Leseempfehlungen

Montag, 26. Oktober 2009

{Rezension} Das große Spiel von Claude Cueni



Verlag: Heyne Verlag 
Tachenbuchausgabe: 448 Seiten
ISBN: 3453432770
Genre: Historischer Roman
Erscheinungsdatum: 02. Januar 2008
Preis: 8,95 €


Historischer Roman mit wahrem Hintergrund

Als der junge John Law Ende des 17. Jahrhunderts das Vermögen seiner Familie verspielt und dann noch bei einem Duell seinen Gegner tötet, muss er England verlassen. Auf seiner Flucht quer durch Europa kommt ihm die Idee, Papiergeld herzustellen. Doch zuerst stößt seine bahnbrechende Idee auf kein Interesse. Als er dann schließlich nach Frankreich kommt, trifft er dort den Herzog von Orléans und dieser kann sich mit der Idee von John anfreunden und die Beiden entwickeln sie weiter. 1716 ist es dann soweit und John Law gründet die Banque Royale und gibt das erste Mal Papiergeld aus. Schnell häuft er ein Vermögen an und wird zum reichsten Mann seiner Zeit. Doch wo viel Geld ist, da sind auch viele Neider und bald holt ihn seine Vergangenheit ein.
 
Claude Cuenis gibt dem Leser einen hervorragenden Einblick in die wahre Geschichte des John Law, dem Erfinder des Papiergeldes. Er stellt ihn als ein sympathisches, draufgängerisches Genie dar, der mit einer bewundernswerten Beharrlichkeit hinter seiner Idee steht. Anfangs noch ein arroganter junger Mann, dessen einzige Interessen das Glückspiel und die Frauen sind, wandelt sich John Law im Laufe des Romans zu einem gewissenhaften Familienvater, mathematischen Genie und Finanzjongleur, der jedoch seiner Spielsucht nie ganz entsagen kann.

Die politischen wie auch wirtschaftlichen Verhältnisse der damaligen Zeit erzählt der Autor sehr interessant und informativ, ohne dabei auch nur einmal langatmig zu werden. Sein Schreibstil ist zu jeder Zeit fesselnd und bildhaft, sodass man sich zu jeder Zeit sehr gut unterhalten fühlt.


Alles in allem ein wirklich packender, spannender und sehr unterhaltsamer historischer Roman mit einem wahren Hintergrund.


Sonntag, 25. Oktober 2009

{Rezension} Schlangenhaus von Sharon Bolton

Übersetzer: Marie-Luise Bezzenberger
Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
ISBN: 3442546346
Genre: Englischer Krimi
Erscheinungsdatum: 25. Mai 2009
Preis: 19,95 €

Merkwürdige Schlagenfunde in einem kleinen Dorf

Als die junge Tierärztin Clara Benning morgens von ihrer Nachbarin um Hilfe gebeten wird, ahnt sie noch nicht, dass es mit dem ruhigen Leben in dem englischen Dorf, in dem sie lebt, vorbei sein wird. Völlig aufgelöst teilt ihr ihre Nachbarin mit, dass sie eine Schlange im Kinderbett der kleinen Sophia gefunden hat. Clara gelingt es, die Giftschlange zu fangen, bevor sie das Baby beißen kann. Doch die merkwürdigen Schlangenfunde häufen sich in dem kleinen beschaulichen Dorf nähe Bristol und unweigerlich kommt es auch zu Todesfällen. Ist das Dorf nur Opfer einen ungewöhnlich hohen Schlangenpopulation in diesem Frühjahr oder aber setzt jemand mit Absicht Schlangen in verschiedenen Häusern des Dorfes aus.

Die merkwürdigen Schlangenfunde und das beharrliche Schweigen der älteren Einwohner in Bezug auf den Brand der Dorfkirche Ende der 1950er Jahre ruft Claras Neugier auf den Plan und schon schnell fängt sie auf eigene Faust an, Ermittlungen anzustellen. Unterstützt wird sie hier vom ortsansässigen Kriminalbeamten Matt Hoare und von dem etwas eigensinnigen Schlangenexperten Sean North. Und je tiefer Clara in die Vergangenheit des Dorfes eintaucht, umso verwirrender werden die Informationen, die sie erhält. Eindeutig scheint jedoch zu sein, dass der Brand der Kirche mit den merkwürdigen Todesfällen und den Schlangen in Verbindung steht.

Aus der Perspektive der jungen Clara erzählt Sharon Bolton ihren neuesten Thriller. Wobei man sich anfangs gar nicht so sicher ist, hier anstelle eines Thrillers einen Gruselroman in Händen zu halten. Die Story ist von Anfang an sehr mysteriös, gruselig und atmosphärisch sehr dicht umgesetzt und die Spannung ist praktisch von der ersten Seite an vorhanden und hält sich mühelos bis zum Ende. Da man während des Lesens ständig auf dem gleichen Wissensstand wie Clara ist, ist einem das Motiv und vor allem der oder die Täter bis kurz vor Ende nicht bekannt. Zusätzlich enthält die Story einige überaus überraschende Wendungen, sodass man öfters auf eine falsche Fährte gelockt wird.

Ihre Protagonistin Clara Benning beschreibt die Autorin als eine junge couragierte und extrem introvertierte junge Frau, die seit ihrer Kindheit im Gesicht gezeichnet ist und aus diesem Grund sehr zurückgezogen lebt und Menschen in der Regel lieber aus dem Weg geht. Worum es sich bei der Verunstaltung handelt und welche Umstände hierzu geführt haben, erfährt man erst fast zum Schluss der Geschichte. Der Schreibstil von Sharon Bolton ist von Anfang äußerst fesselnd und sehr bildhaft, sodass man sehr schnell ein Bild der mitwirkenden Personen erhält, die von der Autorin facettenreich, lebendig und stellenweise sehr undurchsichtig beschrieben sind.

Fazit: Nach "Todesopfer" ist Sharon wieder ein hervorragender Thriller gelungen, dem es mühelos gelingt, einen von der ersten bis zu letzten Seite zu fesseln. Zusätzlich erhält man noch einige interessante Informationen zum Thema "Schlangen", sei es über ihr Leben in der freien Wildbahn oder aber ihre religiöse Bedeutung bei den verschiedensten Kulturen.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

{Rezension} Die Toten schweigen nicht von Paul Cleave


Verlag: Heyne Verlag
Übersetzer: Frank Dabrock
Taschenbuchausgabe: 464 Seiten
ISBN: 3453433084
Genre: Thriller International / Neuseeland
Erscheinungsdatum: 01. September 2009
Preis: 8,95 €

Düsterer, überaus spannender Thriller

Was für den Ex-Cop und Privatdetektiv Theo Tate aus Christchurch, Neuseeland, morgens noch wie ein Routinejob aussieht, entwickelt sich für ihn zu einem wahren Alptraum. Tate wohnt auf dem ortsansässigen Friedhof der Exhumierung von Henry Martin bei. Doch anstelle des älteren Herrn liegt in seinem Sarg eine junge Frau und kurz darauf tauchen im nahe liegenden See mehrere Leichen auf. Der Privatdetektiv beginnt mit seinen Ermittlungen und muss schnell feststellen, dass er hier einem Serienmörder auf der Spur ist. Und eher er es sich versieht, hat er auch noch seine ehemaligen Kollegen gegen sich aufgebracht. Vollkommen auf sich alleine gestellt, ermittelt Tate unbeirrt weiter und weckt damit die Aufmerksamkeit des Mörders.

Nach dem Unfall seiner Familie ist Theodore Tate ein gebrochener Mann, der seinen Job als Polizist gekündigt hat und sich nun mehr schlecht als recht als Privatermittler über Wasser hält. Von Selbstvorwürfen zerrissen, "verbeißt" er sich regelrecht in den Fall und versucht mit allen Mitteln, den Serienmörder zu stellen.

