Leseempfehlungen

Montag, 25. Mai 2009

{Rezension} Brandmal von Craig Russel


Gebundenen Ausgabe: 416 Seiten
ISBN: 3431037275
Genre: Deutscher Thriller / Hamburg
Erscheinungsjahr: 15. Januar 2008
Preis: 19,95 €



Gibt es Reinkarnation?

Ein Serienmörder geht in Hamburg um und Kommissar Fabel und sein Team sind mit den Ermittlungen betraut. Anfangs liegt das Motiv des Mörders im Dunkeln und es scheint, als ob er seine Opfer wahllos aussucht. Doch jeder tiefer Fabel gräbt, umso mehr kristallisiert es sich heraus, dass die Morde etwas mit der RAF zu tun haben und mit einem Kelten, der vor fast 3000 Jahren gelebt hat.

Wieder einmal versteht es Craig Russel hervorragend, dem Leser die Charaktere des Buches wie auch die Stadt Hamburg sofort nahe zu bringen. Die anfangs verschiedenen Erzählstränge verknüpfen sich recht schnell ineinander, sodass man nach kurzer Zeit über den Ablauf informiert ist. Jedoch bleiben genug Fragen offen, um die Spannung kontinuierlich auf einem hohen Niveau zu halten. Craig Russels Darstellung von Hamburg, besonders die genauen Beschreibungen der einzelnen Stadtteile stören gelegentlich, sind aber wahrscheinlich eher für den englischsprachigen Leser als Erklärung gedacht.

Die Charakter des Teams rund um Fabel und auch er selber werden weiter erzählt. Wie bereits in den vorherigen Bänden begonnen, legt der Autor auch hier wieder viel wert darauf, dem Leser den Privatmenschen Jan Fabel wie auch die Charaktere seiner Kollegen näher zu bringen. Dies ist sehr gut in die Story mit eingebaut und verleiht so den Personen mehr Tiefe.

Interessant sind auch die Informationen, welche man rund um die Themen Vererbungslehre und Deutschen Herbst erfährt. Wobei letzteres meines Erachtens nicht so ausführlich hätte sein müssen, da vieles Jedem bekannt sein dürfte. Ich vermute aber mal, dass hier wieder im Interesse des englischsprachigen Marktes so detailliert auf das Thema eingegangen wird.

Fazit: Craig Russel ist mit seinem 3. Band rund um Jan Fabel und seinem Team wieder einmal ein bis zum Ende sehr spannender Thriller gelungen, der interessante Themen aufgreift.

{Rezension} Treu und Glauben von Andrew Gross


Verlag: Scherz Verlag 
Übersetzer: Susanne Goga-Klingenberg
Broschierte Ausgabe: 379 Seiten
ISBN: 3502100640
Genre: Amerikanische Thriller
Erscheinungsdatum: 01. April 2009
Preis: 14,95 €


Packend und spannend umgesetzter Thriller

Morgens verabschiedet sich Karen Friedmann noch fröhlich von ihrem Mann Charles und einige Stunden später bricht für sie eine Welt zusammen. Ihr Mann stirbt bei einem Bombenanschlag auf die Great Central Station. Ein Jahr später macht Karen eine schreckliche Entdeckung und beginnt daraufhin, Nachforschungen über Charles Leben anzustellen. Was sie dabei findet, bringt sie und ihre Kinder in große Gefahr. Einzige Unterstützung erhält sie von Ty Hauck, einem Lieutenant bei der Polizei in Greenwich, Connecticut.

Bereits in seinem Debütroman "Blut und Lüge"  war das Grundthema des Thrillers: Ehemann und Vater verschwindet bzw. stirbt, Ehefrau beschäftigt sich daraufhin mit der Vergangenheit ihres Mannes und der Alptraum beginnt. Dieses Mal ist es nicht anders.

ABER: Andrew Gross gelingt es auch dieses Mal wieder, seinen Thriller rasant und spannend zu erzählen. Man ist von der ersten Seite an gefesselt und dies lässt auch über das gesamte Buch hinweg nicht nach. Ganz im Gegenteil, durch die kurzen Kapitel und seinem schnörkellosen Schreibstill schafft es der Autor mühelos, die Spannung zum Ende hin sogar noch zu steigern. Die Story liefert immer wieder neue und überraschende Wendungen. Die Geschichte ist schlüssig umgesetzt, nachvollziehbar und gut recherchiert.

Seine beiden Protagonisten Karen Friedmann und Ty Hauck beschreibt der Autor sympathisch und detailreich und er gestattet ihnen auch Fehler und Schwächen. Diese beschreibt er sehr einfühlsam, ohne dabei zu emotional zu werden, sondern findet hier immer genau das passende Mittelmaß, um die Charaktere glaubwürdig darzustellen. Auch die anderen Figuren des Thrillers sind wieder gut herausgearbeitet und facettenreich angelegt

Fazit: Ein Thriller, der von der ersten Seite an spannend umgesetzt ist und dessen interessante Story einen bis zum Schluss an das Buch fesselt.

{Rezension} Die zwölfte Nacht von Charlotte Lyne



Verlag: Blanvalet Verlag 
Taschenbuchausgabe: 672 Seiten
ISBN: 3442367174 
Genre: Historischer Roman
Erscheinungsdatum: 13. Mai 2008
Preis: 12,00 €



Eine mutige Frau in den Reformwirren des 16. Jahrhunderts

Als kleines Mädchen wächst Catherine Parr in England des 16. Jahrhunderts - mitten in den Wirren der Reformation - bei den Seymours auf deren Landgut Wulf Hall auf. Ihr größter Wunsch ist es, eines Tages ein Buch zu schreiben und Thomas Seymour zu heiraten. Doch die schöne Zeit währt nicht lange und sie muss ihr zur Heimat gewordenes Wulf Hall und Tom verlassen, denn das Schicksal hat andere Pläne mit ihr. Im Lauf der Geschichte kreuzen sich ihre Wege immer wieder, um sich dann doch wieder trennen zu müssen und allgegenwärtig in ihr beider Leben ist Henry VIII., König von England, der ihr Schicksal mitbestimmt.

