Leseempfehlungen

Montag, 26. Juli 2010

{Rezension} Vergebung von Stieg Larsson

 

Verlag: Heyne Verlag 
Übersetzer: Wibke Kuhn

Gebundene Ausgabe: 848 Seiten 
ISBN: 3453013808 
Genre: Skandinavischer Krimi / Schwede
Erscheinungsdatum: März 2008
Preis: 22,95 €


Grandioser Abschluss einer hervorragenden Trilogie

Lisbeth Salander hat den Anschlag auf ihr Leben mit schwersten Verletzungen überlebt und auch ihr Vater wird überleben. Beide liegen nur zwei Zimmer voneinander getrennt auf der Intensivstation. Während Lisbeth langsam wieder gesund wird, kämpft Mikael Blomquist mit allen in seiner Macht stehenden Möglichkeiten darum, die Unschuld von Lisbeth zu beweisen. Doch er hat starke Gegner: Die Sektion. Eine Geheimgruppe innerhalb der SiPo, die mit allen Mitteln die Wahrheit um Zalatschenko, Lisbeths Vater, zu verheimlichen versucht. So schrecken sie auch vor Mord nicht zurück, um ihre illegalen Machenschaften zu verbergen. Erika Berger hat mittlerweile nun auch ihren neuen Job bei einer großen schwedischen Zeitung angetreten. Bei ihren geplanten Umstrukturierungen innerhalb der Redaktion stößt sie immer wieder an ihre Grenzen und zu allem Überfluss sieht sie sich plötzlich auch noch einem perversen Stalker ausgeliefert, der auch vor einem Einbruch in ihr Haus nicht zurückschreckt.

Mit dem Abschluss seiner Trilogie hat Stieg Larsson wahrlich ein Meisterwerk abgeliefert. Die Handlung ist wieder äußerst komplex angelegt und umfasst mehrere Erzählstränge, wobei der Fokus natürlich bei Mikael Blomquist und dessen Recherchen liegen, um die wahren Hintergründe der Zalatschenko-Gruppe aufzudecken und so die Unschuld von Lisbeth beweisen zu können. Und so findet er nach und nach immer mehr Informationen und Details über deren Hintermänner, die weit bis in die 1970er Jahre zurückreichen. Gleichzeitig muss er feststellen, dass die Sektion ihn überwacht und seine Wohnung wie auch sein Handy verwanzt haben.  Doch mit Hilfe von Milton Security gelingt es ihm, diese gekonnt auszutricksen.

Stieg Larsson legte auch dieses Mal wieder sehr viel Wert auf Details. So werden auch noch die kleinsten Nebendarsteller genauestens beschrieben und erhalten einen ausführlichen Background. Mag sein, dass dies für einige Leser langwierig erscheint, in meinen Augen macht dies aber die gesamte Trilogie aus. So erhält man von wirklich jedem Mitwirkenden ein sehr gutes Bild und die Geschichte wirkt hierdurch absolut rund und lässt zum Schluss keine Fragen mehr offen.

Obwohl der Autor sich oft in Details verliert, nimmt dies der Story jedoch absolut nicht die Spannung. Ganz im Gegenteil. Von der ersten bis zur letzten der rund 840 Seiten ist diese durchweg auf extrem hohem Niveau und die Wechsel zwischen den unterschiedlichen Handlungssträngen sind sehr gut gewählt.

So geht Stieg Larsson u.a. auch ausführlich auf Erikas neuen Job und ihre Probleme in der dortigen Redaktion ein, verknüpft hier noch geschickt eine Story, mit der sich gerade ein Mitarbeiter von Millennium beschäftigt, die von „Toilettenschüsseln“ handelt und lässt auch der Story rund um Erika und dem Stalker viel Platz. Auch erfährt man wieder ein wenig mehr über das Gefühlsleben von Lisbeth, ihren Schwierigkeiten mit Ärzten und der Polizei und obwohl ihr Charakter wieder sehr introvertiert dargestellt wird, wächst Lisbeth einem sofort wieder ans Herz.

Fazit: Ein mehr als gelungener Abschluss einer hervorragenden Trilogie, mit einer sehr komplexen Handlung, die von der ersten Seite an extrem spannend umgesetzt ist.

Mittwoch, 21. Juli 2010

{Rezension} Makellose Morde to go von Susanne Henke


Verlag: Books on Demand
Genre: Kurzgeschichte / Krimi
Taschenbuchausgabe: 128 Seiten
ISBN: 978-3839192528
Erscheinungsdatum: 18. Dezember 2009
Preis:  9,90 €



Frech, makaber und äußerst unterhaltsam

In diesem kleinen, feinen Büchlein erzählt Susanne Henke auf insgesamt 123 Seiten 24 Kurzgeschichten mit einer Länge zwischen 2 bis 8 Seiten.

Diese Kurzgeschichten sind durchweg sehr unterhaltsam und humoristisch, trotzen stellenweise vor Galgenhumor und sind oft herrlich makaber und mit einem guten Schuss schwarzem Humor versehen.

Ihr Schreibstil ist bei jedem Kurzkrimi leicht und flüssig und der Autorin gelingt es mühelos, auch noch bei der kürzesten Geschichte eine Atmosphäre aufzubauen, die einen sofort in die Story eintauchen und meist mit einem Schmunzeln die Geschichte zu Ende lesen lässt.

Ihre Figuren sind durchweg aus dem Leben gegriffen und auch die Handlungen umfassen viele Situationen aus dem täglichen Leben, angefangen vom nervigen Nachbar, dem frustrierten Journalisten, der betrogenen Hausfrau bis hin zum gehörnten Ehemann ist wirklich eine große Bandbreite an Charakteren vertreten und die Morde oder auch unbeabsichtigten Selbstmorde sind stellenweise sehr spitzfindig beschrieben.

Fazit: Ein kleines Büchlein voller witzig makabrer und menschlicher Geschichten, das – allein schon durch seine Größe – ideal für unterwegs und zum Zwischendurch lesen ist.

{Rezension} Der Augenschneider von Valentina Berger

Taschenbuchausgabe: 272 Seiten
ISBN: 3492258123
Genre: Psychothriller / Österreich
Erscheinungsdatum: 12. Juli 2010
Preis: 8,95 €


Er braucht nur deine Augen

Gerichtsmediziner Heinz Martin traut seinen Augen nicht. Ist doch die vor ihm auf dem Seziertisch liegende junge Frau auf genauso grausame Weise ermordet worden, wie bereits drei Wochen vorher die junge Vivian. Auch diesem Opfer wurden die Augen herausgeschnitten und ihr Körper misshandelt. Heinz Martin vermutet hier einen Serientäter, doch der neue und für den Fall zuständige Kommissar Moser will von einem Serientäter nichts wissen. Kurze Zeit später erhält Heinz den verzweifelten Anruf seiner Halbschwester Emilia, einem jungen Model. Die ermordete Vivian war eine Kollegin und Freundin von ihr und nun ist eine weitere Kollegin von ihr spurlos verschwunden. Handelt es sich bei der unbekannten Toten um Luisa? Emilia vermutet dies und bittet Heinz um Hilfe, denn nun glaubt sie, dass sie das nächste Opfer des Mörders sein soll und Emilia wird Recht behalten. Für Heinz und seinem Freund Kommissar Helmut Wagner, den Heinz um Mithilfe bittet, beginnt ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit.