Diese Verbissenheit und auch Verzweiflung von Tate wird von Paul Cleave nachvollziehbar und eindringlich beschrieben. Er lässt seinen Protagonisten selbst seine Geschichte erzählen und so erhält man sehr schnell einen Bezug zu Tate und schon fast Verständnis für sein Handeln. Die Stimmung des Thrillers ist von Anfang an bedrückend und düster; hierfür sorgt nicht nur die Jahreszeit (Herbst), sondern auch die stellenweise doch recht bizarren Beschreibungen einiger Szenen.

Motiv und Täter sind bis ganz zum Schluss, jedenfalls ging es mir so, absolut nicht zu erkennen. Erst im letzten 1/3 des Thrillers zeichnet sich ein Motiv für die Morde und auch eine Beziehung zwischen den Mordopfern ab. Hierdurch kann man dann auch recht schnell auf die Identität des Mörders schließen.

Die Spannung baut sich eigentlich von Beginn sukzessive auf und hält sich mühelos über den kompletten Thriller hinweg. Immer wieder neue Hinweise und Wendungen in der Story sind ebenfalls spannungsfördernd und die lange Ungewissheit auf Täter und Motiv tun ihr übriges, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann.

Fazit: Ein überaus spannender Psychothriller, der von der ersten Seite an überzeugt. Allerdings sind einige Szenen doch etwas bizarr und deswegen nicht unbedingt etwas für schwache Nerven bzw. Mägen.

Dienstag, 20. Oktober 2009

{Rezension} Das verlorene Symbol von Dan Brown


Gebundene Ausgabe: 768 Seiten
ISBN: 3785723881
Genre: Amerikanischer Thriller / Mystery
Erscheinungsdatum: 14. Oktober 2009
Preis: 26,00 €


Ganz in der Tradition von Iluminati und Sakrileg

Robert Langdon wird von seinem Freund Peter Solomon kurzfristig um einen Vortrag in Washington gebeten. Dort angekommen muss er jedoch feststellen, dass er einer Finte aufgesessen ist und ihn ein Unbekannter ins Capitol gelockt hat. Dieser Unbekannte, der sich Mal'akh nennt, fordert von Langdon die Entschlüsselung der Freimaurerpyramide, ansonsten würde Peter Solomon sterben. Als Beweis, dass dieser in seinem Gewahrsam ist, hat er unter der Rotunde des Capitols die rechte Hand von Peter Solomon gelegt. Zusammen mit Katherine, der Schwester von Peter, und verfolgt von der CIA, macht sich Langdon daran, das Geheimnis der Freimaurer zu lösen. Immer hin und hergerissen, hier wirklich das Richtige zu tun.

Ganz in der Tradition von "Illuminati" und "Sakrileg" ist  auch "Das verlorene Symbol" aufgebaut, sodass man häufig Parallelen zu den Vorgängern beim Lesen feststellt. Und auch, wenn der Aufbau der Geschichte den Vorgängern entspricht, gelingt es Dan Brown dennoch, den Leser recht schnell an das Buch zu fesseln, auch wenn ich anfangs ständig das Gefühl hatte, alles bereits irgendwo schon mal gelesen zu haben. Was der Spannung natürlich auch förderlich ist, sind die teilweise recht kurzen Kapitel, die generell immer an der interessantesten Stelle enden, sodass ein Weiterlesen stellenweise ein regelrechtes Muss ist!!

Dieses Mal thematisiert Dan Brown das Geheimnis der Freimaurer schlechthin, worauf ich hier aber der Spannung wegen nicht näher eingehen möchte. Und auch dieses Mal wird man beim Lesen regelrecht "überschwemmt" mit Hinweisen, sodass eigentlich ständig der Laptop in der Nähe sein muss, um Beschreibungen, Orte, Symbole etc. zu googeln, um so seinen Wissensdurst zu stillen. Der Autor schickt seine Protagonisten hier auf eine regelrechte Schnitzeljagd quer durch die Sehenswürdigkeiten und der Geschichte von Amerikas Hauptstadt und deren Gründerväter. Stellenweise sind die ganzen Informationen aber auch etwas überladen und nehmen die Spannung aus der Story, gerade am Anfang kam es mir so vor. Erst zur Mitte hin nahm die Story für meine Begriffe erst richtig an Fahrt auf und konnte dann auch überzeugen.

Dan Browns Schreibstil ist gewohnt flüssig, unterhaltsam, detailreich und bildhaft. Allerdings verzichtet er dieses Mal - anscheinend bewusst, da jeder Fan Sakrileg gesehen haben wird - auf die Charakterbeschreibung von Robert Langdon. Für Neueinsteiger und Nichtkenner des Films könnte es so etwas schwierig werden, sich ein Bild von ihm zu machen. Alle anderen Charaktere sind gewohnt facettenreich beschrieben. Hier sticht vor allem die Figur von Mal'akh hervor, dessen Leben und Beweggründe für sein Handeln einem im Laufe des Buches näher gebracht werden. Allerdings ist auch auffallend, dass fast alle Charaktere wieder früh durchschaubar und problemlos in Gut und Böse aufgegliedert werden können.

Alles in allem ist Dan Brown mit "Das verlorene Symbol" ein unterhaltsamer, spannender Thriller gelungen, der ganz in der Tradition von Illuminati und Sakrileg geschrieben ist. 

Für Fans mit Sicherheit lesenswert, wenn man allerdings die Vorgänger kennt, kann man auch beruhigt auf die Taschenbuchausgabe warten, da die Geschichte - abgesehen des sehr interessanten Freimaurerthemas - nicht wirklich neu ist.

{Rezension} Tief im Wald und unter der Erde von Andeas Winkelmann


Verlag: Goldmann Verlag 
Taschenbuchausgabe: 416 Seiten
ISBN: 3442469554 
Genre: Deutscher Thriller
Erscheinungsdatum: 10. August 2009
Preis: 8,95 €


Psychothriller mit Gruselfaktor

Als die junge Jasmin Dreyer an einem verlassenen Bahnübergang mitten im Wald nahe Lüneburg verschwindet, beginnen Hauptkommissarin Nele Karminter und ihre Kollegen mit den Ermittlungen. Schnell stellen sie eine Verbindung zwischen dem Verschwinden von Jasmin und einem tödlichen Unfall her, der sich vor einem Jahr ebenfalls an diesem Bahnübergang ereignete. Damals starben vier junge Menschen und alles deutete damals auf Alkohol am Steuer hin. Als binnen weniger Tage weitere Frauen verschwinden, steht die Polizei unter massiven Ermittlungsdruck. Da findet Tim Siebert, ein Kollege von Nele, plötzlich eine Spur, die ihn tief in den Wald führt.

Atmosphärisch dicht erzählt Andreas Winkelmann seinen Thriller, der mit dem Tod der vier jungen Menschen beginnt und fast sofort in das Verschwinden von Jasmin übergeht. So ist die Spannung praktisch von der ersten Seite an vorhanden, bedingt auch durch die anfangs fast schon gruselige Beschreibung des Täters. Stellenweise ist sie auch nur unterschwellig und subtil, aber doch zu jeder Zeit spürbar. Und so gelingt es dem Autor mühelos, bei einem während des Lesens eine beklemmende und düstere Stimmung aufzubauen.

Immer wieder wechselt Andreas Winkelmann die Perspektiven und lässt einem so bei den Ermittlungsarbeiten mit leben, auf der anderen Seite gewährt er dem Leser aber auch einen Einblick in das Leben des Täters und zeigt auf, welches Schicksal den vermissten Frauen bevorsteht. Diese Wechsel sind sehr gut gelegt und halten so die Spannung ebenfalls auf einem sehr hohen Niveau.

