Leseempfehlungen

Sonntag, 31. Mai 2009

Sorry von Zoran Drvenkar

Cover und Verlag: Ullstein Verlag
Gebundene Ausgabe: 400 Seiten

ISBN: 3550087721
Genre: Deutsche Thriller

Erscheinungsjahr: 2009
Preis: 19,90 €



Vier Berliner Freunde, alle Anfang 30, kommen auf die Idee, eine Agentur für Entschuldigungen zu gründen. Schon schnell floriert ihr Geschäft und sie können ihren Erfolg kaum fassen. Frauke und Tamara kümmern sich um das Organisatorische, die Brüder Kris und Wolf erledigen die Aufträge. Eines Tages erhalten sie den Auftrag, sich bei einer Frau zu entschuldigen. Wolf geht zu der angegebenen Adresse und findet eine Ermordete vor, bei der er sich im Auftrag des Mörders entschuldigen soll. Und da der Mörder sie erpresst, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als dies zu erledigen. Doch ist der Auftrag für den Mörder damit beendet?

Der Leser ist schon nach dem ersten Satz mit in die Geschichte eingebunden, da der Autor einen direkt anspricht und dies auf eine sehr beklemmende und spannende Art. In verschiedenen Perspektiven erzählt Zoran Drvenkar seine Geschichte, so wechselt er immer wieder zwischen den vier Hauptfiguren und erzählt aus deren Blickwinkel, sowie aus der Perspektive zweier weiterer Personen und des Mörders. Und die Rolle des Mörders hat Zoran Drvenkar seinen Lesern zugedacht.

Die Wechsel zwischen den verschiedenen Erzählperspektiven ist anfangs etwas verwirrend, doch nach kurzer Zeit findet man sich damit zurecht, zumal bei jedem Wechsel angegeben ist, aus welchem Blickwinkel die Geschichte weitererzählt wird.

Dieses für einen Thriller wirklich ungewöhnliche Einbinden des Lesers ist äußerst spannend angelegt und mit jeder Seite taucht man mehr in die Story ein, sodass man nach kurzer Zeit das Gefühl erhält, ein Teil von ihr zu sein. Die Charaktere sind sehr lebendig beschrieben und einige bleiben einem bis zum Ende äußerst rätselhaft, was für die Spannung auch sehr förderlich ist.

Alles in allem ist Zoran Drvenkar hier ein äußerst ungewöhnlicher und extrem spannender Thriller gelungen, der die Themen Schuld und Sühne behandelt. Absolut empfehlenswert, aber nichts für schwache Nerven.

Flucht übers Watt: Ein Nordsee-Krimi von Krischan Koch

Cover und Verlag: dtv Verlag
Taschenbuchausgabe: 304 Seiten

ISBN: 3423211407
Genre: Deutscher Krimi

Erscheinungsdatum: 01. Mai 2009
Preis: 8,95 €







Der kleinste Kommissar Norddeutschlands ermittelt

Kunststudent Harry Oldenburg stiehlt 4 Gemälde von Emil Nolde aus dem Noldemuseum in Seebüll. Doch so glatt wie er es sich das vorgestellt hat, klappt der Raub nicht und Harry flieht vor der Polizei auf die Insel Amrum, um dort unterzutauchen. Doch auch hier verläuft bei weitem nicht alles so, wie er dachte. Als dann auch noch ein auf den Inseln bekannter Maler ertrinkt und noch ein paar merkwürdige "Unfälle" passieren, ruft dies den kleinsten Kommissar Norddeutschlands auf den Plan. Und für Harry wird die Luft auf den Inseln immer dünner ...

Die Handlung umfasst zwei Handlungsstränge, zwischen denen knapp 20 Jahre liegen. So erfährt man zum einen, wie es zu dem Kunstraub von Harry kam und in dem anderen Erzählstrang erlebt man Harry in der heutigen Zeit, wie und vor allem warum er auf die Insel zurückkehrt und die Erlebnisse von damals ihn wieder einholen. Diese geschickt gelegten Wechsel sorgen dafür, dass der Krimi von Anfang an spannend und unterhaltsam erzählt wird.

Krischan Koch schreibt mit sehr lockerer, witziger Feder und man wird während des Lesens immer mal wieder zum Schmunzeln angeregt. So ganz nebenbei erfährt man noch das eine oder andere Amüsante und auch Interessante über das Inselleben auf Amrum und Sylt. Und auch die Informationen über Malerei und der Kunstszene sind durchweg unterhaltsam, sodass sich auch Leser, die sich weder für Malerei noch für die Nordseeinseln interessieren, bestens unterhalten fühlen.

Die Charaktere des Krimis sind facettenreich und lebendig beschrieben und stellenweise herrlich originell und skurril skizziert, sodass sie während des Lesens sehr schnell Konturen annehmen.

Alles in allem ist Krischan Koch in seinem Debütroman ein wirklich sehr unterhaltsamer Nordseekrimi gelungen, der ganz ohne spektakuläre Morde daherkommt und es trotzdem fantastisch versteht, von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln.

Freitag, 29. Mai 2009

{Rezension} Spurenleger Jörg Schmitt-Kilian


Spannender Polizeikrimi - Von einem Insider geschrieben

In Anlehnung des Mordfalls an der Heilbronner Polizistin Michele Kiesewetter hat der Autor und Kriminalhauptkommissar Jörg Schmitt-Kilian einen fiktiven Roman geschrieben. Die junge Polizistin Sabine Laube wird tot in ihrem Streifenwagen am Deutschen Eck in Koblenz gefunden, neben ihr findet man ihren, durch einen Kopfschuss schwer verletzten, Kollegen Bernd Müller. Sofort startet eine großangelegte Suchaktion und eine Soko wird zusammengestellt. Hauptermittler in dem Fall sind Lena Lieck und ihr Kollege Tom Schneider. Schnell ermitteln die Beiden einen Verdächtigen, der verhaftet wird und in Untersuchungshaft kommt. Doch dann findet man eine mysteriöse DNA-Spur und die Ermittlungen müssen von vorne anfangen.

Der Leser merkt von der ersten Seite an, dass hier ein Insider am Werk ist. Durch das wirklich profunde Fachwissen des Autors wird in dem Buch eine sehr realitätsnahe Atmosphäre geschaffen. Auch bedingt durch Fachausdrücke, die jedoch entweder sofort erklärt werden, oder aber im Anhang nachgelesen werden können und absolut nicht störend sind. Sein Schreibstil ist bei den Ermittlungen nüchtern und sachlich, der Umgang seiner Protagonisten Lena Lieck und Tom Schneider mit dem Fall wird vom Autor jedoch sehr emotional und einfühlsam dargestellt. Diese Mischung ist perfekt umgesetzt und die Spannung baut sich - allein auch durch die Story an sich - sehr schnell auf und bleibt bis zum Ende des Buches auf sehr hohem Niveau.

Die Charaktere des Krimis sind schnell für den Leser greifbar und Jörg Schmitt-Kilian gelingt es ohne Probleme, den Mitwirkenden des Romans Leben einzuhauchen. Lena Lieck ist nach außen hin eine toughe Kriminalkommissarin, aber der Autor lässt den Leser oft genug in ihr Inneres schauen, sodass sie einem sofort sympathisch ist und menschlich erscheint. Genauso ergeht es einem auch bei der Figur von Tom Schneider. Seine Sorgen und Alpträume sind absolut nachvollziehbar und glaubwürdig umgesetzt. Auch nicht unerwähnt lässt Schmitt-Kilian die seelischen Belastungen, welche Ermittler bei der Mordkommission ausgesetzt sind.

Fazit: Der Leser erhält in diesem Buch eine sehr realitätsnahe Schilderung der wirklichen Polizeiarbeit, verpackt in einem sehr guten Roman mit einem leider sehr traurigen, authentischen Hintergrund.

Cover und Verlag: Piper Verlag, Taschenbuchausgabe: 268 Seiten, ISBN: 3492254063, Genre: Deutscher Krimi, Erscheinungsdatum: April 2009, Preis: 7,95 €

Mittwoch, 27. Mai 2009

Tod im Dünengras: Ein Sylt-Krimi von Gisa Pauly


Verlag und Cover: Piper Verlag
Taschenbuchausgabe: 332 Seiten

ISBN: 3492253458Genre: Deutscher Krimi

Erscheinungsdatum: Mai 2010
Preis: 8,95 €




Sylt-Krimi mit einem guten Schuss italienischem Temperament

Bei einem Sonntagsspaziergang am Strand finden Kommissar Erik Wolf und seine italienische Schwiegermutter einen schwerverletzten Kneipenwirt. Kurz darauf erfährt Erik Wolf, dass einige Restaurantbesitzer auf der Insel anscheinend Schutzgelderpressungen ausgesetzt sind. Hat hier die Mafia ihre Hände im Spiel und ist der Kneipenwirt von ihnen zusammen geschlagen worden, weil er nicht bezahlen wollte? Kurz darauf, passiert ein Mord und Mamma Carlotta, Eriks Schwiegermutter, fühlt sich berufen, ihrem Schwiegersohn tatkräftig bei der Auflösung des Falls unter die Arme zu greifen.

