Leseempfehlungen

Dienstag, 29. September 2009

{Rezension} Rattentanz von Michael Tietz


Gebundene Ausgabe: 840 Seiten
ISBN: 3937357378
Genre: Deutscher Thriller / Endzeitthriller
Erscheinungsdatum: 12. Januar 2010 / 3. Auflage
Preis: 22,80 €


Dummejungenstreich entwickelt sich zum Super-Gau

Zwei Teenager haben nichts für Biologie und Geschichte übrig und entwickeln einen Virus, der am Tag der Prüfungen den Schulcomputer ihres Gymnasiums lahm legen soll. Allerdings unterläuft ihnen ein kleiner, aber schwerwiegender Fehler. Anstelle dem Virus für seine Verbreitung 40 Tage Zeit zu geben, verirrt sich noch eine Null an die Zahl und so aktiviert er sich erst nach 400 Tagen. Und somit hat er mehr als genug Zeit, sich in der ganzen Welt zu verbreiten, bis er am 23. Mai aktiv wird und das Stromnetz der gesamten Welt außer Kraft setzt.

Was für eine Idee! So einfach wie genial! Haben wir uns nicht alle schon mal überlegt, was passiert, wenn die Strom- und Wasserversorgung komplett ausfällt? Ohne Licht, Strom, Wasser, Handy, PC, Radio, Fernseher, Geld etc. auskommen zu müssen und somit auch ohne Nachrichten und Informationen zu sein und nicht zu wissen, was los ist? Welche Auswirkungen dies alles auf unser heutiges Leben hat? Genau diesen Alptraum schildert Michael Tietz in seinem Debütroman. Und dies mit einer Intensität, dass einem nur angst und bange werden kann.

Überdeutlich skizziert er ein Szenario, in dem die Spezies Mensch sich auf das einzige konzentriert, was wichtig ist: Um jeden Preis das eigene Überleben sichern. Eindringlich und erschrecken zeichnet er ein Bild des Chaos. Schon wenige Stunden nach dem Stromausfall beginnen die Plünderungen, ein Menschenleben zählt nicht mehr, die Polizei ist machtlos und was wir unter Zivilisation verstehen, existiert plötzlich nicht mehr. Allerdings zeigt er auch, dass trotzdem die Menschlichkeit noch zählt. So rücken die Menschen in ihrer Notlage enger zusammen und unterstützen sich gegenseitig. Aber natürlich gibt es auch hier immer wieder welche, die nur ihre eigenen Interessen vor Augen haben.

Den "roten Faden" des Buches bilden die Einwohner des kleinen Dorfes Wellendingen im Schwarzwald. Ihre Charaktere beschreibt er so facettenreich und vor allem realistisch, dass man sich schnell in einzelne Personen hineinversetzen kann bzw. Charaktere erkennt, denen man selbst schon begegnet ist. Also Menschen, wie Du und Ich. Wirkliche Protagonisten in der Geschichte gibt es nicht wirklich, da einfach zu viele unterschiedliche Personen mitwirken. Das Hauptaugenmerk liegt aber meist bei Eva Seeger, ihrem Mann Hans und ihrer Tochter Lea. Eva arbeitet als Krankenschwester im benachbarten Donaueschingen und während ihre Tochter bei den Nachbarn gut aufgehoben ist, versucht sie mit Hilfe des Polizisten Joachim Beck sich zu Fuß die knapp 30 km nach Wellendingen durchzuschlagen. Was sich beileibe einfacher anhört als es ist. Ihr Mann Hans befindet sich dienstlich in Schweden und seine "Reise" nach Hause wird ebenfalls sehr eindringlich geschildert.

Fazit: Alles in allem ein faszinierender, beklemmender und äußerst spannender Thriller, der uns ein ums andere Mal den Spiegel vorhält und nach Beendigung nachdenklich zurücklässt.

Mittwoch, 23. September 2009

{Rezension} Survivor von Tom Cain

Übersetzer: Angela Koonen
Taschenbuchausgabe: 480 Seiten
ISBN: 3404162714
Genre: Thriller Allgemein
Erscheinungsdatum: 28. Juli 2009
Preis: 8,95 €


Beschwerlicher und zäher Weg zurück ins Leben

Samuel Carver befindet sich nach den Folterungen, die ihm im Vorgängerbuch zugefügt wurden, in einem Genfer Sanatorium. Hilflos und verängstigt versucht er mühevoll, zu seinem alten Leben zurückzufinden. Scheinbar aussichtslos. Einzig seine Freundin Aliks und sein bester Freund Larsson unterstützen ihn. Zur gleichen Zeit verschwindet eine Liste aus Russland, in der die Koordinaten und die Codes von 100 russischen Kofferatombomben aufgeführt sind, die rund um den Erdball platziert wurden. Waylon McCabe, ein Top-Terrorist, setzt alles daran, diese Liste zu erhalten, um sie an Ostern zeitgleich zu zünden. Und er hat Hilfe aus allerhöchsten Kreisen. Diese Aktivitäten bleiben jedoch nicht unentdeckt und rufen neben dem russischen auch den englischen und amerikanischen Geheimdienst auf den Plan. Allerdings weiß bis auf einen Mann niemand, wie McCabe aussieht. Doch dieser liegt immer noch im Genfer Sanatorium und versucht, sein Gedächtnis wiederzuerlangen.
 
Im Gegensatz zum Vorgänger "Target" benötigt der Thriller dieses Mal geraume Zeit, bis sich die Spannung aufbaut. "Survivor" steigt genau da ein, wo der Vorgänger aufgehört hat und so kann man erst einmal mit verfolgen, wie Aliks bemüht ist, die teuren Sanatoriumskosten für Carver aufzubringen. Während dieses Bemühens setzt sich Olga Schukowskaja, die stellvertretende russische Geheimdienstchefin und ihre ehemalige Vorgesetzte, mit ihr wegen eines neuen Auftrags in Verbindung. Im Gegenzug würde der Geheimdienst die Kosten für Carvers Klinikaufenthalt übernehmen. Aliks bleibt nichts anderes übrig, als hierauf einzugehen. Als Carver feststellt, dass Aliks ihn nicht mehr besucht, erleidet er einen Schock, der ihm sein Gedächtnis wieder zurückbringt und mit Hilfe seines Freundes Larsson findet er zu seinen alten Kräften zurück. Dann macht er sich auf die Suche nach Aliks. Hierbei wird er vom englischen Geheimdienst unterstützt, die sich aber natürlich diese Hilfe auch "bezahlen" lassen.

So schön so gut! Allerdings kam mir die abrupte Heilung von Carver dann doch etwas plötzlich und unglaubwürdig vor. Mag sein, dass Schockmomente zur Heilung einer Amnesie wirkungsvoll sind, aber das war dann doch etwas zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Und dass Carver binnen drei Wochen wieder so fit und ohne jegliche psychischen Probleme sein soll, obwohl er ein halbes Jahr nur bettlägerig und psychisch labil war, na ja! Aber Schwamm drüber, bei einem Actionthriller zählt nicht immer unbedingt die Logik, da ist die Spannung wichtiger. Und an dieser Stelle - etwa ab der Hälfte des Buches - fängt wenigstens die Story auch an, richtig spannend zu werden und das Niveau von "Target" zu erreichen.

Man trifft während des Lesens auf viele alte Bekannte aus dem Vorgänger wieder, aus diesem Grund wäre es auch sinnvoll, zuerst diesen zu lesen, da ansonsten einiges etwas unklar sein könnte. Was mich jedoch auch etwas gestört hat war, dass die Figur von Carver dieses Mal seltsam blass bleibt. Hatte man im 1. Teil sofort einen Bezug zu ihm erhalten, bleibt er hier ziemlich konturenlos. Genauso erging es mir auch bei Aliks. Ihr Verhalten ist zwar schlüssig erklärt, aber irgendwie bleibt ihre Figur oberflächlich.