Ohne große Vorgeschichte beginnt Valentina Berger ihren Psychothriller und gewährt ihrer Leserschar schon im Prolog einen Einblick in die Vorgehensweise wie auch in das Seelenleben des Mörders. Geschickt wechselt sie immer wieder die Perspektiven und so ist man immer in die aktuellen wie auch die geplanten Handlungen des Mörders eingebunden und erfährt so nach und nach immer mehr über ihn und seine krankhaften Veranlagungen. Seine Identität wie auch sein Motiv sind zwar relativ schnell ersichtlich, trotzdem nimmt dieses Wissen in keiner Weise die Spannung aus dem Thriller, sondern hier beginnt ein geschicktes Katz-und-Maus-Spiel mit den Ermittlern, Spurensuchern und dem Gerichtsmediziner Heinz Martin.

Dieser ist durch die Entführung seiner Halbschwester das reinste Nervenbündel und von dem anfangs ordnungsliebenden, stringent arbeitenden Realisten ist schon bald nicht mehr viel zu spüren. Er setzt alles daran, den Mörder zu finden, bevor dieser seine grausamen Misshandlungen an Emilia ausführen kann.

Ihm zur Seite steht sein bester Freund Helmut Wagner. Der Kommissar ist der Liebe wegen nach Innsbruck gezogen und kommt nun zurück nach Wien, um seinem Freund zu unterstützen. Mit stellenweise recht unkonventionellen Mitteln kommen die beiden Freunde dem Mörder nach und nach immer näher, hier werden sie auch tatkräftig von der Spurenermittlerin Laura Campelli unterstützt. Die resolute junge Frau entdeckt einige tatrelevante Spuren, welche Heinz Martin und Helmut Wagner schlussendlich auf die Spur des Mörders führen.

Der Plot ist von Anfang bis Ende absolut schlüssig und äußerst spannend und rasant angelegt. Immer wieder baut Valentina Berger Szenen aus dem Privatleben ihrer Protagonisten mit ein und die Übergänge zu den laufenden Ermittlungen sind so fließend und geschickt in den Thriller eingebaut, dass die ganze Geschichte absolut rund und durchweg überzeugend wirkt.

Durch die immer wiederkehrende Einbeziehung des Privatlebens der Mitwirkenden gelingt es der Autorin somit auch mühelos, jedem schon nach kurzer Zeit Konturen zu geben, zumal keiner von ihnen perfekt ist und sie alle durchweg authentisch gezeichnet sind. So haben Kommissar Moser, wie auch Helmut Wagner oder  Laura Campelli ihre Probleme, die sich manchmal auch auf ihre Arbeit auswirken, sich aber auch nie in den Vordergrund drängen und so die Ermittlungen und die Suche nach Emilia immer im Fokus stehen.

Fazit: Ein von der ersten Seite an absolut spannender und fesselnder Psychothriller, mit einer gut durchdachten und komplexen Story, die mit einem schlüssigen Ende überzeugen kann.

{Leseeindruck} Das Haus zur besonderen Verwendung von John Boyne


Übersetzer: Fritz Schneider
Genre: Historischer Roman
ISBN: 978-3-7160-2642-7
Erscheinungsdatum: 30. August 2010
Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
Preis: 24,90 €



Die letzten Tage vor der Revolution

Die Leseprobe beginnt mit Seite 87, als Georgi das erste Mal das Winterpalais der Zarenfamilie in St. Petersburg betritt und von dessen Prunk schier sprachlos ist. Während er in einem luxuriösen Raum wartet, schweifen seine Gedanken noch einmal zurück zu dem Tag, der ihn letztendlich hierher geführt hat: In sein kleines Dorf Kaschin, als er den Vetter des Zaren rettete und gleichzeitig seinen besten Freund verlor.

Dem in der Ich-Form geschriebene Roman fehlt zum Glück jegliche russische Melancholie, sondern John Boyne beschreibt sehr lebendig und farbenfroh die Erlebnisse des Jungen. Dieser ist ein stolzer und tapferer 16-jähriger, der nur staunend und ehrfürchtig den Glanz der Hauptstadt in sich aufnimmt, aber auch nicht bereit ist, sich unterzuordnen und hocherhobenen Hauptes den Adligen gegenübertritt.

Durch seine Neugier getrieben und aus Langeweile macht sich Georgi auf Entdeckungstour durch das Winterpalais und trifft dort auf Rasputin und die Kaiserin. Voller Schrecken ob der Szene, die sich ihm dort bietet, flieht er zurück, gerade noch rechtzeitig, bevor sein Verschwinden entdeckt wird. Und dann kommt der große Augenblick: Er wird dem Zaren vorgestellt.

John Boyne gelingt es – trotz oder gerade deswegen – durch seinen ausschweifenden Schreibstil, einen fast augenblicklich an die Geschichte zu binden und eine sehr dichte Atmosphäre aufzubauen. So entsteht schon kurz nach Beginn des Lesens ein Bild im Kopf vom glanzvollen St. Peterburg und dem prunkvollen Winterpalais. Und auch die Figur des Georgi nimmt fast augenblicklich Gestalt an und das Ende der Leseprobe lässt einen ziemlich enttäuscht zurück, da man neugierig auf die weiteren Erlebnisse von Georgi ist. Zumal die Geschichte in einer Zeit angesiedelt ist, die sich im Umbruch befindet und deren Geschehnisse rund um die Zarenfamilie schon die Fantasie vieler Menschen beflügelt hat.

Somit verspricht der Roman eine üppige, spannende, unterhaltsame und vor allem sehr interessante Geschichte.

