anfangs doch recht verwirrt, vor Neugier getrieben, weiterliest. Erst nach und nach kristallisieren sich die Zusammenhänge zwischen Superman und Kain heraus, die zum Ende hin relativ schlüssig gelöst werden. Allerdings ist der Weg dahin stellenweise verworren und wirkt oft konstruiert.

Die Geschichte wird zum größten Teil aus der Perspektive von Cal erzählt, der eindeutig unter einem Helfersyndrom leidet. Sein Charakter ist so ziemlich der einzige in der Story, der nichts zu verbergen hat. Bei seinem Vater Lloyd wird man von Anfang an das Gefühl nicht los, dass dieser mehr weiß als er zugibt und welche Rolle genau seine Freundin Serena spielt, bleibt eigentlich während der gesamten Geschichte offen und ist eigentlich überflüssig. Die Figur des Killers Ellis ist typisch unsympathisch und eindimensional angelegt, sodass dessen Handlungen absolut keine Überraschungen zu bieten haben.

Fazit: Durch das rasante Tempo, welches durch die gesamte Story anhält, ist durchweg ein recht hoher Spannungslevel vorhanden, und wenn man von den blassen Charakteren und der etwas konstruierten Handlung absieht, ist "Das Buch der Lügen" ein recht unterhaltsamer Thriller.

Montag, 14. Dezember 2009

{Rezension} Der Engelspapst von Jörg Kastner

Taschenbuchausgabe: 640 Seiten
ISBN: 342663595X 
Genre: Kirchenthriller
Erscheinungsdatum: 01. März 2007
Preis: 6,00 €

"... Der Glaube ist für die Menschen da,
nicht die Menschen für den Glauben ..."

Verschwörung im Vatikan

Mitten in der Nacht wird Alexander Rosin, Adjutant bei der Schweizer Garde, in die Wohnung seines Onkels und Kommandanten der Garde gerufen. Dort liegen die Leichen seiner Tante, seines Onkels und des mutmaßlichen Täters. Für den Vatikan ist der Fall schnell geklärt, doch Alexander hat Zweifel und beginnt auf eigene Faust mit den Ermittlungen. Schnell muss er feststellen, dass hier bei weitem mehr dahinter steckt und der Mord an seinem Onkel eng mit der Wahl des neuen Papstes Custos zusammenhängt, dessen Leben zu schützen Alexander geschworen hat.

Jörg Kastner verbindet in dem vorliegenden Vatikan-Thriller sehr geschickt Fakten und Fiktion und so entsteht eine glaubhafte Geschichte mit mystischen Einflüssen, die von Anfang an sehr schlüssig umgesetzt ist. Auch merkt man während des Lesens schnell, dass diesem Thriller fundierte Recherchen zugrunde liegen.

Der Vatikan-Thriller beginnt mit dem Mord an Alexanders Verwandten und so ist man von Anfang an mitten in der Geschichte, die mit einem rasanten Tempo erzählt wird. Gut gelegt sind auch die Passagen, in denen aus dem Buch von Alexanders Vorfahren berichtet wird. Diese, im 16. Jahrhundert spielende Geschichte, weckt die Neugier auf den Fortgang der Story und erklärt die Hintergründe zu den Geschehnissen in der Gegenwart. So ist praktisch von der ersten Seite an eine sehr hohe Spannung vorhanden, die sich mühelos bis zum Schluss hält. Geschickt gelegte Wendungen, sowie einige unvorhersehbare Ereignisse sorgen dafür, dass einem während des Lesens nie langweilig wird, ganz im Gegenteil.

Seinen Protagonisten Alexander Rosin beschreibt der Autor als einen selbstbewussten, neugierigen jungen Mann, der für seine Überzeugung einsteht und skeptisch, aber dennoch aufgeschlossen den Informationen, welche er im Lauf des Thrillers erhält, gegenübersteht. Dies macht seinen Charakter von Anfang an glaubhaft. Auch die Figur von Elena Vida ist sehr facettenreich und vor allem sehr überraschend angelegt. Auch die anderen Charaktere sind detailreich ausgearbeitet und man entwickelt schnell die entsprechenden Sympathien bzw. Antipathien für sie.


Fazit: Ein spannender, hervorragend recherchierter Kirchenthriller, der mühelos dem Vergleich mit Dan Browns "Iluminati" standhalten kann.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

{Rezension} Echo der Hoffnung von Diana Gabaldon

Übersetzer: Barbara Schnell
Gebundene Ausgabe: 1.024 Seiten
ISBN: 3764503033
Genre: Historischer Roman
Erscheinungsdatum: 27. November 2009
Preis: 24,95 €


Beschwerliche Reise zurück nach Schottland

Amerika im Jahr 1777 mitten im Unabhängigkeitskrieg. Dieser geht auch nicht unbemerkt an Frasers Ridge vorbei. Da Jamie jedoch dieses Mal mit Worten und nicht mit dem Schwert kämpfen möchte, entschließen sich er, Claire und Ian die Druckerpresse von Jamie aus Schottland zu holen, um so die Rebellen zu unterstützen. Doch natürlich gestaltet sich der Weg nach Schottland bei weiten nicht so einfach, wie die Drei sich dies vorgestellt haben und müssen so einige Abenteuer bestehen.

Zur gleichen Zeit kämpft William, der Sohn von Jamie, als junger Mann auf seiten der englischen Armee und muss im Lauf der Zeit einige Unwegsamkeiten überstehen, während sein Stiefvater Lord John seine weit reichenden Kontakte zur Spionage nutzt.

Schottland im Jahr 1980: Brianna und Roger sind mittlerweile heimisch geworden in Lallybroch und meistern ihren Alltag mit seinen kleinen und großen Problemen. Doch lässt die Macht der Steine die Beiden und ihre Kinder wirklich ein ruhiges Leben führen?

Dies ist ein grober Handlungsabriss des 7. Bands der Outlander-Saga von Diana Gabaldon. Und eigentlich sollte man meinen, dass diese Handlung - auf mehr als 1000 Seiten verteilt - genug Potential für die Autorin bietet, wieder eine spannende, unterhaltsame, mitfühlende, Geschichte rund und um Jamie & Claire zu schaffen. Jedoch weit gefehlt.

