Leseempfehlungen

Donnerstag, 6. Januar 2011

(Rezension) Sterbenskalt von Tana French

Übersetzer: Klaus Timmermann, Ulrike Wasel
Gebundene Ausgabe: 608 Seiten
ISBN: 3502102163
Genre: Englischer Krimi
Erscheinungsdatum: 14. Dezember 2010
Preis: 16,95 €



Die Vergangenheit kehrt zurück

Mehr als 20 Jahre hat der Undercover-Polizist Frank Mackey schon keinen Kontakt mehr zu seiner Familie, außer gelegentlich zu seiner jüngeren Schwester Jackie. Und von dieser erhält er eines Tages einen ziemlich mysteriösen Anruf. In einem alten Abbruchhaus in Faithfull Place, jenem Viertel, in dem er aufgewachsen ist, wurde der Koffer seiner Jugendliebe Rosie gefunden. Frank und Rosie hatten damals beschlossen, zusammen nach England durchzubrennen, doch Rosie kam nicht zum verabredeten Treffpunkt, dort fand Frank nur einen Abschiedsbrief. In all den Jahren war er davon überzeugt, dass Rosie ihn in dieser Nacht verlassen hat und allein ihr Glück in England versuchen wollte. Doch wieso hatte sie dann nicht ihren Koffer mitgenommen? Mehr widerwillig kehrt Frank zur Stätte seiner Kindheit zurück, die für ihn nur wenig gute Erinnerungen enthält. Doch schon bald muss er feststellen, dass Rosies Verschwinden eine ganz andere Ursache hatte, als er 22 Jahre lang dachte.

Und wieder gelingt es Tana French quasi mit dem ersten Satz, einen an das Buch zu binden, ohne die geringste Chance, es vor dessen Beendigung aus der Hand legen zu können. Ihr Schreibstil ist wieder kraftvoll, bildhaft, stellenweise regelrecht poetisch und einfach nur absolut fesselnd. Die eigentliche Krimihandlung ist zwar ständig präsent, jedoch liegt der Focus eindeutig bei ihrem Protagonisten und seinem bisherigen Leben.

Frank kehrt nach einer halben Ewigkeit mit großer Überwindung in sein altes Viertel zurück. Sind die Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend doch nur geprägt gewesen von Gewalt und Perspektivlosigkeit. Einziger Lichtblick für ihn war damals seine Jugendliebe Rosie und ihre Liebe zu ihm. Begeistert stimmte er ihr zu, nach England abzuhauen, um dort für eine Rockband zu arbeiten. Endlich eine eigene Wohnung, endlich ein Privatleben, keinen gewalttätigen Vater mehr, keine keifende Mutter. Doch dieser Traum zerplatzte in einer einzigen Nacht, genau in der Nacht, als sie beschlossen hatten, ihr Viertel zu verlassen. Frank war die ganzen Jahre über der festen Überzeugung, dass Rosie ohne ihn gegangen sei, mittlerweile in England oder wo immer sonst auf der Welt ein glückliches Leben führt. Und dass sie vielleicht eines Tages ganz plötzlich vor ihm stehen würde. Doch diese Vorstellung zerplatzt so schnell wie eine Seifenblase, als der Koffer von Rosie gefunden wird. Als in dem Abbruchhaus auch noch eine Leiche entdeckt wird, beginnt Frank selbst Ermittlungen anzustellen und kommt dabei hinter ein fürchterliches Geheimnis.

Durch ständige Rückblicke erfährt man als Leser so nach und nach das triste, arme und von Gewalt geprägte Leben von Frank kennen. Ganz eindeutig hat ihn die Zeit in Faithfull Place fürs Leben geprägt. Frank meidet keine Schlägerei, geht bei seinen Nachforschungen stellenweise sehr rabiat und gewalttätig zu Werke, manipuliert Menschen nach Gutdünken und hasst seine Familie. Und doch merkt man mit der Zeit, dass seine Wurzeln immer noch in Faithfull Place verankert sind, er sich selbst als schlechten Menschen sieht, für seine kleine Tochter töten würde, noch einiges für seine geschiedene Frau empfindet und er immer noch nicht mit seiner Vergangenheit abgeschlossen hat. Frank hat viele Charaktereigenschaften, die einfach nur unsympathisch sind und dennoch gelingt es der Autorin problemlos, dass man mit ihm mitfühlt, er einem Leid tut, man Verständnis für sein Handeln aufbringt und ihm etwas Glück im Leben wünscht. Dies liegt möglicherweise auch daran, dass Tana French ihren Protagonisten selbst die Geschichte erzählen lässt und man so seine Beweggründe besser versteht.

Alle ihre Charaktere nehmen fast augenblicklich Konturen an, so liebevoll und detailreich sind sie gezeichnet und vor allem, so authentisch. Da ist der vom Leben enttäuschte Vater, der seinen Frust über Jahrzehnte hinweg im Alkohol ertränkt und ganz besonders im stark betrunkenen Zustand zu extremer Gewalt neigt. Da ist die ständig meckernde, fast schon herzlose Mutter, die kaum noch fähig ist, ihre Gefühle gegenüber ihren Kindern zu zeigen. Franks Geschwister Jackie, Carmel, Shay und Kevin: Alle so unterschiedlich im Charakter, doch alle fixiert auf die Eltern, die umsorgt sein müssen und denen immer noch wichtig ist, was andere Leute über sie denken, dass der Schein nach außen hin immer gewahrt werden muss. Hier ist nicht unbedingt Liebe zwischen den Familienangehörigen zu spüren, sondern vielmehr Verantwortung und Zusammengehörigkeitsgefühl, für den anderen einstehen und da zu sein. Frank hatte damals den Absprung auch ohne Rosie geschafft, seinen Geschwistern ist dieses Glück nicht vergönnt gewesen. So leben sie nach wie vor noch in Faithfull Place, dessen Leben sich so wenig seit damals verändert hat.