Charlotte Lyne beschreibt in ihrem Roman das Leben von Catherine Parr, der letzten Ehefrau von Henry VIII. und dies in einem äußerst anschaulichen und bildhaften Schreibstil. Ihre Protagonistin schildert die Autorin sehr einfühlsam und lebendig, sodass man sofort in das Leben von Cathie eintaucht und damit auch in das Leben des 16. Jahrhunderts. Catherine ist eine mutige Frau, die sehr genau weiß, was sie will und sich doch dem damaligen Leben unterwerfen muss, ohne dabei jedoch ihren Stolz und ihren Glauben zu verlieren. Sie ist offen gegenüber den Lehren der Reformer und ihrer Liebe zu Tom, den die Autorin als einen lebenslustigen, auf alle Konventionen pfeifenden Charmeur darstellt. Die Beziehung der Beiden zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch und ist - neben dem Leben Henry Tudors, der Familie Seymour und der Reformation der Englischen Kirche - ein Hauptbestandteil des Romans. Allerdings sind die Schilderungen ihrer Beziehung teilweise etwas schwülstig dargestellt und hier wäre ein bisschen weniger mehr gewesen.

Trotz der Fülle der mitwirkenden Personen verliert man durch die sehr detailreiche Beschreibung der Charaktere selten den Überblick, zumal hier zwangsläufig viele historische Personen mitwirken. Auf sehr unterhaltsame und farbenprächtige Art bringt die Autorin dem Leser auch das Leben am königlichen Hof von Henry VIII. mit seinen vielen intriganten Machenschaften näher.

Auch wenn einem der Verlauf der Geschichte bereits bekannt ist, schafft es Charlotte Lyne jedoch gekonnt, den Leser von Anfang an das Buch zu fesseln und in die Geschichte eintauchen zu lassen. Manchmal sind die Beschreibungen über das höfische Leben, über die Bräuche des 16. Jh. wie auch die theologischen Informationen etwas detailverliebt, diese nehmen dem Buch aber nicht wirklich die Spannung und sind oft sehr interessant. So erfährt der Leser zum Beispiel, was es mit dem Brauch der "Zwölfnachtfeier" auf sich hat, der auch eine Schlüsselstellung im Roman inne hat. Außerdem versteht es die Autorin gut, dem Leser die Reformation der Englischen Kirche näher zu bringen und dem damit verbundenen Kampf der Reformer gegenüber den Papisten. So erhält man so ganz nebenbei noch eine Lehrstunde in englischer Geschichte, meist anschaulich und interessant vermittelt.

Einen Punkt Abzug gibt es nur für die - für meinen Geschmack - teilweise etwas kitschige Darstellung der Beziehung von Cathie und Tom, wie auch für die manchmal doch etwas zu detaillierten Beschreibungen theologischer Gesichtspunkte. Ansonsten ist das Buch "Die zwölfte Nacht" ein wirklich praller, sehr gut recherchierter und farbenprächtiger Roman.

{Rezension} Die Beichte von Meg Gardiner



Verlag: Heyne Verlag 
Übersetzer: Friedrich Mader
Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
ISBN: 3453265939
Genre: Amerikanischer Thriller
Erscheinungsdaturm: 18. August 2008
Preis: 19,95 €


Hier wird Durchhalten eindeutig belohnt

Dr. Jo Beckett, forensische Psychologin in San Fransisco, wird zu einem schweren Verkehrsunfall mit Todesfolge gerufen. Da es sich hier scheinbar um einen weiteren Suizid eines Prominenten handelt, bittet die Polizei Jo um Unterstützung. Schnell wird während den Ermittlungen klar, dass alle Opfer einem geheimen elitären Club angehört haben. Zusammen mit Detective Amy Tang nimmt Jo die Ermittlungen auf und gerät dabei bald selbst in Lebensgefahr.

Irgendwie schafft es die Autorin dieses Mal nicht, ihrer neuen Protagonistin wie auch den anderen Charakteren im Roman von Anfang an ein Profil zu geben. Dr. Jo Beckett kommt dem Leser anfangs etwas konturenlos vor, erst im Lauf der Geschichte ändert sich dies und man erhält ein wenig Einblick in das Leben wie auch in die Vergangenheit von Jo.

Dem Leser ist gleich nach den ersten Seiten klar, dass sie ein traumatisches Erlebnis in der Vergangenheit hatte, welches sie heute immer noch stark belastet. Doch werden diese Informationen einem immer nur häppchenweise serviert und ziehen sich bis weit über die Hälfte des Buches. Zum einem soll es wahrscheinlich die Neugier des Lesers wecken, zum anderen ist dies aber auch gut in die Handlung des Romans eingefasst und somit schlüssig. Trotzdem hat mich dies doch etwas genervt, da es einfach sehr lange dauert bis die Figur von Jo für den Leser greifbar wird.

Dann, ab etwa der Mitte des Buches erhält man wirklich einen Bezug zu ihrem Charakter und auch die anderen Personen des Romans fangen an, Formen anzunehmen, in die man sich hinein fühlen kann und die lebendig wirken. Auch zeichnet die Autorin einige sehr witzige und skurrile Charaktere, erwähnt sei hier nur der Nachbar von Jo, der für einige lustige Akzente im Roman sorgt.

Die Geschichte an sich ist recht spannend und schlüssig umgesetzt. Die Spannung baut sich meines Erachtens gegenüber den bisherigen Büchern von Meg Gardiner, etwas langsamer auf, dafür aber dann auch wirklich kontinuierlich. Sobald die anfänglich verschiedenen Handlungsstränge anfangen ineinander zu greifen, wird hier eine wirklich interessante Geschichte erzählt.

Fazit: Wer bei diesem Buch bis zur Mitte durchhält, wird mit einem äußerst interessanten und spannenden Thriller belohnt.