Seine Protagonistin Nele Karminter ist eine junge, engagierte und couragierte Ermittlerin, die sich gerade neu verliebt hat. Immer mal wieder zeigt der Autor auch eine private Seite von Nele, sodass man viel von ihrem Charakter erfährt und sie einem so sehr schnell symphatisch wird. Die anderen Charaktere sind ebenfalls gut herausgearbeitet, hier sei besonders die Figur des Täters erwähnt. Bei ihm handelt es sich um einem jungen Mann, der in seiner Kindheit von seinem Vater seelisch wie auch körperlich misshandelt wurde und dies beschreibt Andreas Winkelmann in Rückblenden so bedrückend und eindringlich, dass man schon fast Mitleid mit dem Täter haben könnte.


Fazit: Andreas Winkelmann hat mit "Tief im Wald und unter der Erde" einen überaus spannenden und teilweise auch gruseligen Psychothriller abgeliefert, der gerade abends einen dazu verleitet, immer mal wieder etwas tiefer unter die Decke zu kriechen.

Montag, 12. Oktober 2009

{Rezension} Hiobs Brüder von Rebecca Gablé

Gebundene Ausgabe: 912 Seiten
ISBN: 3431037917 
Genre: Historischer Roman
Erscheinungsdatum: 09. Oktober 2009
Preis: 24,99 €



Flucht von der Isle von Whitholm

Im Jahr 1147 wird der unter Fallsucht leidende Simon de Clare auf die Isle of Whitholm vor der Küste Englands verbannt. Dort trifft er auf weitere Leidensgenossen, die alle geistig oder körperlich behindert sind und auf der Inselfestung ein menschenunwürdiges Leben führen müssen. Hier lebt auch Losian, der sein Gedächtnis verloren und mehr oder weniger die Verantwortung für die Bewohner der Insel übernommen hat, zu denen u.a. der Massenmörder Regy, die siamesischen Zwillinge Godric und Wulfric, der am Down-Syndrom leidende Oswald und die geistig Verwirrten Edmund und Luke zählen. Als sich nach einer Sturmflut die Möglichkeit zur Flucht ergibt, ergreifen sie diese. Unter der Führung von Losian macht sich die Gemeinschaft auf den Weg nach East Anglia und je länger die Reise dauert, desto mehr erkennt Losian, dass er nicht ganz unschuldig an dem jahrelang andauernden Bürgerkrieg zwischen König Stephen und Kaiserin Maud ist.

Die Geschichte beginnt mit der Ankunft von Simon auf der Inselfestung und sein erstes Zusammentreffen mit King Edmund. Dieser bildet sich ein, der wiedergeborene "Heilige Edmund" zu sein und der es nicht leiden kann, wenn in seiner Gegenwart geflucht wird. Dann wird aus dem heiligen Mann ein unbarmherziger Schläger. Außerdem gibt es da noch den liebenswerten, gutmütigen Oswald, der total auf Losian fixiert ist; Luke, der glaubt, dass in seinem Bauch eine Schlange lebt; die gutmütigen, hilfsbereiten Zwillinge und Reginald de Warenne! Dieser wird in Ketten gehalten, da man ansonsten jederzeit damit rechnen muss, dass er einem an die Kehle springt. Bei seiner Charakterbeschreibung hatte ich immer Sir Anthony Hopkins mit langen Zottelhaaren und -bart vor Augen. Der eigentliche Protagonist des Romans ist aber Losian, ein gebildeter Mann Mitte Zwanzig, der sich an seine Vergangenheit nicht mehr erinnern kann und entsprechend mit seinem Schicksal hadert. Das einzige was er weiß ist, dass er wohl ein Ritter gewesen sein muss, der im Heiligen Land war. Aber selbst hiermit kann er sich nicht sicher sein. Im Lauf der Romans findet er sein altes Leben wieder, ob er hiermit jedoch noch zurechtkommt, erzählt Rebecca Gablé im Lauf ihres Romans. Und zu guter Letzt noch Simon de Clare. Ein junger Adliger, der sich mit seiner Krankheit abgefunden und damit umzugehen gelernt hat und sich im Lauf der Geschichte vom verwöhnten Jüngling zum gestandenen Mann entwickelt.

Wieder einmal gelingt es Rebecca Gablé praktisch von der ersten Seite an, einen mit in das mittelalterliche England zu nehmen. Farbenprächtig und bildgewaltig erzählt sie die Geschichte von Losian und seinen Gefährten und dies dazu noch so fesselnd, rasant und spannend, dass man das Buch wirklich mal wieder nur schweren Herzens zur Seite legen kann.

Während des Lesens kommt natürlich auch wieder ihr schier unerschöpfliches Wissen der englischen Geschichte zum Vorschein. Problemlos gelingt es der Autorin, die verwinkelten Verwandtschaftsbeziehungen des englischen Hochadels des 12. Jahrhunderts verständlich zu skizzieren und die vielen Ränkespiele zu beschreiben, ohne auch nur einmal langweilig zu werden; ganz im Gegenteil.

Interessant ist auch, dass dieses Mal - im Gegensatz zur Waringham-Trilogie (Das Lächeln der Fortuna, Die Hüter der Rose, Das Spiel der Könige) - mehr der Fokus beim einfachen Volk liegt. Und hier ganz besonders die Schwierigkeiten aufgezeigt werden, mit denen sich geistig- und körperlich behinderte Menschen zu dieser Zeit auseinandersetzen mussten oder einfach auch nur Menschen, die etwas anders waren als das "gemeine Volk". So galt man als Aussätziger, wenn man unter Epilepsie litt oder als Besessener, wenn man eine Amnesie hatte. Anschaulich ist hier die Macht der Kirche, explizit der Kirchenmänner beschrieben, die einfach so einen gesunden Menschen als geistig behindert "abstempeln" konnten.

Fazit: Alles in allem ist Rebecca Gablé wieder ein praller, farbenprächtiger Roman gelungen, von dem man sich sehr gerne für ein paar Tage in das mittelalterliche England "entführen" lässt.

Dienstag, 6. Oktober 2009

{Rezension} Der rote Schrei von Mary Willis Walker



Verlag: Goldmann Verlag 
Übersetzer: Anke Caroline Burger
Taschenbuchausgabe: 442 Seiten
ISBN: 3442553539
Genre: Amerikanischer Thriller
Erscheinungsdatum: 2004


Atmosphärisch dichter Psychothriller

Nach 10 Jahren soll der Serienmörder Louie Bronk in Huntsville/Texas für den Mord an Tiny McFarland endlich hingerichtet werden. Molly Cates hat als Journalistin den Fall begleitet und anschließend ein Buch über Louie und seine Morde geschrieben, dass jetzt veröffentlicht wurde. Um einen abschließenden Bericht für ihre Zeitung zu schreiben, vereinbart sie ein Interviewtermin mit Charlie McFarland, dem Ehemann der Ermordeten. Als sie bei seinem Anwesen eintrifft, findet sie Georgia, die zweite Frau von Charlie, auf die gleiche grausame Weise ermordet vor, wie damals Tiny. Und Molly erhält plötzlich Gedichte vom Meisterdichter, der sich mit dem Mord brüstet. Gibt es einen Nachahmungstäter oder hat Louie die Unternehmensgattin gar nicht ermordet. Dann geschieht noch ein Mord und Molly macht sich zusammen mit ihrem Exmann, dem Polizisten Grady Traynor auf die Suche nach der Wahrheit.

Atmosphärisch sehr dicht hat Mary Willis Walker ihrem Psychothriller umgesetzt. Man ist augenblicklich mitten in der Geschichte drin und möchte eigentlich gar nicht mehr aufhören zu lesen. Obwohl sie sich anfangs ein wenig Zeit lässt, um die Vorgeschichte zu erzählen und ihre Protagonisten vorzustellen, baut sich die Spannung doch kontinuierlich auf und hält sich mühelos bis zum Ende des Thrillers.

