Leseempfehlungen

Mittwoch, 15. September 2010

{GEWONNEN} Spannender Buchzuwachs







Seit jetzt 50 Wochen ist Jussi Adler-Olsen mit seinem Thriller "Erbarmen", dem ersten Fall von Carl Mørck und seinem Assistenten Assad vom Sonderdezernat Q nicht nur auf Verbrecherjagd, sondern auch auf der Spiegel-Bestseller-Liste.

Beim Lösen von ungeklärten Fällen ist die kopenhagener Sondereinheit ebenso erfolgreich wie auf dem deutschen Buchmarkt, was auch der zweite Fall beweist: ›Schändung‹ führt seit zwei Wochen die Spiegel- Bestseller-Liste an.

Ermittelt wird die Liste seit 1971 von dem Fachmagazin buchreport durch eine elektronische Abfrage in den Warenwirtschaftssystemen von ca.  350 repräsentativen Buchhandlungen. Die Spiegel-Bestseller-Liste bildet folglich den aktuellen Buchverkauf in Deutschland ab.




Die Spitzenplatzierung von "Schändung" feiert der dtv-Verlag mit seinen Lesern - jeden Tag!

Schreibt eine Rezension zu Eurem persönlichen dtv-Bestseller bzw. dtv-Lieblingsbuch und gewinnt auch. Unter den Einsendungen verlost der dtv-Verlag jeden Tag, den Jussi Adler Olsen mit "Schändung" unter den ersten drei Plätzen auf der Spiegel Beststellerliste ist, ein Buch Eurer Wahl.

Die Rezension kann auf Eurem Blog oder Eurer Website publiziert werden und per facebook, twitter geschickt werden. Den Link findet Ihr unter Gewinnspiel. Oder aber Ihr schickt eine Mail mit Eurer Rezension an: gewinnspiel@dtv.de (Betreff: Adler-Olsen). Die Gewinner werden jeden Tag mit ihrer Rezension im dtv-magazin veröffentlicht.

UND ICH HABE GEWONNEN!!! JUBEL - FREU!!!

Durch Zufall hatte ich die Info über das Gewinnspiel auf Facebook gesehen und gleich meine Rezension zu Anja Jonuleits Roman "Herbsvergessene" (Rezension)  eingeschickt und prompt heute Morgen eine Mail vom dtv-Magazin erhalten mit der Nachricht, dass ich gewonnen habe. Die Freude war natürlich riesig.


 Als Wunschtitel habe ich mir von Philip Sington "Das Einstein-Mädchen" ausgesucht. Sobald das Buch da ist, wird es natürlich sofort gelesen und die Rezension folgt dann hier auf meinem Blog.



Noch mal ein ganz dickes Dankeschön an das dtv-Magazin-Team für den Gewinn!!!

Dienstag, 14. September 2010

{Rezension} Die Stille nach dem Schrei von Isolde Sammer

Verlag: rororo Verlag
Taschenbuchausgabe: 400 Seiten
ISBN: 3499253704 
Genre: Deutscher Thriller
Erscheinungsdatum: 01. September 2010
Preis: 9,95 €




Tinas letzte Worte an Kommissar Schneider

Der 19-jährige Martin soll seinen Stiefbruder Jonas ermordet haben. Er behauptet, es war Notwehr und das Gericht glaubt ihm. Nur seine Stiefmutter, die Architektin Irene Werneck, kann dies nicht glauben, denn nach Martins Aussage müsste ihr ermordeter Sohn Jonas somit ein Sadist gewesen sein und ihr verstorbener Ehemann, Martins Vater, ein Kinderschänder. Für Irene entwickelt sich die Prozesszeit zu einem Spießrutenlauf, ihre Nachbarn meiden sie und selbst gute Freunde ziehen sich immer mehr von ihr zurück. Dann ist der Tag gekommen und Martin kehrt als freier Mann nach Hause zurück. Doch Irene mag einfach nicht an seine Unschuld glauben und setzt sich mit Kommissar Hanno Schneider in Verbindung, der damals in dem Fall ermittelte. Auch er hat Zweifel an Martins Unschuld und unterstützt Irene in ihren Bemühungen, Martins Schuld zu beweisen. In der Zwischenzeit hat sich Martin mit der jungen Tina Mahlbach angefreundet. Geht er mit ihr eine Beziehung ein, um seiner Umwelt ein „normales“ Leben vorzugaukeln oder sind seine Gefühle für Tina echt? Zumindest Tina liebt Martin abgöttisch und würde für ihn alles machen, was er auch bald einfordern wird.

Isolde Sammer erzählt ihren Thriller aus verschiedenen Blickwinkeln, wobei die Geschichte von Tina als Brief an Kommissar Schneider gehalten ist. So weiß der Leser fast augenblicklich, dass Tina in Schwierigkeiten steckt und mit Hilfe des Briefes versucht, ihren kleinen Bruder Benny zu retten. Denn Martin hat ganz offensichtlich pädophile Neigungen und auch der Gedanke an Mord ist ihm nicht fremd. Der Handlungsstrang von Tina ist sehr emotional angelegt und man merkt beim Lesen ihre Resignation. Man weiß, dass sie diese Geschichte nicht überleben wird, gleichzeitig spürt man auch ihren Kampfgeist, in jedem Fall das Leben ihres kleinen Bruders Benny zu retten. Ihren Charakter beschreibt die Autorin sehr einfühlsam und detailreich. Und obwohl mir ihre Handlungsweise absolut suspekt ist, gelingt es der Autorin trotzdem, ihr Vorgehen und ihr Verhalten plausibel und nachvollziehbar zu beschreiben.   

In weiteren Handlungssträngen erhält man einen Einblick in die Gedankenwelt von Martin, der es geschickt versteht, seinen Charme an den richtigen Stellen einzusetzen. Man ahnt schnell, dass hier der Schein trügt und Martin bei weiten gefährlicher ist, als er sich nach außen hin gibt. Und das ist auch gewollt von der Autorin. So weiß man von Anfang an, dass Martin mehr oder weniger eine tickende Zeitbombe ist und der Thriller einfach auf ein fulminantes Ende zulaufen muss, was schlussendlich auch der Fall ist. Dieser Charakter ruft beim Lesen eine ganze Bandbreite von Emotionen auf, wobei hier Wut, Zorn und auch Unglaube überwiegen, trotzdem gelingt es der Autorin hin und wieder auch so etwas wie Mitleid für Martin empfinden zu lassen. Und so geht es einem wie seiner Stiefmutter. Auch sie ist ständig hin und her gerissen zwischen abgrundtiefem Hass, Selbstvorwürfen und Mitleid. Der Autorin ist es so gelungen, einen eindeutig psychisch kranken Charakter zu schaffen, der durch seine Gefühlskälte auffällt, dies jedoch geschickt zu verbergen versteht und wahrscheinlich auch genau so angelegt sein muss, um solche Phantasien auszuleben.