Auf wunderbar unterhaltsame, bildhafte Weise gelingt es Gisa Pauly sofort, den Leser an ihre Geschichte zu binden. Die Story ist von Anfang an schlüssig umgesetzt und Spannung kommt praktisch von der ersten Seite an auf. Äußerst unterhaltsam ist auch das Aufeinandertreffen der italienischen mit der norddeutschen Mentalität beschrieben, sodass man hier immer mal wieder zum Schmunzeln angeregt wird.

Gisa Pauly beschreibt ihre Familie Wolf so lebendig, dass sie einem sofort wie liebgewonnene alte Bekannte vorkommen. Man ist praktisch von der ersten Zeile an gefangen von dieser sympathischen Darstellung, ganz besonders vom Charakter der Mamma Carlotta, die als eine typische italienische Mamma beschrieben wird - Ein Wirbelwind, resolut, lebenslustig und immer darauf bedacht, ihre Lieben zu bemuttern und zu beschützen. Die Zweifel, die Erik Wolf plagen, ob hier wirklich die Mafia auf Sylt ihr Unwesen treibt oder doch ein anderer Grund hinter den Morden steckt, ist ebenfalls glaubwürdig und nachvollziehbar umgesetzt. Auch alle anderen Charaktere sind sehr facettenreich mit ihren teils doch recht schrulligen, aber liebenswerten Macken beschrieben.

Alles in allem ist Gisa Pauly hier ein äußerst unterhaltsamer Krimi mit einem guten Schuss Lokalkolorit gelungen, der mit seiner schlüssig aufgebauten Story den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt.

Der Tote vom Leuchtturm von Anke Cibach



Sympathische Heldin - spannend umgesetzter Krimi

Tilde Janssen lebt alleine in ihrem Leuchtturm auf der kleinen Elbinsel Ziegensand. An ihrem 60. Geburtstag erhält sie Besuch von ihrer Tochter und ihrem geschiedenen Mann. Am nächsten Tag, eine Sturmflut ist in der Nacht über die Insel gefegt, findet Tilde beim Aufräumen die Leiche des Schönheitschirurgen Dykland. Handelt es sich hierbei um einen Unfall oder wurde der Chirurg ermordet. Und dann wird auch noch der Gärtner der Schönheitsklinik, in der Dykland Chefarzt war, tot aufgefunden. Tildes Neugier ist geweckt und sie und ihr Exmann ermitteln auf eigene Faust, was einigen Leuten ganz und gar nicht passt.

Anfangs bringt die Autorin ihrem Leser das Inselleben auf Ziegensand sowie ihre Protagonistin näher. Doch schon schnell entwickelt sich die Erzählung zu einem rasanten Krimi. Mit ihrem lebendigen, teils spitzfindigen und witzigen Schreibstil gelingt es Anke Cibach schon nach wenigen Seiten, das Interesse des Lesers zu wecken. Die Geschichte ist von Anfang an logisch aufgebaut und ohne Probleme nachvollziehbar und mit einem guten Anteil von Lokalkolorit ausgestattet. Zusätzlich sind interessante Wendungen eingebaut, die den Leser mehr als einmal auf die falsche Fährte führen und den wahren Grund der Morde lange im Dunkeln lässt.

Tilde Janssen stellt die Autorin als eine resolute, dickköpfige Lebenskünstlerin dar, die einem sofort sympathisch ist. Die einzigen Mitbewohner der Insel sind der etwas schrullige, wortkarge Herrmann und der junge, sympathische und gutaussehende Vogelkundler Malte. Die Beschreibung der anderen Charaktere ist einfühlsam und detailreich, sie haben Ecken und Kanten, sodass man sofort einen Bezug zu den mitwirkenden Figuren erhält.


Fazit: Anke Cibach ist mit dem vorliegenden Roman ein sehr unterhaltsamer und spannender Krimi mit einem nach wie vor aktuellen Thema gelungen, der bis zum Ende fesselt.

Cover und Verlag: rororo Verlag, Taschenbuchausgabe: 256 Seiten, ISBN: 3499247925Genre: Deutscher Krimi, Erscheinungsdatum: 01. April 2009, Preis: 8,95 €

Dienstag, 26. Mai 2009

Die Merlot-Morde von Ellen Crosby


Mord auf dem Weingut

Durch die Nachricht vom Tod ihres Vaters kehrt Lucie nach 2 Jahren auf das Weingut ihrer Familie in Virginia zurück. Kurz nach ihrer Ankuft wird ihr Patenonkel ermordert und Lucie setzt alles daran, den Mord aufzuklären.

Nach und nach erfährt sie und somit auch der Leser, was in den letzten 2 Jahren auf dem Weingut passiert ist, wie es zu den massiven Geldproblemen kommen konnte und welche Geheimnisse ihre vor Jahren verstorbene Mutter hatte. So erfährt der Leser automatisch mehr über die Familie und das Umfeld und je mehr man erfährt, umso mehr Tatverdächtige mit Mordmotiven tauchen auf. Kaum meint man, den Mörder zu kennen, schafft es die Autorin geschickt, neue Fährten auszulegen.

Gleichzeitig erhält man einen kleinen Einblick in den Anbau von Wein, was beileibe nicht uninteressant und ist und erfährt auch ein wenig von der Geschichte Amerikas rund um Thomas Jefferson.

Das alles erzählt Ellen Crosby in leichter und doch sehr fesselnder Art, sodass einem während des Buches niemals langweilig wird. Durch die immer wieder neuen Mordmotiven bei den einzelnen Akteuren wird der Spannungsbogen geschickt über das ganze Buch hinweg hoch gehalten.


Und somit ein Krimi wie ein guter Merlot, vollmundig, aromatisch und angenehm im Abgang.

Cover und Verlag: Bastei Luebbe Verlag, Übersetzer: Axel Plantiko, Taschenbuchausgabe: 398 Seiten, ISBN: 3404923146, Genre: Amerikanischer Krimi, Erscheinungsdatum: Februar 2009, Preis: 8,95 €

Vino Diavolo von Carsten Sebastian Henn

Montag, 25. Mai 2009

Das Böse in uns von Cody Mc Fadyen

Dies wird deine letzte Beichte sein

Ein Serienmörder, der sich dazu berufen fühlt, seine Opfer von ihrem schrecklichsten und dunkelsten Geheimnis zu erlösen. Erst zwingt er sie zur Beichte, dann tötet er seine Opfer. In ihren Körpern hinterlässt er ein kleines silbernes Kreuz. Smoky Barrett und ihr Team werden auf den Fall angesetzt. Während sie versuchen, die Beweggründe des Mörders zu erkennen, geht das Morden weiter und der Täter hinterlässt keinerlei Spuren oder Hinweise am Tatort, sodass Smoky und ihr Team anfangs im "Dunklen tappen". Doch dann nimmt der Prediger, so bezeichnet sich der Mörder selbst, Kontakt zu den FBI-Ermittlern auf und ein packendes und überaus spannendes "Katz-und-Maus-Spiel" beginnt.

Bei seinem 3. Buch dient Cody McFadyen der Katholizismus und hier explizit das Thema "Beichte" als Rahmenhandlung seines Thrillers. Gegenüber den beiden Vorgängern "Die Blutlinie" und "Der Todeskünstler" steht dieses Mal mehr der psychologische Aspekt der Story im Vordergrund. Waren die ersten beiden Bücher noch sehr blutrünstig und wirklich nichts für Zartbesaitete, geht Cody McFadyen bei dem vorliegenden Thriller mehr auf die einzelnen Charaktere des Thrillers ein, im Besonderen natürlich auf dem seiner Protagonistin Smoky. Durch Rückblenden erhält der Leser Informationen aus den Vorgängerbüchern, die für den Verlauf der Geschichte wissenswert sind. Für Leser, die die beiden anderen Thriller nicht kennen, mit Sicherheit notwendig; für den Leser allerdings, der die anderen beiden Bücher kennt, teilweise etwas ermüdend.