Anfangs wirkt die Story recht geradlinig, doch immer mehr tauchen kleine Ungereimtheiten auf, neue, unerwartete Ereignisse geschehen, sodass allein hierdurch schon die Spannung auf einem hohen Level ist. Aber der größte Spannungsfaktor entsteht durch den atmosphärisch so dichten Schreibstil von Tana French und der Geschichte rund um Rosie und Frank, auf der das eigentliche Hauptaugenmerk liegt. So zeichnet die Autorin wunderbar das Bild eines ärmlichen Viertels in Dublin und dessen Menschen Mitte der 1980er Jahre. Man hat Faithfull Place regelrecht vor Augen, kann sich die Tristesse, die Spießigkeit, Gewalttätigkeit und den Mangel an Privatsphäre hervorragend vorstellen. Und dies macht den eigentlichen Zauber dieses hervorragenden Buches aus, der Krimi ist eigentlich hierbei nur ein Nebenschauplatz.


Dienstag, 4. Januar 2011

{Award} Mein dritter Blog Award !!!

Ein ganz dickes Dankeschön an Friederike von Friedelchen's Bücherstube für die Verleihung des


Und hier die Regeln:

Du bist getaggt worden und möchtest teilnehmen?

Erstelle einen Post, indem du das Liebster-Blog-Bild postest & die Anleitung reinkopierst (= der Text den du gerade liest). Außerdem solltest du zum Blog der Person verlinken, die dir den Award verliehen hat & sie per Kommentar in ihrem Blog informieren, dass du den Award annimst & ihr den Link deines Award Posts dalassen. Danach überlegst du dir 3- 5 Lieblingsblogs, die du ebenfalls in deinem Post verlinkst und die Besitzer jeweils per Kommentar - Funktion informierst, dass sie getaggt wurden und hier ebenfalls den Link des Posts angibst, in dem die Erklärung steht.  

Liebe Blogger/innen: Das Ziel, dieser Aktion ist, dass wir unbekannte, gute Blogs an's Licht bringen, deswegen würde ich euch bitten keine Blogs zu Posten, die ohnehin schon 3000 Leser haben, sondern talentierte Anfänger und Leute, die zwar schon ne Weile bloggen, aber immer noch nicht so bekannt sind.

Nominieren möchte ich:

Liebe Grüße
Isabel

{SuB-Zuwachs} Spannender Buchzuwachs

Hallo Ihr Lieben,

... und wieder ein neues Buch, über dass sich mein SuB wieder mal besonders freut. 

Da ich bereits von Anja Jonuleit "Novemberasche" und "Herbstvergessene" gelesen habe und mir der Schreibstil der Autorin sehr gut gefallen hat, musste ich natürlich auch noch 




Das Wasser so kalt
erschienen im Emons Verlag 



haben. Und da ich bei einer Bestellung die Portokosten sparen wollte, kam es mir natürlich sehr gelegen, den Krimi mit zu bestellen.

Und darum geht es in dem Krimi:
Nomen ist nicht immer Omen. Das zumindest weiß Marie Glücklich sicher. Frisch verlassen, stellen- und mittellos, kehrt sie in ihre schwäbische Heimat zurück. Als eine alte Schulfreundin ihr einen Job vermittelt, lässt sie sich auf die Sache ein: Das Institut für Demoskopie in Allensbach sucht für eine Studie über den »Einfluss des Internet auf die Partnersuche« alleinstehende Männer und Frauen, die in einer Kontaktbörse im Internet ein Inserat aufgeben. Als Marie wenig später anonyme Anrufe erhält und in der Nähe ihres Hauses am Seeufer die Leiche einer jungen Frau gefunden wird, ist sie allerdings nicht mehr sicher, ob es die richtige Entscheidung war.


Das Buch habe ich ziemlich weit oben in meinem SuB einsortiert, also wird auch die Rezension nicht lange auf sich warten lassen.

Liebe Grüße
Isabel

Montag, 3. Januar 2011

(Leseeindruck) Die Freundin meines Sohnes von Lauren Grodstein

Gebundene Ausgabe: 351 Seiten
Genre: Roman
ISBN: 978-3-608-93896-8
Erscheinungsdatum: 21. Februar 2011
Preis: 21,95 €








Ein zerstörtes Leben

Lauren Grodstein lässt ihren Protagonisten Pete Dizinoff selbst seine Geschichte erzählen, wobei er hierdurch auch manchmal den Leser persönlich anspricht. Dadurch hat man gleich das Gefühl, mitten in der Geschichte zu stecken.

Der Schreibstil von Lauren Grodstein ist locker und leicht melancholisch angelegt. Nach und nach erfährt man ein wenig über das bisherige Leben von Pete. Erfährt, dass sein Traum vom Glück zerstört wurde. Mittlerweile lebt er in der Garagenwohnung seines Hauses, die Scheidung von seiner Frau ist am Laufen und ihm sind nur noch wenige Patienten geblieben. Beim Lesen wird man das Gefühl nicht los, dass Pete der Meinung ist, dies auch genau so verdient zu haben.

Denn scheinbar wurde ihm seine junge Patientin Roseanne Craig zum Verhängnis, die ihn eines Tages in seiner Praxis besucht hatte. Nachdem er keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei ihr feststellen konnte, war er eigentlich der Meinung, die junge Frau nie wieder zu sehen. Doch anscheinend hatte er sich getäuscht, denn nun wird gerade entschieden, ob die Familie Craig Anklage gegen ihn erhebt. Um was es bei der Klage jedoch geht, erfährt man in der Leseprobe noch nicht.