{Rezension} Grabesgrün von Tana French



Verlag: Scherz Verlag
Übersetzter: Ulrike Wasel / Klaus Timmermann
Gebundene Ausgabe: 672 Seiten
ISBN: 3502101914
Genre: Englischer Thriller
Erscheinungsjahr: 03. Juli 2008
Preis: 16,90 €


Ein Krimi der etwas anderen Art

Tana French erzählt die Geschichte von Detectiv Rob Ryan in der Ich-Form. Als 12-jähriger verschwanden seine 2 Freunde spurlos beim Spielen im nahegelegen Wald, nur Adam Ryan wurde gefunden, unter Schock stehend und ohne Erinnerung an das Geschehen. Der Fall wird niemals gelöst. 20 Jahre später ist Ryan Detectiv bei der Mordkommission in Irland und hat seinen 2. Vornamen angenommen,somit kennt niemand seine Vergangenheit. Zusammen mit seiner Partnerin Cassie Maddox ermittelt er in einem Mordfall. Ein 13-jähriges Mädchen wurde im selben Ort, in dem er damals lebte, ermordet. Um den Fall nicht zu verlieren, erzählt er seinen Vorgesetzen nichts von seiner Vergangenheit, nur seine Partnerin weiß Bescheid. Die Paralellen des aktuellen Falls zu der früheren Vermisstensache zermürben ihn immer mehr.

Die Erzählweise von Tana French ist sehr erfrischend und lebendig. Die beiden Hauptakteure werden sympathisch und detailreich beschrieben, sodass man schnell einen Bezug zu ihnen erhält. Auch die anderen Charaktere haben Tiefe und sind stellenweise auch sehr undurchsichtig beschrieben. Was die Stimmung auch immer wieder ein wenig hebt, ist das "Geplänkel" zwischen Rob und seiner Kollegin.

Die Spannung baut sich langsam auf, wobei das Buch aber niemals langweilig wird, sondern immer äußerst unterhaltsam. In Bezug auf Mörder und Motiv lässt Tana French ihre Leser im Dunkeln und legt auch immer wieder neue Spuren aus, sodass man seine Meinung ein ums andere Mal wieder ändert.

Fazit: Alles in allem ein wirklich sehr spannender Thriller in einer erfrischend anderen Art geschrieben, der einen bis zur letzten Seite nich mehr loslässt.

{Rezension} Vermisst von Meg Gardiner



Verlag: Heyne Verlag
Übersetzter: Tamara Rapp / Imke Walsh-Araya
Taschenbuchausgabe: 448 Seiten
ISBN: 3453433238
Genre: Amerikanische Thriller
Erscheinungsdatum: 02. Juni 2008
Preis: 8,95 €

 Ein Wettlauf gegen die Uhr

Evan Delaney ist verzweifelt. Das Autowrack ihres Vaters wurde geborgen und von ihm weit und breit keine Spur. Für die Polizei gibt es nur 2 Möglichkeiten: Selbst-mord oder ins Ausland abgesetzt. Doch Evan glaubt weder das eine noch das ande-re. Für sie ist klar, dass ihr Vater entführt worden sein muss. Dann verschwindet auch noch Jax Rivera und Evan erhält Forderungen der Kidnapper zur Freilassung ihres Vaters. Schnell wird klar, dahinter stecken Leute, die nach einem gescheiterten Geheimdiensteinsatz vor 12 Jahren noch eine Rechnung mit Phil Delaney und Jax Rivera offen haben, denn auch Jax scheint in die Hände der Entführer geraten zu sein. Die Entführer wollen ein Dossier, welches Jax damals zu diesem Geheimdiensteinsatz angefertigt hat und Evan bleiben nur 72 Stunden, um das Material zu beschaffen. Ein rasanter Wettlauf gegen die Zeit beginnt, der Evan um die halbe Welt führt.

Dieses Mal fängt die Geschichte etwas gemächlicher an, aber beileibe nicht langweilig und knüpft nahtlos an seinen Vorgänger "Schmerzlos" an. Meg Gardiner setzt ihren Stil fort und so ist auch dieses Buch wieder aus Sicht von Evan Delaney in der Ich-Form geschrieben, was wieder einmal sehr sympathisch umgesetzt wurde.

Meg Gardiner versteht es sehr gut, den Charakteren des Romans schnell Leben einzuhauchen, sodass sie sehr menschlich wirken und auch mal Fehler und Schwächen haben dürfen. Ohne Probleme nimmt man Evan ihre Sorgen und Ängste während der verzweifelten Suche nach ihrem Vater ab.

Die Story ist logisch und schlüssig umgesetzt, und auch wenn der Roman dieses Mal anfangs etwas ruhiger daher kommt, nimmt er doch nach gut 1/3 des Buches rasant an Fahrt auf und die Spannung erhöht sich zusehend. Dadurch, dass der Leser lange nicht ahnt, welches Geheimnis hinter den Informationen steht, reizt dies die Neugier und animiert somit ständig zum Weiterlesen. Auch die Beweggründe der Verfolger von Evan, die in einem Nebenstrang der Geschichte nach und nach sichtbar werden, mindert nicht gerade die Spannung.

Fazit: Alles in allem wieder einmal ein gelungener kurzweiliger und extrem spannender Thriller rund um das Thema Geheimdienst und organisiertem Verbrechen.

{Rezension} Blutfeinde von Kjell Ola Dahl


Übersetzer: Kerstin Hartmann-Butt
Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
ISBN: 3431037747
Genre: Skandinavischer Krimi
Erscheinungsdatum: 31. März 2009
Preis: 18,00 €



Packend und spannend von der ersten Seite an

Bei einer Kneipenschlägerei löst sich ein Schuss und trifft den jungen Polizisten Ivar Killi tödlich. Kommissar Gunnarstranda wird mit den Ermittlungen betraut. Da er jedoch kurz vorher interne Ermittlungen gegen Killi eingeleitet hatte und dieser äußerst beliebt bei seinen Kollegen war, wird Gunnarstrandas Arbeit von den eigenen Kollegen sabotiert und er massiv von ihnen gemobbt. Dann entzieht sein Chef ihm plötzlich den Fall und teilt ihm einen Vermisstenfall zu. Doch Gunnarstranda ermittelt weiter und stößt auf einige Ungereimtheiten.