Cody McFadyen versteht es durch seinen flüssigen und vor allem fesselnden Schreibstil auch bei "Das Böse in uns" wieder hervorragend, den Leser von Anfang an an das Buch zu binden. Die Geschichte ist sehr dicht und schlüssig umgesetzt und hat keine Längen, die Spannung baut sich von Anfang an kontinuierlich auf und hält über das komplette Buch hinweg an.

Was mir allerdings etwas negativ "aufgestoßen" ist, ist die teilweise doch sehr vulgäre Sprachwahl. Ok, zu den beschriebenen Charakteren passt dieser Stil meist, etwas weniger wäre aber auch in Ordnung gewesen. Dass dieses Mal mehr das Zwischenmenschliche im Vordergrund steht und es in dem Buch eigentlich so gut wie keine blutrünstigen Szenen gibt, empfand ich als angenehme Abwechslung. Trotz der beklemmenden Stimmung, die man mitunter beim Lesen hat, kommen die Schmunzeleffekte auch nicht zu kurz. So ist es einfach köstlich zu lesen, wie Smoky und Bonnie ihre Kochkünste ausprobieren. Natürlich sind auch wieder die nicht immer so ernst gemeinten Sprüche von Callie vertreten, wie auch die "Kabbeleien" innerhalb des Teams.


Alles in allem ein wirklich gelungener Psychothriller, der dieses Mal mehr Wert auf die leiseren Töne legt und von Cody McFadyen wirklich gut umgesetzt wurde.


Cover und VerlagBastei Luebbe Verlag, Übersetzer: Axel Merz, Gebundene Ausgabe: 448 Seiten, ISBN-10: 3785723393, Genre: Amerikanische Thriller, Erscheinungsjahr: 2008, Preis: 19,95 €

Leichenblässe von Simon Beckett

 
 

Cover und Verlag: Rowohlt Verlag
Übersetzer: Andree Hesse

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
ISBN: 3805208669

Genre: Englische Thriller
Erscheinungsjahr: 2009
Preis: 19,90 €


Ist David Hunter seinem Beruf noch gewachsen?

Bedingt durch den Mordanschlag im vorherigen Roman "Kalte Asche", den David Hunter nur knapp überlebt hatte, nagen Selbstzweifel an ihm. Er ist sich nicht sicher, ob er seinen Beruf noch ausüben kann und die psychischen Belastungen des Anschlags machen ihm schwer zu schaffen. Einer Einladung seines Mentors Tom Liebermann folgend, reist Hunter nach Knoxville, Tennessee, um auf der "Body Farm" zu prüfen, ob er wieder in seinem Beruf zurückkehren kann. Zusätzlich möchte er bei seinem Freund Tom Liebermann und in bekannter Umgebung zur Ruhe kommen, um über seine Zukunft nachzudenken.

Als Liebermann zu einem Tatort gerufen wird, begleitet Hunter ihn und nimmt anfangs noch recht zögerlich an den laufenden Ermittlungen teil. Als er sich jedoch bereit erklärt, Liebermann bei der Obduktion zu unterstützten, ändert sich langsam sein Desinteresse an dem Fall. Zu viele Unklarheiten bei der Obduktion wecken wieder sein Interesse an seiner Arbeit, nach und nach schwinden seine Selbstzweifel und er unterstützt voller Elan die laufenden Ermittlungen.

Simon Beckett versteht es wieder einmal sehr gut, einen sofort an seinen Roman zu fesseln, auch wenn er es dieses Mal recht langsam angehen lässt. Allerdings passt dies auch gut zur momentanen Gefühlslage von Hunter und der Anfang ist hierdurch auch in keinem Fall langatmig. Außerdem sorgen gut gelegte Wendungen dafür, dass die Neugier während des Lesens geweckt bleibt. So baut sich die Spannung kontinuierlich auf und je mehr Seiten man liest, umso fesselnder wird der Thriller, bis hin zu Simon Becketts typischen fulminanten Ende.

Nichts für schwache Mägen sind wieder einmal die äußerst präzisen Beschreibungen der Leichen bzw. Obduktionen und da dieses Mal auch die "Body Farm" eine kleine Rolle in dem Thriller spielt, lässt es sich der Autor nicht nehmen, hier die unterschiedlichsten Stadien der Verwesung recht genau zu beschreiben.

Der innere Kampf von Hunter, bedingt durch den Mordanschlag, ist überzeugend dargestellt und schlüssig. Auch die weiteren Charaktere des Romans sind gewohnt facettenreich beschrieben, sodass sie problemlos während des Lesens Konturen annehmen.

Interessant zu lesen sind die Gedanken des Mörders, die in einem Nebenstrang erzählt werden. Da man lange Zeit nicht ahnt, um wen es sich handelt, der Mörder aber bereits sehr früh um die Beteiligung von Hunter an dem Fall weiß, reizt dies die Neugierde beim Lesen schon sehr, zumal auch das Motiv bis zum Schluss im Dunkeln liegt.

Auch mit seinem dritten Band rund um seinen Protagonisten David Hunter ist Simon Beckett wieder ein sehr spannender Roman gelungen, der kaum Wünsche offen lässt.

Auch wenn das Buch "Leichenblässe" wieder ein sich abgeschlossener Roman ist, empfiehlt es sich jedoch, die beiden Vorgänger "Die Chemie des Todes" und "Kalte Asche"  gelesen zu haben, da Simon Beckett das Leben von David Hunter weitererzählt und dem Leser ansonsten einige Hintergrundinformationen fehlen.

Obsession von Simon Beckett


Cover und Verlag:  http://www.rowohlt.de/
Übersetzter: Andree Hesse

Taschenbuchausgabe: 416 Seiten
ISBN: 3499248867

Genre: Englische Thriller
Erscheinungsjahr: 2009
Preis: 9,95 €

Als seine Frau Sarah plötzlich stirbt, ist Ben Murray am Boden zerstört. Trost findet er nur bei seinem kleinen Stiefsohn Jacob, der Autist ist. Beim Aufräumen findet Ben eines Tages eine kleine Kassette, in der sich Zeitungsausschnitte über eine Entführung des Säuglings Steven befinden. Misstrauisch geworden fängt Ben an, Fragen zu stellen und tritt damit eine Lawine los, die er nicht mehr aufhalten kann. Schnell kommt heraus, dass Sarah vor 6 Jahren ihr Kind verloren, Steven aus dem Krankenhaus entführt hat und ihn als ihren Sohn Jacob ausgab. Schnell sind die leiblichen Eltern ermittelt und für Ben beginnt ein Leben, welches er mehr und mehr nicht mehr in den Griff bekommt.

Simon Beckett hat hier auf sehr feinfühlige Art einen Roman geschrieben, der den Leser sehr schnell durch den flüssigen Schreibstil des Autors in seinen Bann zieht. Die Trauer und Zerrissenheit von Ben, das Beste für Jacob zu wollen und vor allem seine wahre Herkunft herauszufinden, sowie der Kampf um seinen Stiefsohn, ist glaubwürdig dargestellt. Man bekommt sehr schnell einen Bezug zu Ben und fühlt bei jeder Seite mit ihm mit. Auch die anderen Personen des Romans sind glaubwürdig und überzeugend beschrieben.

Allerdings hat der Roman auch einige Schwächen. Bis etwa zur Mitte des Buches wird erzählt, wie das Leben von Ben und Jacob nach Sarahs Tod weitergehen wird und dies ist sehr interessant beschrieben und die Neugier des Lesers über den Ausgang der Geschichte wird hier recht hoch gehalten. Aber danach fragt man sich: Und jetzt? Die Geschichte ist doch erzählt, was soll denn jetzt noch kommen? Dann plätschert die Geschichte eigentlich mehr oder weniger so vor sich hin und meiner Meinung nach hätte man dies auch ziemlich kürzen können, da man fast versucht ist, das Buch zur Seite zu legen. Erst bei den letzten ca. 100 Seiten zieht die Geschichte wieder an und wird dann auch mal wirklich spannend.


Fazit: Wer hier einen Thriller á la "Die Chemie des Todes" erwartet, wird bitterlich enttäuscht sein. Allerdings beweist Simon Beckett mit "Obsession", dass er wirklich gut schreiben und den Leser mühelos in seine Geschichte eintauchen lassen kann. Ein Roman, der mit leisen Tönen daherkommt, allerdings auch einige Schwächen hat.