Doch gerade diese Ungewissheit und der zudem noch äußerst ansprechende, fesselnde Schreibstil der Autorin wecken fast augenblicklich die Neugier. Und obwohl man nicht weiß, welches Vergehen sich Pete strafbar gemacht haben soll, empfindet man fast augenblicklich Sympathie für ihn.

(Leseeindruck) Léon und Louise von Alex Capus

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
ISBN: 978-3-446-23630-1
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 07. Februar 2011
Preis: 19,90 €




Die Geschichte von Louise & Léon

Die Leseprobe beginnt mit Kapitel 4 auf Seite 46, vorher gibt es eine kurze Zusammenfassung zum Inhalt der Geschichte.

Léon sieht Louise das erste Mal im Café du Commerce in dem kleinen Städtchen Saint-Luc. Dort erzählt ihm der Wirt zum Abschied die Geschichte von Louise, wie sie vor 2 Jahren plötzlich in Saint-Luc auftauchte, niemand etwas über ihre Vergangenheit weiß und sie mittlerweile als Gehilfin des Bürgermeisters arbeitet. Schon schnell übernimmt Louise die schwere Bürde, die Todesnachrichten des Ministeriums den Hinterbliebenen mitzuteilen, deren Angehörige während des 1. Weltkriegs gefallen sind. Mit ihrem raubeinigen Charme und ihrer direkten, anpackenden Art findet sie immer genau den richtigen Ton und die Bewohner danken ihr dies mit zärtlicher Zuneigung.

Das Erkennungszeichen von Louise ist ihr quietschendes Fahrrad, doch eines Tages findet der Eisenbahnangestellte Léon ihr Fahrrad und repariert es. Louise ist hiervon wenig begeistert und tritt ihm ziemlich burschikos und auch sarkastisch gegenüber. Doch ein erstes Band ist zwischen den Beiden geknüpft und fortan wartet Louise jeden Tag auf Léon, um ihn ins Café zu begleiten. Bei diesen Spaziergängen kommen die Beiden sich näher, doch jede Frage nach ihrem früheren Leben verbittet sich Louise vehement. Dies steigert natürlich die Neugier des Lesers und sorgt mit dafür, gespannt weiter zu lesen.

Alex Capus gelingt es fast augenblicklich, einen in die Geschichte eintauchen zu lassen. Seine Figuren nehmen sofort Konturen an und man erhält so eine gute Vorstellung von der resoluten, selbstbewussten Louise und dem eher etwas schüchternen, aber nicht minder selbstbewussten Léon. Seine Sprache ist bildgewaltig und farbenfroh angelegt, steckt trotz der düsteren Zeit des 1. Weltkriegs voller Lebensfreude und Romantik.

Bereits die leider viel zu kurze Leseprobe lässt erahnen, dass es sich bei Alex Capus „Léon & Louise“ um einen opulenten Roman handelt, der interessant, fesselnd und emotional die Geschichte einer großen Liebe erzählt.

(Rezension) Der gefrorene Rabbi von Steve Stern

Verlag: Blessing Verlag 
Übersetzer: Friedrich Mader
Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Genre: Roman
ISBN: 978-3-89667-436-4
Erscheinungsdatum: 10. Januar 2011
Preis: 21,95 €


Rabbi im Eis

Um seine erotischen Phantasien auszuleben, ist der junge Bernie in der heimischen Kühltruhe auf der Suche nach einem Stück Leber als er in den Tiefen der Kühltruhe eine etwas merkwürdig anmutende Person entdeckt. Als er sich beim Essen endlich dazu durchringt, seine Eltern darauf anzusprechen, erklären ihm diese ganz selbstverständlich, dass es  sich hierbei um den familieneigenen Rabbi handelt. Eine Art Familientradition väterlicherseits. Bernies Großvater hatte alle Einzelheiten zum Rabbi in einer Kladde notiert, das Ganze hat nur ein Problem: Das Buch ist in Jiddisch, welches keiner in der Familie mehr beherrscht. Anschließend macht die Geschichte einen Zeitsprung und erzählt über die Jahre 1889 – 1890. Rabbi Elieser ben Zephir ist ein Heiliger Mann, der oft meditiert, den Talmud wie kein Anderer beherrscht und während einer seiner Meditationen spurlos verschwindet. Seine Jünger suchen vergeblich nach ihm. Bis zum Winter bleibt er verschwunden, dann entdecken Josl und sein Sohn Salo den Rabbi, eingefroren im See.

In welches Genre dieses Buch passt, kann ich einfach nicht sagen. Einerseits ist es ein Familiendrama, dann wieder ein historischer Roman, nicht zu vergessen sind hier aber auch die vielfachen esoterischen Ansätze und dann driftet es wieder in ein Jugendbuch ab. Mir ist es auch ein Rätsel, welche Zielgruppe der Autor hier vor Augen hatte. Irgendwie wirkt alles etwas überladen, zu viele verschiedene Ansatzpunkte werden in den Roman gepackt, es ist einfach keine Richtung erkennbar, da auf nichts tiefgründiger eingegangen wird.

Hielt man anfangs die Geschichte der Gegenwart noch für eine witzig, skurrile Story, so driftet sie mit der Zeit immer mehr ins Esoterische ab, als Bernie beginnt, seine außerkörperlichen Reisen in den Himmel anzutreten. Während seine Seele auf Wanderschaft ist, merkt er nicht, was mit seinem Körper passiert. So kann es passieren, dass er plötzlich in einem Spind aufwacht und keine Ahnung hat, wie er da hingekommen ist. Und dies alles nur, weil er sich intensiv mit dem jüdischen Glauben beschäftigt.