Gut die erste Hälfte der Geschichte dümpelt mehr oder weniger zwischen den Erzählsträngen um Jamie & Claire, Ian, Lord John, William und Brianna und Roger dahin, wobei eindeutig die Geschichte von Jamie & Claire zu kurz kommt. Mag sein, dass viele LeserInnen die Geschichten/Bücher von Lord John interessant finden, ok, aber dies ist ein Buch über Jamie & Claire und somit sollte ihre Geschichte im Vordergrund stehen. Wobei noch erschwerend hinzukommt, dass der Erzählstrang von Lord John bis gut zur Hälfte absolut keinen Einfluss auf die Geschehnisse in dem Buch hat. Es ist ganz interessant etwas mehr von William zu erfahren, sowie über Ian's Leben bei den Indianern. Auch werden während des kompletten Buches viele alte Bekannte wieder "ausgegraben", was stellenweise voraussetzt, dass man sich noch gut an die vorherigen Bände erinnern kann, da oft nicht auf die Hintergründe eingegangen wird. Dies empfand ich aber nicht unbedingt als negativ oder störend, sondern hatte bei mir viele Erinnerungen an die vorherigen Bände geweckt. Allerdings sind auch einfach zu viele Erklärungen über geschichtliche Ereignisse enthalten und auch stellenweise Kapitel, die einfach nichts zur Geschichte beitragen und man sich nach Beendigung des Kapitels fragt, was die Autorin einem damit denn jetzt sagen wollte. So kommt im ersten Teil beim Lesen kaum Spannung bzw. ein Bezug zum Buch auf.

Ich war während dieser Phase des Lesens oft versucht, das Buch enttäuscht und entnervt in die Ecke zu pfeffern, doch plötzlich ab Seite 500 ungefähr zog die Geschichte richtig an und man hatte das Gefühl, angekommen zu sein. Auf einmal war es wieder die Highlander-Saga, man konnte plötzlich mitfühlen, mitleiden, mitlachen: man war mittendrin in der Geschichte und dies hielt sich dann mühelos bis zum Ende. Auf einmal tauchte wieder der herrlich trockene Humor von Diana Gabaldon auf, man war gefesselt von ihrer bildhaften Schreibweise über Land und Leute und ihren Figuren wurde endlich wieder Leben eingehaucht.

Mag sein, dass es auch daran lag, dass der Schwerpunkt endlich bei dem Leben von Jamie & Claire angekommen war und ich halt ein Fan der Beiden bin und nicht von Lord John (diese Romane find ich - bis auf den ersten - extrem langatmig).

Die einzelnen Handlungsstränge verknüpfen sich stellenweise recht logisch, obwohl mir immer noch recht unverständlich ist, wie sich alle so plötzlich und überraschend mehr oder weniger über den Weg laufen können. Aber gut, dass ist die Freiheit der Autorin bei ihrem Roman. Das Ende kommt etwas überraschend und einige Nebengeschichten bzw. Fragen bleiben offen, sodass man davon ausgehen kann, dass es hier noch (hoffentlich!!) eine Fortsetzung geben wird.

Mittwoch, 25. November 2009

{Rezension} Die Teufelshure von Martina Andre

Broschierte Ausgabe: 662 Seiten
ISBN: 335200773X 
Genre: Mystery Roman
Erscheinungsdatum: 20.November 2009
Preis: 17,95 €


Das Rätsel der Unsterblichkeit

Edinburgh im Jahr 1647: Während einer Hinrichtung trifft der Highlander John Cameron die junge, schöne Madlen McDonald, die vor kurzer Zeit aus den Highlands vor einer arrangierten Ehe entflohen ist und hier in den Lowlands einen reichen Gönner gefunden hat. Hierbei handelt es sich um den Parlamentsabgeordneten Lord Chester Cuninghame, der hinter vorgehaltener Hand auch der "schwarze Lord" genannt wird, da er angeblich mit dem Teufel im Bunde stehen würde. Schon bei ihrem ersten Treffen verlieben sich Madlen und John ineinander. Da Lord Cuninghame Madlen jedoch als sein Eigentum betrachtet und sie niemals freiwillig ziehen lassen würde, beschließen die Beiden zu fliehen. Doch ihre Flucht scheitert und John wird gefasst. Lord Cuninghame lässt seinen Einfluss spielen und als John der Prozess gemacht wird, wird er wegen Landesverrats zum Tode verurteilt. Doch der schwarze Lord scheint andere Pläne mit ihm zu haben, ist er doch Anführer einer geheimen Bruderschaft, die sich Panaceaer nennen und die das Rätsel der Unsterblichkeit entschlüsselt zu haben scheinen.

Im Jahr 2009 bekommt die junge Molekularbiologin Lilian von Stahl, von ihrem Bruder Alex eine unbekannte Schamanendroge namens Ayanasca geschickt, die angeblich Visionen aus dem Unterbewusstsein zu Tage fördern würde und man so einen Blick auf das Leben seiner biologischen Vorfahren werfen könnte. Eigentlich sollte sie diese Droge nur analysieren, doch Lilian startet einen Selbstversuch und sieht sich plötzlich einem Highlander aus dem 17. Jahrhundert gegenüber. Neugierig geworden versucht sie auf eigene Faust das Rätsel ihrer Vergangenheit zu entschlüsseln und gerät hierbei in tödliche Gefahr.

Der erste Teil des Buches erzählt die Geschichte von Madlen McDonald und John Cameron und stellenweise erinnert die Story zum einen an die Highlandsaga von Diana Gabaldon und zum anderen an den Film "Highlander - Es kann nur einen geben". Und obwohl einige Parallelen zu erkennen sind, erzählt Martina André doch eine völlig andere, interessante und spannende Geschichte, die eindeutig im Fantasy-Bereich anzusiedeln ist. Dieser Teil des Buches spielt in Schottland zur Zeit des englischen Bürgerkriegs und zeigt einem auf sehr bildhafte Weise das damalige Leben des einfachen Volkes mit seinen ganzen Widrigkeiten wie Krankheit und Armut auf. Und der Bürgerkrieg ist auch der ideale Hintergrund für die geheimen Machenschaften des schwarzen Lords, der so während den Wirren des Krieges ungezügelt seine Macht ausspielen und seine eigenen Interessen verfolgen kann.