Grabkammer von Tess Gerritsen


Cover und Verlag: Limes-Verlag
Übersetzer: Andreas Jäger

Gebundene Ausgabe: 417 Seiten
ISBN: 3809025402

Genre: Amerikanische Thriller
Erscheinungsjahr: 2009
Preis: 19,95 €


Gerichtsmedizinerin Dr. Maura Isles soll bei einem aufsehenerregenden Fund assistieren. Im Keller des Crispin-Museums in Boston ist eine 2.000 Jahre alte Mumie gefunden worden. Bei der Untersuchung stellt sich aber schnell heraus, dass die Mumie bei weiten nicht so alt wie angenommen ist und es sich hierbei anscheinend um ein Mordopfer handelt. Dies ruft Jane Rizzoli und ihren Kollegen Barry Frost vom Boston PD auf den Plan. Schnell stellt sich heraus, dass die junge Archäologin Josephine Pulcillo eine Schlüsselrolle in dem mysteriösen Fall spielt.

Das Hauptthema des vorliegenden Thrillers ist dieses Mal die Archäologie und hier im Speziellen das Thema der Mumifizierung. Gleich zu Anfang erhält der Leser eine Exkursion in Sachen Mumienuntersuchung, was sich erst einmal langatmig anhört, aber von der Autorin geschickt und unterhaltsam umgesetzt wurde.

Tess Gerritsen versteht es, die Story von Anfang an schlüssig und nachvollziehbar anzulegen. Allerdings baut sich die Spannung etwas langsam auf, dies jedoch kontinuierlich und einige wirklich interessante Wendungen wecken immer wieder die Neugier des Lesers und reizen so zum Weiterlesen.

Nicht zu kurz kommt auch dieses Mal wieder das Privatleben ihrer Protagonisten Jane Rizzoli und Maura Isles, wobei hier die Dosis gut gelegt ist und diese Einblicke die Ermittlungsarbeit und somit die Spannung nicht zu kurz kommen lassen. Auch die anderen Charaktere - allen voran hier die Figur von Josephine - sind facettenreich und stellenweise auch sehr undurchsichtig und rätselhaft angelegt. Sie haben Ecken und Kanten und dürfen auch mal Schwäche zeigen, wodurch sie schnell Konturen annehmen und man so seine eigenen Antipathien und Sympathien für die einzelnen Figuren entwickeln kann.

Alles in allem ist "Grabkammer" ein spannender Thriller mit einer interessanten Story, die von Anfang an überzeugen kann, auch wenn das Buch vom Spannungsaufbau nicht ganz an die ersten Bände der Isles/Rizzoli-Reihe heranreicht.

Die Namen der Toten von Glenn Cooper



Todesgrüße per Postkarte

Im Jahr 777: In Vectis wird der siebte Sohn eines siebten Sohnes am siebten Tag des siebten Monats geboren. Kurz nachdem er in einem Kloster aufgenommen wird, entdeckt der Prior und spätere Abt eine außergewöhnliche Gabe bei ihm.

1947: Präsident Truman wird vom englischen Premierminister um Hilfe bei einer sehr delikaten Angelegenheit gebeten. Bei Ausgrabungen auf der Isle of Wight haben Archäologen einen überaus brisanten Fund gemacht. Truman sichert Hilfe zu.

2009: Mysteriöse Todesfälle ereignen sich in New York. Einen Tag vor ihrem Tod erhalten alle Opfer eine Postkarte mit ihrem Todesdatum. Der kurz vor der Pensionierung stehende FBI-Agent Will Piper und seine Kollegin Nancy Lipinski übernehmen den Fall.

Diese drei Handlungsstränge sind anfangs mehr oder weniger in sich abgeschlossene Geschichten und man versteht erst nach und nach, wie diese zusammen gehören. Bedingt durch die verschiedenen Erzählstränge wirken gleich zu anfangs sehr viele unterschiedliche Charaktere mit, die stellenweise ein Zurechtfinden erschweren, vor allem, wenn man nicht die Möglichkeit hat, das Buch in einem Rutsch zu lesen.

Die Protagonisten des Thrillers sind aber eindeutig die beiden FBI-Agenten Will Piper und Nancy Lipinski. Jedoch bleiben ihre Charaktere blass und oberflächlich, was zum Teil an den Wechsel zwischen den Geschichten liegen mag und man so rasch den Bezug wieder verliert. Auch die anderen Figuren werden im Lauf des Thrillers nicht greifbar und sind auffallend konturenlos. Dies ist jedoch nicht unbedingt so negativ zu sehen, da dies der Spannung an der Story keinen Abbruch tut.

Diese ist nämlich schon nach wenigen Seiten vorhanden und hält sich problemlos fast über den ganzen Thriller hin. Allerdings verliert sich die Spannung zum Ende hin etwas, nämlich dann, als die endgültigen Zusammenhänge ans Licht kommen, man aber das Meiste schon während des Lesens herausgefunden hat.


Fazit: Gelungenes Debüt, das mit einer interessanten Geschichte aufwartet. Jedoch sollte man an manchen Stellen nicht so genau hinsehen, da einige Schilderungen doch etwas unlogisch sind, diese aber für den Verlauf der Story notwendig sind.

Cover und Verlag: rororo-Verlag , Übersetzer: Hans-Peter Kraft, Taschenbuchausgabe: 512 Seiten, ISBN: 3499249286 , Genre: Thriller Allgemein, Erscheinungsjahr: 2009, Preis: 9,95 €


Mordsfreunde von Nele Neuhaus


Cover und Verlag: List-Verlag
Taschenbuchausgabe: 393 Seiten

ISBN: 3548608868
Genre: Deutscher Krimi

Erscheinungsjahr: 2009
Preis: 8,95 €



Im Opel-Zoo in Kronberg wird eine menschliche Hand gefunden. Kurz nachdem Oliver von Bodenstein und seine Kollegin Pia Kirchhoff zum Fundort gerufen werden, findet sich auf der gegenüberliegenden Wiese die passende Leiche dazu. Es handelt sich um den Biologielehrer und radikalen Umweltaktivisten Hans-Ulrich Pauly. Schnell kristallisiert sich heraus, dass Pauly viele Feinde hatte und noch mehr ein Motiv, ihn zu töten ...

Nele Neuhaus gelingt es auch dieses Mal wieder sofort, ihre Leser von der ersten Seite an ihren Krimi zu fesseln. Ihr unterhaltsamer und manchmal auch zum Schmunzeln anregender Schreibstil gibt einem sofort das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Ohne viel "Herumgeplänkel" lässt sie ihre Geschichte beginnen, sodass die Spannung sehr früh vorhanden ist und sich kontinuierlich auf sehr hohem Niveau befindet.

Die reale B8-Problematik ist gut recherchiert und schlüssig in die fiktive Story rund um den Mord an dem Umweltaktivisten eingearbeitet. Lange lässt die Autorin den Leser bezüglich des Mörders im Dunkeln, wobei man allerdings schnell der Meinung ist, das Motiv gefunden zu haben. Jedoch führt auch diesbezüglich die Autorin den Leser immer mal wieder auf eine andere Fährte, sodass man sich hierüber auch nie ganz sicher sein kann.

Ihre beiden Protagonisten beschreibt die Autorin sehr detailreich und lebendig und sie gewährt dem Leser auch wieder manch einen Einblick in das Privatleben der Ermittler. Dies ist geschickt in den Krimi eingearbeitet, ohne ihm hierbei Spannung zu nehmen. Auch die Charaktere der übrigen Mitwirkenden sind sehr gut herausgearbeitet und facettenreich mit ihren unterschiedlichen Eigenarten und teilweise recht schrulligen Macken angelegt. Hierbei kommt auch der Lokalkolorit nicht zu kurz, was stellenweise äußerst unterhaltsam ist.

Fazit: Nele Neuhaus ist es mit ihrem 2. Roman rund um das Ermittlerduo Kirchhoff/Bodenstein gelungen, einen äußerst spannenden Krimi mit einem guten Schuss Lokalkolorit, verpackt in einer guten Story abzuliefern.

Der Täuscher von Jeffery Deaver


Cover und Verlag: Blanvalet Verlag 
Übersetzer: Thomas Haufschild

Gebundene Ausgabe: 544 Seiten
ISBN: 3764502967

Genre: Amerikanische Thriller
Erscheinungsjahr: 2009
Preis: 19,95 €


Fast perfekt getäuscht

Mithilfe eines scheinbar uneingeschränkten Zugangs zu privaten Daten verübt ein perfider Täter Morde und Vergewaltigungen und lässt unschuldige Bürger als Täter dastehen. Einer dieser Opfer ist auch der Cousin des genialen Ermittlers Lyncoln Rhyme. Alle erdrückenden Indizien sprechen gegen ihn. Rhyme und Sachs beginnen mit ihren Ermittlungen und müssen bald feststellen, dass es vergleichbare Fälle gibt, die ein ähnliches Tatmuster aufweisen. Schon bald führen Spuren zu einer Firma, die Daten privater Bürger sammelt. Sie scheinen auf der richtigen Fährte zu sein, denn plötzlich rückt Rhyme in das Visier des Täters.