Dann war ich eigentlich auch der Meinung, dass es hier hauptsächlich um den Rabbi und seine Erfahrungen im 21. Jahrhundert gehen würde, wieder eine falsche Interpretation der Kurzbeschreibung von meiner Seite. Jedoch wird dieser zwischenzeitlich nur am Rande – wenn überhaupt – erwähnt und die Story in der Gegenwart entwickelt sich zu einer pubertierenden Geschichte rund um Bernie.

Ja, und dann die vielen jüdischen Begriffe. Ich bin ja eigentlich immer offen für neue Informationen und freu mich auch, wenn ich einem Buch so ganz nebenbei etwas über fremde Kulturen oder andere Religionen kennen lernen kann. Aber hier ist dem Guten einfach zu viel. Im historischen Teil passt es ja noch ganz gut hinein, aber die verdrehten Satzstellungen und die jüdischen Begriffe auch in der Gegenwartsstory lesen zu müssen, war mir dann doch zu viel. Eigentlich kann es nicht die Absicht des Autors gewesen sein, dass Buch einem breiten Publikum zukommen zu lassen, dafür ist es einfach zu speziell. Aber hierüber wird in der Kurzbeschreibung nicht eingegangen und so geht man zwangsläufig unter falschen Voraussetzungen an das Buch. Ich weiß nicht, wie es bei der Gebundenen Ausgabe ist, aber bei meinem Leseexemplar war kein Glossar dabei, will heißen, ich musste jeden Begriff im Internet nachlesen, den ich nicht verstanden habe, und dass waren schon einige und das nervt.

Was mich ja dann doch immer wieder zum Weiterlesen ermutigt hat, war der historische Teil des Buches. Dieser ist wirklich interessant und unterhaltsam angelegt, auch wenn die vielen jüdischen Begriffe auch hier oft nerven. Allerdings musste ich auch feststellen, dass mir einige ganz geläufig waren, auch wenn ich sie auf den ersten Blick durch die jiddische Schreibweise nicht sofort erkannt habe.

Auch ist auffällig, dass die Figuren seltsam blass und konturenlos bleiben, kann natürlich auch sein, dass es nur mir so ging. Jedenfalls habe ich während des gesamten Buches von keiner Figur eine konkrete Vorstellung bekommen. 

Samstag, 1. Januar 2011

(Rezension) Das Regenmädchen von Gabi Kreslehner

Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Genre: Deutscher Krimi
ISBN: 9783550088605
Erscheinungsdatum: 20. Dezember 2010
Preis: 18,00 €




„… war ein siebenseidnes mädchen
ein siebenseidnes kind
nun verbläst sie der wind
wie winde halt so tun …
marie
in memoriam ...“


Eine Reise ohne Ankommen

Auf der A9 Richtung Berlin verunglückt ein junges Mädchen. Scheinbar vollkommen orientierungslos ist sie einem Fahrer direkt vor das Auto gelaufen. Normalerweise kein Fall für die Mordkommission. Doch am nahegelegenen Rastplatz werden Blutspuren gefunden und so beginnen die Kommissare Franza Oberwieser und Felix Herz mit ihren Ermittlungen. Schon bald ist die Identität des Mädchens festgestellt, ebenso dass sie vor dem Unfall misshandelt wurde und der Täter offensichtlich mit Absicht die junge Marie direkt an der Autobahn ausgesetzt hat, um so ihren Tod herbeizuführen.
                             
Gabi Kreslehner wechselt ständig zwischen zwei Handlungssträngen. Auf der einen Seite ist man zum Großteil bei den Ermittlungen dabei, auf der anderen Seite lernt man in kleinen Sequenzen die Vorgeschichte zu dem Todesfall kennen. Schnell ist klar, dass Marie mit Ben befreundet war und Ben ist der Sohn von Franza. Doch wie steht er mit dem Tod von Marie in Verbindung? Ist er möglicherweise sogar der Täter? Diese Fragen lässt die Autorin sehr lange offen. Erst zur Mitte des Krimis erhält man eine Ahnung, um wen es sich bei dem Täter handelt, doch warum er unbedingt ihren Tod herbeiführen wollte, bleibt bis fast zum Schluss im Dunkeln.
                                                                                       
Die Spannung ist praktisch von der ersten Seite vorhanden. Gabi Kreslehner schreibt sehr nachdenklich, stellenweise regelrecht melancholisch und poetisch und trotzdem, oder gerade deswegen, gelingt es hier hervorragend, eine fast augenblicklich an die Story zu fesseln und die Neugier zu wecken. Der Krimi entwickelt sich äußerst komplex, mysteriös, unvorhersehbar und endet mit einem extrem spannenden Schluss, bei dem das Tempo noch einmal ordentlich angezogen wird.
                                                                  
Gut dosiert lernt man auch die private Franza kennen. Diese ist eine Frau Mitte Vierzig, nachdenklich, sehr herzlich und empfindsam und trotz der langen Berufserfahrung noch nicht abgestumpft. Die verheiratete Franza hat eine Affäre mit einem in der Stadt sehr bekannten Theaterschauspieler, ist der festen Überzeugung, dass ihre Affäre geheim wäre und muss doch immer wieder feststellen, dass anscheinend alle in ihrem Bekanntenkreis davon wissen, einschließlich ihrem Mann. Stellenweise ist Frankas Sprache recht vulgär, doch zeigt sie so gut auch ihre innere Zerrissenheit auf. Sie will nicht wahrhaben, dass ihre Ehe mit Max eigentlich am Ende ist und ihre Affäre mit Port möchte sie nur als netten Zeitvertreib sehen, aber da ist mehr und es dauert einige Zeit, bis Franza dies bewusst wird.