Die Handlungsstränge um Carver, Aliks und McCabe verknüpfen sich im Lauf des Thrillers und Tom Cain gelingt es wieder gut, Fiktion und Wahrheit eines brisanten Themas in einen spannenden Thriller zu packen. Und so ist ihm alles in allem ein guter Thriller gelungen, der durch seinen schnörkellosen, direkten Schreibstil recht gut unterhält. Aber auch nicht mehr.

Montag, 21. September 2009

{Rezension} Tödliche Gaben von u.a. Simon Beckett, Oliver Bottini, Sebastian Fitzek, Felicitas Mayall ...

 
Gebunene Ausgabe: 224 Seiten
ISBN: 3805208839
Genre: Thriller Allgemein / Kurzgeschichten
Erscheinungsdatum: 28. September 2009
Preis: 14,90 €

Kurzgeschichten zur Weihnachtszeit

Das dünne, gebundene Buch umfasst rund 200 Seiten und enthält insgesamt elf Weihnachtskurzgeschichten von namhaften Autoren samt deren Vita. Mit der Kurzgeschichte von Simon Beckett wird für dieses Buch geworben und auch die Aufmachung lässt einen in dem Glauben, dass es sich hier um einen neuen David-Hunter-Thriller handelt. Weit gefehlt!

Simon Beckett – Schneefall
Die Kurzgeschichte ist gerade mal 10 Seiten lang und David Hunter ermittelt in den Highlands. Dort wurden die Leichen einer Frau und einem Baby gefunden. Durch die Kürze der Geschichte kommt absolut keine Spannung auf, sondern man hat das Gefühl, dass Simon Beckett hier ein Kapitel für seinen neuen Thriller geschrieben hat.
1 Stern

Oliver Bottini – Die Rückkehr des Mörders
Der 24 Seiten umfassende Krimi fesselt einen schon nach der ersten Seite. Hier merkt man deutlich, dass einer der besten deutschen Autoren am Werk ist. Erzählt wird die Geschichte eines Kommissars, der vor rund 14 Jahren einen Mörder ins Gefängnis gebracht hat und dieser, jetzt vorzeitig entlassen, sich auf dem Weg in seine Heimatstadt befindet.
5 Sterne

Chris Mooney – Verfluchte Liebe
Darby McCormick wurde bei einem Einsatz vor einigen Monaten schwer verletzt. In ihrem aktuellen Fall muss sie sich noch einmal mit den damaligen Ermittlungen auseinandersetzen und gerät dabei selbst wieder in Gefahr. Atmosphärisch dicht und beklemmend erzählt Chris Mooney seinen Thriller, der einem die Angst von Darby deutlich spüren lässt.
4 Sterne

Friedrich Ani – Wo es dem Verbrecher schmeckt
Ruhig und trotzdem sehr unterhaltsam und spannend erzählt Friedrich Ani seinen Krimi, der um die Gier nach Geld gute Freunde zu Mördern werden lässt.
4 Sterne

Linwood Barclay – Wichteltod
In der Ich-Form lässt der Autor seinen Protagonisten seine Geschichte erzählen. Und so berichtet Zack dem Leser auf sehr unterhaltsame, spannende und stellenweise witzige Art und Weise seine Story. Dabei erfährt der Leser, wie ein toter Wichtel in den Kofferraum seines Autos gekommen ist.
5 Sterne

Leena Letholainen – Die Weihnachtssterne
Selbst an Heiligabend muss Maria Kallio ermitteln. Die kleine Tochter ihres Exfreundes wurde entführt und Maria begibt sich auf rund 20 Seiten auf die Suche nach seiner kleinen Tochter. Gewohnt spannend und lebendig hat Leena Letholainen ihren Kurzkrimi angelegt.
4 Sterne

Felicitas Mayall – Euer Wille geschehe
In ihrer Kurzgeschichte, die im Winter in München spielt, lässt die Autorin den Leser an den Gedanken und Wanderungen ihres Protagonisten Pater Ignazius teilhaben. Nicht wirklich spannend und stellenweise ermüdend.
2 Sterne

Jay Bonansinga – Der wahre Grund der Great Depression
Über 40 Seiten berichtet der Autor sehr unterhaltsam und spannend dem Leser, wie es „wirklich“ zur Großen Depression in Amerika des 20. Jahrhunderts kam. Absolut lesenswert
5 Sterne

Veit Heinichen – Der Baum
Kurz vor Weihnachten geraten die Töchter von Commissario Laurenti in Triest in eine Polizeikontrolle und rufen ihren Vater um Hilfe. Eine Rolle spielt hierbei noch ein Tannenbaum. Ganz nett und unterhaltsam, mehr aber auch nicht.
2 Sterne

Kate Pepper – Mit einem Schlag
Eine totkranke Sekretärin, ein verschlagener Chef und ein 2 Millionen Dollar Scheck. Kurz, spannend, unterhaltsam und nicht vorhersehbar.
4 Sterne

Sebastian Fitzek – Allein
Als der Psychotherapeut Jacob Sinner nach einem Spaziergang mit seinem Basset Romulus nach Hause kommt, sitzt ein Fremder in seinem Wohnzimmer. Angeblich wäre er sein Gewissen. Beklemmend, undurchsichtig, spannend und das Ende etwas rätselhaft.
4 Sterne

Alles in allem ein unterhaltsames Buch, in dem einige wirklich spannende Kurzgeschichten enthalten sind. Leider war ich bei der Vorbestellung des Buches auch der festen Überzeugung, dass es sich hierbei um einen neuen David-Hunter-Roman handeln würde. So war die Enttäuschung bei der Lieferung natürlich entsprechend groß. Allerdings hat sich meine Enttäuschung nach Beenden des Buches etwas gelegt.
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Was ich jedoch nicht so ganz verstehe, warum der Verlag das Buch jetzt schon heraus gebracht hat. Da die Geschichten ausschließlich um die Weihnachtszeit spielen, bietet sich das kleine Büchlein perfekt als Mitbringsel in der Adventszeit bzw. als Weihnachtsgeschenk an. Und da wir ja jetzt nach wie vor noch schöne warme Tage haben, fällt es einem doch stellenweise recht schwer, sich in die einzelnen Geschichten hinein zu versetzen. Hier hätte man doch ein wenig die Jahreszeit bei der Veröffentlichung beachten sollen.
 



Samstag, 19. September 2009

{Rezension} Verborgene Kammer von Corinna Kastner

Taschenbuchausgabe: 592 Seiten
ISBN: 340416279X 
Genre: Mystery Roman
Erscheinungsdatum: 12. Mai 2009
Preis: 8,95 €


Welches Geheimnis verbirgt die Kranichburg?

Stralsund im Sommer 2007. Die junge Schriftstellerin Viktoria Brand beendet ihre Lesereise und hängt noch ein paar Tage Urlaub im benachbarten Wustrow an. Bei einem Spaziergang entdeckt sie das Bild einer unbekannten Künstlerin, das sie sofort fasziniert kauft. Wieder daheim erfährt sie, dass der Kanzleipartner ihrer besten Freundin verstorben ist und der alte Herr ihr und einem ihr fremden Mann ein Haus mit Namen "Kranichburg" in Wustrow vermacht hat. Einzige Auflage: Sie muss mit Roman Marendorff zwei Monate zusammen in der Kranichburg leben. Obwohl sich weder Viktoria noch Roman einen Reim darauf machen können, warum ausgerechnet sie das Haus erben sollen, erklären sie sich doch mit den Bedingungen einverstanden und ziehen in die Kranichburg. Und hier entdecken sie ein Geheimnis, dass bis weit in die Vergangenheit zurückführt, in der auch das Bild, welches Viktoria so fasziniert hat, eine Rolle spielt.