Ohne große Vorgeschichte lässt Kjell Ola Dahl seinen Thriller mit dem Mord an dem jungen Polizisten beginnen, sodass der Leser sich sofort mitten im Geschehen befindet. Die Story ist anfangs auf 2 Erzählsträngen aufgebaut, bei denen zum einen die Ermittlungen von Gunnarstranda bei dem Polizistenmord erzählt wird, zum anderen die Arbeit von Kommissar Frank Frolich bei dem Vermisstenfall des Anwalts Arne Welhaven. Jedoch schon nach knapp 1/3 des Buches verknüpfen sich diese beiden Erzählstränge zu einem. Der Thriller ist von Anfang schlüssig, vielschichtig und atmosphärisch dicht umgesetzt und Spannung kommt praktisch von der ersten Seite an auf.

Seinen Protagonisten beschreibt der Autor als einen sehr eigenwilligen, dickköpfigen Einzelgänger mittleren Alters, der einem irgendwie sofort sympathisch ist. Sein jüngerer Partner Frolich ist ein ordnungsliebender und gewissenhafter Polizist, der Gunnarstranda nicht sonderlich leiden kann. So sind Schwierigkeiten zwischen den Beiden von Anfang an vorprogrammiert und diese sind vom Autor überzeugend und lebensnah umgesetzt worden. Die anderen Charaktere sind gut beschrieben und man erhält sehr schnell einen guten Eindruck über die mitwirkenden Figuren.

Der Thriller kommt ohne reißerische Effekte aus und konzentriert sich auf die Ermittlungsarbeit und das Zwischenmenschliche. Durch seinen sehr flüssigen und schnörkellosen Schreibstil gelingt es Kjell Ola Dahl so mühelos, seine Leser sofort an die Geschichte zu bindn und das Interesse an dem Roman zu wecken.

{Rezension} Kaltes Gift von Nigel McCrery


Übersetzer: Ilse Bezzenberger
Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
ISBN: 342619791X
Genre: Englischer Krimi
Erscheinungsdatm: 02. April 2009
Preis: 16,95 €


Solider, typisch englischer Krimi

Der aus krankheitsbedingten Gründen beurlaubte DCI Marc Lapslie wird an einen Tatort gerufen. Bedingt durch einen Verkehrsunfall ist eine nur leicht verscharrte Leiche ans Tageslicht gekommen. Auf der Suche nach der Identität der alten Dame stoßen DCI Lapslie und seine Kollegin Emma Bradbury auf einige Merkwürdigkeiten, denn anscheinend erfreut sich die angebliche Tote bester Gesundheit.

Der durch die BBC-Serie "Gerichtsmedizinerin Dr. Samantha Ryan" bekannt gewordene Autor Nigel McCrery hat hier einen soliden und vielschichtigen Thriller geschrieben. Er erzählt seine Geschichte aus zwei Perspektiven: Zum einem stellt er dem Leser gleich zu Anfang die Mörderin sowie ihr Motiv vor, ohne dabei jedoch auf die eigentlichen Hintergründe ihres Handelns einzugehen. Zum anderen begleitet der Leser das Ermittlerteam bei seiner Arbeit, die anfangs nur sehr langsam vorangeht, da kaum Anhaltspunkte vorliegen.

Sein unter Synästhesie leidenden DCI Marc Lapslie schildert er als einen mit seinem Schicksal kämpfenden Mann mittleren Alters, der sich mit vollem Einsatz in die Lösung des Falls stürzt. Emma Bradbury, seine junge Kollegin, bleibt jedoch etwas blass, sodass man kaum einen Bezug zu ihr erhält. Das Hauptaugenmerk der Geschichte liegt allerdings auch auf dem Charakter der Mörderin. Dieser ist sehr vielschichtig und undurchsichtig angelegt und die eigentlichen Beweggründe ihres Handelns liegen lange Zeit im Dunkeln, was die Figur sehr interessant macht und die Neugier reizt. Die übrigen Charaktere sind facettenreich erzählt mit ihren teils schrulligen Macken.

Nigel McCrerys Schreibstil ist detailreich und unterhaltsam und ihm gelingt es dadurch gut, den Leser bei der Geschichte mitleben zu lassen. Die Story an sich ist eher ruhig angelegt, nervenaufreibende Szenen findet man hier keine. Allerdings sind einige seltsame Geschehnisse eingearbeitet, die neugierig machen und so die Spannung recht hoch halten.

Alles in allem ein gut geschriebener, solider und in meinen Augen typisch englischer Krimi.

{Rezension} Unsichtbare Spuren von Andreas Franz


Gebundene Ausgabe: 461 Seiten
ISBN: 3426662124
Erscheinungsdatum: 21. März 2006
Genre: Deutscher Krimi
Preis: --,-- €

Mord an Anhalterinnen

1999: Eine Anhalterin wird ermordet aufgefunden. Alle Indizien, die Kommissar Sören Henning und seine Kollegin Lisa Santos ermitteln, deuten eindeutig daraufhin, dass Georg Nissen der Mörder ist. Schnell ist das Verfahren abgeschlossen und der vermeintliche Mörder verurteilt. Schon kurz danach begeht Georg Nissen im Gefängnis Selbstmord und hinterlässt einen Abschiedsbrief, in dem er seine Unschuld beteuert. Sören Henning ist hierüber so betroffen, dass er sich immer mehr in sich selbst zurückzieht und seine Ehe daran in die Brüche geht.

2004: Wieder ist eine Anhalterin ermordet worden und alle Indizien deuten darauf hin, dass es sich um denselben Mörder wie 1999 handelt. Lisa Santos schafft es auf Umwegen, Sören Henning aus seiner Lethargie zu reißen und ihn soweit zu bringen, dass er den Fall übernimmt. Die Soko Phantom wird ins Leben gerufen. Schnell stellen sie fest, dass noch viel mehr Morde auf das Konto des Phantoms zu gehen scheinen. Ein spannendes "Katz-und-Maus-Spiel" beginnt.