Martins Stiefmutter Irene ist verständlicherweise mit den Nerven am Ende. Sie mag nicht glauben, dass ihr Ehemann wirklich ein pädophiler Sadist war, so wie Martin ihn in dem Prozess hinstellte, genauso wenig ist es für sie vorstellbar, dass ihr Sohn Jonas wirklich das getan haben soll, was Martin ihm vorwirft und dem das Gericht Glauben schenkte. Irenes Verzweiflung, die Demütigungen der Nachbarn und Freunde, die sie als „Rabenmutter“ sehen und den Schilderungen von Martin mehr Glauben schenken, wie auch ihre Angst gegenüber Martin, vermittelt die Autorin hervorragend. Diese innere Zerrissenheit und der gleichzeitig unbändige Wille von ihr, zu beweisen, welch krankhafter Charakter Martin in Wirklichkeit ist, beschreibt Isolde Sammer zu jeder Zeit absolut nachvollziehbar.

Durch diese so unterschiedlichen Handlungsstränge hält sich die Spannung ständig auf einem sehr hohen Niveau, wobei bis fast zum Schluss überwiegend auf reißerische Szenen absolut verzichtet wird und es hier mehr um das Gefühlsleben der einzelnen Protagonisten geht. Dies ist nie langatmig erzählt und durch die ständigen Wechsel der Erzählstränge besteht stets eine unterschwellige Spannung, die auch noch durch die düstere, beklemmende Stimmung gestärkt wird. 

Fazit: Isolde Sammer gelingt es sehr gut, das Thema „Pädophilie“ sensibel anzugehen und mit feinfühlig herausgearbeiteten Charakteren einen spannenden und gleichzeitig sehr emotionalen Thriller zu erzählen.

Montag, 13. September 2010

{Rezension} Das alte Kind von Zoe Beck

Taschenbuchausgabe: 304 Seiten
ISBN: 3404164431 
Genre: Deutscher Thriller
Erscheinungsdatum: 29.Mai 2010
Preis: 7,99 €





Der Instinkt einer Mutter

Im Jahr 1978 muss die zweifache Mutter und Geschäftsfrau Carla Arnim wegen einer Gürtelrose ins Krankenhaus. Ihre 6 Monate alte Tochter nimmt sie zwar mit ins Krankenhaus, darf sie wegen der Ansteckungsgefahr eine Zeitlang jedoch nicht sehen. Als sie wieder genesen ist, bringen die Ärzte ihr Felicitas. Doch das kleine Mädchen ist nicht ihre Tochter, behauptet zumindest Carla. Allerdings glaubt ihr im Krankenhaus niemand und selbst ihr Mann Felix ist überzeugt, dass es sich bei der Kleinen um ihre gemeinsame Tochter handelt. Der erfolgreiche Pianist hatte Felicitas jedoch das letzte Mal im Alter von 2 Wochen gesehen. So begibt sich Carla alleine auf die Suche nach ihrer Tochter, doch es ist ein einsamer Kampf, da sie von keiner Seite Unterstützung findet.

30 Jahre später in Schottland: Die junge Fiona wacht nachts in ihrer Badewanne auf mit aufgeschnittenen Pulsadern. Mit letzter Kraft gelingt es ihr, den Notarzt zu rufen. Im Krankenhaus wie auch in ihrem Bekanntenkreis glaubt ihr niemand, dass sie sich nicht umbringen wollte. Selbst ihre beste Freundin Mórag glaubt ihr nicht. Mit Hilfe ihres neuen Freundes Ben, ein Journalist, der verdeckt bei einem erfolgreichen Geschäftsmann ermittelt, macht sie sich auf die Suche nach ihrem vermeintlichen Mörder. Und schon bald müssen Beide feststellen, dass es wirklich jemand auf das Leben von Fiona abgesehen hat.

Geschickt verknüpft Zoe Beck beide Geschichten, die scheinbar so gar nichts miteinander gemein haben. Anfangs hat man das Gefühl, hier zwei Bücher gleichzeitig zu lesen, so unterschiedlich sind die Storys. Doch so nach und nach erhält man eine Ahnung darüber, wie diese beiden Erzählungen miteinander in Verbindung stehen. Sehr eindrucksvoll beschreibt die Autorin die Verzweiflung, Wut und auch Trauer von Carla, die felsenfest davon überzeugt ist, dass ihre Tochter entführt wurde und ihr gelingt es geschickt, auch beim Leser Zweifel darüber aufkommen zu lassen, ob Carla mit ihrer Meinung richtig liegt.

Immer besser lernt man im Verlauf des Buches die Vergangenheit der beiden Protagonistinnen kennen und je mehr man über Fiona erfährt, um so unsicherer wird man, ob diese bedingt durch ihre extravagante, kreative und so unkonventionelle Art nicht vielleicht doch unbewusst einen Selbstmordversuch unternommen hat. So spielt die Autorin geschickt mit den Zweifeln des Lesers und baut hierdurch eine gewisse Grundspannung auf, welche sich konstant über den kompletten Thriller hält. Geschickt gelegte Wendungen und die ständigen Wechsel zwischen den Geschichten der beiden Protagonistinnen sorgen dafür, dass zu keiner Zeit Langeweile aufkommt, auch wenn während des gesamten Buches keine wirkliche Hochspannung aufgebaut wird.

Die Charaktere der Protagonistinnen, so unterschiedlich wie sie auch sind, beschreibt Zoe Beck sehr einfühlsam und detailreich und so unvorhersehbar in ihren Handlungen, dass sie einem beim Lesen immer wieder einmal überraschen können. Und auch die weiteren Figuren sind sehr gut herausgearbeitet und authentisch dargestellt.

Die Auflösung des Thrillers ist überraschend und nicht vorhersehbar, allerdings so logisch umgesetzt, dass man sich wundert, nicht früher darauf gekommen zu sein.

Fazit: Der Thriller kann zwar nicht unbedingt mit Hochspannung aufwarten, ist jedoch sehr komplex angelegt und überzeugt durch seine interessanten Charaktere.