Mit seinem achten Buch rund um seine Protagonisten Amelia Sachs und Lyncoln Rhyme hat Jeffrey Deaver wieder einen überaus intelligent durchdachten Psychothriller abgeliefert. Natürlich handelt es sich hierbei wieder um einen in sich abgeschlossenen Roman, sodass man ohne Vorkenntnis der anderen Bücher diesen unbesorgt lesen kann.

Dieses Mal beschäftigt sich der Autor mit dem brisanten Thema Daten- bzw. Identitätsdiebstahl bei Privatpersonen, was - wie immer bei J. Deaver - auch dieses Mal wieder gründlich recherchiert ist. Diesen Identitätsdiebstahl nutzt sein Serienmörder (Der Täuscher) fast perfekt aus, um seine Morde unschuldigen Bürgern unterjubeln. Aber eben nur fast perfekt! Das Team rund um Rhyme / Sachs kommen dem Serienmörder sehr schnell auf die Schliche und ein überaus spannendes "Katz-und-Maus-Spiel" beginnt. Mit von der Partie sind auch wieder die Kollegen Selitto, Cooper und Pulaski, die der Leser bereits aus früheren Romanen kennt. Fehlen darf natürlich auch nicht Rhymes "Mädchen für Alles" Thom; das Geplänkel der Beiden regt immer wieder zum Schmunzeln an.

Über die Charaktere braucht man nicht mehr viel sagen. Natürlich sind sie wieder hervorragend beschrieben und haben Tiefe. Neu ist, dass man dieses Mal wirklich viel über Rhymes Vergangenheit erfährt, was für den Fan natürlich sehr interessant ist.

Das Buch ist in zwei Erzählsträngen aufgeteilt. Einmal werden die Ermittlungen rund um Sachs/Rhyme geschildert, zum anderen erhält der Leser, aus Sicht des Serienmörders geschrieben, einen Einblick in dessen Leben.

Alles in allem wieder ein sehr interessant und hochspannend geschriebener Thriller von Jeffrey Deaver, der einen von der ersten Seite an fesselt und bis zur letzten Seite nicht mehr zur Ruhe kommen lässt.

Der Beutegänger von Silvia Roth



Auftakt für das Team Heller & Verhoeven

Der Roman beginnt mit dem Begräbnis von Kommissar Karl Grovius, dem Mentor und Partner von Hendrik Verhoeven, selbst Kommissar bei der Mordkommission in Wiesbaden. Am nächsten Tag wird im Wald bei Wiesbaden die Leiche einer jungen Joggerin gefunden. In ihrer Bauchhöhle steckt eine Chrysantheme. Verhoeven und seine neue Partnerin Winnie Heller werden mit den Ermittlungen betraut. Da passiert ein zweiter Mord und die Kommissare stehen vor einem Rätsel. Eindeutig handelt es sich um denselben Mörder, jedoch sind keine Gemeinsamkeiten zwischen den Opfern vorhanden, kein Tatmotiv für die Ermittler erkennbar, es fehlt ihnen jeglicher Ermittlungsansatz - ... und das Morden geht weiter ...

Silvia Roths flüssiger Schreibstil bindet den Leser sofort an das Buch. Durch die sehr detaillierte Beschreibung gelingt es ihr sehr schnell und ohne dabei langatmig zu werden, den verschiedenen Charakteren Leben einzuhauchen. Ihre beiden Protagonisten dürfen Schwächen zeigen, was ihnen Tiefe gibt und sie menschlich erscheinen lässt. So zum Beispiel hat Hendrik Verhoeven schwer an dem Verlust seines väterlichen Freundes Karl Grovius zu "knabbern" und dessen Geist begleitet den Leser kontinuierlich durch das ganze Buch. Auch Winnie Heller hat mit einem traurigen Erlebnis ihrer Vergangenheit zu kämpfen und einige recht merkwürdige Macken, die sie trotz ihrer etwas kratzbürstigen Art sympathisch erscheinen lässt.

Die Story ist von Anfang an schlüssig aufgebaut und nachvollziehbar. Der Spannungsbogen baut sich langsam, aber sehr kontinuierlich auf. So beginnt die Autorin gleich zu anfangs, die Geschichte des Mörders mit zu erzählen und dabei geschickt die Beweggründe seines Handelns im Dunklen zu lassen. Bis kurz vor Schluss ist für den Leser nicht erkennbar, nach welchen Merkmalen sich der Mörder seine Opfer aussucht; das Warum wird einem erst ab etwa der Mitte des Buches bewusst, wobei ein weiterer Erzählstrang hierüber mit der Zeit Aufschluss gibt.


Alles in allem ein wirklich spannender, unterhaltsamer Thriller; man mag gar nicht glauben, dass es sich hier um einen Debütroman handelt.

Cover und Verlag: Hoffmann und Campe Verlag  , Gebundene Ausgabe: 400 Seiten, ISBN: 3455400795, Genre: Deutscher Krimi, Erscheinungsjahr: 2007, Preis: 19,95 €

{Rezension} Warnschuss von Sandra Brown



Vereitelter Einbruch oder Mordversuch?

Duncan Hatcher, Detective bei der Polizei von Savannah, ist stocksauer und rastet aus, als Richter Cato Laird den Drogenboss Robert Savich wegen eines Verfahrensfehlers auf freien Fuß setzt. Dieser Ausraster im Gerichtssaal kostet ihn 2 Tage Gefängnis. Kaum entlassen begleitet er seine Partnerin DeeDee Bowen auf eine Belobigungsfeier, auf der er sich Hals über Kopf in Elise, Frau des besagten Richters, verliebt. 2 Wochen später werden Hatcher und seine Partnerin zu einem Einbruch gerufen, der im Haus des Richters stattfand. Elise Laird hat den Einbrecher scheinbar in Notwehr getötet. Doch war es wirklich Notwehr? Zusätzlich zu diesen Ermittlungen muss sich Detective Hatcher mit den Drohungen des Drogenbosses Savich auseinandersetzen, der Hatcher mittlerweile als Gefahr für seine Drogengeschäfte sieht, da dieser geschworen hat und alles daran setzt, Savich endlich zu überführen.

Schlüsselszene des Thrillers ist die Tötung des Einbrechers im Haus des Richterehepaares. War es wirklich Notwehr, wie Elise Laird behauptet oder steckt hier mehr dahinter? Handelte der Einbrecher im Auftrag oder war er ein Einzeltäter? Diese Fragen versucht Detective Duncan Hatcher zu klären und hat gleichzeitig ein großes Problem. Er hat sich nämlich in die Hauptverdächtige verliebt, doch ist er sich nicht sicher, ob er ihr vertrauen kann.

Im vorliegenden Roman versteht es Sandra Brown wieder gut, ihre Leser schnell an das Buch zu binden. So verknüpft sie anfangs lose Fäden, bei denen scheinbar keine Verbindung besteht, geschickt zu einer spannenden Story zusammen. Einige falsche Fährten und ihr gewohnt flüssiger, unterhaltsamer Schreibstil sorgen dafür, dass während des Lesens keine Langeweile aufkommt.

Die Charaktere von Duncan Hatcher und DeeDee Bowen sind detailreich und sympathisch beschrieben. Der innere Kampf von Duncan, ob er den Ausführungen von Elise Glauben schenken kann, erzählt die Autorin sehr gefühlvoll und nachvollziehbar. Sehr geheimnisvoll und undurchsichtig sind die Charaktere des Richterehepaares angelegt. So ist man sich lange Zeit unschlüssig, welche Rolle die Beiden in dem Fall spielen, noch ist es ersichtlich, in welchem Verhältnis sie zueinander stehen.


Auch wenn Sandra Brown in "Warnschuss" das Zwischenmenschliche mehr in den Vordergrund stellt, gelingt es ihr doch gut, die Spannung fast konstant hoch zu halten und so einen unterhaltsamen Thriller abzuliefern.