Dienstag, 20. Juli 2010

{Rezension} Die Seiltänzerin von Gabriele Breuer


Taschenbuchausgabe: 330 Seiten
ISBN: 9783548281162
Genre: Historischer Roman
Erscheinungsdatum: 16. Juli 2010
Preis: 8,95


Herrin der Lüfte

Im Frühjahr 1436. Am Rheinufer, kurz vor Bacharach, hat eine Schaustellertruppe halt gemacht. Ihr gehört auch die 18-jährige Waise Alessandra an, die ihrer Leidenschaft des Seiltanzes nachgeht. Ihr Leben könnte glücklich sein, müsste sie nicht Sami heiraten. Verzweifelt schüttet sie ihrer mütterlichen Freundin Sanchari ihr Herz aus. Um sie abzulenken, nimmt die Heilkundlerin sie mit in den Wald. Beim Pflanzen sammeln finden sie den verletzten Simon von Ravenstein, der auf dem Weg zur Burg Stahleck von Wegelagerern überfallen wurde. Fürsorglich pflegt Alessandra ihn im Wald gesund und verliebt sich in ihn. Alessandra wünscht sich bald nichts mehr als ihr Schaustellerleben zu beenden und auf der Burg zu leben. Dieser Wunsch erfüllt sich schon bald durch einen Zufall für sie. Doch obwohl sie nun in der Nähe von Simon lebt und ihn regelmäßig sehen kann, ist das Glück ihr nicht hold. Denn sie hat Neider auf der Burg, die die momentane Hysterie um die Hexenverfolgung geschickt für sich auszunutzen verstehen.

Schon auf wenigen Seiten gelingt es Gabriele Breuer mühelos, ihrer Leserschar ein Bild der Pfalz zur damaligen Zeit zu zeichnen. Sehr unterhaltsam beschrieben gewährt sie einem Einblick in das Burgleben des 15. Jahrhunderts, man erfährt ein wenig über das Leben der Gaukler und auch die Kräuterkunde kommt nicht zu kurz. Auf das Thema Inquisition geht die Autorin genauer ein und schildert sehr anschaulich, wie leicht Frauen damals in Verruf geraten und als Hexe angeklagt und verbrannt werden konnten. Selbst die politischen Verwicklungen des 15. Jahrhunderts in der Pfalz bleiben nicht unerwähnt und so ist der Roman vom Hintergrundwissen zur damaligen Zeit her gesehen absolut rund.

Auch wenn die Geschichte von Alessandra schon nach kurzer Zeit vorhersehbar ist, beschreibt die Autorin den Weg dorthin recht unterhaltsam und farbenfroh. So gibt es natürlich den gutaussehenden, edelmutigen Ritter, der sich augenblicklich in die Protagonistin verliebt. Und auch die bösen Gegenspielerinnen, die Alessandra unbedingt aus dem Weg räumen wollen, um zum Einen ein Geheimnis um Alessandras Herkunft zu verdecken wie auch sie als mögliche Nebenbuhlerin zu vertreiben, dürfen natürlich nicht fehlen. Allerdings war das Ende dann doch etwas zu plötzlich und wirkt in meinen Augen doch ein wenig konstruiert.

Was mir allerdings nicht so gut gefallen hat, ist die Entwicklung des Charakters von Alessandra. Anfangs hat man das Gefühl, hier über eine dickköpfige junge Frau zu lesen, die selbstsicher ihren Weg geht. Doch der anfangs frische und lebhafte Schreibstil wird zur Mitte hin doch stellenweise schon ziemlich gefühlsduselig, ja fast schon kitschig. Besonders bei den Szenen, wenn Alessandra und Simon aufeinandertreffen. Da ist von Alessandras anfänglichem Dickkopf und Selbstbewusstsein nichts mehr zu spüren und sie wirkt stellenweise nur noch verhuscht und vor lauter Verliebt sein fehlen ihr oft die Worte. Hier hätte ich mir doch etwas mehr Temperament in den Dialogen gewünscht.

Fazit: Alles in allem ist „Die Seiltänzerin“ ein leicht zu lesender Historienroman, deren Geschichte zwar voraussehbar ist, aber die meiste Zeit doch gut unterhält.

{Leseeindruck} Die Zahlen der Toten von Linda Castillo

Übersetzer: Helga Augustin
Taschenbuchaugabe: 432 Seiten
ISBN: 978-3-596-18440-8
Erscheinungsdatum: 12. August 2010
Preis: 8,95 €





Kehrt ein Serienmörder zurück?

Diese Frage muss sich Chief Kate Burkholder stellen, als sie eines Nachts aus ihren Alpträumen geweckt wird. Officer T.J. Walsh findet beim nächtlichen Einfangen von Kühen im winterlichen Painters Mill / Ohio auf einer Wiese die Leiche einer Frau: Nackt und schwer misshandelt. Als Kate zusammen mit einem Team am Tatort eintrifft, traut sie ihren Augen nicht. Auf dem Unterbauch der Unbekannten ist die Zahl 23 eingeritzt. Wiederholt sich das Grauen wieder? Denn vor 16 Jahren gab es bereits mehrere Morde in der Gegend und jedes Mal waren den jungen Frauen Zahlen in den Bauch geritzt worden, der Mörder wurde nie gefunden.

Schon der Prolog lässt erahnen, dass der 2. Fall von Kate Burkholder sich zu einem äußerst spannenden Thriller entwickelt. Sehr plastisch und beklemmend beschreibt Linda Castillo die Angst, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit des Opfers und zugleich die Kaltblütigkeit mit der der Mörder zu Werke geht.

Die Autorin lässt ihre Protagonistin selbst die Geschichte des Thrillers erzählen und bereits auf den wenigen Seiten der Leseprobe gelingt es ihr mühelos, von Kate Burkholder das Bild einer sympathischen, engagierten Frau zu zeichnen, von der man fast augenblicklich eine Vorstellung erhält.

Ihr Schreibstil ist sehr flüssig und atmosphärisch dicht und Linda Castillo gelingt es mühelos, einem die Gefühlswelt der einzelnen Personen zu vermitteln. Gleichzeitig baut sie bereits auf den wenigen Seiten eine Spannung auf, die man nur als äußerst beklemmend und fesselnd beschreiben kann.

Fazit: Auch wenn die Idee nicht unbedingt neu ist, so verspricht die Leseprobe doch einen extrem spannend und atmosphärisch dicht umgesetzten Thriller mit einer sympathischen Protagonistin.

Montag, 19. Juli 2010

{Rezension} Das schottische Vermächtnis von Susanna Kearsley

Verlag: Piper Verlag 
Übersetzer: Sonja Hauser
Taschenbuchausgabe: 448 Seiten
ISBN: 3492257399 
Genre: Mystery Roman
Erscheinungsdatum: 19. Dezember 2009 
Preis: 8,95



Das genetische Erbe

Für ihren neuen Roman mietet die Autorin Carrie McClelland sich in Slains ein kleines Cottage mit Blick auf Slains Castle. Schon bald merkt sie, dass ihr Roman, der Anfang des 18. Jahrhunderts in Schottland spielt, ein Eigenleben entwickelt. Wie unter Zwang schreibt sie Kapitel um Kapitel, um dann bei späteren Recherchen feststellen zu müssen, dass ihre scheinbare Fantasie der Realität entspricht und sich alles genau zu zugetragen hat, wie sie es in ihrem Roman erzählt. Und auch bei Graham, einem Historiker aus Aberdeen, der am Wochenende immer seinen Vater in Slains besucht, wird Carrie das Gefühl nicht los, ihn bereits viel länger zu kennen.