Ihre Protagonistin Molly Cates beschreibt die Autorin als eine Frau Anfang Vierzig, die mitten im Leben steht, sympathisch, selbstbewusst und resolut ist, ihre Unabhängigkeit und ihre erwachsene Tochter liebt und in ihrem Beruf aufgeht. Ihre Sturheit bringt sie des Öfteren in die eine oder andere verzwickte Situation, trotzdem steht sie aber zu ihrer Meinung und akzeptiert auch die entsprechenden Konsequenzen. Ihr Verhältnis zu ihrem Exmann Grady Traynor, Lieutenant bei der Polizei in Austin/Texas, ist freundschaftlich und knistert an der einen oder anderen Stelle doch noch sehr. Auch die weiteren Charaktere sind klar und detailreich skizziert, sodass man sich sehr schnell ein Bild von ihnen machen kann und ganz selbstverständlich die von der Autorin gewollten Antipathien bzw. Sympathien entwickelt und trotzdem bleiben aber auch einige Charaktere gewollt undurchsichtig, was die Spannung in Bezug auf den Mörder sehr hoch hält.

Die Handlung ist geschickt aufgebaut und interessante Wendungen lassen während des Lesens keine Langeweile aufkommen. In Bezug auf Mörder und Motiv "tappt" man lange im Dunkeln und mit diesbezüglichen Hinweisen geizt die Autorin doch sehr. So fesselt das Buch - auch bedingt durch die flüssige, lebendige Schreibweise der Autorin - mühelos bis zum Ende.

Sonntag, 4. Oktober 2009

{Rezension} Rettungslos von Simone van der Vlugt


Verlag: Diana Verlag
Übersetzer: Eva Schweikart
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
ISBN: 3453290658
Genre: Thriller International
Erscheinungsdatum: 23. Februar 2009
Preis: 17,95 €


Rettungslos einem Mörder ausgeliefert

Lisa lebt mit ihrer sechsjährigen Tochter Anouk in einem etwas abseits gelegenen Haus. Da die Kleine krank ist, hat Lisa ihre Tochter in der Schule abgemeldet und bei ihrer Firma Bescheid gegeben, dass sie 1 Woche Urlaub braucht. Genau in diese Zeit platzt der flüchtige Mehrfachmörder Mick Kreuger, überwältigt Lisa und nistet sich bei ihr und Anouk ein. Unter Todesangst und um Anouk zu schützen, geht Lisa auf alle seine Wünsche ein und unternimmt keinen Fluchtversuch. Am nächsten Tag verirrt sich die Journalistin Senta auf dem Heimweg. Durch Zufall trifft sie auf das Haus von Lisa. Als sie dort nach dem Weg fragen will, stellt sie fest, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Doch bevor sie die Polizei rufen kann, verunglückt sie mit ihrem Auto schwer.

Wie einen Paukenschlag lässt Simone van der Vlugt ihren Roman beginnen. Kaum hat man die erste Seite gelesen, befindet man sich auch schon mitten in der Geschichte. Was allerdings so rasant und fesselnd beginnt, lässt im Laufe der Handlung auch etwas nach und plätschert stellenweise nur so vor sich hin. Zum Ende hin zieht die Handlung dann wieder etwas an und wird stellenweise richtig spannend. Allerdings kommt meiner Meinung das Ende dann doch etwas abrupt und ist teilweise auch etwas unglaubwürdig umgesetzt.

Ihren Thriller (wobei er dies meiner Meinung nach nur bedingt ist) erzählt die Autorin aus Sicht von Lisa und Senta. Diese Erzählstränge wechseln sich ständig ab und sollten eigentlich für einen Spannungsaufbau sorgen, da jedoch die ganze Geschichte wenig Spannung enthält, entfällt das natürlich.

Die Charaktere von Lisa und Mick Kreuger sind überzeugend beschrieben und Simone van der Vlugt gelingt es mühelos, die beklemmende und ausweglose Situation von Lisa und Anouk anschaulich zu beschreiben. Auch der Charakter von Senta ist facettenreich dargestellt, allerdings kommt mir ihre Genesung dann doch etwas schnell vor und wirkt dadurch sehr konstruiert.


Die Geschichte ist meiner Meinung nach mehr ein Roman über eine Frau, die einem gefährlichen, psychisch kranken Mann hilflos ausgesetzt ist und keine Chance zum Entkommen hat. So erzählt Lisa dem Mörder alles was er hören möchte, nur um ihr Leben und vor allem das ihrer kleinen Tochter zu schützen. Dies ist zwar anschaulich, einfühlsam und nachvollziehbar erzählt, aber eben kein Thriller. Da hätte man die Story etwas anders anlegen müssen.

Freitag, 2. Oktober 2009

{Rezension} Seelenruhig von Andrea Vanoni


Verlag: Diana Verlag
Taschenbuchausgabe: 480 Seiten
ISBN: 3453352203 
Genre: Deutscher Krimi
Erscheinungsdatum: 05. Januar 2009
Preis: 8,95 €


"... Die Blumen des Bösen ..." 

Hauptkommissarin Paula Zeisberg aus Berlin hat einen neuen Fall. Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin wurde in einer Gruft die grausam entstellte Leiche einer jungen Frau gefunden. Bei der anschließenden Obduktion stellt man fest, dass die junge Frau von einem "Fachmann" teilweise gehäutet wurde und Folterungen erdulden musste, die man aus dem Mittelalter kennt. Mit Hochdruck beginnen Paula Zeisberg und ihr Team mit den Ermittlungen. Diese verlaufen zunächst erfolglos bis ein weiterer Mord geschieht und Parallelen zum Tod einer jungen Frau im letzten Jahr festgestellt werden. Ist hier ein Serienmörder am Werk?

Der neue Krimi von Andrea Vanoni benötigt Zeit, bis er wirklich spannend wird. Zwar geschieht der erste Mord gleich zu Beginn, allerdings nehmen die anschließenden Ermittlungsarbeiten unnötig viel Raum in Anspruch. Wobei diese jedoch nicht wirklich langweilig beschrieben sind, sondern durchaus interessant und unterhaltsam und so ganz nebenbei erfährt man auch noch ein wenig über das Privatleben der mitwirkenden Personen. Aber erst als der zweite Mord geschieht, nimmt die Story endlich Fahrt auf und wird dann auch richtig fesselnd. Während des ganzen Krimis ist man ständig auf dem gleichen Wissenstand wie die ermittelnden Beamten, sodass ein Mitraten in Bezug auf Mörder und Motiv bis zum Ende hin möglich ist. Und hier gibt die Autorin immer mal wieder winzig kleine Hinweise auf verschiedene Personen, aber richtig sicher kann man sich eigentlich bis zum Ende nie sein.

Ihre Protagonistin Paula Zeisberg beschreibt die Autorin als eine sympathische, selbstbewusste und humorvolle Frau Mitte Dreißig, die eine Beziehung mit ihrer Jugendliebe pflegt, der die meiste Zeit beruflich auf Reisen ist uns sie sich deswegen kaum sehen. Paula vermisst Jonas zwar, ist aber auch mit ihrem unabhängigen Singleleben zufrieden. Zu ihren Kollegen wie auch zur Staatsanwältin Chris Gregor pflegt sie ein lockeres, freundschaftliches Verhältnis. Ihre Beziehung zur neuen Gerichtsmedizinerin Martina Weber ist noch ein wenig distanziert, jedoch hat sie sich schnell mit deren Bruder Stephan angefreundet und nimmt sein Angebot, ihr ihre neue Wohnung zu streichen, dankbar an.


Alles in allem ein recht unterhaltsamer, zum Ende hin wirklich spannender Krimi mit einem gruselig, schaurigen Thema aus dem man hätte mehr machen können.
 