Cover und Verlag: Blanvalet Verlag, Übersetzer: Christoph Göhler, Gebundene Ausgabe: 512 Seiten, ISBN: 3764503076, Genre: Amerikanische Thriller, Erscheinungsjahr: 2009, Preis: 19;95 €

{Rezension} Skalpell No. 5 von Baden / Kenny



Ein Thriller mit Schmunzelfaktor

Dr. Jake Rosen, forensischer Pathologe, wird von seinem alten Freund Dr. Pete Harrigan gebeten, ihm bei der Bergung und Identifizierung von vier Skeletten zu helfen, die bei Bauarbeiten für ein neues Einkaufszentrum in Turner gefunden wurden. Schnell können die Beiden eines der Skelette identifizieren und stellen fest, dass der Mann keinen natürlichen Todes gestorben ist. Um die Interessen des Todesopfers vertreten zu können, bittet Jake Rosen die Prozessanwältin und Modenärrin Philomena Manfreda, genannt Manny, um Hilfe. Schon nach kurzer Zeit geschehen merkwürdige Ereignisse und Manny und Jake müssen feststellen, dass es Leute gibt, die unbedingt die weiteren Ermittlungen rund um die Skelettfunde verhindern wollen. Und hierzu sind ihnen scheinbar alle Mittel recht, doch Manny und Jake lassen sich davon nicht abschrecken und geraten selbst schnell in die Schusslinie.

Dem Autorenduo Baden/Kenny ist ein unterhaltsam zu lesender Thriller gelungen. Schon von der ersten Seite an ist man von der Schreibweise gefesselt. Ihre Protagonisten sind äußerst liebenswürdig und detailgenau beschrieben, sodass man sich sofort mit ihnen verbunden fühlt. Die Eigenarten der Beiden sind sehr spitzfindig beschrieben, das Geplänkel zwischen Manny und Jake einfach nur erfrischend. So ist es mir bis zu diesem Buch noch nie passiert, dass ich bei der Beschreibung einer Obduktion schmunzeln musste. Auch die anderen Personen des Romans sind lebendig beschrieben, sodass eine Verwechslung der Mitwirkenden in dem Roman ausgeschlossen ist.

Die pathologischen und forensischen wie auch die juristischen Informationen sind nicht überladen, sondern sehr verständlich und aufschlussreich dargestellt. Man merkt, dass hier zwei Fachleute am Werke waren; und wenn man sich die Hintergrundinformationen zu den Autoren auf der Buchrückseite durchliest, wird man den Verdacht nicht los, dass sich das Autorenduo mehr oder weniger bei den Rollen Manfreda/Rosen auch ein wenig selbst beschrieben hat.

Die Spannung baut sich langsam auf und nach gut einem 1/3 des Buches hält sie sich auf sehr hohem Niveau und man fiebert regelrecht mit Manny und Jake bei der Aufklärung des Falles mit. Die Spuren weisen anfangs in verschiedene Richtungen und man rätselt bis zum Ende über die Identität und dem Motiv des Täters.

Was mir auch sehr gut gefallen hat ist, dass bei diesem Roman auch das Zwischenmenschliche nicht zu kurz kommt. Die Beschreibungen des Privatlebens der beiden Protagonisten sind sehr gut in die Geschichte eingebaut, sodass zu keiner Zeit des Lesens Längen entstehen. Ganz im Gegenteil, diese sind meist herrlich erfrischend.


Fazit: Ein wirklich gelungener, spannender und zum Schmunzeln anregender Thriller.

Cover und Verlag:  Blessing Verlag, Übersetzer: Ulrike Wasel / Klaus Timmermann, Gebundene Ausgabe: 321 Seiten, ISBN: 3896672851, Genre: Amerikanische Thriller, Erscheinungsjahr: 21. Februar 2007, Preis: 19,95 €

Brandmal von Craig Russel


Cover und Verlag: Ehrenwirth Verlag
Gebundenen Ausgabe: 416 Seiten

ISBN: 3431037275
Genre: Deutsche Thriller

Erscheinungsjahr: 15. Januar 2008
Preis: 19,95 €


Gibt es Reinkarnation?

Ein Serienmörder geht in Hamburg um und Kommissar Fabel und sein Team sind mit den Ermittlungen betraut. Anfangs liegt das Motiv des Mörders im Dunkeln und es scheint, als ob er seine Opfer wahllos aussucht. Doch jeder tiefer Fabel gräbt, umso mehr kristallisiert es sich heraus, dass die Morde etwas mit der RAF zu tun haben und mit einem Kelten, der vor fast 3000 Jahren gelebt hat.

Wieder einmal versteht es Craig Russel hervorragend, dem Leser die Charaktere des Buches wie auch die Stadt Hamburg sofort nahe zu bringen. Die anfangs verschiedenen Erzählstränge verknüpfen sich recht schnell ineinander, sodass man nach kurzer Zeit über den Ablauf informiert ist. Jedoch bleiben genug Fragen offen, um die Spannung kontinuierlich auf einem hohen Niveau zu halten. Craig Russels Darstellung von Hamburg, besonders die genauen Beschreibungen der einzelnen Stadtteile stören gelegentlich, sind aber wahrscheinlich eher für den englischsprachigen Leser als Erklärung gedacht.

Die Charakter des Teams rund um Fabel und auch er selber werden weiter erzählt. Wie bereits in den vorherigen Bänden begonnen, legt der Autor auch hier wieder viel wert darauf, dem Leser den Privatmenschen Jan Fabel wie auch die Charaktere seiner Kollegen näher zu bringen. Dies ist sehr gut in die Story mit eingebaut und verleiht so den Personen mehr Tiefe.

Interessant sind auch die Informationen, welche man rund um die Themen Vererbungslehre und Deutschen Herbst erfährt. Wobei letzteres meines Erachtens nicht so ausführlich hätte sein müssen, da vieles Jedem bekannt sein dürfte. Ich vermute aber mal, dass hier wieder im Interesse des englischsprachigen Marktes so detailliert auf das Thema eingegangen wird.

Craig Russel ist mit seinem 3. Band rund um Jan Fabel und sein Team wieder einmal ein bis zum Ende sehr spannender Thriller gelungen, der interessante Themen aufgreift.

Treu und Glauben von Andrew Gross


Cover und Verlag: Scherz Verlag 
Übersetzer: Susanne Goga-Klingenberg

Broschierte Ausgabe: 379 Seiten
ISBN: 3502100640
Genre: Amerikanische Thriller
Erscheinungsdatum: 01. April 2009
Preis: 14,95 €









Packend und spannend umgesetzter Thriller

Morgens verabschiedet sich Karen Friedmann noch fröhlich von ihrem Mann Charles und einige Stunden später bricht für sie eine Welt zusammen. Ihr Mann stirbt bei einem Bombenanschlag auf die Great Central Station. Ein Jahr später macht Karen eine schreckliche Entdeckung und beginnt daraufhin, Nachforschungen über Charles Leben anzustellen. Was sie dabei findet, bringt sie und ihre Kinder in große Gefahr. Einzige Unterstützung erhält sie von Ty Hauck, einem Lieutenant bei der Polizei in Greenwich, Connecticut.

Bereits in seinem Debütroman "Blut und Lüge"  war das Grundthema des Thrillers: Ehemann und Vater verschwindet bzw. stirbt, Ehefrau beschäftigt sich daraufhin mit der Vergangenheit ihres Mannes und der Alptraum beginnt. Dieses Mal ist es nicht anders.

ABER: Andrew Gross gelingt es auch dieses Mal wieder, seinen Thriller rasant und spannend zu erzählen. Man ist von der ersten Seite an gefesselt und dies lässt auch über das gesamte Buch hinweg nicht nach. Ganz im Gegenteil, durch die kurzen Kapitel und seinem schnörkellosen Schreibstill schafft es der Autor mühelos, die Spannung zum Ende hin sogar noch zu steigern. Die Story liefert immer wieder neue und überraschende Wendungen. Die Geschichte ist schlüssig umgesetzt, nachvollziehbar und gut recherchiert.

Seine beiden Protagonisten Karen Friedmann und Ty Hauck beschreibt der Autor sympathisch und detailreich und er gestattet ihnen auch Fehler und Schwächen. Diese beschreibt er sehr einfühlsam, ohne dabei zu emotional zu werden, sondern findet hier immer genau das passende Mittelmaß, um die Charaktere glaubwürdig darzustellen. Auch die anderen Figuren des Thrillers sind wieder gut herausgearbeitet und facettenreich angelegt

Fazit: Ein Thriller, der von der ersten Seite an spannend umgesetzt ist und dessen interessante Story einen bis zum Schluss an das Buch fesselt.

{Rezension} Die zwölfte Nacht von Charlotte Lyne


Eine mutige Frau in den Reformwirren des 16. Jahrhunderts

Als kleines Mädchen wächst Catherine Parr in England des 16. Jahrhunderts - mitten in den Wirren der Reformation - bei den Seymours auf deren Landgut Wulf Hall auf. Ihr größter Wunsch ist es, eines Tages ein Buch zu schreiben und Thomas Seymour zu heiraten. Doch die schöne Zeit währt nicht lange und sie muss ihr zur Heimat gewordenes Wulf Hall und Tom verlassen, denn das Schicksal hat andere Pläne mit ihr. Im Lauf der Geschichte kreuzen sich ihre Wege immer wieder, um sich dann doch wieder trennen zu müssen und allgegenwärtig in ihr beider Leben ist Henry VIII., König von England, der ihr Schicksal mitbestimmt.