Der Autorin ist es gelungen, ein Buch zu schreiben, dass gleichzeitig Krimi, Liebesroman und Familiensaga ist. Der Verlag bezeichnet das Buch als Romantik-Thriller, obwohl Thriller dann in meinen Augen doch etwas anderes ist. Aber über eins war ich mir nach den ersten Seiten absolut sicher: Hier einen wirklich exzellent geschriebenen Roman in den Händen zu halten.

Corinna Kastner beherrscht es perfekt einen sofort an das Buch zu fesseln. Ihr Schreibstil ist lebendig und so bildhaft, dass man sich problemlos die Gegend um Stralsund und vor allem die Kranichburg mit ihrem verwunschenen Garten vorstellen kann. Gleich schon zu Anfang versteht sie es geschickt, die Neugier ihrer Leser zu wecken. Und auch, wenn es ein wenig dauert bis die Story dann richtig losgeht, wird es einem zu keiner Zeit langweilig. Ab etwa der Mitte des Buches erhält die Geschichte noch einen zusätzlichen Handlungsstrang, der zu Anfang des 20. Jahrhunderts spielt und die Geschichte von Marie und Doro erzählt. Und ab diesem Zeitpunkt ist es fast unmöglich, dass Buch noch aus der Hand zu legen. Während des Lesens ist man ständig am Miträtseln, wie nun die Geschichte rund um Marie und Doro weitergeht und welche Geheimnisse unbedingt verborgen bleiben sollen. Das Ende ist dann wirklich überraschend und eigentlich nicht voraussehbar.

Mühelos gelingt es Corinna Kastner auch, ihren Charakteren Konturen zu geben. Ihre Protagonistin Viktoria beschreibt sie als eine Frau Mitte Dreißig, die recht erfolgreich ihrem Beruf als Schriftstellerin nachgeht, außer ihrer besten Freundin Melli so gut wie keine Freunde hat und gerade eine langjährige Beziehung mit Mellis Bruder Henrik beendet hat. Roman ist ein erfolgreicher PR-Berater, der momentan im Meeresmuseum in Stralsund arbeitet und anfangs sehr undurchsichtig und verschlossen, ansonsten aber als sympathischer Mann Ende Dreißig dargestellt wird. Natürlich darf die obligatorische Liebesgeschichte zwischen den Beiden nicht fehlen, diese ist aber eher zweitrangig, im Vordergrund steht eindeutig die Auflösung um Maries rätselhaftes Leben.

Fazit: Corinna Kastner hat mit "Die verborgene Kammer" einen überaus spannenden und mysteriösen Roman geschrieben, der einen mühelos von der ersten Seite an fesselt.

Dienstag, 15. September 2009

{Rezension} Die 7 Sünden von James Patterson


Verlag: Limes Verlag
Übersetzer: Leo Strohm
Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
ISBN: 380902550X
Genre: Amerikanischer Thriller
Erscheinungsdatum: 20. Juli 2009
Preis: 19,95 €


Die Luft ist raus

In der Umgebung von San Francisco werden reiche Ehepaare in ihrem Haus gefesselt zurückgelassen, während es in Brand gesteckt wird. Welches Motiv hinter diesen brutalen Morden steht ist für Lindsay Boxer und ihrem Kollegen Richard Conklin nicht ersichtlich und die Ermittlungen verlaufen anfangs im Sande. Gleichzeitig ist vor einigen Monaten der junge, schwer herzkranke Michael Campion verschwunden, dessen Leben sich von klein auf in der Öffentlichkeit abspielte. Als ein Zeuge auftaucht und Informationen präsentiert, die nie veröffentlicht wurden, gehen Lindsay und Richie der Spur nach. Diese führt sie zur Edel-Prostituierten Junie Moon.

So viel zu den beiden Fällen, die von Lindsay und ihrem Kollegen bearbeitet werden, in die aber natürlich auch wieder der komplette Womens Murder Club mal mehr, mal weniger involviert ist. Und so erhält man auch wieder ein wenig Einblick in das Privatleben der Frauen, wobei der Fokus dieses Mal neben Lindsay bei Yuki Castellano liegt.

Ja, und eigentlich geht man davon aus, wieder einen mega spannenden und atmosphärisch dichten Thriller rund um Lindsay und ihren Freundinnen in Händen zu halten. Aber weit gefehlt. Ich habe das Buch nach Beendigung ziemlich enttäuscht beiseite gelegt. Ja, die Story ist spannend und intelligent angelegt, keine Frage. Aber die Figuren, allen voran Lindsay, bleiben blass und fad. Durch die kurzen Kapitel liest sich das Buch recht schnell und flüssig, aber man erhält einfach keinen Bezug zur Story, sie wirkt abgehackt und atmosphärisch dicht umgesetzt ist wirklich etwas anderes.


Ich kann auch nicht unbedingt behaupten, dass ich mich während des Lesens gelangweilt habe, aber bei diesem Thriller handelt es für mich um so ein Buch, bei dem ich in 2 Wochen definitiv nicht mehr sagen kann, um was es in der Story ging. James Patterson gelingt es zu keiner Zeit, einen richtig an das Buch zu fesseln, zumal das Ende teilweise voraussehbar ist. So wirkt der Thriller wie jede x-beliebige Story. Nett, spannend, aber auch schnell wieder vergessen.


Sonntag, 13. September 2009

{Rezension} Splitter von Sebastian Fitzek


Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
ISBN: 3426198479
Genre: Deutscher Thriller / Psychothriller
Erscheinungsdatum: 02. Juni 2009
Preis: 16,95 €

Vergessen ... oder lieber doch nicht?!

Wie wäre es, wenn man alle schlechten, traurigen und peinlichen Erinnerungen einfach für immer vergessen könnte? Müsste doch eigentlich fantastisch sein. Man geht unbeschwert durchs Leben, muss sich keine Gedanken über sein Verhalten machen und wäre einfach nur glücklich und zufrieden. Oder aber brauchen wir diese Erinnerungen? Formen sie nicht unser Ich? Werden wir nicht erst auch durch unsere negativen Erfahrungen zu dem, was wir heute sind? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der neue Psychothriller von Sebastian Fitzek.

Marc Lucas ist ein gebrochener Mann. Durch einen Autounfall hat er seine Frau und sein ungeborenes Baby verloren. Er kam bei dem Unfall relativ glimpflich davon, nur ein kleiner Splitter steckt in seinem Nacken nahe an der Wirbelsäule. Um das „Wandern“ dieses Splitters zu verhindern, muss er regelmäßig Tabletten nehmen. Aus lauter Verzweiflung hatte er auf eine Annonce geantwortet, in der eine Privatklinik verspricht, unangenehme Erlebnisse mit Hilfe von Tabletten, die eine Teilamnesie herbeiführen, vergessen zu lassen. In seiner Verzweiflung antwortet er auf diese Annonce und der Alptraum beginnt.