Dienstag, 29. September 2009

{Rezension} Rattentanz von Michael Tietz


Gebundene Ausgabe: 840 Seiten
ISBN: 3937357378
Genre: Deutscher Thriller / Endzeitthriller
Erscheinungsdatum: 12. Januar 2010 / 3. Auflage
Preis: 22,80 €


Dummejungenstreich entwickelt sich zum Super-Gau

Zwei Teenager haben nichts für Biologie und Geschichte übrig und entwickeln einen Virus, der am Tag der Prüfungen den Schulcomputer ihres Gymnasiums lahm legen soll. Allerdings unterläuft ihnen ein kleiner, aber schwerwiegender Fehler. Anstelle dem Virus für seine Verbreitung 40 Tage Zeit zu geben, verirrt sich noch eine Null an die Zahl und so aktiviert er sich erst nach 400 Tagen. Und somit hat er mehr als genug Zeit, sich in der ganzen Welt zu verbreiten, bis er am 23. Mai aktiv wird und das Stromnetz der gesamten Welt außer Kraft setzt.

Was für eine Idee! So einfach wie genial! Haben wir uns nicht alle schon mal überlegt, was passiert, wenn die Strom- und Wasserversorgung komplett ausfällt? Ohne Licht, Strom, Wasser, Handy, PC, Radio, Fernseher, Geld etc. auskommen zu müssen und somit auch ohne Nachrichten und Informationen zu sein und nicht zu wissen, was los ist? Welche Auswirkungen dies alles auf unser heutiges Leben hat? Genau diesen Alptraum schildert Michael Tietz in seinem Debütroman. Und dies mit einer Intensität, dass einem nur angst und bange werden kann.

Überdeutlich skizziert er ein Szenario, in dem die Spezies Mensch sich auf das einzige konzentriert, was wichtig ist: Um jeden Preis das eigene Überleben sichern. Eindringlich und erschrecken zeichnet er ein Bild des Chaos. Schon wenige Stunden nach dem Stromausfall beginnen die Plünderungen, ein Menschenleben zählt nicht mehr, die Polizei ist machtlos und was wir unter Zivilisation verstehen, existiert plötzlich nicht mehr. Allerdings zeigt er auch, dass trotzdem die Menschlichkeit noch zählt. So rücken die Menschen in ihrer Notlage enger zusammen und unterstützen sich gegenseitig. Aber natürlich gibt es auch hier immer wieder welche, die nur ihre eigenen Interessen vor Augen haben.

Den "roten Faden" des Buches bilden die Einwohner des kleinen Dorfes Wellendingen im Schwarzwald. Ihre Charaktere beschreibt er so facettenreich und vor allem realistisch, dass man sich schnell in einzelne Personen hineinversetzen kann bzw. Charaktere erkennt, denen man selbst schon begegnet ist. Also Menschen, wie Du und Ich. Wirkliche Protagonisten in der Geschichte gibt es nicht wirklich, da einfach zu viele unterschiedliche Personen mitwirken. Das Hauptaugenmerk liegt aber meist bei Eva Seeger, ihrem Mann Hans und ihrer Tochter Lea. Eva arbeitet als Krankenschwester im benachbarten Donaueschingen und während ihre Tochter bei den Nachbarn gut aufgehoben ist, versucht sie mit Hilfe des Polizisten Joachim Beck sich zu Fuß die knapp 30 km nach Wellendingen durchzuschlagen. Was sich beileibe einfacher anhört als es ist. Ihr Mann Hans befindet sich dienstlich in Schweden und seine "Reise" nach Hause wird ebenfalls sehr eindringlich geschildert.

Fazit: Alles in allem ein faszinierender, beklemmender und äußerst spannender Thriller, der uns ein ums andere Mal den Spiegel vorhält und nach Beendigung nachdenklich zurücklässt.

Mittwoch, 23. September 2009

{Rezension} Survivor von Tom Cain

Übersetzer: Angela Koonen
Taschenbuchausgabe: 480 Seiten
ISBN: 3404162714
Genre: Thriller Allgemein
Erscheinungsdatum: 28. Juli 2009
Preis: 8,95 €


Beschwerlicher und zäher Weg zurück ins Leben

Samuel Carver befindet sich nach den Folterungen, die ihm im Vorgängerbuch zugefügt wurden, in einem Genfer Sanatorium. Hilflos und verängstigt versucht er mühevoll, zu seinem alten Leben zurückzufinden. Scheinbar aussichtslos. Einzig seine Freundin Aliks und sein bester Freund Larsson unterstützen ihn. Zur gleichen Zeit verschwindet eine Liste aus Russland, in der die Koordinaten und die Codes von 100 russischen Kofferatombomben aufgeführt sind, die rund um den Erdball platziert wurden. Waylon McCabe, ein Top-Terrorist, setzt alles daran, diese Liste zu erhalten, um sie an Ostern zeitgleich zu zünden. Und er hat Hilfe aus allerhöchsten Kreisen. Diese Aktivitäten bleiben jedoch nicht unentdeckt und rufen neben dem russischen auch den englischen und amerikanischen Geheimdienst auf den Plan. Allerdings weiß bis auf einen Mann niemand, wie McCabe aussieht. Doch dieser liegt immer noch im Genfer Sanatorium und versucht, sein Gedächtnis wiederzuerlangen.
 
Im Gegensatz zum Vorgänger "Target" benötigt der Thriller dieses Mal geraume Zeit, bis sich die Spannung aufbaut. "Survivor" steigt genau da ein, wo der Vorgänger aufgehört hat und so kann man erst einmal mit verfolgen, wie Aliks bemüht ist, die teuren Sanatoriumskosten für Carver aufzubringen. Während dieses Bemühens setzt sich Olga Schukowskaja, die stellvertretende russische Geheimdienstchefin und ihre ehemalige Vorgesetzte, mit ihr wegen eines neuen Auftrags in Verbindung. Im Gegenzug würde der Geheimdienst die Kosten für Carvers Klinikaufenthalt übernehmen. Aliks bleibt nichts anderes übrig, als hierauf einzugehen. Als Carver feststellt, dass Aliks ihn nicht mehr besucht, erleidet er einen Schock, der ihm sein Gedächtnis wieder zurückbringt und mit Hilfe seines Freundes Larsson findet er zu seinen alten Kräften zurück. Dann macht er sich auf die Suche nach Aliks. Hierbei wird er vom englischen Geheimdienst unterstützt, die sich aber natürlich diese Hilfe auch "bezahlen" lassen.

So schön so gut! Allerdings kam mir die abrupte Heilung von Carver dann doch etwas plötzlich und unglaubwürdig vor. Mag sein, dass Schockmomente zur Heilung einer Amnesie wirkungsvoll sind, aber das war dann doch etwas zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Und dass Carver binnen drei Wochen wieder so fit und ohne jegliche psychischen Probleme sein soll, obwohl er ein halbes Jahr nur bettlägerig und psychisch labil war, na ja! Aber Schwamm drüber, bei einem Actionthriller zählt nicht immer unbedingt die Logik, da ist die Spannung wichtiger. Und an dieser Stelle - etwa ab der Hälfte des Buches - fängt wenigstens die Story auch an, richtig spannend zu werden und das Niveau von "Target" zu erreichen.

Man trifft während des Lesens auf viele alte Bekannte aus dem Vorgänger wieder, aus diesem Grund wäre es auch sinnvoll, zuerst diesen zu lesen, da ansonsten einiges etwas unklar sein könnte. Was mich jedoch auch etwas gestört hat war, dass die Figur von Carver dieses Mal seltsam blass bleibt. Hatte man im 1. Teil sofort einen Bezug zu ihm erhalten, bleibt er hier ziemlich konturenlos. Genauso erging es mir auch bei Aliks. Ihr Verhalten ist zwar schlüssig erklärt, aber irgendwie bleibt ihre Figur oberflächlich.