Der zweite Teil spielt in der Gegenwart und erzählt die Geschichte von Lilian von Stahl, ihrer Familie und ihren schottischen Wurzeln. Durch Zufall trifft Lilian auf einen jungen Mann, der dem Highlander in ihrer Vision zum Verwechseln ähnlich sieht. Fast zeitgleich erlebt der ältere Dough Weir, Mitarbeiter einer Security-Firma, etwas sehr Mysteriöses bei einem seiner nächtlichen Rundgänge im Hafen von Leith. Dieses Ereignis führt ihn kurzer Zeit später mit Lilian zusammen und beide versuchen, das Rätsel um Lilians Vergangenheit zu entschlüsseln. Dies ist eindeutig der Thrillerteil des Buches, denn ab dem Moment, indem Lilian die Bildfläche betritt, wandelt sich der historische Roman zu einem atemberaubenden Thriller und man ist kaum noch fähig, das Buch aus der Hand zu legen.

Die Charaktere sind von der Autorin wieder gewohnt detailreich beschrieben. Ihr Protagonist ist eindeutig der charismatische, gutaussehende, selbstbewusste John Cameron. Die Figur von Madlen war mir anfangs etwas zu verhuscht und hat mich stellenweise mit ihrer ängstlichen Art doch ziemlich genervt, allerdings entwickelt sich ihr Charakter. Ganz anders ist hier die Figur von Lilian angelegt. Sie beschreibt Martina André als eine junge Frau mit einer sehr direkten, selbstbewussten Art, die einem sofort sympathisch ist. Charismatisch, düster und undurchsichtig sind dagegen die Charaktere von Lord Cuninghame und Bruder Mercurius angelegt, was aber natürlich auch ihrer zugdachten Rolle in dem Roman entspricht. Auch die Weggefährten von John sind facettenreich beschrieben, wobei hier die Figur des Paddy Hamlock heraussticht.

Fazit: Martina André ist es wieder einmal auf sehr eindrucksvolle Art und Weise gelungen, einen hervorragend gelungenen Mix aus Historie, Fantasy und Thriller zu schreiben, mit einer fabelhaften und sehr gut recherchierten Geschichte.

Donnerstag, 19. November 2009

{Rezension} Eisiges Blut von Robert Masello

Verlag: Fischer Verlag 
Übersetzer: Maria Poets
Taschenbuchausgabe: 640 Seiten
ISBN: 359618519X
Genre: Mystery Thriller
Erscheinungsdatum: 05. Oktober 2009
Preis: 8,95 €


Überraschende Entdeckung am Südpol

Als der Fotojournalist Michael Wilde den Auftrag erhält, für eine Fotoserie an den Südpol zu reisen, kommt dies seinem Gemütszustand nur recht. Durch einen Unfall liegt seine langjährige Freundin Kristin im Koma und Michael quält sich seitdem mit Schuldgefühlen. So genießt er die Abwechslung der beschwerlichen Anreise und schon schnell ist auch seine Abenteuerlust wieder geweckt und er stürzt sich voller Elan in das Abenteuer Südpol. Ohne Probleme findet er sich mit den unwegsamen Begebenheiten eines Forschungscamps zurecht und freundet sich schnell mit der Ärztin Charlotte und dem Wissenschaftler Darryl an. Als Darryl einen Tauchgang unternehmen will, ist Michael mit Begeisterung dabei, doch dieser Tauchgang wird sein Leben wie auch das der Bewohner des Forschungscamps entscheidend verändern. Nahe einem Gletscher ist eine Frau in Ketten gefesselt im Eis eingefroren, in ihrer Nähe wird noch eine Truhe entdeckt. Schnell kann er den Leiter den Forschungscamp von der Bergung überzeugen. Kaum ist die Eisleiche samt Truhe im Forschungscamp angekommen, überschlagen sich die Ereignisse.

Sehr anschaulich erzählt Robert Masello das Leben auf einem Forschungscamp am Südpol mit seinen ganzen Unwegsamkeiten, die das menschenfeindliche Wetter mit sich bringen. So taucht man mühelos in die Story ein und auch die teils wissenschaftlichen Erklärungen einiger Forschungsgebiete sind informativ und interessant in die Story eingearbeitet. Und das ist die Geschichte auch anfangs bis ca. zur Mitte des Buches hin: Ein spannender, interessanter Wissenschaftsthriller. Tja, und dann wirds mystisch bis phantastisch und - so ging es mir zumindest - ist man erst einmal etwas verwundert über die Wandlung, welche die Geschichte nimmt. Wenn man sich jedoch auf diesen Genrewechsel einlässt, bleibt die Story spannend erzählt, bedingt auch durch den wirklich flüssigen, lebendigen Schreibstil von Robert Masello.

Die Geschichte wechselt ständig zwischen Michael, den Geschehnissen im Forschungscamp und dem Leben von Eleanor und Sinclair Ende des 19. Jahrhunderts, bis sich schließlich beide Handlungsstränge in der Gegenwart wiederfinden. Auch in der Gegenwart bekommt man durch Rückblicke von Eleanor und Sinclair ihre Geschichte bis zum Auffinden im Eis erzählt. Dies ist durchweg spannend umgesetzt und die Wechsel wurden vom Autor gut gelegt, somit ist ein Weiterlesen meist unumgänglich.