Andreas Franz hat seinen Krimi auf zwei Erzählsträngen aufgebaut. Zum einen berichtet er über die Ermittlungen von Lisa und Sören, in einem Zweiten wird die Geschichte des Mörders erzählt, welcher von den Ermittlern schnell als das Phantom bezeichnet wird. Die beiden Geschichten sind sehr geschickt miteinander verwoben und enden meist so, dass der Leser neugierig weiterliest.

Die Charaktere von Lisa und Sören sind sehr detailgenau und lebendig beschrieben. Die Melancholie, Wut und Zerrissenheit von Sören Henning am Anfang des Buches ist fast greifbar und glaubwürdig beschrieben, wie auch seine spätere Besessenheit, den Fall unbedingt zu lösen. Lisa Santos wird als sehr sympathische, dickköpfige und selbstbewusste Frau dargestellt, mit der man sich sofort verbunden fühlt. Auch interessant ist, dass A. Franz dem Leser einen Einblick in das Privatleben der beiden Ermittler gibt, was in keiner Weise langatmig wird und geschickt in die Geschichte mit eingearbeitet ist. Der Charakter des Serienmörders ist sehr vielschichtig angelegt und absolut überzeugend beschrieben und auch alle anderen Personen des Buches sind gut charakterisiert, sodass der Wiedererkennungswert hoch ist.

Auch wenn die hier erzählte Geschichte an sich doch recht unglaubwürdig wirkt, ist sie spannend umgesetzt. Bei diesem Krimi weiß der Leser bereits nach wenigen Seiten, wer der Mörder ist, auch seine Beweggründe sind ihm schnell klar. Jedoch ist es interesant zu lesen, wie die Ermittlungen voranschreiten und sich Lisa und Sören immer mehr dem Umfeld des Mörders nähern. Die Spannung baut sich sehr schnell auf und das Ende ist rasant geschrieben, sodass während des Lesens keine Längen entstehen. Durch seinen flüssigen, leichten Schreibstil macht es Andreas Franz dem Leser auch nicht schwer, dass Buch mehr oder weniger in einem Rutsch durchzulesen.

{Rezension} Die zehnte Gabe von Jane Johnson


Übersetzer: Pociao
Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
ISBN: 3442203252
Genre: Mystery Roman
Erscheinungsdatum: 18. August 2008
Preis: 17,95 €

Ein fast 400 Jahre altes, verschollenes Familiengeheimnis ...

Quasi als Abschiedsgeschenk ihrer Beziehung erhält Julia Lovat, 38-jährige Stickerin aus Leidenschaft, von ihrem Exfreund ein kleines Stickereibuch aus dem 17. Jahrhundert. Schon kurz darauf stellt sie fest, dass neben den Stickanleitungen noch ein zusätzlicher Text im Buch steht, welches jemand als Tagebuch benutzt hat. Bei diesem Jemand handelt es sich um die 19-jährige Catherine, die 1625 im englischen Cornwall lebte und dieses kleine Büchlein als Tagebuch nutze. Julia liest voller Begeisterung die Geschichten von Catherine und als sie erfährt, dass diese mit einem Großteil der Dorfgemeinschaft nach einem Sonntagsgottesdienst von Korsaren entführt und nach Marokko verschleppt wurde, um dort als Sklaven verkauft zu werden, begibt sich Julia auf die Spuren von Catherine und reist nach Nordafrika.

Sofort ist man von der flüssigen, bildhaften Erzählform der Autorin gefesselt. Jane Johnson beschreibt ihre beiden Protagonistinnen Julia und Catherine so lebendig und symphatisch, dass man sehr schnell das Gefühl erhält, die beiden schon Jahre zu kennen. Auch bei den übrigen Mitwirkenden gelingt es Jane Johnson, ihnen ein Profil zu geben, sodass hier ein hohes Erkennungspotential besteht. Ebenso ergeht es dem Leser bei den Beschreibungen von Land und Leute und hier besonders von Nordafrika. Diese sind so leb-, bildhaft und phantasievoll beschrieben, dass man manchmal das Gefühl bekommt, die unterschiedlichen Gerüche und Eindrücke selbst zu erleben und wahrzunehmen.

Die Geschichte ist von Anfang schlüssig und verständlich erzählt und schon nach wenigen Seiten ist die Neugier des Lesers geweckt, unbedingt das Schicksal von Catherine zu erfahren. Wobei hier wirklich interessant ist, dass der Roman einen teilweise authentischen Hintergrund hat, da es die Piraterie an den Küsten Cornwalls im 17. Jahrhundert gab und belegt ist, dass in der Gegend, in der der Roman anfangs spielt, wirklich eine Gruppe von rund 60 Bewohnern von Korsaren verschleppt wurden. Die weitere Geschichte des Romans ist jedoch Fiktion, könnte sich aber durchaus so ereignet haben, was das Lesen umso interessanter macht.

Auch sind die Informationen, welche man über das Leben und Denken der Menschen im 17. Jahrhundert über Christen und Moslems erhält, nie überladen oder belehrend und kann so recht gut die Handlungen der mitwirkenden Personen verstehen.

Der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit ist sehr geschickt gelegt, sodass hier der Anreiz zum Weiterlesen immer sehr hoch gehalten wird. Zum Schluss driftet die Geschichte zwar ein wenig ins Mystische ab, was aber irgendwie zum Romanaufbau passt und vom Leser gerne akzeptiert wird.

Fazit: Ein wirklich gelungenes Debut und ein Roman, der so prall und bildhaft geschrieben ist, dass man ihn nicht mehr aus der Hand legen mag.