Freitag, 10. September 2010

{Rezension} Fluch der Finsternis von Sarah Rayne


Verlag: Goldmann Verlag 
Übersetzer: Ursula Bischoff 
Genre: Mystery Thriller 
ISBN: 3442465389 
Taschenbuchausgabe: 512 Seiten
Erscheinungsdatum: 01. November 2007
Preis: 8,95 €



Das dunkle Geheimnis von Twygrist

Nach 5 Jahren wird die Psychologin Antonia Weston aus dem Gefängnis entlassen. Dort hatte sie eine Strafe wegen Totschlags an einem Patienten abgesessen. Da sie sich erst mal wieder zurechtfinden muss, vermittelt ihr ehemaliger Chef ihr ein kleines Cottage in Amberwood auf dem Anwesen Quire House. In der dortigen Abgeschiedenheit möchte sich Antonia über ihre Zukunft Gedanken machen und einfach wieder zu sich selbst finden. Schnell hat sie der Charme des Anwesens eingenommen und so beginnt sie sich für dessen Geschichte und deren Bewohner zu interessieren. Hierbei erhält sie tatkräftige Unterstützung vom dort ansässigen Bewohner, der das Anwesen verwaltet. Immer mehr geht das Interesse von Antonia zur alten Mühle Twygrist und hierbei bemerkt sie nicht, dass sie auf Quire House in Lebensgefahr schwebt.

Sarah Rayne erzählt ihre Geschichte in zwei Zeitebenen. Zum einen verfolgt man das Einleben von Antonia in Amberwood sowie ihre Recherchen zu diesem Anwesen mit. Gleichzeitig erfährt man nach und nach die Hintergründe, die zu ihrer Verurteilung geführt haben und versteht hierdurch ihr heutiges Verhalten immer besser.

Zum anderen wechselt die Autorin zu gleichen Teilen ins 19. Jahrhundert und man lernt so auch die Hintergründe kennen, die zur düsteren Atmosphäre von Twygrist geführt haben wie auch über die auf dem Anwesen damals befindliche Irrenanstalt Latchkill. Und man lernt die Menschen kennen, die damals auf Quire House gelebt haben und manch dunkles Geheimnis versucht haben, zu verheimlichen. Durch Briefe, die auf Quire House die Zeit überlebt haben, erhält Antonia so einen immer besseren Einblick in das Leben der damaligen Zeit. Nach und nach kommt sie so einigen ziemlich düsteren Geheimnissen auf die Spur.

Die Wechsel zwischen den Jahrhunderten sind sehr gut gelungen und erhöhen die Spannung entsprechend. Es kristallisiert sich zwar schnell heraus, wer es auf das Leben auf Antonia abgesehen hat und aus welchem Grund. Allerdings ist das anschließende Katz-und-Maus-Spiel sehr spannend beschrieben und der Charakter des Mörders/der Mörderin so detailliert dargestellt mit ihrem/seinem krankhaften, an Wahnsinn grenzenden Verhalten, dass dies mühelos dafür entschädigt. Jedoch wirkt die ganze Geschichte, so spannend wie sie auch erzählt ist, stellenweise schon etwas konstruiert und vorhersehbar.

Einfühlsam geht Sarah Rayne auf die Gefühlswelt von Antonia ein und beschreibt sie hierdurch sehr facettenreich. So wirkt die junge Psychiaterin mit ihren Ängsten, ihrem Kampf dagegen, ihrer Neugier und ihrem relativ aufgeschlossenen Verhalten sofort sympathisch. Was allerdings gestört hat, dass die weiteren Charaktere durchweg zu klar gezeichnet sind. So ist bereits nach wenigen Sätzen ersichtlich, wer nun zu den Guten und wer zu den Bösen gehört, was Überraschungen in ihrem Verhalten somit ausschließt. 

Fazit: Eine spannend erzählte Story mit Gruselfaktor, die geschickt zwischen den Jahrhunderten wechselt, allerdings auch nicht mit großen Überraschungen aufwarten kann. 

Donnerstag, 9. September 2010

{Rezension} Gottesopfer von Tanja Pleva


Verlag: Piper Verlag
Taschenbuchausgabe: 332 Seiten
ISBN: 3492258670
Genre: Deutscher Thriller
Erscheinungsdatum: 02. Juli 2010
Preis: 9,95




Die Wurzel allen Übels

In Rom wird eine junge Frau auf offener Straße verbrannt, in Österreich eine ältere Frau tot in der Badewanne gefunden. Hinterlassenschaften an den Tatorten deuten darauf hin, dass es sich um ein und denselben Mörder handelt. Der Europol-Profiler Sam O’Connor wird mit der Aufklärung betraut. Seine Ermittlungen führen ihn auf eine Spur nach Hamburg.

In seinem ersten Fall ist Sam O’Connor einem Ritualmörder auf der Spur, der äußerst brutal vorgeht und schnell kristallisiert sich heraus, dass ein katholischer Priester eine Schlüsselstellung in diesem Fall hat. Doch ist er wirklich der Mörder? Es sprechen zwar alle Indizien gegen ihn, doch Sam glaubt nicht an eine solch einfache Lösung. In Hamburg arbeitet er mit seinem neuen Kollegen Juri zusammen, doch die Ermittlungen führen ihn zusätzlich quer durch Deutschland, in die Schweiz und auch in Amsterdam scheint es vor einigen Jahren einen Mord gegeben zu haben, der von dem gesuchten Serientäter verübt wurde.

Tanja Pleva nimmt sich in ihrem Debütroman dem Thema des Übersinnlichen wie auch der Inquisition an und verknüpft dies geschickt zu einem recht rasanten und spannenden Thriller. Der Verlauf des Thrillers kann zwar nicht unbedingt mit vielen Überraschungen aufwarten, doch durch ihren leichten und flüssigen Schreibstil gelingt es der Autorin mühelos, ihre Leser zu fesseln.

Ihr Protagonist Sam O’Connor ist ein sehr introvertierter Einzelgänger, der durch seine Verschlossenheit jedoch durchaus sympathisch wirkt. Nach und nach erfährt man auch ein wenig über seine Vergangenheit und kann so sehr gut sein heutiges Verhalten nachvollziehen.

Durch vereinzelte Einschübe erhält man im Lauf des Thrillers auch einen Einblick in das Leben des Mörders, ohne hierbei jedoch seine Identität preiszugeben. Diese Szenen dienen einzig dazu, einem die Handlungsweise des Täters näher zu bringen. Um wen es sich bei dem Mörder schlussendlich handelt, klärt sich erst im letzten Drittel des Thrillers, dies ist zwar ziemlich überraschend, allerdings mit Hilfe des Ausschlussverfahrens auch bereits vorher erkennbar.