Die Charaktere beschreibt der Autor sympathisch und detailreich, sodass man sehr schnell eine Vorstellung von ihnen erhält, besonders hier von seinem Protagonisten Michael. Allerdings sind die Figuren jetzt nicht unbedingt tiefgreifend beschrieben. So werden die Schuldgefühle von Michael, welche er durch den Unfall von Kristin hat, doch eher oberflächlich abgehandelt. Ok, dafür ist es halt auch ein Thriller bzw. Abenteuerroman, wo man dies auch nicht unbedingt erwartet. Warum der Autor diese Nebenstory jedoch eingebaut hat, bleibt mir ein Rätsel, da dies absolut unnötig für die Story ist und der Figur hierdurch keine Tiefe verliehen wird.


Fazit: Was wie ein Wissenschaftsthriller beginnt, endet als Fantasy Roman mit Science Fiction-Einschlag. Wer sich auf diesen abrupten Genrewechsel einlässt, bekommt eine interessante, spannende Geschichte geboten.

Dienstag, 17. November 2009

{Rezension} Familienpause von Annie Sanders


Verlag: rororo Verlag
Übersetzung: Ines Hein, Antje Nissen
Tachenbuchausgabe: 464 Seiten
ISBN: 3499249987
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 02. Juni 2009
Preis: 8,95 €

Das kann doch nicht alles gewesen sein,...

... dies sagt sich Sarah eines Tages. Seit die Zwillinge Claire und Tom auf der Uni sind, hat Sarah das Gefühl, ihr Leben ändern zu müssen. Das Eheleben mit David nervt sie, sie fühlt sich bei ihrer Arbeit als Musiklehrerin und mit der Hausarbeit unterfordert und nach reichlicher Überlegung kommt sie zu dem Entschluss, aus diesem Trott ausbrechen zu müssen. Genau richtig kommt ihr da die Einladung ihrer Freundin Nathalie, sie in Frankreich zu besuchen. Natürlich stößt sie mit ihrer Entscheidung bei ihrer Familie auf Unverständnis, doch David erklärt sich zähneknirschend bereit, ihr diese Auszeit zu ermöglichen. Voller Erwartung reist sie nach Frankreich und blüht regelrecht auf, besonders als der gutaussehende Fabien sich für sie zu interessieren scheint. Doch ist er wirklich der für den er sich ausgibt?


Annie Sanders erzählt die Geschichte einer Frau Anfang Vierzig, die nach dem Auszug ihrer Kinder das Bedürfnis verspürt, ihrem Leben einen neuen Sinn zu geben. Wahrscheinlich hat das jeder schon einmal empfunden, der sich in einer langjährigen Beziehung befindet. Einfach ausbrechen aus dem täglichen Einerlei, sich an seine Jugendträume erinnern und diese verwirklichen zu wollen. Mit der Einladung ihrer Freundin Nathalie ermöglicht sich diese Möglichkeit für Sarah. Und sie genießt diese Auszeit in vollen Zügen. Währenddessen kämpft ihr Mann David mit dem ungewollten Singleleben und lässt sich erst einmal hängen und bemitleidet sich selbst. Und auch Claire und Tom, die neunzehnjährigen Zwillinge, müssen mit der neuen Situation zurechtkommen, wobei dies Tom bei weitem besser gelingt als Claire. Ja, und dann erst noch der Rest der Familie (Eltern, Schwiegereltern, Geschwister) und die lieben Freunde und die Nachbarschaft. Natürlich ist das Gerede groß, manche bewundern Sarah für ihren Mut, andere betrachten sie als hartherzig und egoistisch. Also die volle Bandbreite und alle Klischees werden bestens bedient.

Die Geschichte wird meist aus Sicht von Sarah erzählt, allerdings kommt auch David zu Wort und auch auf das Gefühlsleben ihrer Tochter Claire wird in einigen Kapiteln eingegangen. Alle Charaktere sind lebendig und sympathisch beschrieben. Allerdings auch hier wieder klischeehaft. Sarah, die fürsorgende Ehefrau und Mutter, die aber eigentlich doch endlich mal sich selbst finden möchte; der hart arbeitende, karrierebewusste Ehemann David, der jeden Abend pünktlich nach Hause kommt, einmal die Woche mit seinen alten Kumpels Fußball spielt und sich ansonsten von Claire alles vor die Füße tragen lässt; die guterzogenen, intelligenten, hübschen Zwillinge, die ihre kleinen Problemchen haben. Wobei Claire, die mit der Trennung ihrer Eltern nicht zurechtkommt, dann doch rebelliert und mit selbstzerstörerischen Mitteln um Hilfe ruft. Was jedoch auch einen sehr typischen, vorhersehbaren Verlauf nimmt.

Die Geschichte plätschert gut die Hälfte des Buches mehr oder weniger vor sich hin, ohne dabei jetzt langweilig zu sein. Dafür sorgt schon der flüssige, lebendige Schreibstil von Annie Sanders. Erst im letzten Drittel überschlagen sich regelrecht die Ereignisse und hier kommt dann auch ein wenig Spannung auf, wobei jedoch einfach der Ausgang der Geschichte sehr vorhersehbar ist.


Fazit: Wer einfach gut unterhalten werden möchte, keinen Roman mit Tiefgang erwartet und nichts dagegen hat, dass dieser sich dem Thema entsprechend vielen Klischees bedient und kein überraschendes Ende erwartet, ist bei dem vorliegenden Roman genau richtig. Ideal als Urlaubslektüre.

Montag, 16. November 2009

{Rezension} Erbarmen von Jussi Adler-Olsen

Verlag: dtv Verlag
Übersetzer: Hannes Thiess
Broschierte Ausgabe: 420 Seiten
ISBN: 3423247517
Genre: Skandinavischer Thriller / Dänemark
Erscheinungsdatum: 01. Oktober 2009
Preis: 14,90 €


Warum bist Du hier?? 