Ihr Kollege Felix Herz ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Herz: er ist der beste Freund von Franza, ein Familienmensch, ehrlich, offen und genauso wie Franza sehr authentisch beschrieben. Wie auch die weiteren Mitwirkenden sehr facettenreich und glaubwürdig gezeichnet sind. Jedoch gelingt es der Autorin hervorragend mit kleinen Randbemerkungen viele Figuren ziemlich undurchsichtig erscheinen zu lassen, sodass man lange nicht sicher sein kann, wer von ihnen nun der Täter ist.

Fazit: Ein von der ersten Seite an äußerst spannend angelegter Krimi, in einer wunderbaren Sprache geschrieben, der auch genug Raum für die privaten Momente der Protagonisten lässt.

Freitag, 31. Dezember 2010

{SuB-Zuwachs} Historische Buchpost

Hallo Ihr Lieben,

gestern habe ich von einem lieben Freund einen historischen Roman ausgeliehen bekommen mit den Worten: "... musst Du unbedingt lesen, ist richtig klasse". Gehört habe ich von dem Roman schon viel, ist ja auch gerade im Fernsehen gelaufen (habe ich allerdings nicht gesehen), aber irgendwie hat er bisher nie den Weg in mein Bücherregal gefunden, bis heute!

Es handelt sich hierbei um




 
Die Wanderhure
von 
Iny Lorentz

Wahrscheinlich ist den meisten von Euch der Roman schon bekannt, für die wenigen (wie auch ich) hier noch die Inhaltsangabe:

Marie ist eine brave Bürgerstochter aus Konstanz. Als ein junger Graf um sie freit, ist ihr Vater überglücklich. Doch eine böse Intrige zerstört alle Hoffnungen und Maries Zukunft. Um zu überleben, muss sie ihren Körper verkaufen. Aber Marie gibt nicht auf.

Ein historischer Roman um eine junge Frau, die um ihr Leben kämpfen muss - so bunt, so aufregend und so prall wie das Mittelalter selbst!


Liebe Grüße
Isabel

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Einen guten Rutsch ...

Ich wünsche Euch allen einen fantastischen Rutsch in 2011, viel Spaß beim Feiern mit Euren Lieben und ein tolles Neues Jahr mit vielen neuen Büchern!

Viele liebe Grüße
Isabel

{SuB-Zuwachs} Spannende Buchpost

Hallo Ihr Lieben,

heute kam mein Vorableseexemplar, welches ich bei vorablesen.de für meinen Leseeindruck bekommen habe. Es handelt sich hierbei um:


 
Das Regenmädchen
von 
Gabi Kreslehner
erschienen 


Ich bin schon ziemlich gespannt, die Leseprobe hat sich wirklich klasse gelesen, ganz nach meinem Geschmack, und wenn ich mir die Rezensionen hierzu so durchlese, muss es wirklich ein tolles, spannendes Buch sein.

Und hierum geht es in dem Krimi:

Eine regennasse Fahrbahn. Einzelne Autos, die vorbeirauschen. Ein grauer Morgen. Als Kommissarin Franza Oberwieser an den Tatort kommt, trifft sie der Anblick der Toten wie ein Schlag.

Ein schönes junges Mädchen in einem glitzernden Ballkleid liegt verrenkt am Straßenrand. Franza beginnt Fragen zu stellen und begegnet nur Menschen, die etwas zu verbergen haben. Dunkle Seiten, Abgründe, Lügen. Die Tote kannte sie alle. Musste sie deshalb sterben?

Ich werde mit "Das Regenmädchen" auch gleich anfangen, sobald ich "Steirerblut" von Claudia Rossbacher fertig habe, was übrigens auch richtig klasse ist. Auf diese Rezension müsst Ihr allerdings noch ein wenig warten, da ich durch die Sperrfrist meine Rezi erst ab dem 01. Februar 2011 online stellen darf.


So, werde den Tag jetzt mit Lesen ausfüllen, wünsche Euch ebenfalls einen entspannten, schönen Donnerstag!


Liebe Grüße
Isabel

Mittwoch, 29. Dezember 2010

{SuB-Zuwachs} Unterhaltsamer & spannender Buchzuwachs

Hallo Ihr Lieben,

unsere arme Postbotin, heute hatte sie einiges zu tragen gehabt. Aber ich habe mich riesig gefreut!! Haben doch heute gleich drei Rezensionsexemplare den Weg zu uns gefunden!

Nummer 1 kam vom Haymon Verlag. Hierbei handelt es sich um



 
Die Farben der Grausamkeit 
von
Joseph Zoderer

"Joseph Zoderer findet in seinen kunstvoll geschriebenen Romanen und in einer schnörkellosen Sprache beispielhafte Metaphern für die Befindlichkeit des Menschen (...)" - Carlo Bernasconi, BuchJournal

Er betritt in "Die Farben der Grausamkeit"  ein komplexes Beziehungs-Setting, in dem eine bedrohliche Hauptdarstellerin die Fäden zieht: die Ambivalenz. Zoderer bewegt sich von der "Macht der Liebe in vernunftmäßiger Anwendung" bis zu den "Leidenschaften der romantisch-sinnlichen Liebesbeziehung" und erweist sich gleichsam als Meister des kalkulierbaren Konflikts. Vorsichtig tastet er das brüchige Gut ab und beschreibt behutsam das Leben eines Mannes, der den Pfad der Vernunft zu verlassen droht. Dies sagt der Verlag zu dem Buch.

Inhalt des Buches ist die Geschichte einer Doppelliebe und eines Doppellebens vor dem Hintergrund der weltpolitischen Umwälzungen des Jahres 1989.

Da ich das Buch als Vorableseexemplar erhalten habe und es erst im Februar 2011 erscheint, muss ich die Sperrfrist für meine Rezension bis einschließlich 04. Februar 2011 einhalten. Also, noch etwas Geduld.