Sebastian Fitzek hat wieder einmal einen atmosphärisch sehr dichten Psychothriller abgeliefert, der einen sofort fesselt und nicht mehr loslässt. Die Geschichte beginnt mit dem Ende, ohne dies jedoch zu verraten, aber schon ahnen lässt, dass man hier in einem Alptraum hineingeraten ist. Die Handlung ist für den Leser genauso verwirrend und beängstigend wie für seinen Protagonisten Marc. Man hat zu keiner Zeit des Buches auch nur die geringste Ahnung, worauf der Thriller hinausläuft. Und das erhöht die Spannung extrem, zumal die Atmosphäre der Story zu jeder Zeit sehr beklemmend und düster ist.

Allerdings bin ich bei dem Ende etwas Hin- und Hergerissen. Zum einen wirkt die Lösung für diese rasante Story etwas zu einfach, obwohl sie absolut glaubwürdig und schlüssig erklärt wird. Auf der anderen Seite zeigt Sebastian Fitzek hier mehr als deutlich, dass eine für die Betroffenen „einfache“ Lösung eines Problems total aus dem Ruder laufen kann.


Alles in allem ist Sebastian Fitzek mit „Splitter“ ein überaus spannender Psychothriller gelungen, der einen auch nach Beenden des Buches so schnell nicht mehr loslässt.

Mittwoch, 9. September 2009

{Rezension} Die Frau des Zeitreisenden von Audrey Niffenegger


Übersetzer: Brigitte Jakobeit
Gebundene Ausgabe: 832 Seiten
ISBN: 3596509831
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 13. Dezember 2006
Preis: 10,00 €


 Eine Geschichte, zum Träumen schön

Henry ist ein Zeitreisender! Durch einen Gendefekt hat er die Möglichkeit, ständig zwischen den Zeiten zu reisen. Auf einer dieser Reisen lernt er seine spätere Frau Clare kennen. Er ist 36 und Clare gerade sechs Jahre als sie sich das erste Mal begegnen. Immer wieder kehrt er als Erwachsener zur ihr zurück, während Clare langsam heranwächst. Irgendwann treffen sie dann endlich im Chicago der Gegenwart.

Henry leidet an dem sogenannten Chrono-Syndrom, was für ihn bedeutet, dass er seit jüngster Kindheit die Möglichkeit hat, durch die Zeit zu reisen, dies jedoch nie beeinflussen kann und somit nie weiß, in welcher Zeit er landet, noch wann die Zeitreise passiert. Und so trifft er sich auch des Öfteren als Kind, Jugendlichen oder als Erwachsenen selbst und immer wieder führt sein Weg zu Clare.

Die Handlung wechselt ständig zwischen Vergangenheit, Gegenwart und manches Mal auch der Zukunft und erzählt einem so nach und nach die Geschichte von Clare und Henry. Was bei der Zeitreise etwas erschwerend für Henry hinzukommt, ist, dass er jedes Mal nackt ankommt. So hat er das ein oder andere Mal recht pikante und auch brisante Erfahrungen zu machen. Da er natürlich dann auch über kein Geld verfügt, bringt ihn dies öfters mit der Polizei in Berührung, wenn er mal wieder versucht, sich etwas Geld und Kleidung zu beschaffen. Diese Szenen sind stellenweise sehr humoristisch von der Autorin beschrieben, vor allem, wenn er vor den Augen der Polizisten plötzlich wieder verschwindet.

Der Roman hat allerdings auch traurige und nachdenkliche Momente. So erzählt er sehr anschaulich auch die Schwierigkeiten von Henry, seinem Freundes- und Bekanntenkreis die Zeitreisen zu erklären, oder aber auch bei manchen Personen aus bestimmten Gründen, dies vor ihnen geheim zu halten. Was natürlich häufig zu Missverständnisse und Unverständnis führt. Auch bewerkstelligt die Autorin es problemlos, einem die Zeitreisen realistisch und erklärbar zu vermitteln, so hat der Roman rein gar nichts mit Science Fiction zu tun.

Herrlich erfrischend und keine Spur kitschig vermittelt Audrey Niffenegger einem ihre Liebesgeschichte von Clare und Henry. Diese wird mal aus Sicht von Clare berichtet, mal kann man Henrys Erinnerungen verfolgen. Die Gefühle von Clare und Henry zueinander, die Sorgen von Clare um Henry, wenn er wieder tagelang verschwunden ist und Henrys Versuche, sich gegen die Zeitreisen zu wehren, sind detailreich und lebendig beschrieben und so nehmen ihre Charaktere während des Lesens schnell Konturen an.

Fazit: Alles in allem ein wunderschöner Roman, der einen schmunzeln lässt, nachdenklich stimmt, zum Weinen bringt und einen die Zeit vergessen lässt.

Dienstag, 8. September 2009

{Rezension} Der Anwalt von John Grisham



Verlag: Heyne Verlag 
Übersetzer: Imke Walsh-Araya, Bea Reiter, Bernhard Liesen
Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
ISBN: 3453266153
Genre: Amerikanischer Thriller / Justizthrller
Escheinungsdatum: 10. August 2009
Preis: 21,95 €


Alles, nur kein Justiz-Thriller

Kyle McAvoy ist ein junger, erfolgsversprechender Jurastudent kurz vor seinem Abschluss, der Angebote von den erfolgreichsten Anwaltskanzleien der USA bekommen hat. Er jedoch möchte einige Jahre in einer kleinen Organisation arbeiten, die sich für die Rechte der armen Bevölkerung einsetzt. Eines Tages erhält er Besuch von Bennie Wright. Dieser präsentiert ihm ein Video, in dem Kyle die Mitwisserschaft an einer Vergewaltigung vorgeworfen werden kann und somit wären seine beruflichen Ziele zerstört. Um die Veröffentlichung zu verhindern, müsste er das Angebot einer der renommiertesten Anwaltskanzleien in New York annehmen und Wright Informationen zu einem bestimmten Fall zukommen lassen. Da er für sich keine andere Möglichkeit sieht, nimmt Kyle diese Spionagearbeit an.

Geschickt spielt John Grisham in seinem neuesten Thriller mit der Neugier des Lesers. Die Handlung beginnt gleich mit dem Treffen von Kyle mit seinem Erpresser Wright, der seine Identität und seine Auftraggeber nicht preisgibt. Überzeugend skizziert er Kyle die Folgen, wenn er seinem perfiden Spiel nicht zustimmt und man kann während dieser Szenen sehr gut die Wut und Hilflosigkeit von Kyle spüren, diesem Mann ausgeliefert zu sein. Notgedrungen nimmt er die Anwaltsstelle bei Scully & Pershing an und hier beschreibt der Autor sehr anschaulich, die Ausbeutung der Junganwälte und deren stressiges und unter Schlafmangel leidendes Leben. Dabei schöpft John Grisham verständlicherweise aus dem Vollen und dies ist wirklich unterhaltsam umgesetzt.

Allerdings wäre Kyle nicht von so einer renommierten Kanzlei eingestellt worden, wenn er nicht intelligent und clever wäre und so fängt er nach und nach an, Material gegen diese mysteriöse Organisation zu sammeln. Ihm ist von Anfang an bewusst, dass jeder seiner Schritte von Wright und seinen Leuten beobachtet und dokumentiert wird und so muss er alle Register ziehen, um dies so unauffällig wie möglich zu tun. Hierbei erhält er auch Unterstützung von seinem alten Freund Joe, der ebenfalls in diesem erpresserischen Video zu sehen ist.

Seine Charaktere hat der Autor gewohnt sauber herausgearbeitet und detailreich beschrieben. So gelingt es einem mühelos, sich in die Situation von Kyle hineinzuversetzen und Verständnis für sein Handeln aufzubringen und dieselben negativen Gefühle für Wright und seine Organisation zu empfinden, wie er selbst.