Susanna Kearsley verbindet geschickt und sehr unterhaltsam in ihrem Roman Gegenwart und Vergangenheit. Neben den Erlebnissen von Carrie in Slains, ihren Recherchen zu ihrem Roman und ihre Freundschaft zu Graham und den restlichen Dorfbewohnern erzählt die Autorin in einem weiteren Handlungsstrang die Erlebnisse von Sophia um das Jahr 1708, der Protagonistin aus Carries Roman.

Die Übergänge zwischen den beiden Handlungssträngen sind fließend und enden meist an der spannendsten Stelle, sodass der Unterhaltungswert durchweg sehr hoch ist und man gebannt weiterliest. Wobei hier aber die Erzählungen von Sophia überwiegen, der interessanteste und spannendste Teil ist und die Geschichte von Carrie mehr nur die Rahmenhandlung bildet.

Die Informationen, welche man rund um den Jakobiten-Aufstand im Jahr 1708 und dem missglückten Thronanspruch von Jakob VIII. von Schottland erhält, sind durchweg sehr informativ und kurzweilig in die Geschichte mit integriert.

Ihre beiden Protagonistinnen Carrie und Sophia nehmen schon nach wenigen Seiten Konturen an und überzeugen absolut. So steht auf der einen Seite die junge Waise Sophia, die bei entfernten Verwandten aus Slains liebevoll aufgenommen wird und hier auch ihre große Liebe findet. Susanna Kearsley gelingt es sehr gut, das gesellschaftliche Leben dieser Zeit zu vermitteln und die Geschichte von Sophia und ihrer großen Liebe John Morray gefühlvoll, aber nicht kitschig zu beschreiben.

Die Schriftstellerin Carrie ist eine selbstbewusste junge Frau, die natürlich anfangs über ihre Eingebungen zu ihrem Roman etwas irritiert ist, dies aber dann als gegeben hinnimmt und durchaus auch wissenschaftlich an das Phänomen herantritt. Ihr zur Seite stellt die Autorin ihr Graham, einen Historiker, der über genug Selbstbewusstsein verfügt, um die Avancen seines Bruders Stuart Carrie gegenüber mit stoischer Ruhe und stellenweise belustigend hinnehmen zu können.

Alles in allem ein sehr unterhaltsamer, kurzweiliger Roman mit sympathischen Charakteren und einer interessanten Geschichte als Grundlage.

{Rezension} Das Kind auf der Treppe von Karla Schmidt



Verlag: Piper Verlag 
Taschenbuchausgabe: 320 Seiten
ISBN: 349225781X 
Genre: Deutscher Thriller / Psychothriller
Erscheinungsdatum: 09. März 2010
Preis: 8,95 €

Die Angst im Nacken

Eines Morgens steht die junge Leni vor der Tür zur Wohnung ihrer Halbschwester Zicky. Auf der Treppe findet sie den kleinen Nicky, der sich ausgesperrt hat und freundet sich ein wenig mit dem seltsam anmutenden Jungen an, während sie auf ihre Schwester wartet. Diese ahnt nicht, dass Leni aus Island nach Berlin geflüchtet ist. Widerwillig nimmt sie Leni bei sich und ihrer blinden Freundin Olga auf. Leni leidet unter massiven Angstzuständen und Schlafproblemen und versorgt sich schon bald regelmäßig bei Nickys Mutter Ines, einer Krankenschwester, mit Schlaftabletten. Zudem hört sie ständig merkwürdige Geräusche im Haus, die sich nicht erklären lassen und an ihrem ohnehin schon dünnen Nervenkostüm zerren.

In dem vorliegenden Psychothriller gibt es wirklich kein Thema, dass nicht angeschnitten wird. Angefangen von seelischen Problemen, Schlafstörungen, Verfolgungswahn, Alkoholismus, Behinderung, Kannibalismus, Vergewaltigung, Gewalt in der Ehe bis hin zu Selbstmord und Mord wird auch wirklich nichts ausgelassen. Aber auf kein Thema wird mal etwas genauer eingegangen und so wirkt das Ganze extrem überladen und absolut unglaubwürdig. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen.

Die Grundgeschichte rund um Leni und ihre Vergangenheit ist relativ spannend angelegt, wodurch man schon neugierig auf deren Fortgang ist. Allerdings sind die Rückblenden, die einem so nach und nach die Hintergründe für Lenis Angstzustände und Verhalten näher bringen sollen, nicht chronologisch. So liest man über ein Geschehen aus der Vergangenheit, weiß aber bereits wie es ausgehen muss, da ein paar Kapitel vorher bereits über ein Ereignis berichtet wurde, das zeitlich später angesiedelt ist.

Die Nebengeschehnisse rund um Nicky und seiner Mutter, die Probleme von Zicky mit ihrer Freundin Olga und den Ermittlungen zum Schulwegmonster laufen zum Ende hin zwar teilweise recht schlüssig zusammen, wirken aber zum größten Teil konstruiert und wenig nachvollziehbar. Vor allem was die Auflösung des Schulwegmonster-Falls angeht, dies ist wirklich ziemlich an den Haaren herbeigezogen.

Die Charaktere sind durchweg mit extremen Problemen behaftet, was ihnen die Authentizität nimmt und einem so auch wenig Möglichkeit lässt, einen Bezug zu ihnen zu erhalten. Das Verhalten von Leni ist stellenweise so unverständlich, dass ich oft nur kopfschüttelnd dasaß, nicht anders ging es mir bei ihrer Halbschwester oder bei Ines, der Krankenschwester. Die einzig einigermaßen „Normalen“ in der ganzen Story waren für mich nur die blinde Kellnerin Olga und der Altpunk Jason, der Geschäftspartner von Zicky. Selbst der Kommissar, der die Ermittlungen im Schulwegmonster-Fall leitet, legt ein Verhalten an den Tag, das stellenweise schon schwer verständlich ist.


Fazit: Ein leidlich spannender Psychothriller, der mit seinen problembehafteten Charakteren einfach nur konstruiert, unrealistisch und reißerisch wirkt.