{Rezension} Wintermörder von Krystyna Kuhn



Cover: Goldmann Verlag 
Taschenbuchausgabe: 420 Seiten
ISBN: 344246241X 
Genre: Deutsche Krimis
Erscheinungsdatum: 08. Januar 2007
Preis: 8,95 €


Dunkle Machenschaften des Imperiums Winkler kommen ans Licht

Scheinbar aus Hass hat der Täter die 85-jährige Henriette Winkler umgebracht, wie ließe sich sonst die Brutalität erklären, mit der die Patriachin ermordet wurde. Gerade am Anfang der Ermittlungen stehend, erfährt die Staatsanwältin Myriam Singer, dass auch Frederik, der Urenkel von Frau Winkler entführt wurde. War die Situation schon vorher schwierig für Myriam, da sie eine alte Freundin der Enkelin des Opfer ist, muss sie jetzt auch noch Frederiks Mutter beistehen. Anfangs laufen die Ermittlungen erfolglos, doch dann erhält Myriam von dem sensationsgierigen Reporter Udo Jost ein Foto, auf dem Henriettes Mann mit einem Nazibonzen abgebildet ist. Nun weiß sie, dass das Tatmotiv zur Zeit des 2. Weltkriegs zu suchen ist.

Krystyna Kuhn versteht es geschickt, die Spannung langsam aber konstant aufzubauen. Viele lose Fäden, die am Anfang nicht zusammenzupassen scheinen, verknüpfen sich im Verlauf der Geschichte immer mehr. Langsam kommt die dunkle Nazivergangenheit des Imperiums Winkler ans Tageslicht. Und alle Spuren führen nach Krakau.

Das Tatmotiv ist dem Leser recht schnell klar, allerdings bleibt man in Bezug auf den Mörder lange Zeit im Unklaren und geschickt gelegte Wendungen in der Geschichte sorgen dafür, dass der Krimi zu keiner Zeit langatmig wird.

Ihre Protagonisten beschreibt die Autorin sehr detailreich und lebensnah, sodass sie fast sofort Konturen annimmt. Die weiteren Charaktere sind ebenfalls gut herausgearbeitet und sympathisch beschrieben.

Der Hintergrund der Geschichte, nämlich der Einsatz von Zwangsarbeitern bei Großindustriellen im 2. Weltkrieg, wird anschaulich und auch eindringlich beschrieben.


Mit "Wintermörder" hat die Autorin Krystyna Kuhn, die in Moskau und Krakau lebte, einen wirklich packenden Krimi geschrieben.

{Rezension} Eine unbeliebte Frau von Nele Neuhaus



Verlag: List Verlag
Taschenbuchausgabe: 384 Seiten
ISBN: 3548608876
Genre: Deutscher Krimi / Taunus-Krimi
Erscheinungsdatum: Mai 2009
Preis: 8,95 €


Mord aus Eifersucht?

Kommissar Oliver von Bodenstein und seine neue Kollegin Pia Kirchhoff werden zu einem Selbstmord gerufen. Ein Oberstaatsanwalt hat sich in einem Weinberg in der Nähe von Hofheim erschossen. Kaum am Tatort angekommen wird ein weiterer Todesfall gemeldet. Die junge Isabel Kerstner hat sich allem Anschein nach ganz in der Nähe von einem Aussichtsturm gestürzt. Doch schnell stellen die Ermittler fest, dass es sich hierbei um Mord handelt. Je länger die Ermittlungen andauern, um so mehr kristallisiert sich heraus, dass diese beiden Fälle eng miteinander verknüpft sind und bald schon gibt es viele Verdächtige, die ein großes Interesse daran hätten, Isabel Kerstner zu töten.

Von der ersten Seite an taucht man in die Geschichte ein, ist sofort gefesselt von Nele Neuhaus äußerst lebendigem und flüssigem Schreibstil. Was anfangs wie ein simpler Mordfall aus Eifersucht aussieht, entwickelt sich immer mehr zu einer viel komplexeren Geschichte. Obwohl die Autorin ohne jegliche blutrünstigen Morde oder Geschehnissen auskommt, ist die Spannung von Anfang an vorhanden und bleibt auch im Verlauf des Buches bis zum Ende auf hohem Niveau.

Die Story des Buches ist logisch und gut durchdacht umgesetzt und sehr vielschichtig angelegt. Dem Leser werden anfangs verschiedene Spuren geboten, die ihn zum Miträtseln ermuntern. Auch wenn man sich ab etwa der Mitte des Buches über das Motiv sicher sein kann, der Täter bleibt bis kurz vor Schluss im Dunkeln.

Ihre Protagonisten Oliver von Bodenstein und Pia Kirschhoff beschreibt Nele Neuhaus äußerst lebendig, einfühlsam und sehr sympathisch. Sie sind keine Übermenschen, sondern dürfen auch mal Fehler und Schwächen zeigen. Und durch die Einblicke, welche die Autorin dem Leser in das Privatleben ihrer Protagonisten gewährt, erhält dieser sehr schnell einen Bezug zu den beiden Ermittlern. Auch die anderen Charaktere des Buches sind detailliert und facettenreich beschrieben, sodass man trotz der Fülle der mitwirkenden Personen so gut wie nie den Überblick verliert.

Ein weiteres Plus des Romans sind auch die Beschreibungen der Region rund um Hofheim, welche man so ganz nebenbei erhält und nicht nur für Leser interessant sind, die diese Gegend kennen.

Fazit: Ein von der ersten Seite an spannender und vielschichtiger Krimi, der schlüssig umgesetzt wurde, mit einer Spur von Lokalkolorit und einem fulminanten Ende aufwarten kann.