Charlotte Lyne beschreibt in ihrem Roman das Leben von Catherine Parr, der letzten Ehefrau von Henry VIII. und dies in einem äußerst anschaulichen und bildhaften Schreibstil. Ihre Protagonistin schildert die Autorin sehr einfühlsam und lebendig, sodass man sofort in das Leben von Cathie eintaucht und damit auch in das Leben des 16. Jahrhunderts. Catherine ist eine mutige Frau, die sehr genau weiß, was sie will und sich doch dem damaligen Leben unterwerfen muss, ohne dabei jedoch ihren Stolz und ihren Glauben zu verlieren. Sie ist offen gegenüber den Lehren der Reformer und ihrer Liebe zu Tom, den die Autorin als einen lebenslustigen, auf alle Konventionen pfeifenden Charmeur darstellt. Die Beziehung der Beiden zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch und ist - neben dem Leben Henry Tudors, der Familie Seymour und der Reformation der Englischen Kirche - ein Hauptbestandteil des Romans. Allerdings sind die Schilderungen ihrer Beziehung teilweise etwas schwülstig dargestellt und hier wäre ein bisschen weniger mehr gewesen.

Trotz der Fülle der mitwirkenden Personen verliert man durch die sehr detailreiche Beschreibung der Charaktere selten den Überblick, zumal hier zwangsläufig viele historische Personen mitwirken. Auf sehr unterhaltsame und farbenprächtige Art bringt die Autorin dem Leser auch das Leben am königlichen Hof von Henry VIII. mit seinen vielen intriganten Machenschaften näher.

Auch wenn einem der Verlauf der Geschichte bereits bekannt ist, schafft es Charlotte Lyne jedoch gekonnt, den Leser von Anfang an das Buch zu fesseln und in die Geschichte eintauchen zu lassen. Manchmal sind die Beschreibungen über das höfische Leben, über die Bräuche des 16. Jh. wie auch die theologischen Informationen etwas detailverliebt, diese nehmen dem Buch aber nicht wirklich die Spannung und sind oft sehr interessant. So erfährt der Leser zum Beispiel, was es mit dem Brauch der "Zwölfnachtfeier" auf sich hat, der auch eine Schlüsselstellung im Roman inne hat. Außerdem versteht es die Autorin gut, dem Leser die Reformation der Englischen Kirche näher zu bringen und dem damit verbundenen Kampf der Reformer gegenüber den Papisten. So erhält man so ganz nebenbei noch eine Lehrstunde in englischer Geschichte, meist anschaulich und interessant vermittelt.

Einen Punkt Abzug gibt es nur für die - für meinen Geschmack - teilweise etwas kitschige Darstellung der Beziehung von Cathie und Tom, wie auch für die manchmal doch etwas zu detaillierten Beschreibungen theologischer Gesichtspunkte. Ansonsten ist das Buch "Die zwölfte Nacht" ein wirklich praller, sehr gut recherchierter und farbenprächtiger Roman.



Cover und Verlag: Blanvalet Verlag , Taschenbuchausgabe: 672 Seiten, ISBN: 3442367174 , Genre: Historischer Roman, Erscheinungsdatum: 13. Mai 2008, Preis: 12,00 €

Die Beichte von Meg Gardiner


Hier wird Durchhalten eindeutig belohnt

Dr. Jo Beckett, forensische Psychologin in San Fransisco, wird zu einem schweren Verkehrsunfall mit Todesfolge gerufen. Da es sich hier scheinbar um einen weiteren Suizid eines Prominenten handelt, bittet die Polizei Jo um Unterstützung. Schnell wird während den Ermittlungen klar, dass alle Opfer einem geheimen elitären Club angehört haben. Zusammen mit Detective Amy Tang nimmt Jo die Ermittlungen auf und gerät dabei bald selbst in Lebensgefahr.

Irgendwie schafft es die Autorin dieses Mal nicht, ihrer neuen Protagonistin wie auch den anderen Charakteren im Roman von Anfang an ein Profil zu geben. Dr. Jo Beckett kommt dem Leser anfangs etwas konturenlos vor, erst im Lauf der Geschichte ändert sich dies und man erhält ein wenig Einblick in das Leben wie auch in die Vergangenheit von Jo.

Dem Leser ist gleich nach den ersten Seiten klar, dass sie ein traumatisches Erlebnis in der Vergangenheit hatte, welches sie heute immer noch stark belastet. Doch werden diese Informationen einem immer nur häppchenweise serviert und ziehen sich bis weit über die Hälfte des Buches. Zum einem soll es wahrscheinlich die Neugier des Lesers wecken, zum anderen ist dies aber auch gut in die Handlung des Romans eingefasst und somit schlüssig. Trotzdem hat mich dies doch etwas genervt, da es einfach sehr lange dauert bis die Figur von Jo für den Leser greifbar wird.

Dann, ab etwa der Mitte des Buches erhält man wirklich einen Bezug zu ihrem Charakter und auch die anderen Personen des Romans fangen an, Formen anzunehmen, in die man sich hinein fühlen kann und die lebendig wirken. Auch zeichnet die Autorin einige sehr witzige und skurrile Charaktere, erwähnt sei hier nur der Nachbar von Jo, der für einige lustige Akzente im Roman sorgt.

Die Geschichte an sich ist recht spannend und schlüssig umgesetzt. Die Spannung baut sich meines Erachtens gegenüber den bisherigen Büchern von Meg Gardiner, etwas langsamer auf, dafür aber dann auch wirklich kontinuierlich. Sobald die anfänglich verschiedenen Handlungsstränge anfangen ineinander zu greifen, wird hier eine wirklich interessante Geschichte erzählt.


Fazit: Wer bei diesem Buch bis zur Mitte durchhält, wird mit einem äußerst interessanten und spannenden Thriller belohnt.

Cover und Verlag: Heyne Verlag , Übersetzer: Friedrich Mader, Gebundene Ausgabe: 496 Seiten, ISBN: 3453265939, Genre: Amerikanischer Thriller, Erscheinungsdaturm: 18. August 2008, Preis: 19,95 €

Grabesgrün von Tana French


Cover und Verlag: Scherz Verlag
Übersetzter: Ulrike Wasel / Klaus Timmermann

Gebundene Ausgabe: 672 Seiten
ISBN: 3502101914
Genre: Englischer Thriller
Erscheinungsjahr: 03. Juli 2008
Preis: 16,90 €


Ein Krimi der etwas anderen Art

Tana French erzählt die Geschichte von Detectiv Rob Ryan in der Ich-Form. Als 12-jähriger verschwanden seine 2 Freunde spurlos beim Spielen im nahegelegen Wald, nur Adam Ryan wurde gefunden, unter Schock stehend und ohne Erinnerung an das Geschehen. Der Fall wird niemals gelöst. 20 Jahre später ist Ryan Detectiv bei der Mordkommission in Irland und hat seinen 2. Vornamen angenommen,somit kennt niemand seine Vergangenheit. Zusammen mit seiner Partnerin Cassie Maddox ermittelt er in einem Mordfall. Ein 13-jähriges Mädchen wurde im selben Ort, in dem er damals lebte, ermordet. Um den Fall nicht zu verlieren, erzählt er seinen Vorgesetzen nichts von seiner Vergangenheit, nur seine Partnerin weiß Bescheid. Die Paralellen des aktuellen Falls zu der früheren Vermisstensache zermürben ihn immer mehr.

Die Erzählweise von Tana French ist sehr erfrischend und lebendig. Die beiden Hauptakteure werden sympathisch und detailreich beschrieben, sodass man schnell einen Bezug zu ihnen erhält. Auch die anderen Charaktere haben Tiefe und sind stellenweise auch sehr undurchsichtig beschrieben. Was die Stimmung auch immer wieder ein wenig hebt, ist das "Geplänkel" zwischen Rob und seiner Kollegin.

Die Spannung baut sich langsam auf, wobei das Buch aber niemals langweilig wird, sondern immer äußerst unterhaltsam. In Bezug auf Mörder und Motiv lässt Tana French ihre Leser im Dunkeln und legt auch immer wieder neue Spuren aus, sodass man seine Meinung ein ums andere Mal wieder ändert.

Fazit: Alles in allem ein wirklich sehr spannender Thriller in einer erfrischend anderen Art geschrieben, der einen bis zur letzten Seite nich mehr loslässt.