Mittwoch, 14. Juli 2010

{Rezension} Dein Wille geschehe von Michael Robotham


Übersetzer: Kristian Lutze
Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
Genre: Englischer Thriller
ISBN: 3442311780
Erscheinungsdatum: 14. April 2010
Preis: 19,95 €


„… Der Klang einer zerbrechenden Seele …“

Weil sein Freund und Kollege Bruno Kaufmann keine Zeit hat, die Polizei von Bristol bei einem Selbstmordversuch als psychologischer Berater zu unterstützen, muss der Psychologe Joe O’Loughlin den schwierigen Job übernehmen. Doch alle seine Versuche bleiben erfolglos und er muss mit ansehen, wie sich eine Frau nackt, nur mit einem Handy am Ohr, von einer Brücke zu Tode stürzt. Alles spricht für Selbstmord, doch Joe hat seine Zweifel. Als am nächsten Tag die 16-jährige Tochter der Toten bei ihm auftaucht und ihn um Unterstützung bittet, beginnt er mit Nachforschungen. Dabei findet er heraus, dass Christine Wheeler eine lebenslustige, positiv denkende Frau war, die nach meiner ihrer Tochter Darcy und ihrer Freunde niemals Selbstmord begehen würde. Bei DI Veronica Cray stößt er mit seinen Vermutungen jedoch auf taube Ohren, bis sich wieder eine Frau umbringt, sich die Abläufe des Selbstmords ähneln und sich zeigt, dass Sylvia Furness eine Freundin von Christine war.

Zusammen mit seinem Freund Vincent Ruiz, einem pensionierten Detective setzt der an Parkinson erkrankte Joe seine Ermittlungen fort und unterstützt mit seinem Fachwissen das Team um DI Cray. Langsam entwickelt sich ein Muster heraus, vor allem, als noch eine Frau in den Selbstmord getrieben werden soll. Irgendwie gelingt es dem Mörder, nur mithilfe seines Willens die Frauen davon zu überzeugen, sich selbst zu töten. Bald schon ermitteln die Beamten einen Verdächtigen, doch dieser taucht unter und spielt sein perfides Spiel mit der Polizei und mit Joe, bis es zur Katastrophe für Joe kommt.

Erschreckend, beklemmend und überzeugend beschreibt Michael Robotham die Szenen, in denen der Serientäter den Frauen seinen Willen aufzwängt, was zudem noch einen realistischen Effekt hat, nachdem man im Anhang liest, dass die Idee des Thrillers auf wahren Begebenheiten beruht.

Die in der Ich-Form geschriebenen Gedanken des Mörders erwecken beim Lesen das Gefühl von Wut über seine selbstgerechte, morbide Art, aber auch eine gewisse Form von Ungläubigkeit darüber, dass es ihm alleine durch seine Stimme und seinen Worten so mühelos gelingt, den Frauen seinen Willen aufzuzwingen. Bei dem Täter handelt es sich um einen eindeutig seelisch kranken Menschen, der seine Verhörkenntnisse, welche er beim Militär erhalten hat, geschickt für sich auszunutzen versteht.

Bereits sehr früh ist klar, um wen es sich bei dem Mörder handelt, doch dies nimmt dem Thriller in keiner Weise die Spannung, da nun ein fesselndes Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei und Joe O’Loughlin beginnt, dass der Täter auch noch zum Ende hin geschickt für sich auszunutzen versteht.

Joe O’Loughlin unterrichtet seit seiner Parkinson-Erkrankung nur noch gelegentlich als Professor an der Universität und kümmert sich ansonsten um seine zwei Töchter, während seine Frau Julianne oft dienstlich unterwegs ist. Mr. Parkinson, wie er seine Krankheit nennt, hat ihn melancholischer, grüblerischer und nachdenklicher gemacht und doch geht er meist sehr sachlich damit um, oft auch gemixt mit einem guten Schuss Galgenhumor. Die Handlungsstränge, bei denen Joe zusammen mit dem Ex-Polizisten Vincent Ruiz, der mit einem staubtrockenen Humor gesegnet ist, ermittelt, sind stellenweise etwas humoristisch angelegt und die häufigen Kabbeleien der Beiden lockern die bedrückende Stimmung des Thrillers immer mal wieder ein wenig auf, was man beim Lesen dankbar annimmt.

Der Thriller ist von Anfang an extrem spannend und komplex angelegt, zumal die Beweggründe des Mörders für einen lange nicht ersichtlich sind. Durch die ständigen Szenenwechsel zwischen den Erzählungen von Joe und der makabren, kranken und sadistischen Gedankenwelt des Täters gelingt es Michael Robotham durchweg, die Story sehr fesselnd, bildhaft und flüssig in Szene zu setzen. Zumal es ihm auch mühelos gelingt, allen Mitwirkenden einen facettenreichen Charakter zu geben. Zum Schluss hin zieht der Psychothriller noch einmal heftig in Sachen Spannung an und bietet ein schlüssiges, rundes Ende der Story.

Fazit: Michael Robotham hat einen Psychothriller vom Feinsten abgeliefert, bei dem die komplexe Handlung und die mitwirkenden Personen von der ersten Seite an überzeugen.

Montag, 12. Juli 2010

{Rezension} Butenschön von Marcus Imbsweiler


Verlag: Gmeiner Verlag 
Taschenbuchausgabe: 321 Seiten
ISBN 978-3-8392-1106-9
Genre: Deutscher Krimi
Erscheinungsdatum: 12. Juli 2010
Preis: 9,90 €


Die wilde Romana und das Monument der Wissenschaft

Was für ein Timing! Während der Lesung zu seinem ersten Buch, das Max Koller zusammen mit seinem Kumpel Marc Covet geschrieben hat, klingelt sein Handy und ein neuer Auftrag ist zugleich an Land gezogen. Das Publikum ist beeindruckt. Sein Auftraggeber ist der Sparkassenangestellte Michael Deininger. Seine Frau ist Historikerin und schreibt gerade einer Dissertation über den Nobelpreisträger und bekannten Heidelberger Wissenschaftler Butenschön, der in wenigen Tagen seinen 100. Geburtstag feiern wird. Evelyn Deininger soll über einen Journalisten brisante und bisher verschwundene Unterlagen zugespielt bekommen, die sie bei ihrer Arbeit mitverwenden möchte. Nun ist  auf ihr Büro ein Brandanschlag verübt worden, bei dem sie zum Glück unverletzt blieb. Der Ehemann vermutet hinter dem  Anschlag einen Einschüchterungsversuch aus Professor Butenschöns Umfeld.

Auf seine typisch schnodderische, respektlose Art beginnt Max Koller mit seinen Ermittlungen und dies erst einmal in alle Richtungen und stellenweise auch wieder mal sehr unkonventionell. Warum nicht auch mal seine etwas skurrilen Stammtischkollegen im „Englischen Jäger“ befragen, denn welcher Heidelberger kennt schließlich nicht den Wissenschaftler Butenschön, von Max Koller mal abgesehen.