{Rezension} Blut und Lüge von Andrew Gross


Cover und Verlag: Fischer Verlag
Übersetzer: Susanne Goga-Klingenberg
Taschenbuchausgabe: 352 Seiten
ISBN: 3596174309
Genre: Amerikanischer Thriller
Erscheinungsdatum: 09. September 2008
Preis: 8,95 €


Eine fast perfekte Täuschung

Kate, eine 22-jährige Studentin, erhält eines Tages eine SMS von ihrer Mutter mit der Aufforderung, sofort nach Hause zu kommen. Dort erfährt sie, dass ihr Vater Ben angeblich in Geschäfte mit der kolumbianischen Drogenmafia verwickelt sei und das FBI ihm auf die Spur gekommen ist. Da er jedoch nur ein "kleiner Fisch" sei, bietet das FBI Ihm an, gegen die Drahtzieher auszusagen und dafür Ben und seine Familie ins Zeugenschutzprogramm aufzunehmen. Ben ist damit einverstanden, nicht jedoch Kate. Sie ist nicht bereit, für ihre Familie ihr bisheriges Leben und ihren Freund aufzugeben und bleibt zurück. Nach gut einem Jahr passieren plötzlich merkwürdige Dinge und auf einmal verschwindet Ben aus dem Zeugenschutzprogramm.

Die Charaktere seiner Hauptakteure Kate und Ben beschreibt Andrew Gross detailreich und glaubwürdig. Den Emotionen und psychischen Belastungen, welche die Familie unweigerlich bei der Aufnahme ins Zeugenschutzprogramm ausgesetzt ist (Verlust von Heim, Freunde, Verwandte), sind nachvollziehbar und glaubwürdig umgesetzt.

Natürlich ist der Charakter von Kate mutig und selbstbewusst angelegt, welche Figur könnte ansonsten eine solche Geschichte überleben, aber dies ist auf sympathische Art dargestellt. Und er gestattet seiner Protagonistin auch die eine oder andere Schwäche, was sie dann doch ein wenig authentischer erscheinen lässt. Den Charakter Ihres Vaters Ben Raab hat Andrew Gross äußerst vielschichtig und interessant angelegt und er verblüfft den Leser doch das ein oder andere Mal.

Die Story an sich ist schlüssig und vor allem vielschichtig aufgebaut und der Autor überrascht immer wieder mit interessanten Wendungen. Obwohl Andrew Gross gleich nach den ersten paar Seiten seine Geschichte rasant anziehen lässt, schafft er es gut, dieses Tempo durch das komplette Buch hindurch zu halten. Kaum ist man der Meinung, dass es schlimmer nicht mehr kommen kann, setzt Andrew Gross noch einen obenauf.

Alles in allem ein wirklich gelungenes, spannendes Debüt, das auf mehr hoffen lässt.

{Rezension} Angst in deinen Augen von Tess Gerritsen


Verlag: Cora Verlag
Übersetzer: Emma Lux
Taschenbuchausgabe: 252 Seiten
ISBN: 3899416279
Genre: Amerikanischer Thriller
Erscheinungsdatum: Juni 2009
Preis: 5,00 €


Ein Frühwerk der Autorin

Wie gewohnt gelingt es Tess Gerritsen von der ersten Zeile an, ihre Leser sofort an die Geschichte zu binden. Was zu Anfang noch wie ein Liebesroman wirkt, entwickelt sich sehr rasch zu einem ausgemachten Thriller. Spannung ist so schnell vorhanden und steigert sich während der sehr kurzweilig erzählten Geschichte noch.

Die Charaktere von Nina und Sam sind sehr sympathisch, lebendig und facettenreich beschrieben, sodass man sich sofort mit ihnen verbunden fühlt. Die restlichen Mitwirkenden werden ebenfalls sehr detailreich beschrieben, sodass ein Wiederkennen mühelos gelingt.

Die Geschichte ist atmosphärisch dicht, schlüssig und äußerst spannend umgesetzt und eine wunderbar gelungene Mischung aus Liebesroman und Thriller. Allerdings wirkt die Story zwischenzeitlich schon etwas schwülstig und man merkt, dass es es sich hier um ein Frühwerk der Autorin handelt. Durch die Kürze des Romans von nur 252 Seiten ist sie zudem äußerst kurzweilig, sodass man ihn ohne Probleme in einem Rutsch durchlesen kann.

Bei dieser Kurzgeschichte handelt es sich übrigens um ein Frühwerk von Tess Gerritsen aus dem Jahr 1996, welches jetzt im Mira-Verlag aufgelegt wurde.

{Rezension} Das Tulpenvirus von Danielle Hermans


Verlag: Pendo Verlag
Übersetzer: Stefanie Schäfer, Heike Baryga
Gebundene Ausgabe: 317 Seiten
ISBN: 3866122268
Genre: Mystery Thriller
Erscheinungsdatum: 24. April 2009
Preis: 19,95 €


Tulpen und ein altes Buch

Hintergrund des Thrillers ist zum einen die Tulpenmanie im 17. Jahrhundert und hier speziell die Hintergründe zum plötzlichen Zusammenbruch des Handels. Zum anderen gelten das 17./18. Jh. als Zeitalter der Aufklärung, des freien Denkens und Handelns, auch in Glaubensfragen und dies spielt eine nicht unerhebliche Rolle in dem Roman. Daniëlle Hermans hat es geschickt verstanden, um diese äußerst interessanten Themen einen rasanten Thriller zu stricken.

Ihre Story spielt in 2 Zeitebenen. Einmal in der niederländischen Stadt Alkmaar im Jahr 1637 sowie im heutigen London und den Niederlanden. Die Geschichte aus dem 17. Jahrhundert hat eine Schlüsselrolle im Thriller und erklärt mehr oder weniger die Beweggründe bzw. das Motiv für die Morde. Allerdings bekommt der Leser diese Geschichte immer nur häppchenweise zur Verfügung gestellt und die Wechsel sind dramaturgisch clever gelegt, sodass die Spannung durchweg sehr hoch gehalten wird.

Obwohl es anfangs ziemlich viele Wechsel bei den einzelnen Erzählsträngen gibt und die Kapitel durchgängig sehr kurz gehalten sind, ist man sehr schnell von der Geschichte gefangen, was auch dem schnörkellosen Schreibstil der Autorin zu verdanken ist. Die Story ist von Anfang an logisch umgesetzt und äußerst spannend und rasant inszeniert, sodass wirklich zu keinem Moment des Buches Längen aufkommen.