Fazit: Tanja Pleva ist mit ihrem Debütroman ein durchaus spannender Thriller mit einem sympathischen Protagonisten und einer interessanten Story gelungen.

Die Autorin arbeitet nach eigenen Angaben bereits am zweiten Fall rund um ihren Ermittler Sam O’Connor.

Montag, 6. September 2010

{Leseeindruck} DU von Zoran Drvenkar

Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
Genre: Deutscher Thriller
ISBN: 9783550087738
Erscheinungsdatum: 13. Oktober 2010
Preis: 19,95 €




Die Reise des Reisenden

Zoran Drvenkar geht in seinem neuesten Thriller wieder den ungewöhnlichen Weg und bindet seine Leser mit in die Geschichte ein, dies hatte er ja bereits erfolgreich in „Sorry“ umgesetzt.

So spricht er einen direkt an und erzählt zum einen auf äußerst beklemmende, düstere Art von einem Ereignis, das sich im November 1995 bei einem Schneetreiben auf der A4 ereignet hat. Man fühlt sich beim Lesen irgendwie distanziert, aber gleichzeitig auch eingebunden in die Story und diese Zwiespältigkeit der Gefühle bindet einen geschickt an den Thriller. Zumal auch der Schreibstil des Autors sehr leichtfüßig zu lesen und ungemein fesselnd ist. Man hat in diesem Kapitel fast das Gefühl, ein Märchen zu lesen und in gewisser Weise ist es dies ja auch, schließlich berichtet er von einem Mythos, zu dem das Ereignis auf der A4 geworden ist.

Und auch im nächsten Kapitel „Ragnar“ wird man als Leser wieder direkt angesprochen und geduzt. So ist es ziemlich ungewöhnlich zu lesen, wie man erst einmal selbst beschrieben wird. Dies gestaltet Zoran Drvenkar wieder sehr eindringlich, zumal noch nicht ersichtlich ist, welche Rolle der Autor einem nun zugedacht hat. Was man allerdings in diesem Kapitel schon über sich selbst erfährt, ist ziemlich hart. Und auch hier tauchen wieder – wie bereits im vorherigen Kapitel – die 19 Jahre auf. Ob es sich hierbei jetzt um puren Zufall handelt oder ob diese Zahl im Lauf des Thrillers noch eine Bedeutung hat, wird in der Leseprobe nicht ersichtlich.

Interessant ist auch, dass der Autor bei jeder neuen Figur auch seinen Erzählstil ändert. Ist er bei dem „Reisenden“ fast schon melancholisch und düster, so ist er entsprechend der zweiten Person brutal und direkt, während der Stil bei der Figur Stinke als schnodderisch und flapsig beschrieben werden kann. So muss man sich zwar ständig umstellen, erhält so aber auch gleich ein Gefühl für die Personen, die man ja eigentlich selbst ist. Interessant ist auch, dass die verschiedenen Rollen geschlechterübergreifend sind.

Der ungewöhnliche Erzählstil von Zoran Drvenkar ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, zumal man bei verschiedenen Personen direkt angesprochen und nicht auf eine fixiert ist. So ist ein Umdenken ständig notwendig, was diesen Thriller allerdings auch außergewöhnlich macht und somit eine komplexe wie auch interessant zu lesende Story verspricht.


Freitag, 3. September 2010

{Leseeindruck} Sieh mir beim Sterben zu von P.J. Tracy

Verlag: Wunderlich Verlag
Übersetzer: Tanja Handels
Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Genre: Amerikanischer Thriller
ISBN: 3805208596
Erscheinungsdatum: 17. September 2010
Preis: 19,95 €





Morde ins Internet gestellt 

Schon allein der Prolog hat es in sich, als man bei einem scheinbar harmlosen Vorfall plötzlich Zeuge eines Mordes wird und die Kaltblütigkeit des Mörders Randy Coulter miterlebt, wie dieser ohne zu zögern und scheinbar geplant, einen Mann am zugefrorenen Lake Superior/Minnesota in den Tod schickt. 

Im nächsten Kapitel macht sich die Drag-Queen Alan stockbetrunken am Ufer des Mississippi auf den Weg zur Wohnung einer Freundin, um dort wieder einigermaßen nüchtern zu werden und um sich etwas zurecht zu machen, bevor sein nächster Auftritt beginnt. Doch natürlich gestaltet sich der holprige Weg mit Stilettos und nicht ganz intaktem Gleichgewichtssinn als äußerst schwierig und so stürzt Alan. Als ihm aufgeholfen wird, geht er erst einmal davon aus, das Wild Jim, ein stets betrunkener Uferbewohner, ihm hilft. Er erkennt zwar schnell, dass es sich hierbei nicht um Wild Jim handelt, glaubt aber in seiner alkoholbenebelten Glückseligkeit, dass endlich sein Prinz ihn gefunden hat und ein paar schöne Stunden mit ihm verbringen möchte. Willig fügt sich Alan ihm. Als er feststellt, dass aus dem vermeintlichen Liebespiel nichts wird, ist es bereits zu spät für ihn. 

In Kapitel 3 lernt man den FBI-Agenten mit dem sinnigen Namen John Smith kennen, der nach 30 Jahren Berufsleben nun kurz vor der Zwangspensionierung steht und zum ersten Mal eine Rede vor etwa dreißig Seminarteilnehmern halten muss. In einem kurzen Rückblick erhält man einen ganz kurzen Abriss über sein bisheriges Leben, dass eher als durchschnittlich und uninteressant – ähnlich wie sein Name – beschrieben werden kann. Und doch gerade diese Mittelmäßigkeit macht ihn sympathisch. Während Agent Smith sich für seinen Vortrag sammelt, erhält man einen kurzen Überblick über die Anwesenden, die sich aus weiteren FBI-Agenten und Hackern zusammensetzt. Die sich mit Cyberkriminalität befassenden Stelle beim FBI hat dieses Treffen koordiniert, da sie sich Hilfe bei der Aufspürung eines anonymen Netzwerkes erhoffen von den Hackern, die hiervon natürlich erst einmal nicht sonderlich begeistert sind. Dieses anonyme Netzwerk stellt Filme ins Netz, die Morde zeigen und Agent Smith greift zu diesem unkonventionellen Mittel, um endlich diese Mörder dingfest machen zu können. 