Seine Versuche, direkt Kontakt zu Albert Butenschön aufzunehmen, scheitern an seiner äußerst resoluten Ehefrau. Doch davon lässt sich ein Max Koller nicht abschrecken, ganz im Gegenteil. Schließlich hätte der Wissenschaftler allen Grund, dass die angeblichen Unterlagen nicht veröffentlicht werden. Zwar wurde er von jedem Verdacht während des Dritten Reiches an einer Zusammenarbeit mit dem Nationalsozialismus freigesprochen, doch möglicherweise enthalten gerade diese Unterlagen doch brisante Informationen, da sie angeblich einen Zeitraum der Butenschön-Akten zu seinen Forschungen als Molekularbiologe und Chemiker während des 2. Weltkrieges abdecken würden.

 Aber auch eine Organisation von Landwirten, die ihre Ländereien in der Nähe der Universität haben, könnte einen Grund für den Anschlag haben. Schließlich plant die Universität Heidelberg ihr Gelände auszuweiten, das zu Lasten der Landwirte gehen würde, die dagegen natürlich Sturm laufen. Allerdings gestalten sich diese Ermittlungen für Max Koller auch nicht gerade als einfach.

Marcus Imbsweiler lässt seinen Privatermittler Max Koller bereits zum vierten Mal in Heidelberg ermitteln. Wieder in der Ich-Form geschrieben, überzeugt die Figur des Max Koller von Anfang an. Seine zynische, unkonventionelle und spitzfindige Art ist durchweg erfrischend und sehr unterhaltsam dargestellt und auch die weiteren Charaktere sind absolut authentisch beschrieben und stellenweise schon wirklich ganz schön schräg. Man denke da nur an seine Kumpels aus dem „Englischen Jäger“. Das ganze mixt der Autor mit viel Lokalkolorit rund um Heidelberg und hat somit einen Krimi geschrieben, der wieder einmal von der ersten Seite an hervorragend unterhält.

Als spannend würde ich den Krimi jetzt nicht unbedingt bezeichnen, jedoch gelingt es Marcus Imbsweiler durchweg, seine LeserInnen neugierig und oft auch schmunzelnd weiter lesen zu lassen, da immer wieder neue Aspekte den Fall bereichern und es zu mehreren äußerst humoristischen Szenen kommt, die gelegentlich auch mit einem guten Schuss Galgenhumor versehen sind. Allerdings wird auch den Szenen rund um das Thema zum Dritten Reich und den möglichen Verstrickungen des Professors hieran die entsprechende Ernsthaftigkeit entgegengebracht und hier zeigt der Autor, dass sein Protagonist als überzeugter Pazifist sachkundig  und ernsthaft argumentieren kann. Somit ist die Balance zwischen der Brisanz des Themas und der amüsanten Ermittlungsarbeit von Max Koller sehr gut gelungen.

Fazit: Wer gerne sehr unterhaltsame, erfrischend frech geschriebene Krimis mag, bei dem die Ermittlungen wie auch das Privatleben des Protagonisten im Gleichklang stehen, wird mit „Butenschön“ einige sehr kurzweilige Stunden verbringen.

Samstag, 10. Juli 2010

{Rezension} Die Spur der Kinder von Hanna Winter


Taschenbuchausgabe: 352 Seiten
ISBN: 3548282555
Genre: Deutscher Thriller
Erscheinungsdatum: 16. Juli 2010
Preis: 8,95 €



„… Spurlos bis in alle Ewigkeit …“

Ein kleiner Junge ist spurlos bei einem Schwimmbadbesuch verschwunden. Seine Eltern haben eine weiße Lilie erhalten. Sofort klingeln bei den Kommissaren Karstens und Behrendt die Alarmglocken. Die Berliner Polizisten ermitteln bereits seit einigen Jahren an einem Fall von Kindesentführungen, bei denen die Eltern jedes Mal eine weiße Lilie erhalten und von den Kindern bis heute jede Spur fehlt. So auch bei der zweijährigen Sophie, die vor zwei Jahren von einem Spielplatz verschwunden ist, während ihr Vater auf sie aufpasste. Piet Karstens und seine Kollegin Frauke Behrendt befragen nun auch wieder die Schriftstellerin Fiona Seeberg, die Mutter von Sophie. Fiona hat das Verschwinden ihrer Tochter bis heute nicht verwunden, ertränkt ihren Schmerz im Alkohol und geht jeden Tag noch zu dem Spielplatz, von dem ihre Tochter verschwunden ist. Doch die neuen Ermittlungen rütteln sie wach und so fallen ihr nach und nach einige Merkwürdigkeiten am Verhalten ihres Verlobten Adrian auf. Hat er etwas mit der Entführung von Sophie zu tun gehabt? Und warum reagiert er so merkwürdig auf ihre neue Bekannte Theresa, die sie bei den Anonymen Alkoholikern kennen gelernt hat? Dann verschwindet wieder ein Kind aus derselben Kita, die auch Sophie besucht hatte.

Hanna Winter hält sich nicht mit viel Vorgeplänkel auf, sondern beginnt ihren Thriller sofort äußerst spannungstreibend und ihr gelingt es fast augenblicklich, eine sehr beklemmende Spannung aufzubauen. Sie erzählt ihre Story in mehreren Handlungssträngen, wobei der Fokus eindeutig bei den Erlebnissen von Fiona liegt, die Ermittlungen sind eher Nebenschauplatz, zumal kaum ein relevanter  Ermittlungsansatz  vorhanden ist. Und immer wieder baut sie neue Personen in ihre Handlung ein, die ganz offensichtlich etwas mit dem Fall zu tun haben, in welcher Form, bleibt jedoch bis ganz zum Schluss für den Leser ein Rätsel.  Allerdings hält sich die Anzahl der Mitwirkenden in einem überschaubaren Rahmen.

So ist die Geschichte sehr komplex angelegt und sie lässt hierdurch für den Leser nicht ersichtlich werden, um wen es sich bei dem Serientäter handelt, noch welches Motiv hinter seinem Handeln steht. Geschickt fügt Hanna Winter nach und nach die losen Fäden zusammen und verknüpft sie zum Ende hin zu einer schlüssigen Story, die sogar noch eine Überraschung parat hat.

Immer wieder wird man auch über die Handlungen des Serienmörders informiert und man merkt aber auch gleich zu Anfang, dass er scheinbar nicht alleine agiert, sondern dass hier ein weitaus intelligenterer Mensch die Fäden im Hintergrund zieht und für die Entführungen der Kinder verantwortlich zu sein scheint. Diese Szenen, die ausnahmslos in einem einsam gelegenen Bungalow spielen, sind so plastisch dargestellt, dass man das Gefühl hat, sich selbst in diesem düsteren, dunklen, stinkenden Kellerloch zu befinden.  