Das ist die alles entscheidende Frage in Merete Lynggaard momentanen Leben. Als sie mit ihrem geistig behinderten Bruder Uffe einen Schiffsausflug macht, wird die junge Politikerin entführt und seitdem in einem betonierten Raum gefangen gehalten. Das erste Jahr muss sie in völliger Dunkelheit leben, dann kommt die alles entscheidende Frage ihrer Entführer, auf die Merete jedoch keine Antwort findet. Darauf folgt ein Jahr im Dauerlicht und wieder wird danach die entscheidende Frage gestellt, deren Antwort Merete auch dieses Mal schuldig bleiben muss. In der Zwischenzeit geht der Rest der Welt davon aus, dass sie bei dem Bootsausflug über Bord gegangen ist. Als im Morddezernat Kopenhagen das Sonderdezernat Q eingerichtet wird und Carl Mork die Leitung übernimmt, rollt dieser den Fall Lynggaard wieder auf und stößt zusammen mit seinem syrischen Assistenten Hafez el-Assad auf einige Ungereimtheiten. Ein spannender Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Nachdem Carl Mork bei einem Einsatz verletzt wurde, einer seiner Kollegen starb und ein anderer seitdem schwerstverletzt im Krankenhaus liegt, beginnt er nun seinen Dienst wieder. Allerdings ist Carl zwischenzeitlich noch zynischer geworden und eine Zusammenarbeit mit ihm wird für seine Kollegen immer schwieriger. Und so nutzt sein Chef die Chance und überträgt Carl die Leitung des Sonderdezernats Q, ein neu geschaffenes Dezernat, das sich mit ungeklärten Fällen beschäftigen soll. Aus Platzgründen wird die Einheit in den Keller verlegt und Carl bekommt mit Assad einen Assistenten zur Seite gestellt. Anfangs hat Carl nichts Besseres zu tun, als die Akten von links nach rechts zu schieben, Computerspiele zu spielen und den Tag zu verschlafen. Doch so langsam "erwacht" der Polizist in ihm wieder und bald schon stecken Carl und Assad mitten in den Ermittlungen um das Verschwinden von Merete.

Der gesamte Psychothriller ist atmosphärisch dicht umgesetzt, zu keiner Zeit kommt auch nur der Hauch von Langeweile auf. Ganz im Gegenteil, man ist von Anfang an gefesselt an die Geschichte. Lange Zeit rätselt man genau wie Merete über das Warum nach. Warum wird sie festgehalten und vor allem, was will der oder die Entführer? Welche Ziele verfolgen sie? Diese Fragen werden im letzten Drittel gelöst, wobei man jedoch nach gut der Hälfte des Thrillers die Lösung erahnen kann. Die Story ist absolut schlüssig umgesetzt, die Erzählstränge wechseln ständig zwischen den Ermittlern und Merete und die Lösung des Falls ist so logisch, dass man sich wundert, nicht gleich zu anfangs schon darauf gekommen zu sein.

Die Beschreibungen von Merete in ihrem isolierten Betonraum sind sehr bedrückend und unvorstellbar grausam. Die Entführer nehmen ihr ihre Würde, indem sie sie rund um die Uhr per Kamera überwachen und ihr somit keine Intimsphäre gestatten wie auch absolut keine hygienischen Möglichkeiten - bis auf einen Toiletteneimer - zur Verfügung stellen. So muss sie während der ganzen Jahre in ein und derselben Kleidung verbringen, hat keine Möglichkeit sich zu waschen oder die Zähne zu putzen. Essen und Trinken erhält sie einmal pro Tag durch eine Schleuse und das war es auch schon. Kommunikation findet nur einmal im Jahr zu ihrem Geburtstag statt. Die Entführer halten sie wie ein Tier und Merete droht mehr als einmal, an ihrer Gefangenschaft zu zerbrechen.

Trotz der beklemmenden Geschichte gelingt es Jussi Adler-Olsen zwischendurch immer wieder, einem zum Schmunzeln und stellenweise sogar zum Auflachen zu bringen. Sein Protagonist Carl ist herrlich zynisch, selbstironisch und ein absoluter Einzelgänger. Ihm zur Seite steht ihm der Syrer Assad, eigentlich nur als Putzmann und "Mädchen für alles" gedacht, entwickelt er sich im Lauf der Story zu einem unverzichtbaren Helfer mit ungeahnten Fähigkeiten. Die Kabbeleien der Beiden sind erfrischend und lockern das Ganze etwas auf. Auch die anderen Charaktere sind sehr facettenreich, lebendig beschrieben und überraschen ein ums andere Mal.

Fazit: Jussi Adler-Olsen ist mit "Erbarmen" ein hervorragender Psychothriller gelungen, der einen von der ersten Seite an fesselt, einen Protagonisten vorzuweisen hat, den man mit seinem Macken einfach mögen muss und einer Story, die einfach nur alptraumhaft ist.

Mittwoch, 11. November 2009

{Rezension} Öland von Johan Theorin

Verlag: Piper Verlag 
Übersetzer: Kerstin Schöps
Taschenbuchausgabe: 446 Seiten
ISBN: 3492253687
Genre: Skandinavischer Krimi / Öland
Erscheinungsdatum: 20. Februar 2009
Preis: 9,95 €


Der schwere Weg zurück

Vor rund 20 Jahren ist Julias kleiner Sohn Sven spurlos auf Öland im Nebel verschwunden. Sofort angesetzte Suchaktionen haben nichts ergeben und jedermann glaubte damals, dass er im Meer ertrunken ist. Bis auf Julia! Sie konnte sich mit seinem Verschwinden nie abfinden und leidet heute noch darunter und hofft ständig, dass er eines Tages wieder auftaucht. Darüber ist sie stark depressiv geworden. Als nun ihr Vater anruft und ihr erzählt, dass ihm ein Beweisstück zugespielt wurde, reist sie mehr widerwillig nach Öland, um ihren Gerlof bei der Aufklärung um Jens' Verschwinden zu unterstützen. Und langsam kristallisiert sich eine Spur heraus, die immer wieder zu dem toten Nils Kant führt. Aber ist Nils wirklich tot oder lebt er versteckt auf der Insel? Die Lösung dieser Frage bringt Julia und ihren Vater Gerlof in Lebensgefahr.

Atmosphärisch dicht hat Johan Theorin sein Erstlingswerk umgesetzt. Fast sofort fühlt man sich hineinversetzt in die düstere, mystische und fast schon depressive Oktoberstimmung auf Öland. Und so erhält man mühelos eine sehr gute Vorstellung von der Insel und deren Bewohner.