Eine richtige Spannung baut sich eigentlich während des gesamten Buches nie richtig auf, jedoch erzählt John Grisham so unterhaltsam und flüssig, dass zu keiner Zeit Langeweile aufkommt und man sich immer wunderbar unterhalten fühlt. Es sind einige interessante, stellenweise auch vorhersehbare, Wendungen eingebaut und das Geheimnis um die mysteriöse Organisation und die verzweifelte Auflehnung von Kyle lassen einen das Buch kaum aus der Hand legen.


Fazit: Alles in allem ein wirklich gelungener, sehr unterhaltsamer Roman. Jedoch, und deswegen auch nur 4 Sterne, hat mich der Schluss doch etwas enttäuscht. Es bleiben einfach zu viele Fragen offen, die mich schon brennend interessiert hätten. Allerdings lässt das Ende auch auf eine mögliche Fortsetzung hoffen.

Montag, 7. September 2009

{Rezension} Target von Tom Cain


Übersetzer: Angela Koonen, Rainer Schumacher
Taschenbuchausgabe: 480 Seiten
ISBN: 3404158792
Genre: Thriller Allgemein
Erscheinungsdatum: 07. August 2009
Preis: 8,99 €

Perfekte Mischung aus Fiktion und Wahrheit

Samuel Carver ist ein Berufskiller, der im Auftrag höchster Regierungskreise Menschenhändler, Terroristen und Verbrecher eliminiert. Er fragt nie nach deren Identität, sondern erledigt nur gewissen- und profihaft seinen Auftrag. So überlegt er auch nicht lange, als er von seinem Kontaktmann für einen Mord nach Paris bestellt wird. Der Auftrag ist schnell erledigt, allerdings muss er dabei feststellen, dass ein Russenpärchen zwecks seiner Ermordung auf ihn angesetzt wurde. Als er die junge Russin Aliks stellen kann und Beide feststellen, dass sie den selben Auftrag hatten und ihre Auftraggeber anschließend ihre gegenseitige Ermordung geplant hatten, beschließen sie zusammen zu arbeiten. Als sie kurz darauf noch erfahren, wem das Attentat gegolten hatte, setzen sie alles daran diese Hintermänner zu ermitteln. Und ehe sie es sich versehen, sind sie die meistgesuchtesten Menschen in Europa.
 
Schon nach den ersten Seiten hat man das Gefühl, sich mitten in einem guten Actionfilm zu befinden, so rasant und actionreich lässt Tom Cain seinen Thriller beginnen. Durch die stellenweise recht kurzen Kapitel und seinen nüchternen, fesselnden Schreibstil gelingt es ihm mühelos, einen sofort in die Story eintauchen zu lassen und ein Herauskommen ist bis zum Schluss schier unmöglich.

Die Handlung ist auf mehrere Erzählstränge ausgelegt, sodass man ständig aus verschiedenen Blickwinkeln die Story erzählt bekommt und stellenweise auch mehr Informationen als Carver erhält. Der Fokus der Erzählung liegt aber eindeutig bei Carver.

Diesen schildert Tom Cain als intelligenten Mann Mitte Dreißig, der jahrelang bei der britischen Armee gedient hat und hier auch einige Spezialausbildungen erhalten hat, die ihm das Überleben in seinem Beruf sichern. Allerdings gibt es neben der harten, professionellen auch noch eine andere Seite an Carver. So ist er auch ein an sich zweifelnder, selbstkritischer, verletzlicher und ausgepowerter Mann, der sich eigentlich nichts mehr wünscht, als endlich seinen Beruf an den Nagel zu hängen. Auch die anderen Charaktere - allen voran Alexandra (Aliks) Petrowa - sind facettenreich angelegt, sodass so schnell die entsprechenden Sympathien und Antipathien entstehen, wobei die Russen hier mal wieder durchweg den bösen Part inne haben.

Alles in allem ist Tom Cain mit "Target" ein äußerst rasanter und extrem spannender Actionthriller mit einem sympathischen Protagonisten gelungen. Die Mischung aus Fiktion und Tatsachen um ein Fall in den späten 1990er, der bis heute noch die wildesten Verschwörungstheorien mit sich bringt, ist wirklich perfekt gelungen.

Freitag, 4. September 2009

{Rezension} Flammenbrut von Simon Beckett


Verlag: rororo Verlag
Übersetzer: Michaela Link
Taschenbuchausgabe: 400 Seiten
ISBN: 3499249162
Genre: Englischer Thriller
Erscheinungsdatum: 01. August 2009
Preis: 9,95 €

Der Thrill kommt erst zur Mitte hin

Nach einer gescheiterten Beziehung mit Paul lebt Kate Powell seit 3 Jahren allein. Sie ist Chefin einer kleinen PR-Agentur, die langsam Erfolge zeigt. Allerdings fühlt sie sich in ihrem Leben, das sich ausschließlich um ihren Beruf dreht, nicht ausgefüllt. Immer mehr reift in ihr der Gedanke, ein Baby zu bekommen, jedoch ohne Vater. Trotz der anfänglichen Widersprüche ihrer Freundin Lucy, entschließt sich Kate zu einer künstlichen Befruchtung. Doch will sie keinen anonymen Samenspender, den Erzeuger ihres Kindes möchte sie selbst aussuchen und gibt eine Annonce auf. Alex Turner, ein junger Psychologe, meldet sich. Kate trifft sich mit ihm und nach und nach reift in ihr das Gefühl, dass Alex der richtige Erzeuger für ihr Baby zu sein scheint.

Bis etwa zur Mitte des Buches lernt man Kate und ihre Gründe für eine künstliche Befruchtung kennen. Sie ist eine Frau Mitte Dreißig, die nach einer gescheiterten Beziehung mit dem selbstgefälligen Macho Paul, von der Männerwelt enttäuscht ist und keine neue Beziehung mehr eingehen will. Auch wenn sie anfangs von Selbstzweifeln und auch von Scham über ihr Vorhaben geplagt ist, geht sie doch stur ihren Weg. Auch die Bedenken ihrer besten und einzigen Freundin Lucy können sie nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Diese ist eine zweifache Mutter und Ehefrau und hat anfangs überhaupt kein Verständnis für Kate, steht ihr aber trotzdem bei. Die Diskussionen der Beiden über das Für und Wider, Annonce oder doch anonymer Spender, füllen einige Kapitel des Buches.

Als Kate schließlich durch die Annonce Alex kennenlernt, einen jungen, etwas verschüchtert wirkenden Psychologen, scheint alles perfekt. Doch wird man während des Lesens das Gefühl nicht los, dass Alex in irgendeiner Form merkwürdig ist. Er zeigt wenig Selbstbewusstsein, benimmt sich untypisch für einen Psychologen, ist aber ansonsten ein sehr liebenswürdiger und hilfsbereiter Mann.

Und hier, ab etwa der Mitte des Buches, wird aus dem Roman auch ein Psychothriller. Plötzlich zieht die Story richtig gut an und wird überaus spannend. Wobei die vorherigen Seiten nicht wirklich langatmig sind. Die Diskussionen zwischen Kate und Lucy, Kates Herangehen an die künstliche Befruchtung und ihr Kennenlernen von Alex ist unterhaltsam beschrieben, allerdings kein Thriller.

Simon Beckett geht sehr gefühlvoll und gut recherchiert an das Thema "Künstliche Befruchtung" heran. Die Gefühlswelt von Kate zeichnet er zu jeder Zeit sehr authentisch und absolut nachvollziehbar. Jedoch liegt hier meines Erachtens zu sehr der Schwerpunkt. Bis der Thriller richtig beginnt, ist er auch fast schon wieder zu Ende. Hier hätte ein bedeutend kürzerer Einstieg der Story gut getan.