Ihr Schreibstil ist durchweg flüssig und absolut fesselnd und so gelingt es Hanna Winter hervorragend, einem die Verzweiflung, Trauer und Hoffnungslosigkeit zu vermitteln, die Fiona durch den Verlust ihrer Tochter verspürt. Hierdurch erhält man zwar sofort einen Bezug zu ihrer Protagonistin, trotzdem hat man das Gefühl, dass sie für einen nicht richtig greifbar wird.  Denn auch bei Fiona wird man oft das Gefühl nicht los, dass sie die Augen vor offensichtlichen Tatsachen verschließt, möglicherweise etwas über das Verschwinden von Sophie weiß, was sie nicht wahrhaben will und eigentlich durchweg wie unter Watte verpackt ihre Umwelt noch wahrnimmt. Sie funktioniert einfach nur noch. Erst durch die Entführung weiterer Kinder wird Fiona aus ihrer Lethargie wachgerüttelt und ergreift dann auch selbst und äußerst mutig die Initiative.

 Die weiteren Charaktere, angefangen von Fionas Verlobten Adrian, über Stalker Jens Zach bis hin zu ihrer Bekannten Theresa sind vielschichtig angelegt und bleiben absolut undurchsichtig. Man spürt unterschwellig, dass diese Personen etwas zu verbergen  haben und hier legt die Autorin auch geschickt gut dosierte Hinweise, aber eine Sicherheit in Bezug auf ihr mögliches Mitwirken bei der Entführung der Kinder hat man bis zum Schluss nicht.

Fazit: Ein absolut gelungenes Thrillerdebüt mit einer sehr komplexen, extrem spannenden Story, die sogar am Ende noch mit einer Überraschung aufwartet.

Dienstag, 6. Juli 2010

{Leseeindruck} Impact von Bernd Steinhardt

Verlag: List Verlag
Gebundene Ausgabe: 528 Seiten
ISBN: 9783471350355
Genre: Thriller Allgemein / Ökothriller
Erscheinungsdatum: 11. August 2010
Preis: 19,95 €





Unerklärliche Phänomene am Himmel

Schon allein der Prolog macht neugierig. So erfährt der Leser nur, dass an einem gewissen Nathan Cole ein wissenschaftliches Experiment durchgeführt wird, das schon sehr futuristisch und schmerzhaft anmutet. Dann Szenenwechsel und es geht nach Neuseeland zum Queen Charlotte Sound. Ein Blizzard hat das Gebiet unter tiefem Neuschnee begraben. Es herrschen -23° und das im herbstlichen April von Neuseeland.

Der Biophysiker Jon Forster ist mit seinem Onkel Hank nachts mit dessen Wassertaxi unterwegs zur Hütte von Nathan Cole. Laut eines anonymen Anrufers würde der Exzentriker Cole in Lebensgefahr schweben. Doch die Fahrt gestaltet sich als extrem schwierig und Jon gerät bei seinem Rettungsversuch ebenfalls in Lebensgefahr, als ein scheinbar mächtiges Unwetter über die Opua Bay wütet.

Zur gleichen Zeit geht Albin Olsen, ein Mitarbeiter eines Telekom- und Internetproviders, in der Nähe von Wellington gleichzeitig seinem Job und seiner Passion nach, Signale aus der Atmosphäre zu empfangen. Er verfolgt immer noch die Spur von rätselhaften Signalen, die er vor einigen Monaten gehört und gesehen hatte.

Man hat es hier nicht unbedingt mit einfachen Charakteren zu tun. Jon ist ein wortkarger junger Mann, der nach dem frühen Tod seiner Eltern bei seinem Onkel Hank in Neuseeland aufgewachsen ist, sein Studium in Alaska verbracht hat und nach einem beinahe tödlichem Unfall wieder nach Neuseeland zurückkehrte. Ein weiterer Mitwirkender ist Albin Olsen, ein Einsiedler und Hightech-Freak, der in vorwiegend in den Bergen rund um Welllington in seinem Camper lebt und diesen als seinen Raumgleiter bezeichnet. Dank seines Jobs hat er genügend Zeit, sich mit rätselhaften Signalen zu beschäftigen, die er in der Erdatmosphäre gesehen hatte.

Hinzu kommt das Wetterphänomen. Neuseeland wird mit Schnee und Eis überzogen und gleicht Alaska im Winter. Die Handlungsstränge wechseln rasant, sind aber jedes Mal spannend angelegt und verleiten zum Weiterlesen. Die Sprache von Bernd Steinhardt ist angemessen technisch durchwirkt, sodass sie verständlich bleibt und ist zu jeder Zeit flüssig und fesselnd. Schon bei den wenigen Seiten baut sich ein recht hoher Spannungslevel auf, der einen interessanten und hochaktuellen Ökothriller verspricht.

Das Buch erhalte ich demnächst von vorablesen.de als Leseexemplar. Die Rezension erfolgt dann saspo.

{Leseeindruck} Birne sucht Helene von Carsten Sebastian Henn

Taschenbuchausgabe: 304 Seiten
ISBN: 9783471350362
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 11. August 2010
Preis: 14,95 €



Gutgläubige Chaotin trifft auf vermeintlich schwulen Beamten

Eli hat sich mal wieder durch ihre Gutgläubigkeit übers Ohr hauen lassen und ein fast schrottreifes „neues“ Auto angedreht bekommen. War der Gebrauchtwagenhändler doch so charmant und nett. Noch ganz glücklich über ihren moosgrünen Polo ruft sie ihre Mutter an, die sogleich auch wieder dieselbe Litanei  wie immer vom Stapel lässt und nach einem Freund fragt. Hätte sie doch so gerne Enkelkinder und schließlich ist Eli jetzt genau im richtigen Alter. Aus lauter Verzweiflung liest Eli ihr eine vielversprechende Kontaktanzeige vor: Birne sucht Helene, Beamter, Mitte Dreißig, sucht humorvolle Frau.  Genau der Richtige, meint Eli.

Szenenwechsel: Paolo, genannt Paul, knappe Dreißig, ist frustriert. Wieder einmal hat er keine Antwort auf seine Kontaktanzeige erhalten, dabei sieht er doch noch nicht einmal schlecht aus. Aber vielleicht liegt es ja an seinem Kleidergeschmack, der leider sehr zu wünschen übrig lässt. Ist doch bis heute noch nicht zu ihm durchgedrungen, dass Strickpullis und Sandalen nicht mehr unbedingt zum letzten Schrei in Sachen Mode gehören. Und dann muss er sich auch noch von seinem Hausarzt sagen lassen, dass er unter Skorbut leidet.  Also ab in den nächsten Supermarkt und mit Vitaminen eingedeckt. Und dann gibt es da noch ein Problem. Hat er doch mit seinem besten Kumpel Andy ausgemacht, sollte er mit Dreißig noch nicht verheiratet sein, werden sie beide schwul und ziehen zusammen. Und in 4 Monaten ist es nun soweit, jedoch hat Paul nach wie vor kein Interesse daran, schwul zu werden.