Die Geschichte spielt in der Gegenwart wie auch in der Vergangenheit. Einerseits ist man bei den "Ermittlungen" von Julia und Gerlof dabei, wie sie der Vergangenheit und den Geheimnissen der Insel und deren Bewohner auf die Spur kommen. Zum anderen erfährt man in Rückblenden etwas über das Leben von Nils Kant, dessen Geschichte in den 1940er Jahren beginnt. Sehr schnell merkt man, dass Nils eine Schlüsselrolle um das Verschwinden von Jens spielt. Was es allerdings mit dessen Verschwinden auf sich hat und wie Nils darin verwickelt ist, erfährt man erst im letzten 1/3 des Krimis und die Auflösung ist wirklich sehr gelungen und schlüssig umgesetzt.

Seine Protagonistin Julia beschreibt der Autor anfangs als eine trauernde, psychisch sehr labile Frau, die immer noch jeden Tag hofft, dass Jens endlich wieder zurückkehrt. Sie lebt eindeutig in der Vergangenheit und dieser Schicksalsschlag hat sie über die Jahre hinweg zermürbt. Ihre Rückkehr nach Öland hilft ihr nach und nach in die Gegenwart zurückzukehren und wieder Lebensmut zu fassen, sowie mit dem Verschwinden ihres Sohnes umzugehen. Diese Wandlung ist fast fließend und sehr einfühlsam von Johan Theorin beschrieben. Wie übrigens alle seine Charaktere sehr einfühlsam, lebendig und facettenreich beschrieben sind.

Die Story beginnt mit der Rückkehr von Julia auf Öland und schnell kristallisiert sich heraus, dass das Verschwinden von Jens etwas mit Nils Kant zu tun haben muss, der allerdings zum Zeitpunkt des Verschwindens angeblich schon mehrere Jahre tot war. Dieses Wissen gibt der Geschichte einen etwas mystischen Anstrich, wodurch auch recht schnell Spannung aufgebaut wird. Und diese hält sich mühelos über die gesamte Story hinweg, wobei die Spannung stellenweise nur unterschwellig zu spüren ist und sich fast unmerklich steigert.


Alles in allem ein absolut gelungenes Debüt von Johan Theorin, der mit "Öland" einen sehr spannenden, mystisch angehauchten, etwas melancholischen Krimi geschaffen hat, der einem von der ersten Seite an fesselt.

Montag, 9. November 2009

{Rezension} Liebeskind: Kommissarin Greves zweiter Fall von Christine Westendorf

Taschenbuchausgabe: 480 Seiten
ISBN: 3442370752 
Genre: Deutscher Krimi
Erscheinungsdatum: 07. September 2009
Preis: 8,95 €


Den Mörder gleich zu Anfang präsentiert = gebremste Spannung

Kommissarin Anna Greve und ihr Kollege Lukas Weber stehen vor einem Rätsel. Binnen einer Woche ereignen sich zwei unterschiedliche Morde, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Allerdings kannten sich die beiden Mordopfer; während der Schulzeit waren sie die besten Freunde. Liegt hier das Motiv versteckt? Da einer der Morde in den Zuständigkeitsbereich der Polizei in Hannover fällt, erhalten Greve und Weber Unterstützung durch Kommissarin Sigrid Markisch. Allerdings ist diese sehr schnell der Auffassung, dass das Motiv bei den Anlagegeschäften eines der Mordopfer zu suchen ist. So laufen die Ermittlungen in verschiedene Richtungen, allerdings ohne nennenswerte Ergebnisse. Dann geschieht ein dritter Mord und plötzlich haben die Ermittler eine heiße Spur.

In ihrem zweiten Fall ermittelt die sympathische Hamburger Kommissarin dieses Mal in dem kleinen Ort Maschen. Die Ermordeten Torsten Lorenz und Rainer Herold sind zusammen zur Schule gegangen und besonders Rainer hatte nie eine Gelegenheit ausgelassen, seine Mitschüler zu mobben. Besonders die durch ein Feuermal im Gesicht gezeichnete Elsa hatte unter seinen Schikanen zu leiden. Sie, als Kind und Jugendliche nicht besonders hübsch, leicht dicklich, aus einem zerrütteten Elternhaus, introvertiert und seelisch gestört, kehrt nach Jahren in ihr altes Heimatdorf zurück, um sich an den Peinigern ihrer Schulzeit zu rächen.

In Rückblenden lernt man nach und nach die schwierige Kindheit von Elsa kennen, was die Autorin sehr eindringlich beschreibt. So erfährt man schnell die Beweggründe für die Morde und erhält dadurch eine Erklärung für ihre unbändige Rachsucht. Den Charakter von Elsa beschreibt die Autorin nicht unbedingt symphatisch. So stellt sie Elsa als eine sehr eigennützige, ichbezogene junge Frau dar, deren Gedanken sich einzig und allein um sich selbst und ihre Rache drehen.

Die Ermittlerin Anna Greve muss sich in diesem Band mit ihrem verantwortungslosen Mann herumärgern sowie ihrem ältesten Sohn Ben. Der Vierzehnjährige scheint sich ein paar "falsche" Freunde ausgesucht zu haben und probiert seine ersten Joints aus. Auf Hilfe von ihrem Mann Tom kann sie nicht rechnen, da dieser lieber jedem Problem aus dem Weg geht und so ziehen sich die Probleme über den ganzen Krimi hinweg, wobei das Thema meines Erachtens etwas zu lasch abgehandelt wird. Dadurch wirkt diese Nebenstory für mich etwas konstruiert und scheint nur erzählt zu werden, um dem Leser hier ein wenig das Privatleben von Anna näher zu bringen.

Dadurch, dass man bereits nach wenigen Seiten die Mörderin kennt wie auch das Motiv, wobei der Hauptgrund der Morde erst zum Schluss enthüllt wird, nimmt dies dem Krimi ziemlich die Spannung. So gehen einem stellenweise die Ermittlungen einfach zu schleppend voran, besonders zur Mitte hin zieht sich der Krimi doch ganz schön. Erst zum Ende hin, da sich hier auch noch eine interessante Wendung ereignet, wird er wieder richtig spannend bis zum wirklich fesselnden Finale.