Ihr Protagonist Alec Schoeller ist ein angesehener Maler, der völlig unbedarft in diese Geschichte hineingeraten ist. Seine anfängliche Hilflosigkeit und Trauer wegen seinem Onkel und der Zorn auf die Täter sowie seine Entschlossenheit, diese letztendlich zu schnappen und hinter das Geheimnis des Mordes zu kommen, stellt D. Hermans sehr realistisch und einfühlsam dar. So ist einem Alec Schoeller sofort sympathisch und man kann sich gut in ihn hineinfühlen. Auch bei den restlichen Akteuren des Thrillers schafft es Daniëlle Hermans mühelos, ihre Charaktere lebendig und facettenreich zu beschreiben.

Alles in allem ein wirklich gelungenes Debüt, das alles hat, was ein guter, spannend erzählter Thriller haben muss.

{Rezension} Wer tötet, handelt von Friedrich Ani


Verlag: dtv-Verlag 
Taschenbuchausgabe: 176 Seiten
ISBN: 3423210613
Genre: Deutscher Krimi
Erscheinungsdatum: 01. Mai 2008
Preis: 7,95 €


Ein neuer Fall für Jonas Vogel

Friedrich Ani erzählt in seinem neuesten Roman die Geiselnahme, in der sich der blinde Ex-Kommissar Jonas Vogel verwickeln lässt. Um der Geisel, eine junge Frau, deren Mord an ihren Eltern er ein paar Jahre vorher aufgeklärt hatte, zu helfen, lässt er sich im Gegenzug zu ihr austauschen. Sehr zum Missfallen seiner gesamten Familie und der Exkollegen, die am Tatort anwesend sind.

Einfühlsam und melancholisch beschreibt Ani wie Vogel versucht, den Grund des Geiselnehmers für diese Tat herauszubekommen. Ganz langsam kommt Vogel hinter den Grund der Geiselnahme. Ani vergisst hierbei aber in "Nebenschauplätzen" nicht, die Hilflosigkeit und Zerrissenheit zu erzählen, mit der die Familie von Vogel seit seiner Erblindung zu kämpfen hat.

Es ist eine kleine Geschichte (umspannt den Zeitraum von einer Nacht und einem Tag) über Schuldgefühle und Sehnsüchte nach der verlorenen Kindheit und Ani schafft es mit seinen sanften Tönen wieder ausgezeichnet, seine Leser in den Bann zu ziehen. Ein Roman, der einen nicht sofort wieder loslässt.

{Rezension} Die Shakespeare-Morde von Jennifer Lee Carrell



Cover und Verlag: List Verlag 
Übersetzer: Sophie Zeitz
Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
ISBN: 3471350012
Genre: Mystery Roman
Erscheinungsdatum: 11. September 2008
Preis: 19,90 €


Auf den Spuren Shakespeares

Kate Stanley ist glücklich. Das erste Mal darf sie Regie führen, und dass mit Shakespeares Hamlet im berühmten Globe-Theatre. Doch am Abend vor der Premiere brennt das Theater ab und ihre Mentorin und Shakespeare-Kennerin Ros Howard wird ermordet in den Trümmern aufgefunden. Am selben Tag noch hatte Kate von ihr eine Schachtel erhalten und ihr gegenüber von einer bedeutenden Entdeckung gesprochen, ohne Hintergründe zu nennen. Als Kate die Schachtel öffnet, findet sie darin einen Teil eines Shakespeare-Puzzles. Als sie feststellt, dass noch andere hinter dieser Schachtel her sind, setzt sie sich mit dem Puzzle auseinander und stellt fest, dass dies sie zu einem unentdeckten Meisterwerk von Shakespeare führen könnte. Ihre Nachforschungen führen sie, zusammen mit einem Verwandten von Ros, von Europa in die Wüste der USA und letztendlich wieder zurück. Immer verfolgt von einem Unbekannten, der ihnen immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Kaum haben Kate und Ben einen Informanten gefunden, der ihnen mehr über das Rätsel mitteilen kann, wird dieser nach einer Shakespeare-Vorlage getötet.

J. L. Carrell lässt ihren Thriller mit dem Brand des berühmten Globe-Theatre beginnen und dies zum einen mit dem ersten Brand 1613 und dem fiktiven Brand zu unserer Zeit. Die anfänglichen Wechsel zwischen den Jahrhunderten, in denen man nach und nach auch etwas mehr über das angebliche Meisterwerk erfährt, sind geschickt gelegt und so kommt schon frühzeitig Spannung auf. Auch der weitere Teil des Thrillers mit der Suche nach dem Geheimnis um Shakespeares-Identität, dass Kate und Ben bis nach Amerika führt, ist zumeist spannend umgesetzt.

Allerdings, und deswegen auch ein Punkt Abzug, sind die Informationen, welche man während des Lesens immer wieder von William Shakespeare erhält, stellenweise doch etwas detailverliebt. Man spürt hier deutlich, dass die Feder von einer absoluten Shakespeare-Expertin geführt wurde. Dies nimmt zwischenzeitlich immer mal wieder die Spannung heraus, obwohl die Story ansonsten wirklich interessant und unterhaltsam umgesetzt ist.

Ihre Protagonisten Kate und Ben beschreibt J.L. Carrell sehr sympathisch und facettenreich, stellenweise zwar etwas klischeehaft, aber da schaut man gerne mal darüber hinweg, da es der Story an sich nicht schadet. Sie versteht es aber auch geschickt, den Charakter von Ben etwas undurchsichtig darzustellen, sodass man sich eigentlich nie so ganz sicher sein kann, auf welcher Seite er jetzt steht. In Bezug auf den Shakespeare-Mörder gibt die Autorin sehr wenige Hinweise, sodass man eigentlich (so ging es mir zumindest) erst im letzten Drittel eine Ahnung erhält, um wen es sich handelt.

Fazit: Ein gut gelungenes Erstlingswerk. Für Fans von Shakespeare mit Sicherheit ein überaus spannender, unterhaltsamer Thriller. Für diejenigen, die sich eher weniger für Shakespeare interessieren, stellenweise etwas langatmig.