Allein im Prolog und den zwei Kapiteln gelingt es dem Autorenteam eine Spannung aufzubauen, die einen sofort an das Buch fesselt. Ihr Schreibstil ist leicht und flüssig und trotzdem so atmosphärisch dicht, dass augenblicklich das Interesse an der Story geweckt ist. Die Wechsel der Kapitel sind geschickt gelegt und verraten gerade so viel, dass die Neugier beim Lesen geweckt ist. 

Gut, die Story ist nicht wirklich neu, sondern in den verschiedensten Formen schon oft erzählt worden. Allerdings versprechen die drei so unterschiedlichen Kapitel zumindest eine komplexe Story und allein der Charakter von Randy Coulter macht einfach neugierig auf mehr und verspricht mit seinem krankhaften Verhalten einen fesselnden Thriller.

{Leseeindruck} Die Landkarte der Zeit von Félix J. Palma

Übersetzer: ---
Gebundene Ausgabe: 720 Seiten
Genre: Fantasy/Mystery Roman
ISBN: 978-3-463-40577-3
Erscheinungsdatum: 17. September 2010
Preis: 24,95 €




Eine fantastische Reise durch die Zeit

Die Leseprobe beginnt mit Seite 381 und man begleitet Tom Blunt bei einem Spaziergang über den Markt von Covent Garden. Sehr anschaulich und ausführlich beschreibt hier der Autor den Markt, sodass man ihn mit seinen Waren, Düften, Ständen und der Menschenmenge regelrecht vor Augen hat. Hier trifft Tom auf Claire, die ihn für den Zeitreisenden Derek Shakleton hält, Toms anderes Ich. Und obwohl Tom genau weiß, dass ein Zusammentreffen mit Claire für sie Beide lebensgefährlich sein kann, widersteht er ihrer Anziehungskraft nicht und verabredet sich mit ihr. Hierbei hat er nur ein Ziel vor Augen: Die Nacht mit ihr zu verbringen.

Später sinniert Tom über das Treffen mit Claire, die in ihm den tapferen Helden und Retter sieht. Ihm ist sehr bewusst, dass es für ihn und Claire keine Beziehung geben kann und doch kann er den Zeitpunkt der Verabredung kaum abwarten. Und auch hier geht der Autor sehr ausführlich auf die Gefühle seines Protagonisten ein und so geheimnisvoll Toms Leben zu sein scheint, so sympathisch wird er einem bereits nach wenigen Seiten. Bei dem späteren Treffen verstrickt sich Tom immer mehr in einem Lügengeflecht rund um die „Wissenschaft“ des Zeitreisens, nur um Claire zu beeindrucken und seinem Ziel näher zu kommen. Allerdings scheint sich Claire aber auch sehr gut mit dem Thema Zeitreisen auszukennen.

Da die Leseprobe fast in der Mitte des Buches beginnt, wird man regelrecht in die Geschichte hinein katapultiert und erhält so schwer einen Bezug zu ihr. Zu viele Fragen werden aufgeworfen, ohne beantwortet zu werden und viele Zusammenhänge sind unverständlich, da einfach das nötige Hintergrundwissen der ersten 380 Seiten fehlt. So ist die Leseprobe sehr verwirrend.

Allerdings merkt man auf den rund 30 Seiten deutlich, dass Félix J. Palma ein hervorragender Geschichtenerzähler ist. Sein Schreibstil ist flüssig, durchweg fesselnd, detailreich und lebendig. Und ihm gelingt es auch sehr gut, seine Charaktere facettenreich zu beschreiben und ihnen so schnell Konturen zu geben. Zusätzlich erhält man den Eindruck, dass es sich hierbei um eine höchst komplexe und durchaus auch spannende Geschichte handelt, die bei dem Thema „Zeitreisen“ mit Sicherheit noch mit einigen Überraschungen aufwarten kann.

Mittwoch, 1. September 2010

{Rezension} Schändung von Jussi Adler-Olsen


Verlag: dtv Verlag
Übersetzer: Hannes Thiess
Broschierte Ausgabe: 460 Seiten
ISBN: 3423247878
Genre: Skandinavische Thriller / Dänemark
Erscheinungsdatum: 01. September 2010
Preis: 14,90 €




Ein vermeintlich gelöster Fall weckt das Interesse von Carl Mork

Die Rorvig-Akte über einen Doppelmord landet auf Vizekommissar Carl Morks Schreibtisch. Das merkwürdige daran: Der Fall ist offensichtlich gelöst und der vermeintliche Mörder sitzt schon seit mehreren Jahren im Gefängnis. Was also soll das Sonderdezernat Q der dänischen Polizei damit, denn schließlich bearbeiten Carl Mork und sein Assistent Assad nur ungelöste Fälle? Als auf Nachfrage von Carl nicht geklärt werden kann, wer ihm die Akte auf den Schreibtisch gelegt hat, wird er neugierig und beginnt zusammen mit Assad mit den Ermittlungen. Tatkräftige Unterstützung erhalten sie von der neuen Kollegin Rose. Doch schnell müssen die Drei feststellen, dass ihre Ermittlungen in die höchsten Kreise der dänischen Gesellschaft führen und diese auf einmal massiv sabotiert werden. Doch gerade das spornt Carl und sein Team an, weitere Nachforschungen anzustellen. Doch dabei legen sie sich mit sehr mächtigen Gegnern an, die auch vor Mord nicht zurückschrecken.

Nach und nach lernt man in dem Thriller auch Kimmie Lassen kennen, die eine Schlüsselrolle inne hat. Sie gehörte damals zu einer Gruppe von Internatsschülern, die im Verdacht standen, den Doppelmord in 1980er Jahren begangen zu haben. Doch dank ihrer einflussreichen Eltern konnte dies nie bewiesen werden bis sich rund 10 Jahre später einer der Gruppe plötzlich der Polizei stellt und die beiden Morde gesteht. Seitdem sitzt er im Gefängnis, doch Carl und Assad kommen bei ihren Ermittlungen auch den anderen drei Männern immer näher und noch viel schlimmer: Alles deutet darauf hin, dass diese Gruppe außer dem Doppelmord noch unzählige Übergriffe und weitere Morde verübt haben. Doch diese drei Männer sind mittlerweile mächtige und sehr reiche Geschäftsleute und lassen so ihre Beziehungen spielen, um die Ermittlungen zu behindern. Doch auch Torsten, Ditlev und Ulrik stoßen dabei an ihre Grenzen, denn die einzige Frau der Gruppe, Kimmie Lassen, ist vor elf Jahren plötzlich abgetaucht und lebt seitdem auf der Straße. Sie könnte ihnen massiv schaden und so engagieren sie einen Privatdetektiv, um Kimmie aufzuspüren. Und auch Carl, Assad und Rose stellen bald fest, dass Kimmie eine wichtige Zeugin ist, die unbedingt gefunden werden muss.