Mittwoch, 4. November 2009

{Rezension} Angeklagt von Robert Rotenberg



Verlag: rororo Verlag 
Übersetzer: Edith Beleites
Taschenbuchausgabe: 480 Seiten
ISBN: 3499248107
Genre: Thriller International / Kanada
Erscheinungsdatum: 02. November 2009
Preis: 9,95 €


"Ich habe sie getötet"

Als der indische Zeitungsbote wie jeden Morgen dem bekannten Radiomoderator Kevin Brace seine Zeitung geben möchte, findet er ihn völlig verstört vor seiner Wohnungstür stehen. Brace sagt nur einen Satz: "Ich habe sie getötet!". Dann verstummt er. Staatsanwaltschaft, seine Rechtsanwältin Nancy Parish und die Polizei, vertreten durch Inspector Ari Greene und Officer Daniel Kennicott beginnen mit ihrer Arbeit. Und obwohl der Fall eindeutig zu sein scheint, treten doch einige Merkwürdigkeiten auf, die besonders Greene und Kennicott keine Ruhe lassen und sie selbst nach Prozesseröffnung ihre Ermittlungen nicht beenden lassen.

Der in Toronto lebende Autor Robert Rotenberg, der als Journalist und Anwalt arbeitet, beginnt seinen Justizthriller sofort mit dem Tod von Katherine Torn. So ist man beim Lesen sofort mitten im Geschehen und sehr schnell fallen einem beim Lesen einige Ungereimtheiten auf, die darauf schließen lassen, dass der Tod von Braces Lebensgefährtin doch nicht so eindeutig ist wie es anfangs den Anschein hat.

Während des Lesens ist man immer auf demselben Wissenstand wie Staatsanwaltschaft, Polizei und Verteidigung. Zwischen deren Erzählsträngen wird ständig gewechselt, sodass sich die Spannung praktisch von Anfang an auf einem hohen Niveau hält und die überraschenden und vor allem nicht unbedingt voraussehenden Wendungen in dem Fall steigern die Spannung zum Ende hin sehr.

Der Autor stellt einem im Laufe seines Thrillers seine Protagonisten und deren Privatleben vor. So lernt man nach und nach die Charaktere von Nancy Parish, Ari Greene, Daniel Kennicott und Albert Fernandez von der Staatsanwaltschaft kennen. Sie sind alle durchweg facettenreich und lebendig beschrieben, sodass man sich schnell ein Bild von ihnen machen kann. Die einzig wirklich undurchsichtige Person während des ganzen Thrillers bleibt der Hauptverdächtige Kevin Brace. Da er sich strikt weigert, während des gesamten Prozesses auch nur ein Wort zu sagen, ist einem absolut nicht ersichtlich, welches Motiv hinter seinem Handeln steht.

Heimliche Protagonistin des Thrillers ist jedoch die Stadt Toronto. Man merkt fast auf jeder Seite die Verbundenheit des Autors zu seiner Stadt. So erhält man ganz nebenbei anschaulich und informativ viele architektonische, geschichtliche und kulturelle Informationen rund um Toronto vermittelt, die durchgehende geschickt in die Story eingearbeitet sind.


Fazit: Mit seinem sehr flüssigen und lebendigen Schreibstil und seinem fundierten Fachwissen ist Robert Rotenberg mit seinem Debütroman ein hervorragender Justizthriller gelungen, der sich ohne Probleme mit den ersten Grisham-Thriller messen kann. Robert Rotenberg schreibt bereits an seinem zweiten Roman.

Dienstag, 3. November 2009

{Rezension} Angels - Meine Rache währt ewig von Lisa Jackson

Übersetzer: Kristina Lake-Zapp
Broschierte Ausgabe: 560 Seiten
ISBN: 3426663724
Genre: Amerikanischer Thriller
Erscheinungsdatum: 02. November 2009
Preis: 14,95 €



Zurück ins "alte" Leben - mit Startschwierigkeiten

Nachdem sich Kristi Bentz von dem Anschlag eines Psychopathen auf ihr Leben erholt hat, möchte sie an ihre alte Uni zurückkehren. Allerdings ist ihr Vater, Detective Rick Bentz, vom New Orleans Police Department hiervon keineswegs begeistert. Am All Saints College sind in den letzten 1 1/2 Jahren vier junge Studentinnen verschwunden, jedoch scheint sich außer der Polizistin Portia Laurent vom Baton Rouge Police Department, niemand für ihr Verschwinden zu interessieren. Als Kristi auf dem Campus ankommt und nach kurzer Zeit erfährt, dass sie das Appartement einer der verschwundenen Mädchen bewohnt, wird sie neugierig und beginnt, zusammen mit ihrem Professor und Ex-Freund Jay McKnight, eigene Nachforschungen anzustellen. Diese führen sie sehr schnell auf eine Spur, die verdächtig viel mit dem Vampyrismus-Seminar von Dr. Grotto zu tun hat.

Grundlage von Lisa Jacksons neuem Thriller ist der Vampirismus. Kristi kommt sehr schnell einer Gruppe von Studentinnen auf die Spur, die sich mit dem Vampir-Kult sehr intensiv zu beschäftigen scheinen und ihrem Professor, dem mysteriösen Dominik Grotto, verfallen zu sein scheinen. Doch hat das Verschwinden der jungen Studentinnen wirklich etwas mit dieser Sekte zu tun oder handelt es sich hierbei nur um einen Zufall und alle vier Frauen sind einfach ausgerissen, so wie ihre Familien vermuten.