Ansonsten ist der Roman unterhaltsam, selten langatmig und sein flüssiger Schreibstil überzeugt, sodass man sich eigentlich während des kompletten Buches gut unterhalten fühlt. Allerdings sorgt der Prolog dafür, dass die Geschichte nach gut der Hälfte vorhersehbar ist, was allerdings nicht sonderlich ins Gewicht fällt.

Donnerstag, 3. September 2009

{Rezension} Verhängnisvolles Schweigen von Peter Robinson


Verlag: Ullstein Verlag 
Übersetzer: Andree Hesse
Taschenbuchausgabe: 400 Seiten
ISBN: 3548280668
Genre: Englischer Krimi
Erscheinungsdatum: 01. August 2009
Preis: 8,95 €


Eine Mauer des Schweigens

Beim Bergwandern in den Dales findet ein Tourist in einem Wald in Swainshead eine bis zur Unkenntlichkeit verweste Leiche. Chief Inspector Alan Banks und sein Team von der Mordkommission in Eastvale nehmen die Ermittlungen auf. Doch diese gestalten sich anfangs als schwierig, da niemand in dem kleinen Dorf in Swainshead etwas mitbekommen haben will. Als dann endlich die Identität des Toten geklärt wird und es sich bei diesem um einen ehemaligen Bewohner des Dorfes handelt, müssen sich Banks und sein Team mit einer Mauer des Schweigens auseinandersetzen. Viele scheinen ein Motiv zu haben, doch kein Bewohner scheint die Ermittlungen der Polizei unterstützen zu wollen. Und was die ganze Sache noch brisanter macht ist die Tatsache, dass 5 Jahre zuvor bereits ein Privatdetektiv ermordet wurde und am selben Tag eine junge Frau aus dem Dorf verschwand. Der Mord wurde nie geklärt, ebenso wenig das Verschwinden. Gibt es hierbei Gemeinsamkeiten mit dem aktuellen Fall.

In seinem vierten Fall ermittelt Alan Banks in einem kleinen englischen Dorf und sieht sich dort einigen Schwierigkeiten gegenüber. Die Bewohner sind zwar freundlich, es ist jedoch deutlich beim Lesen zu spüren, dass hier einige Geheimnisse bewahrt werden sollen und so sind einige der Charaktere auch sehr undurchsichtig angelegt.

Das Leben und die Schwierigkeiten (Arbeitslosigkeit, Tristesse, Landwirtschaft) werden einfühlsam erzählt und auch die Schilderungen der Landschaft sind sehr anschaulich, sodass man sich rasch ein Bild der Menschen und der Gegend machen kann und auch die Perspektivlosigkeit der "kleinen Leute" zur Zeit der Thatcher-Regierung spürt. Dies hat Peter Robinson wieder gewohnt atmosphärisch sehr dicht umgesetzt.

Der Krimi beginnt ohne große Vorgeschichte sofort mit dem Mord in den Dales und den anschließenden Ermittlungen, die dieses Mal DI Banks bis nach Kanada führen, sodass sich die Spannung praktisch von Anfang an einstellt und sie sich auch kontinuierlich über das ganze Buch bis zum fulminanten Ende hin hält.

Gewohnt einfühlsam und lebendig beschreibt der Autor wieder die Charaktere des Buches, allen voran natürlich Alan Banks, wobei hier sein Privatleben eher im Hintergrund steht und der Fokus auf der Ermittlungsarbeit liegt.


Alles in allem ist Peter Robinson mit seinem 4. Fall um seinen Protagonisten Alan Banks wieder ein atmosphärisch dichter und spannender Krimi gelungen, der einen zu jeder Zeit gut unterhält.

Mittwoch, 2. September 2009

{Rezension} Bergfriedhof von Marcus Imbsweiler


Verlag: Gmeiner Verlag 
Taschenbuchausgabe: 419 Seiten
ISBN: 3899777425
Genre: Deutscher Krimi / Heidelberg
Erscheinungsdatum: Juli 2007
Preis: 11,90 €


Der etwas andere Privatdetektiv

Ende April wird Max Koller, mehr oder wenig erfolgreicher Privatermittler, abends um elf Uhr von einem unbekannten Klienten auf den Bergfriedhof in Heidelberg bestellt. Kaum dort angekommen, stolpert er auch schon über eine Leiche mitten auf einem Grab liegend. Als sein Klient ankommt und die Leiche sieht, zieht er seinen Auftrag zurück und bietet Max 5.000 € als "Schweigegeld" an. Doch Max lässt seine Neugier keine Ruhe, vor allem, als am nächsten Tag die Leiche spurlos verschwunden ist. Schnell ermittelt er die Identität seines vermeintlichen Auftraggebers, der mit allen Mitteln weitere Nachforschungen von Seiten Kollers verhindern will. Da geschieht ein weiterer Mord und Koller gerät in echte Schwierigkeiten.

In sehr unterhaltsamer Art und Weise lässt Marcus Imbsweiler seinen Protagonisten in Heidelberg ermitteln. So hat Max Koller keine Probleme damit, für seine Ermittlungen gute Freunde und Bekannte einzuspannen, dies natürlich kostenlos; er ist sich nicht zu schade, auch mal handfest einen möglichen Zeugen bei einer Schlägerei zu unterstützen; und vor kleinen Einbrüchen schreckt er auch nicht zurück, wenn diese zum Ziel führen. Was ihm allerdings meist mehr Schwierigkeiten einbringt, als dass er der Lösung des Falls näher kommt.

Der in der Ich-Form erzählte Krimi strotzt vor Selbstironie. Max ist ein etwas verkappter Privatdetektiv Mitte bis Ende Dreißig, der sich selbst nicht so ernst nimmt, sein Leben genießt, gutes Essen zu schätzen weiß, die Wahrheit liebt und seine Ermittlungen auf etwas unkonventionelle Art durchführt. Zu seiner Exfrau Christine pflegt er eine lockere, platonische Beziehung und seine ständigen Zwiegespräche lassen einen des Öfteren schmunzeln. Auch die übrigen Charaktere sind facettenreich beschrieben, haben Ecken, Kanten, Fehler und Schwächen, sodass sie schnell Konturen annehmen.

Dadurch, dass die Story auf dem Bergfriedhof beginnt, ist die Spannung sofort vorhanden und da man bis zum Schluss nicht mehr über das Motiv und die Beweggründe des geheimnisvollen Auftraggebers weiß wie Max auch, hält sich die Spannung mühelos bis zum Schluss.


Mit seinem Debüt "Bergfriedhof" ist Marcus Imbsweiler ein spannender, unterhaltsamer Krimi gelungen, der mit einem guten Schuss Lokalkolorit daherkommt.

Weitere Krimis mit Max Koller sind bereits erschienen und heißen:
  • Schlussakt: Max Kollers zweiter Fall 
  • Altstadtfest: Kollers dritter Fall


Sonntag, 30. August 2009

{Rezension} Homunculus: Der dritte Fall für Kommissar Rünz von Christian Gude


Verlag: Gmeiner Verlag 
Taschenbuchausgabe: 327 Seiten
ISBN: 3839210135 
Genre: Deutscher Krimi / Darmstadt
Erscheinungsdatum: 07. Juli 2009
Preis: 11,90 €


Kommissar Rünz ermittelt wieder

Eigentlich möchte Kommissar Rünz eine Auszeit von seiner Arbeit bei der Mordkommission Darmstadt nehmen, doch die Unterbesetzung des Kommissariats lässt ihm hier keine Chance und das diesbezügliche Gespräch bei seinem Chef, einem Fortschritt- und Reformfanatiker, bleibt erfolglos. Leicht frustriert nimmt Rünz abends zusammen mit seiner Frau an der feierlichen Verabschiedung des Landespolizeipräsidenten im Kongresszentrum Darmstadt teil, die von seinem Chef Sven Hoven inszeniert wird. An dieser Feier soll auch erstmals ein Android der TU Darmstadt der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Doch bevor die Feier zu einer One-Man-Show für Hoven ausarten kann, passiert ein Unglück und Rünz hat plötzlich wieder einen neuen Fall.

