Taschenbuchausgabe: 428 Seiten
Genre: Historischer Kriminalroman
ISBN: 978-3-8392-1353-7
Erscheinungsdatum: 04. März 2013
Preis: 12,99 €
Marburg, Morde & Märchen
Sophie und ihre Freundin finden am Lahnufer die Leiche der
jungen Helene. Ist die junge Frau ertrunken oder wurde sie gar vom bösen Wolf
ermordet? Seit einiger Zeit treibt angeblich ein Wolf im nahen Wald sein
Unwesen, die Marburger erzählen sich die schauerlichsten Geschichten darüber.
Der junge Adjunkt Julius Laumann vermutet allerdings, dass Helene mit Gift
ermordet wurde. Dies wollen die Oberen der Stadt jedoch nicht hören und Helenes
einflussreicher Vater verhindert eine Obduktion. Hiervon lassen sich Julius und
Sophie allerdings nicht abschrecken und zusammen mit dem jungen Wilhelm Grimm
beginnen sie, eigene Nachforschungen anzustellen, die sie auch zu einer Hexe
führen. Und dann stirbt wieder eine Frau unter rätselhaften Umständen.
Dichte Nebelschwaden wabern in diesen kalten Novembertagen
des Jahres 1803 am Flussufer der Lahn entlang und auch Marburg bleibt hiervon
nicht verschont. Seltsame Geschichten geistern durch die Universitätsstadt vom
bösen Wolf und einer kinderfressenden Hexe. Doch was ist wahr an diesen
Geschichten, was der Fantasie der Bewohner entsprungen? Zumindest den Wolf
scheint es zu geben, denn erste Opfer der Bestie muss Julius schon bald
behandeln, die Bissspuren sind für einen Hund eindeutig zu groß. Und auch die
Hexe am Frauenberg ist existent, doch ist sie wirklich so bösartig, wie die
Marburger erzählen?
Eine fast schon gruselige Stimmung stellt sich während des
Lesens ein, zumal es Heike Wolf perfekt versteht, ihren historischen
Kriminalroman atmosphärisch dicht zu erzählen. So dauert es gar nicht lange bis
man die verwinkelten Gassen Marburgs, die düstere Kneipe am Lahnufer oder den
Schlossberg vor Augen hat.
Mit dem Mord an der jungen Helene steigt die Autorin in
ihren Roman ein, ohne hierbei den Mörder preiszugeben. So gestaltet sich der
Roman von Anfang spannend und temporeich und der Gruseleffekt durch die
schauerlichen Geschichten sorgt zudem dafür, dass man sich bis zum Schluss
bestens unterhalten fühlt. Gekonnt erzählt Heike Wolf, wie solche Volksmärchen
und Mythen entstehen und baut dies geschickt mit ein. Hierbei vergisst die
Autorin aber auch nicht, einem schlussendlich die Wahrheit zum bösen Wolf und
der kinderfressenden Hexe zu erzählen.
Zudem überrascht die Autorin immer wieder mit neuen
Wendungen in dem Fall und meint man, die Lösung gefunden zu haben, bringt die
Autorin wieder neue Aspekte in die Geschichte ein, die einem seine Meinung
revidieren lassen. Ihr Schreibstil ist sehr einnehmend, bildhaft und lebendig
und geschickt verbindet sie zudem Fiktives mit historischen Fakten und
Personen.
Julius Laumann ist ein weit gereister junger Mann, der nun wieder
nach Marburg zurückkehrt, um als zukünftiger Stadtphysikus zu praktizieren.
Doch dem geradlinigen Julius, der selten ein Blatt vor den Mund nimmt, sich um
das Geklüngel der Ratsherren wenig kümmert und ziemlich halsstarrig sein kann,
werden gleich am ersten Tag von der Obrigkeit Steine in den Weg gelegt. Diese
sind besorgt wegen den Gerüchten um den Wolf, der angeblich in den Wäldern
wildert und Menschen anfällt, denn die Stimmung in der Stadt ist langsam am
Brodeln. Die Bürger fordern den Tod der Bestie. Bei dieser Stimmungslage können
die Ratsherren nicht auch noch einen Mörder gebrauchen.
Tatkräftig unterstützt wird Julius durch die dickköpfige
Professorentochter Sophie. Die rebellische, äußerst selbständige, eigenwillige
junge Frau lässt der Tod ihrer Freundin nicht ruhen. Stur und zielstrebig
versucht sie, die Todesumstände aufzuklären, auch wenn man dafür einmal aus dem
Fenster des eigenen Zimmers klettern muss, in den sie von ihrer Mutter wegen
Ungehorsams gesperrt wurde.
Ein weiterer Protagonist ist der junge Wilhelm Grimm, der
zusammen mit seinem älteren Bruder Jacob in Marburg studiert. Sein
Gerechtigkeitssinn wie auch sein wachsendes Interesse an Sophie lassen ihn
nicht ruhen, Helenes Tod aufzuklären. Natürlich kommen ihm auch die Gerüchte
über den Wolf und der Hexe zu Ohren, wie auch von der bösen Stiefmutter, die
ihre Stieftochter ermordet haben soll und schon bald überlegen die Gebrüder
Grimm, ob man diese Mythen nicht niederschreiben sollte. Auch die
Beschreibungen der weiteren Charaktere sind hervorragend gelungen und bis in
die kleinste Nebenrolle nehmen alle Akteure augenblicklich Konturen an, agieren
authentisch, haben Ecke und Kanten und wirken in ihren Handlungen
überzeugend.
Fazit: Heike Wolf verknüpft in ihrem historischen
Kriminalroman gekonnt verschiedene Volksmärchen mit einer Mordserie in Marburg
des Jahres 1803 und zaubert daraus einen atmosphärisch dichten und äußerst
spannend, schaurigen Roman.
Die Autorin:
Heike Wolf, 1977 in Bonn geboren, unterrichtet Geschichte und
Latein an einem Gymnasium in Marburg. Seit 2001 schreibt Heike Wolf für
das Fantasy-Rollenspiel „Das Schwarze Auge“. Sie kann auf die
Veröffentlichung mehrerer historischer Romane zurückblicken. Mit „Die
Tote im Nebel“ gibt die Autorin ihr Debüt im Gmeiner-Verlag.
Weitere Bücher der Autorin:
Weitere Bücher der Autorin:
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