In seinem zweiten Teil um den dänischen Vizepolizeikommissar Carl Mork und seinem Assistenten Assad thematisiert Jussi Adler-Olsen das Gefühl von grenzenloser Macht über andere wie auch die krankhafte Abhängigkeit zueinander. Eindringlich beschreibt er das menschenverachtende Verhalten der Gruppe, die sich ihren Kick holen, wenn sie andere Menschen quälen und foltern können. Und auch das schon an Größenwahn grenzendes Handeln von Ditlev, Ulrik und Torsten ist sehr nachvollziehbar umgesetzt. So gelingt es dem Autor wieder einmal, eine durchweg sehr beklemmende und äußerst fesselnde Stimmung aufzubauen. Zusätzlich schafft er es aber auch immer wieder sehr gut, diese Stimmung etwas aufzulockern, indem er seinen so unterschiedlichen Protagonisten witzige Dialoge in den Mund legt.

Die geschickt gelegten Wechsel bei den Erzählsträngen wie auch die komplex angelegte Story sorgen praktisch von der ersten Seite an für ein hohes Spannungspotential. Neben dem Erzählstrang von Kimmie verfolgt man natürlich die klassische und stellenweise auch recht unkonventionelle Ermittlungsarbeit des Sonderdezernats Q,  wie auch den weiteren Handlungsstrang um Ulrik, Torsten und Ditlev. Und zusätzlich erfährt man wieder ein wenig mehr über das Privatleben von Carl Mork und lernt ihn so auch wieder ein wenig besser kennen.

Carl Morks Charakter ist immer noch genauso zynisch, sarkastisch und dickköpfig wie bereits im ersten Band und er verzweifelt auch nun wieder oft am gutmütigen, durch nichts zu erschütternden Charakter von Assad. Hinzu kommt jetzt auch noch die neue Kollegin Rose, die ziemlich burschikos ist und kein Blatt vor den Mund nimmt. So sind herrlich humoristische Wortwechsel vorprogrammiert, bei denen Carl mehr als einmal den Kürzeren gegenüber Rose und Assad zieht. Zudem sind auch alle weiteren Figuren facettenreich beschrieben und nicht nur Assad überrascht einen während des Thrillers mehr als einmal, sondern auch die anderen Figuren sind nicht vorhersehbar und überzeugend angelegt.

Fazit: Ein hervorragender, komplex angelegter und äußerst spannender Thriller mit einem Protagonisten, der durch seine Eigenarten einfach nur sehr sympathisch wirkt.

Donnerstag, 26. August 2010

{Rezension} Vertrau mir blind von Nicolet Steemers


Übersetzer: Isabel Hessel
Genre: Psychothriller 
ISBN: 3426503905 
Taschenbuchausgabe: 304 Seiten
Erscheinungsdatum: 09. September 2009
Preis: 8,95 €


Auftauchen, um wieder zu verschwinden

Endlich der langersehnte Anruf. Heleen ist überglücklich, denn die Polizei hat ihre 17-jährige Tochter Mila in einem Park gefunden. Der Teenager ist zwar stark abgemagert und kann sich an die letzten 3 Monate ihres Verschwindens nicht erinnern, aber ansonsten scheint sie unversehrt. Überglücklich schließt sie Mila in die Arme. Doch ihr Glück währt nicht lange, denn schon kurze Zeit später verschwindet Mila wieder. Zurück bleibt nur ein Brief an ihre Eltern, dass sie sich keine Sorgen machen sollen und sie würde sich in einem Monat wieder melden, nach ihrem 18. Geburtstag. Heleens Exmann Friso wie auch die Polizei sind der festen Überzeugung, dass Mila aus freien Stücken gegangen ist, doch Heleen mag daran nicht glauben und begibt sich auf die Suche nach ihrer Tochter, die sie schon bald in Lebensgefahr bringt.

Wie ein Paukenschlag beginnt Nicolet Steemers ihren Psychothriller mit dem Anruf von Heleens Ex-Mann Friso, dass Mila gefunden wurde. Und so rasant wie die Geschichte ohne großes Vorgeplänkel beginnt, so spannungstreibend ist auch der Rest der Story angelegt. So lässt die Autorin einem kaum Zeit, sich während des Lesens zu entspannen und hetzt ihre Leser regelrecht durch den Thriller bis zum wirklich äußerst spannenden Ende. Somit ist zwar der Unterhaltungswert durchweg sehr hoch, auf die Hintergründe des eigentlichen Themas wird jedoch eher weniger eingegangen und so wirkt die Story dadurch recht oberflächlich.

Die Geschichte wird aus Sicht von Heleen erzählt, so erhält man recht schnell einen Bezug zu ihr und kann auch besser ihr stellenweise doch recht irrationales Handeln verstehen. Diese Emotionen vermittelt Nicolet Steemers gut, allerdings nervt stellenweise das recht hysterische und oft auch überzogene Handeln von Heleen. Zum einen versteht man aber auch gut die Wut, Verzweiflung und auch Enttäuschung von Heleen, gerade in Bezug auf ihren Ex-Mann und der Polizei. Gleichzeitig hat man jedoch auch Verständnis für das Verhalten von Friso wie auch der Polizei, die nicht an eine erneute Entführung glauben, sondern der Überzeugung sind, dass Mila aus eigenen Willen verschwunden ist. Allerdings kann man sich denken, dass Heleen mit ihrer Überzeugung Recht hat, ansonsten würde es sich hier nicht um einen Psychothriller handeln.


Fazit: Ein rasant erzählter Psychothriller, der zwar mit einer spannenden Story aufwarten kann, diese aber jetzt nicht unbedingt neu und doch recht oberflächlich angelegt ist.
 