Der Schreibstil von Christian Gude ist erfrischend frech, direkt und sarkastisch, sodass man ständig zum Schmunzeln angeregt wird. Herrlich respektlos reitet er in seinem Krimi auf den neudeutschen Bezeichnungen herum und nimmt hierbei auch den ein oder anderen Möchtegern-Intellektuellen gnadenlos aufs Korn. Auch zeigt der Autor in einigen Kapiteln, dass er sich selbst nicht so ernst nimmt, so sollte man auch den vorliegenden Krimi handhaben.

Sein Kommissar Rünz ist wunderbar beschrieben und so sympathisch mit seinen Macken und Eigenarten dargestellt, dass er von Anfang an lebendig und glaubwürdig rüberkommt. Die Wortgeplänkel mit seiner Frau Karin oder seinem Schwager Brecker lassen einen immer wieder schmunzeln und stellenweise sogar laut auflachen.

Thema des Krimis ist die Herstellung des weltweit leistungsfähigsten und intelligentesten humanoiden Roboters. Dieser soll an der TU Darmstadt entwickelt werden und gesponsert wird das Ganze von einer japanischen Technologiefirma. Da es hierbei natürlich um Profit, Gewinn, Macht und Ansehen geht, sind Intrigen und Machtspielchen vorprogrammiert und Rünz platzt mit seiner burschikos charmanten Art mitten hinein in die Welt der Forscher.

Da die entscheidende Szene des Krimis bereits nach wenigen Seiten stattfindet, baut sich die Spannung fast sofort auf und hält sich problemlos über das gesamte Buch hinweg. Es ist immer wieder erfrischend mitzuerleben, wie - teilweise herrlich respektlos - Kommissar Rünz seine Ermittlungsarbeit angeht.


Fazit: Mit seinem 3. Rünz-Fall ist Christian Gude wieder ein äußerst spannender Krimi gelungen, der eine interessante Story bietet und es mühelos versteht, einen von der ersten Seite an bestens zu unterhalten.

Freitag, 28. August 2009

{Rezension} Schilf von Juli Zeh


Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
ISBN: 3895614319 
Genre: Deutscher Krimi
Erscheinungsdatum: 01. August 2007
Preis: 19,00 €


"... Die Physik gehört den Liebenden ..."

Der Physiker Sebastian aus Freiburg führt ein zufriedenes Leben. Er hat eine bezaubernde Frau, die er über alles liebt und einen vorwitzigen zehnjährigen Sohn. Doch plötzlich ist es mit dem Familienidyll vorbei. Sein Sohn Liam wird entführt und der Entführer fordert von Sebastian, einen Mord zu begehen. Erst dann würde er Liam zurückerhalten.

Mit ihrem außergewöhnlich spitzfindigen, erfrischenden, ja fast schon poetischen Schreibstil gelingt es Juli Zeh von der ersten Seite an, einen zu begeistern. Wobei hier der Krimi an sich eigentlich mehr im Hintergrund steht und auf den Beschreibungen ihrer Charaktere mit ihren unterschiedlichen Macken, Eigenarten und Probleme mehr der Schwerpunkt liegt. Und diese Charaktere sind so liebenswürdig und detailreich beschrieben, dass sie fast augenblicklich Konturen annehmen.

Auch wenn der Fokus eindeutig auf den Charakteren liegt, kommt der Krimi hierbei doch nicht zu kurz und so baut sich die Spannung sehr schnell auf, sackt zwar zwischenzeitlich etwas ab, aber dies ist unerheblich, da der Schreibstil der Autorin einen immer wieder schmunzeln lässt, nachdenklich stimmt und wunderbar unterhält.

Was mir als absoluter Physikmuffel auch gut gefallen hat, sind die Einblicke und Ergüsse in diese Wissenschaft. Sie lassen diese in einem ganz neuen Licht erscheinen und überzeugen einen, dass Physik doch gar nicht so ein trockenes Thema ist.

Täter und Motiv des Mordes ist logischerweise sofort klar, wer allerdings hinter der Entführung und dem Auftrag zum Mord steht, kann man zwar recht früh erahnen, die Autorin lässt einen aber geschickt hierüber bis kurz vor Ende im Unklaren. Die Story ist intelligent und schlüssig angelegt und überrascht mit der einen oder anderen Wendung.


Fazit: "Schilf" ist einmal ein ganz anderer Krimi: sehr unterhaltsam in einer Sprache geschrieben, die man leider viel zu selten findet.

Donnerstag, 27. August 2009

{Rezension} Das Steinbett: Ein Fall von Ann Lindell von Kjell Eriksson


Verlag: Aufbau Verlag 
Übersetzer: Paul Berf
Taschenbuchausgabe: 331 Seiten
ISBN: 3746620058
Genre: Skandinavische Krimi / Schweden
Erscheinungsdatum: 2006
Preis: 8,50 €



Spannender Schwedenkrimi mit sympathischer Protagonistin

Auf den Weg nach Hause wird die junge Mutter Josefin Cederén und ihre sechsjährige Tochter Emily von einem Auto überfahren. Der Fahrer begeht Fahrerflucht, das Mädchen ist sofort tot, die Mutter stirbt kurze Zeit später. Ann Lindell und Team aus Upssala-Näs übernehmen die Ermittlungen. Schon sehr bald fällt der Verdacht auf den Biotec-Unternehmer Sven-Erik Cederén, Ehemann und Vater, da dieser spurlos verschwunden ist und alle Indizien gegen ihn sprechen. Doch Ann Lindell hat ihre Zweifel.

Die Geschichte steigt sofort mit dem Mord an Josefin und ihrer Tochter ein und so findet man sich mitten im Geschehen und den Ermittlungen wieder. Und obwohl der Schreibstil von Kjell Eriksson sehr ruhig ist und ohne reißerische oder gar blutrünstige Szenen auskommt, gelingt es ihm durch seinen flüssigen und unterhaltsamen Schreibstil mühelos, einen sofort an das Buch zu binden. Die Spannung baut sich stetig auf und steigert sich im Verlauf der Geschichte konstant. Viele Unklarheiten im privaten wie auch beruflichen Leben der Familie Cederén, die auch die Ermittler nicht zur Ruhe kommen lassen, regen zu einem ständigen Weiterlesen an.

Seine Protagonistin Ann Lindell beschreibt der Autor als eine neugierige, sympathische Frau um die Dreißig, die Probleme in ihrem Privatleben hat und sich oft sehr einsam fühlt. Ihre innere Zerrissenheit ist so einfühlsam beschrieben, dass man mehr als einmal den Wunsch verspürt, sie tröstend in die Arme zu nehmen. Auch ihre Teamkollegen sind so detailreich dargestellt, dass sie für den Leser schnell Konturen annehmen. Sowieso ist auffällig, dass Kjell Eriksson sehr viel Wert auf die authentischen Beschreibungen seiner Charaktere legt, was den Krimi noch zusätzlich lesenswert macht.

Auch wenn es sich hierbei bereits um den dritten Fall rund um Ann Lindell und ihr Team handelt und sich logischerweise einige Beschreibungen auf vorherige Bände beziehen, ist ein Einstig in das Buch ohne Vorkenntnis der anderen mühelos möglich.