Vermisst von Meg Gardiner


Cover und Verlag: Heyne Verlag
Übersetzter: Tamara Rapp / Imke Walsh-Araya

Taschenbuchausgabe: 448 Seiten
ISBN: 3453433238

Genre: Amerikanische Thriller
Erscheinungsdatum: 02. Juni 2008
Preis: 8,95 €

 Ein Wettlauf gegen die Uhr

Evan Delaney ist verzweifelt. Das Autowrack ihres Vaters wurde geborgen und von ihm weit und breit keine Spur. Für die Polizei gibt es nur 2 Möglichkeiten: Selbst-mord oder ins Ausland abgesetzt. Doch Evan glaubt weder das eine noch das ande-re. Für sie ist klar, dass ihr Vater entführt worden sein muss. Dann verschwindet auch noch Jax Rivera und Evan erhält Forderungen der Kidnapper zur Freilassung ihres Vaters. Schnell wird klar, dahinter stecken Leute, die nach einem gescheiterten Geheimdiensteinsatz vor 12 Jahren noch eine Rechnung mit Phil Delaney und Jax Rivera offen haben, denn auch Jax scheint in die Hände der Entführer geraten zu sein. Die Entführer wollen ein Dossier, welches Jax damals zu diesem Geheimdiensteinsatz angefertigt hat und Evan bleiben nur 72 Stunden, um das Material zu beschaffen. Ein rasanter Wettlauf gegen die Zeit beginnt, der Evan um die halbe Welt führt.

Dieses Mal fängt die Geschichte etwas gemächlicher an, aber beileibe nicht langweilig und knüpft nahtlos an seinen Vorgänger "Schmerzlos" an. Meg Gardiner setzt ihren Stil fort und so ist auch dieses Buch wieder aus Sicht von Evan Delaney in der Ich-Form geschrieben, was wieder einmal sehr sympathisch umgesetzt wurde.

Meg Gardiner versteht es sehr gut, den Charakteren des Romans schnell Leben einzuhauchen, sodass sie sehr menschlich wirken und auch mal Fehler und Schwächen haben dürfen. Ohne Probleme nimmt man Evan ihre Sorgen und Ängste während der verzweifelten Suche nach ihrem Vater ab.

Die Story ist logisch und schlüssig umgesetzt, und auch wenn der Roman dieses Mal anfangs etwas ruhiger daher kommt, nimmt er doch nach gut 1/3 des Buches rasant an Fahrt auf und die Spannung erhöht sich zusehend. Dadurch, dass der Leser lange nicht ahnt, welches Geheimnis hinter den Informationen steht, reizt dies die Neugier und animiert somit ständig zum Weiterlesen. Auch die Beweggründe der Verfolger von Evan, die in einem Nebenstrang der Geschichte nach und nach sichtbar werden, mindert nicht gerade die Spannung.

Alles in allem wieder einmal ein gelungener kurzweiliger und extrem spannender Thriller rund um das Thema Geheimdienst und organisiertem Verbrechen.

{Rezension} Blutfeinde von Kjell Ola Dahl


Packend und spannend von der ersten Seite an

Bei einer Kneipenschlägerei löst sich ein Schuss und trifft den jungen Polizisten Ivar Killi tödlich. Kommissar Gunnarstranda wird mit den Ermittlungen betraut. Da er jedoch kurz vorher interne Ermittlungen gegen Killi eingeleitet hatte und dieser äußerst beliebt bei seinen Kollegen war, wird Gunnarstrandas Arbeit von den eigenen Kollegen sabotiert und er massiv von ihnen gemobbt. Dann entzieht sein Chef ihm plötzlich den Fall und teilt ihm einen Vermisstenfall zu. Doch Gunnarstranda ermittelt weiter und stößt auf einige Ungereimtheiten.

Ohne große Vorgeschichte lässt Kjell Ola Dahl seinen Thriller mit dem Mord an dem jungen Polizisten beginnen, sodass der Leser sich sofort mitten im Geschehen befindet. Die Story ist anfangs auf 2 Erzählsträngen aufgebaut, bei denen zum einen die Ermittlungen von Gunnarstranda bei dem Polizistenmord erzählt wird, zum anderen die Arbeit von Kommissar Frank Frolich bei dem Vermisstenfall des Anwalts Arne Welhaven. Jedoch schon nach knapp 1/3 des Buches verknüpfen sich diese beiden Erzählstränge zu einem. Der Thriller ist von Anfang schlüssig, vielschichtig und atmosphärisch dicht umgesetzt und Spannung kommt praktisch von der ersten Seite an auf.

Seinen Protagonisten beschreibt der Autor als einen sehr eigenwilligen, dickköpfigen Einzelgänger mittleren Alters, der einem irgendwie sofort sympathisch ist. Sein jüngerer Partner Frolich ist ein ordnungsliebender und gewissenhafter Polizist, der Gunnarstranda nicht sonderlich leiden kann. So sind Schwierigkeiten zwischen den Beiden von Anfang an vorprogrammiert und diese sind vom Autor überzeugend und lebensnah umgesetzt worden. Die anderen Charaktere sind gut beschrieben und man erhält sehr schnell einen guten Eindruck über die mitwirkenden Figuren.

Der Thriller kommt ohne reißerische Effekte aus und konzentriert sich auf die Ermittlungsarbeit und das Zwischenmenschliche. Durch seinen sehr flüssigen und schnörkellosen Schreibstil gelingt es Kjell Ola Dahl so mühelos, seine Leser sofort an die Geschichte zu bindn und das Interesse an dem Roman zu wecken.


Cover und Verlag: Bastei Luebbe Verlag, Übersetzer: Kerstin Hartmann-Butt, Gebundene Ausgabe: 400 Seiten, ISBN: 3431037747, Genre: Skandinavischer Krimi, Erscheinungsdatum: 31. März 2009, Preis: 18,00 €

{Rezension} Kaltes Gift von Nigel McCrery


Solider, typisch englischer Krimi

Der aus krankheitsbedingten Gründen beurlaubte DCI Marc Lapslie wird an einen Tatort gerufen. Bedingt durch einen Verkehrsunfall ist eine nur leicht verscharrte Leiche ans Tageslicht gekommen. Auf der Suche nach der Identität der alten Dame stoßen DCI Lapslie und seine Kollegin Emma Bradbury auf einige Merkwürdigkeiten, denn anscheinend erfreut sich die angebliche Tote bester Gesundheit.

Der durch die BBC-Serie "Gerichtsmedizinerin Dr. Samantha Ryan" bekannt gewordene Autor Nigel McCrery hat hier einen soliden und vielschichtigen Thriller geschrieben. Er erzählt seine Geschichte aus zwei Perspektiven: Zum einem stellt er dem Leser gleich zu Anfang die Mörderin sowie ihr Motiv vor, ohne dabei jedoch auf die eigentlichen Hintergründe ihres Handelns einzugehen. Zum anderen begleitet der Leser das Ermittlerteam bei seiner Arbeit, die anfangs nur sehr langsam vorangeht, da kaum Anhaltspunkte vorliegen.

Sein unter Synästhesie leidenden DCI Marc Lapslie schildert er als einen mit seinem Schicksal kämpfenden Mann mittleren Alters, der sich mit vollem Einsatz in die Lösung des Falls stürzt. Emma Bradbury, seine junge Kollegin, bleibt jedoch etwas blass, sodass man kaum einen Bezug zu ihr erhält. Das Hauptaugenmerk der Geschichte liegt allerdings auch auf dem Charakter der Mörderin. Dieser ist sehr vielschichtig und undurchsichtig angelegt und die eigentlichen Beweggründe ihres Handelns liegen lange Zeit im Dunkeln, was die Figur sehr interessant macht und die Neugier reizt. Die übrigen Charaktere sind facettenreich erzählt mit ihren teils schrulligen Macken.

Nigel McCrerys Schreibstil ist detailreich und unterhaltsam und ihm gelingt es dadurch gut, den Leser bei der Geschichte mitleben zu lassen. Die Story an sich ist eher ruhig angelegt, nervenaufreibende Szenen findet man hier keine. Allerdings sind einige seltsame Geschehnisse eingearbeitet, die neugierig machen und so die Spannung recht hoch halten.


Alles in allem ein gut geschriebener, solider und in meinen Augen typisch englischer Krimi.


Cover und Verlag: Droemer Knaur Verlag, Übersetzer: Ilse Bezzenberger, Gebundene Ausgabe: 384 Seiten, ISBN: 342619791X, Genre: Englischer Krimi, Erscheinungsdatm: 02. April 2009, Preis: 16,95 €