Die Handlungsstränge um Carver, Aliks und McCabe verknüpfen sich im Lauf des Thrillers und Tom Cain gelingt es wieder gut, Fiktion und Wahrheit eines brisanten Themas in einen spannenden Thriller zu packen. Und so ist ihm alles in allem ein guter Thriller gelungen, der durch seinen schnörkellosen, direkten Schreibstil recht gut unterhält. Aber auch nicht mehr.

Montag, 21. September 2009

{Rezension} Tödliche Gaben von u.a. Simon Beckett, Oliver Bottini, Sebastian Fitzek, Felicitas Mayall ...

 
Gebunene Ausgabe: 224 Seiten
ISBN: 3805208839
Genre: Thriller Allgemein / Kurzgeschichten
Erscheinungsdatum: 28. September 2009
Preis: 14,90 €

Kurzgeschichten zur Weihnachtszeit

Das dünne, gebundene Buch umfasst rund 200 Seiten und enthält insgesamt elf Weihnachtskurzgeschichten von namhaften Autoren samt deren Vita. Mit der Kurzgeschichte von Simon Beckett wird für dieses Buch geworben und auch die Aufmachung lässt einen in dem Glauben, dass es sich hier um einen neuen David-Hunter-Thriller handelt. Weit gefehlt!

Simon Beckett – Schneefall
Die Kurzgeschichte ist gerade mal 10 Seiten lang und David Hunter ermittelt in den Highlands. Dort wurden die Leichen einer Frau und einem Baby gefunden. Durch die Kürze der Geschichte kommt absolut keine Spannung auf, sondern man hat das Gefühl, dass Simon Beckett hier ein Kapitel für seinen neuen Thriller geschrieben hat.
1 Stern

Oliver Bottini – Die Rückkehr des Mörders
Der 24 Seiten umfassende Krimi fesselt einen schon nach der ersten Seite. Hier merkt man deutlich, dass einer der besten deutschen Autoren am Werk ist. Erzählt wird die Geschichte eines Kommissars, der vor rund 14 Jahren einen Mörder ins Gefängnis gebracht hat und dieser, jetzt vorzeitig entlassen, sich auf dem Weg in seine Heimatstadt befindet.
5 Sterne

Chris Mooney – Verfluchte Liebe
Darby McCormick wurde bei einem Einsatz vor einigen Monaten schwer verletzt. In ihrem aktuellen Fall muss sie sich noch einmal mit den damaligen Ermittlungen auseinandersetzen und gerät dabei selbst wieder in Gefahr. Atmosphärisch dicht und beklemmend erzählt Chris Mooney seinen Thriller, der einem die Angst von Darby deutlich spüren lässt.
4 Sterne

Friedrich Ani – Wo es dem Verbrecher schmeckt
Ruhig und trotzdem sehr unterhaltsam und spannend erzählt Friedrich Ani seinen Krimi, der um die Gier nach Geld gute Freunde zu Mördern werden lässt.
4 Sterne

Linwood Barclay – Wichteltod
In der Ich-Form lässt der Autor seinen Protagonisten seine Geschichte erzählen. Und so berichtet Zack dem Leser auf sehr unterhaltsame, spannende und stellenweise witzige Art und Weise seine Story. Dabei erfährt der Leser, wie ein toter Wichtel in den Kofferraum seines Autos gekommen ist.
5 Sterne

Leena Letholainen – Die Weihnachtssterne
Selbst an Heiligabend muss Maria Kallio ermitteln. Die kleine Tochter ihres Exfreundes wurde entführt und Maria begibt sich auf rund 20 Seiten auf die Suche nach seiner kleinen Tochter. Gewohnt spannend und lebendig hat Leena Letholainen ihren Kurzkrimi angelegt.
4 Sterne

Felicitas Mayall – Euer Wille geschehe
In ihrer Kurzgeschichte, die im Winter in München spielt, lässt die Autorin den Leser an den Gedanken und Wanderungen ihres Protagonisten Pater Ignazius teilhaben. Nicht wirklich spannend und stellenweise ermüdend.
2 Sterne

Jay Bonansinga – Der wahre Grund der Great Depression
Über 40 Seiten berichtet der Autor sehr unterhaltsam und spannend dem Leser, wie es „wirklich“ zur Großen Depression in Amerika des 20. Jahrhunderts kam. Absolut lesenswert
5 Sterne

Veit Heinichen – Der Baum
Kurz vor Weihnachten geraten die Töchter von Commissario Laurenti in Triest in eine Polizeikontrolle und rufen ihren Vater um Hilfe. Eine Rolle spielt hierbei noch ein Tannenbaum. Ganz nett und unterhaltsam, mehr aber auch nicht.
2 Sterne

Kate Pepper – Mit einem Schlag
Eine totkranke Sekretärin, ein verschlagener Chef und ein 2 Millionen Dollar Scheck. Kurz, spannend, unterhaltsam und nicht vorhersehbar.
4 Sterne

Sebastian Fitzek – Allein
Als der Psychotherapeut Jacob Sinner nach einem Spaziergang mit seinem Basset Romulus nach Hause kommt, sitzt ein Fremder in seinem Wohnzimmer. Angeblich wäre er sein Gewissen. Beklemmend, undurchsichtig, spannend und das Ende etwas rätselhaft.
4 Sterne

Alles in allem ein unterhaltsames Buch, in dem einige wirklich spannende Kurzgeschichten enthalten sind. Leider war ich bei der Vorbestellung des Buches auch der festen Überzeugung, dass es sich hierbei um einen neuen David-Hunter-Roman handeln würde. So war die Enttäuschung bei der Lieferung natürlich entsprechend groß. Allerdings hat sich meine Enttäuschung nach Beenden des Buches etwas gelegt.
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Was ich jedoch nicht so ganz verstehe, warum der Verlag das Buch jetzt schon heraus gebracht hat. Da die Geschichten ausschließlich um die Weihnachtszeit spielen, bietet sich das kleine Büchlein perfekt als Mitbringsel in der Adventszeit bzw. als Weihnachtsgeschenk an. Und da wir ja jetzt nach wie vor noch schöne warme Tage haben, fällt es einem doch stellenweise recht schwer, sich in die einzelnen Geschichten hinein zu versetzen. Hier hätte man doch ein wenig die Jahreszeit bei der Veröffentlichung beachten sollen.
 



Samstag, 19. September 2009

{Rezension} Verborgene Kammer von Corinna Kastner

Taschenbuchausgabe: 592 Seiten
ISBN: 340416279X 
Genre: Mystery Roman
Erscheinungsdatum: 12. Mai 2009
Preis: 8,95 €


Welches Geheimnis verbirgt die Kranichburg?

Stralsund im Sommer 2007. Die junge Schriftstellerin Viktoria Brand beendet ihre Lesereise und hängt noch ein paar Tage Urlaub im benachbarten Wustrow an. Bei einem Spaziergang entdeckt sie das Bild einer unbekannten Künstlerin, das sie sofort fasziniert kauft. Wieder daheim erfährt sie, dass der Kanzleipartner ihrer besten Freundin verstorben ist und der alte Herr ihr und einem ihr fremden Mann ein Haus mit Namen "Kranichburg" in Wustrow vermacht hat. Einzige Auflage: Sie muss mit Roman Marendorff zwei Monate zusammen in der Kranichburg leben. Obwohl sich weder Viktoria noch Roman einen Reim darauf machen können, warum ausgerechnet sie das Haus erben sollen, erklären sie sich doch mit den Bedingungen einverstanden und ziehen in die Kranichburg. Und hier entdecken sie ein Geheimnis, dass bis weit in die Vergangenheit zurückführt, in der auch das Bild, welches Viktoria so fasziniert hat, eine Rolle spielt.