Mit Buch Nummero 2 hatte ich schon fast nicht mehr gerechnet und um so größer war dann natürlich die Freude, als ich es heute in Händen hielt. Es ist


 
Sterbenskalt von Tana French
Erschienen im Scherz Verlag

Da ich bereits von Tana French "Grabesgrün" wie auch "Totengleich" mit absoluter Begeisterung gelesen und rezenseniert (meine Rezensionen) habe, folgt die Rezension zu "Sterbenskalt" gleich im neuen Jahr.

Und hierum geht es in dem neuen Krimi von Tana French:
Niemand lotet Charaktere gnadenloser aus, niemand zieht die Leser tiefer in die Atmosphäre: der neue große Roman der jungen irischen Kriminal-Literatin Tana French.

»Ich stand dort im Schatten, während die Glocken drei und vier und fünf schlugen. Die Nacht verblasste, und ich wartete noch immer auf Rosie Daly.«

Frank Mackey, Undercover-Ermittler, hat seine Familie seit 22 Jahren nicht gesehen. Er wollte der Perspektivlosigkeit seines Viertels für immer entfliehen, zusammen mit seiner ersten großen Liebe Rosie. Doch die hatte ihn versetzt und war allein nach England aufgebrochen, so hat Frank es jedenfalls immer gedacht. Bis in einem Abbruchhaus Rosies Koffer gefunden wird. Was ist damals wirklich geschehen? Frank muss zurück nach Faithful Place, undercover in seine eigene Vergangenheit – und feststellen, dass er diesen dunklen Ort immer in sich getragen hat …

Tana French ist die junge Bestsellerstimme des anspruchsvollen Kriminalromans. Sie wurde in den USA geboren, wuchs in Irland, Italien und Malawi auf und lebt seit 1990 in Dublin. Tana French machte eine Schauspielausbildung am Trinity College und arbeitet für Theater, Film und Fernsehen. Ihr erster Kriminalroman ›Grabesgrün‹ wurde mit dem Edgar Allan Poe Award für das beste Debüt ausgezeichnet, auch die folgenden Kriminalromane ›Totengleich‹ und ›Sterbenskalt‹ wurden sofort zu großen internationalen Erfolgen.

Hier geht es zur Homepage der Autorin: http://tanafrench.com/





Und zum guten Schluss Buch Nummer 3. Hierbei handelt es sich um einen Psychothriller des Independent-Verlags Festa

Festa ist ein Spezialverlag (Independent Publisher) für Unheimliche Literatur. Seit 2001 veröffentlicht der Verlag Fantastische Thriller. Viele ihrer Autoren sind Bestsellerautoren aus den USA und England.


Die Mutter
von Brett McBean


Inhalt:
Sie steht seit vielen Monaten am Rande des dröhnenden Highways und fährt per Anhalter. Längst hat sie vergessen, wer sie ist, woher sie kam, denn sie lebt nur noch, um den Mörder ihrer Tochter Rebecca zu finden.

Per Handy konnte Rebecca ihr noch einen einzigen Hinweis geben: Auf dem linken Arm trägt der Mann ein Tattoo, auf dem ›Stirb Mutter‹ steht. Jeder der anhält, könnte der Killer sein – oder jemand noch viel Schlimmeres …

»Alles, was ich weiß, ist, dass ich ihn immer noch nicht gefunden habe, auch wenn ich schon ein paar Mal glaubte, ich hätte ihn. Ich habe so viele Geschichten über mein Leben erfunden, dass ich gar nicht mehr weiß, was real ist und was nicht. Für mich ist nur real, dass meine Tochter nicht mehr lebt und dass der Mann, der sie umgebracht hat, immer noch irgendwo da draußen ist. Und ich werde ihn finden.« 

Die Mutter ist ein ungewöhnlicher, ultraharter Psychothriller.  




Viele liebe Grüße
Isabel

Dienstag, 28. Dezember 2010

{Rezension} Ohnmachtspiele von Georg Haderer

Verlag: Haymon Verlag
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Genre: Krimi deutschsprachiger Nachbarländer /Österreich
ISBN: 3852186307
Erscheinungsdatum: 16. August 2010
Preis: 19,90 €



Mit der falschen Fährte ans Ziel?

Eine junge Frau wird tot aus dem Fluss geborgen. Alles deutet auf einen Unfall oder Selbstverschulden hin. Doch Major Johannes Schäfer aus Wien hat so seine Zweifel. Und dann ist da noch der skelettierte Tote aus dem Wienerwald. Als dann kurze Zeit später noch eine junge Frau tot in der Badewanne ihres Hauses gefunden wird, ist Major Schäfer überzeugt, einem Serienmörder auf der Spur zu sein. Doch nur er sieht hier Verbindungen, für den Polizeipräsidenten sind dies nur Unfälle und ein Drogentoter. Allerdings lässt Schäfer sich davon nicht abschrecken und beginnt teilweise auf eigene Faust Ermittlungen anzustellen. Und sein Polizeiinstinkt soll Recht behalten.

Eigentlich ist Johannes Schäfer noch krankgeschrieben, Diagnose: Burnout. Die für ihn mysteriösen Todesfälle lassen ihn jedoch keine Ruhe und so erklärt er sich kurzentschlossen wieder für gesund und beginnt, zusammen mit seinem Assistenten Bergmann und der jungen Kriminalinspektorin Kovacs, mit den Ermittlungen in den ungeklärten Fällen. Allerdings werden ihnen von Seiten der Obrigkeit massive Knüppel in den Weg gelegt. Denn die neue Polizeireform sieht Sparmaßnahmen vor, die Statistik muss stimmen, alles andere zählt nicht. Und so muss Schäfer zusehen, wie er seine Ermittlungen mit den Sparmaßnahmen in Einklang bringen kann, was ihn zu einigen ziemlich unkonventionellen  Vorgehensweisen zwingt.