Die Geschichte beginnt mit dem Eintreffen von Kristi auf dem Campus. Bedingt durch den noch nicht lange zurückliegenden Angriff eines Psychopathen auf ihr Leben, war ihr Vater überbesorgt um sie und Kristi ist überglücklich, endlich ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen zu können und stürzt sich voller Tatendrang in das Campusleben. Dort trifft die selbstbewusste, überaus neugierige und eigensinnige Kristi auf ihre Jugendliebe und jetzigen Dozenten für Kriminologie Jay McKnight. Dieser, anfangs immer noch hin- und hergerissen in Bezug auf seine Gefühle zu Kristi, wird schnell von ihrer Neugier angesteckt und unterstützt sie bald tatkräftig bei ihren Privatermittlungen. Natürlich ist von Anfang an klar, dass sich zwischen den Beiden wieder eine Liebesbeziehung entwickelt, die von der Autorin gewohnt erotisch und humorvoll beschrieben wird.

Das Lisa Jackson bei ihrem Thriller ständig zwischen den Handlungsträngen wechselt und auch den Mörder zu Wort kommen lässt, ist die Spannung von Anfang an auf hohem Niveau und hält sich bis zum Ende mühelos, welches teilweise voraus zu ahnen ist und doch noch mit einer Überraschung aufwarten kann.

Allerdings und deswegen auch nur 4 Sterne, sind manche Szenen doch etwas an den Haaren herbeigezogen. So ist für mich das Verhalten von Kristi stellenweise sehr unglaubwürdig. Gerade wieder genesen von mittlerweile zwei Angriffen von Psychopathen, stürzt sie sich ohne Angst zu zeigen wieder in ein neues Abenteuer und riskiert hier bewusst ihr Leben. Und außer einigen merkwürdigen Visionen sind keine bleibenden psychischen Schäden von den Überfällen zurückgeblieben. Schon schwer nachvollziehbar. Auch wird immer wieder betont, wie klein die Universität ist, und dass dann binnen 1 1/2 Jahren einfach so vier Studentinnen verschwinden können, ohne dass sich hierfür groß die Polizei oder die Uni interessiert, fand ich auch etwas konstruiert. Aber abgesehen davon überzeugt der flüssige, lebendige Schreibstil von Lisa Jackson und sie versteht es mühelos, einen an das Buch zu fesseln.

Aber alles in allem ist Lisa Jackson wieder ein spannender Thriller gelungen, bei dem man auch wieder einigen Personen aus Shiver und Cry begegnet. Allerdings muss man diese beiden Thriller nicht gelesen haben, um sich in der Story zu Recht zu finden.

Sonntag, 1. November 2009

{Rezension} Die bleiche Hand des Schicksals von Julia Spencer-Fleming

Übersetzer: Frauke Czwikla
Taschenbuchausgabe: 544 Seiten
ISBN: 3426504596
Erscheinungsdatum: 01. August 2009
Preis: 6,00 €

Lieber spät als nie

Kurz nachdem Pastorin Clare Fergusson und Mrs. Marshall, Verwalterin des Ketchem-Fonds, dem Leiter des Armenkrankenhauses Dr. Rouse mitteilen, dass er keine weitere Unterstützung aus dem Fond für sein Krankenhaus erhält, verschwindet er spurlos. Schnell fällt der Verdacht auf Debba Clow. Sie hatte einen Rachefeldzug gegen Dr. Rouse begonnen, da dieser ihrer Meinung nach am Autismus ihres kleinen Sohnes schuld sein soll. Doch die Ermittlungen von Sheriff Russ van Alstyne und Clare Fergusson führen noch in eine andere Richtung. Vor 70 Jahren verschwand Jonathan Ketchem, der Vater von Mrs. Marshall ebenfalls spurlos. Gibt es hier eine Verbindung?

Gemächlich lässt Julia Spencer-Fleming ihren Krimi beginnen. Zuerst wird dem Leser das Leben in dem kleinen beschaulichen Städtchen Millers Kill, nahe New York, näher gebracht. Um das Dach der Kirche reparieren lassen zu können, muss einiges an Geld aufgebracht werden, was sich ein wenig schwierig gestaltet. So entschließt sich Mrs. Marshall einen Teil des von ihrer verstorbenen Mutter eingerichteten Fonds für die Reparatur der Kirche zu verwenden. Eigentlich ist der Fond nur für die Finanzierung des Armenkrankenhauses, welches von ihrer Mutter ins Leben gerufen wurde, bestimmt. Clare fühlt sich nicht so ganz wohl mit dieser Entscheidung, muss ihr aber zustimmen, ansonsten kann die Kirche nicht repariert werden. In diesem Zusammenhang wird sie auch auf die Geschichte der Ketchem-Familie aufmerksam und beschäftig sich intensiv damit.

Und so wechseln die Erzählstränge zwischen Vergangenheit und Gegenwart und der Leser erfährt nach und nach mehr vom Leben der Ketchems, welches in Zusammenhang mit dem Verschwinden von Dr. Allan Rouse zu stehen scheint. Diese Wechsel sind gut getroffen und enden natürlich jedes Mal an der interessantesten Stelle, sodass man ein ums andere Mal zum Weiterlesen angeregt wird.

Ihre Protagonisten Clare und Russ beschreibt die Autorin sehr sympathisch und lebendig, sodass man schnell eine Vorstellung von ihnen erhält. Ihr Umgang miteinander ist erfrischend, vertraut und freundschaftlich. Allerdings bekommt man schnell das Gefühl, dass beide mehr füreinander empfinden, als sie zeigen. Ebenso detailreich und liebenswert sind auch die weiteren Mitwirkenden beschrieben.

Spannung baut sich während des kompletten Buches eigentlich kaum auf. Klar ist man neugierig, wie die beiden Fälle miteinander zusammenhängen und dies ist von der Autorin auch sehr unterhaltsam und flüssig beschrieben, aber spannend ist es nicht wirklich. Jedoch fühlt man sich während des kompletten Buches sehr gut unterhalten.

Gelegentlich wird auf eines der vorherigen Bände hingewiesen. Allerdings muss man diese meiner Meinung nach nicht gelesen haben, um das vorliegenden Buch zu verstehen. Ich kenne die Vorgänger nicht und habe mich mühelos in der Geschichte zurecht gefunden.


Fazit: Alles in allem ein netter, unterhaltsamer Krimi mit einem sehr sympathischen Ermittlerduo.