Paul arbeitet bei der Zulassungsstelle und dort lernt er Eli kennen, die immer wieder Autos anmeldet, die schwer nach Unfallwagen riechen, aber hier wohl mehr Elis Naivität als kriminelle Hintergedanken zugrunde liegen. Von Eli ist Paul total fasziniert und redet sich dabei allerdings um Kopf und Kragen, sodass Eli am Ende ihres Gesprächs  zur Überzeugung gelangt, dass Paul schwul ist und ihm prompt die Handynummer ihres schwulen Kollegen Löschi gibt. Am nächsten Morgen erzählt sie Löschi von dem netten Beamten, während sie auf ihren neuen Kollegen warten und lassen sich dabei darüber aus, wie Mr. Right aussehen müsste.  Und als Eli mit der Beschreibung ihres Traumprinzen fertig ist, steht genau in diesem Augenblick ihr neuer Kollege hinter ihr, der zu 100 % den Beschreibungen entspricht. Eli ist sprachlos und der neue Kollege scheint jedes Wort gehört zu haben.

Carsten Sebastian Henn hat bereits mit seiner Wein-Krimi-Reihe bewiesen, dass er über eine hervorragende humoristische Ader verfügt und dies ist auch in der Leseprobe zu spüren. Die kompletten 31 Seiten sprühen geradezu vor Wortwitz, Ironie und einem guten Schuss Galgenhumor.

Seine beiden Protagonisten Eli und Paul sind liebenswerte, leicht weltfremde Loser, die man augenblicklich ins Herz schließt. Dabei sind ihre Probleme wunderbar aus dem Leben gegriffen und sie geraten in Situationen, die für jeden von uns problemlos vorstellbar sind.

Durch den sehr charmanten, flüssigen, lockeren und erfrischenden Schreibstil gelingt es Carsten Sebastian Henn mühelos, einen – zumindest was die Leseprobe angeht – mit seinem Roman wunderbar zu unterhalten. Eine perfekte Urlaubslektüre, die einem immer wieder zum Schmunzeln bringt.

Montag, 5. Juli 2010

{Rezension} Die Maske von Gary Braver

Verlag: Heyne Verlag 
Übersetzer: Sepp Leeb
Taschenbuchausgabe: 640 Seiten
ISBN: 3453433483
Genre: Amerikanischer Thriller / Medizinthriller
Erscheinungsdatum:  01. Dezember 2008
Preis: 9,95 €


 „Ein hochaktueller Medizinthriller mit atemberaubenden Plot.“ 
– Douglas Preston


In Schönheit sterben

Lieutnant Detective Steve Markarian von der Bostoner Mordkommission wird zu einem offensichtlichen Selbstmord gerufen. Alles weist auf den ersten Blick daraufhin, dass sich die junge Terry Farina selbst stranguliert hat. Doch Steve fallen einige Ungereimtheiten auf und bei der Obduktion wird festgestellt, dass Terry ermordet und alles wie ein Selbstmord inszeniert wurde. Erschwerend kommt hinzu, dass Steve wie auch sein Partner Neil French die Fitness-Trainerin relativ gut kannte. Vor allem Steve plagen Selbstzweifel. Der alkohol- und tablettensüchtige Ermittler hatte einen Filmriss für den Tatzeitpunkt. Er weiß nur noch, dass er kurz vor dem Mord bei ihrer Wohnung war, doch hat Terry ihn hineingelassen und hat er sie dann im Rausch ermordet? Und was für ihn noch verstörender hinzukommt, ist, dass Terry seiner Frau, von der er seit kurzer Zeit getrennt lebt, sehr ähnlich sieht. Ist hier eine Verbindung zu finden?

Gary Braver spielt geschickt mit seiner Leserschar. So lässt er in einem weiteren Handlungsstrang die Kindheit und Jugend eines Mannes mit einfließen, der von seiner psychisch gestörten Stiefmutter sexuell sehr geprägt wird und die ihn emotional immer wieder massiv unter Druck setzte. Diese Geschichte weist gelegentlich Parallelen zur Jugend von Steve auf, sodass man sich bis fast zum Schluss nicht sicher sein kann, ob jetzt hier die Kindheitserinnerungen des Mörders oder aber die von Steve erzählt werden.

Neben diesem Handlungsstrang und den eigentlichen Ermittlungen zum Fall, geht Gary Braver auch auf das Privatleben seines Protagonisten ein. So zeichnet er hier das Bild eines seelisch angeschlagenen Mannes, der um seine Ehe kämpft und versucht, seine Alkohol- und Tablettensucht in den Griff zu bekommen. Seine Frau Dana hat sich entschlossen, eine Gesichtskorrektur durchführen zu lassen und Verbindung zu einem bekannten Schönheitschirurgen aufgenommen, dessen Charme sie schon bald unterliegt. So sind seine Befürchtungen, Dana endgültige zu verlieren, sehr groß, hinzu kommen noch seine Zweifel, ob er wirklich fähig gewesen war, Terry zu töten. Hier gelingt dem Autor allerdings sehr gut die Gratwanderung, das Ganze nicht in eine Gefühlsduselei abgleiten zu lassen und auch keine düstere, selbstbemitleidende Stimmung  zu erzeugen, sondern dieses Gefühlswirrwarr schlüssig und überzeugend in den Thriller mit einfließen zu lassen.

Die Ermittlungen der Polizei führen anfangs zwar schnell zu einem Verdächtigen, der auch kein schlüssiges Alibi vorweisen kann, doch Steve glaubt an seine Unschuld. Und schon bald entdecken sie eine neue Spur, die auf Verwicklungen in den eigenen Reihen hinweist. Doch immer wieder steht Steve kurz davor, sich selbst anzuzeigen, da in ihm immer mehr die Überzeugung reift, dass er selbst für den Mord an Terry verantwortlich ist und so ist man auch als Leser ständig geneigt, ihm die Schuld am Mord zu geben. Doch schon zwei, drei Seiten weiter fließt so ganz nebenbei ein Hinweis ein, der einem wieder daran zweifeln lässt.  

Neben der Ungewissheit in Bezug auf den Mörder, gelingt es dem Autor durch geschickt gelegte und durchaus auch nicht vorhersehbare Wendungen von Anfang an eine hohe Spannung aufzubauen, die sich mühelos bis zu dem wirklich überraschenden Ende hält. Seine Sprache ist durchgehend schnörkellos, direkt und stellenweise extrem fesselnd.


Alles in allem ist Gary Braver ein sehr spannender, schlüssig umgesetzter Medizinthriller gelungen, der das nach wie vor aktuelle Thema  Schönheitswahn in eine fesselnde Story verpackt hat.