Der Autorin ist es gelungen, ein Buch zu schreiben, dass gleichzeitig Krimi, Liebesroman und Familiensaga ist. Der Verlag bezeichnet das Buch als Romantik-Thriller, obwohl Thriller dann in meinen Augen doch etwas anderes ist. Aber über eins war ich mir nach den ersten Seiten absolut sicher: Hier einen wirklich exzellent geschriebenen Roman in den Händen zu halten.

Corinna Kastner beherrscht es perfekt einen sofort an das Buch zu fesseln. Ihr Schreibstil ist lebendig und so bildhaft, dass man sich problemlos die Gegend um Stralsund und vor allem die Kranichburg mit ihrem verwunschenen Garten vorstellen kann. Gleich schon zu Anfang versteht sie es geschickt, die Neugier ihrer Leser zu wecken. Und auch, wenn es ein wenig dauert bis die Story dann richtig losgeht, wird es einem zu keiner Zeit langweilig. Ab etwa der Mitte des Buches erhält die Geschichte noch einen zusätzlichen Handlungsstrang, der zu Anfang des 20. Jahrhunderts spielt und die Geschichte von Marie und Doro erzählt. Und ab diesem Zeitpunkt ist es fast unmöglich, dass Buch noch aus der Hand zu legen. Während des Lesens ist man ständig am Miträtseln, wie nun die Geschichte rund um Marie und Doro weitergeht und welche Geheimnisse unbedingt verborgen bleiben sollen. Das Ende ist dann wirklich überraschend und eigentlich nicht voraussehbar.

Mühelos gelingt es Corinna Kastner auch, ihren Charakteren Konturen zu geben. Ihre Protagonistin Viktoria beschreibt sie als eine Frau Mitte Dreißig, die recht erfolgreich ihrem Beruf als Schriftstellerin nachgeht, außer ihrer besten Freundin Melli so gut wie keine Freunde hat und gerade eine langjährige Beziehung mit Mellis Bruder Henrik beendet hat. Roman ist ein erfolgreicher PR-Berater, der momentan im Meeresmuseum in Stralsund arbeitet und anfangs sehr undurchsichtig und verschlossen, ansonsten aber als sympathischer Mann Ende Dreißig dargestellt wird. Natürlich darf die obligatorische Liebesgeschichte zwischen den Beiden nicht fehlen, diese ist aber eher zweitrangig, im Vordergrund steht eindeutig die Auflösung um Maries rätselhaftes Leben.

Fazit: Corinna Kastner hat mit "Die verborgene Kammer" einen überaus spannenden und mysteriösen Roman geschrieben, der einen mühelos von der ersten Seite an fesselt.

Dienstag, 15. September 2009

{Rezension} Die 7 Sünden von James Patterson


Verlag: Limes Verlag
Übersetzer: Leo Strohm
Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
ISBN: 380902550X
Genre: Amerikanischer Thriller
Erscheinungsdatum: 20. Juli 2009
Preis: 19,95 €


Die Luft ist raus

In der Umgebung von San Francisco werden reiche Ehepaare in ihrem Haus gefesselt zurückgelassen, während es in Brand gesteckt wird. Welches Motiv hinter diesen brutalen Morden steht ist für Lindsay Boxer und ihrem Kollegen Richard Conklin nicht ersichtlich und die Ermittlungen verlaufen anfangs im Sande. Gleichzeitig ist vor einigen Monaten der junge, schwer herzkranke Michael Campion verschwunden, dessen Leben sich von klein auf in der Öffentlichkeit abspielte. Als ein Zeuge auftaucht und Informationen präsentiert, die nie veröffentlicht wurden, gehen Lindsay und Richie der Spur nach. Diese führt sie zur Edel-Prostituierten Junie Moon.

So viel zu den beiden Fällen, die von Lindsay und ihrem Kollegen bearbeitet werden, in die aber natürlich auch wieder der komplette Womens Murder Club mal mehr, mal weniger involviert ist. Und so erhält man auch wieder ein wenig Einblick in das Privatleben der Frauen, wobei der Fokus dieses Mal neben Lindsay bei Yuki Castellano liegt.

Ja, und eigentlich geht man davon aus, wieder einen mega spannenden und atmosphärisch dichten Thriller rund um Lindsay und ihren Freundinnen in Händen zu halten. Aber weit gefehlt. Ich habe das Buch nach Beendigung ziemlich enttäuscht beiseite gelegt. Ja, die Story ist spannend und intelligent angelegt, keine Frage. Aber die Figuren, allen voran Lindsay, bleiben blass und fad. Durch die kurzen Kapitel liest sich das Buch recht schnell und flüssig, aber man erhält einfach keinen Bezug zur Story, sie wirkt abgehackt und atmosphärisch dicht umgesetzt ist wirklich etwas anderes.


Ich kann auch nicht unbedingt behaupten, dass ich mich während des Lesens gelangweilt habe, aber bei diesem Thriller handelt es für mich um so ein Buch, bei dem ich in 2 Wochen definitiv nicht mehr sagen kann, um was es in der Story ging. James Patterson gelingt es zu keiner Zeit, einen richtig an das Buch zu fesseln, zumal das Ende teilweise voraussehbar ist. So wirkt der Thriller wie jede x-beliebige Story. Nett, spannend, aber auch schnell wieder vergessen.


Sonntag, 13. September 2009

{Rezension} Splitter von Sebastian Fitzek


Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
ISBN: 3426198479
Genre: Deutscher Thriller / Psychothriller
Erscheinungsdatum: 02. Juni 2009
Preis: 16,95 €

Vergessen ... oder lieber doch nicht?!

Wie wäre es, wenn man alle schlechten, traurigen und peinlichen Erinnerungen einfach für immer vergessen könnte? Müsste doch eigentlich fantastisch sein. Man geht unbeschwert durchs Leben, muss sich keine Gedanken über sein Verhalten machen und wäre einfach nur glücklich und zufrieden. Oder aber brauchen wir diese Erinnerungen? Formen sie nicht unser Ich? Werden wir nicht erst auch durch unsere negativen Erfahrungen zu dem, was wir heute sind? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der neue Psychothriller von Sebastian Fitzek.

Marc Lucas ist ein gebrochener Mann. Durch einen Autounfall hat er seine Frau und sein ungeborenes Baby verloren. Er kam bei dem Unfall relativ glimpflich davon, nur ein kleiner Splitter steckt in seinem Nacken nahe an der Wirbelsäule. Um das „Wandern“ dieses Splitters zu verhindern, muss er regelmäßig Tabletten nehmen. Aus lauter Verzweiflung hatte er auf eine Annonce geantwortet, in der eine Privatklinik verspricht, unangenehme Erlebnisse mit Hilfe von Tabletten, die eine Teilamnesie herbeiführen, vergessen zu lassen. In seiner Verzweiflung antwortet er auf diese Annonce und der Alptraum beginnt.

Sebastian Fitzek hat wieder einmal einen atmosphärisch sehr dichten Psychothriller abgeliefert, der einen sofort fesselt und nicht mehr loslässt. Die Geschichte beginnt mit dem Ende, ohne dies jedoch zu verraten, aber schon ahnen lässt, dass man hier in einem Alptraum hineingeraten ist. Die Handlung ist für den Leser genauso verwirrend und beängstigend wie für seinen Protagonisten Marc. Man hat zu keiner Zeit des Buches auch nur die geringste Ahnung, worauf der Thriller hinausläuft. Und das erhöht die Spannung extrem, zumal die Atmosphäre der Story zu jeder Zeit sehr beklemmend und düster ist.

Allerdings bin ich bei dem Ende etwas Hin- und Hergerissen. Zum einen wirkt die Lösung für diese rasante Story etwas zu einfach, obwohl sie absolut glaubwürdig und schlüssig erklärt wird. Auf der anderen Seite zeigt Sebastian Fitzek hier mehr als deutlich, dass eine für die Betroffenen „einfache“ Lösung eines Problems total aus dem Ruder laufen kann.