Alles in allem ist "Das Steinbett" ein wirklich spannend geschriebener Krimi mit einer interessanten, gut durchdachten Story, die zu jeder Zeit nachvollziehbar ist. Wer gerne Krimis von Henning Mankell liest, ist hier bestens aufgehoben.

Mittwoch, 26. August 2009

{Rezension} Mörderische Tage: Julia Durant schwerster Fall von Andreas Franz

Taschenbuchausgabe: 496 Seiten
ISBN: 3426639424
Genre: Deutscher Krimi
Erscheinungsdatum: 06. Februar 2009
Preis: 8,95 €

Spannender Krimi mit nerviger Protagonistin und konstruierten Story

Julia Durant ist urlaubsreif und freut sich eigentlich schon auf ihren Urlaub in Südfrankreich. Allerdings lässt sie das rätselhafte Verschwinden mehrerer Frauen nicht zur Ruhe kommen, die bisherigen Ermittlungen waren ergebnislos. Dann läuft ihrem Kollegen Frank Helmer auf der Autobahn eine völlig verstörte junge Frau vors Auto. Nur mit größter Mühe kann er einen Zusammenstoß verhindern. Die junge Frau entpuppt sich als die seit sechs Monaten vermisste Jaqueline Schweigert. Kurz nach der Einlieferung stirbt die junge Frau, ohne der Polizei auch nur einen Hinweis auf ihren Entführer bzw. Aufenthaltsort der letzten Monate mitteilen zu können. Der Polizei wird schnell klar, dass sie es hier mit einem äußerst intelligenten und perfiden Täter zu tun haben, der ihnen immer mindestens einen Schritt voraus zu sein scheint. Dann rückt Julia Durant in den Fokus des Täters.

Erzählt wird der Krimi aus unterschiedlichen Perspektiven, was zu einem stetigen Spannungsaufbau führt. Zum einen ist man bei der Ermittlungsarbeit des K11 Frankfurt dabei, zum anderen erhält man einen guten Einblick in das gestörte Leben des Täters. Die Story an sich ist sehr interessant, wenn auch nicht unbedingt neu und die Informationen, welche man über das Thema Weiße Folter erhält, sind ganz schön erschütternd.

Die Identität des Täters ist bis zum Schluss nicht bekannt, allerdings ist die Story vorhersehbar, auch bedingt dadurch, dass bei der Inhaltsangabe mehr als nötig verraten wird. Jedoch ist das geschickte Katz-und-Maus-Spiel des Täters mit der Polizei spannend angelegt und zieht zum Schluss noch einmal richtig an, sodass man das Buch kaum aus der Hand legen mag.

Störend ist die Anhäufung von Hochbegabten in dieser Geschichte, die im Lauf der Ermittlungen auftauchen und dies nimmt dem Krimi viel von seiner Glaubwürdigkeit. Und dank eines solchen Genies ist dann auch ganz plötzlich die Identität des Täters geklärt und der Fall gelöst, obwohl das ganze Buch über ermittelt wird ohne Ende und diese Ermittlungen ständig ins Leere laufen.

Julia Durant wird in diesem Krimi von ihrem Chef und ihren Kollegen, allen voran Frank Helmer, regelrecht in den Himmel gelobt und sie selbst hechelt ständig nach Bestätigung, wie toll und unersetzbar sie in ihrem Beruf ist. Dies bestätigen ihr ihre Kollegen ständig, möchten aber unbedingt, dass sie ihren Urlaub antritt, da sie komplett ausgepowert ist. Diese ständigen Wiederholungen nerven heftig und die Figur Julia Durant wirkt hierdurch wenig authentisch.

Fazit: Alles in allem ist Andreas Franz ein Krimi gelungen, der spannend umgesetzt ist und prima unterhält. Allerdings gibt es Punktabzüge für die nervige Darstellung seiner Protagonistin, der unglaubwürdigen Story und der so plötzlichen Auflösung des Falls. Da hätte man wirklich mehr daraus machen können. Wer nicht so genau hinsieht und einfach nur gut unterhalten werden möchte, ist bei diesem Krimi gut aufgehoben.

Dienstag, 25. August 2009

{Rezension} Deadline: Rache, wem Rache gebührt von Lisa Jackson


Übersetzer: Elisabeth Hartmann
Broschierte Ausgabe: 528 Seiten
ISBN: 3426637499
Genre: Amerikanischer Thriller
Erscheinungsdatum: 01. August 2009
Preis: 8,95 €

Wem kann Cissy noch trauen?

Als Cissy Cahill Holt ihre Großmutter besucht, findet sie diese tot im Flur liegen. Offensichtlich ist die wohlhabende ältere Dame die Treppe herunter gestürzt. Bei den anschließenden Ermittlungen von Detective Anthony Paterno und seiner Kollegin Janet Quinn vom San Francisco Police Department stellt sich jedoch schnell heraus, dass es sich um Mord handelt. Kurz darauf werden weitere Verwandte von Cissy ermordet. Als dann auch noch Cissy in das Visier der Mörderin gerät, kann ihr nur noch ihr Noch-Ehemann Jack Holt Schutz bieten. Doch kann sie ihm vertrauen?

Die Spannung baut sich quasi mit der ersten Seite des Buches auf und hält sich mühelos bis zum Ende. Erzählt wird der Thriller aus verschiedenen Perspektiven, der Hauptschwerpunkt liegt jedoch eindeutig bei Cissy. Und auch, wenn man regelmäßige Einblicke in das Leben der Mörderin erhält, die unter dem Synonym Elyse auftritt, ist für den Leser ihre Identität bis zum Schluss nicht ersichtlich. Anders sieht es da jedoch bei dem Motiv aus, dass einem eigentlich schon recht früh klar ist. Spannung baut sich auch dadurch auf, dass die Autorin immer wieder überraschende Wendungen einbaut, die einen in Bezug auf die Identität der Mörderin häufig auf eine falsche Fährte lockt. So wird man ständig zum Weiterlesen angeregt.

Durch die ständigen Perspektivwechsel lernt der Leser schnell die einzelnen Charaktere des Thrillers kennen und erhält so auch unterschiedliche Blickwinkel auf die Geschichte. Diese Wechsel sind durchgehend geschickt gelegt und enden natürlich - wie sollte es anders sein - immer an der spannendsten Stelle.

Ihre Protagonistin Cissy beschreibt die Autorin als eine junge, selbstbewusste, sympathische Frau und Mutter, die gerade die Trennung von ihrem Ehemann Jack zu verarbeiten versucht. Da Jack jedoch ein äußerst attraktiver, selbstsicherer Mann ist, der sehr genau weiß was er will (nämlich Cissy), sind ständige Reibereien vorprogrammiert. Natürlich darf bei Lisa Jackson der Schuss Erotik nicht fehlen, der hier auch wieder reichlich vorhanden ist. Die Ängste von Cissy, auch um ihren kleinen Sohn Beejay, sowie ihre innere Unentschlossenheit in Bezug auf Jack, beschreibt die Autorin sehr einfühlsam und nachvollziehbar. Auch die weiteren Mitwirkenden sind sehr facettenreich beschrieben, sodass sie schnell Konturen annehmen.

Alles in allem gelingt es Lisa Jackson im vorliegenden Thriller fast mühelos, ihre Leser zu fesseln. Begründet liegt dies mit Sicherheit auch in ihrem flüssigen und lebendigen Schreibstil, aber auch an der gut durchdachten Story, die einige Überraschungen zu bieten hat.