Mittwoch, 25. August 2010

{Rezension} Kalte Stille von Wulf Dorn


Verlag: Heyne Verlag
Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Genre: Deutscher Thriller
ISBN: 3453266862
Erscheinungsdatum: 23. August 2010
Preis: 16,99 €







Die dunkle Seite des Lebens

Nach langen Jahren kehrt Dr. Jan Forstner in seine alte Heimatstadt Fahlenberg zurück, um in der Waldklinik eine Stelle als Psychiater anzutreten. Traurige Erinnerungen verbindet Jan mit seiner Heimatstadt. Vor 23 Jahren ist sein kleiner Bruder spurlos verschwunden, seine Leiche konnte bis heute nicht gefunden werden und in derselben Nacht verunglückte sein Vater tödlich bei einem Autounfall. Jan macht sich bis heute Vorwürfe, denn in jener schicksalshaften Nacht war der damals 12-jährige mit seinem Bruder Sven zusammen allein im Park. Mit der neuen Stelle hofft er, seine Alpträume endlich hinter sich lassen zu können. Doch weit gefehlt! Jan lässt das Verschwinden von Sven keine Ruhe, vor allem als die junge Nathalie vor seinen Augen zu Tode kommt und es Hinweise gibt, dass ihr Freitod in Verbindung mit der Waldklinik steht und dies wiederum alles etwas mit dem Verschwinden von Jens zu tun haben scheint.

Schon der Prolog lässt einen auf einen äußerst spannenden Thriller hoffen und man wird hier während des gesamten Buches nicht enttäuscht. Geschickt gelingt es Wulf Dorn immer wieder neue Spuren und Hinweise auszulegen, sodass man sich in Bezug auf den Täter bis zum Ende hin nie sicher sein kann. Schnell ist einem beim Lesen klar, dass das Verschwinden von Sven eine Schlüsselrolle in der Geschichte spielt und die Hintergründe des eigentlichen Verbrechens hinter den Mauern der Waldklinik zu finden sind.

Und auch, wenn der Autor fast komplett auf reißerische Szenen verzichtet, ist ständig eine unterschwellige Spannung zu spüren, die einen durch den gesamten Thriller begleitet und somit auch die Neugier in Bezug auf das Schicksal von Sven wie auch dem rätselhaften Selbstmord von Nathalie hoch hält. Zusätzlich sorgen die geschickt gelegten Wechsel bei den Handlungssträngen, wie auch der äußerst flüssige und fesselnde Schreibstil von Wulf Dorn dafür, dass man fast nicht fähig ist, das Buch aus der Hand zu legen. Allerdings wirkte das Ende bzw. das Motiv des Täters mir dann doch etwas weit hergeholt und konstruiert, auch wenn seine Identität für mich dann doch überraschend war.

Nachvollziehbar beschreibt Wulf Dorn die innere Zerrissenheit, Trauer und stellenweise auch Hilflosigkeit von Jan, der sich nie mit dem Verschwinden seines Bruders abfinden konnte, immer noch das Diktiergerät mit den letzten Worten von Sven bei sich trägt und sich nach wie vor immer noch mit Selbstvorwürfen quält. Jan ist bereit, allein schon durch seine beruflichen Erfahrungen, sich endlich mit seiner Vergangenheit auseinander zu setzen und stimmt Hypnosesitzungen durch einen Kollegen zu. So erfährt man nach und nach seine Familiengeschichte kennen, aber auch hier gelingt es Wulf Dorn wieder, oft mehr Fragen aufzuwerfen als zu beantworten, bis zum Schluss dann alle losen Enden zusammen gefügt werden.

Alle weiteren Charaktere sind ebenfalls detailreich beschrieben, bleiben jedoch durchweg undurchsichtig und geben einem immer wieder Rätsel auf. Also genau so, wie man es von einem guten Psychothriller erwartet.

Fazit: Auch wenn das aktuelle Buch nicht ganz an „Trigger“ heranreicht, ist Wulf Dorn jedoch wieder ein sehr spannender und komplexer Psychothriller gelungen, der einen praktisch von der ersten Seite an in seinen Bann zieht.

Dienstag, 24. August 2010

{Leseeindruck} Schlaf still von Kate White

Übersetzer: Rasha Khayat
Taschenbuchausgabe: 464 Seiten
Genre: Amerikanischer Thriller
ISBN: 9783548282459
Erscheinungsdatum: 10. September 2010
Preis: 8,95 €




Ein geheimnisvoller Anruf

Eine Frau wacht mit rasenden Kopfschmerzen und einem metallischen Geschmack auf. Modriger Geruch umgibt sie. Befindet sie sich noch in einem Traum oder ist dies brutale Realität? Dann knarrt eine Tür und der Mörder ist auf dem Weg zu ihr. Nach dem kurzen Prolog wechselt die Geschichte zur Protagonistin Lake Warren. Diese kann sich nach vier düsteren Monaten endlich wieder über das Leben freuen und trifft sich mit ihrer Freundin Molly, denn ihre Scheidung steht kurz vor dem Abschluss und Lake glaubt, dies nun auch endlich überwunden zu haben. Molly freut sich zwar über die gute Laune ihrer Freundin, warnt sie allerdings auch vor Gefühlsschwankungen, die immer noch auftreten können.

Die beiden Frauen unterhalten sich vergnügt über Lakes  bevorstehendes erstes Date nach der Scheidung, über die Scheidung an sich und über Männer im Allgemeinen. So lernt man die 44-jährige Protagonistin und ihr Leben schon mal ein wenig kennen und so wird sie einem schon recht schnell sympathisch. Doch das vergnügliche Mittagessen mit ihrer neuen Freundin ist schneller beendet als gedacht, da Lake einen dringenden Anruf von ihrem Scheidungsanwalt erhält. Und Dringlichkeit ist auch geboten, denn Jack, Lakes Noch-Ehemann, fordert nun plötzlich das alleinige Sorgerecht für die beiden Kinder. Lake fällt aus allen Wolken und ist total geschockt und kocht vor Wut und Zorn. Ihr fiel der Gedanke schon schwer, die elfjährige Amy und den zwei Jahre jüngeren Will jedes zweite Wochenende ihrem Mann zu überlassen. Aber das Sorgerecht komplett zu verlieren, ist für Lake undenkbar. Und diese Wut und auch Hilflosigkeit vermittelt Kate White sehr nachvollziehbar.

Allerdings macht ihr Anwalt ihr große Hoffnungen, dass sie den Sorgerechtsstreit nicht verliert, denn schließlich hat die Marketingexpertin ihren beruflichen Erfolg zurückgeschraubt und kann sich meist ohne eine Nanny um die beiden Kinder kümmern. Im Gegensatz zu ihrem Noch-Ehemann, einem überaus erfolgreichen Geschäftsmann.  Jedoch rät ihr Anwalt Hotschkiss dringend, sich nicht mit Männern zu verabreden, sondern erst einmal ein Singleleben zu führen, um so genug Zeit für die Kinder zu haben und um Jacks Anwalt hier keine Angreiffläche zu bieten. Notgedrungen und wütend stimmt Lake zu.