Alles in allem ist Sebastian Fitzek mit „Splitter“ ein überaus spannender Psychothriller gelungen, der einen auch nach Beenden des Buches so schnell nicht mehr loslässt.

Mittwoch, 9. September 2009

{Rezension} Die Frau des Zeitreisenden von Audrey Niffenegger


Übersetzer: Brigitte Jakobeit
Gebundene Ausgabe: 832 Seiten
ISBN: 3596509831
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 13. Dezember 2006
Preis: 10,00 €


 Eine Geschichte, zum Träumen schön

Henry ist ein Zeitreisender! Durch einen Gendefekt hat er die Möglichkeit, ständig zwischen den Zeiten zu reisen. Auf einer dieser Reisen lernt er seine spätere Frau Clare kennen. Er ist 36 und Clare gerade sechs Jahre als sie sich das erste Mal begegnen. Immer wieder kehrt er als Erwachsener zur ihr zurück, während Clare langsam heranwächst. Irgendwann treffen sie dann endlich im Chicago der Gegenwart.

Henry leidet an dem sogenannten Chrono-Syndrom, was für ihn bedeutet, dass er seit jüngster Kindheit die Möglichkeit hat, durch die Zeit zu reisen, dies jedoch nie beeinflussen kann und somit nie weiß, in welcher Zeit er landet, noch wann die Zeitreise passiert. Und so trifft er sich auch des Öfteren als Kind, Jugendlichen oder als Erwachsenen selbst und immer wieder führt sein Weg zu Clare.

Die Handlung wechselt ständig zwischen Vergangenheit, Gegenwart und manches Mal auch der Zukunft und erzählt einem so nach und nach die Geschichte von Clare und Henry. Was bei der Zeitreise etwas erschwerend für Henry hinzukommt, ist, dass er jedes Mal nackt ankommt. So hat er das ein oder andere Mal recht pikante und auch brisante Erfahrungen zu machen. Da er natürlich dann auch über kein Geld verfügt, bringt ihn dies öfters mit der Polizei in Berührung, wenn er mal wieder versucht, sich etwas Geld und Kleidung zu beschaffen. Diese Szenen sind stellenweise sehr humoristisch von der Autorin beschrieben, vor allem, wenn er vor den Augen der Polizisten plötzlich wieder verschwindet.

Der Roman hat allerdings auch traurige und nachdenkliche Momente. So erzählt er sehr anschaulich auch die Schwierigkeiten von Henry, seinem Freundes- und Bekanntenkreis die Zeitreisen zu erklären, oder aber auch bei manchen Personen aus bestimmten Gründen, dies vor ihnen geheim zu halten. Was natürlich häufig zu Missverständnisse und Unverständnis führt. Auch bewerkstelligt die Autorin es problemlos, einem die Zeitreisen realistisch und erklärbar zu vermitteln, so hat der Roman rein gar nichts mit Science Fiction zu tun.

Herrlich erfrischend und keine Spur kitschig vermittelt Audrey Niffenegger einem ihre Liebesgeschichte von Clare und Henry. Diese wird mal aus Sicht von Clare berichtet, mal kann man Henrys Erinnerungen verfolgen. Die Gefühle von Clare und Henry zueinander, die Sorgen von Clare um Henry, wenn er wieder tagelang verschwunden ist und Henrys Versuche, sich gegen die Zeitreisen zu wehren, sind detailreich und lebendig beschrieben und so nehmen ihre Charaktere während des Lesens schnell Konturen an.

Fazit: Alles in allem ein wunderschöner Roman, der einen schmunzeln lässt, nachdenklich stimmt, zum Weinen bringt und einen die Zeit vergessen lässt.

Dienstag, 8. September 2009

{Rezension} Der Anwalt von John Grisham



Verlag: Heyne Verlag 
Übersetzer: Imke Walsh-Araya, Bea Reiter, Bernhard Liesen
Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
ISBN: 3453266153
Genre: Amerikanischer Thriller / Justizthrller
Escheinungsdatum: 10. August 2009
Preis: 21,95 €


Alles, nur kein Justiz-Thriller

Kyle McAvoy ist ein junger, erfolgsversprechender Jurastudent kurz vor seinem Abschluss, der Angebote von den erfolgreichsten Anwaltskanzleien der USA bekommen hat. Er jedoch möchte einige Jahre in einer kleinen Organisation arbeiten, die sich für die Rechte der armen Bevölkerung einsetzt. Eines Tages erhält er Besuch von Bennie Wright. Dieser präsentiert ihm ein Video, in dem Kyle die Mitwisserschaft an einer Vergewaltigung vorgeworfen werden kann und somit wären seine beruflichen Ziele zerstört. Um die Veröffentlichung zu verhindern, müsste er das Angebot einer der renommiertesten Anwaltskanzleien in New York annehmen und Wright Informationen zu einem bestimmten Fall zukommen lassen. Da er für sich keine andere Möglichkeit sieht, nimmt Kyle diese Spionagearbeit an.

Geschickt spielt John Grisham in seinem neuesten Thriller mit der Neugier des Lesers. Die Handlung beginnt gleich mit dem Treffen von Kyle mit seinem Erpresser Wright, der seine Identität und seine Auftraggeber nicht preisgibt. Überzeugend skizziert er Kyle die Folgen, wenn er seinem perfiden Spiel nicht zustimmt und man kann während dieser Szenen sehr gut die Wut und Hilflosigkeit von Kyle spüren, diesem Mann ausgeliefert zu sein. Notgedrungen nimmt er die Anwaltsstelle bei Scully & Pershing an und hier beschreibt der Autor sehr anschaulich, die Ausbeutung der Junganwälte und deren stressiges und unter Schlafmangel leidendes Leben. Dabei schöpft John Grisham verständlicherweise aus dem Vollen und dies ist wirklich unterhaltsam umgesetzt.

Allerdings wäre Kyle nicht von so einer renommierten Kanzlei eingestellt worden, wenn er nicht intelligent und clever wäre und so fängt er nach und nach an, Material gegen diese mysteriöse Organisation zu sammeln. Ihm ist von Anfang an bewusst, dass jeder seiner Schritte von Wright und seinen Leuten beobachtet und dokumentiert wird und so muss er alle Register ziehen, um dies so unauffällig wie möglich zu tun. Hierbei erhält er auch Unterstützung von seinem alten Freund Joe, der ebenfalls in diesem erpresserischen Video zu sehen ist.

Seine Charaktere hat der Autor gewohnt sauber herausgearbeitet und detailreich beschrieben. So gelingt es einem mühelos, sich in die Situation von Kyle hineinzuversetzen und Verständnis für sein Handeln aufzubringen und dieselben negativen Gefühle für Wright und seine Organisation zu empfinden, wie er selbst.

Eine richtige Spannung baut sich eigentlich während des gesamten Buches nie richtig auf, jedoch erzählt John Grisham so unterhaltsam und flüssig, dass zu keiner Zeit Langeweile aufkommt und man sich immer wunderbar unterhalten fühlt. Es sind einige interessante, stellenweise auch vorhersehbare, Wendungen eingebaut und das Geheimnis um die mysteriöse Organisation und die verzweifelte Auflehnung von Kyle lassen einen das Buch kaum aus der Hand legen.


Fazit: Alles in allem ein wirklich gelungener, sehr unterhaltsamer Roman. Jedoch, und deswegen auch nur 4 Sterne, hat mich der Schluss doch etwas enttäuscht. Es bleiben einfach zu viele Fragen offen, die mich schon brennend interessiert hätten. Allerdings lässt das Ende auch auf eine mögliche Fortsetzung hoffen.