Der Fall entwickelt sich von Anfang an sehr interessant und fesselnd. Immer wieder gelingt es Georg Haderer neue Fakten in die Ermittlungen einzubringen, die ungeahnte Wendungen herbeiführen. Der Leser ist ständig auf dem gleichen Wissenstand wie Schäfer und öfters mal überrascht über seine Gedankengänge, die ihn zwar auch das eine oder andere Mal auf eine falsche Spur führen, was aber gerade die Spannung in dem Krimi fördert. Und die Auflösung ist wirklich sehr überraschend, lange nicht ersichtlich und absolut logisch umgesetzt. Ergo: eine komplexe, gut durchdachte Story.

Der Schreibstil des Autors ist flüssig, bildhaft und stellenweise sehr ruhig und oft nachdenklich, mit einem guten Schuss Humor durchsetzt und durchweg äußerst fesselnd. Dadurch kommt während des gesamten Krimis nie ein Hauch von Langatmigkeit auf und auch die Wechsel zwischen den Ermittlungen und dem Privatleben von Johannes Schäfer sind hervorragend dosiert. Zumal Schäfer selbst während seiner privaten Zeit seine Gedanken nie ganz von dem Fall lösen kann und man dadurch seinen stellenweise leicht verworrenen Gedankengängen folgt. So ist das Buch perfekte Unterhaltung mit einem überwiegenden Krimianteil, welches sogar noch mit einem Hauch von Thrillerfeeling aufwarten kann.

Georg Haderer konzentriert sich bei seinem zweiten Schäfer-Krimi überwiegend auf seinen Protagonisten und so bekommt man schnell eine Vorstellung von ihm. Der Autor zeichnet den Major als einen zu Depressionen neigenden Menschen, der diesen aber auch mit einem guten Schuss Selbstironie gegenübertritt, sich durch den neuen Fall selbst aus dem Sumpf herauszieht und ziemlich dickköpfig, eigenbrötlerisch und vor allem stur seinen Weg geht. Hierbei interessiert es ihn auch herzlich wenig, ob ihm durch sein Verhalten ein Disziplinarverfahren drohen könnte oder er sich gar ziemlichen Ärger mit dem Polizeipräsidenten einhandelt. Durch diese Eigenarten wirkt die Figur von Major Schäfer äußerst sympathisch und gerade diese Fehler und Macken lassen ihn sehr authentisch wirken, zumal diese niemals überzogen beschrieben sind.

Fazit: Beste Krimiunterhaltung auf hohem Niveau mit einem Protagonisten, der Ecken und Kanten haben darf und einer Story, die von Anfang an überzeugt.

Der Autor Georg Haderer,
geboren 1973 in Kitzbühel/Tirol, lebt in Wien. Nach einem abgebrochenen Studium und einer vollendeten Schuhmacherlehre arbeitete er als Journalist, Barmann, Landschaftsgärtner, Skilehrer und Werbetexter. Schäfers Qualen, sein Debüt und zugleich erster Teil der Reihe rund um Polizeimajor Schäfer, erschien 2009 bei Haymon.

Donnerstag, 23. Dezember 2010

{SuB-Zuwachs} Historische Buchpost & Schöne Weihnachten Euch Allen!Neuer Lesestoff und Schöne Weihnachten

Hallo Ihr Lieben,

pünktlich zu Weihnachten hat mir heute unsere Postbotin noch ein tolles Rezensionsexemplar vom Blanvalet Verlag vor die Tür gelegt:


 
Nehmt Herrin diesen Kranz 
von 
Andrea Schacht


Und darum geht es in dem historischen Roman: 
Während Köln sich für die Erntedankfeiern schmückt, hängt im Hauswesen derer van Doorne der Segen schief. Ausgerechnet zur bevorstehenden Weinlese erfährt Alyss, dass ihr Gatte Arndt den geliebten Weingarten verkauft hat, um Geld für seine undurchsichtigen Geschäfte in den Beutel zu bekommen. Alyss’ Zorn entzieht er sich, indem er eilends auf Handelsfahrt geht. Nach seiner Abreise nimmt Alyss vorübergehend den sechsjährigen Kilian auf. Doch der goldlockige Sohn eines befreundeten Kürschners sorgt gleichermaßen für Unruhe: ein veritabler Satansbraten, der nur Unfug im Sinn hat.

Dann wird Kilian entführt. Und mit ihm zusammen verschwindet Alyss’ Brautkrone, der wertvollste Bestandteil ihrer Mitgift. Wer steckt dahinter – und warum? Hartnäckig und gewitzt lässt Alyss nicht locker, bis sie den Fall gelöst hat.



Die Autorin:
Andrea Schacht arbeitete als Wirtschaftsingenieurin, bevor sie sich der Leidenschaft ihrer Jugend zuwandte: dem Schreiben. Ihre historischen Romane um die scharfzüngige Begine Almut eroberten die Leserherzen im Sturm. Die SPIEGELonline-Bestsellerautorin lebt mit ihrem Mann und zwei Katzen in der Nähe von Bonn.




Auf diesem Weg wünsche ich Euch allen 
frohe, besinnliche Weihnachten 
im Kreis Eurer Lieben.




