Leseempfehlungen

Mittwoch, 11. Januar 2012

{Rezension} Das Totendorf von Alexandra Sell





Verlag: Heyne Verlag 
Taschenbuchausgabe: 368 Seiten
Genre: Historischer Krimi
ISBN: 978-3453408777
Erscheinungsdatum: 09. Januar 2012
Preis: 8,99 €




Das Todesspiel beginnt

Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. ist zu Ohren gekommen, dass in einem kleinen Dorf im Harz unerklärliche Todesfälle geschehen und Menschen dem Wahnsinn verfallen. So bestellt er Leutnant Robert von Collas ins Berliner Stadtschloss und beauftragt ihn, sich den Vorfällen anzunehmen und diese aufzuklären. Zusammen mit vier Rekruten reist Robert im Oktober 1729 in den Harz. Kurz vor ihrem Ziel treffen sie auf eine beschädigte Kutsche. Den vier Reisenden, darunter auch die Nonne Johanna, bleibt nichts anderes übrig, als die Nacht in  Ödrode zu verbringen, begleitet von den Soldaten.  Kaum im Dorf angekommen beginnt der Leutnant mit seinen Ermittlungen, aber auch Schwester Johanna, die ebenfalls Kenntnis von den seltsamen Vorfällen  erhielt, beginnt nach den Ursachen zu forschen. Zusammen kommen Robert und Schwester Johanna recht schnell hinter den Grund für die Morde und dem Wahnsinn unter den Dorfbewohnern. Und die Zeit drängt, denn die Dorfbewohner haben Todesangst, ihr Misstrauen wächst und schon bald  schrecken sie auch vor einer mörderischen Hexenjagd nicht zurück.

Im Jahr 723 hält nach und nach das Christentum Einzug im Fränkischen Reich, die germanischen Götter rücken immer mehr in den Hintergrund, ihre heidnischen Symbole werden zerstört. Solch eine Szene beschreibt die Autorin in ihrem Prolog und somit ist einem bald klar, dass Legenden und alte Gottheiten  Grundlage für den historischen Krimi sind.

Nach diesem kurzen Prolog wechselt die Autorin zur eigentlichen Geschichte ins Jahr 1729 und es dauert auch nicht lange, bis sich eine geheimnisvolle, düstere und auch gruselige Atmosphäre aufbaut. Scheinbar ohne Grund und ganz plötzlich verfallen Dorfbewohner dem Wahnsinn, mehrere Menschen sind in den letzten Jahren spurlos verschwunden und scheinbar friedliebende Menschen werden zu Mördern. Anfangs stehen Schwester Johanna und Robert vor einem Rätsel. Nichts scheint einen Sinn zu ergeben, nirgends ist ein Grund für das Verhalten der Dorfbewohner zu finden bis Schwester Johanna das uralte Buch Yggdrasil liest.

Man merkt schnell, dass Alexandra Sell eine Vorliebe für alte Sagen und Mythen hat, denn diese Einflüsse baut sie geschickt und überzeugend in die Story ein, die sich schon bald ziemlich rasant und überaus spannend präsentiert. Ihr Sprachstil ist der Zeit angepasst, wirkt dennoch modern, ist trotz der gruseligen Stimmung gelegentlich auch etwas humoristisch und durchweg flüssig und lebendig. Hinzu kommt, dass noch einige nicht unbedingt vorhersehbare Wendungen eingebaut sind und auch der Ausgang der Geschichte ist einem  lange nicht ersichtlich. Nicht zu vergessen dabei sind aber auch die Charaktere des Buches. Denn eigentlich kann man keinem trauen, hier trügt wirklich der äußere Schein und nie ist man sich sicher, ob die Handlungen einzelner Personen nicht Berechnung sind.

Die Charakterzeichnungen sind der Autorin wunderbar gelungen. Die Hauptfiguren ihres Buches sind zum einen der junge Leutnant. Robert nimmt selten ein Blatt vor den Mund, kann für sein Alter schon sehr autoritär auftreten, ist kampferprobt und mutig und offen für neue Ideen. Diese präsentiert ihm die eigenwillige, belesene, extrem neugierige und mit einem wunderbaren schwarzen Humor gesegneten Nonne. Die dritte im Bunde ist das das Hausmädchen Ida, die zum ersten Mal verreist, anfangs total verschüchtert, ängstlich und unsicher ist und die an den Herausforderungen, welche an sie gestellt werden, über sich hinauswächst. Auch alle weiteren Charaktere sind bis in die kleinste Nebenrolle bestens beschrieben und wirken in ihren Handlungen authentisch.  Allerdings sind wirklich alle Charaktere, bedingt durch den Verlauf der Geschichte, für einen als Leser in ihren Handlungen so gut wie nicht einschätzbar.


Fazit: Ein mythischer, gruseliger und spannender Historienroman mit einer fesselnd erzählten Geschichte und Protagonisten, die einem durch ihre etwas eigenwillige und liebenswerte Art sofort sympathisch sind. 






Kommentare:

  1. Wow, eine sehr gelungene Rezi! Dagegen bin ich ja noch eine graue Maus ._.
    Ich habe gesehen, das du bald Erebos anfangen willst :) Ich glaube, dass es dir sehr gefallen wird^^ Morgen oder übermorgen kommt von mir eine Rezi dazu :)

    Liebe Grüße!

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  2. wie süß, lieben Dank Deniz. Aber eine graue Maus bist Du wirklich nicht. Deine Rezis sind doch richtig klasse und auf den PUnkt. Mir gefallen sie richtig gut, mach einfach weiter so.

    Auf Deine Rezi bin ich schon gespannt, habe bisher eigentlich nur sehr positives zu dem Buch gelesen und bin schon ziemlich neugierig drauf. Leider kommen aber vorher noch 2-3 andere Bücher dran, bevor ich mit Erebos anfange, müsste aber diesen Monat noch was werden ... hoffe ich ;)

    LG Isabel

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  3. Hallo Isabel,
    tolle Rezi, schon wieder ein Buch, das ich lesen sollte .. es werden einfach immer mehr.
    LG
    Biggi

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  4. Heute stöber ich mal wieder ein bißchen länger bei Dir...Das Buch steht jetzt auch auf meiner Liste; ich hab auch mal wieder richtig Lust auf etwas Historisches.....L.G Annette

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