Erschöpft verlässt Lake die Kanzlei ihres Anwalts und macht sich auf den Weg zu ihrem Appartement. Dort verbringt sie den ganzen restlichen Abend mit Nachdenken und so erfährt der Leser ein wenig über ihr Leben mit Jack und dem Ende ihrer Beziehung. Diese Zeilen sind verständlicherweise nicht besonders spannend, bringen einem aber Lake wieder ein wenig näher. Und hier zeigt sich auch, dass die Autorin fesselnd und unterhaltsam schreiben kann.

Doch ganz abrupt zieht die Spannung extrem an, denn bei Lake klingelt das Telefon. Am anderen Ende eine Frau, die fragt, ob dies der Anschluss der Familie Warren sei und ob Lake die Mutter von William Warren sei. Ohne Lakes angsterfüllte Frage, ob etwas mit ihrem Sohn passiert sei, zu beantworten, ist die Verbindung beendet und hiermit auch die Leseprobe.

Der Anfang des Thrillers ist wirklich geschickt mit seinen wechselnden Handlungssträngen gelegt. Zuerst ein äußerst spannender Prolog, bei dem der Leser weiß, dass hier mit Sicherheit mit einem Verbrechen zu rechnen ist, der Ausgang jedoch offen. Und auch in welchen Zusammenhang dieser zur restlichen Geschichte steht, ist noch völlig offen. Dann ein recht entspannender Handlungsstrang, in dem man schon ein wenig über die Protagonistin und ihr Leben erfährt und keine 10 Seiten später entwickelt sich die Story bereits zu einem spannenden Thriller. Diese Erzählweise wie auch die Inhaltsangabe des Buches versprechen einen äußerst spannenden und vor allem fesselnd und unterhaltsam erzählten Thriller.

Sonntag, 22. August 2010

{Rezension} Herbstvergessene von Anja Jonuleit

Verlag: dtv Verlag
Taschenbuch: 432 Seiten
Genre: Deutscher Roman/Krimi
ISBN: 3423247886
Erscheinungsdatum: 01. September 2010
Preis: 13,90 €




Ein Wiedersehen, das keines mehr wird

Nach über 10 Jahren meldet sich Lilli Sternberg bei ihrer Tochter Maja und bittet sie, nach Wien zu kommen, da sie ihr etwas Wichtiges erzählen müsste. Als Maja eine Woche später mehr wiederwillig  in Wien ankommt, muss sie jedoch erfahren, dass ihre krebskranke Mutter einen Tag vorher scheinbar Selbstmord begangen hat. Maja ist erschüttert. Denn obwohl sie nie ein gutes Verhältnis zu ihrer Mutter hatte, kann sie sich mit dem Gedanken an Selbstmord nicht anfreunden. Zumal ist sie neugierig zu erfahren, was ihre Mutter ihr unbedingt erzählen wollte. So fängt Maja an, in der Vergangenheit von Lilli wie deren Mutter zu forschen und stößt dabei auf Ungereimtheiten. Immer mehr wächst in ihr der Verdacht, dass der Tod von Lilli kein Selbstmord war und ihre Großmutter ein dunkles Geheimnis gehütet hat.

Der zum Großteil aus Sicht von Maja erzählten Geschichte hängt zumeist ein Hauch von Herbstmelancholie an, wobei der Grund des Romantitels erst ganz zum Schluss offenbart wird. Die Autorin geht sehr auf die Gefühle ihrer Protagonistinnen ein und wechselt in ihrem Roman immer wieder die Erzählstränge, die zwischen Maja in der Gegenwart und der Geschichte ihrer Großmutter in 1940er Jahren wechselt. Allerdings kann man den Roman schwer einem bestimmten Genre zuordnen, denn bis gut zur Hälfte ist dies mehr ein Frauenroman und entwickelt sich im zweiten Teil zu einem äußerst rasant erzählten Krimi.

Der Geschichte aus der Vergangenheit liegt eine weitere dunkle Seite der Nationalsozialisten zugrunde. Anja Jonuleit behandelt recht ausführlich und informativ die SS-Organisation Lebensborn, der mehrere Mütter- und Entbindungsheime in Deutschland angehörten, so auch das Herrenhaus Hohehorst nahe Bremen, in dem ein Großteil der Geschichte von Majas Großmutter spielt.

Die Wechsel zwischen den Erzählsträngen sind gut gelegt und halten so meist die Spannung und Neugierde des Lesers auf einem hohen Niveau, da man nach und nach immer mehr vom Leben von Lillis Mutter erfährt und sehr bald feststellt, dass Maja hier einem düsteren Familiengeheimnis auf der Spur ist. Der sehr flüssige, emotionale und auch fesselende Schreibstil von Anja Jonuleit sorgt somit dafür, dass man sich bis zum Schluss wirklich gut unterhalten fühlt. Allerdings wirkt das rasante und spannende Ende etwas zu konstruiert, birgt zu viele Zufälle und kann somit nicht unbedingt als schlüssig bezeichnet werden.

Gut kann man die Gefühle von Maja nachvollziehen, ihre Wut, Trauer, Zorn, aber auch ihre Selbstvorwürfe und Neugier, und letzere zieht sie immer mehr in die Geschichte ihrer Mutter und Großmutter hinein. Hierbei stößt sie oft genug auf eine Wand von Lügen und Andeutungen und schon bald weiß weder Maja noch der Leser, wem zu trauen ist und wer ein falsches Spiel mit Maja spielt. Stellenweise wirken die Schilderungen der Gefühlswelt von Maja etwas überladen und stellenweise auch schwer nachvollziehbar, allerdings welcher trauernde Mensch, der vor allem einem dunklen Familiengeheimnis auf der Spur ist, reagiert unbedingt immer nachvollziehbar. Jedoch sind diese Beschreibungen zumeist unterhaltsam und nicht langatmig beschrieben, zumal immer wieder die Geschichte der Großmutter in den Vordergrund rückt und diese ein hohes Spannungspotential inne hat.

Fazit: Alles in allem erzählt Anja Jonuleit eine gefühlvolle, unterhaltsame und zum Schluss sogar richtig spannende Geschichte, die eine weitere dunkle, weniger bekannte Seite des Nationalsozialismus behandelt.