Viele liebe Grüße
Isabel

Montag, 20. Dezember 2010

{Rezension} Die Rose von Salerno von Dagmar Trodler

Verlag: Blanvalet Verlag 
Taschenbuch: 420 Seiten
Genre: Historischer Roman
ISBN: 344237152X
Erscheinungsdatum: Januar 2009
Preis: 8,95 €



Zwei wie Feuer und Wasser

Anno 1084: Zusammen mit ihrer Schwester, ihrem Großvater und Aidan, dem jüngeren Bruder ihres verstorbenen Verlobten, begibt sich die Adlige Ima von Lindisfarne auf eine Pilgerreise nach Santiago de Compostela, um am Grab des Apostels für ihren Verlobten zu beten. Stephens früher Tod kann Ima bis heute nicht verwinden und ständig hängen ihre Gedanken bei Stephen und ihrer gemeinsamen Zeit. Bei einer Rast lernt sie unter ziemlich widrigen Umständen den Ritter Gérard de Hauteville kennen, dessen rüde Art sie anfangs abschreckt. Kurze Zeit später eröffnet ihr Aidan, dass er als Knappe in den Dienst eines Ritters getreten ist und mit ihm nach Salerno reist. Ima ist entsetzt, ist Aidan ihrer Meinung nach doch noch viel zu jung dafür und ihr Entsetzen wird noch größer, als sie erfährt, in wessen Dienst er getreten ist. Es ist kein geringerer als Gérard des Hauteville.

So macht sie sich alleine auf den Weg nach Salerno, um Aidan wieder zurückzuholen. Auf ihrem Weg lernt sie den Mönch Thierry kennen, doch ihre Wege trennen sich in Salerno wieder, als gewalttätige Männer versuchen, sie zu überfallen. Eine Gauklertruppe rettet sie und bei ihnen verbringt Ima eine zwanglose Zeit bis sie sich wieder ihres Planes entsinnt und Erkundigungen über Aidans Aufenthaltsort anstellt. Hierbei erfährt sie, dass Aidan und Gérard im Heer von Robert Guiscard auf den Weg nach Rom sind, um Papst Gregor VII. aus der Engelsburg zu befreien. Getarnt als Junge schließt sie sich der gewaltigen Streitmacht an und ist beim Einzug in Rom dabei. Schon bald wird Rom erobert und Aidan stirbt in ihren Armen. Ihr bleibt nur noch der Weg zurück nach Salerno, den sie zusammen mit Gérard antritt.

Dagmar Trodler gelingt es bereits nach wenigen Seiten, ihren Lesern das 11. Jahrhundert mit all seinen Widrigkeiten, Schmutz, Gerüchen und Gewalt vor Augen zu führen. Dies ist nicht nur ihrem bildgewaltigen, farbenprächtigen Schreibstil zugute zu halten, sondern man merkt auch recht bald, dass hier eine sehr fundierte Recherche zugrunde liegt. Und somit ist auch die Geschichte sehr abwechslungsreich aufgebaut und bietet so ziemlich alles, was man in einem historischen Roman lesen möchte: Liebe und Intrigen, eine wenig Politik und große Schlachten und das alltägliche Leben der damaligen Zeit. Dies alles ist wohldosiert, wobei mir allerdings zwischendurch das Mystische etwas überhand genommen hat und auch die viele Kräuterkunde an einigen Stellen einfach zu sehr in den Vordergrund rückt.

Dadurch, dass die Geschichte mal aus Sicht von Ima, dann wieder aus Sicht von Gérard erzählt wird, kann man sich sehr gut in die beiden Charaktere hineinversetzen. Ihre Figuren, allen voran natürlich Ima, sind sehr detailreich und sauber herausgearbeitet. Ima ist eine junge Adlige, die den Tod ihres Verlobten auch nach gut einem Jahr noch nicht verschmerzen kann. Ihr bisheriges Leben hat sie sehr behütet auf einer kleinen englischen Insel verbracht, auf der Gewalt ein Fremdwort war. Doch mit der Idylle ist es vorbei, als ihr Vater plötzlich verschwindet und ihre Mutter immer mehr dem Wahnsinn verfällt. Zudem wird sie überall auf der Insel an Stephen erinnert. So ist die Pilgerreise für sie eine willkommene Abwechslung.

Ima ist für ihre Zeit eine sehr selbstbewusste, tapfere Frau, die sich mutig mit jedweden Schwierigkeiten auseinandersetzt, auch Gefahren nicht aus dem Weg geht und immer versucht, das Beste aus der momentanen Situation zu machen. Trotzdem hat sie natürlich auch Angst, es verlässt sie öfters auch mal der Mut und mehr als einmal hadert sie mit ihrem Schicksal und mit ihren Gefühlen Gérard gegenüber. Aber genau dies lässt sie sehr lebendig herüberkommen.

Und auch die Figur von Gèrard überzeugt. Normalerweise ist keine Frau vor dem Schwerenöter sicher, doch bei Ima ist alles anders. Ihr ist er vom ersten Augenblick an hoffnungslos verfallen. Und obgleich es absolut nicht seinem machohaften Verhalten entspricht, nimmt er von der normannischen Schönheit Befehle an und ordnet sich ihrem Willen unter. Doch obwohl er sie bedingungslos liebt, traut er sich nicht, Ima seine Liebe zu gestehen, ist er doch nur ein armer Ritter niederer Herkunft und Ima entspringt einem Königsgeschlecht. Nichts desto trotz wird er aber zu Imas treuesten Begleiter und weicht auf ihrer beschwerlichen Reise nicht von ihrer Seite, oft fluchend und grummelnd, oft auch aus lauter Verzweiflung und unerfüllter Liebe heraus sturzbetrunken, doch immer um ihre Sicherheit besorgt.

Und auch alle weiteren Figuren des Romans sind von Anfang an facettenreich beschrieben, sodass sie sehr schnell Konturen annehmen. Besonders hat mir hier der Charakter des jungen Mönchs Thierry gefallen, der im Lauf des Romans noch für manche Überraschung gut ist.

Alles in allem ein opulenter, detailreicher, spannender und hervorragend recherchierter Roman, der zwischendurch jedoch einige kleine Längen hat.